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1979
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Wer Weine aus 1979 sucht, muss dreimal hingucken. Zu heterogen war das, was in diesem Jahr erzeugt wurde. In Bordeaux wurde die größte Ernte seit 1934 eingebracht. Bei den meisten Gütern ging Masse immer noch vor Klasse. Zu allem Überfluss entpuppten sich viele Weine auch noch als wahre Tanninmonster ohne die nötige, reife Frucht, um die harschen Tannine auszugleichen und abzupuffern. Ich habe sehr viele Bordeaux-Notizen aus den 80ern, als insbesondere die kleineren Weine, aber auch einige der großen Gewächse noch richtig Spaß machten. Diese Notizen habe ich hier weggelassen, denn sie sind nur noch von historischem Interesse. Bis auf wenige Ausnahmen drängen sich seit etlichen Weinen die Tannine in den Vordergrund, verbunden mit dem Empfinden einer aggressiven Säure. Natürlich kann man die Weine noch mal 10 oder 20 Jahre liegen lassen. Es wird nur nichts bringen.
Ein Klassestoff wurde auf Cos d´Estournel erzeugt, wunderbare Frucht, fast üppig. Ein gutes Dutzend Mal verkostet und meist mit 90-93/100 bewertet. Meine letzte Magnum zeigte dann aber 2001, dass auch der nicht ewig lebt. Besaß aber 2007 in der großen Cos-Probe aus einer perfekten Magnum immer noch eine irre Farbe ohne Alter, viel Frucht, Feigen, Schokosüße und am Gaumen einen wunderbaren Schmelz – 92/100.
Sehr angetan war ich 1991 von Lafite Rothschild bei meiner ersten Begegnung mit diesem Wein. Sechs Jahre später auf dem Weinforum in Arosa zeigte die Farbe bereits deutliche Orangentöne, die Überhand gewinnende Säure ließ die bissigen Tannine deutlich stärker hervortreten, zeigte zwar noch etwas Eleganz, aber der Lack ist ab – 87/100. Nicht viel besser sieht es bei Latour aus. Dreimal probiert, nie gemocht. Kraft ohne Herrlichkeit – 85/100. Lynch Bages 1989 zum ersten Mal getrunken. Damals war er schon voll auf dem Punkt, ein beeriger, leckerer Wein zum schnellen Verzehr. Aus der 1tel inzwischen sicher hinüber. Aus der Jeroboam 2008 zwar kein großer Wein, aber ein recht interessanter, sehr gut trinkbarer mit dichter Farbe - 86/100. Noch soein Loser ist Mouton Rothschild. Eine gute Flasche habe ich davon getrunken, 1988 in Atlanta. Alles was danach kam, war mehr oder minder grausam, dünn, vegetabil, Säure – nein danke! Zuletzt 2009 eher wässrig, dünn, fruchtlos und tanninig, eigentlich beschämend für solch einen großen Namen – 80/100. Was ich 1988 als Pichon Baron ins Glas bekam, war nicht sonderlich aufregend und bereits voll entwickelt. Ganz anders die Pichon Comtesse de Lalande. Gut, ich bin bekennender Comtesse-Fan. Aber die mindestens drei Dutzend Verkostungsnotizen zwischen 1988 und 2002 sprechen eine deutliche Sprache. Da gab es zwar auch Flaschenvariationen, aus einigen Flaschen wirkte der Wein schon vor Jahren erstaunlich reif, doch lagen meine Bewertungen in der Regel immer bei 91-94/100. Auch und gerade die „reifere“ Version macht immer noch unglaublichen Spaß. Und in der Magnum war die Comtesse – zuletzt Ende 2003 – ein noch fast jugendlicher Klasse-Cabernet auf 94/100 Niveau. Schon etwas gezehrt wirkte 2006 eine 1tel. Die Farbe zeigte noch wenig Reifetöne, doch es war die nur noch ansatzweise vorhandene Frucht, die zeigte, das der Wein seinen Zenit wohl deutlich überschritten hatte. Paprikanase, rauchige Barriquenoten, immer noch gutes Tannin- und Säuregerüst. Dadurch wird die einstmals so faszinierende Comtesse auf niedrigerem Niveau sicherlich noch etliche Jahre trinkbar bleiben – 88/100. So 2007, einfach lecker mit sehr schöner, offener Frucht, aber am Gaumen etwas kurz und praktisch tanninfrei – 88/100. 2009 bei Grashoff in Bremen aus perfekter Lagerung einfach wunderschön und Comtesse pur, seidig, elegant und sehr aromatisch mit feiner, trüffeliger Note – 93/100. Zuletzt 2010 wieder in bestechender Form. Praktisch altersfrei überzeugten hier die schokoladige, leicht trüffelige Nase und der sehr elegante Gaumen – 92/100. Pontet Canet hatte 2009 in der Nase wiederum viel Zedernholz, aber auch eine feine Süße, am Gaumen etwas austrocknend mit dem 79typischen Resttannin, doch auch weich und mild. Ließ sich sehr gut trinken und dürfte noch Potential für etliche Jahre haben – 85/100.
