1983
Ein faszinierendes Weinjahr, 1983. Viele früh reife, charmante, schmeichelnde Weine, von denen ein Großteil schon längst abbaut. Aber auch eine ganze Reihe sehr interessanter Langstreckenläufer. Dazu ist 1983 immer noch recht bezahlbar. Latour, Cheval Blanc und La Mission z.B. sind als 82er sündhaft teuer und brauchen noch Zeit, als 83er dagegen deutlich preiswerter und derzeit ein Hochgenuss.
Sicher ist 1982 für Bordeaux insgesamt der größere und wohl auch langlebigere Jahrgang. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel, und davon gibt es in 1983 einige. Gut gelagerte 83er Bordeaux der besseren Güter kaufe ich immer noch nach.
Calon Ségur war 1990 bereits voll ausgereift und wirkte recht rustikal – 87/100. Dürr 2006 der Cos d´Estournel. Fehler hatte dieser Wein keinen außer den, dass er auch keine Höhepunkte hatte – 86/100.
Mehrfach Ende der 80er getrunken ein Artigues Arnaud, ein fruchtiger, unkomplizierter Pauillac, der inzwischen längst das Zeitliche gesegnet haben dürfte. 1988, als die Airlines noch nicht so knauserig waren, gab es Batailley bei Lufthansa auf der Langstrecke, ein durchaus schöner Genuss auf 88/100 Niveau. 1995 aus der Magnum machte der Batailley schon einen verdammt reifen Eindruck mit heller Farbe – 85/100. Kaum etwas falsch machen kann man bei Grand Puy Lacoste. 2000 aus der Magnum traumhaft gereifter Cabernet mit feiner, rotbeeriger Frucht – 92/100. Da lohnt die Suche! Überhaupt nicht angetan war ich 1986 von Lafite Rothschild, einem zähen, spröden Brocken auf 84/100 Niveau. 1997 in einer Probe präsentierte er sich deutlich offener mit einer korinthigen Süße, die Nase dabei deutlich besser und schöner als der kompakte Gaumen – 91/100. 2007 auf der Braui Best Bottle ein klassischer Lafite im perfekten, alten, dem Terroir entsprechenden Stil. Ein feiner, eleganter Wein mit rotbeeriger Frucht, am Gaumen Finesse pur mit wunderbarem Schmelz – 94/100. Kurz danach auf Sylt ein klassischer Lafite mit der unendlichen Eleganz und Finesse, mit der dieses Gut 2 Jahrhunderte lang weltweit Weinliebhaber faszinierte, sehr pikante, leicht pfeffrige Frucht, wunderbare Länge am Gaumen. Da waren dann wieder, wie zuletzt auch 2008 an gleicher Stelle 94/100 im Glas und bei einem zweiten Besuch 95/100. Auch 2010 in Geisels Vinothek in München auf diesem Niveau. Wer noch einen bezahlbaren Lafite im früheren Stil sucht, nicht die modernen, konzentrierten, überteuerten Latour-Imitate, der sollte sich auf die Suche nach diesem Wein begeben. Zuletzt 2011 im Schwarzen Adler in Oberbergen, meine bisher jüngste Flasche dieses großartigen, klassischen Lafites, sehr fein, sehr elegant, Lafite pur mit Minze, Leder und sogar einem Hauch Eukalyptus, ein sehr stimmiger, harmonischer Wein, um Klassen besser als der 82er des Gutes – 94/100. Etwas Wehmut hat man nach solch einer Flasche schon. War das der letzte Lafite, den ich in Europa ins Glas bekommen habe? Was soll man als armer Weintrinker von Latour halten? 88/100 bei Parker, 19/20 bei Gabriel – und nun? Einfach selber trinken. 1996 habe ich das zum ersten Mal in Rom im Cavallieri Hilton bei Heinz Beck getan, ein sehr ansprechendes, schon ziemlich reifes Latour-Erlebnis – 93/100. 1997 und 98 zwei muffelige, unbefriedigende Flaschen mit Kellerton aus eigenen Beständen und bei der Paulson-Probe in der Krone, aber auch ein Klasse-Flasche bei Jörg Müller, auf dem Punkt mit Kraft, aber auch wunderschöner, reifer Cabernet-Würze, dichte Farbe ohne Alter – 95/100. 1999 wieder auf diesem Niveau, und als ich mir 2001 aus eigenen Beständen mit einem Traum-Latour die Frage stellte, ob das wohl der zweite 71er wird, habe ich mir die Antwort ein paar Monate später selber mit einer weiteren Top-Flasche gegeben: Er wird´s und ich kaufe zu. Bestätigt 2007 bei Heinz Winkler in Aschau mit einer wunderbaren, trüffeligen Flasche auf 95/100 Niveau. Ähnlich dann noch mal 2008. Trank sich 2009 aus der Magnum und zuletzt mehrfach 2010 aus der 1tel und Magnum wunderschön und erinnerte mit seiner trüffeligen Fülle und der klassischen Walnuss-Bitternote an den 71er. Jetzt auf dem Punkt aber mit noch genügend Reserven für 10+ Jahre – 95/100. Zuletzt Ende 2010 musste er sich hinter dem 82er nicht verstecken – 96/100. Auch auf Elke Dreschers Latourprobe 2011 noch so jung, so dicht, so druckvoll, aber gleichzeitig voll da, einer der derzeit schönsten, trinkbaren Latours überhaupt – 96/100. Das gilt leider nicht für Les Forts de Latour. Der ist leider etwas dünn und schwächlich geraten. Mehrfach in der ersten Hälfte der Neunziger getrunken und nie höher als 84/100 bewertet. Lynch Bages erreichte in meinen zahlreichen halben Flaschen Mitte der Neunziger seinen Höhepunkt, ein schöner unkomplizierter 89/100 Genuss. Auch in der 1tel dürfte der Lynch Bages inzwischen seinen Genusshöhepunkt deutlich überschritten haben. War 2008 selbst aus der Jeroboam schon sehr reif und auf dem Punkt mit herrlichem, süßem Schmelz. Einfach der Prototyp eines modernen, reifen Lynch Bages, hedonistisch-üppig, unkompliziert und unglaublich lecker - 93/100. Kontinuierlich hat über die Jahre Mouton Rothschild zugelegt. Der Wein ist inzwischen deutlich fülliger und fleischiger als in den Neunzigern, wo ich ihn kontinuierlich als eher kleinen, feinen Mouton mit 90/100 bewertet habe. 2002 eine wunderbare Magnum, 92/100. Dann war er in der großen Mouton Probe auf der Stromburg 2004 eine große Überraschung, ein wunderbar gereifter, klassischer, kräftiger Mouton mit feiner Zedernholznote 94/100. Zuletzt 2006 bei Jörg Müller auf Sylt Mouton vom Feinsten. In der Nase erst etwas animalisch, mit der Zeit kamen dann wie am Gaumen Leder und Bleistift. Unendliche, seidige Eleganz. Wirkt zwar reif, dürfte sich auf diesem Niveau aber noch einige Jahre halten. Da lohnt die Suche nach gut erhaltenen Flaschen – 94/100. An einer weniger guten Flasche im Herbst 2006 sah man, wie wichtig es ist, wenn ein Mouton noch nicht zu viele Besitzer hatte. Begann mit einer massiven Liebstöckelnase, wurde dann mit der Zeit im Glas deutlich besser, entwickelte sich und zeigte die Mouton-typischen Beistift- und Ledernoten – 91/100. 2007 wieder in Topform – 94/100. 2008 sehr fein und elegant, die klassische Nase mit Leder, Minze und Bleistift, im Abgang reichlich Schwarztee, reif und auf dem Punkt – 94/100. Auch 2009 aus der Magnum auf diesem Niveau. Zuletzt 2011 meine wohl bisher beste Flasche, ein großer, klassischer Mouton ohne Alter. Schon gewaltig, wie auch dieser 83er immer mehr zulegt – 96/100. Zu den mit Abstand schönsten 83ern zählte für mich immer die Pichon Comtesse, die inzwischen allerdings auch ihren Zenit erreicht hat. In der ½ Flasche habe ich mich (nach 24 wunderbaren Exemplaren, meist mit 95/100 bewertet) bereits seit ein paar Jahren von der Comtesse verabschiedet. In der 1tel (über 20 begeisterte Notizen aus den letzten 15 Jahren, fast konstant auf 95/100 Niveau) kann die Comtesse immer noch je nach Lagerung Wein-Hedonismus in seiner schönsten Form bedeuten, so Ende 2005, traumhaft elegant, seidig, weich, sehr lang am Gaumen - 95/100. Im Januar 2006 dann aus dem Keller eines Weinfreundes sogar eine noch richtig jugendlich wirkende Flasche. 2008 unverändert großartiger Stoff, trüffelig, würzig, kraftvoll und dabei trotzdem so elegant, ein Cashmere-Pulli für den Gaumen – 95/100. Zuletzt 2011 ein Wein, der einfach nicht altern will, so elegant, seidig weich mit irrem Schmelz, ein Gaumenschmeichler in Perfektion – 95/100.
