1947

In Bordeaux ein heißer Sommer, große Hitze auch während der Ernte. Sehr reife, teilweise überreife Trauben mit hohem Zuckergehalt. Schwierige Vergärung wegen zu hoher Temperaturen, die man damals noch nicht so gut kontrollieren konnte. Was soll´s, da wo es geklappt hat, kamen üppige, hedonistische Weine heraus, insbesondere in Pomerol und St. Emilion. Da wurde Rubens zum Weinmacher!
Die 47er waren durch die Bank früh trinkreif und machen seit mehreren Jahrzehnten viel Freude. Kein Wunder, dass da inzwischen auch namhafte Kameraden etwas müde werden. Ich würde als 47er sicher noch den ein oder anderen Wein bis zum 60. aufheben. Ansonsten gilt aber: Korken raus und trinken bevor die Säure Oberhand gewinnt!

Ein gutes halbes Dutzend mal habe ich zwischen 1994 und 1997 Calon Ségur getrunken, den sicherlich besten St. Estephe aus 47, kräftig, ausgewogen, schöne Süße und tolle Länge am Gaumen, in den besten Flaschen damals sicher 95/100, aber inzwischen wohl auf dem Abstieg. Zuletzt 2007 ein in Ehren gereifter, kleiner, feiner Wein, rustikal, mit schöner Süße, inzwischen deutlich über dem Höhepunkt. Trotz trüber Farbe immer noch mit viel Genuss trinkbar, aber nur noch ein Schatten dessen, was dieser Wein noch Mitte der Neunziger brachte – 91/100. Eine tolle Farbe, wie eine nachkolorierte, ältere Postkarte, hatte 2006 der Cos d´Estournel aus einer unbekannten Händlerabfüllung. Schöne Nase mit dekadenter Süße, am Gaumen zunächst eher störende Töne wie Nagellackentferner und Uhu. Letztere verschwinden mit der Zeit, der Wein wird etwas generöser, süßer und malziger – 90/100. Montrose war 1997 klassisch, rustikal, mit etwas zuviel Säure- 92/100.

Immer noch voller Leben und sehr finessig 1997 Grand Puy Lacoste aus der Magnum. Klar konnte der auch 2007 auf Jörg Müllers 60. Geburtstag sein Alter nicht verleugnen. So paarte sich die saftige pflaumige Frucht mit einer unglaublichen Süße, wie sie nur Top Weine auf dem absoluten Höhepunkt entwickeln. Dabei war er noch so kraftvoll und herrlicher Länge am Gaumen, ein großes Weinerlebnis – 97/100. In guten Flaschen wie dieser sicher noch 10 Jahre haltbar. Im Sommer 2007 dann eine fast noch zu jung wirkende Magnum aus dem perfekten Rostaing-Keller in Paris, Mörderfarbe, am Gaumen kompakt, dicht jung, sehr würzig und eigentlich noch vor dem Trinkhöhepunkt – 94+/100. Weniger begeistern konnte ich mich bisher für Lafite-Rothschild. 1995 auf einer Drawert-Probe reife, helle Farbe, elegante, feine, eher Pinot ähnliche Nase, zu Anfang großer Wein, baut aber im Glas schnell ab und wird säurelastig, mit gutem Willen 90/100. 1997 auf einer Probe in der Traube Grevenbroich aus der Magnum helle Farbe, Lafitig-schwächlich, manche mögen das für elegant halten, ich finde es nur schwach - 83/100. Und zuletzt 2007 eine einzige, große Katastrophe. Ende 2007 dann begann er auch wieder bekannt fürchterlich mit einer Nase nach faulen Eiern, am Gaumen scharf und säuerlich. Doch zunehmende Luft brachte ein kleines Wunder zustande. Nicht nur die Nase besserte sich, auch am Gaumen wurde der Lafite deutlich schöner. Um Längen besser als alles, was ich von diesem Chateau bisher aus 47 getrunken habe, aber immer noch ein kleiner Wein, der dem klangvollen Namen nicht gerecht wird – 87/100. Latour hatte 1995 im Landhaus Bacher helle, reife Farbe, dezente Minznase, fein gewoben, am Gaumen mit Eukalyptus, schöner Abgang, zuerst 91/100, baute dann aber schnell ab und bekam Mahagoni-Ton. 1997 eine Magnum, helle Farbe, Waldboden, etwas gezehrt, kein großer Genuss mehr - 83/100. 2007 eine Ausnahme-Flasche, vor allem die Nase, so fein, animierend und aromatisch, Trüffel, Walnuss, leichte Bitternote, ein perfekt gereifter Wein, leider am Gaumen etwas austrocknend und mit viel Säure – 95/100. Und zuletzt 2011 wieder diese helle, bräunliche, verwaschen wirkende Farbe, gezehrt und leicht säuerlich die Nase, auch der Gaumen leicht säuerlich. Zwischendurch blitzte immer mal wieder die einstige Klasse dieses Weines auf – 83/100. Wer 47 Latour kaufen möchte, sollte sich auf Flaschen mit entsprechend dichter Farbe beschränken. Sehr gut gefallen hat mir 1995 auf Willi Krählings großer Vertikale Lynch Bages, sehr kräftige, dichte Farbe, Power, gekochte Früchte, Sonne, langer Abgang...mit Altersbonus - 96/100. 2008 aus einer nicht optimalen mid shoulder Flasche. Ziemlich helle Farbe, sehr feine, elegante Frucht, viel Himbeere und etwas von der Erdbeere, die man bei sehr viel älteren Weinen oft entdeckt, am Gaumen recht pikant und mit sehr viel Finesse - 92/100. Und kurz danach eine Flasche mit Säure ohne Ende. Eher Strafe für den Gaumen als Genuss. In Pauillac der wohl größte Wein und in vielen Proben würdiger Rivale des 45ers ist Mouton Rothschild. 1994 auf Willi Krählings Mouton-Probe aus der Magnum dicht, kräftig, opulent, einfach perfekt 100/100. 1997 auf einer großen Probe in der Traube Grevenbroich ebenfalls aus der Magnum Mouton at ist best, mit feiner Eukalyptusnote und einem Hauch Minze, mehr Eleganz und Finesse als Opulenz - 98/100. 1999 dann auf einer Mouton-Probe eine deutlich reifere 1tel, deutliche Brauntöne, in Ehren gereift, weich, Säure ist weg, erst wunderbar zu trinken, baut dann im Glas recht schnell ab und die maderisierten Töne werden auch am Gaumen spürbar 92/100. Zuletzt 2007 ein minziger, leicht exotisch wirkender Traumwein mit einem Hauch Eukalyptus, üppig mit schöner Süße und sehr langem Abgang, ein Traumstoff, dessen dichte Farbe mit wenig Alter in guten Flaschen wie dieser noch ein langes Leben verspricht – 98/100. Pichon Comtesse hatte 1997 aus der Magnum eine dichte, kräftige Farbe, erst etwas säuerlicher Ton, ging weg, wurde sehr schön harmonisch und der schönste des Flights, dezente Süße 92/100. 2001 auf einer Comtesse-Probe auf ähnlichem Niveau. 2007 dann aus der Magnum zwar immer noch eine sehr dichte Farbe, Teer ohne Ende, Tabak und portige Noten, aber der Lack war irgendwie ab. Nach kurzem Aufblühen baute sie doch recht schnell im Glas ab. Die 88/100 waren für den ersten Schluck. Pontet Canet hatte im November 2004 schon eine dunkelbraune Farbe, war in der Nase und am Gaumen deutlich gezehrt, aber immer noch trinkbarer, kleiner, alter Wein – 82/100.

Zu den schönsten Medocs gehörte Gruaud Larose, 1996 und 1997 kräftige Farbe mit wenig Braun, brauchte Luft und wurde dann ein sehr zugänglicher Gaumenschmeichler - 93/100. 2007 ein gut gelungener, reifer, weicher Schmeichler – 92/100. Auch als Lestapis-Händlerabfüllung 2008 ein sehr feiner, eleganter, aber auch sehr nachhaltiger Wein, der immer noch eine würzige, pfeffrige Frucht besaß – 94/100. Zuletzt 2010 auf dem Unger-Weihnachtstasting kräftig, gut trinkbar, aber auch etwas metallisch – 89/100. Ducru Beaucaillou war 2006 auf der großen Ducru-probe ein Säuremonster mit dichter Farbe. Der fraß sich förmlich durch den Gaumen - 80/100. Deutlich besser 2009 in einer französischen Händlerabfüllung von André Gratadour. Erstaunlich kräftig, leicht animalisch, mit schokoladiger Süße und guter Länge am Gaumen – 92/100. Ein kleiner, kurzer Wein hingegen Langoa Barton, 1994 aus der Magnum. Hinüber war 1992 Léoville Poyferré. Überzeugend 2007 Talbot, mit dichter, ziemlich junger Farbe. In der Nase feine, rotbeerige Frucht, auch am Gaumen sehr fein, fruchtig und fast schwerelos elegant, klar war das kein Jüngling mehr, aber einer der besseren Weine des in 47 generell benachteiligten, linken Ufers mit noch etlichen Jahren Potential – 93/100. Zuletzt 2010 hatte er die die Gemüsenase eines alten Rioja, am Gaumen schlank, feine Aromatik, malzige Süße, auch im Abgang süß – 89/100.

Lanessan war 1997 immer noch sehr jung und kräftig. Zuletzt 2007 mit dichter Farbe ein muskulöser Kraftbolzen in der Machart der sehr gelungenen, älteren Lanessans, mehr Power als Charme – 91/100. Grand Poujeaux in einer dänischen Abfüllung von Kjaer&Sommerfeldt war 2008 reif mit einer relativ hellen Farbe, zeigte aber weder in der Nase noch am Gaumen erkennbare Schwächen. Feine, karamellige Süße, sehr aromatisch, elegant und absolut delikat. Die gute, stützende Säure dürfte ihn noch eine ganze Weile am Leben erhalten – 92/100.

