1991

Ein schwieriges, verrücktes Weinjahr in Bordeaux. Fürchterlicher Frost am 21. April, ein heißer Sommer, mit dem die Natur Aufholjagd spielte, aber dann Unwetter zur Erntezeit. Erstaunlich schöne, delikate, eher leichte Weine wurden in Bordeaux erzeugt. Die machten zur Jahrtausendwende richtig Spaß. Nur waren sie eben nicht sehr langlebig. Trinkbare Wene sollten bei guter Lagerung mit etwas Glück immer noch zu finden sein. Wer aber heute noch 91er mit Potential sucht, findet in Bordeaux kaum etwas.

Cos d´Estournel hatte 2006 hatte soviel Zedernholz in der Nase und am Gaumen, wirkte aber auch schlank und es fehlte am Abgang, sollte bald getrunken werden - 90/100. Montrose ist kein großer, aber ein sicher langlebiger Wein. Die 88-89/100, mit denen ich ihn bis Ende der 90er mehrfach im Glas hatte, müsste er noch ein paar Jahre bringen.

An Latour würde ich mich heute nur noch in Großflaschen rantrauen. Meine 12 Flaschen hatte ich mit konstant 90-91/100 im Glas. Aber aus meiner letzten Flasche 2007 machte er schon einen verdammt gezehrten Eindruck, zwischendurch blühte er noch mal kurz auf, fiel dann aber wieder rasch in sich zusammen - 86/100. Lynch Bages hatte 2008 nicht nur eine erstaunlich schöne Nase, auch Fülle am Gaumen, jetzt auf dem Punkt - 92/100. Sehr viel Freude habe ich in den 90ern mit meinen Mouton Rothschilds gehabt, doch spätestens 2004 auf einer großen Mouton-Probe, als dich diesen austrocknenden Wein ins Glas bekam, wusste ich, warum ich meine so früh getrunken hatte. Da geht es steil abwärts.

Ducru Beaucaillou war 2009 ein süffiger, simpler Trinkwein, aber auch etwas leicht, dünn und flach am Gaumen – 84/100. Leoville las Cases gehörte 2002 aus der Magnum zu den besseren Weinen des Jahrgangs, gehört aber sicher auch getrunken – 92/100. 2010 war das keine Freude mehr.

Margaux war 2007 auf René Gabriels großer Margaux-Probe immer noch auf dem Niveau, mit dem ich ihn über 20mal vorher im Glas hatte, elegant, mit feiner beeriger Frucht und insgesamt recht ausgewogen ohne Alter. Ein kleiner, feiner Margaux, der noch ein paar Jahre Freude machen könnte - 90/100. Palmer war 2000 ein offener, fruchtiger, unkomplizierter Schmeichler – 87/100. Zuletzt 2009 auf der Palmer-Vertikale Palmer deutliche Reifetöne in der nicht allzu dichten Farbe, pflaumige Frucht, würzig, pfeffrig und mit schöner Süße, weich am Gaumen, ein feiner und gar nicht so kleiner Palmer – 91/100.

Haut Brion war 2003 aus der Imperiale aus der Impi war er ein sehr leckerer, reifer, delikater Haut Brion, eine Art kleiner 79er - 91/100.

Sechsmal hatte ich bis Ende der 90er Le Pin mit konstant etwa 92/100 im Glas. Zuletzt 2010 war er deutlich über den Höhepunkt. Die Nase war noch ganz ok, aber am Gaumen spielte sich nicht mehr viel ab – 82/100. Auf Petrus entschied man sich seinerzeit, in 1991 keinen Grand Vin zu machen.

Recht schön aber sehr kurzlebig waren die trockenen Weißweine aus Bordeaux, von denen ich einige, wie z.B. Aile d´Argent von Mouton Rothschild und Lynch Bages Blanc Mitte der Neunziger häufiger getrunken habe. Da dürfte heute aber nichts trinkbares mehr bei sein.

Ziemlich übel sah es in Sauternes aus. Habe ich bisher noch nicht im Glas gehabt.