Beychevelle hatte sich schon Ende der 80er weitgehend verabschiedet. Ducru Beaucaillou wirkte 2009 auf der großen Ducru-Probe ziemlich belanglos – 81/100. Allerbeste Erfahrungen habe ich mit gut 3 Dutzend Gruaud Larose gemacht, darunter alle Flaschengrößen bis hin zur Imperiale. Immer wieder tolle Farbe, fleischig, Superfrucht, konstant mit 91-93/100 bewertet, 1998 aus der DM auch mit euphorischen 96/100. Bis auf eine 2004 bei Ebay gekaufte Flasche. Die hatte einen störenden, grasigen Ton. Eine Weihnachten 2004 getrunkene Magnum hatte dann wieder die gewohnte Klasse, großer Wein mit betörender Aromatik, brauchte viel Luft und zeigte dann von einer anfänglichen Erdbeernote über Tabak bis hin zu einem Gewürzstrauß eine tolle Vielfalt an Aromen - 94/100. Ähnlich eine 1tel im Oktober 2005, das war wieder Gruaud in Perfektion, ein eleganter Parade-St. Julien mit feiner Frucht und beinahe zeitloser Eleganz - 92/100. 2006 feine Zedernholznoten, Trüffelnase, schwarze Johannisbeere, weiche, reife Tannine, durch die der Gruaud sehr rund und fast etwas mollig wirkte – 94/100. Zuletzt 2009 ein großer Wein mit betörender Aromatik, immer noch mit guter Frucht, mit Tabak, viel Leder und seidiger Fülle. Aus der Magnum praktisch altersfrei mit einer Superfarbe - 95/100. Wenn Gruaud demnächst irgendwo in Magnum oder größer auftaucht, bin ich sofort wieder dabei, zumal hier auch noch der Preis stimmt. Leoville las Cases gehörte Ende der 80er/Anfang der Neunziger zu meinen Lieblingsweinen. Inzwischen ist er deutlich gereift. Zuletzt 1998 klassischer, reifer Cabernet, wobei die gute Frucht die doch etwas spröden Tannine gut abpuffert – 89/100. 2009 bei Grashoff in Bremen aus perfekter Lagerung von erstaunlich bestechender Qualität, einfach klassischer, reifer Cabernet, weich am Gaumen ohne die früher so störenden, sperrigen Tannine – 93/100. Zuletzt 2010 sehr fein, fruchtig und elegant – 91/100. Talbot hatte 2009 eine Traumnase ohne Alter hatte, sogar noch etwas Röstaromen, Zedernholz, feiner Schmelz, deutlich jünger wirkend als die sehr reife Farbe. Weniger schön der Gaumen, immer noch sperriges, trockenes Resttannin, sehr metallisch, als ob der Wein aus der Dose käme – 82/100. Ein großer Erfolg in 1979 ist Margaux. Seit meiner ersten Begegnung 1988 in Hannover hat mich dieser seidige, elegante Wein mit seiner feinen, rotbeerigen Frucht immer wieder fasziniert. Meist mit 92-94/100 bewertet. Ausreißer nach oben war 2000 eine perfekte Flasche, traumhafte Nase, auch am Gaumen Margaux in Perfektion, seidig, sehr lang - 96/100. Zweimal 2007, sehr elegant, feinduftig, rotbeerig, ein eher ein schlanker, filigraner, aber sehr betörender Wein mit seidiger Struktur, der sich noch länger auf 93/100 Niveau halten wird. Zuletzt 2009 zweimal und 2010 immer noch sehr dichte Farbe ohne Alter, sehr feinduftige, eindrückliche Nase voller feiner Beerenfrucht, am Gaumen schlank, fast sehnig, aber auch mit jugendlicher, druckvoller Aromatik, seidiger Textur und beeindruckender Länge – 93/100. Palmer hatte mich 1992 nicht überzeugt, zuviel Säure und aggressive Tannine. Zuletzt 2009 eher bittere Kost mit leicht unsauberen Noten – 84/100. Prieuré Lichine war wie so viele 79er schon 1988 ein angenehm zu trinkender, leichter und voll ausgereifter Margaux ohne Höhepunkte – 83/100.