Wenig Freude machte 1993 ein Clos du Marquis, tiefe, dunkle Farbe, kein Alter, sehr eckig und sperrig, wenig Finesse, brauchte gut 2 Stunden, um sich einigermaßen zu öffnen – 83/100. Ducru Beaucaillou war 2009 auf der großen Ducru-Probe in Krems ein dichter, kräftiger, aber verdammt schroffer Wein, erdig, mit Kaffee und Leder als Fruchersatz und immer noch Tanninresten, trinkbar ja, Genuss eher nein – 85/100. Sehr gut gehalten und entwickelt hat sich Gruaud Larose. 1994 aus der Jeroboam getrunken, fand ich den Wein schon sehr reif. Doch eine 1tel 2003 bei Jörg Müller zeigte keinerlei Schwächen und war ein klassischer, reifer, schmeichlerischer Gruaud, der anscheinend noch zulegt – 91/100. 2006, wieder bei Jörg Müller, hatte er eine intakte, dichte Farbe ohne Reifetöne. Traumhafte Nase, am Gaumen reif mit guter, tragender Säure, sehr elegant mit feiner Rustikalität, einfach schön – 92/100. Dürfte sich auf diesem Niveau noch eine Weile halten. In der halben fand ich Leoville las Cases schon 1992 recht zugänglich mit wunderbarer Frucht, und so verschwanden dann in den folgenden Jahren meine 6 halben Flaschen auf ganz natürlichem Wege. 1997 dann noch mal eine 1tel, ein kräftiger, gut strukturierter Wein, der schon erste Reife zeigte, sicher aber noch einige Jahre Potential hat – 90/100. 2006 meine bisher mit Abstand beste Flasche, ein überraschend junges, konzentriertes Powerteil, die zu Anfang störende Brett-Nase verschwand rasch – 93/100. Auf René Gabriels Las Cases Vertikale 2010 war das ein kräftiger, sehniger, strenger, leicht animalischer Wein mit viel Brett in der Nase, dem Frucht und Trinkfreude etwas abgingen – 87/100. In besseren Flaschen sind da immer noch bis zu 5 Punkte mehr drin. Eine Liga darüber spielt Léoville Poyferré. Nach ein paar weniger überzeugenden, halben Flaschen 1999 im Düsseldorfer Hummerstübchen erstand ich noch im selben Jahr in Frankreich eine OHK, in der jetzt nur noch 4 Flaschen liegen. Zwischen 2000 und 2004 bedeutet das 8 großartige Bordeaux-Erlebnisse mit einem großen, reifen Cabernet mit unglaublicher aromatischer Dichte und langem Abgang. Ertrug mit Leichtigkeit nicht nur größte Gläser, sondern auch längeres Dekantieren. Konstant mit 94-95/100 bewertet. Fazit: da muss dringend noch eine Kiste her! Doch bitte aus guter Quelle, denn eine preiswerte Ebay-Flasche war 2008 säuerlich und deutlich auf dem Abstieg – 87/100. Ebenso eine weitere Flasche 2009. 2011 dann wieder in alter Klasse, sehr viel aromatischer Druck und generöser Schmelz, immer noch eine Suche wert und in 83 ein Wein in der Klasse der Weine aus der Appelation Margaux – 94/100. St. Julien in Perfektion bot in den 90ern auch Talbot, den ich aus der ½ meist mit 92/100, aus der 1/1 mit 93/100 und 1995 aus einer faszinierenden, blutjungen Jeroboam mit 95/100 bewertet habe. Sicher insbesondere in Großflaschen immer noch ein toller, bezahlbarer Wert. Zuletzt 2008 in der Talbot-Vertikale sehr reif, auch in der relativ hellen Farbe. Florale Nase, ein sehr feiner, eleganter Wein, der in der 1tel langsam getrunken gehört – 89/100. Anders natürlich in der Großflasche. Aus der Jeroboam war das Potential dieses herrlichen St. Julien mit seiner ledrigen Nase 2008 sicher noch ein gutes Jahrzehnt – 92/100, was sich 2011 mit der nächsten Jero voll bestätigte.
Belgrave war 1991 schon voll reif – 87/100. Einer meiner Lieblingsweine in 83 mit einem Top-Preis-/Leistungsverhältnis ist Cantemerle. Zum ersten mal habe ich ihn 1998 aus der Doppelmagnum getrunken, traumhafte Nase, da war eine ganze Schokoladenfabrik drin, dichte Farbe und sehr schön am Gaumen. Wie gut er wirklich war merkte man danach bei einem 89 Beaucastel, der im Vergleich richtig harmlos wirkte – 93/100. Zwischen 1999 und 2001 dann vier überzeugend Magnums auf ähnlichem Niveau. Bei 1teln aus wärmeren Kellern ist sicher schon Vorsicht geboten. So 2006, Immer noch sehr junge, dichte Farbe, kraftvoll am Gaumen, aber auch etwas rustikal, der Schmelz ist weg – 88/100. Ähnlich 2007 eine Magnum, wieder sehr dichte Farbe, wirkte aber auf hohem Niveau rustikal und auch etwas verschlossen - 89/100. Schon lange hin ist der Anfang der Neunziger häufig gerne getrunkene
Chasse Spleen. Da war schon 1994 nicht nur die Farbe bräunlich und die Frucht verschwunden. Aus einem fruchtig-leckeren Tropfen auf 86/100 Niveau war ein ledrig-sprödes Etwas ohne Charme geworden. Als sehr langlebig könnte sich der sehr tanninreiche La Lagune erweisen, wenn er denn jemals richtig reif wird. Ich habe ihn nur einmal getrunken, 1997 auf Sylt, wo er einen passablen, aber noch viel zu jungen und etwas eckigen Eindruck machte, die doch etwas grünen Tannine ließen grüßen – 86/100.
Immer noch gut trinkbar, aber sehr gewöhnungsbedürftig war 2003 in Boston Boyd-Cantenac. Dieser sehr erdig wirkende, rustikale Tropfen schmeckte wie frisch aus dem Blumentopf -87/100. Riesengroß kann Margaux sein, aber leider ist das eine Rose mit viel Dornen. 1990 in Margaux selbst ein ziemlich verschlossener Riese mit fantastischer Zukunft. 1994 auf der großen Margaux-Probe in Mautern erstaunlich weit, fast überreif, süßlich mit zuwenig Konzentration – 92/100. 1997 auf der Paulson-Probe dichteste Farbe des Flights, sehr konzentriert, intensive Süße, auch versteckte Opulenz, ganz großer Stoff, erst am Anfang, hat das Zeug zum 98-100 Punkte Wein. Ein paar Monate später in Bargum, sehr dichte, junge Farbe ohne Alter, da ist eher noch Purpur drin, gewaltiges Fruchtkonzentrat mit kräftigen Tanninen, mehr Kraft als Finesse, unglaublich druckvoll am Gaumen, die Kraft und die Herrlichkeit - 97+/100. Danach 1998, 99 und 2000 wieder mehrere sehr verschlossen wirkende Flaschen. 2000 und 2001 dann mehrfach an unterschiedlichen Orten sehr besorgniserregende Flaschen, Powerfarbe, aber das war´s leider auch, etwas vegetale, grüne Aromen, ließ nichts raus, dazu ein fast korkähnlicher Kellerton. 2003 endlich wieder eine Top-Flasche, ganz großer, sehr kräftiger Wein, sehr dichte, junge Farbe, massive aber reife Tannine, kommt ganz langsam im Glas, noch 10 Jahre weglegen. 2004 offen, mit irrer aromatischer Dichte - 97/100. 2005 aus einer ½ Flasche zu Anfang wunderbar kräftiger Stoff, der sich im Glas wieder verschließt. Und Ende 2005 stand nun vor uns endlich ein kompletter, großer Wein, die Eisenfaust im Samthandschuh, Kraft und Finesse hervorragend gepaart mit toller Frucht und irrer Länge am Gaumen – 98/100. Das heißt zweierlei. Erstens fährt dieses irre Konzentrat bis zur endgültigen Genussreife wohl noch eine Weile mit uns Achterbahn. Und zweitens gibt es von außen nicht erkennbare, merkwürdige Flaschen. Da sind wohl noch einige Jahre Warten angesagt und leider auch eine Portion Glück. 