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1994
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1994 ist ein großer. lagerfähiger Jahrgang mit immensem Sex Appeal – für kalifornische Weine. Für Bordeaux sieht das leider anders aus. Wie so oft hatten nach einem warmen Sommer die in Bordeaux häufig auftretenden September-Regenfälle die Hoffnungen der Winzer zum Teil zunichte gemacht. Rigorose Selektion war angesagt. Wo sie erfolgte, entstanden konzentrierte, sehr lagerfähige Weine mit guter Struktur und massivem Tanningerüst, den 88ern nicht unähnlich. Klar im Vorteil der früh reifende Merlot und damit nicht nur das Pomerol, sondern alle Weine mit hohem Merlotanteil. Viele meiner eigenen Bordeaux OHK´s – dem ersten Jahr, das ich nach dreijähriger Pause wieder in größerem Maße in Subskription gekauft habe – sind noch zu. Und besonders gereizt haben mich die Bordeaux des Jahres ohnehin nicht sehr. Schwappte doch damals gerade die Kalifornienwelle durchs Land. Und warum sollte ich mich für bittere Bordeaux-Kost erwärmen, wenn es nicht nur reichlich gut trinkbare Bordeaux aus besseren Jahren gab, sondern auch all die prächtigen, damals sehr bezahlbaren Gewächse aus dem amerikanischen Sunshine State. Wenig Bordeaux-Notizen also, die der besseren Gewächse reiche ich kontinuierlich über die nächsten zwei Jahrzehnte nach.
Cos d´Estournel fehlt es wie vielen 94ern einfach an Frucht und Charme. Zuletzt 2006 passte er mit seiner etwas burschikosen Art, mit seiner kräuterigen, lakritzigen Aromatik und den etwas ruppigen Tanninen perfekt zu einer Brotzeit auf einer Almhütte - 87/100. Beim kräftigen, rustikalen Meyney hatte mich schon 2000 die deutliche grüne Note gestört – 83/100. 2006 aus der Imperiale hatte der viel Säure, war knochig, wenig Fleisch, ein guter, sehr einfach gestrickter, rustikaler Wein - 84/100. Montrose war 2006 aus der Jeroboam ein rabenschwarzer, dichter, rustikaler Powerstoff mit wenig Charme, massiven Tanninen, unter denen etwas feine, rotbeerige Frucht hervorlugt, viel Teer und Hustensaft. Potential hat der Wein schon, aber ob die Frucht ausreicht, um da in 20 Jahren zu einem Wunder zu führen? Vorsichtige 88+/100.
Batailley ist ein eher belangloser Wein, den ich zuletzt 1998 mit 83/100 im Glas hatte. Großes Potential zeigte 1998 am Ende der Fruchtphase Lafite Rothschild, dichte Farbe, tolle, explosive Nase mit Kaffee und Leder, wie ein Mouton vom Feinsten, wandelte sich etwas im Glas und ging mit der Zeit sogar etwas zu – 91+/100. Nie anfreunden konnte ich mich mit dem mehrfach getrunkenen Lynch Bages. Zuletzt 2008 auf René Gabriels großer Lynch-Probe riss der mich aus der Doppelmagnum trotz dunkler, junger Farbe nicht vom Hocker. Er wirkte eckig, grün und rustikal - 85/100. In seiner Fruchtphase bis 2000 war Mouton Rothschild ein von jugendlicher Röstaromatik geprägter, wunderbarer Wein, den ich oft mit 93-94/100 im Glas hatte. Danach kamen lange, enttäuschende Jahre, in denen der Mouton völlig zugenagelt und ziemlich enttäuschend war. Jetzt entwickelt er sich langsam wieder. Zuletzt 2009 erinnerte er mit seiner feinen Art, seiner ledrigen Bleistiftnase an 1983 – 92+/100. Da kommt noch mehr, auch wenn ich 2009 in einer Probe auch ein freudlose Flasche trinken musste. Leider scheint es von der Pichon Comtesse zwei unterschiedliche, von außen nicht unterscheidbare Abfüllungen zu geben. Meine 24, inzwischen ausgetrunkenen halben Flaschen variierten zwischen 83 und 90/100 und gehörten wie viele enttäuschende 1tel zur schlechteren Sorte. Beispielhaft dazu zwei Erlebnisse aus 2008. Statt samtiger, Comtesse-typischer Fülle empfängt uns hier aus der DM eine Art Zweitwein von Montrose, sperrige Rustikalität, Staub statt Frucht und trockene Tannine. Zu mehr als 87/100 konnte ich mich da nicht überwinden. Und kurz danach in der Braui animalisch, sehr kraftvoll, dichte, junge Farbe, viel Leder und Tabak, sehr lang am Gaumen - 96/100. Anscheinend gibt es in Deutschland hauptsächlich die ärgerliche Variante, während die Schweiz mit der besseren Version bedient wurde. Der 94er gilt als erster Pontet Canet einer neuen Ära. Als Jungwein hatte ich ihn in der Fruchtphase mit 92+/100 im Glas. Danach verschloss er sich rasch zuletzt 2006 tiefe, undurchdringliche Farbe, massive Astringenz und kräftiges Tanningerüst bei recht wenig, aber feiner Frucht und nur einem Hauch von Schmelz zeigen einen etwas zurückgebliebenen Wein, der sich noch nicht ganz entschieden hat, ob er mal aufblühen will, oder lieber austrocknen. 88/100 waren im Glas. Je nach Entwicklung kommen da in 5-10 Jahren bis zu 5 dazu oder fallen weg.