Bei Carbonnieux drängte 1990 schon die Zeit. Sehr schön hingegen 1993 auf Rodenstocks Arlbergprobe Domaine de Chevalier, eher ein Leichtgewicht zwar, aber sehr charmant mit schöner Frucht – 87/100. Klasse in 1979 und immer noch für im Vergleich zu neueren Jahrgängen wenig Geld zu bekommen der Haut Brion. Zwischen 1986 und 2004 gut 2 Dutzend mal mit großer Begeisterung getrunken, 2004 in der Traube Grevenbroich eine perfekte Flasche, kräftige Farbe ohne viel Alter, perfekte Cigarbox-Nase, am Gaumen lang, komplex, mit guter Säure – 93/100. 2006 auf der großen Haut Brion Probe wieder klassischer, reifer Haut Brion auf hohem Niveau. Reif ohne Alterstöne mit sehr intakter Farbe, die klassische Cigarbox-Nase, dazu rauchige Töne, Leder und Trüffel, am Gaumen weich, komplex und lang – 93/100. 2007 wieder die schiere Wollust, immer noch dichte, sehr junge Farbe, in die klassische Cigarbox-Nase mischt sich unglaublich viel Valrhona, auch am Gaumen dominiert Schoko vom Feinsten, wird mit der Zeit am Gaumen immer feiner, weicher und geschmeidiger, wird sich in guten Flaschen sicher noch etliche Jahre auf diesem hohen Niveau halten - 94/100. 2008 herrlich reifer Haut Brion - 93/100. Zuletzt 2009 bei Grashoff in Bremen sehrfein, rauchig, Leder, Trüffel und Cigarbox – 92/100. Der sonst so zuverlässige La Mission allerdings schwächelt in diesem Jahr. 1997 eine Flasche mit schöner Farbe, aber das war´s, davon bleiben! 1998 dann auf Willi Krählings La Mission Probe eine deutlich bessere Magnum, helle, reife Farbe, wirkte sehr gefällig und lecker – 91/100. Würde ich nur noch in großen Formaten anpacken. Sehr verschlossen war 2009 La Tour Haut Brion. Wirkte monolithisch und ließ kaum etwas raus. Ich bin mir hier nicht so sicher, ob da wirklich noch etwas kommt, oder ob es das schon war.