Cantenac Brown in einer englischen Abfüllung von Christopher&Co hatte 2008 eine reife, helle Farbe, immer noch eine delikate, rotbeerige Frucht, war sehr schmeichlerisch und elegant, eben so, wie man sich einen reifen Margaux vorstellt – 92/100. Einer der großen Stars des Jahrgangs ist Margaux in der Vandermeulen Abfüllung. 1994 auf der Margaux-Probe im Landhaus Bacher die Kraft und die Herrlichkeit! Massiver, konzentrierter Stoff, portig, Kaffee, Explosion am Gaumen und sehr lang - 100/100. Über 30 Verkostungsnotizen aus den letzten 10 Jahren. Immer ganz vorne dabei. Mehrere sensationelle Kopf-an-Kopf-Duelle mit Conseillante auf 100 Punkte Niveau, zuletzt 2003. 2006 auf einer Probe wieder traumhaft kräuterige Aromatik mit viel Minze, unglaublich dicht und kräftig am Gaumen mit toller Süße und irrer Länge, ein Riese – 100/100. Ende 2006 brauchte der erst etwas verschlossen wirkende Margaux Luft, dunklere Farbe als der im Vergleich getrunkene Conseillante, deutlich mehr Kraft, baute im Glas spektakulär aus, dicht, kraftvoll, Schmelz ohne Ende, malzig, cremig, unglaubliche Länge, sicher noch Potential für 20 mehr Jahre – 100/100. 2007 mehrfach ein außerweltlicher Riese mit Süße, Fülle, Opulenz, aber auch perfekter Struktur und immer noch Tanninen – 100/100. Eine etwas reifere Flasche mit unendlicher Eleganz 2008 in einer Best Bottle – 97/100. Ein Wein, der in guten Flaschen noch Potential für mindestens ein Jahrzehnt hat. 2009 ein sehr feiner, finessenreicher, komplexer Traum-Margaux mit unendlicher Länge am Gaumen – 100/100. Zuletzt 2010 Margaux pur, so unendlich elegant und trotz aller Kraft so fein und finessig, mit viel Schmelz, generöser Süße – 97/100. Ganz anders die Chateau-Abfüllung. 2007 auf René Gabriels großer Margaux-Probe fast schwarze Mörderfarbe, verbrannte, überreife Nase, am Gaumen balsamisch, etwas flüchtige Säure. Eine höchst interessante Mischung aus uraltem Balsamico und einem hochwertigen Malaga – 90/100. Ganz erstaunlich im April 2004 eine halbe Flasche
Ferrières in relativ lausigem Zustand(upper shoulder). Alles andere als lausig der Inhalt, der mich spontan an gute 47er Vandermeulen-Abfüllungen erinnerte. René Gabriel hielt nur kurz die Nase ins Glas und sagte: das ist 47 Margaux. Sicher 95/100 wert. Den Namen Ferrières sollte man sich merken.

Eine süße, viel versprechende, generöse Supernase hatte Haut Bailly 2007, da kam der Gaumen dieses trotzdem recht feinen Weins nicht ganz mit – 91/100. Gut gelungen, aber nicht groß ist
Haut Brion. 2006 in der der großen Haut Brion Probe portige Nase, auf gewisse Überreife hindeutend, rosinig, buttrig, auch am Gaumen Süße, die aber vor allem durch die kräftige Säure etwas spröde wirkte – 93/100. Zuletzt 2007 sehr dichte Farbe und war auch am Gaumen recht kräftig und immer noch muskulös, wirkte kräuterig und sehr mineralisch. Lediglich die hohe, bissige Säure störte den Gesamteindruck und ließ den Haut Brion etwas unharmonisch wirken – 95/100. Groß dagegen und sicher in guten Flaschen noch länger haltbar
La Mission Haut Brion. 1998 auf Willi Krählings La Mission-Probe aus der Magnum: ganz perfekt gereifter, alter Graves mit Tabak, aber auch malziger Süße, bleibt lang am Gaumen, toll! - 97/100. Deutlich jünger, kräftiger, mit feiner Süße, irrer Länge am Gaumen und mit noch reichlich Zukunft O
tern 2004 mit Michael Hamann in der Sansibar als Vandermeulen-Abfüllung. Wie groß das war, was da vor mir stand, merkte ich erst, als mir ein Bekannter ein Glas Catena Zapata reichte, immerhin ein 94-Parker-Punkte-Teil. Gegen den La Mission wirkte er wie ein nettes, unbedeutendes, fruchtiges Wässerchen. Eigentlich hätte ich den La Mission mit 98/100 bewertet, weil mir zur Perfektion noch etwas mehr vom Mission-klassischen Cigarbox Aroma gefehlt hätte. Nur, wenn dieser Edel-Argentinier wirklich 94/100 haben sollte, fehlte mir jetzt für diesen unglaublich dichten La Mission die nach oben offene Parker-Skala. Zuletzt 2007 La Mission und Pessac in Perfektion. In diesem sensationellen Zustand einer der ganz großen La Missions des letzten Jahrhunderts, sicherlich auf einem Niveau mit 1961. Kein Hammerteil, wie der La Tour Haut Brion, eher von der feinen, eleganten Art. Wunderbare, klassische Cigarbox-Nase, am Gaumen so hocharomatisch und nachhaltig mit schöner Süße und unglaublicher Länge, das waren fraglos 100/100. Sicher deutlich preiswerter zu haben und ein unbedingter Kauftipp La Tour Haut Brion. Der machte 1997 selbst in einer relativ schlechten Flasche eine hervorragende Figur und strotze nur so vor Kraft – 95/100. 2007 dann noch einmal eine perfekte Flasche, die klassische Nase eines großen Pessac mit viel Teer und etwas Cigarbox, wurde am Gaumen fülliger, schokoladig mit irrer Länge und zeigte immer neue Facetten – 98/100. Ein Wein mit gewaltigem Potential. Das zeigte sich zuletzt Ende 2007, wo er extrem viel Luft brauchte. Macht es sicher noch 15-20 Jahre.