Den sehr gut gelungenen Clos du Marquis hatte ich Ende der 90er mehrfach mit 90/100 im Glas. Müsste immer noch gut trinkbar sein. Ducru Beaucaillou hatte ich mehrfach recht kompakt und anstrengend mit 86-88/100 im Glas. Zuletzt 2009 auf der großen Ducru-Probe in Krems sehr schöne, klassische St. Julien-Nase mit schwarzer Johannisbeere, Leder und Zedernholz. Am Gaumen war er fleischig, speckig, hatte aber auch die etwas staubigen Tannine des Jahrgangs – 90/100. Gruaud Larose wirkte 2009 eckig und rustikal mit grünem Tannin und war dazu ziemlich muffig - 82/100. Zu Leoville Barton notierte ich 1997 im Ifen: sehr dichte Farbe, schon mit einigem Genuss trinkbar, wenn bloß diese irre Säure und diese massiven Tannine nicht wären, ein Klassiker, den man 10 Jahre vergessen sollte. Und genau 10 Jahre später, 2007 in der Braui, war er deutlich schöner, Viel Zedernholz, feine Frucht mit dezentem Schmelz, ausgewogen, balanciert und nach einer etwas frustrierenden, längeren Wartezeit jetzt voll da - 90/100.
Cantemerle war Ende der 90er mehrfach an Bord diverser Lufthansa-Langstreckenflüge ein kleiner, etwas ruppiger Wein mit zuviel Tannin und zuwenig Frucht. Dürfte inzwischen zu alt sein. Recht gefällig war Ende der 90er mehrfach Sociando Mallet mit konstant 89/100.
Ob bei Margaux irgendwann noch mal was kommt? Einmal, 2000, hatte ich ihn auf einer Probe jung mit schönen Röstaromen und dichte Farbe im Glas - 92/100. 2007 auf René Gabriels großer Margaux-Probe zeigte er trotz des großen Flaschenformates bereits deutliche Reifetöne in der nicht sonderlich dichten Farbe und diesen leichten Rostton meinte man dann auch am Gaumen zu schmecken. Sperrig, ungenerös, tanninlastig - 88/100. Und zuletzt 2009 im Rössli in Bad Ragaz war dieses zugenagelte, abweisende Tanninmonster praktisch untrinkbar. Palmer empfand ich 2009 auf René Gabriels Palmer-Vertikale eher als so eine Art aggressive Gaumenbeleidigung, wenig Frucht, harsche Tannine, ungehobelt und ruppig - 84/100. Da wird auch nichts mehr draus. Pavillon Rouge hatte 2000 eine relativ helle Farbe mit deutlichem Wasserrand, feine rote Früchte, filigran, aber wenig Substanz – 83/100.
Haut Bailly war 2006 aus der Imperiale ein reifer, etwas rustikaler Wein, der mit Großflaschenbonus auf 90/100 kam. In der Fruchtphase 1997 habe ich Haut Brion als feinen, schmelzigen Schmeichler mit der klassischen Cigarbox-Nase mit 93/100 bewertet. Danach ging es kontinuierlich bergab. Zuletzt 2006 auf der großen Haut Brion Probe kernig, drahtig und schlank, leider machte er zumindest aus der Großflasche nicht allzu viel Spaß, da waren sicher noch mal 5-10 Jahre Warten angesagt – 87+/100. Auch La Mission hätte 2002 ein sehr schöner Wein sein können, wären da nicht die kräftigen, grünen Tannine gewesen – 89/100. Viel Tannin, wenig Frucht und am Gaumen die große Langeweile. Den 1998 mit 83/100 getrunkenen La Tour Martillac muss man sich wohl nicht merken.