Lange nicht mehr getrunken habe ich Certan de May. Der hatte 1989 eine kräftige Merlotnase. Intensive Frucht. Ausladend und geradezu üppig. Noch kräftige Tannine. Ein bißchen kurz im Abgang. Großer Wein, der immer noch gut trinkbar sein dürfte – 92/100. Ganz erstaunlich auch 1994 ein Clinet aus der Magnum, in der damaligen Form sicher 94/100 wert. Gereift, weich, burgundisch war 1995 ein Croix St. Georges – 83/100. Domaine de l´Eglise hatte 1994 aus der Doppelmagnum eine schöne Kaffeenase, war aber etwas kurz im Abgang – 87/100. Bei einem L´Eglise Clinet notierte ich 2002: bei einem hundert Jahre alten Wein wäre dieser Zustand toll gewesen, so war er einfach schon ein bisschen zu alt, aber immerhin noch trinkbar – 83/100. Zuletzt 2010 war er immer noch trinkbar, aber doch eher etwas dünn und schokoladig-säuerlich - 83/100. La Fleur Petrus war 1994 aus der DM dürftig, kurz, mit viel Säure und wenig Nase – 77/100. 1994 war Lafleur ein superdichtes, konzentriertes Aromenbündel, das sich damals noch sehr jung und auch etwas verschlossen präsentierte. 2009 auf der Lafleur Best Bottle aus der Magnum erst mit etwas kühler Eleganz und mit reichlich Eukalyptus. Wirkte dabei noch so jung und so dicht, immer noch mit voll intaktem, kräftigem Tanningerüst. Öffnete sich, wurde süßer, generöser, wunderbarer Gaumenfluss und Freude ohne Ende, ein 79er mit Potential für sicher noch zwei Jahrzehnte – 97/100. Latour-à-Pomerol war schon 1988 voll ausgereift, charmant, lecker und eher auf der leichteren Seite – 88/100. Doch das bedeutete noch lange kein kurzes Leben. Meine beste Flasche trank ich 2001 mit Traumnase und fast burgundischer Fülle – 92/100. Das war es dann wohl aber auch. 2006 aus der Magnum ein ziemlich dünner, harmloser Wein - 85/100. Nur zwei schöne Petrus habe ich getrunken, 1990 bei Jörg Müller auf Sylt und im Düsseldorfer Caveau. Da muss der sonst arg enttäuschende Petrus kurz aufgeblüht sein. Danach kam dann nur noch eine sehr enttäuschende, kurze, astringierende Magnum auf der Petrus-Probe 1993 in Mautern, eine auch nicht gerade aufregende Jeroboam 1994 und zuletzt 1995 bei Rodenstock 1995 eine Imperial. In der war er immer noch der beste von drei sehr enttäuschenden Petrus, aber mehr als 89/100 waren da auch nicht drin. Und war ich wohl noch zu großzügig, denn Parker, der aus derselben Flasche trank, gab ganze 86/100. 2005 auf René Gabriels großer Petrus Probe roch er unangenehm nach Katzenklo. Am Gaumen war er deutlich schöner, entwickelte sich im Glas, aber ebenfalls auf ein deutliches Überschreiten des Zenits hindeutende Säure – 89/100. Präsentierte sich zuletzt 2008 als sehr reifer, weicher Wein, der seinen Zenit deutlich überschritten hat – 89/100. Le Pin war 2010 noch trinkbar, aber auch säuerlich – 82/100.
Canon war 2002 aus der Magnum voll auf dem Punkt und sehr gut zu trinken – 91/100. Nie richtig beeindruckt hat mich Cheval Blanc. Von niedrigen Hektarerträgen haben die wohl damals nichts gehalten, und so entstand ein ziemlich dünner Simpel, den man zwar gut trinken konnte, aber für Cheval Blanc und den Preis eigentlich eine Frechheit. Mehrfach verkostet, zuletzt 1995 aus einer DM – max 85/100 und kaum Zukunft. So war das auch 2008 aus der DM ein simpler, eindimensionaler, stark abbauenden Wein mit seiner deutlichen Braunfärbung – 81/100. Hatte zuletzt 2009 zwar auf niedrigem Niveau noch eine feinduftige Nase, am metallischen, gezehrten, säuerlichen Gaumen war aber weitgehend tote Hose – 81/100. Pavie hatte 1996 auf einer Drawert-Probe zwar eine dichte Farbe, aber viel Säure, wirkte alkoholreich und sperrig – 84/100. Kam 2009 Sehr anstrengend ins Glas. Viel Tannin, hohe Säure, aber wo war die Frucht? Baute dann aber erstaunlich gut im Glas aus und ließ sich – 85/100.