Auch in Burgund war das Wetter kaum besser als in Bordeaux. Schneefälle im Frühjahr, Regen im Herbst, dazwischen ein heißer Sommer. Also eher ein kleineres Jahr für die Roten Burgunder und ein ziemlich mäßiges für die Weißen.

Ein Pommard von Comte Armand war 2009 ein anstrengender, kleinerer Wein mit viel bissigem, etwas unreifem Tannin, viel Säure und wenig Frucht – 82/100. Die gesamte Palette von DRC inkl. Romanée Conti habe ich nur zweimal 1994 und 1996 getrunken. Das waren charmante, frühreife, schmeichlerische Weine, die keine allzu große Zukunft haben dürften, wobei mir seinerzeit der La Tâche mit Abstand am besten gefiel. Der Volnay Les Mitones von Hubert le Montille hatte 2009 eine recht schöne, süße, leicht animalische Nase, aber am Gaumen überwogen die grünen Noten unreifer Tannine, da wird wohl auch nichts mehr draus – 87/100. Gut in Erinnerung geblieben ist mir aus 1997 der erstaunlich opulente Chambertin von Rousseau – 94/100, während ich mich im gleichen Jahr mit seinem ganz netten, aber zu dünnen Ruchottes Chambertin nicht anfreunden konnte – 85/100.

Von den in den 90ern getrunkenen Weißen Burgundern hat mich nur wenige so richtig begeistern. Selbst ein Meursault Clos de la Barre von Comte Lafon, den ich immerhin mehrfach mit bis zu 93/100 im Glas hatte, wirkte 2007 schon verdammt reif und oxidiert – 85/100. Der Meursault Charmes von Comte Lafon war 2006 in jeder Beziehung noch jung und frisch wirkend, das war Burgund vom Allerfeinsten, mit wunderbarer Nase, spielerischer Eleganz am Gaumen, feiner Mineralität und toller Länge, sicher noch mit Potential für etliche Jahre - 96/100. Den Le Montrachet von DRC fand ich 1994 und 1996 recht schön, aber doch eher leichtgewichtig. Le Montrachet von Ramonet war zuletzt 2006 kein schlechter Wein, aber es fehlte im schlicht und einfach an Fett. Er schien seinen Trinkhöhepunkt auch bereits überschritten zu haben. Am Leben hielt ihn nur noch die kräftige Säure - 90/100. Zahlreiche, weitere Verkostungsnotizen aus den 90ern, die jedoch nur noch historischen Wert haben. Sollte ich noch eigene 91er Burgunder im Keller finden, werde ich sie sicher sehr bald trinken, neue dazu kaufen aber in keinem Fall.

An der Rhone zum Teil erstaunlich große Weine im Norden, vor allem in Côte Rotie und kleine Weine in Chateauneuf..

Der Côte Rotie Mordorée von Chapoutier war 2007 ein unglaublich dichter, komplexer, aber immer noch zu junger Wein mit gewaltigem Potential. Sehr mineralisch, würzig, rohes Fleisch, sehr lang am Gaumen - 96+/100. Der Hermitage Le Pavillon von Chapoutier haate 2005 eine superdichte, immer noch jugendlich wirkende Farbe, in der Nase Gewürze ohne Ende, am Gaumen eine intensive, jugendliche Fruchtsüße, dazu Lakritz und eine unbändige Kraft. Ein Wein mit Irrsinnspotential und Langlebigkeit - 96+/100. Der Hermitage von Chave war 2009 im Rössli in Bad Ragaz ein gewaltiger, fordender, maskuliner Wein, immer noch mt deutlichem Tanningerüst und sicher jede Suche wert – 95+/100. Wunderbar gereift 2002 in Boston ein Brune etBlonde von Guigal mit gebratenem Schinken und Veiclchen – 92/100. Immer noch sehr jung wirkten zuletzt Weihnachten 2008 die drei Lagenweine von Guigal, wobei uns der kraftvolle La Landonne mit 97/100 am Besten gefiel, gefolgt vom würzigen, seidig-eleganten La Mouline mit 95+/100 und dem lakritzigen La Turque mit 94+/100. Bei allen drei Weinen ist keinerlei Eile geboten. Auch der La Landonne von Rostaing wirkte 2008 trotz aller Zugänglichkeit immer noch recht jung, rauchig, Holzkohle, Lakritz und Veilchen, die typischen Fleischnoten, ein großer, klassischer Côte Rotie mit guter Struktur - 94/100