Einer der großen Erfolge des Jahrgangs und ein Wein mit noch enormer Zukunft ist Angelus. Gut 15mal getrunken, zuletzt mehrfach 2009 mit erster Reife und feiner Süße, aber immer noch mit viel Kraft – 93/100. Und Ende 2009 auf einer Best Bottle in Emmen die bisher beste Flasche, exotisch üppig die Nase mit Vanille, Kokos und süßer Frucht, am Gaumen immer noch eine kräftige Statur mit derzeit noch leicht bitter wirkenden Tanninen. Bleibt für mich einer der besten Weine aus 1994 und ist nach wie vor jede Suche wert – 95/100. Canon war stets rustikaler, staubtrockener Kraftbolzen ohne jede Frucht, am Gaumen austrocknend mit deutlichem Bitterton im Abgang, nie mehr als 80/100 wert. Doch zuletzt 2008 auf Sylt überraschte er mich mit feiner Frucht und Eleganz. Da kamen gut und gerne 88/100 ins Glas. Nie sonderlich gemocht habe ich Cheval Blanc. 2008 auf der großen Cheval Blanc Probe die bisher beste Flasche, ein eckiger, rustikaler Kraftprotz ohne jeden Charme und leider ohne die nötige Substanz und das nötige Fett, um nach Abschmelzen der harschen Tannine einmal groß zu werden - 89/100. 2010 aus der Doppelmagnum rettete ihn nur ein Korkton vor einer erneuten Blamage. Muss man nicht im Keller haben. Gut gefiel mir 1997 in der jugendlichen Fruchtphase Tertre Roteboeuf. Müsste die damaligen 90/100 auch heute noch bringen. Über 92/100 bin ich beim kräftigen, floralen Valandraud nie hinaus gekommen. Da störten bei allem schokoladigem Schmelz zu sehr die grünen Noten, auch 2009 in Bremen aus der Doppelmagnum.
Belle Brise habe ich nur einmal, 1997 in der Fruchtphase, getrunken. Hat mich nicht sonderlich begeistert. La Conseillante hatte 2010 aus der Imperiale noch eine sehr junge, dichte Farbe, in der Nase rotbeerige Frucht, aber auch der verschwitzte Turnschuh, am Gaumen fleischig, kräftig und noch ganz am Anfang, ein Charakterwein mit Ecken und Kanten, der sich wunderbar trank und rasch leer war – 91/100. Gazin war in der Fruchtphase ein weicher Schmeichler und guter Struktur mit Potential für 90/100. Zuletzt 2010 aus der Magnum ein tanninbetonter Wein mit leicht grünen Noten in der eher anstrengend wirkenden Nase, entwickelte sich kaum im Glas und war auch etwas kurz im Abgang – 89/100. Kurz danach auch aus der 1tel wieder ein typischer 94er, Frucht hatte er, jung war er noch, aber eben auch reichlich sperrige Tannine und trotz dezenter Süße diese störenden, grünen Noten – 88/100. Aus der Imperiale machte Lafleur 2005 als sehr gut gelungener Kraftbolzen eine hervorragende Figur und war schon gut trinkbar. Dichte, junge Farbe, frische Minznase, Schokonoten, dunkles Toffee, feine Süße, am Gaumen druckvolle Aromatik und tolle Länge - 95/100. Deutlich verschlossener 2007 aus der 1tel, mächtiger, von kräftigen Tanninen dominierter Stoff mit lakritzig-kräuteriger Aromatik – 90+/100. 2009 auf Sylt ein durchaus mit Vergnügen antrinkbares Kraftpaket – 93+/100. Zeigte sich 2010 aus der Doppelmagnum recht offen und zugänglich, wunderbar komplexe, kräuterige, süße, schokoladige Nase, am Gaumen kraftvoll mit spürbaren Tanninen, aber auch hier einfach schokoladig-lecker mit feiner Süße – 95/100. Lagrange war 1999 ein kleiner, feiner Wein mit schöner Schokonase, bei dem aber etwas die Substanz fehlte – 87/100. Petrus war 2000 noch ein massiver, dichter, etwas rustikal und un ehobelt wirkender Klotz, mehr Power als Charme aber mit Potential. Doch 2005 auf René Gabriels großer Petrus-Probe war er schon offener, sehr kraftvoll und schön, in der Stilistik dem 88er nicht unähnlich, aber zugänglicher, sehr viel Potential, pflaumige Frucht, große Länge am Gaumen - 95/100. Großartig fand ich 2001 in einer Best Bottle den Le Pin, geile Nase, am Gaumen Röstaromen mit Mokka - 95/100. 2005 dann feine, rotbeerige Frucht, zeigt zwar noch kein Alter, ist aber deutlich schlanker und hat große Teile seines Sex Appeals verloren - 93/100. 2010 dann aus der Doppelmagnum war da soviel Süße und Fülle, aber auch noch ungeheure Kraft, dekadent die immer mehr süße Himbeeren zeigende und noch von Röstaromen geprägte Nase, einfach eine gewaltige, berauschende Droge, dieser noch nie so gut getrunkene Wein – 96/100. In Belgien habe ich 1997 etliche, sehr preiswerte Flaschen eines deklassierten Le Pin erworben, der als einfacher Pomerol verkauft wurde. Der trank sich sehr schön und schokoladig auf konstant 88/100 Niveau, war aber 2003 schon sehr reif.