Ein farbloses Jahr für Weiße Bordeaux. Ziemlich wässrige Weißweine und keine besonders aufregenden Süßweine. Haut Brion Blanc hatte 2006 eine schöne Nase, war am Gaumen aber eher etwas schlank mit kräftiger, unharmonischer Säure – 86/100. Aus Sauternes habe ich bisher nur 2 Weine getrunken. Y, der trockene Wein von Yquem, konnte Anfang der 90er mehrfach überzeugen, keine Firne, schöne Frucht und leicht süßliches Bouquet, viel Kraft und beachtlicher Abgang – 90/100. Natürlich ist dieser Wein gewöhnungsbedürftig. Aber die Kombination aus der Nase eines Süßwein mit einem weitgehend trockenen Geschmackserlebnis am Gaumen ist schon faszinierend. Zuletzt 2007 noch mal eine Flasche, die Nase etwas verhaltener, dafür am Gaumen um so kraftvoller und komplexer, hat sicher noch Zukunft – 92/100. Ziemlich enttäuscht war ich 1995 von d´Yquem. Mit heller Farbe, viel Säure und wenig Tiefgang entspricht er nicht dem hohen Standard dieses Gutes, aber wohl eher dem Jahrgang – 87/100.
Trotz massiver Unwetter im Juni konnte auch im Burgund eine große Ernte eingefahren werden. Die Weine waren früh trinkreif, die Qualität nicht aufregend. Der größte Teil dürfte inzwischen das Zeitliche gesegnet haben. Ein Chambertin Clos de Bèze von Drouhin-Laroze hatte 1989 eine intensive, leicht süßliche Nase von Waldbeeren, leicht Pilze und war insgesamt sehr harmonisch – 90/100. Ein Beaune 1er Cru von Vollot hatte 1988 wenig Frucht, kräftige Säure, kurzen Abgang – 82/100. Volnay Caillerets von Bouchard hatte 2009 eine offene, fruchtige, süße Nase, war am Gaumen saftig und rund mit guter Säure und trank sich einfach sehr schön – 90/100.
Etwas besser sah es bei Weißen Burgundern aus. Hier wurden einige sehr attraktive Weine erzeugt. Da wird aber inzwischen auch nicht mehr allzu viel trinkbares bei sein. Ein Corton Charlemagne von Jadot war 1995 sehr kräftig und voll auf dem Punkt – 88/100. Uberhaut keinen Spaß macht dagegen im selben Jahr ein Corton Charlemagne von Louis Latour. Ein Puligny Montrachet Les Pucelles von Moroni entwickelte sich 1994 sehr gut, Fülle, dezente Süße, langer Abgang – 92/100. Voll auf dem Punkt war 1992 auf einer großen Ramonet-Probe der Le Montrachet. Weißwein kann kaum schöner sein – 98/100.
Schöne Weine an der Rhone, sowohl im Norden, als auch im Süden. Da lohnt noch die Suche. Immer noch gut trinkbar ist La Mouline, nicht zuletzt aufgrund einer kräftigen, tragenden Säure. 1994 war er fein, nachhaltig, mit leicht animalische Note, entwickelte sich gut im Glas, sehr lang am Gaumen – 91/100. Zuletzt habe ich ihn im Dezember 2004 getrunken. Da überzeugte am meisten die klassische La Mouline-Nase, die einen Besuch in einem großen Gewürzladen vorgaukelt, am Gaumen reif, weich, aber auch mit kräftiger Säure 92/100. Keinerlei Alter zeigte 2010 der La Landonne von Guigal, immer noch kraftvoll, rustikal, bissig und pikant mit guter Säure, aber auch schöner Frucht und burgundischer Fülle mit feiner Süße – 93/100. Noch sehr langlebig dürfte Hermitage La Chapelle sein. 1998 auf einer Drawert-Probe zeigte dieser kräftige, gut strukturierte Wein mal gerade erste Zeichen von Trinkreife – 92/100. Beaucastel war 1997 zweimal mit heller Farbe burgundisch weich und reif mit wunderschöner Süße, ein sehr eleganter, leckerer Schmeichler – 90/100.
Grillet hatte 1994 einen Moderton, der sich am Gaumen fortsetzte, harmonisch, aber nicht groß, nicht mehr der Jüngste - 82/100. 1996 dann wirkte in der Nase leicht korkig und roch nach Schweißfüßen, aber das muss wohl so sein. Am Gaumen füllig, aber auch sperrig, nicht mein Wein! 83/100.
Gut gelungen präsentierte sich 2010 Coulée de Serrant, in der floralen Nase ein großer Heuschober, immer stärker Tabak, aber auch ein deutlicher Schwefelton, ein spannender und vielschichtiger Wein, der am Gaumen recht harmonisch wirkte – 90/100.