Feine, fruchtig, elegant und leichtfüßig 2007 der sehr charmante Angelus in einer belgischen Van der Velde Abfüllung – 92/100. Ausone in einer Vandermeulen-Abfülung überzeugte 1996 mit feiner Johannisbeere, war insgesamt eher etwas schlank und wirkte noch jung - 94/100, 1997 mit ähnlichem Resultat nachverkostet.
Canon in einer französischen Händlerabfüllung von Lestapis war 1995 mit dichter Farbe und unglaublichem Druck am Gaumen begeisternd - 96/100, die Zwillingsflasche 3 Jahre später hatte eine riesengroße Nase, war aber am Gaumen deutlich kürzer und weniger generös, auch schon etwas gezehrt und die Säure fing an, die Oberhand zu gewinnen - 91/100. Zuletzt 2007 bei Jörg Müller in einer Chateau-Abfüllung viel versprechende Farbe, auch die Nase machte Spaß mit feiner, malziger Süße und viel Kaffee. Am Gaumen störte etwas die spitze Säure, die sich mit der Zeit etwas glättete. Ein Langstreckenläufer aus 47, der sich auf diesem Niveau noch etliche Jahre halten dürfte – 93/100. Ganz groß 1997 auf meiner Raritätenprobe und nach Cheval Blanc für mich einer der schönsten St. Emilions aus 47 Canon-la-Gaffelière - 97/100. 2005 zeigte die Zwillingsflasche, wie sehr inzwischen an den 47ern der Zahn der Zeit nagt, in der Nase einen deutlichen Alterston und wirkte zu Anfang etwas kräuterig mit hoher Säure. Er baute im Glas aber gut aus und entwickelte eine durchaus noch spannende Aromatik. Mit feiner Süße und schöner Länge am Gaumen war dieser insgesamt sehr harmonische, ausgewogene Wein immer noch ein Trinkgenuß – 90/100. Ein Cadet Piola aus der Magnum hatte 2005 eine superdichte, junge Farbe, so ein dichter, komplexer Überflieger, feine, schwarzbeerige Frucht, Schokolade, feine Süße, wird immer schmelziger mit toller Länge am Gaumen, noch Potential ohne Ende, bleibt aber kernig, "Männlich", eher Pauillac als St. Emilion - 98/100.
Eine der 47er Weinlegenden ist Cheval Blanc. Seit Anfang der 50er Jahre ist dieser Wein voll trinkbar und sorgte seitdem mit seiner üppigen, portigen Art immer wieder für Aufsehen. Leider gibt es inzwischen nicht nur zuviel weit gereiste Flaschen und massenweise Fälschungen. Dazu fängt Cheval Blanc in allen Flaschen, die nicht bestens über lange Zeit in EINEM Keller gelagert wurden, an zu schwächeln. Meine schönsten Flaschen waren 1992 eine Vandermeulen-Abfüllung - unglaublich tiefe, kräftige Farbe, die eher an einen 82er als an einen 45 Jahre alten Wein erinnerte. Dick, fleischig, an Port erinnernd, sehr lang und nochmal eine Klasse besser als der schon mit Bestnote bewertete 47er Margaux 100/100 - und 1993 eine perfekte Chateau-Abfüllung auf unserer Jahrhundertprobe. Danach kamen zahlreiche Magnums, für die mir einfach der Glaube fehlt, bis auf eine 1997 auf einer großen Probe zum 50. eines Weinfreundes, verhaltene Nase, wie meine VDM´s am Gaumen portig, sehr kräftige Farbe, dicht, konzentriert, nicht die Klasse früherer Cheval 47er, aber sicher ehrlicher - 96/100. Auch in den sonst sehr zuverlässigen Vandermeulen-Versionen ist Cheval Blanc inzwischen nicht immer mehr das, was er mal war. Bevor Sie also für viel Geld vergeblich einem Mythos hinterherlaufen: Cheval Blanc nur noch in wirklich sehr gutem Zustand aus einwandfreier Herkunft kaufen. Wie schön, wenn dann wie 2006 in der großen Cheval Blanc Probe auf der Stromburg die Ausnahme die Regel bestätigt. einer perfekten Vandermeulen-Abfüllung, die keinerlei Schwäche zeigte. Das war ein unglaublicher Weinriese, perfekt gereift und auf dem Punkt mit Kaffee pur, unendlicher, seidiger Eleganz, druckvoller Aromatik und irrer Länge am Gaumen. Egal, mit welchen Superlativen man ihn auch beschreibt, diesem grandiosen Erlebnis kann man mit Worten kaum gerecht werden. Natürlich locker 100/100, ich hätte nicht gedacht, dass ich 47 Cheval Blanc in dieser Form noch mal erleben darf. Und dann setzte 2007 eine perfekte Chateau-Abfüllung noch mal eins drauf. Seit über 25 Jahren im Müllerschen Keller. Immer noch eine undurchdringliche Mörderfarbe. In der Nase feinster Portwein, etwas Minze, Tee, Kräuter, Fülle, ein irres Nasenspiel, auch am Gaumen portig ohne Ende, sehr süß, unglaublich intensiv, kraftvoll, am Gaumen gar nicht mehr aufhörend. Es fällt schwer, dieses Monument mit den richtigen Worten zu beschreiben. Aber in der Form, wie sich diese Chateau-Abfüllung hier präsentierte, ist das einer, wenn nicht der Höhepunkt im Leben eines Weintrinkers – 100/100 ohne wenn und aber. Im Sommer 2007 dann eine nicht näher identifizierbare, belgische Händlerabfüllung. Die kam mit der Chateau-Abfüllung, wie ich sie noch 4 Monaten vorher bei Jörg Müller genießen durfte, nicht mit. Das war hier ein kompletter, großer Wein, der aber sehr medoc-ähnlich wirkte und dem die portige Fülle und hedonistische Dekadenz der Chateau-Abfüllung fehlte – 96/100. Im Herbst 2007 auf einer großen Probe dann leider eine offensichtlich gefälschte Magnum und zwei recht dubiose Vandermeulen-Flaschen. 2008 auf René Gabriels großer Cheval-Probe eine authentische, unsterblich schöne Flasche, 100/100 ohne wenn und aber. Zuletzt dann 2010 noch mal als Vandermeulen-Abfüllung, reif, sehr reif sogar, baute aber im Glas nicht ab sondern aus. Verschwenderische Nase, Schoko, Mokka, Kaffee, herrliche Süße, auch am Gaumen unendlicher Schmelz, Süße und Fülle, ein in dieser Form unsterblicher, hedonistischer Riese – 100/100.
Überraschend schön war 1997 ein vorher nie gehörter Clos St. Julien in einer belgischen Händlerabfüllung - 93/100. Trotz schlechter Füllmenge (ms) war 2004 ein Cormey Figeac noch wunderbar zu trinken - 90/100. 2009 war das ein reifer Wein zwar, auch in der Farbe, aber alles andere als alt und immer noch erstaunlich kraftvoll. Leicht medizinal in der Nase, baute sehr schön im Glas aus und entwickelte Bitterschokolade ohne Ende – 92/100. Zweimal getrunken und hoch bewertet habe ich 1997 La Dominique in einer Hanapier-Abfüllung, dichte, jung wirkende Farbe, sehr lang, entwickelte sich, Minze, deutliche Astringenz gaukelte pelzige Tannine vor. 2007 zwar deutlich medizinale Töne, die stark an Hustensaft erinnerten, aber auch eine verschwenderische Süße – 92/100.Eine La Mission-Aromatik hatte 2004 Gaffelière-Naudes mit Tabak, feiner Süße, toller Länge am Gaumen, unendliche Eleganz – 95/100. Nicht auf dem Niveau des grandiosen 50ers und für das große Jahr eher enttäuschend 1997 Figeac. Der 2005 getrunkene Grand Mayne muss irgendwann in seiner Entwicklung stehen geblieben sein. Junge Farbe, die ein viel niedrigeres Alter vorgauckelte, etwas stahlige, kompakte Frucht, immer noch etwas tanninlastig wirkend. Kann sich auf diesem Niveau ohne weiteres noch 10 Jahre halten – 88/100. Eine Mörderfarbe hatte 2007 der fast rabenschwarze Magdelaine, der zu Anfang etwas verschlossen und abweisend wirkte. Ein unglaublich dichtes Konzentrat mit balsamischen Noten und einem Hauch flüchtiger Säure, gewaltiger Wein mit immer noch enormen Tanninen, heute gut trinkbar, aber wenn ich noch eine Zwillingsflasche finde, lasse ich sie noch mal 20 Jahre liegen. Da könnte noch mal etwas ganz Großes draus werden – 90++/100. Schön war auch Pavie, jeweils aus Vandermeulen-Flaschen, 1995 viel Süße und Schmelz, großer Wein mit noch viel Zukunft 95/100. 1997 aus einer wohl schlechteren Flasche immer noch schön zu trinken, aber auf deutlich absteigendem Ast - 87/100. Mindestens auf dem Niveau der besseren Pavie-Flasche 1997 ein
Pavie Macquin in einer französischen Händlerabfüllung. Pavie Macquin, das ja seit einigen Jahren wieder Furore macht, kann man bis 1955 fast unbesehen kaufen. Bereits auf dem Weg ins Jenseits war 2000 eine einfache
St. Emilion Händlerabfüllung von A. Monjand. Ich gehe dieses Risiko mit den alten Händlerabfüllungen trotzdem immer gerne ein. Oft habe ich dort schon große, positive Überraschungen erlebt. Dazu stimmt meist der Preis und die Flaschen stammen in der Regel vom ersten Besitzer. Ein Roylland Matras in Vandermeulen Abfüllung hatte 2010 ein e recht junge Farbe, aber eine sehr reife Nase, balsamische Noten, viel Säure, aber auch Spannung und eine schöne Süße – 93/100. Überrascht hat mich 2001 der erst ein Jahr vorher auf einer französischen Auktion erstandene Troplong Mondot, ein überaus kraftvoll und deutlich jünger wirkender Wein, der sehr lang am Gaumen blieb – 96/100. Zuletzt 2007 Perfekte Struktur, kraftvoll, mit dezenter Süße und viel Finesse, ein großer Wein, der noch etliche Jahre vor sich hat und sicher eine Suche wert ist – 95/100. Und w
wir gerade bei den Geheimtipps sind. Trottevieille entpuppte sich 1997 auf meiner 47er Probe aus einer perfekten Magnum als Riesenstoff und Favoritenschreck mit dichter, junger Farbe, viel Power und in solch guten Flaschen sicher noch 15+ Jahren sicherem Genuß – 97/100.