Noch vor dem Septemberregen konnten gute, fruchtige Weiße Bordeaux geerntet werden. Die besseren davon sind immer noch eine Suche wert. Mehrfach hatte ich bis 2000 den frisch-fruchtigen Aile d´Argent mit konstant 89/100 im Glas. Dürfte wohl inzwischen am Ende seines Lebenszyklus sein. Auch Carbonnieux kenne ich nur aus seiner Jugend, wo ich ihn 1997 im Hummerstübchen mehrfach mit 89-90/100 im Glas hatte. Da dieser Wein gut altert, müsste er noch trinkbar sein. Traumhaft schön Fieuzal, von dem ich seit 1997 mit größtem Vergnügen auf stets mindestens 92/100 Niveau 24 halbe und 24 ganze Flaschen getrunken habe. Würde ich immer noch aus guter Quelle nachkaufen. Sehr gut gefiel mir 1997 bei Alain Ducasse in Paris der sicher immer noch gut trinkbare Pape Clement – 91/100. Pavillon Blanc dagegen war 2007 abgestanden, leicht faulig, vegetal, Gemüse statt Frucht, ein weißer, uralt wirkender Rioja - 79/100. Smith Haut Lafitte fand ich 1997 in Brügge eher leichtgewichtig – 87/100.
Ein sehr variables Burgunderjahr, bei dem Licht und Schatten dicht beieinander liegen. Meine bisherigen Erfahrungen sind eher mäßig. Überhaupt nicht klar kam ich 1998 mit Echezeaux von DRC. Wenig Frucht, spitze Säure und sehr harsche Tannine – 83/100. Besser und mit mehr Potential 1997 der Romanée St. Vivant mit sehr schöner, üppiger Nase, aber am Gaumen ebenfalls mit schon fast brutaler Säure – 88/100. Richtiggehend unangenem auf dem Weinforum 1997 ein Charmes Chambertin von Géantet-Pansiot. Enttäuschend auf dem Weinforum auch ein Clos de Vougeot von Leroy mit wenig Körper und zuviel Säure – 84/100. Ein Vosne Romanée Les Chaumes von Meo Camuzet war 1997 im Ifen bis auf die unangenehme 94er Säure ziemlich dünn – 78/100, ebenso ein Vosne-Romanée aux Cros-Parantoux vom gleichen Erzeuger 1997 auf dem Weinforum in Arosa.
Deutlich gleichmäßiger und in der Summe besser die Qualität der Weißen Burgunder. Der Corton Charlemagne von Bonneau du Martray war 2006 ein Charakterwein mit deutlichem Stinker in der Nase, sollte sicher in den nächsten Jahren getrunken werden - 90/100. Sehr gut gefiel mir mehrfach Ende der 90er ein Meursault Genevrières von Boyer Martenot auf konstant 93/100 Niveau. Sollte noch gut trinkbar sein. Ebenso vom gleichen Erzeuger der Meursault Perrières. Sehr gut und nachhaltig, deutlich kräftiger als die Drouhin-Variante Ende der 90er mehrfach der Clos des Mouches von Chanson – 92/100. Der Le Montrachet von Ramonet war 2006 ein etwas ruppiger Kraftbolzen mit kräftiger Säure, guter Statur und Länge. Für das schwierige Jahr aber durchaus ein gelungener Wein - 92/100. Ein Batard Montrachet von Sauzet wirkte 1998 wie großer, weißer Bordeaux, schöne Frucht, massiver Holzeinsatz, aber nicht aufdringlich, bleibt lange am Gaumen – 93/100. Hat sicher ebenso Potential wie der 1996 viel zu junge, verschlossene Le Montrachet von Sauzet. Das zeigte 2009 ein im Keller vergessener Puligny Montrachet Folatières dieses Erzeugers, immer noch ein holzbetontes Kraftpaket, sehr erdig-mineralisch - 92/100.
Ein guter Jahrgang an der nördlichen Rhone. Der Côte Rotie Grandes Places von Gerin entwickelte sich 2002 und 2003 im Adler in Rosenberg sehr schön im Glas 92/100 und wirkte beim 2. Mal dekantiert noch etwas druckvoller 93/100. Durchweg gute Weine gab es von Guigal. Der pfeffrig-würzige, recht zugängliche Hermitage hatte 2001 immer noch ein gutes Tanningerüst – 89/100. Von den drei auf der Prowein 1998 mehrfach und ausgiebig verkosteten LaLas gefiel mir La Turque am Besten mit 95/100. Zuletzt 2007 im La Vinesse zwar sehr fein, würzig, pfeffrig und hocharomatisch, aber doch auch sehr kurz am Gaumen. Vermutlich hatten wir nicht den richtigen Trinkzeitpunkt erwischt, denn sonst müssten da etwas mehr als 93/100 sein. La Mouline war 1998 auf der Prowein sehr weich, feminin und elegant – 90/100. Schien 2008 in einer Best Bottle bei Schorn seine besten Zeiten längst hinter sich zu haben. Trank sich immer noch recht schön mit reichlich Karamell in der Nase und am Gaumen, aber ein guter La Mouline kann eigentlich mehr - 91/100. La Landonne dürfte der langlebigste der Drei sein. 1998 war er noch sehr verschlossen mit gewaltigen Tanninen – 91+/100. Nur einmal, 1997, habe ich bisher den damals noch jugendlich fruchtigen, kräftigen Hermitage la Chapelle von Jaboulet Ainé getrunken, der eine gute Zukunft zu haben schien, aber nicht die Klasse früherer Chapelles – 91/100.