Zweimal habe ich den Ermitage Blanc Cuvée de l´Orée von Chapoutier getrunken. 1999 hatte er eine klassische Burgundernase mit Stinker, am Gaumen furztrocken, würzig, lang, mineralisch, erdig, leichter Bitterton, wird mit viel Zeit und Temperatur auch am Gaumen burgundischer und Montrachet-ähnlicher – 95/100. 2001 aus zu kleinen Gläsern mit zuwenig Luft und Zeit kamen da nur 90/100 ins Glas. Der goldgelbe Hermitage Blanc von Chave war 2009 ein kräftiger, etwas rustikaler Charakterstoff mit deutlichem Burgunder-Stinker in der Nase, erst etwas gemüsig, dann immer rauchiger, sehr dicht, kraftvoll, komplex und lang am Gaumen – 94/100.

Ein ziemlich schwaches Jahr im Elsass. Trotzdem ist bei den sehr spät gelesenen edelsüßen Weinen immer noch die ein oder andere Überraschung drin.
Clos St. Hune hatte 1997 auf dem Trimbach-Dinner im Hummerstübchen in der Nase einen dicken Apfel, aber auch massiven Stallgeruch. Am Gaumen bissige Säure und Bitterton im Abgang - 87/100.

An der Loire galt der Jahrgang vor allem durch die sehr späten Fröste als schwierig. Ich habe nur einmal, 1994, einen sehr schroffen, kurzen Coulée de Serrant im Glas gehabt, der keinerlei Lust auf weitere Loire-Experimente in diesem Jahrgang machte.

Auch Deutschland sah späte Fröste, einen warmen Sommer und Regen im September. Ein maximal mittelprächtiges Weinjahr mit früh trinkreifen Weinen, insbesondere im trockenen Bereich, und nur ein paar wenigen Überlebenden. Besser sieht es im edelsüßen Bereich aus und hier vor allem von bei den vielerorts produzierten Eisweinen.
Sehr reif 2003 ein Winninger Röttgen von Heymann-Löwenstein – 85/100. Sehr delikat und frisch meine 12 Wehlener Sonnenuhr Spätlesen von JJ Prüm, die ich mit 90/100 viel zu früh bis 1999 ausgeleert habe. Könnte immer noch eine Suche wert sein und war 2009 aus der Magnum feinfruchtig, elegant, mit dezenter Restsüße und spielerischer Leichtigkeit - 92/100. Ein Haardter Herzog Riesling Eiswein von Müller-Catoir war zuletzt 2003 üppig mit exotischer Frucht, ein fettes Teil mit schöner Süße und Säure, gut balanciert - 95/100. Ein Riesling Blaulack Eiswein von Schloss Johannisberg hatte 2001 auf dem Weingipfel eine etwas aufdringliche, bonbonhaft süße Nase, war aber am Gaumen sehr würzig mit prägnanter Säure und wunderbarer Länge – 92/100. Ein Winkler Hasensprung Eiswein von Wegeler-Deinhard hatte 2007 immer noch eine tolle Frucht, feine Honigtöne und eine knackige Säure - 92/100. Ein Leiwener Klostergarten Eiswein von Werner hatte 2004 im Ifen einen wunderbaren Nougat-Ton, noch sehr frisch wirkend, auch in der Nase, sehr schöne Säure - 94/100.