Sehr gut hat mir aus Pomerol immer Clinet gefallen. Kein überbordendes Hammerteil(au
er in dubiosen Magnums, in denen alles ist, nur kein 47er Clinet), sondern ein sehr finessiger, eleganter Pomerol. Bei Jörg Müller auf Sylt liegt seit ewigen Zeiten eine OHK(dürfte immer noch zu akzeptablem Kurs auf der Weinkarte stehen!) mit sehr gut erhaltenen Flaschen, aus der ich mich seit 1993 mehrfach bedient habe. Überzeugte dabei immer wieder als Gaumenschmeichler mit feiner Süße und langem Abgang, konstant zwischen 1993 und 2003 um die 94-96/100 bewertet. 2006 ein traumhaft schön gereifter Pomerol mit beachtlichem Rückrat und wunderbarer Süße, geschmeidig, elegant und voll auf dem Punkt – 95/100. Zuletzt 2007 aus der Magnum ein wunderbar gereifter, großer Merlot, immer noch mit dichter, intakter Farbe. Kräuterig-schokoladig mit feiner Süße und toller Länge am Gaumen – 96/100.
Clos René war 2007 in einer französischen Händlerabfüllung ein Wein, der auf hohem Niveau sehr viel Spaß machte – 94/100. Sehr beeindruckend 2007 Clos de l´Eglise Cinet, abgefüllt von Jean Terrioux in Pauillac. Ein robuster Kraftbolzen mit Potential für noch viele Jahre, sehr druckvolle Aromatik und die verschwenderische Fülle und Süße eines top gereiften Merlots – 96/100. Genau diese Abfüllung dann ein paar Monate noch mal auf einer Probe aus einer schlecht gelagerten Flasche mit deutlicher Farbausfällung, einfach um Klassen schlechter – 88/100.
Deutlich kräftiger in 47 und zur absoluten Jahrgangsspitze gehörend ist Conseillante, insbesondere in der Vandermeulen-Abfüllung. Seit 1992 habe ich diesen Wein gut 20mal getrunken und war jedesmal fasziniert von der unglaublichen Konzentration, den weichen, aber immer noch präsenten Tanninen und der tollen Frucht. 1997 war Conseillante in einem Flight mit Petrus und Cheval Blanc der klare Sieger. Kurz danach zum Jahreswechsel 97/98 unglaublicher Wein, irre dichte Farbe, erster Eindruck schwarzer Tee, dann, nach einiger Zeit, kommt tolle Frucht, absoluter Wahnsinnsstoff , der lange am Gaumen bleibt und einen 82er Margaux mit links platt macht - 100/100. 2000 in der Sansibar ein schlafender Riese mit unglaublicher Konzentration und Dichte. Zuletzt mehrfach in Best Bottles in 2001, 2002 und 2003, wo er sich jeweils auf 100 Punkte Niveau ein Kopf an Kopf Rennen mit Margaux Vandermeulen lieferte. Und wieder eine Top-Flasche mit tiefer, undurchdringlicher Farbe ohne Alter, die am Tisch als ganz großer Bordeaux aus den 80ern eingeschätzt wurde im Dezember 2004 – 100/100. Ende 2006 von Anfang an ein großer, kompletter Wein. So fein, so süß, so elegant, so lang am Gaumen mit feiner Frucht, frischem Minzton. Bei diesem Wahnsinnswein stimmte einfach alles – 100/100.
2007 dann dreimal Conseillante gegeneinander. Sehr weich, reif, süß, üppig, generös und dekadent schön Conseillante in einer namenlosen, belgischen Händlerabfüllung. Ein Traum-Pomerol auf dem Trinkhöhepunkt zum Literweise-Saufen - 97/100. Sehr viel fruchtiger, kompakter und nicht ganz so reif wirkend mit deutlicher Säure ein Conseillante in einer französischen Händlerabfüllung von Laporte & Fils aus Bordeaux – 96/100. Absolut überragend mit der dichtesten Farbe und Power ohne Ende Conseillante in der Vandermeulen-Abfüllung. Ein legendärer Wein, der sich hier wieder in Bestform zeigte – 100/100. Die Chance zur Bestform hatte er kurz darauf in einer Probe nur ansatzweise, da er erst kurz vorher dekantiert worden war. Dieser Riese braucht einfach Luft zur Entfaltung! Die bekam er 2008 in einer Best Bottle und zeigte wieder die gewohnte Form. Zuletzt 2010 wieder ein überragender Wein mit sehr dichter, deutlich jünger wirkender Farbe, mit Kraft ohne Ende und ungeheurem Druck am Gaumen. Wurde im Glas von Schluck zu Schluck immer besser, nur war leider bei 98/100 mein Glas leer.
Ein echter Powerstoff ist Croix de Gay in der Vandermeulen-Abfüllung, 2005 ein sehr nachhaltiger, kräftiger Pomerol mit großer Länge und Dichte, sicher noch 10+ Jahre eine Bank - 96/100. 2006 ein Traum-Pomerol, so üppig, reich und lang mit feiner, exotischer Aromatik und guter Süße, Hedonismus pur - 97/100. Zuletzt 2008 superdichte Farbe ohne Alter, ein gewaltiges Konzentrat, dessen überzeugender Gesamteindruck nur durch eine mal stärkere, mal schwächere pilzige Note getrübt wurde - 92/100, ohne Pilz gut 5 mehr, Potential von der Farbe her selbst in dieser us-Flasche für 10+ mehr Jahre. Croix de Gay ist und bleibt unter den 47er Vandermeulens ein Geheimtipp.
Sehr finessig, fruchtig und eher etwas auf der leichteren Seite 1995 l´Evangile aus der Magnum – 94/100. La Fleur Gazin hatte 1994 zu Anfang eine herrliche, süßliche Nase, die sich aber schnell in "Stinker" verkehrte, am Gaumen säuerlich und kurz. Groß hingegen La Fleur Petrus, den ich in den 90ern mehrfach sowohl aus Chateau- als auch aus sehr zuverlässigen Händlerabfüllungen getrunken habe. In guten Flaschen sicher immer noch ein 95+/100 Erlebnis. Zuletzt während der Prowein 2006 mit Paula Bosch ganz großer, reifer Merlot aus großem Jahr, immer noch fordernd und mit perfekter Tanninstruktur. Bitterschokolade, feinster Schmelz, unendliche Länge am Gaumen und das alles in totaler Harmonie und Perfektion. Die Größe einer solchen Wein-Ikone zeigt sich durch die unglaubliche Ruhe, die ein solcher Wein ausstrahlt. Da ist nichts Hektisches, Aufdringliches, da brüllt niemand etwas von „irrem Potential“ über den Tisch. Einfach perfekter Genuss, den man in Stille und auch mit ein wenig Demut auf sich wirken lässt – 98/100. Zuletzt 2007 wieder in einer belgischen Händlerabfüllung. Ganz großer, reifer Merlot aus großem Jahr, sehr komplex, immer noch fordernd und mit perfekter Tanninstruktur. Bitterschokolade, feinster Schmelz, aber auch noch viel Kraft und eine enorme Dichte, sehr lang am Gaumen und dabei harmonisch unausgewogen wirkend. In diesem Jahrgang nicht weit von der Klasse eines Petrus entfernt und das zu einem Bruchteil des Preises - 98/100. Eine unglaubliche Fülle, noch etwas pflaumige Frucht, eine wunderbare, verschwenderische Süße zeigte 2006
Gazin in einer Hanapier-Abfüllung. Klar, der war trotz immer noch sehr dichter Farbe mit allerdings recht deutlichem Braunrand nicht mehr auf dem Punkt, sondern sicher schon etwas drüber. Er gehörte getrunken, und das tat ich ja gerade, aber mit dem allergrößten Vergnügen. Da war nichts altes, abstoßendes, kein Muffton, einfach nur die Freude eines reifen, großen Weines, der sich eine gewisse Rustikalität bewahrt hatte – 94/100. 2007 in einer französischen Händlerabfüllung von Bourisset gehört sicher bald getrunken, war aber ein sehr schöner, weicher, gefälliger Wein mit guter Süße und erstaunlicher Kraft – 93/100.
Parker hatte 1987 nach eigenen Angaben bei seinem 100 Punkte Lafleur-Erlebnis Tränen in den Augen. Da er die Flasche zusammen mit Christian Moueix geleert hat, war sie sicher echt. Das kann ich leider von den zahlreichen Magnums und Doppelmagnums, an denen ich in den 90ern teilhaben durfte, nicht sagen. Warum wohl Broadbent in der letzten Ausgabe seines grandiosen Buches über diese Flaschen, die wir teilweise gemeinsam auf bestimmten Proben verkostet haben, das Mäntelchen des Schweigens ausbreitet? Lafleur-Magnums aus 47 sollten Sie nur gegen Vorlage einer über 20 Jahre alten Originalrechnung oder direkt vom Chateau kaufen. Es sei denn, Sie glauben noch an den Nikolaus. Das hatte wohl auch der edle Spender einer großen Probe 2007 getan, der uns leider eine zwar äußerlich korrekt aussehende, aber krass gefälschte Magnum vorsetzte, an deren Echtheit er selbst bis zum Schluß geglaubt hatte.
Glücklicherweise konnte ich in den 90ern noch ein paar Flaschen Lafleur Vandermeulen aus einem alten, über jeden Zweifel erhabenen belgischen Keller kaufen. Die erste davon hatte 1992 eine gute Füllmenge und kräftige Farbe, verabschiedete sich allerdings nach 1 Stunde - 87/100. 1993 dann in einer Raritätenprobe der Wein des Abends, kräftige Farbe, kein Alter, opulent, süß, unglaublich lang, das absolute Gegenstück zur ersten Flasche, konnte jetzt verstehen, dass Parker da geheult hat! Auch 1997 in einer Raritätenprobe der Wein des Abends mit toller Opulenz und Finesse – 100/100. Zuletzt eine sehr schöne Flasche 2009 auf der Lafleur Best Bottle, etwas portig in der Nase, röstig, viel Kaffee und Süße. Auch am Gaumen kräuterig-portige Süße, burgundische Pracht und Fülle, kein Hammerwein, eher auf der eleganten, finessigen Seite, die feinen Kräuter einzeln ausgebreitet, unendlich lang am Gaumen – 97/100.
Latour-à-Pomerol 1995 aus der Magnum samtiger, gut gereifter Pomerol, bei dem sich aber am Gaumen zunehmend die Säure in den Vordergrund drängte, damals noch 94/100, heute risikoreich. Wird leider fast nur noch als Fälschung angeboten. Schon 1997 musste ich davon zweimal auf Proben eine gefälschte Magnum trinken, zuletzt 2007 schon wieder. Größte Vorsicht!
Petrus kann in guten, echten Flaschen eine richtige Hedonisten-Oper sein. 1993 in unserer Jahrhundert-Probe habe ich ihn mit damals "21/20" noch über den perfekten Cheval Blanc gesetzt, ein Wahnsinnswein. 1995 eine belgische Händlerabfüllung, die der Chateauabfüllung in nichts nachstand, dicht, Süße, Mokka, einfach toll - 100/100. 1997 zu Jörg Müllers 50. eine französische Händlerabfüllung, erst verhalten, brauchte viel Luft, dichte Farbe, entwickelte feine Anis und Lakritzaromen, wurde mit der Zeit enorm druckvoll und lang, ganz großer Bordeaux - 98/100. Im selben Jahr eine Calvet-Magnum, der hellste des Flights, wenig Konzentration, deutlich schwächer als meine 1tel - 93/100. Auch als Vandermeulen-Abfüllung ist Petrus groß, vielleicht nicht ganz so üppig, wie die Chateauabfüllung, aber möglicherweise langlebiger. 1992 bei Drawert Kraft, Fülle, deutlich mehr als ein Maul voll, langer Abgang, noch sehr frisch - 100/100. 1996 auf sehr hohem Niveau dem 47er Margaux Vandermeulen nur knapp unterlegen, ebenso 1997, wo sich auch noch Conseillante Vandermeulen knapp davor schob. 2005 auf René Gabriels großer Petrus Probe in der ersten Vandermeulen Flasche platt, in der zweiten dichte Farbe, portig, süß, riesengroß, Power ohne Ende. Das ist die Kraft und die Herrlichkeit – 100/100. Ebenfalls auf 100 Punkte Niveau zwei weitere Flaschen im Sommer 2005, eine mit unendlichem Schmelz und feiner Süße, die andere noch etwas dichter und jünger wirkend. 2007 von der Substanz her wieder ein klarer Kandidat für 100/100, aber leider korkig, das tut weh!. Und dann war da leider im Januar 2007 auch noch eine gefälschte Magnum, die ein Weinfreund bei einem renommierten Auktionshaus erstanden hatte. Mehr dazu hier.
Eine komplett intakte, erstaunlich dichte Farbe hatte Trotanoy 2007. Sehr generöse, karamellig-malzige Nase, die etwas an große Riojas erinnerte, am Gaumen sehr fein und elegant mit erstaunlicher Leichtigkeit, baute wunderbar im Glas aus. Für sich alleine ein Star, der aber durch die beiden anderen Boliden etwas erdrückt wurde – 95/100. Vieux Chateau Certan war 2003 in einer Best Bottle sehr reif, weit, lange über Höhepunkt weg aber immer noch sehr schön mit langem Abgang - 90/100. 2007 dann schlichtweg perfekt. Sehr dichte Farbe, Supernase mit reifer Schwarzkirsche und Tee, auch am Gaumen sehr druckvolle Aromatik, portig im positiven Sinne, so dicht so lang, elegant und kraftvoll zugleich mit feiner Süße, hörte am Gaumen überhaupt nicht mehr auf – 100/100.
Da bleibt natürlich die Frage, wie viel man für den Genuss ausgibt und wie viel fürs Etikett. Ein namenloser Pomerol eines französischen Händlers, in Frankreich für einen absoluten Bruchteil eines Petrus erstanden, brachte 1999 eine reife Farbe, würzige Süße, dekadente Länge, superlecker 93/100. Die Zwillingsflasche war dann 2002 zur Prowein Best Bottle wohl DIE Überraschung des Abends, geradezu jugendlich frisch, wunderbar - 95/100. Wunderschön auch 2004 ein La Violette 1er Cru Pomerol in einer französischen Händlerabfüllung. Zwar schon reife Farbe mit deutlichen Brauntönen und auch etwas trüb. Aber ein eleganter, reifer Wein, voll auf dem Punkt mit molliger Wärme, feine Süße, schöne Schokolade mit Mokka, bleibt ewig am Gaumen – 94/100. Zuletzt 2007 portig, süß
nd dekadent lecker – 95/100.