Wenig anfangen konnte ich 2001 auf der großen Vega-Probe mit dem hochgelobten Vin de Paille von Chapoutier. Aber da dieser Wein, von dem es nur 1000 Flaschen gibt, ja 100 Jahre altern soll, gibt es sicher irgendwann eine zweite Chance.
Als eher schwach gilt das Jahr an der südlichen Rhone. Hatte ich bisher noch nicht im Glas.
Hellauf begeistert waren wir 1998 vom dichten, komplexen Silex von Dageneau und bewerteten ihn mit 93/100. Da kam die zweite Flasche ein Jahr später im Anne Bell mit 90/100 nicht mit. Trotzdem einer der wenigen, trockenen Loire-Weine, die gut altern können. Sehr charmant, komplex und gefällig 2010 der Coulée de Serrant – 91/100.
Sehr gutes Elsass-Jahr. Hier sind vor allem die rechlich geernteten Weine im edelsüßen Bereich eine Empfehlung. Der Riesling Burg von Marcel Deiss ging 2008 im Regalido runter wie Öl, sehr füllig, komplex und dazu leicht restsüß mit endlosem Abgang, einfach traumhafter Stoff - 94/100. Ein Silvaner Cuvée Vielles Vignes von Ostertag war 1999 ein solider, kräftiger Wein mit erdigen Aromen, dem eindeutig die Frucht fehlte - 85/100.
Der Grange des Pères war 1998 ein konzentriertes, lakritziges Monstrum mit viel Tannin und großem Potential – 88+/100. Montus Cuvée Prestige war 1997 ein schöner, rustikaler Bauernwein – 90/100.
Ein sehr gutes Jahr für Deutsche Weine. Gerade im edelsüßen Bereich gibt es da noch reichlich Entdeckungen zu machen. Sehr wenig konnte ich 1997 bei Lafer mit einem Spätburgunder S von Meyer Näkel anfangen. Auch dessen Spätburgunder Weißherbst Extra Brut erinnerte mich im gleichen Jahr eher an Rotkäppchen Sekt.
Der Scharzhofberger Riesling Kabinett von Egon Müller war 2007 in der Braui ein kleiner, netter, weitgehend alkoholfreier Begrüßungsschluck ohne die Müller´sche Klasse - 85/100. Da habe ich die Scharzhofberger Spätlese aus 1997 mit 90/100 deutlich besser in Erinnerung. Rauf und runter habe ich seit 1996 in größeren Mengen die Brauneberger Juffer Sonnenuhr von Fritz Haag in den unterschiedlichsten Qualitäten mit stets großer Begeisterung getrunken. Aus weit über 100 Flaschen waren die letzten, eindrücklichen Erlebnisse 2008 mehrfach die Auslese #20, traumhaft balanciert mit wunderbarer Frische, keinerlei Alter – 91/100. 2009 aus der halben Flasche ohne Alter – 92/100. Die Auslese #4 lange Goldkapsel aus der Magnum hatte 2006 etwas Boytritis, wirkte sehr füllig, immer noch jugendlich frisch, traubig, kleidete wunderbar den Gaumen aus und besaß eine rassige Säure - 95/100. Die BA #18 war mir 2006 schon fast etwas zu dick. Reifes Goldgelb, füllig, leichte Boytritis - 92/100. Selbst aus der halben Flasche war die normale Spätlese 2009 immer noch wunderschön – 90/100. Ein großes Haag-Jahr, aus dem ich von den meisten Weinen noch gute Bestände habe und keinerlei Eile sehe. Die Trittenheimer Apotheke TBA von Grans-Fassian war 2001 eine stoffige, boytritis-betonte TBA, der aber etwas Säure fehlt – 93/100. Die Wehlener Sonnenuhr Auslese von JJ Prüm wirkte 2006 auf der großen Prüm Probe sehr ausgewogen mit wenig Süße, ein delikater, pikanter Saufwein. Entwickelt sich Richtung halbtrocken und ist durch die kräftige Säure ein guter Essensbegleiter - 90/100. Besser noch gefiel mir die über 15mal getrunkene Spätlese. 2007 im Regalido war die immer noch taufrisch mit unendlicher Eleganz, feinem Süße-/Säurespiel und mächtigem Extrakt - 92/100. Zuletzt 2008 auf Sylt nur dezent reifer, aber ebenfalls noch fast taufrisch mit faszinierendem Süße-/Säurespiel - 92/100. Großartig 1997 eine Graacher Domprobst TBA von Molitor – 97/100. Auch die Graacher Domprobst BA von Willi Schäfer konnte Ende der 90er mehrfach mit intensiver Frucht, schöner Süße und irrer Säure überzeugen – 95/100.
Unsaubere Nase, riecht nach Diehls Heizungskeller, nicht mein Wein, notierte ich mir 1997 bei Lafer zum Cuvée Victor von Diel – 83/100.