Viele trockene Weine aus Österreich habe ich in den 90ern getrunken. Trinkbare Weine wird es da sicher immer noch einige geben, nur kommt halt der große Spaß nicht mehr auf. So war ein Riesling Privat von Nigl 2007 im Pfefferschiff sehr reif mit Petrol ohne Ende, aber auch mit wenig Frucht und deutlichem Kellermuff, wirkte insgesamt etwas gezehrt - 84/100.
Gewöhnungsbedürftig war 1998 bei Schorn ein Müller-Thurgau Ausbruch von Feiler-Artinger, der eher Richtung Sherry/Madeira ging – 82/100. Wunderschön 2008 immer noch und mit Potential für etliche Jahre 2008 ein feiner
Zweigelt von Fischer aus der Magnum – 90/100. Faszinierend mehrfach 1994, 95 und 98 ein Grüner Veltliner Eiswein Riede Muckenthal vom Weinbau Hubert Schäfer
mit leicht exotischer Anmutung und schönem Süße-/Säurespiel – 92/100.

Ein kleines, vernachlässigbares Italienjahr.
Nur einmal, 1996, habe ich Sassicaia getrunken, 1996 auf der Vertikale der Ungers. Damals gefiel er mir nicht, zuwenig Frucht, zuviel Säure – 82/100. Der Brunello di Montalcino Riserva von Vasco Sassetti war 2000 schon weit entwickelt – 88/100.

In einem spannenden Vergleich bekamen wir 2009 auf der großen Gantenbein-Probe zwei Versionen des Blauburgunders ins Glas. Die im Stahltank ausgebaute Variante wirkte stahlig, kompakt, sehr schlank mit viel Säure – 88/100. Völlig anders die im Barrique ausgebaute Version. Die kam meinen Vorstellungen von einem großen Burgunder schon sehr nahe. Ein wunderbar fülliger, reicher, süßer Wein, der einfach deutlich mehr her machte, mit gut eingebundener Säure und langem Finale. Das Holz hatte dieser wunderbare Wein sehr gut verdaut – 94/100. Eher etwas harmlos fand ich 2009 den reifen
Merlot Montagna Magica von Daniel Huber aus dem Tessin – 89/100.

Alion war 2007 auf René Gabriels großer Spanien-Probe ein unglaublich dichter, konzentrierter Wein, dem aber irgendwo die Harmonie und das Gleichgewicht abhanden gekommen waren. Schmeckte bei aller Fülle etwas gewollt und nicht gekonnt - 90/100. Clos Mogador war 2006 ein sehr dichter, konzentrierter Brocken mit reifen, dunklen Früchten, Veilchen, der schon erste Reife zeigte – 92/100. Zuletzt 2009 ein sehr rustikaler, mineralischer Wein, etwas Liebstöckel, bittere Medizin. Ein staubiger Feldweg, Frucht schon weg, Tannin noch da, erinnert an „übriggebliebene“ 91er Bordeaux, trinkbar ja, trinken mit Genuss eher nein – 87/100. Pesquera Janus war zuletzt 2003 voll auf dem Punkt mit süßer, würziger Frucht, aber auch schon deutlichen Reifetönen in der Farbe – 94/100. Noch einen Tick drüber habe ich seinerzeit den grandiosen, sehr häufig auf diesem Niveau getrunkenen Pesquera Reserva eingeordnet – 95/100.

Sehr gutes Tokayer-Jahr.
Ein Tokay Aszu 5 Puttonyos Nyulaszo der Royal Tokay Wine Company war 2007 im Genfer Chat Botté Marillenlikör pur mit intensiver Süße und unglaublicher Säure, dabei noch unglaublich frisch und sehr jung – 94+/100.

Ein Chateau Musar war 2001 in Halifax, wo mich „9/11“ stranden ließ, wild, exotisch, etwas animalisch, aber sehr schön – 90/100.