Überraschend schön auch 2010 einder Vray Canon Boyer aus Canon Fronsac in einer französischen Händlerabfüllung von Laporte. Sehr dichte, deutlich jünger wirkende Farbe, sehr würzig die im positiven Sinnen medizinale Nase, am Gaumen viel Kraft und gute Säure, tolle Länge – 94/100.

Sehr gut auch die Süßweine in 1947.
Sehr schön 1998 ein Cerons mit güldener Farbe, Crême Brulée, Karamell, Kraft, nicht mehr dominierende, aber schöne Süße, ein runder, toller Süßwein zu Gänseleber & Co, der sicher noch 10+ Jahre macht. Perfektion zeigte 2007 Climens, kräftiges Goldgelb, faszinierende Nase mit viel Ho
ig, aber auch frischem Gebäck, Crême Brulée, Bitterorange. Schaffte am Gaumen den Spagat zwischen kraftvoller Fülle und spielerischer Leichtigkeit, ein noch erstaunlich frischer, lebendiger Wein, bei dem trotz intensiver Süße nichts klebrig wirkte, ein ganz großer, harmonischer Wahnsinns-Sauternes, mit dem in 1947 Geborene noch spielend ihren 100sten feiern können – 99/100. Zuletzt 2009 mit seiner schon recht dunklen Farbe doch um einiges weiter, malzige, rosinige Süße, säurearm wirkend, weich, mollig, reif, dabei sehr reichhaltig mit schöner Fülle und Süße – 97/100. Enttäuschend dagegen Coutet. 1993 auf Rodenstocks Arlbergprobe war er hin, 1995 in der Assmannshäuser Krone nicht einmal ein Durchschnitts-Sauternes, dünn und nichtssagend - 80/100. Sehr viel besser 2000 ein Doisy Daene Vandermeulen, gülden, sehr frisch, schöne Säure, geht auch als 80er durch - 90/100. Zuletzt 2007 erst etwas schwachbrüstig, blühte aber auf und aus anfänglichen 89/100 wurden noch 92/100. Wenig Finesse und Süße bot 1994 und 1995 ein Haut Sauternes Vandermeulen. Da gefiel mir 1997 ein Haut Sauternes von R&U deutlich besser, tiefes, brilliantes Bernstein, Hustensaft mit Zitrusextrakt, fast halbtrocken, sehr kräftig, alkoholreich und lang. Grandios 1997 in der Traube Grevenbroich d´Yquem aus der Magnum, tiefes Bernstein, in der Nase Honigwachs, am Gaumen würzig, Honig mit Karamell, sehr langer Abgang – 96/100. Dürfte nicht nur noch lange, sondern sehr lange leben. Das zeigte 2007 an gleicher Stelle eine weitere Magnum. Brilliante, güldene Farbe, Bernstein in seiner schönsten Form, immer noch so frisch wirkend mit knackiger Säure, die die immense Süße gut abpufferte, in der Nase Orangenblüten-Honig, schöne Bitternote, am Gaumen verschwenderische Fülle und Länge, ein fantastischer, sehr balancierter Yquem am Ende seines ersten(!) Lebensdrittels – 97/100.