2007 auf René Gabriels großer Margaux-Probe ein kompletter, großer Wein, die klassische, Margaux-typische Eisenfaust im Samthandschuh, Kraft und Finesse hervorragend gepaart mit toller Frucht und irrer Länge am Gaumen, ein Wein gemacht für sicher noch 2-3 Jahrzehnte - 99/100. Zuletzt 2008 wieder ein schlichtweg atemberaubender, kompletter Wein, der auf unnachahmlicher Art und Weise Eleganz und unbändige Kraft miteinander verbindet – 98+/100. Danach in 2008 auf einer Best Bottle wieder faszinierender, monumentaler Wein auf dem Wege zur Perfektion – 99/100. Und leider 2010 erst wieder diese grausige Variante, alter Pappkarton, nasser Hund, Paprika, ein großes 1er Cru Ärgernis. Kurz danach das absolute Gegenteil. Ein Monument ist dann in der guten Version dieser irrsinnig dichte, konzentrierte Margaux, ein kompletter Wein, der auf unnachahmliche Art Eleganz und unbändige Kraft miteinander verbindet, eben die klassische Eisenfaust im Samthandschuh – 99/100. Ist in 10 Jahren ein Kandidat für die Höchstnote. Natürlich musste ich 1995 auch mal einen Marquis d´Alesme Becker probieren, erstaunlich dichte Farbe mit nur ganz leichten Braunrändern, Nase wirkte wie schlecht gelüfteter Kleiderschrank, sehr schön mit viel Kraft und Länge am Gaumen – 86/100. Ein traumhafter Wein war in seiner Jugend bis etwa 1990 Palmer mit einer unglaublichen Opulenz und Fruchtsüße, damals mehrfach mit 96-97/100 bewertet. Dann kam eine gut 10jährige, harte Phase, in der ich am Palmer schier verzweifelt bin. Immer wieder habe ich ihn probiert, aus unzähligen halben und etlichen ganzen Flaschen, meist völlig enttäuschend, ab und an blitzte mal leicht die alte Klasse auf. Erst 2001 dann in einer Probe eine Magnum mit tiefer, junger Farbe und viel Kraft am Gaumen – 95/100. 2003 in einem Traumflight mit 83 Comtesse beide sehr jung, finessig mit toller Frucht – 95/100. 2005 ein druckvoller Spitzen-Palmer, nähert sich der Trinkreife - 95/100. Hat bei entsprechender Lagerung sicher noch 15-20 Jahre Potential, wird sich noch steigern und hat das Zeug zum legitimen Nachfolger des legendären 61ers. Ende 2005 ein sehr feiner und eleganter Wein mit burgundischer Eleganz. Delikate Frucht, Edelhölzer, Finesse ohne Ende und tolle Länge am Gaumen – 96/100. 2007 rauchige Nase, delikate Frucht, Zedernholz, sehr fein mit fast burgundischer Eleganz. Ein eleganter, hocharomatischer Wein mit dezentem Schmelz, der in 5 Jahren aus guten Flaschen noch deutlich mehr zeigen wird, als die heutigen 95/100. Auch 2008 weiter auf dem besten Wege zur Spitze, ein sehr aromatischer, eleganter Wein mit delikater Frucht, Zedernholz und burgundischen Konturen, aber auch noch massiven Tanninen – 95+/100. 2009 auf René Gabriels Palmer-Vertikale wieder ein hocharomatischer, eleganter Wein mit delikater Frucht, Zedernholz und burgundischen Konturen, aber auch noch massiven Tanninen, in dieser Flasche hier noch sehr jung und etliche Jahre von der Trinkreife entfernt – 94+/100. Deutlich offener dann 2009 aus der Halben, üppig, füllig, süß, mit betörender Aromatik, so elegant und einfach schön, burgundisch im besten Sinne – 97/100. Hat das Zeug dazu, mal ein legitimer Nachfolger des 61ers zu werden. 2010 bei Jörg Müller auch aus der 1tel Eleganz, Kraft, Länge, einfach betörend mit druckvoller Aromatik – 97/100. 2011 allerdings wieder eine sehr verschlossen wirkende Flasche – 90+/100. Meine letzten Pavillon Rouge(von insgesamt 24) habe ich 1997 getrunken, seinerzeit immer konstant mit 89-90/100 bewertet, aber mittlerweile sicher auf dem absteigenden Ast. Rausan Ségla hatte 2001 aus der Magnum eine kräftige Farbe, viel Kraft, aber wenig Schmelz - 91/100.
Nur noch Geschichte dürfte inzwischen Carbonnieux sein. 1989 gab es diesen damals sehr aromatischen, fruchtigen Tropfen bei Lufthansa auf Europastrecken, 1990 auch bei mir zuhause, reifes 85/100 Vergnügen für wenig Geld. Those were the days. Harmlos und in dieser Flasche sicher bereits über Höhepunkt weg war 1999 Domaine de Chevalier – 85/100. Von Haut Brion war ich Mitte der 90er noch ziemlich enttäuscht. So 1994, kräftige Farbe, nur am Rand leichte Brauntöne, muskulöser, kräftiger Wein, gibt vom Bouquet noch nicht allzu viel her – 88/100. 1997 rauchig, etwas Tabak, aber auch verschwitzte Turnschuhe, schön, aber nicht groß - 91/100. Im selben Jahr noch 2 weitere Flaschen auf ähnlichem Niveau, aber erstaunlich reif und süß wirkend. Dann immer mehr zulegend. 2000 zweimal perfekt gereifter, wunderbarer, typischer Haut Brion, mit Bitterschokolade und der klassischen Cigarbox-Aromatik, in dieser Form sicher 93-94/100 und eine Suche wert. Zuletzt 2006 auf René Gabriels Haut Brion Probe ein komplexer, dichter Wein mit hohem Extrakt und feiner Süße, tabakige Nase, sehr lang am Gaumen und dem 82er deutlich überlegen – 93/100. Eher enttäuschend 2007 auf der Braui Best Bottle eine vielleicht nicht optimale Flasche mit viel Tabak, am Gaumen kräftig, aber rustikal, Pessac-Stilistik ohne Schmelz und Spaß, einfach nur schiere Kraft, monolithisch wirkend und eher anstrengend – 91/100. Zuletzt 2009 absolut faszinierend und ohne Schwächen. In der Nase die volle Ladung Weihnachtsgewürz, Lakritz, Süße, Maulbeeren, Cigarbox, Tabak und Leder, auch am Gaumen sehr druckvolle Aromatik – 94/100. Noch eine Stufe drüber liegt der seit 1998 gut 30mal verkostete La Mission Haut Brion. Das ist La Mission vom Allerfeinsten, je nach Lagerung und Flaschengröße reif und auf dem Punkt, aber außer in der halben sicher noch mit 10+ Jahren Potential. Genial bei diesem Wein ist die Nase mit Zigarrenkiste ohne Ende. Da hält der Gaumen nicht ganz mit, hier ist der Wein reif, weich, sehr harmonisch, konstant mit 94-96/100 bewertet. 2006 bei Jörg Müller auf Sylt perfekte, klassische La Mission Nase mit Cigarbox, Tabak, Teer, aber auch etwas Kräutern, Minze und sogar einem Schuss Eukalyptus, so vielschichtig und komplex, am Gaumen viel Kraft und unglaubliche Länge – 96/100. Im Herbst 2006 bei einer Probe hatte ich das Gefühl, das er immer noch zulegt. Trotz scheinbarer Reife und der Zugänglichkeit hat dieser schon traumhaft zu trinkende, klassische La Mission genügend Rückrat für noch ein langes Leben – 96/100. 2007 auf der Braui Best Bottle und kurz danach auf Sylt immer noch sehr jung wirkend, dieser La Mission mit der perfekten, klassischen Nase mit Cigarbox, Tabak, Teer, aber auch etwas Kräutern, Minze und sogar einem Schuss Eukalyptus, so vielschichtig und komplex, am Gaumen sehr kräftig und lang. Sicher noch mit 15+ Jahren Potential Kraft - 95/100. 2008 einmal ein reifer, weicher Schmeichler – 95/100. Und dann noch in einer Probe eine perfekte Flasche, wirkte immer noch so dicht, jung und lang mit der klassischen Aromatik großer La Missions, da waren die 94+/100 fast zu geizig. Zuletzt 2009 aus der Magnum ein hervorragendes, immer noch jung wirkendes Exemplar mit der typischen Cigarbox-Nase, mit Tabak, Teer, Minze und Kräutern – 96/100. Ende 2009 bei Jörg Müller noch eine schöne, etwas weiter entwickelte 1tel – 94/100. Ähnlich mehrfach 2010.