Ein gutes Jahr im Elsass mit einer sehr großen Ernte. Da müsste sich, insbesondere im edelsüßen Bereich, noch einiges finden lassen. Schon leicht gezehrt und furztrocken, fast säuerlich, aber nicht ohne Charme 2002 ein Riesling Munchberg von Marcel Deiss – 78/100. Perfekt gereift 1988 ein sehr fülliger Riesling Cuvée St. Catherine von Trimbach – 90/100.
Sehr portig, schokoladig und (zu) alkoholisch 1997 ein Domaine du Mas Blanc Cuvée de la Saint Martin von Dr. Parcé. Solo getrunken mag ich diese Weine nicht besonders, doch gerade in Verbindung mit einem Schokoladendessert können sie eine Offenbarung sein.
Nach einem ziemlich mäßigen Frühjahr und Sommer rettete ein schöner Herbst das Weinjahr noch einigermaßen. Aufregendes wurde nicht erzeugt. Im edelsüßen Bereich sollten sich aber noch ein paar interessante Weine finden lassen. Bei einer Forster Ungeheuer BA des Reichsrat von Buhl dominierte 1995 die aggressive, am Gaumen astringierende Säure- 89/100. Eine Wehlener Sonnenuhr Riesling Spätlese von JJ Prüm zeigte 2006 auf der Prüm-Probe ein reifes Goldgelb, wieder deutliche Boytritis, wirkte etwas unsauber in der Nase, muffig, Spuren von Zimt, aber auch pilzig, etwas Gummi. Am Gaumen noch schöne Säure, aber auch etwas hohl mit einem Loch in der Mitte. Die kräftige Säure macht die fehlende Substanz des Weines platt – 85/100. Gülden, sehr karamellig, wenig Säure, aber wunderschön, 1997 eine Dalsheimer Hubacker Silvaner TBA von Klaus Keller – 92/100. Ein Hochheimer Domdechaney Riesling TBA Versteigerungswein Kloster Eberbach von den Staatsweingütern war 1998 ein sehr interessanter, dunkelbrauner Rosinenturbo - 92/100. Ein sehr schöner Aperitif war 2007 eine Erbacher Marcobrunn Spätlese von den Staatsweingütern. Was sicherlich mal vor 20 Jahren ein (zu) süßer Wein war, präsentierte sich jetzt fast völlig trocken. Weitgehend aufgezehrt war die Restsüße dieses in Ehren gereiften Weines, der mit kräftigem Goldgelb ins Glas floss. Durch die markante Säure wirkte er immer noch frisch und kräftig mit leichtem Bitterton im Abgang – 86/100.
Ein Achaia Clauss Mavrodaphne Grande Reserve aus Griechenland war 2009 ziemlich süß mit Toffee und Karamell, rosinig, aber auch oxidativ. Diesen Stil muss man lieben – 89/100.
Costa Russi von Gaja hatte 2008 eine recht helle, aber weitgehend altersfreie Farbe, von der Nase her waren wir da eher auf einer Landwirtschafts-Ausstellung, denn es roch nach Ställen der unterschiedlichsten Gattung. Am Gaumen sehr kräftig und lang, aber auch recht rustikal und mit doch ziemlich prägnanter Säure - 90/100. Der normale Barbaresco von Gaja war 2010 nur noch stichig und anstrengend – 78/100. Nur noch Erinnerung dürfte inzwischen Sassicaia sein. Schon 1993 auf Willi Krählings Sassicaia-Probe hatte er aus der Magnum eine helle Farbe und hatte den Höhepunkt deutlich überschritten. Drei Jahre später bei den Ungers war dann auch die letzte Freude verschwunden. Sehr überzeugend 2009 ein Brunello di Montalcino Riserva von Argiano. Animalisch und mit etwas Brett die ausdrucksstarke Nase, immer noch rotbeerige Frucht, Zedernholz und etwas Tabak, am Gaumen kernig und druckvoll, recht komplex mit guter Struktur, noch lange nicht am Ende – 92/100.
Aus Österreich habe ich 1994 und 1996 eine perfekte, fette Welschriesling TBA (192°) von Triebaumer getrunken, sowohl solo als auch zu Schorns Schokoladenkuchen ein süßer Traum – 97/100.