Eine Wallufer Walkenberg Spätburgunder Weißherbst TBA von JB Becker hatte 2004 im Ifen eine güldene Farbe, knackige Säure, feine Süße, noch ganz am Anfang - 94/100. Die Kiedricher Gräfenberg BA von Robert Weil war 1999 ein toller Stoff mit TBA-Qualität, extrem hohe, aber reife Säure, sicher 50+ Jahre 96/100.
Ein großartiges Erlebnis war 1997 in Las Vegas eine Nackenheimer Rothenberg TBA von Gunderloch, purer, am Gaumen nicht enden wollender Nektar Säure und Süße in riesigen, perfekt abgestimmten Dimensionen – 99/100. Den Keller voll habe ich von restsüßen Weinen von Klaus Keller, die ich bei einer beeindruckenden Präsentation 1996 im Restaurant Schorn erwarb. Da ist sicher keine Eile geboten.
Sehr schön mit guter Säure 1998 bei Schorn eine Hainfelder Kapelle TBA von Lergenmüller – 92/100. Grandios die 1997 und 98 mehrfach getrunkenen Weine von Müller Catoir. Den Haardter Herrenletten Riesling Eiswein und den Mußbacher Eselshaut Rieslaner Auslese hatte ich mehrfach mit 95/100 im Glas, die außerweltliche Mußbacher Eselshaut Rieslaner TBA sogar mit 100/100. Alle Weine haben genug Standvermögen und sind sicher auf diesem Niveau noch jede Suche wert.
Für Italiens Weine war der Jahrgang in der Toskana deutlich besser als im ähnlich Bordeaux im September von Regen gebeutelten Piemont. Der Barbera dell`Uccelone von Giacomo Bolgna war 1999 schon sehr reif(87/100) und dürfte inzwischen zu alt sein. Cetinaia war 2000 ein unkomplizierter, leckerer Trinkwein ohne Kanten und Höhepunkte – 85/100. Ein großartiger Wein war in der zweiten Hälfte der Neunziger Montevetrano, den ich mehrfach mit 95/100 im Glas hatte. Doch ab 2001 ging es deutlich bergab. Zuletzt 2005 war der Montevetrano nur noch ein leicht gezehrter Schatten seiner selbst – 88/100. Nach einer großartigen Flasche, einem gewaltigen Fruchtkonzentrat(93/100), hatte ich 1998 von Ornellaia noch zwei sehr enttäuschende Flaschen auf 88/100 Niveau. Seitdem nicht mehr probiert. Sehr zivil und reif präsentierte sich 2002 schon der Saffredi von Le Pupille – 92/100. Gehört sicher bald getrunken. Durchaus interessant könnte immer noch Sammarco sein, den ich leider seit 1998(90/100) nicht mehr getrunken habe. Die älteren Sammarcos altern erstaunlich gut. Sassicaia konnte 1996 als Faßprobe durchaus überzeugen. Auch eine etwas vorgereift wirkende Flasche 1998 in Paris beim Italiener war sicher auf 92/100 Niveau. 1999 im Munkmarscher Fährhaus dann hell, dünn und völlig daneben. Erste Reife im Stile eines großen Medoc zeigte zuletzt 2009 der Solaia, ledrige, kräuterige Aromatik mit Zedernholz, Tabak und dunklen Früchten – 94/100. Wird sich sicher noch 10 Jahre gut weiter entwickeln. Gut gefallen hat mir Ende der Neunziger mehrfach Tignanello. Müsste aus gut gelagerten Flaschen die damaligen 92/100 immer noch ins Glas bringen.
Hoffnungslos überteuert 1997 ein Gaja&Rey Chardonnay mit sehr viel Holz und Kraft, dafür aber wenig Frucht und Finesse – 90/100. Da dann doch lieber den eleganten, floralen Löwengang Chardonnay von Alois Lageder, den ich 1998 und 99 mehrfach mit konstant 91/100 im Glas hatte.