Bei Certan de May habe ich mich zwischen 1989 und 1997 bei zahllosen Gelegenheiten gefragt, ob er noch nicht oder nicht mehr reif ist, nur richtig schön habe ich ihn nie erlebt. Da waren nie mehr als max. 87/100 drin, meist weniger. Conseillante war schon 1992 voll auf dem Punkt, 1994 wurde die Farbe schon bräunlich, der Gaumen kam mit der faszinierenden Nase nicht mehr mit – 86/100. Frucht ist bei L´Evangile Fehlanzeige, einem eher rustikalen, kräftigen Wein in einem Stil, den man wohl als klassisch bezeichnet, 1997 in einer Probe mit 92/100 bewertet, Langstreckenpotential. Ziemlich bitter platt und enttäuschend 2008ein zu alter Fleur de Gay. Der schien schon länger auf dem Abstieg – 80/100. Sehr überrascht hat mich Ende 2009 bei Jörg Müller La Fleur Petrus, der mit schokoladiger Fülle auftrumpfte und keinerlei Anzeichen von Schwäche zeigte – 94/100. In diesem Jahr sicher besser als Petrus und in jedem Fall die klügere Wahl. Das zeigte auch 2010 eine überragende Magnum – 94/100. Sehr schön entwickelte sich 2006 ein La Grave Trignant de Boisset aus der Doppelmagnum. Ein feiner, kleiner, schmelziger Pomerol, der im Glas gut ausbaute und für eine Extraportion Schokolade als Nachdessert sorgte – 87/100. Großartig hat sich Lafleur entwickelt. Noch 1995 bei Jörg Müller fand ich ihn recht verschlossen mit kurzem Abgang. Zwei Jahre später bei Willi Krähling deutlich offener mit schöner Fruchtsüße – 95/100. 2003 klassisch würzig-kräuteriger, großer Lafleur – 96/100. 2005 nachts um 1 Uhr an der Bar des Hotel Greulich in Zürich in der Nase erst massiv weißer Pfeffer, wird dann animalischer, Leder, sehr nachhaltig und lang am Gaumen, im positiven Sinne kräuterig, ein großer Wein, der die Sinne forderte - 96/100. Zuletzt 2009 auf der Lafleur Best Bottle aus zwei halben Flaschen. Deutlich fruchtiger als alle Weine davor mit roten Beeren ohne Ende, immer noch jung und dicht und trotz kleiner Flasche mit viel Potential, aber insgesamt eine sehr feine, elegante Kräuter-Lakritzmischung – 95/100. Großartige Zukunft. Überhaupt nicht mit Ruhm bekleckert hat sich in 1983 Petrus, ein überteuerter Wein, um den man getrost einen Bogen machen kann. Wohlmeinende Freunde haben mich den Petrus im Laufe der Neunziger mehrfach probieren lassen. Da musste man schon intensiv auf das Etikett gucken, um mehr als 88/100 rauszurücken. Am besten gefiel mir da noch 2005 auf René Gabriels großer Petrus-Probe eine Magnum, erstaunlich dichte Farbe, wirkte kräftig und aromatisch, ein Wein, den man in dieser Form nicht unterschätzen sollte. Da könnte sich sogar noch was draus entwickeln - 91/100. Doch schon ein paar Wochen später wurde ich auf einer Drawert-Probe mit einer mickrigen, aber für Petrus in diesem Jahrgang eben typischen 1tel wieder auf den Boden der Tatsachen geholt. Ohne Blick auf´s Etikett hätte den Petrus wohl niemand als solchen erkannt. Ein eher kleiner Wein mit feiner Aromatik, aber für die Qualität hoffnungslos überteuert – 88/100. Auch zuletzt 2009 aus der Magnum war das ein eher kleiner Wein – 88/100. Le Pin habe ich 1992 im Vergleich zweier Magnums deutlich höher bewertet als Petrus. Zuletzt 2010 hatte er in der Nase feine, süße Beerenfrucht, einfach sehr sexy-schön mit feinem Schmelz, auch am Gaumen ein sehr feiner, eleganter Wein mit etwas Süße – 91/100. Blind hätte ich den Trotanoy 2010 bei Jörg Müller nach Pessac gesteckt. Neben der etwas rustikalen erdig-kräftigen Kräuternote waren da massig Teer, Tabak und Cigarbox, eigentlich La Mission pur, nur etwas kräftiger – 94/100. Etwas offener und weiter, aber auf gleichem Niveau 2010 eine Magnum. Vieux Certan war 2005 auf der großen Vieux-Probe auf Lafers Stromburg erstaunlich reif, dabei sehr schön zu trinken, richtig süffig mit malziger Süße, lange aufheben würde ich so was aber nicht mehr - 91/100.
l´Arrosée war 2008 reif, aber noch längst nicht alt mit sehr feiner, delikater, leicht süßer Frucht, am Gaumen erstaunlich kräftig und immer noch Frische zeigend, da sind noch etliche Jahre Genuss angezeigt – 92/100. Zuletzt 2010 sehr feinduftig und elegant mit dezenter Süße und finessigem Schmelz, sicher auf Auktionen als absolutes Schnäppchen erwerbbar – 90/100. Sehr spröde und ungenerös wirkte 1992 ein Ausone – 86/100. Zuletzt 2011 ein reifer Ausone alter Schule, kräftig, würzig, mineralisch, aber auch rusikal und etwas eindimensional - 91/100. Dürfte sich auf diesem Niveau noch länger halten. Gut gelungen ist in 1983 der Belair. 1998 habe ich ihn aus der Imperiale getrunken, trotz nicht allzu dichter Farbe absoluter Klassestoff, der erst nach 2 Stunden so richtig kam - 91/100. Einer der Stars des Jahrgangs und ein Wein mit trotz aller Reife immer noch großer Zukunft ist Cheval Blanc. Gut 2 Dutzend Mal durfte ich diesen großen Wein zwischen 1992 und 2003 trinken. Immer wirkte er schon reif, mit der faszinierenden, typischen Cheval Blanc Nase, der druckvollen Aromatik und fast portigen Dichte am Gaumen und dem unendlichen Nachhall. Dabei legt dieser Wein in der Karaffe und im Glas kontinuierlich zu und erinnert stark an den legendären 47er. Das ist Cheval Blanc vom Allerfeinsten, konstant mit 95-97/100 bewertet. Nur einen Fehler hat er: ich habe davon nur noch eine einzige Flasche. Da freut man sich dann über Gelegenheiten wie 2006 die große Cheval Blanc Probe. So ein irres Konzentrat mit großer Fruchtsüße und Länge, leicht portig, immer noch jung mit viel Potential kam immer besser und war nach einiger Zeit fast perfekt – 98/100. 2007 kurz hintereinander eine Traum- und eine Stirnrunzel-Flasche. Und zuletzt 2008 ein portig-eleganter Traum – 97/100. Dann 2008 auf René Gabriels großer Cheval Probe eine perfekte, noch sehr junge Magnum, ein irres, kräuteriges Konzentrat mit hoher Lafleur-Affinität, ein noch sehr junger Langstreckenläufer mit großartiger Zukunft, der aber bereits eine gewaltige Aromendichte zeigt und viel Länge am Gaumen – 97/100. Zuletzt mehrfach in 2009 und 2010, davon einmal aus der Magnum, mit konstant 97/10 bewertet. Figeac habe ich nur einmal 1989 getrunken. Damals war das ein kräftiger, schöner Wein mit Potential. Vielversprechend war 2010 bei Troplong Mondot die erstaunlich kräftige, dichte Farbe, wenig versprechend die seltsame, eher an Heizöl erinnernde Nase, nichts haltend der noch abstoßendere Gaumen, das Zeugs war wohl hin.
Carbonnieux Blanc hatte 1994 eine seltsame Petrol/Honignase, wirkte alkoholreich, am Gaumen etwas ausgezehrt – 78/100. Ausgetrunken habe ich zwischen 1997 und 2000 auch meine letzten 6 Flaschen Domaine de Chevalier Blanc. Der ist sicher noch nicht hin, aber meine Begeisterung für diesen hoffnungslos überteuerten Wein hielt sich stets in Grenzen. Mehr als 89/100 waren da nie drin. Groß und langlebig soll Laville-Haut Brion sein, der weiße La Mission. Ich hatte ihn leider nur 1994 in seiner verschlossenen Phase erlebt, da war er zu Anfang flach, kurz und enttäuschend, entwickelte sich später etwas mit intensiver Honignote – 87/100. Doch 2008 war er reif und gehörte getrunken. Kräftige Farbe, in der Nase Bienenwachs, etwas Apfelmus, dann immer mehr Trockenfrüchte, am Gaumen trotz aller Reife durch die prägnante Säure noch frisch wirkend, dabei sehr ausgewogen und harmonisch, wurde mit der Zeit immer nussiger mit deutlicher Bitternote im Abgang – 90/100.
Ein ganz großes Jahr für Sauternes, perfekter Spätsommer und reichlich Botrytis. Da entstanden grandiose Gewächse, üppig, früh zugänglich und doch mit großem Alterungspotential.