Eigentlich war 1979 kein gutes Spanien-Jahr. Trotzdem gelang ein sehr guter Vega Sicilia Unico. 1995 kräftige, junge Farbe, intensive würzige Nase, dicht, viel Power, spürbare Tannine, Kraft auch im Abgang, aber auch altes Faß, viel Zukunft - 93/100. 2001 auf der großen Unico-Probe aus der Magnum würzig-animalische Nase, dichte, junge Farbe, am Gaumen cremig, aromatisch, viel Kraft, fast in der 74er Liga - 95/100.
Sehr heterogen auch der Jahrgang in Kalifornien. Da gab es Riesen wie Heitz Martha´s Vineyard ebenso wie Überraschungen und natürlich auch jede Menge Schrott. Sehr ungenerös mit kräftiger Säure und kurzem Abgang wirkte 1994 ein Beaulieu Reserve George de Latour aus der Magnum – 84/100. 15 Jahre später, 2009 und ebenfalls aus der Magnum immer noch satte, rotbeerige Frucht, Cranberrys, frische Wiesenchampignons, sehr minzig, After Eight, Eukalyptus, ein ungemein charmanter, einfach sexy wirkender Wein, ein klassischer Medoc mit einem Hauch von Exotik, eben ein Kalifornier, wie sie früher gemacht wurden, noch lange nicht am Ende – 93/100. Heitz Martha´s Vineyard war 2010 nicht der übliche Heitz-Hammer, eher etwas femininer und sehr balanciert, geradezu fein und elegant mit viel Frucht und natürlich Minze satt. Am Gaumen zeigte er sich trotzdem enorm druckvoll und nachhaltig, ohne jedes Zeichen von Alter oder Schwäche, sicher ein Heitz mit noch langer Lebenserwartung – 95/100. Mayacamas war 2002 in Boston wie ein Zwilling des spröden 78ers – 83/100. Phelps Eisele Vineyard hatte 2009 auf Sylt eine sehr dichte und immer noch jung wirkende Farbe. Dunkle Früchte, viel Minze, sehr kraftvoll und lang am Gaumen, sehr präsent und dabei harmonisch und balanciert – 93/100. Begeistert war ich 1994 von einem Rubicon. Der hatte immer noch eine sehr dichte, junge Farbe, war aromatisch und druckvoll am Gaumen und sehr lang – 94/100. Sehr positiv überrascht hat mich 1994 ein ZD Cabernet Sauvignon, großer Gewürzstrauß und viel Süße, voll auf dem Punkt – 92/100. Ältere ZD´s sind immer eine Suche wert. Und dann gibt es natürlich auch einige wenige amerikanische Süßweine. Nicht uninteressant 1993 ein Chateau St. Jean Riesling Late Harvest, tiefe, goldbraune Farbe wie alte TBA, dickflüssig, kräftige Säure, schmeckte und roch wie englische Orangenmarmelade – 92/100.
So, wie die klassischen Kalfornischen Rotweine aus der Zeit vor 1990 häufig bessere Bordeaux waren, ähnelten die Chardonnays in der Stilistik Weißen Burgundern und waren recht langlebig. Eindrucksvoll demonstrierte das 2010 ein Buena Vista Chardonnay. Immer noch frisch war dieser altersfreie Wein mit seiner klaren Frucht, das gut eingebundene Holz noch deutlich spürbar, sehr nussig, schmelzig, wunderbare Fülle, aber mit klaren Konturen, klassische, burgundische Eleganz und Harmonie, keine Spur von Alter, baute mit der Zeit enorm im Glas aus, hat sicher noch Potential für etliche Jahre – 91/100. Ein Bell Canyon Santa Barbara Chardonnay war 2009 ein wunderbar gereifter Wein, immer noch nussig, Karamell, Honigtöne, Wachs, Aprikose, gute Säure und Srutur, hielt sich über Sunden im Glas – 89/100.