Für Österreich und insbesondere die Wachau gilt 1994 nicht als großer Jahrgang. Aber das schien die großen Winzer wie F.X. Pichler und Hirtzberger nicht daran gehindert zu haben, großartige, langlebige Weine zu erzeugen. Der Riesling Kellerberg Smaragd von F.X. Pichler war schon 1995 im Landhaus Bacher mein Favorit unter den Smaragden des Jahrgangs. Seitdem habe ich in zahllose Male im Glas gehabt, 2004 dreimal als großer gereifter Wachauer Riesling – 96/100. 2006 aus einer sehr weiten, wohl deutlich wärmer gelagerten Flasche – 92/100 und zuletzt 2009 bei Jörg Müller aus einer Top-Flasche, perfekt gereift, sehr komplex, nachhaltig, mineralisch mit fantastischer Länge und Fülle, hatte ich noch nie so gut im Glas - 97/100. In guten Flaschen wie dieser noch für etliche Jahre gut und jede Suche wert. Auf ähnlichem Niveau war 1998 und 99 der Riesling M, den ich leider ebenso wie den großartigen Grünen Veltliner Kellerberg Smaragd seitdem nicht mehr im Glas hatte. Von Hirtzberger wirkte der Riesling Ried Hochrain Smaragd 2007 auf Jörg Müllers 60. aus der Magnum jugendlich frisch mit dekadent leckerer Frucht und intensiver Mineralität. Da sprang die Marille förmlich aus dem Glas - 94/100. Leider habe ich den großartigen Honivogl Grüner Veltliner Smaragd seit 1998 nicht mehr ins Glas bekommen. Dafür um so häufiger den wuchtigen, kräftigen Singerriedel Riesling Smaragd, bei dem ich zuletzt 2004 aus einer perfekten Magnum das Gefühl hatte, dass er noch zulegen kann – 95/100. Nachholbedarf habe ich bei den älteren Knoll Weinen. Hier habe ich nur zuletzt 1998 den sehr aromatischen, würzigen Loibner Loibenberg Riesling Smaragd getrunken – 92/100. Der Senftenberger Piri Riesling Privat von Nigl wirkte 2004 schon etwas flach und abbauend – 87/100. Eine 2004 bei Jörg Müller auf Sylt getrunkene Dürnsteiner Hollerin Riesling Auslese von Prager müsste eigentlich mit 13% ein halbtrockener Wein gewesen sein, trotzdem hatte er eine Nase wie eine hochkarätige, gereifte Mosel-Auslese mit Boytritis, am Gaumen wunderschön ausbauend mit dezenter Restsüße, ein nicht alltägliches Weinerlebnis - 93/100. Nur jung kenne ich aus 1996 und 97 den gewaltigen Tiglat Chardonnay von Velich mit schierer Kraft und viel Holz – 92/100.
Ein Blaufränkisch im Eichenfaß gereift vom Weingut Kayserhof war 2002 im Alpenhof Jäger aus der Doppelmagnum sehr gefällig mit guter Frucht und dezentem Vanilleton – 90/100. Völlig zugenagelt mit massiven Tanninen und sehr dichter, junger Farbe 1998 im Ifen ein Paul Kerschbaum Cabernet Sauvignon. Immer noch eine Suche wert müsste der Ried Hallebühl von Umathum sein, den ich 1999 und 2001 sehr jung und kräftig mit guter Frucht verkosten durfte – 91+/100. 2009 im Landhaus Bacher aus der Magnum gut gereift – 88/100.
Nicht klar kam ich 1997 auf einer Paulson-Probe in der Krone Assmanshausen mit der Grande Cuvée von Kracher. Die war mir seinerzeit zu parfümiert und zu exotisch. Viel exotische Frucht, dazu auch reife Marille und Honig im sehr kräftigen, aber 1998 mit 13% eigentlich auch zu alkoholischen Ruster Ausbruch von Triebaumer – 89/100.
Sehr guter Jahrgang in Spanien. Alion war zuletzt 2007 einfach ein geiler Saufwein, exotisch, würzig, gefällig – 93/100. Sehr gut gelungen Finca Dofi mit konzentrierter Frucht und viel Tiefgang, den ich bis 2007 sechsmal konstant mit 95/100 im Glas hatte, noch viel Zukunft. Weicher, reifer, üppiger, ausladender, in der Nase erst leicht animalisch, reife Kirsche, trotz immer noch präsenter Tannine sehr schöne Aromatik zuletzt 2005 der l´Ermita von Alvaro Palacios - 95/100. In den Jahren davor mehrfach mit 93-95/100 getrunken. Großartig immer der Artadi Grandes Ananas. Zuletzt 2007 war das auf René Gabriels großer Spanien-Probe Kokos im Schokomantel, massig rote Früchte, kräuterige Würze, reichlich jugendliche Kraft, intensiv, fast stichig, sehr lang am Gaumen mit immer noch viel Potential - 97/100. Langweilig und durchschnittlich mehrfach Baron de Ley Gran Reserva, zuletzt 2007 aus der Magnum mit 86/100 die bisher beste Flasche, sonst nie mehr als 84/100. Der Imperial Reserva von CVNE war 2002 in Genf ein noch sehr junger, hocharomatischer Wein mit Langstreckenpotential – 91+/100. Nur einmal, 2001, hatte ich den Dalmau von Marques de Murrietta im Glas, den ich gewöhnungsbedürftig und nicht groß fand – 84/100. Unkompliziert, fruchtig und saftig 1998 sowohl der normale Enate als auch die Reserva. Dürften inzwischen beide zu alt sein. Der Mauro Vendemnia Seleccionada war 2006 voll auf dem Punkt, frisch gegerbtes Leder, Mokka, Röstaromen, leicht animalisch, am Gaumen so weich, reif und dabei so nachhaltig und üppig mit feiner, karamelliger Süße. Das ist moderner, reifer Rioja vom Allerfeinsten - 96/100. 