Sehr gutes Jahr auch in Burgund mit vollreifen, früh trinkbaren Weinen, die aber teilweise ein erstaunliches Alterungspotential zeigen. Dabei sind das häufig weniger elegante, feine Pinots, sondern ziemlich fette Weine, durchaus auch mit portigen Noten, bei denen man deutlich das heiße Jahr spürt.
Ausgerechnet bei einem Clos Vougeot von Bouchard schlug 2007 der Korkteufel zu. Farbe und Substanz des Weines zeigten deutlich, dass uns da ein potentielles Mörderteil entging. Ein Beaune Cuvée Patriarche von Bouchard hatte 2009 eine irre Farbe und Dichte, noch so kraftvoll und viel aromatischer Druck, süßer Kaffee und viel Schmelz – 94/100. Großartig 2007 ein Volnay von Chapoutier, zeigte zwar typische Pinot Aromen, war aber sehr kräftig, hocharomatisch und druckvoll am Gaumen, ein richtiger, großer Burgunder, abgefüllt von Chapoutier als Negociant – 97/100. Ziemlich hin 2010 ein Clos des Mouches der Societé Civile Vinicole de Beaune, also einer Winzergenossenschaft. Der wirkte aus der schlecht gefüllten Flasche sehr reif mit oxidativer Nase und verabschiedete sich dann schnell völlig. Immer wieder faszinierend die alten Doudet-Naudins, 1995 dreimal getrunken der Charmes-Chambertin, wahnsinnige Farbe, sogar noch mit funkelndem Rubinrot, viel Kraft, dezente Süße, viel Länge und noch Reserven für lange Jahre - 95/100. Gefährlich dürfte inzwischen der DRC La Tâche leben. Auf einer Probe 1997 gehörte ich zu den glücklichen, die aus der besten Flasche trinken durften, die war zunächst absolut perfekt, etwas Pfefferminze, Veilchen, leichter Portweinton, kräftig, sehr lang, wurde zum Schluss etwas brandig, schnell trinken - 96/100 im Bestzustand, die anderen waren deutlich schlechter. Sehr fein und elegant 2008 ein Corton Clos des Cortons von Faiveley, eher etwas leichtgewichtig, aber wunderschön zu trinken – 90/100. Ein Nuits St. Georges von Faiveley war 2010 Eleganz pur, feiner, süßer Schmelz, leicht karamellige Süße, Kaffeenoten, gute, stützende Säure, ein gut gereifter Burgunder für mindestens 10 weitere Jahre – 93/100. Den heißen Jahrgang spürte man 2008 deutlicher bei einem Vosne Romanée von Faiveley. Da war diese leicht dekadente Überreife, die satte Farbe, reichlich Trüffel und auch viel Kaffee, hielt sich am Gaumen mit viel Kraft sehr gut, nur die Nase wurde mit der Zeit etwas gemüsig – 94/100. Beim Vougeot 1er Cru von André Guy roch und schmeckte man 2010 förmlich das heiße Weinjahr. Reif die Farbe, Rosinig, portig die Nase mit viel Schoko und dunklen Storck Karamellen, am Gaumen reif, weich und im besten Sinne süffig – 93/100. Der Echezeaux von André Guy war 2011 ein sehr kraftvoller, aber auch eleganter Burgunder, den eine deutliche Säure frisch hielt, generös die Süße, wunderbar die Länge am Gaumen, lebt in dieser Form sicher noch 2 Jahrzehnte – 97/100. Ein Clos de la Roche von André war 2011 einer dieser raren Weine, die einfach nur sprachlos machen und beim Degustator höchste Glücksgefühle auslösen. Mit Worten kann man so einem Weindenkmal kaum gerecht werden. Klar hatte der prächtige Frucht, reife Waldhimbeeren, unglaublichen, aromatischen Druck am Gaumen, präzise Struktur, Jugend, Kraft, ewige Länge, herrliche Süße, war sehr facettenreich, ohne Frage, das waren klare 100/100. Ein Richebourg von Dominique Laurent zeigte 1997 in einer sehr gut erhaltenen Flasche (2 cm!) deutliches Alter mit kräftigem Orangenrand, Bohnerwachs-Nase, gezehrt, ungenerös - 82/100. Ziemlich hell 2008 die Farbe eines Macon von Roger Moreau. Der war nicht mehr so ganz taufrisch. Leicht oxidativ mit deutlicher Säure, aber auch karamelliger Süße, in jedem Fall noch gut trinkbar – 87/100. Kein allzu großer Genuß dagegen im Juni 2004 ein Gevrey Chambertin mit 7 cm Schwund in einer deutschen Schulz & Wagner Abfüllung - 83/100. Ein Gevrey Chambertin von R&U hingegen wäre 2008 ohne Kork ein recht schöner, fülliger Burgunder auf 92/100 Niveau gewesen. Vosne Romanée von Morin war 2006 ein herrlicher Wein, sehr elegant und dabei trotzdem sehr druckvoll und aromatisch, Burgund vom Allerfeinsten und dabei noch so jung und unverbraucht wirkend – 97/100. Eine weitere Flasche 2009 war sehr himbeerig mit feiner Süße, lebte aber insgesamt schon verdammt gefährlich und gehört in dieser Form rasch getrunken – 90/100. Eher enttäuschend 2008 ein Chambertin von Morin – 86/100. Sehr reif, weich und weit entwickelt 2007 der Nuits St. Georges Cailles von Morin. Recht süß, karamellig, malzig, ein großer Burgunder auf dem Höhepunkt. Süffig mag für eine solche Ikone nicht das richtige Wort sein, aber genau so präsentierte er sich, ein einfach geil leckerer Wein, den ich beidhändig trinken könnte – 97/100. Ein Gevrey Chambertin Clos Saint-Jacques von de Moucheron & Cie war 2011 reif, süß und füllig wirkend, aber mit perfekter Säurestruktur, die ein langes Leben garantiert, sehr druckvoll und lang am Gaumen – 97/100. Der Clos Vougeot von Noellat zeigte 2007 eine völlig andere Stilistik, unglaublich fein und elegant, ein Meister der leisen Töne. Doch dabei so aromatisch, so druckvoll am Gaumen mit unendlicher Länge im Abgang, das war ganz hohe Weinschule – 97/100. Weich, reif, schmelzig 2011 der Vosne Romanée von L. Pedrier-Saint-Jean, ein großartiger Schmuse-Burgunder, reine Seide am Gaumen, so fein und elegant – 97/100. Ein Musigny von Ponelle war 2002 kräftig, ohne Alter, mit wunderbarer Frucht, ein großer Wein - 97/100. Ein Vosne Romanée von Pierre Ponelle zeigte 2011 eone dichte, noch recht jung wirkende Farbe, generöse Süße, Fülle, Länge, sehr expansiv am Gaumen, ein Pracht-Burgunder – 95/100. Ein Grand Echezeaux von Poret in einer 6 cm Flasche 1995 bei Drawert war fein, reif, sehr weit - 87/100. 2008 auf meiner Worst Bottle mit 7 cm Schwund war das hingegen ein großer, kompletter, in seiner Frische noch fast jugendlich wirkender Burgunder mit wunderbarer Süße. Einfach faszinierend komplex und aromatisch, kleidete den Gaumen voll aus und war ewig lang am Gaumen. Ganz konservative 97/100. 2002 war ein Grands Echezeaux von Marcel Porte ein feiner, eleganter Burgunder, war wohl nie richtig groß, hat sich aber sehr gut gehalten – 88/100. Ein Gevrey Chambertin von Reine Pedauque war 1997 trotz reifer Farbe und Liebstöckel ohne Ende immer noch schön zu trinken. 2010 von Reine Pedauque zwei großartige Burgunder, der Corton Clos du Roi war der kräftigere, männlichere, rustikalere der beiden. Stand wie eine Eins im Glas ohne spürbares Alter und war sehr lang am Gaumen – 96/100. Der Clos Vougeot war der Inbegriff eines großen, perfekt gereiften Burgunders, Pracht und Fülle, verschwenderische Süße, irrer aromatischer Druck am Gaumen, dabei Eleganz pur. Worte können einem solchen Monument kaum gerecht werden – 100/100. Ein Gevrey Chambertin in einer deutschen Schulz&Wagner Abfüllung mit 7 cm Schwund hatte 2008 eine dichte Farbe, überreifes Lesegut, etwas rustikal – 88/100. Auf einer Drawert-Probe 1995 hatte ein Bonnes-Mares von Seguin Manuel eine sehr helle, bräunliche Farbe, Magginase, am Gaumen beerig mit etwas zu spitzer Säure, eher jünger wirkend - 90/100. Deutlich darüber 2001 vom gleichen Erzeuger bei und mit Jörg Müller ein Chambolle Musigny Les Amoureuses, traumhafter Stoff, etwas überreif und zu Anfang mostig wirkend, entwickelt sich wunderbar im Glas und hat Zukunft ohne Ende - 96/100. Sehr überzeugend auch 1992 ein Clos de la Roche. Charmes Chambertin von Seguin-Manuel war 2010 ein sehr feiner, eleganter, distinguiert auftretender Wein ohne Alter, immer noch mit schöner rot- und blaubeeriger Frucht, am Gaumen trotz guter, stützender Säure eine samtige Textur, einfach ein kompletter, großer Burgunder – 96/100. Gewaltig 2009 ein Echezeaux von Selot, unglaublich, wie da die Post abging, burgundische Pracht und Fülle mit intensiver Süße, mit Karamell, dunklem Toffee und viel Kaffee, trank sich einfach außerordentlich gut und wirkte bei aller üppiger Fülle am Gaumen seidig elegant, ganz konservative 97/100 für ein großartiges Burgundererlebnis. Die große Kaffee-Orgie 2007 ein Latricières Chambertin von Thorin. Ein Wahnsinnswein, der mich mit seiner explosiven Aromatik und seiner irren Länge an den Chambertin von Vandermeulen erinnerte. Da waren jetzt die Kraft und die Herrlichkeit im Glas – 98/100. Sehr schön im Dezember 2004 ein Richebourg von Vienot - 93/100.
Ganz große Klasse die Burgunder-Abfüllungen von Vandermeulen. Wie schön, dass das nur sowenige Leute davon wußten. Absolut überragend und vielleicht der beste Wein, den ich jemals getrunken habe,
Chambertin Vandermeulen. Völlig perplex war ich 1987, als ich diesem Weinmonument auf einem Weindinner begegnete. Für damals extrem stolze 50 DM pro Glas habe ich zweimal Nachschlag genommen, weil ich einfach nicht glauben und fassen konnte, was ich da im Glas hatte. Ein unglaublicher Stoff mit irrer Nase, Kaffee und Mokka ohne Ende, keinerlei Alter, sehr kräftig am Gaumen mit endlosem Abgang. Das war eine Weindimension, wie ich sie bis dato nicht kannte. Glücklicherweise nahm die Weinschickeria vom Chambertin Vandermeulen keine Notiz. Er machte ja weder vom Namen etwas her, noch gab es ihn in Magnums. Dafür machte ich mich auf die Suche und wurde mehrfach in Belgien in seriösen, alten Kellern fündig. 1993 auf einer eigenen Raritätenprobe bügelte der Chambertin mit seiner opulenten Fruchtigkeit den 47er Cheval Blanc platt. 1994 bei und mit Jörg Müller eine massive, zeitlose Sensation, die ich 47 Lafleur und Petrus mindestens gleichstellen würde. 1995 in meiner Raritätenprobe grandios und besser als die überragenden 45 Lambrays und 47 Petrus. 1997 auf der Raritätenprobe im Vergleich mit Cheval Blanc wieder der bessere Wein. 1998 in einer Blindprobe sofort identifiziert, 100 Punkte in dieser Form erkennt man blind. 1999 in der Sansibar auch und gerade nach 95 Harlan(!) eine Offenbarung, unglaublich! - So geht das weiter. Über 30(!!!!)mal dürfte ich diese Legende inzwischen getrunken haben, und fast immer mit 100/100 bewertet, z.B. im Februar 2004: die Mutter aller Weine, flüssige Mokka-Schokolade, Espresso und Wein gleichzeitig getrunken - 100/100. Zuletzt wieder auf 100/100 Niveau auf einer Best Bottle 2006. Allerdings möchte ich auch 2 Flaschen nicht verschweigen, die ich 2006 auf einer großen Probe verkosten durfte. In der ersten war alles, nur kein 47er Vandermeulen Chambertin drin, die zweite war authentisch, aber auch nicht in Topform. Dafür aber wieder 2007 eine Flasche aus meinen eigenen Beständen, die sich in absolut bestechender Form befand, und nach Aussage einiger Teilnehmer der Probe das mit Abstand Beste war, was sie je im Glas hatten. Ein unsterblicher Wein mit süchtig machender Nase und einer von Kaffee- und Mokkatönen geprägten, unglaublich druckvollen Aromatik – 100/100. Im Sommer 2007 bei Jörg Müller ein Wahnsinnswein, der einen armen 89er La Mouline an die Wand nagelte. Mehrfach noch im Herbst 2007 und dann 2008 eine vier(!) Stunden vorher dekantierte Flasche als absoluter Star der „Braui meets Schorn“ Degustation – 100/100. Mehrfach 2009 und zuletzt wieder 2010 schlicht und einfach Perfektion – 100/100, auch Ende 2010 im Villino, wo die Flasche um 19 Uhr dekantiert wurde. 5(!) Stunden später war das ein einmaliger Traum im Glas.
Immer ganz knapp zweiter Sieger gegen Chambertin der Richebourg, aber auf was für einem Niveau! So z.B. mehrfach in 94 und 95. Solo für sich getrunken ein Ausnahmewein. 1996 im Ifen groß, kam erst nach 2 Stunden richtig. 1998 in Hannover bei Marie-Louise wieder so eine dicke Sau mit Mokka, Kaffee, machte 35 Monthélie mit links platt - absoluter Wahnsinn 99/100. Mehrfach in 98 und 99, immer groß mit toller Süße und immer zwischen 97/100 und 99/10 bewertet. 2000 mit René Gabriel bei Schorn, weiter, reifer als der Chambertin, entwickelte aber wieder eine wunderbare Süße, perfekt auch zu Steinpilzen mit Trüffeln und meinem Steinbutt, dürfte sich auf diesem Niveau noch ein paar Jahre halten. Zuletzt 2003 in der Sansibar: traumhaft schöner Wein, reif, verleugnet sein Alter nicht, langer Abgang mit feiner Süße - 98/100.
Ein zeitlos schöner, sehr balancierter Burgunder war 1997 auch ein Hospice de Beaune Cuvée Guigone de Salins Vandermeulen, sicher auf 95/100-Niveau und suchenswert. Ein feinwürzig-süßer Burgundertraum auch 1997 der Vosne-Romanée Vandermeulen - 94/100.
Chambertin, Richebourg und Hospice de Beaune 2007 in einem denkwürdigen 3er Flight brachten ohne wenn-und-aber dreimal 100 Punkte ins Glas.
Auch andere, einfachere und namenlose Händlerabfüllungen, meist aus Belgien, können immer noch interessant sein. Einfach zum Niederknien 2009 ein Corton in einer belgischen Händlerabfüllung, ein fettes, süße Teil. In der Nase Pumpernickel, Malaga, Mokka und alter Balsamico, am Gaumen burgundische Pracht und Fülle mit schöner Süße und einer gut eingebundenen Säure, die diesem Senior noch eine erstaunliche Frische verlieh – 96/100. Ein Gevrey Chambertin in einer belgischen Händlerabfüllung hatte 2008 immer noch eine sehr dichte Farbe. Man spürte in der Nase und auch am Gaumen das reife, süße Jahr, den klassischen Vorläufer von 2003. Die Nase wurde mit der Zeit zunehmend medizinaler. Das eigentliche Fest spielte sich am Gaumen ab. So eine dekadente Süße, so eine prächtige Fülle, dazu immer stärker portige Noten und sogar Marzipan. Klar, das war nicht feiner, edler, eleganter Pinot, das war eine üppige und trotzdem begeisternde Wuchtbrumme – 94/100.

