1940
Trotz Krieg und damit verbundenem Arbeitskräftemangel gab es in Bordeaux eine akzeptable Weinernte mit einigen nicht unattraktiven Weinen. Ich habe z.B. gutes von Latour und La Mission gehört, beide aber noch nicht probiert.
Pichon Comtesse 2001 auf einer großen Comtesse-Probe etwas kurz, ziemlich alt, die Säure gewann Überhand. Cheval Blanc war 2008 ein zwar kleiner, aber recht feiner, in Ehren gereifter und gut trinkbarer Wein – 80/100. Ähnlich zuletzt 2010 trotz erstaunlich kräftiger Farbe, sehr säurelastig, ein grenzwertiger, nur mit Schmerzen trinkbarer Wein – 78/100. Noch voll intakt war 2011 ein Rausan-Gassies, erstaunlich dicht in noch recht jung wirkenden Farbe, verhalten in der Nase, am Gaumen kräftig mit dominierender Säure, die diesen Wein am Leben erhält – 85/100.
Ein eher mäßiges Sauternes-Jahr.
Eine tiefe, güldene Farbe hatte 2008 ein Lafaurie Peraguey aus einer mid shoulder Flasche. In der Nase deutliche Süße und Wachstöne. Am Gaumen durch die gute Säure erstaunlich frisch und einfach schön zu trinken mit Nusstönen, Grapefruit und der klassischen Bitternote, aber wenig Boytritis – 89/100.
Auch in Burgund wurden auf insgesamt eher durchschnittlichem Niveau ein paar gute Weine erzeugt.
Was da 2011 beim Volnay von Louis Grivot an Frucht, Süße und Schmelz ins Glas kam, mit einer guten Säure, die für Struktur und Frische sorgt, das war schon beeindruckend – 95/100.
Kleiner, vernachlässigbarer Jahrgang an der Rhone. Und doch gint es auch hier Ausnahmen. Dunkles Braun, sehr portig mit hoher Süße, aber auch mit viel Süßholz, Lakritz und einem gehörigen Schuss Madeira zeigte 2010 ein Chateauneuf-du-Pape von Rayas, aber der ultrarare mit der Goldenen Kapsel, der süße Weißwein, quasi die TBA von Rayas und ganz großes Kino – 96/100.
Als gut gilt der Jahrgang im Elsass mit kleiner Ernte, aber sehr guten Weinen.
Ein Winkeler Hurenpfad Spätburgunder Rotwein eines Weingutes Josef Schwarz aus Winkel war 2009 ein Coca Cola-farbenes Sherry-Madeira-Mix, aber immer noch mit viel Charme, wobei der Gaumen mit einer feinen, teerigen Bitternote spannender war, als die Nase – 84/100.
Aus Spanien habe ich 2007 Marques de Riscal Reserva verkoste, üble Brühe mit Penicillin-Nase und auch am Gaumen sehr bitterer Medizin. Auch Vega Sicilia Unico riß mich 2001 auf der großen Vega.Probe nicht vom Hocker, ungenerös und schon ziemlich nahe an der Grenze zum Jenseits.
In der Champagne gab es die kleinste Ernte seit 1916 und keinen einzigen Jahrgangschampagner.
Toll waren in 1940 Weine aus der Massandra Collection. Ein Ayu Dag Cahors zeigte 1995 auf einer Drawert.Probe eine helle Farbe mit deutlichen Brauntönen, war karamellig, lang, mit einer kompakten, überhaupt nicht pappig wirkenden Süße. Ein Jahr später war bei Drawert ein Massandra White Muskat unglaublich lecker, cremig, würzig, mit leichter Säure. Bei Massandra-Weinen, die noch nicht durch allzuviel Hände gegangen sind, kann man eigentlich nicht viel falsch machen.

