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1937
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Schön war das Wetter 1937 in Bordeaux, aber auch deutlich zu kühl. So entstanden tanninreiche Weine mit viel Säure und wenig Schmelz, insbesondere auf dem linken Ufer. Deutlich besser sah es in Burgund aus. Perfekte klimatische Bedingungen und eine Ernte, die nur halb so groß ausfiel wie 34, ermöglichten große Weine.
Deutlich größer hätte Cos d´Estournel 2006 auf der großen Cos-Probe sein müssen, aber aus einer ‚ls’-Flasche gab er nicht allzu viel her. Dichte Farbe zwar, aber geprägt von viel zu viel Säure, die am Gaumen immer mehr Überhand gewinnt. Macht so keinen Spaß – 75/100.
Latour war 1995 auf Willi Krählings Latour-Probe aus der Magnum kompakt mit viel Säure, Kraft und dichter Farbe – 92/100. Lynch Bages hatte 2008 aus einer 'ls'-Flasche hatte eine durchaus nicht uninteressante Magginase mit einem Schuss malziger Süße eines alten Riojas, war aber am Gaumen gezehrt mit massiver Säure und eigentlich nur mit Widerwillen zu trinken – 70/100. Deutliches Alter zeigte 1994 auf Rodenstocks Arlbergprobe ein Mouton d´Armailhac aus der Jeroboam, und konnte mit seiner Sauerkrautnase nicht überzeugen – 82/100. Pichon Comtesse de Lalande hatte mir 1993 auf einer Drawert-Probe zuviel Säure und wirkte eckig – 82/100. 2001 auf einer großen Comtesse-Probe war der Wein reif, weit, aber immer noch interessant – 87/100.
Wenig Vergnügen bereitete 2009 Ducru Beaucaillou in einer französischen Händlerabfüllung von Ochsner&Fils mit einem deutlichen Essig-Stich. Leider korkig war 2002 Gruaud Larose, ein ansonsten sehr kräftiger, beeindruckender Wein, den Sie und ich demnächst wahrscheinlich gemeinsam suchen.
Desmirail hatte 2007 noch eine schöne Farbe, dazu eine komplexe Nase mit Tabak, Leder, Rosmarin. Etwas Liebstöckel, Kirschfrucht, würzig, am Gaumen schlank, aber immer noch mit Tannin, viel Struktur und Kraft, ein verdammt stramm wirkender Wein, aber alles andere als eindimensional, machte einfach Spaß – 93/100. Sehr enttäuschend 2007 auch Margaux. Die Nase war noch ganz ok, wobei die Aromatik gegrillten Fleisches gut zur rustikalen Küche der Probe passte. Der Gaumen dieses sicher nicht gerade billigen Weines wurde jedoch von einer massiven, unangenehmen Säure dominiert. Da war an echten Genuss eigentlich nicht mehr zu denken – 75/100.
Smith Haut Lafitte hatte 2007 eine einfach traumhafte Nase mit viel Schmelz, die auf einen Weinriesen in der 98/100 Kategorie hindeutete. Doch am Gaumen brachte der Smith Haut Lafitte nicht viel. Er wirkte etwas eckig, rustikal und schon deutlich gezehrt. Da kamen als Trinkgenuss noch höchstens 83/100 rüber. Auch 2009 konnte vor allem die Nase überzeugen, die nur ganz zu Anfang etwas stichig und oxidativ war. Das gab sich jedoch rasch, und sie wurde süßer und malziger. Am Gaumen störte die hohe Säure – 85/100.
Überraschend gut 2008 in einer Best Bottle Ausone, sehr fein, weich, elegant und aromatisch mit schöner Süße, ein harmonischer, gut gereifter großer Wein ohne Schwächen – 94/100. Nicht immer müssen es die großen Granaten sein. Für kleines Geld konnte ich Ende 2003 einen Bellile Mondotte erwerben. Der war zwar etwas rustikal, aber immer noch gut trinkbar und entwickelte sich sehr schön im Glas – 86/100. Auf meiner Raritätenprobe 1998 überzeugte der "28er" Figeac, der laut Korken ein 37er war, als perfekt gereifter, eleganter Wein – 83/100. Überragend war 2002 auf einer Probe Troplong Mondot. Traumstoff mit feiner Süße, der sich im Glas wunderbar entwickelte, geht auch als großer Burgunder durch, wurde für deutlich jünger gehalten – 97/100.
Ausgerechnet in Las Vegas fand ich 1997 auf einer Weinkarte einen Nenin. Perfekte Flasche, Chateauabfüllung, bn, für das Jahr in sensationellem Zustand, immer noch sehr gesunde Farbe, kräftige Säure hält diesen perfekt gereiften, wunderschönen zu trinkenden Wein am Leben – 93/100. Sicher besser als Petrus, der sich 1993 aus der Magnum sehr schön trank, aber heutige Größe vermissen ließ.