Grandioser Kalifornien-Jahrgang. Weine mit herrlicher Frucht und trotzdem großem Standvermögen.
Der Abreu Cabernet Sauvignon Madrona Ranch hatte 2011 nicht die aromatische Dramatik der jüngeren Abreus, eher ein feiner, fruchtiger, gut gereifter Wein, der stilistisch noch mit einem Bein in den 80ern stand – 92/100.Der mehrfach getrunkene Beringer Private Reserve zeigte 2008 eine wunderbare Kombination aus Kraft und Eleganz mit minziger Frucht und genug Rückrat für 10 weitere Jahre - 94/100. 2009 auf unserer ersten Best Bottle des Jahres ein Traum-Cabernet, tiefdunkle Farbe, sehr kräftig mit guter Struktur und immer noch reichlich Tannin für ein längeres Leben, herrliche, beerige Frucht, die mit Luft und Zeit generöser und süßer wird, dazu ein Schuss Minze. Ein absolut stimmiger Wein, der reife, kalifornische Frucht mit bordelaiser Struktur zu einem harmonischen Ganzen verbindet – 95/100. Ähnlich noch mal gegen Ende des Jahres. Zuletzt 2011 allerdings weit von der Bestform entfernt – 91/100. Immer sehr hoch bewertet habe ich den grandiosen, jugendlichen Caymus Special Select. 2001 hatte ich ihn zweimal mit 99/100 im Glas. 2004 besaß er aus der Magnum immer noch eine junge Farbe, süße Cassis-Frucht unterlegt mit deutlicher Minze, war sehr lang am Gaumen, machte in dieser Magnum deutlich zugänglicheren, reiferen, seidigeren Eindruck - 97/100. Mehrfach 2010 und 2011 als Traum-Kalifornier mit wunderbarer, präziser Frucht und konstant 99/100. Bedenken hatte ich beim gut ein Dutzend Mal getrunkenen Dalla Valle Cabernet Sauvignon. Diese frühere Junior-Ausgabe des Maya( 1995 - 95/100) ging etliche Jahre durch ein tiefes Tal, entwickelte aber zuletzt 2008 eine kräuterige, minzige Süße und wird wieder zunehmend attraktiver - 93/100. Eine ähnliche Entwicklung dürfte auch Maya durchlaufen. An drei Tagen hintereinander hatte ich den 1995 in Las Vegas im Spago als perfekten Zwilling des jungen 1986 Mouton mit 100/100 im Glas. Danach noch einmal 1997 bei Caduff und 2000 in der Sansibar mit 98/100. Leider zuletzt auf der American Beauty IV eine üble, oxidative Flasche. Ein spannender, fordernder Wein mit sicher noch 20+ Jahren Zukunft war zuletzt 2006 bei Jörg Müller der schon häufig getrunkene Diamond Creek Gravelly Meadow, Sehr mineralisch, schlank, mit kräftiger Säure, aber auch Frucht und kräuteriger Würze, dabei harmonisch und elegant mit kräftigem Rückrat – 93/100. Zum Diamond Creek Volcanic Hill notierte ich zuletzt 2001 in einer Probe Cassis, massig Blaubeeren, massive Tannine, klassische Struktur eines jugendlichen Bordeaux, steht wie eine "1" im Glas, falls die Tannine jemals weggehen, bleibt/wird das ein Riese - 95/100. Zur Verzweifelung hat mich schon häufig Dominus getrieben. Um die Jahrtausendwende hatte ich ihn endlich mehrfach mit bis zu 96/100 im Glas, doch alle Flaschen danach waren freudlos tanninig, zuletzt 2008 auf der American Beauty kräuterig und dabei sehr bitter, dominiert von massiven Tanninen, wohl eine schlechte Flasche - 85/100. Zuletzt 2010 auf der großen Dominus-Vertikale offen, sehr minzig, Leder, süße Frucht, enormer, aromatischer Druck am Gaumen und gewaltige Länge, dabei erstaunlich ausgewogen und harmonisch – 97/100. Mehrfach ähnlich in 2011, aber immer noch mit massiven Tanninen. 1998 ein ehr gelungener, seidiger, nachhaltiger Eisele Cabernet Sauvignon Family Estate – 93/100. Mehrfach 2000+2001 ein sehr feiner, eleganter Etude – 92/100. Harlan zeigte 2002 schon erste Reife, ein sehr feiner, eleganter, langer Wein im Stile einer gossen Comtesse – 97/100. Heitz Martha´s Vineyard, schon häufig getrunken, war 2007 wieder kraftvoll, perfekt strukturiert, mit etwas Eukalyptus und hohem Potential, ein Wein für die nächsten 20 Jahre - 94/100. 2009 ein sehr langlebiger Kalifornier alter Machart mit einem guten Schuss Bordeaux-Stilistik, sehr minzig, Eukalyptus, altes Sattelleder und etwas Tabak, ein gewaltiger, kräftiger, druckvoller Wein, der schon sehr viel, aber noch längst nicht alles zeigt – 95+/100. Zuletzt 2011 auf der großen Heitzprobe der Ungers ein Riese im Werden, der sehr viel, aber längst noch nicht alles zeigt, ein noch jugendlich wirkender, enorm kräftiger, intensiver, hoch aromatisch wirkender Wein – 96/100. Ähnlich eigentlich auch Heitz Trailside Vineyard, der um die Jahrtausendwende mehrfach im Glas förmlich explodierte und sich jetzt auf zivilisierterem Niveau für die nächsten 15-20 Jahre eingerichtet hat. 2007 bei den Ungers ein großer Heitz mit bester Struktur, sehr minzig und mit einem guten Schuss Eukalyptus - 94/100. 2008 in der American Beauty eine schlechte Flasche, die aber wohl ein Ausreißer war. 2009 im Adler in Hurden ein perfekter Winter-Kaminwein, der sehr warm-würzig rüberkommt und Seele und Gaumen gleichermaßen wärmt. Alter, mit Minzöl eingeriebener Ledersattel, Eukalyptus, viel Zedernholz, schöne Länge – 94/100. Zuletzt 2011 sehr medizinal wirkend und die Wick Medinait-Nase schon sehr ins Jodige gehend, am Gaumen viel Säure und wenig Freude, dafür viel Soyasauce und Maggi, wurde mit zunehmender Luft immer schlimmer, eine schlechte Flasche? – 86/100. Schon fast auf Martha´s Niveau lag 2011 der 1991 Heitz Cabernet Sauvignon, mit viel Minze und Eukalyptus, immer noch recht jung wirkend mit sehr guter Struktur, jede Suche wert – 94/100. Sehr gut gefiel mir 1996 ein Hess Collection, der aber inzwischen auf dem Abstieg