Selbst bei weißen Burgundern gibt es noch trinkbare Weine, insbesondere als Vandermeulen. Meursault Charmes Vandermeulen sorgte mehrfach für Überraschungen. 1996 ein kraftvoller, voluminöser Superstoff - 96/100. 1997 wieder perfekt gereifter Klasse-Meursault mit viel Kraft, unglaublich komplex und lang - 97/100. 2000 in der Sansibar kam dann schon die Säure kräftiger durch, der Wein baute aber sehr schön im Glas aus - 95/100. Zuletzt im Februar 2004 eine suboptimale Flasche mit 7-8cm Flasche Schwund "nur" noch wie toller Sherry, aber nicht maderisiert. 2007 relativ helle, brilliante und klare Farbe, die hellste des Flights, wunderbare Nase, nussig, Brioche, am Gaumen eher etwas schlank mit kräftiger Säure, aber sehr komplex mit langem Abgang – 96/100. In derselben Liga auch der
Le Montrachet Vandermeulen. Ebenfalls mehrfach verkostet. 1997 sehr junge, helle Farbe, sensationelle, junge Montrachet-Nase, am Gaumen zunächst etwas gezehrt, machte sich mit der Zeit, wirkte insgesamt noch sehr jung, fast Holzton, macht noch 20+ Jahre - 94/100. 2000 in der Sansibar güldene Farbe, dichter, kräftiger als der Meursault, Klassestoff - 97/100. 2007 in der Farbe deutlich dunkler als der Meursault, zu Beginn recht verhaltene Nase, was sich aber mit der Zeit sehr gründlich änderte, am Gaumen Fülle und Kraft, angenehme Bitternote, sehr langer Abgang – 94/100. Zuletzt 2010 gülden, cremig, weich und reif mit viel Schmelz und feiner Süße, aber auch guter, tragender Säure, sehr lang am Gaumen und sicher noch mit genug Standvermögen für etliche Jahre – 95/100. Eine weitere Flasche Ende 2010 noch einen Tick drüber mit enormem Tiefgang – 96/100. Ein
Meursault Goutte d´Or von Laplanche Ainé kam 2007 erst verdammt gezehrt und sehr säurelastig daher mit deutlich oxidativen Noten. Im Glas baute dieser güldene Wein dann nicht ab, sondern eher aus und wurde gefälliger. Zum Essen blühte er dann richtig auf und erreichte gut 90/100. Mehrfach konnte ich 1994 sowohl bei mir als auch auf Proben den Meursault Perrières von Seguin-Manuel trinken. Der stammte aus dem privaten Besitz von Pierre Seguin und hatte in perfekten Kellern gelagert. Zu schnell weggenossen ging der Wein fast an einem vorbei. Gab man ihm jedoch viel Zeit im Glas und eine etwas höhere Temperatur, dann entwickelte sich ein Traum-Burgunder, an dem das Alter völlig vorbeigegangen zu sein schien. So bei und mit Jörg Müller, helle Farbe, wirkte zunächst sehr verschlossen, brauchte über eine Stunde im Glas und wurde dann ein Traum ohne jedes Alter, sicherlich einer der größten Weißweine, die ich je getrunken habe, da hatte auch ein dagegengesetzter 47er Corton Charlemagne von Violland keine Chance gegen - 100/100. Den Corton Charlemagne habe ich zweimal, 1994 und 1997, getrunken, ein großer Wein mit reifem, kräftigen Gelb, braucht viel Luft und wirkt zu Anfang etwas sperrig. Zuletzt hatte ich ihn 2005 noch mal bei Jörg Müller auf Sylt im Glas, bemerkenswert, wie gut sich dieser fast 60 Jahre alte, eher etwas rustikale Weißwein präsentierte – 90/100.Höchst erstaunlich 1998 bei Drawert ein Chablis l´Abbaye von Regnard & Fils, mit kräftigem Goldgelb, deutlichem Firneton und etwas Bohnerwachs, aber immer noch gut trinkbar.
Immer wieder tauchen auf Auktionen alte Weine von Thevenin auf. Mit denen habe ich keine so guten Erfahrungen gemacht. Der Montrachet von Thevenin wirkte 1997 auf meiner Raritätenprobe im Vergleich zu den Vandermeulens mit heller Farbe und kräftige Säure relativ spitz und unharmonisch. Etwas besser ohne die harte Konkurrenz eine Woche später auf einer anderen Probe. Zuletzt 2002 bernsteinfarben, deutliche Alterstöne in Nase und Gaumen, gezehrt, etwas trockener Sherry, das war´s wohl. Im Vergleich dazu getrunken ebenfalls von Thevenin der Batard Montrachet, deutlich frischer als der Montrachet aus gleichem Hause mit etwas hellerer Farbe, von Hochgenuss konnte hier aber auch keine Rede mehr sein. Zuletzt noch mal 2007 ein sehr schlanker Wein, wirkte zunächst erstaunlich frisch mit massiver, apfeliger Säure, blühte nur ganz kurz im Glas auf und zerfiel dann rasch, wohlwollende 85/100. Enttäuschend auch im Herbst 2005 ein Batard Montrachet von P. de Marcilly Frères aus einer schlechten Flasche mit 9 cm Schwund sah aus wie ein naturtrüber Apfelsaft und wirkte irgendwie nachvergoren. Klar, trinken konnte man ihn noch, aber er war doch verdammt säuerlich und schon sehr gezehrt – 76/100.

Für die Rhone gilt in 47 so wie in Burgund: sehr gute Ernte und sehr zugängliche Weine mit guter Struktur und Potential für längere Lagerung.
Der Hermitage La Sizeranne von Chapoutier war 2007 reif mit prägnanter Säure, sehr würzig, elegant, aber auch bissig. Ein Klassewein, der förmlich nach begleitendem Essen schrie – 95/100. Als Pirat und Experiment hatte ich 2007 einen Laudun von Joseph Pelaquié gebracht. Laudun ist eine eigenständige, aber unbedeutendere Appelation in Côtes-du-Rhone Village. Aber was für ein Wein! Der jüngste des Flights, sehr kompakt, kraftvoll, massig Mokka und purer Kakao, kräftig strukturiert mit immer noch deutlichen Tanninen. Etwas mehr Charme hätte dieser nachhaltige Tropfen ruhig haben können, dafür aber schien er gemacht für die Ewigkeit – 94/100. Eine helle, trübe Farbe hatte 2009 ein Gigondas Clos du Pegage von Edmond Chauvet. Wirkte am Gaumen gezehrt und säuerlich – 80/100
2009 ging ein Chateauneuf-du-Pape von Berard als großer Burgunder durch und wirkte für Chateauneuf erstaunlich elegant mit feiner Süße – 96/100. Eine weitere Flasche 2011 ähnlich, aber nicht ganz so druckvoll – 93/100. Der Zahn der Zeit nagte 2008 an einem Chateauneuf du Pape von Audibert Delas. Der kam eigentlich recht spannend ins Glas und war würzig und lecker, baute dann aber rasch ab, und es stellte sich eine Mischung aus Möbelpolitur und Schuhcreme ein. Wer denn undekantiert schnell trinkt, kann durchaus noch einen 92/100 Genuss geboten bekommen, der sich dann aber zügig um 10 Punkte reduziert. 2008 ein Chateauneuf-du-Pape von Drapier, eine Orgie für Gaumen und Nase mit massig Mokka und Schokolade, mit malziger Süße und reichlich getrockneten Kräutern, entwickelte sich wunderbar im Glas und wurde immer süßer und kräuteriger – 98/100. 1995 mit Jörg Müller überzeugte die erste der aus einem alten belgischen Keller erworbenen Flaschen Chateauneuf-du-Pape von Jaboulet-Ainé mit dichter Farbe, feiner Süße, wie ein großer, reifer Burgunder, der sicher noch lange hält. 1998 brilliante Farbe ohne Alter, dichter, langer Stoff. Stand 2001 wieder wie eine Eins im Glas. Zuletzt Ende 2006 Die perfekte Assemblage des Besten aus aus Bordeaux und Burgund mit toller Struktur und Komplexität, mit Rasse, Klasse und Fülle. Malzige, korinthige Süße, Süßholz, Lakritz mit frischem Pfeffer, fantastische Länge am Gaumen, viel Kraft und gleichzeitig burgundische Kraft und Fülle, auch dieser Wein ein Denkmal mit klaren – 100/100. Ein Chateauneuf-du-Pape von Mommessin hatte 2010 eine ziemlich helle aber intakte und noch brilliante Farbe, filigran die Anmutung und unendlich elegant mit sehr feiner Himbeer- und Erdbeerfrucht, verschwenderische Süße und eine perfekte Harmonie, dieser hoch elegante Wein präsentierte sich so wie eine Wehlener Sonnenuhr von der Rhone – 98/100. Mit hohem Suchtfaktor der Chateauneuf-du-Pape von Mont Redon. Rauchige, sehr generöse Nase, die einen mit etwas Fantasie in südfranzösische Gefilde entführt, am Gaumen komplex, druckvoll, fast explosiv, dabei aber durchaus fein mit schöner Würze und Süße, kein Burgunder, aber mit ähnlicher Pracht und Fülle, viel besser gehen ältere Chateauneufs nicht – 98/100. Ich habe sehr lange nach diesem Wein, den Parker zurecht als „kolossal“ bezeichnet, gesucht. Um neuere Mont Redons mache ich dagegen einen Bogen. Die sind nicht mal ein Schatten dessen, was auf diesem Gut in den 50ern und davor produziert wurde. Sehr reif 2011 die Nase des Chateauneuf-du-Pape von Tacquet, die auch das gemüsige älterer Riojas besaß, am Gaumen jedoch drehte dieser Wein, der noch eine sehr dichte Farbe hatte, mächtig auf, druckvoll, füllig, süß, generös mit langem Abgang, da ließ sich dann auch die Nase nicht lumpen und legte deutlich zu – 95/100. Der Wein des Abends wäre wohl 2011 der Chateauneuf-du-Pape von Thorin gewesen, hätte da nicht ein übler Kork den Spielverderber gespielt. Nicht etwa, dass dieser große Wein einfach aufgegeben hätte, wir auch nicht. Da war soviel Substanz, soviel einfach geile, süße Würze. Wir haben den Kork rausgeblasen und beim Trinken die Nase zugehalten, denn am Gaumen war der wein deutlich besser. Und natürlich haben wir diesen potentiellen 97/100 Riesen ausgetrunken. Ein Chateauneuf-du-Pape Vieux Telegraph hatte 2009 eine klare Farbe, eine generöse, süße Nase, auch etwas verbrannte Gummi, ein kerniger, immer noch deutlich jünger wirkender Wein, sehr kraftvoll mit druckvoller Aromatik am Gaumen und schöner Länge, einfach ein großer, perfekt gereifter Chateauneuf – 96/100.
Fündig bin ich 47 auch an der Loire geworden. Ein Cabernet d´Anjou Molleux von Douet Marcel war 1998 eine große Überraschung frischem Zartrosa, am Gaumen Stilistik einer gut gereiften, aber immer noch frischen Spät- oder Auslese - 90/100. 2007 eine leicht süßliche, an eine große Tüte Bonbons erinnernde Nase, pinkige Farbe, die Richtung altrosa ging, erinnerte in seiner leichgewichtigen, immer noch erstaunlich frischen und nur relativ dezent restsüßen Art einer gereiften, deutschen Auslese – 89/100. Sehr überzeugend war 1997 ein Anjou Blanc von Berger mit feiner, harmonischer Süße, cremig, top, Reserven für 10+ Jahre - 95/100. Sehr nachhaltig 2007 ein Moulin Touchais Reserve du Fondateur. Würzig-kräuterige Nase, entwickelte Anis- und Lakritztöne, am Gaumen gute Süße und eine wunderbare Länge. Baute sehr gut im Glas und dürfte noch eine gute Zukunft haben – 94/100. Ein einfacher Moulin Touchais hatte Ende 2007 nicht ganz die Klasse, war aber ein sehr schön zu trinkender kräuterig-würziger Wein, der durch die schon zum Teil aufgezehrte Süße in Richtung halbtrocken marschierte – 91/100.