Gut 15mal habe ich zwischen 1988 und 1998 Lafaurie-Peraguey getrunken, einen genialen Sauternes, der schon sehr früh unglaublichen Spaß machte und dessen hohes Niveau sich damals nicht im Preis niederschlug. Ende der 80er noch etwas plump und fett wirkend mit ausladendem Bouquet exotischer Früchte entwickelte er sich deutlich weiter, wurde feiner, nachhaltiger und wird auf 94+/100 Niveau sicher noch mehrere Jahrzehnte ein sicherer Wert sein. Grandios auch Rieussec, den ich zwischen 1988 und 1993 mehrfach mit großer Begeisterung getrunken habe. Das war damals schon ein absolut trinkreifer, spontan anmachender Sauternes, dem Yquem in mehreren direkten Vergleichen aufgrund seiner Offenheit überlegen, aber trotzdem mit gutem Alterungspotential. Zuletzt 2005 von der Farbe schon fast ein Rosé, wunderbar am Gaumen mit schöner Süße und gut balancierender Säure. Zugänglichkeit täuscht Yquem häufig nur vor. Junge Yquems können ganz reizvoll sein, doch sein wahres Potential zeigt dieser Wein erst mit zunehmender Reife, die sich nicht in Jahren, sondern in Jahrzehnten bemisst. Klar fand ich den Yquem schon 1988 groß, trotz damals noch massiver Säure. 1994 aus einer Magnum und 2001 aus der Jeroboam(!) fand ich ihn sogar schon recht reif. Seine wahre Klasse zeigte er für mich aber erst 2005 auf René Gabriels Petrus-Probe. Nur die brilliante, altgoldene Farbe zeigte, dass der ja inzwischen auch schon über 20 Jahre auf dem Buckel hat. So ein junger, faszinierender und vibrierender Wein mit feiner Frucht, toller Süße und für einen Sauternes irrer Süße, dazu feine Bittertöne. Der 83er Yquem hat das Zeug zu einer Legende und wird mal ein sehr gesuchter 100 Punkte Wein werden, bietet aber schon heute 97/100 Genuss. So etwas kauft man 1983 Geborenen für ihren 100sten Geburtstag! 2006 wirkte er erst mit seiner güldenen Farbe und der offenen Aromatik sehr weit und reif, brauchte aber in Wirklichkeit Zeit und wurde im Glas immer besser. Süß, Karamellig, finessig mit schönem Bitterton, für einen Sauternes sehr guter Säure und toller Länge am Gaumen – 97/100. Zuletzt 2008 aus der Magnum reife Aprikose, englische Orangen-Bittermarmelade, ein Hauch von Safran, immer noch jugendliche Frische und kräftige Säure. Trotz kräftiger, orangenroter Farbe war diese potentielle Legende noch erheblich zu jung. Klar war er trotzdem faszinierend, aber den eigentlich Genuss dessen, was wir da mit 94+/100 im Glas hatten, werden wohl erst in 50 Jahren mit 99-100/100 unsere Enkel und Urenkel haben. Ein riesengroßer Yquem gemacht für die Ewigkeit.
Für Rote Burgunder galt der Jahrgang eher als schwierig. Ein paar großartige Erfolge, aber eben auch sehr viel Mist. Ich habe eigentlich immer einen Bogen darum gemacht. Schon etwas müde war 2009 aus der Magnum eine
Hospice de Beaune Corton Cuvée Dr. Peste. Kräftige Säure, eher welke Frucht, erinnerte an (zu) alte, deutsche Spätburgunder und machte nur noch wenig Freude – 85/100.
Generell war der Jahrgang 1983 für Weiße Burgunder besser als für Rote. Viele körperreiche Weine mit hohen Alkoholgraden. Viel weiße Burgunder zeigten aber auch schon Anfang der Neunziger deutlich Alterstöne und verabschiedeten sich schnell.
Kräftig und intensiv war 1992 ein Meursault Genevrières vom Chateau de Beaune, mir fehlten aber zu einem richtig großen Wein Frucht und Finesse – 86/100. An große kalifornische Chardonnays erinnerte 1991 in seiner ausdruckstarken, üppigen, fast buttrigen Art ein
Musigny Blanc des Comte Vogüe- 96/100. Ein sicherlich immer noch sehr interessanter, wenn auch nicht gerade billiger Langstreckenläufer dürfte der
Le Montrachet von DRC sein. 1995 stand dieser Riese noch ganz am Anfang, war wuchtig, alkoholreich, brauchte viel Luft und Zeit, zeigte erst ansatzweise, was in ihm steckt, heute sicher ein 95+/100 Wein. Auch ein Le Montrachet von Jacques Germain war 1998 in Schuh´s Insel gut trinkbar und entwickelte sich mit Luft und Temperatur im Glas, lies aber echte Montrachet-Klasse vermissen und war sehr kurz am Gaumen – 87/100. Zu meinen Lieblingsweine bis Mitte der 90er zählte
Clos des Mouches von Drouhin, konstant mit 94-96/100 bewertet, doch bei der letzten Flasche 1998 war die tiefgoldene Farbe leider das schönste an diesem Wein, der nur zwischendurch immer noch mal aufflackerte und an alte Größe erinnerte – 83/100. Eindeutiger Sieger eines großen Burgunder-Flights 1995 im Königshof ein sehr ausgewogener, nachhaltiger Batard Montrachet von Leflaive – 96/100. Mich hatte ein Jahr vorher auf einer Probe schon ein
Chevalier-Montrachet desselben Erzeugers begeistert, unendlich lang ohne irgendwie fett oder breit zu sein, Power + Eleganz, viel schöner kann weißer Burgunder nicht sein – 97/100. Leider nicht mehr untergekommen ist mir der grandiose
Le Montrachet von Ramonet. 1992 und 1993 war das einer der Stars großer Ramonet-Verkostungen, zunächst deutlich zugeknöpfter und verhaltener als 82, kam dann im Glas, opulent, langer Abgang, wechselte 4mal die Identität, Wahnsinnspotential - 98/100.
Sehr gutes Rhone-Jahr, insbesondere an der nördlichen Rhone.
Sehr flach und mit wenig Frucht 1992 ein Côte Rotie von Chapoutier – 83/100. Eine relativ helle Farbe mit deutlichem Wasserrand hatte 1997 ein Hermitage von Chave, in der Nase intensiver Schinken, eindeutig Rhone, Syrah, weich und kräftig zugleich, sehr schön, noch große Zukunft 93/100.
Wunderbare Weine entstanden 1983 bei Guigal. Côte Rotie Brune et Blonde war 2002 perfekt auf dem Punkt, perfekt auf dem Punkt, erinnerte mich in Nase und Stilistik stark an 87 Mouton – 92/100. La Landonne ist sicher ein Langstreckenläufer mit enormem Potential. 1998 sehr leckerer, würziger Syrah, sehr lang, bei aller Kraft seidig – 95/100. 1999 wieder Reife vortäuschend, Minze, gebratener Speck!!, etwas Leder, aber sehr kurz am Gaumen - 94/100. 2007 auf Sylt ein klassischer La Landonne, der sich in seiner erdig-rustikalen Art deutlich von den beiden anderen LaLas abhebt, würzig, speckig, trüffelig und einfach wunderschön zu trinken – 96/100. Zuletzt 2010 noch so jung, animalisch, erdig, würzig, speckig, trüffelig, zupackend am Gaumen, aber auch mit erster, feiner Süße – 98/100. Bleibt mit der im eigenen Kraft sicher noch gut 15-20 Jahre auf diesem Niveau. La Mouline hatte 1997 eine sensationelle Farbe, unglaublich dichte, intensive Syrah-Nase, kräftige Tannine, erst ganz am Anfang, unglaublich lang, besser oder mindestens gleich gut wie alles, was ich bisher von Guigal getrunken habe - 100/100. Ein unzugängliches Tanninmonster war der Hermitage La Chapelle von Jaboulet Ainé in seiner Jugend. Nur zögernd ließ er mehr raus. 1995 auf einer großen Hermitage La Chapelle-Probe verschlossen in der Nase, am Gaumen weich, wenig Kraft, öffnet sich im Glas, Schafstall - 93/100. 1997 bei Willi Krähling verhaltene Nase, Veilchenton, eigenwillig, braucht Zeit - 89/100. 1998 bei Drawert hart und eindimensional – 87/100. Damit hatte ich den Wein eigentlich abgehakt, das immer tiefer sinkende Parker-Rating tat ein übriges. Bis mir dann 2004 bei Jörg Müller der Sommelier den 83er wärmstens ans Herz legte. War das eine Super-Empfehlung! Er hatte sich ganz toll entwickelt, leicht animalische, aber nicht unangenehme Nase, wunderbar gereifter Rhone-Wein mit kräftigem Rückrat, Schokolade, groß! 95/100. Danach noch vier Flaschen getrunken, im November 2005 auf 93/100 Niveau, während der EM 2008 ein animalischer Rhone Klassiker - 91/100. 2010 entfaltete dieser La Chapelle (rechtzeitig dekantieren!) seine ganze Schönheit, burgundische Pracht und Fülle, großer Kräutergarten, viel Lakritz, gute Frucht, süßer Schmelz, meine bisher beste Flasche – 97/100. Auch 2011 auf der Braui meets Schorn II wieder auf diesem Niveau. Eine unbedingte Kaufempfehlung.
Gut gelungen war Beaucastel, ein 1991 und 97 sehr fruchtiger, kräftiger zugänglicher Wein auf 91/100 Niveau. Ein perfekt gereifter Traum-Chateauneuf war 2002 2mal der Chateauneuf-du-Pape Reserve von Chateau Rays, reifes, ziemlich helles Ziegelrot, baute wunderschön im Glas aus und entwickelt feine Süße – 94/100. Sicher jetzt auf dem Punkt, kann aber in gut gelagerten Flaschen noch ein paar Jahre Spaß machen.