Und natürlich geht es in Kalifornien noch exotischer. Körper, Kraft und Komplexität hatte das, was da vor mir immer noch schön im Glas perlte, gut gereift aber noch längst nicht alt und mit einer faszinierenden Bitternote im langen Abgang. Für mich eindeutig ein hochklassiger, nicht mehr ganz taufrischer Champagner – nur stammte er halt aus einer Gegend, in der man diese Bezeichnung nicht mehr verwenden darf. Ein Schramsberg Reserve aus der Magnum war dieses köstliche Elixier – 94/100. Alte Schramsbergs sind zurecht sehr gesucht. Ich suche ab sofort mit.
Penfolds Grange war auf Grund des untypisch feuchtwarmen Wetters ein Schnellentwickler, dem die klassische Grange-Struktur fehlte. Auf der Grange-Probe in Lehrbach brachte er erst Schoko ohne Ende, baut dann ab und wurde eher etwas medizinal – 92/100. Zuletzt 2007 passte dann die Farbe perfekt zur Aromatik, Teer ohne Ende. Dazu animalische und medizinale Töne und auch noch etwas Brombeere. Sehr schwierig dieser Wein, nicht nur wegen der mit Teer panierten Brombeeren. Trotz der dichten Farbe meine ich, dass das ein Grange ist, der seine besten Tage lange hinter sich hat und droht, langsam zu zerfallen – 87/100.
„this wine has bottle ageing capabilities until early 1984“ stand auf dem Rückenetikett des Hunter Valley Riesling der Wyndham Estates aus Australien. Sehr gewöhnungsbedürftig erst die Nase, medizinale Töne, Phenol. Erstaunlich fruchtig der Gaumen mit guter Säure und etwas Honig. Mit der Zeit besserte sich auch die Nase, bekam den Petrolton reiferer Rieslinge, wurde floral und zeigte auch reife Aprikose. Am Gaumen kam ein sehr deutlicher Litschi-Ton, dazu etwas Schwarztee, als Riesling wurde der Wein immer stärker erkennbar und trank sich durchaus noch gut – 85/100.
Südafrika? Oude Libertas Cabernet Sauvignon von der Stellenbosch Farmers Winery. „Sturdy“ soll dieser Wein laut Etikett damals gewesen sein, was man mit robust und kräftig übersetzen kann. Jetzt, 2010, nach immerhin gut 30 Jahren, präsentierte er sich perfekt gereift ohne jeden Anflug von Senilität. Blind hätte ich diesen Wein nach Bordeaux ans Linke Ufer gesteckt, also nach Medoc oder ins Pessac. Reif, weich, aber sehr aromatisch, rauchig, mineralisch, immer noch mit pikanter, rotbeeriger Frucht und mit feinem Schmelz – 87/100.
Gutes Champagner-Jahr. Dom Ruinart Blanc des Blancs hatte 1996 auf einer Drawert-Probe eine helle Farbe, noch intensives Mousseux, war cremig und jung – 88/100. Ein Henriot Reserve de Philippe Rothschild wirkte 2009 bei Jörg Müller auf Sylt immer noch erstaunlich jung mit jugendlichem Mousseux, pikanter Frucht und hoher Säure, aber auch nachhaltig mit satter Brotkruste – 91/100. Viermal durfte ich bisher zwischen Silvester 89 und Weihnachten 2001 Krug trinken, ein sehr aromatischer, kräftiger Champagner, dem ich noch etliche Jahre gebe – 94/100. Enttäuschend Weihnachten 1993 eine Perriet Jouet Belle Epoque Rosé Magnum mit unangenehmen Lack- und Petroltönen. Das kann allerdings auch, da es sich um ein Geschenk handelte, ein Flaschenfehler gewesen sein. Champagner reagiert viel rascher und heftiger als alle anderen Weine auf nicht optimale Lagerung. Größte Vorsicht ist deshalb beim Kauf älterer Champagner geboten. Wenn es z.B. bei Ebay heißt „altersbedingt guter Zustand“, bedeutet das gar nichts. Ich kaufe alte Champagner nur, wenn ich sicher bin, dass sie nur in einem einzigen, kalten Keller gelegen haben.
Vintage Ports wurden in diesem Jahr nicht erzeugt, wohl aber ein paar ganz brauchbare LBV´s.
Eine lohnende Alternative war 2010 der Pedro Ximenez Gran Reserva, schokoladig, viel Karamell, feiner, süßer Schmelz, geschmacklich eher Port als Sherry – 92/100.
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