Für Sauternes gilt 1937 als ganz großes Jahr. Da die 37er Sauternes als recht langlebig gelten, lohnt hier bestimmt noch die Suche. Caillou Crême de Tête war 2004 eine recht gewöhnungsbedürftige Mischung aus Crême Brulée und Lebertran – 86/100. Deutlich besser, wenn auch nicht groß, war er ein Jahr später als süßer Abschluß des ersten Teils von René Gabriels großer Petrus Probe, ein in Ehren gereifter Sauternes mit güldener Farbe, in der Aromatik etwas Crème Brulée mit Zwergorangenconfit, dezente Restsüße und nicht unangenehme Bitternote – 90/100. Ein brilliantes Dunkelbraun zeigte Climens 2010, in der Nase karamellisierte Tarte Tatin. Dichter, voluminöser, süßer als der Doisy Daene, ein gewaltiges, nach Luft schreiendes Sauternes-Kaliber mit enormem, aromatischem Druck am Gaumen und fantastischer Länge. Ein Süßwein-Monument das als Begleiter der Gänseleber immer weiter zur Hochform auflief und sicher noch Potential für etliche Jahrzehnte hat – 98/100. Colafarben kam 2009 ein du Mayne ins Glas. Klar war der alles andere als jung, aber auch lange noch nicht zu alt und durchaus spannend. Karamellig, malzig und mit einer gehörigen Portion Kaffee die Nase, am Gaumen gute Säure, die diesen Wein deutlich frischer wirken ließ als in der Nase, nicht übertrieben süß, wirkte wie flüssige, dunkle Storck-Riesen – 89/100. Yquem. war 2008 ein schlichtweg außerirdisches Konzentrat mit brillianter Bernsteinfarbe, ein Elixier, dem man mit Worten kaum gerecht werden kann(ich versuche es gar nicht erst). Wirkte durch die irre Säure noch unglaublich jung und hat sicher noch 100+ Jahre vor sich. Einen solchen 100 Punkte Wein kann man eigentlich nur in stiller Demut tröpfchenweise genießen und dabei träumen.
Großartiges Burgunderjahr. Sehr schön gereift 1999 ein Charmes Chambertin Tête de Cuvée Grande Reserve von Bouchard – 90/100. Auch ein Charmes Chambertin der Confrérie des Chevaliers de Tastevin war 2008 immer noch sehr dicht in der Farbe, in der Aromatik war der Wein sehr weit entwickelt mit rosiniger Süße, aber auch noch komplex und mit guter Länge – 91/100. Immer noch schön zu trinken trotz heller Farbe und etwas spitze Säure 1999 ein Bourgogne Réserve du Cardinal von Calvet – 86/100. Klasse 1995 ein Charmes Chambertin von Chandesais – 92/100. Ebenfalls sehr gut in 1995 der Clos des Lambrays, auch wenn er nicht die Dichte des sensationellen 45ers besaß – 93/100. Hervorragend 2008 ein Clos des Mouches von Chanson ungemein komplex und vielschichtig mit pikanter Frucht, viel Eleganz und immer noch erstaunlicher Frische, deutliche Kaffeetöne, immer noch viel Kraft und eine irre Länge, reifer Burgunder klassischer Machart in seiner schönsten Form – 97/100. Ein einfacher Beaune von Masson Dubois war selbst in einer schlechten Flasche 1997 ein Klasseburgunder mit wunderschönem Mokka und viel Länge, kein spürbares Alter – 93/100. Die Zwillingsflasche hatte 2005 eine erstaunlich junge Farbe, nicht sehr dicht, aber klar, brilliant ohne Brauntöne. Wirkte auch am Gaumen eher wie ein 15 Jahre alter Pinot. Ein zeitlos schönes, unkaputtbares Weindokument aus einem der größten Jahre, die das Burgund je gesehen hat – 93/100. Vosne Romanée von Grivelet war 2008 ein großer, kompletter Burgunder, der allerdings noch genügend Kraft für ein paar weitere Jahrzehnte hat – 96/100. Wie dicht Höhen und Tiefen selbst in so einem Riesenjahr nebeneinander liegen, zeigte 2009 ein Charmes Chambertin von Grivelet aus einer Flasche mit allerdings auch miesem Füllstand. Der hatte die helle Farbe, die Süße, aber eben auch die Schärfe eines alten Port und war nur noch ein eher grenzwertiges Vergnügen – 78/100. Sehr kraftvollen, dicht und jünger wirkend 2009 ein Clos de la Roche Marchand von Etienne Jodelle, der den Ausnahmestatus dieses herausragenden Jahrgangs für das Burgund voll unterstrich – 96/100. Richebourg von Lalignant Chameroi war 2009 einer dieser Weine von der Sorte „macht sprachlos“, so eine sensationelle, dichte Farbe, so eine verrückte Nase, soviel Kraft, aber auch burgundische Pracht und Fülle am