Legendär waren früher einmal die Weine von Chateau Grillet. Das muß aber lange her sein. 1997 auf einer Paulson-Probe in der Krone Assmannshausen war mein korkiger Grillet nur unwesentlich schlechter als die nicht korkige Version im Glas meines Nachbarn. Grausames Zeugs!
Coulée de Serrant war 1988 das ein feinfruchtiger, intensiver, edler Weißweintraum mit noch viel Zukunft – 92/100. 2010 dominierte zwar die etwas aggressive, zitronige Säure, aber auch eine hohe Mineralität, ein spannender Charakterstoff mit Ecken und Kanten – 89/100..
Sicherlich 60mal habe ich bis Mitte der Neunziger aus dem französischen Süden Vignelaure getrunken, damals stark von Hawesko forciert und über lange Zeit mein Hauswein. Weder die letzte halbe 1994 noch die letzte 1tel 1996 zeigten irgendein Zeichen von Schwäche. Leichter, leckerer, fruchtiger Trinkgenuss mit burgundisch wirkender Eleganz und Fülle – 88-90/100.
Ein Traumjahr war 1983 für die Winzer im Elsass, große Menge, superbe Qualität. Da müsste es noch einige, gut trinkbare Weine geben, auch im trockenen Bereich.
Sehr gerne erinnere ich mich an Clos des Capucins Riesling Vendange Tardive von Mdme Faller, Ende der 80er einer meiner Lieblingsrieslinge mit Traumnase und betörender Aromatik auf 95/100-Niveau. Ein Hugel Gewürztraminer Selection Grains Nobles ersetzte 1997 locker jedes Dessert. Zwar nicht zu süß, aber mit Honig ohne Ende, sehr würzig und vielschichtig, unendlich lang am Gaumen – 95/100. Sehr enttäuschend 1991 der hoch bewertete Gewürztraminer SGN von Gustave Lorenz, wirkte kurz und rau – 83/100. Ganz groß 1997 2mal bei Jörg Müller Clos St. Hune von Trimbach, er Montrachet unter den Rieslingen, voll auf dem Punkt, aber durchaus noch mit Alterungspotential, da war jede Menge Kraft, Fülle und Länge. Nase und Gaumen ähneln mehr großem Burgunder als Riesling, ein Meisterwerk - 98/100. Ein Jahr später noch mal auf ähnlichem Niveau in Brüssel in der Villa Lorraine. Sehr jung wirkte 2007 Cuvée Christine Gewürztraminer Vendage Tardive von Schlumberger. Die kann sicher noch 10+ Jahre bis zur vollen Entfaltung vertragen. Natürlich war da die würzige Typizität des Gewürztraminers, aber auch noch fast aggressive, jugendliche Aromen, Zitrusfrüchte, nicht sehr süß, aber intensiv und sehr lang am Gaumen. Brauchte lange im Glas und wurde immer schöner – 91++/100. Ende der 80er habe ich bei Hardy auf Sylt häufiger einen edelsüßen Wolfberger Gewürztraminer getrunken. Dieser vor 15 Jahren mal sehr süße Wein war 2007 inzwischen fast furztrocken, aber immer noch mit einer faszinierenden, würzig-kräuterigen Aromatik. Mir gefiel er eigentlich besser als in seiner damaligen Blüte – 88/100. Zuletzt noch mal 2009 auf gleichem Niveau. Immer noch erstaunlich frisch 2008 der Schloßberg Riesling Grand Cru von der Cave Vinicole Kientzheim. Den habe ich in den 80ern häufig bei Hardy getrunken und dann 1985 für € 7 pro Flasche 24 Flaschen mit nach Hause genommen. Und jetzt stand dieser Wein über 20 Jahre später vor uns fast wie eine Eins im Glas, rassig, delikat mit schöner Frucht und wenig Firne, praktisch ohne den bei älteren Elsässern typischen Petrolton, mit Zitrusaromen und guter Säure – 90/100.
Viele trockene deutsche Weine habe ich in den Neunzigern getrunken. Da dürfte heute nicht mehr viel Brauchbares bei sein. Auch Ausnahmeweine wie eine 1990 bei Jörg Müller getrunkene Müllheimer Sonnhalde Ruländer Spätlese trocken von Dörflinger(Farbe wie alter Yquem bzw. Aprikosenlikör. Geschmack von Aprikosen und Pfirsichen. Brauchte trotz Dekantieren noch gut 1 Stunde, um sich voll zu entfalten – 95/100) verabschiedeten sich Anfang der 90er recht schnell. Ich habe noch zahllose, weitere Notizen von trockenen deutschen Weißweinen, die ich bis Anfang der Neunziger getrunken habe. Damals recht schöne Weine, heute wohl nur noch von historischem Interesse. Faszinierend 2007 ein Schloßberg Riesling Kabinett von Georg Breuer aus der Doppelmagnum. Noch unglaublich frisch mit knackiger Säure, deutlich jünger wirkend, sehr nachhaltig und inzwischen am Gaumen furztrocken – 88/100. Und noch eine Ausnahme: Mit Familie Künstler tranken wir 2008 bei Schorn eine Hochheimer Hölle Riesling Auslese trocken, natürlich von Künstler. Unglaublich, welche Frische dieser ja nun fast 25 Jahre alte. Trockene Riesling noch zeigte. Brauchte sehr viel Luft und wurde im Glas immer größer, länger und komplexer mit kräftiger Säurestruktur und irrer Länge am Gaumen und strotzte vor Mineralität, hat sicher noch 10+ Jahre vor sich – 92/100.
Deutlich besser sieht es da schon bei den Edelsüßen aus. Sehr gut gefiel mir Anfang der 90er ein mehrfach getrunkener Traminer Eiswein von Graf Adelmannauf 90/100 Niveau.
Erst ganz dezente, beginnende Reife zeigte die immer noch taufrische Scharzhofberger Auslese von Egon Müller 1996 bei Charlie Trotter in Chicago, ein sehr mineralischer, nachhaltiger, beeindruckender Wein – 93/100. Fast trocken präsentierte sich 2008 ein Karthäuserhofberg Stirn Kabinett, perfekt gereift mit dezenter Firne, dabei sehr harmonisch und ausgeglichen. Durch die gute Säure wirkte er immer noch recht frisch – 89/100. Einfach Klasse in 1983 die Weine von Fritz Haag, von dem ich größere Bestände der Brauneberger Juffer Sonnenuhr Auslese #14 und der Goldkapsel #11 hatte. Die drei letzten Flaschen der Goldkapsel waren der perfekte Einstieg in meine 2003er Raritätenprobe. Eine wunderbar gereifte Auslese mit dezentem Petrolton, guter Säure, so finessig mit spielerischer Leichtigkeit, in dieser Form sicher noch 10+ Jahre haltbar, absolut perfekt zu Franz Josef Schorns Sushi – 93/100. Die #14 wirkte 2006 aus der halben Flasche sicher schon über Trinkhöhepunkt weg, sehr reif, weich, füllig mit dezentem Petrolton, sehr säurearm, aber immer noch schön zu trinken – 87/100. Eine weitere Halbe zeigte 2010 keinerlei Alter. Wunderbar die Nase mit traubiger Frische und einem Bund frisch gerupfter Gartenkräuter und Gräser, am Gaumen perfekt balanciert mit hohem Extrakt, dezenter Süße und immer noch guter, reifer Säure, einfach Harmonie pur, so elegant, so filigran und doch so nachhaltig, eine große Auslese in perfektem Trinkstadium mit der unnachahmlichen Handschrift von Altmeister Wilhelm Haag, ohne Eile die nächsten 10+ Jahre auf diesem Niveau trinkbar – 94/100.