sein dürfte. Seinen Höhepunkt deutlich überschritten hat wohl La Jota 10th Anniversary Release. Zuletzt 2009 zwar mit etwas Eukalyptus und Minze, aber auch mit deutlichen Reifetönen – 92/100 mit weiter fallender Tendenz. Auch der 1998 getrunkene, sehr feine, elegante aber nicht sehr nachhaltige Kendall-Jackson Cardinale Reserve – 88/100 – dürfte inzwischen deutlich auf dem Abstieg sein. 1996 in Las Vegas hat uns der Leonetti Columbia Valley Cabernet Sauvignon mächtig beeindruckt (94/100), könnte immer noch interessant sein. Nie vom Hocker gerissen hat mich der mehrfach getrunkene Merryvale Profile, zuletzt 2006 an Kampens Buhne 16 sehr reif mit zwar noch dichter Farbe, aber ersten Brauntönen - 90/100. Eine Suche wert ist Mondavi Reserve, den ich 2008 mit 95/100 im Glas hatte, und der locker noch ein Jahrzehnt vor sich hat. 2009 eine traumhafte, sehr elegante und trotzdem nachhaltige Melange aus einem Kalifornier klassischer Machart und einem großen, reifen Bordeaux mit wunderbarer Minzfrische – 96/100. Auf der American Beauty III 2010 mit seiner animalischen Nase, der alten Ledertasche, der Minze und den vielen Kräutern wirkte er in seiner kernigen, leicht rustikalen Art wie ein US-Lafleur, am Gaumen kräftig, etwas Bitterschokolade, ein Wein zum Kauen – 95/100. Ähnliches gilt für den sehr konzentrierten Chateau Montelena, der 2000 noch einen zu jungen Eindruck machte, aber sicher Potential für 95/100 besitzt. Bei Moraga aus der Doppelmagnum war 2011 recht reif die Farbe, sehr fein die Aromen, Kräuter, altes Leder, Minze, Zedernholz, am Gaumen seidige Eleganz mit reifen, weichen Tanninen, baute enorm im Glas aus. In der Nase machte sich immer mehr die reife Johannisbeere bemerkbar. In so einem Wein könnte ich baden, ein großer, reifer St. Julien aus Kalifornien – 94/100. Ein paar Stunden später haben wir den Moraga noch mal nachverkostet, wiederum blind wohlgemerkt. Und siehe da, die Bewertungen unseres kleinen Kreises, auch meine, stiegen auf 96/100. Da spielte natürlich ganz eindeutig der Großflaschenbonus eine Rolle. Opus One war 2009 süß, weich, generös und einfach unglaublich lecker, allerdings auch nicht so komplex wie die großen Opus aus den 80ern – 94/100. Zuletzt 2011 auf der American Beauty IV ein sehr feiner, stimmiger, eleganter Wein, mehr Bordeaux als Kalifornien – 94/100. Auch Phelps Eisele ist, zuletzt 2008 aus der Magnum verkostet, immer noch ein Gedicht – 94/100. Das gilt ebenso für Phelps Insignia, der sich mehrfach in 2006 und 2007 sehr kraftvoll, immer noch jugendlich und mit wunderbarer Frucht auf konstant 95/100 Niveau präsentierte. Immer noch recht jugendlich mit toller Struktur präsentiert sich auch Ridge Monte Bello, von dem ich im Sommer 2007 die zwölfte Flasche im Glas hatte – 95/100. Sehr schön 2009 Shafer Hillside Select mit der eher klassischen, an große Medocs erinnernden Stilrichtung der älteren Hillsides aus der Zeit vor 1992. Leicht stallige, animalische, ledrige Nase, mehr Bordeaux als Kalifornien, Eleganz statt Power, etwas kurz am Gaumen, aber sicher noch lange lagerfähig – 93/100. Bei aller Zugänglichkeit war das 2010 ein Wein mit toller Struktur und enormem Potential, immer noch so jung wirkend mit feiner, süßer, fruchtiger Nase, sehr kraftvoll und lang am Gaumen – 96/100. Gut 20mal hatte ich in den letzten 12 Jahren den genial-leckeren Alexander Valley von Silver Oak mit seiner klassischen Dillnote im Glas, ein Spaßwein par Excellence, der sich auch in meiner vorletzten Flasche 2008 unverändert auf 93/100 Niveau präsentierte. Da setzt der ähnlich oft getrunkene Napa Valley von Silver Oak noch mal eins drauf, zuletzt 2007 in einer Best Bottle leicht zu erkennen an der typischen, kräuterigen Dill-Nase, blumige, ausrucksstarke Frucht, Johannisbeere, aber auch dunkle Früchte, Veilchen, Lakritz, sehr dicht, kräftig, wird im Glas immer üppiger, offener mit feiner Süße - 95/100. Füllig. Opulent, jung mit exotischer Frucht 2010 der Bonny´s Vineyard. Mehrfach habe ich in 2002 den Silverado Cabernet Sauvignon Limited Reserve getrunken, einen sehr reifen Wein mit ledriger, animalischer Nase, weich am Gaumen – 90/100. Spottswoode hatte 2000 in Las Vegas eine sehr dichte Farbe, portige Anklänge, Kräuter, auch etwas Überreife - 94/100. 2010 auf der Farnsburg immer noch jung und frisch mit viel Eukalyptus und Minze, ein sehr feiner, eleganter Wein – 94/100. Leider seit 1996 nicht mehr im Glas hatte ich den damals auf 94/100 Niveau sehr überzeugenden Stag´s Leap Cask 23. Müsste sich heute immer noch sehr gut trinken. Togni hatte 2007 eine herrliche Nase, floral, großer Heuschober, Tabak, reife Pflaume, Blaubeeren, aber auch getrocknete Tomaten, am Gaumen mit unglaublich druckvoller Aromatik und Länge, sehr komplex und vielschichtig, entwickelte sich sehr gut im Glas und ist erst ganz am Anfang - 97/100. Wirkte zuletzt 2011 auf der American Beauty noch so blutjung, frisch und floral die Nase, reife Blaubeeren, ungeheurer aromatischer Druck am Gaumen, der gibt dermaßen Gas, dabei aber mit sehr präzisen Konturen, wird über die nächsten 5-10 Jahre weiter zulegen – 95+/100. Saintsbury Pinot Noir Carneros Reserve war 2010 ein immer noch recht kräftiger, fruchtig-schmelziger, sehr spannender und animierender Pinot, dem vielleicht etwas die Finesse eines großen Burgunders abging, der aber trotzdem ungemeinen Trinkspaß bereitete – 91/100.