Ein 2009 getrunkener Rivesaltes war recht süß und mir persönlich etwas zu aufdringlich, zu offensichtlich, wirkte sehr spritig – 88/100.

Mit einer extrem hellen, sehr bedenklich erscheinenden Farbe kam der 2007 ein Barolo Riserva von Borgogno ins Glas. Eine erstaunlich aromatische, gefällige, animierende Aromatik, am Gaumen weich, schmelzig und hoch elegant – italienische Grazie eben – mit viel Kaffee und unendlicher Länge, großer Stoff – 96/100. Ein Barolo von Serrafino hatte 2010 Superfarbe, Superstatur, ein muskulöser Kraftprotz, der in seiner kernigen, rustikalen Art eine perfekte Charakterrolle spielte, baute unglaublich im Glas aus und wandelte sich, wurde lakritziger, minziger, komplexer. Bei diesem Grandseigneur kam immer mehr Bordeaux-Stilistik hinzu, aber die größte Affinität hatte er zu einem Heitz Martha´s Vineyard – 96/100.

Wenig hört man von älteren, Portugiesischen Weinen. Um so überraschter waren wir 2008 von einem
Campo Grande von Sogrape,mit einer unglaublich dichten, jungen Farbe, immer noch mit herrlicher Frucht, auch am Gaumen kraftvoll, sehr lang und komplex, insgesamt deutlich jünger wirkend, ein verrückter Wein mit einer für Portugal geradezu atemberaubenden Qualität – 97/100.

Aus Spanien habe ich in 47 nur bisher nur wenige Weine getrunken.
Marques de Riscal Reserva hatte 2007 nicht nur eine satte Farbe, sondern auch eine durchaus Bordeaux-ähnliche Stilistik und war endlich mal ein älterer Rioja ohne die nervige Gemüsenase. Die Nase dieses feinen, weichen, schmelzigen Weines war noch schöner als der Gaumen – 92/100. Sehr finessig 1997 ein CVNE Imperial Gran Reserva, wäre mit seiner hellen Farbe und der wunderschönen Süße auch als großer Burgunder durchgegangen - 93/100. Noch besser 2007 ein
Vina Real Cosecha Especial mit einer Superfarbe und immer noch so jung und dicht wirkend. Kräuterig-jugendliche Aromatik, Rosmarin, etwas Eukalyptus, immer noch gutes Tanningerüst, wirkt 40 Jahre jünger und hat noch ein langes Leben vor sich – 95/100. Da gibt es sicherlich in Rioja noch weitere Entdeckungen zu machen. Ein
Tondonia von Lopez de Heredia hatte 2007 trotz sonst sehr guten Zustandes der Flasche seine beste Zeit schon länger hinter sich. Trinken konnte man ihn immer noch recht gut, aber der Charme gut gereifter, älterer Riojas fehlte weitgehend und die Säure nahm zusehend Überhand – 87/100. Vega Sicilia Unico zeigte 2007 Säure ohne Ende, ein großartiger Essig, aber leider kein Wein mehr

In Deutschland hieß der Jahrgang der „Knochenrappler“. Das bezog sich nicht auf die Weine, die alles andere als dürr waren, sondern die Hunger leidende deutsche Bevölkerung. 47er Weine von der Beerenauslese an aufwärts sind sicher noch einen Kauf wert.
Ein Kaseler Hitzlay Auslese von Beulwitz Erben war 1997 immer noch gut trinkbar, aber nicht groß. Störende Nebentöne schwanden rasch, güldene Farbe, etwas flach und gezehrt - 84/100. Ein Trabener Geispfad der Drei-Giebel-Haus Kellerei war 2010 kräftig, füllig mit einem großen, dampfenden Misthaufen in der Nase, in totaler Harmonie ohne jedes Alter mit tollem Standvermögen – 90/100.
Mein mit Abstand bester deutscher Wein aus Deutschland war im November 2001 auf der 700Jahresfeier von Schloß Johannisberg ein Goldlack, mit 155° geerntet, unglaublicher Stoff mit gebrannten Mandeln, Karamell, guter Säure und saftiger Geschmeidigkeit am Gaumen, der Höhepunkt einer denkwürdigen Probe - 100/100.
Selbst ein Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder naturrein von den Staatsweingütern, ein deutscher Rotwein, war 1992 mit extrem kräftiger Farbe, oxidativem Ton, an Gaumen und Nase Richtung Rhone tendierend, eine echte Proben-Sensation - 88/100.

Guter Weinjahrgang in Kalifornien mit kleiner Ernte.
Ein Martin Ray Cabernet Sauvignon hatte 2010 auf dem Unger-Weihnachtstasting in der reifen Nase Liebstöckel, aber auch noch gute Frucht, am Gaumen insgesamt jünger und noch sehr kräftig wirkend, baute nicht ab, sondern aus und wurde im Glas immer besser – 91/100.

Klassisches Beispiel für Glanz und Glorie von Tokay war 2008 eine Tokaij Essencia. Das war eine echte Essenz, purer, riesengroßer Nektar, der den gesamten Gaumen mit Beschlag belegte. Brilliantes, klares Dunkelbraun die Farbe, die Nase im besten Sinne konfitürig, am Gaumen feinstes, dunkles Toffee, Schokolade, likörartig cremig, kraftvoll und nachhaltig. Dürfte wohl bei 400g Restzucker gelegen haben. Baute im Glas immer weiter aus und scheint für die Ewigkeit gemacht. Faszinierend dabei die Nase, die zunehmend floraler wurde und an ein großes Rosenbeet erinnerte. Jede Suche und Sünde wert – 98/100.
Natürlich gab es in 1947 auch große Champagner. 1992 war ein Dom Perignon mit noch gutem Mousseux, Firne deutlich spürbar aber nicht störend, karamellig, ein Weinerlebnis auf 96/100 Niveau. Ähnlich zweimal 1993. Zuletzt dann 1997 kräftiges Dunkelgelb, leicht oxidative Nase, deutliche Firne, aber nicht unangenehm, sehr feines, deutlich spürbares Mousseux, Karameltöne, weinig, langer Abgang, wird getragen von guter Säure. Alle Dom perignons wohlgemerkt nicht RD´s, sondern alte Originale! Nicht ganz auf diesem hohen Niveau aber immer noch faszinierend 1997
Krug Collection, reif, kräftig, nur etwas Finesse fehlte, - 92/100. Deutlich besser zuletzt 2007 aus zwei unterschiedlichen Flaschen. In der älter wirkenden der beiden Flaschen besaß der zwar auch eine recht dunkle Farbe, deutliche Firnetöne in der Nase und ein immer noch lebhaftes, grobperliges Mousseux. Auch am Gaumen konnte er sein Alter nicht verleugnen. Dezent oxidativ, leichte Bitternote, baute aber im Glas nicht ab sondern aus, immer noch ein sehr guter, nachhaltiger Champagner – 92/100. Fantastisch die andere Flasche, deutlich heller in der Farbe, deutlich fernperliger und lebhafter das Mousseux, deutlich jünger die interessante Nase mit nur ganz dezenter Edelfirne, mit Brottönen und Brioche. Wirkte am Gaumen gut 40 Jahre jünger. Ein großer Krug, ein ganz großer Champagner und in Form der zweiten Flasche ein viel zu seltenes Erlebnis – 97/100. Ein
Moet&Chandon, erst 2 Monate vorher degorgiert, beeindruckte 1997 in der Traube Grevenbroich mit ganz feinem Mousseux, sehr fein mit viel Finesse - 96/100. Zu alt hingegen 1992 bei Drawert ein Moet&Chandon Imperial Brut Rosé, erinnerte mich spontan an alten Weißwein, Geschmack besser als Nase, geht bestenfalls als interessanter alter Stillwein durch. In derselben Probe 1992 sensationell
Veuve Clicquot, präsentierte sich als kräftiger stiller Wein mit noch leichtem, sehr angenehmem Mousseux, kaum spürbare Firne, tiefe, ganz leicht ins grünliche gehende Farbe – 93/100. Mit alten Veuve Clicquots habe ich runter bis Jahrgang 1921 grundsätzlich sehr gute Erfahrungen gemacht. Wenn Sie so was aus guter Hand erwischen, unbedingt zuschlagen! Der Zahn der Zeit nagte 2007 schon recht deutlich an Pommery aus der Jeroboam(das sind in der Champagne 3l). Güldene Farbe, sehr reife, firne Nase mit Unterholz, Pilzen und etwas Brioche, das zu lange im Ofen war. Mousseux hatte dieser Senior keines mehr. Die hohe Säure verlieh ihm aber eine erstaunliche Frische, die nicht zum sonst er fragilen Erscheinungsbild passte. So ging er denn als eine Art frischer Sherry durch – 84/100.

Port habe ich aus diesem auch für Portwein generell sehr guten Jahr nur einen getrunken. 1995 auf einer Drawert-Probe Sandeman, noch kräftiges Rot, sehr schönes Bouquet, weich mit Griff ohne spritig zu wirken, etwas mehr Kraft wäre nicht schlecht - 87/100. Der gehörte aber auch nicht unbedingt zu den Stars des Jahrgangs. Mit den großen Namen, wie Taylor, Warre´s, Dow oder Quinta do Noval kann man sicher in 47 nicht viel falsch machen.