Sehr schön Mitte der Neunziger mehrfach eine Saarburger Rausch Auslese Goldkapsel von Gletz-Zilliken, leicht ins grünliche gehende Farbe, Stachelbeere, Rabarber, brauchte Zeit zur Entfaltung, gute Säure, feine Süße – 90/100. Auf ähnlichem Niveau 1994 eine Trittenheimer Apotheke Auslese Goldkapsel von Grans-Fassian. Eine Berncastler Doctor Auslese von Lauerburg war 2009 schon ziemlich reif und weit, dabei eher halbtrocken wirkend mit ersten, dezenten Lacktönen, gehörte getrunken und war sicher mal besser – 86/100. Mehrfach habe ich auch die Weine von JJ Prüm aus 1983 getrunken. Hier waren auch die trockenen Weine sehr gut gelungen. Die Wehlener Sonnenuhr Auslese trocken war 1993 noch sehr frisch und ohne Alter. Grandios die Süßweine. Die Wehlener Sonnenuhr Auslese mit fantastisch balanciertem Süße-/Säurespiel war füllig und brauchte 1994 viel Luft, um dann toll im Glas auszubauen – 93/100. Die Wehlener Sonnenuhr Auslese Goldkapsel wirkte 1998 immer noch sehr jung, wunderbarer Stoff mit dezentem Mousseux, nicht zu süß, sehr hoher Extrakt – 95/100. Möglicherweise nicht ganz in Ordnung war dieser Wein 2006 auf der großen Prüm-Probe. Die reife, firne Nase war etwas muffig und hatte einen leichten Korkton, der aber mit der Zeit verschwand. Viel Substanz, hat Länge, Fülle, schöne Mineralität, knackige Säure, müsste aber als Prüm-Wein trotz aller Lebendigkeit für dieses Alter noch deutlich frischer sein – 91/100. Zuletzt 2011 in Lerbach immer noch etwas verhalten, aber gewaltiges Potential andeutend – 93+/100. Sensationell 2002 und 2010 der Wehlener Sonnenuhr Eiswein, flüssiger Nektar mit kräftiger Farbe, einem Pfauenrad an Fruchtaromen und schöner Säure, baut irre aus, komplex und schön balanciert (24 Std. auf!), ganz großer Stoff mit Zukunft - 100/100. Flüssiges Gold 2006 eine Wehlener Sonnenuhr Riesling Beerenauslese lange Goldkapsel. Das war purer Nektar, was hier über die Zunge rann. Hoch konzentriert, aber gleichzeitig mit einer schwerelosen Leichtigkeit – 98/100. Kurz danach auch als normale BA ein himmlischer Nektar, noch unglaublich frisch, sehr elegant, feine Honigsüße, viel Spiel, gute Säure, erst ganz am Anfang, sehr sympathische 7 % Alkohol - 95/100.
Von S.A. Prüm kannte ich aus 83 nur die Wehlener Sonnenuhr Auslese trocken. Die wirkte 1994 und dann Ende 1995 auf einer Drawert-Probe schon sehr reif, hell, Petrolton, eher halbtrocken, schlank, fein, noch Säure - 85/100. 2007 dann die Wehlener Sonnenuhr Spätlese. Als frische Zitronenlimonade ohne Kohlensäure mit wenig Zucker könnte man diesen durchaus animierenden, dezent firnen Wein bezeichnen. Nicht besonders aufregend, aber durchaus lecker – 87/100Ein Ürziger Würzgarten Riesling Auslese von Dr. Loosen war 1995 ein lecker, leichter Ananassaft - leider aus der Dose, denn die schmeckte man in Form eines metallischen Tones mit – 83/100. Erstaunlich schön und ohne Firne war Silvester 1997 bei Hubi Scheidt in Wasserliesch eine Maximin Grünhäuser Abtsberg Spätlese trocken – 88/100. Meine eigenen, trockenen Auslesen hatte ich schon 1992 ausgetrunken und konstant mit 90/100 bewertet. Immer noch sehr frisch wirkend mit delikater, traubiger Frucht und knackiger Säure, nicht zu süß, gut balanciert und einfach animierend am Gaumen 2008 eine Herrenberg Auslese aus der Magnum – 92/100. Sehr füllig, üppig mit vollreifen, exotischen Früchten und fast zu dick zum Essen ist die zwischen 1995 und 2009 10mal getrunkene Abtsberg Auslese – 90/100. Wunderschön dagegen 1994 in Hannover ein Berncasteler Doctor Riesling Eiswein von Wegeler-Deinhard mit perfektem Süße-/Säurespiel – 95/100.
Ein Kuriosum hatte ich 2010 von der Saar im Glas, eine Kanzemer Altenberg Gutenborner Spätlese Fuder 1 aus dem Hause von Othegraven. Die sehr reife Farbe erinnerte an einen alten Weißherbst. In der Nase alter, leicht gärender Apfel, auch am Gaumen abgestandene Apfelschorle, etwas oxidativ, Sherrynoten, aber erstaunlicherweise durchaus noch trinkbar – 79/100.
Eine fantastische Auslese mit hervorragender Frucht und schöner, kräftiger Säure war Ende der 80er eine Hochheimer Kirchenstück Auslese der Aschrottschen Erben die überhaupt kein Gefühl übermäßiger Süße aufkommen ließ - – 92/100. Eine Erbacher Marcobrunn Auslese von Langwerth-Simmern. ging 2009 mit ihrer reintönigen, klaren, petrolfreien Frucht, der Mineralität und der knackigen Säure zu Anfang als Moselwein durch, absolut stimmig und harmonisch, sehr gelungenes, feinherbes Ganzes – 92/100.
Enttäuscht war ich 1995 und 96 von einem Forster Jesuitengarten Riesling Eiswein des Weingutes Reichsrat von Buhl, das Geld nicht wert, breit, sehr weit und mit wenig Säure – 82/100. .Überhaupt nicht klar kam ich 1997 in einer Probe mit einer Laumersheimer Mandelgarten TBA von Knipser. Der Wein wirkte, breit, langweilig und bereits etwas gezehrt mit einer Farbe, die ihn gut 50 Jahre älter erschienen ließ – 87/100.
Nur ein deutscher Rotwein aus 1983 ist mir bisher untergekommen, Ende 2005 ein Graf Adelmann Brüssler Spitze Hohenecker Clevner Spätlese trocken aus der Magnum, helle Farbe wie älterer Rosé, dünn, Typ älterer Spätburgunder, durchaus noch trinkbar, hält sich im Glas lange auf diesem Niveau - 82/100.
Schöne Weine wurden 1983 in Italien erzeugt. Charmante Schmeichler, die aber in der Regel kein großes Alterungspotential hatten.
So hatte ich mir 2011 nicht viel versprochen von einer halben Flasche Barbaresco von Angelo Gaja, die sich aber perfekt gereift präsentierte mit schönem Rosenduft in der Nase und Lakritz am Gaumen, harmonische, nicht zu intensive Säure - 89/100.
Noch blutjung wirkte 2010 der Case Basse Brunello di Montalcino Soldera Riserva, ein animalischer, wilder, dichter, zupackender Wein, sehr vielschichtig, vn Wildkräutern bis zur Bitterschokolade, veränderte sich laufend im Glas – 98/100. Recht angenehm, aber nicht groß 1990 ein Brunello di Montalcino von Castelgiocondo – 87/100. Etwas dürr dagegen 2006 der Darmagi. Aber der scheint seine besten Zeiten schon hinter sich zu haben. Bordeaux-Typizität, viel Zedernholz, aber wenig Frucht – 87/100. Vollreif und auf dem Punkt war 1998 ein Rubesco von Lungarotti – 90/100. Sehr reif und deutlich über den Zenit wirkte 2010 ein Grosso Sanese von Il Palazzino – 83/100. Gut 2 Dutzend mal habe ich in den Neunzigern den wunderschönen, eleganten Sammarco getrunken, der mich in seiner eleganten, offenen Stilistik oft an die Comtesse erinnerte. Meist mit 94/100 bewertet. Ab 2000 entwickelte er aus der 1/1 einen deutlichen Altweingout und baute rasch ab, anders aus der Magnum, da war das noch mal Sammarco vom Allerfeinsten mit unglaublicher Power – 94/100. Doch zuletzt 2010 war von der frühere, seidigen Eleganz und der Frucht nicht mehr viel übrig – 85/100. Sassicaia hingegen konnte mich bis auf eine Frühform 1989 und 1990 nie überzeugen. 1993 auf Willi Krählings großer Sassicaia-Probe war der aus der Magnum hell, störende Nebentöne in der Nase, weich, gut zu trinken, wenig Zukunft – 83/100. Auch auf der Unger-Probe 1996 eine große Enttäuschung, dünn in der Farbe, ausdruckslos am Gaumen, seltsam - 81/100. 2004 im Ifen spröde, ungenerös, getrost zu vergessen - 84/100. Sassicaia braucht eben Zeit. Massig Zukunft zeigte er 2011, ein spannender, komplexer, dichter, immer noch so jung wirkender Wein, der im Glas enorm zulegte – 93/100. Häufig habe ich in den Neunzigern auch Tignanello getrunken, zuletzt war das 1997 ein perfekt gereifter Wein, da stimmte von vorne bis hinten einfach alles, am Gaumen etwas Anis und Lakritze - 94/100. 2008 noch mal als Doppelmagnum, einfach ein Gedicht. Klar war die Farbe reif mit deutlichen Orangentönen, aber der Wein selbst zeigte keinerlei Schwächen. Herrliche Kirschfrucht, Zedernholz, Leder, so komplex, sehr elegant und unglaublich lang am Gaumen, ein Wein zum Träumen und Philosophieren – 94/100. Der inzwischen ansonsten leider weitgehend vergangene Charme toskanischer 83er zeigte sich 1995, 96 und 97 auch bei wunderschönen Villa Vignamaggio Chianti Classico Riserva Magnums, für deutlich unter € 20 bei Alpina erworben und mit viel Freude auf 89/100-Niveau getrunken.
Sehr gute Weine in Österreich, darunter auch einige hochinteressante Süßweine.