Auch die Weißen Kalifornier waren durch die Bank sehr gut gelungen. Die besseren unter ihnen wiederlegten eindrucksvoll das Ammenmärchen, kalifornische Chardonnays gehörten in den ersten Jahren nach der Ernte getrunken.
Sehr angetan war ich ein gutes Dutzend Mal zwischen 95 und 99 von Au Bon Climat Chardonnay Bien Nacido Reserve, wie ein großer weißer Burgunder in der klassischen Comte Lafon Stilistik, sehr fein, nachhaltig und elegant, Riesenstoff mit Alterungspotential, konstant 93-95/100. Und schrieb mir 99 bei meiner letzten, noch immer taufrischen Flasche auf, dass der eigentlich noch 10 Jahre liegen könnte. Und so konnte er auch 2009 noch voll überzeugen und ging locker als großer, jüngerer Meursault durch – 93/100. Auch der häufig getrunkene Sanford & Benedict Vineyard Chardonnay Reserve dieses Weinguts war 2000 zwar gut gereift mit cremiger Textur, aber ohne Alterstöne – 92/100. Sehr gut altern auch die Grgich Hills Chardonnays. Meine letzte Flasche 2000 war noch taufrisch mit guter Säure – 90/100. Sehr frisch und pikant, vom Stil her burgundisch 1999 ein Kalin Chardonnay Cuvée DD – 90/100. Im selben Jahr im Stile eines ganz großen Weißen Burgunders Kalin Chardonnay Cuvée LR Fin de Siècle – 95/100. Der Kistler Vine Hill Vineyard war 2008 sehr rauchig und immer noch stark von Holz diminiert, goldgelbe Farbe, Zitrusaromen, aber insgesamt auch etwas plump und ungelenk wirkend - 86/100. Ein Pinot Noir Blanc Eye of the Swan von Sebastiani war 2008 auf der American Beauty mit einer altrosa Farbe oxidiert, Mottenkugeln und jede Menge Klebstoff, untrinkbar.