Gaumen. Einfach ein riesengroßer, kompletter Burgunder aus längst vergangenen Zeiten, gut 40 Jahre jünger wirkend und mit einer gewaltigen tragenden Säurestruktur, die diesen Wein noch 50 Jahre weiter altern lässt – 99/100. Ein Corton von Morin hatte 1997 beim Rheingau-Gourmetfestival aus der Magnum einen nicht unangenehmen Burgunder-Stinker, eine wunderschöne Süße, war geradezu frisch, "high Class", wurde im Abgang etwas sperrig – 93/100. Vosne Romanée von Leroy war 2007 trotz guter Farbe aus mäßig gefüllter Flasche(9cm) deutlich over the hill, trotz wenigstens noch feiner Nase. Aber am sehr säurebetonten, ungenerösen Gaumen machte dieser Leroy keinerlei Freude – 78/100. Völlig anders der im Vergleich getrunkene Richebourg von Noellat. Ähnlich schlechter Füllstand, noch dichtere Farbe. Das war reifer Pinot vom Allerfeinsten, betörende, feinduftige Nase, am Gaumen sehr finessig und delikat, mehr Eleganz als Kraft, aber doch sehr komplex und unglaublich lang, ein großes Violinenkonzert – 99/100. Im Januar 2008 bei „Braui meets Schorn“ dann noch mal drei große Burgunder aus 37. Hospice de Beaune von Abel Porte war gut gereift, aber durch die kräftige Säure noch lange nicht am Ende – 95/100. Auf dem Punkt ein perfekt gereifter Echezeaux von Labouré-Roi mit toller Süße – 97/100. Primus inter pares war ein 1937 Musigny Reserve de la Grande Restauration von Antonin Rodet, ein Prachtburgunder, unglaublich dicht, kraftvoll, komplex mit feiner Süße und deutlicher, kräuteriger Note, Burgund vom Allerfeinsten und in dieser Form sicher noch mit Reserven für einige Jahrzehnte – 98/100. Zuletzt 2009 war ein Vosne Romanée von Prosper Manoux die Kraft und die Herrlichkeit mit immer noch superdichter, jung wirkender Farbe, ein sehr komplexer, druckvoller und komplexer Parade-Burgunder mit wunderbarer Süße und toller Länge – 96/100.
Gutes Rhone-Jahr mit aber nicht sehr langlebigen Weinen. Trotzdem wirkte 2009 ein Hermitage von den Caves Hermitage noch so unglaublich jung und ging als 70er durch. Auch hier war es die perfekte Säurestruktur, die diesen Wein noch lange am Leben halten wird. Sehr geradlinig, kraftvoll, etwas monolithisch– 94/100.
Für Deutschland gilt 1937 als ganz großes Jahr, insbesondere im Bereich der edelsüßen Weine. Perfekt balanciert durch eine kräftige Säure wurden sehr langlebige Weine erzeugt. Überragend 2010 eine Wehlener Sonnenuhr feinste Auslese von JJ Prüm. Unendliche Eleganz und Finesse, so unglaublich frisch und zeitlos schön, die Farbe brilliant mit tiefem Altgold, in der sublimen, absolut faszinierenden Nase immer noch Frucht, Frische und Mineralität, am Gaumen Harmonie pur, nur dezente, perfekt integrierte Süße, ein Wein bei dem einfach alles stimmte und der auch unsere Runde sprachlos machte, einfach puristisch schön, legte sich wie Seide auf den Gaumen und blieb ewig haften, hat sicherlich Potential für 50 weitere Jahre – 100/100.
Ob die 37er Champagner in ihrer Jugend trotz der überragenden Qualität viel Spaß machten, wage ich zu bezweifeln. Dafür machte die hohe Säure sie sehr langlebig. Perfekt gelagert, können 37er Champagner immer noch ein Erlebnis sein. Als Champagner war das, was da 1998 aus einer miserabel gefüllten Flasche Pol Roger kam, nicht mehr zu erkenn. Mit schon stark ins Braune gehender Farbe, Nase leicht oxidativ im Stile der weißen YGAYs, furztrockener Stillwein ohne Mousseux, als Essensbegleiter, z.B. zu Austern, aber durchaus noch attraktiv – 83/100. Wie gut 37er Champagner noch sein können, zeigte ein Pommery & Greno. 1996 auf einer Drawert-Probe erstaunlich frisch und fruchtig, deutliche Kohlensäure – 94/100. Ein Jahr später ein Highlight meiner Raritätenprobe mit schier unglaublicher Vitalität und Frische, noch deutlich spürbares Mousseux – 97/100
Als eher mäßig gilt 1937 für Portwein. Sehr weich und weit entwickelt war 1996 bei Drawert ein Nieport Colheita – 85/100. Ganz groß, kraftvoll und mit viel Schmelz 1997 ein sensationeller Oporto Douro Imperial Reserve Vandermeulen – 98/100.
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