Sehr schön war Anfang der 90er ein Ried Klaus Kabinett von Jamek, 12 Flaschen ohne Ausfall konstant auf 90/100 Niveau. Klasse 1998 in der Wachau ein Jurtschitsch Strohwein, füllig, nicht zu süß, sehr ausgewogen mit guter Säure – 93/100. Sehr gut auch 1996 eine Loibner Loibenberg Grüner Veltliner BA von Knoll mit kräftiger Farbe, Terroirnote und guter Säure - 93/100. Legendär von Knoll die TBA, die ich Mitte der Neunziger mit Emmerich Knoll an einem lauen Sommerabend im Landhaus Bacher trinken durfte. Und dann war da 2008 noch ein Grüner Veltliner Eiswein von Hirtzberger. Die satte, goldgelbe Farbe dieses Weines passte gut zur Frucht, die da dem Glas entstieg. Reife Ananas mit guter Säure und angenehmer, fruchtiger Süße. Ein durchaus sehr spannender Wein – 93/100. Eine Nikolaihof Im Weingarten Riesling Spätlese kam 2009 im Landhaus Bacher mit viel Möbelpolitur und Nagellackentferner ins Glas, entwickelte sich dann aber noch stückweit – 83/100.
Portugals vielleicht rarster Wein, der nicht gerade billige Barca Velha, hatte 2000 eine dichte, relativ junge Farbe, Tabak, Veilchen, Lakritz, massive Tannine und auch etwas staubtrocken, alkoholreich sicher noch langlebig, zeigt aber vielleicht auch die Grenzen zumindest damaliger, portugiesischer Weine auf, denn mehr als 90/100 waren da nicht drin.
Ein passables Weinjahr auch in Spanien.
Zwischen 1994 und 1999 habe ich 6mal mit großem Vergnügen den sehr gut gelungenen Cabernet Sauvignon La Scala von Jean Leon getrunken, einen gut gereiften, fleischigen, komplexen Cabernet mit feiner Eukalyptusnote– konstant 89-91/100. Sehr schön 1995 und damals noch recht jung wirkend mit viel Zukunft der Gran Coronas Black Label von Torres – 92/100. Zu den besseren Weinen gehörte der 83er Vega Sicilia 2001 auf der großen Vega-Probe. Zuletzt 2005 ausgesprochen gelungen, harmonisch und gut trinkbar. Dichte Farbe mit feinem Orangenrand, reife Frucht, Zedernholzwürze, Tabak, Leder, am Gaumen aromatische Dichte mit feiner Süße - 95/100
Erstaunlich schlank und mit viel Säure war 1994 auf Sylt ein Chateau Laszos Tokay 6 Puttoyons – 91/100. Ein Tokay 6 Puttoyons von Muzealis hatte 1997 bei Drawert eine kräftige Farbe, schöne Süße, feine Säure, reifer Apfel, leicht oxidativ - 92/100-
Sehr gut gelungen in 1983 auch wieder Chateau Musar. Im Herbst 2005 reife, erstaunlich helle Farbe mit deutlichem Orangenrand. Aber was für eine explosive Aromatik ohne jedes Alter! Rauchige, würzige Nase, frisch verbranntes Harz, so, wie wenn man einen Tannenzweig ins Feuer hält. Faszinierende Balance zwischen heißem Traubengut und unglaublicher Frische - 95/100
In Kalifornien galt 1983 eher als kleineres Weinjahr, doch wurden einige Weine mit beachtlichem Alterungspotential erzeugt.
Dominus entpuppte sich als Langstreckenläufer. 1988 sehr verhaltene Nase, dafür jede Menge Holz und Tannin, intensive Lakritze, wenig Frucht, aber viel Kraft – 88/100. 2005 in der Dominus-Probe die schönste Nase des Flights, feine rote Johannisbeere, Zedernholz, am Gaumen etwas schlank, ungenerös, guter Abgang - 91/100. 2009 auf der American BeautyII aus einer sicher nicht optimalen Flasche reife, nicht sonderlich dichte Farbe mit deutlichen Brauntönen, sehr fein noch die fruchtig-elegante Johannisbeernase, auch am Gaumen der erste Schluck noch recht angenehm und an reifere Silver Oaks erinnernd. Baute dann jedoch im Glas rasch ab, wurde säuerlicher und zerfiel förmlich, keine optimale Flasche – 86/100. Zuletzt 2010 auf der großen Dominus-Vertikale ein robuster Kraftprotz mit perfekter Struktur, viel Zedernholz, feiner Frucht und Bitternote im Abgang – 93/100. Heitz Martha´s Vineyard war 2011 mit seiner explosiven Eukalyptus- und Minznase auf der großen Heitzprobe der Ungers ein noch sehr frischer, lebendiger, vibrierender Wein, sehr nachhaltig am Gaumen und mit noch reichlich Zukunft – 95/100. Ein Langstreckenläufer ist Chateau Montelena. Mehrfach bin ich in den Neunzigern an diesem tanninigen Monster verzweifelt. 2001 endlich zeigte er sich reif mit wunderbarer Minzfrische. Gleich viermal konnte ich ihn auf diversen Proben konstant auf 92/100 Niveau genießen. Hat sicher noch Potential für 10+ Jahre. Opus One dagegen ging 1998 in einer Probe als kleiner Tignanello durch, Kirschfrucht, wenig Konzentration - 86/100. Großartig war 2009 ein Stag´s Leap Cask 23, traumhaft balanciert und sehr nachhaltig mit viel Eukalyptus und Minze, immer noch recht jung wirkend – 96/100. Ein sehr eigenständiger Brocken mit dichter Farbe und schöner Fruchtsüße war einer der ersten ZD Cabernets, damals noch aus zugekauften Trauben produziert – 88/100.
Recht unterschiedlich hat sich über die Jahre Penfolds Grange präsentiert. 1996 bereits beginnende Reife auf höchstem Niveau mit Portigkeit, Marzipan, baute im Glas aus, kräftig mit tollem Abgang – 97/100. 1999 auf der Grange-Probe in Lehrbach noch reifer, sehr lecker, fast etwas malzig süß – 93/100. Im selben Jahr auf einer Best Bottle bei Schorn eine perfekte Flasche aus einem zuverlässigen Sammlerkeller, völlig anders und deutlich jünger, 3 Std. vorher dekantiert, sensationelle, absolut junge Farbe, Riesenstoff mit opulenter Süßholz-Nase, am Gaumen schöne Süße, Lakritz und viel Druck - 97/100. 2003 aus gleicher Quelle exotisch, konzentriert-üppig, Eukalyptus, aber nicht marmeladig, ganz toller Stoff - 97/100. Zeigte zuletzt 201 ein Pfauenrad an Aromen. Schwarzer Pfeffer, Sattelleder, Minze, Eukalyptus, süße Beeren, wurde immer generöser und dabei sogar malzig und karamellig, ein Riesenteil mit gewaltigem Druck am Gaumen und immer noch großartiger Zukunft – 98/100.
Ein attraktives Portwein-Jahr mit sehr frühreifen, aromatischen Weinen, die aber durch die Bank nicht sehr langlebig sein dürften.
Schon sehr weit war 1998 ein Niepoort Colheita Port mit heller, bräunlicher Farbe – 87/100. Warre´s hatte 1995 bei Hardy auf Sylt eine kräftige Farbe, war aber schon sehr zugänglich, ein süßes Fruchtkonzentrat mit reichlich Marzipan, kann sicherlich noch anders, aber kaum besser werden – 93/100.
Eine große Champagner-Ernte guter Qualität. Da dürfte sich immer noch etwas finden lassen.
Sehr gut und immer noch erstaunlich frisch mit gutem Mousseux 1996 ein Blanc de Blancs von Binet aus der Magnum – 90/100. Firnig, langweilig mit nur noch dezentem Mousseux 1997 ein Champagne Brut A. de Dampierre – 82/100. Groß hingegen 1997 bei Jörg Müller Dom Perignon aus der Magnum, ein toller, cremiger Stoff mit viel Länge und sicher noch großer Zukunft – 95/100. 2006 in der Nase deutlich reifer als am Gaumen, traubig mit feinen Brottönen. Am Gaumen deutlich frischer mit tollem Körper und cremiger Textur, ein großer Champagner mit erster Reife, aber noch Potential für viele Jahre – 95/100. Zuletzt 2007 in Wien aus der Oenotheque-Serie, wunderbar cremige Struktur, sehr komplex, mineralisch, einfach herrlich zu trinken – 96/100. Ein Blanc de Blancs Bruno Paillard war 2009 bei Jörg Müller noch so jung, frisch und fordernd, da ist noch Potential für lange Jahre – 93/100. Herausragend und ein weiteres,gutes Beispiel dafür, wie Top-Champagner bei entsprechender Lagerung altern können, war im Frühjahr 2005 bei Jörg Müller auf Sylt ein Taittinger Collection Vieira da Silva, noch so unglaublich frisch mit etwas Citrus-Frucht und Brioche, sehr nachhaltig und lang am Gaumen – 96/100.