Süßwein aus Kalifornien? Das tiefe Goldgelb des Freemark Abbey Johannisberg Edelwein Gold erinnerte 2010 an einen reifen Sauternes, die Aromatik auch. Ein Traum die Nase, eine prächtige Patisserie-Mischung und ein hocharomatischer Ausflug durch die schönsten Süßigkeiten dieser Welt, dazu die grandiose Fülle eines Sauternes, süß, karamellig, aber auch mit einer tollen Säure, die eher den Riesling zeigte, dabei überhaupt nicht klebrig, sondern eher luftig und elegant – 96/100.

Ein Domaine "A" Cabernet Sauvignon aus Tasmanien wirkte 1997 auf dem Weinforum Arosa grün, unreif mit hoher Säure – 78/100. Penfolds Grange war zuletzt ein konzentrierter, dichter Klassiker mit massiven Tanninen, aber auch sehr präsenter Frucht, hat sicher noch ein Trinkfenster bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts - 95/100.

Aus diesem eher kleinen Champagnerjahr habe ich noch nichts getrunken.

Sehr guter Portwein-Jahrgang. Riesengroß ist 91 Taylor, aber der Einzellagen-Port Taylor Quinta de Vargellas war 2009 bei Jörg Müller nur ein Schatten dessen – 93/100. Deutlich besser an gleicher Stelle der Taylor Quinta de Terra Feita Vintage Port, süß, konzentriert, irre komplex, Marzipan pur - 95/100.