1998 und 99 mehrfach konstant auf 92/100 Niveau ein kraftvoller Hacienda Monasterio Reserva, der sicher immer noch voll da ist. Gut gelungen in 1994 die Weine von Alejandro Fernandez, die mir allerdings zur Jahrtausenwende am besten gefielen und zum Teil schon wieder abbauen. Die Pesquera 2000 Cuvée aus der Magnum explodiert 2000 am Gaumen mit irrer aromatischer Dichte, riesiges Teil, als Essensbegleiter eigentlich zu mächtig – 95/100. Auf gleichem Niveau habe ich um die Jahrtausendwende auch mehrfach die Pesquera Reserva Especial getrunken. Der zuverlässigste, langlebigste Wein ist für mich aber die normale Pesquera Reserva, bisher gut 10mal mit konstant 93-94/100 im Glas. Kopfzerbrechen bereitet mir der Pesquera Janus. Parkers 97/100 hatte ich da noch nie im Glas. Immerhin reichte es 2001 und 2003 mal für 95/100. Doch dann ging es schagartig bergab. 2005 in einer Best Bottle bei Schorn in erbärmlicher Verfassung – 86/100. Stand 2007 bei René Gabriels großer Spanien Verkostung völlig neben den Schuhen – 87/100. Und 2008 aus eigenen, top-gelagerten Beständen notierte ich nur: was für eine üble Plörre, keine Frucht, dafür reichlich bittere Blumenerde, war´s das schon ? - 85/100. Zweimal hatte ich die Remirez de Ganuza Reserva im Glas, 2002 als 1tel und 2005 als Magnum. Beide Male war der Wein verschlossen, tanninig, fruchtlos – 85/100. Deutlich zu jung war 1999 der Roda I Reserva, der sich inzwischen geöffnet haben müsste. Torre Muga begann 2002 begann mit korkähnlicher Figeac-Nase, dazu deutlicher Medizinal-Ton mit massig Jod, sehr weich und im Abgang ganz schön dünn – 89/100. Vega Sicilia Unico war 1995 zweimal ein mächtiger Wein mit süßer, schwarzbeeriger Frucht und faszinierender Aromatik, für einen Unico erstaunlich zugänglich und trinkreif - 96/100. 2007 auf René Gabriels Spanien-Probe Ein sehr vielschichtiges, großes Konzentrat mit gewaltiger, druckvoller Aromatik. Damit kann man eine stundenlange Rundreise durch alle großen Gewürz- und Kräuterläden dieser Welt machen - 96/100. Die bisher jüngste Flasche 2008 in der Braui, kam eher nobel, distinguiert und vornehm zurückhaltend daher. Ein sehr feiner, eleganter Wein, mineralisch, mit kräftiger Säure, viel Hollunder und reifen Kirschen. Baute mit der Zeit sehr schön aus und wurde deutlich süßer und üppiger - 94+/100. Nicht viel schlechter mehrfach die 94 abgefüllte (erkennt man an der Lot Nr.) Vega Sicilia Unico Reserva Especial.
Großartiger Jahrgang in Kalifornien. Gehört unter den modernen Kalifornien-Jahrgängen zu meinen Favoriten, häufig und immer sehr gerne verkoste. Alle nachfolgenden Weine sind, wenn nicht anders erwähnt, Cabernet Sauvignons bzw. entsprechende Cuvées. Der seit 1999 mehrfach getrunkene Abreu zeigte zuletzt 2005 immer noch ein superdichtes, junges Schwarzpupur, wirkte insgesamt sehr jung und entwickelt sich im Schneckentempo, konzentrierte süße, aber nicht überladene Frucht, Minze, viel Mineralität im Abgang, ein großer kalifornischer Bordeaux mit 20 Jahren Zukunft – 95/100. Ein Alban Edna Valley Syrah Reserve ging 2009 mit seiner rauchigen Aromatik, dem gebratenen Speck, der puren Cassis-Frucht als deutlich jüngerer Côte Rotie durch - 92/100. Altamura Cabernet Sauvignon wirkte 2010 schon recht reif und weich am Gaumen, aber doch mit faszinierender, eher von Sekundäraromatik bestimmter Aromatik, elegant mit feinem Schmelz – 92/100. Sechsmal hatte ich bis 2005 den inzwischen gut gereiften Anderson´ s Conn Valley Vineyard Reserve mit 92-94/100 im Glas. Ein gutes Dutzend Mal hatte ich den wie ein Zwilling von Abreu wirkenden Araujo Eisele Vineyard mit konstant 95+/100 im Glas, wirkt zwar reif, hat aber noch viel Zukunft. Reif müsste inzwischen der 1998 noch arg tanninige John Arns sein. Beaulieu Cabernet Sauvignon Reserve George de Latour hatte 1998 nicht die Klasse früherer Jahrgänge, wirkte offen, weich und etwas gemacht – 88/100. Der mehrfach getrunkene Beringer Bancroft Vineyard Merlot war zuletzt 2004 geiler vollreifer Merlot mit viel schmelzigerSchokolade und noch mehr Alkohol - 93/100. Macht sicher noch Spaß. Der gut 15mal getrunkene Beringer Cabernet Sauvignon Private Reserve war zuletzt 2009 dreimal ein einfach ein perfekt gereifter, großer Bordeaux mit ledriger, tabakiger Nase und feiner kalifornischer Frucht, konstant - 95/100. Der Beringer Chabot Vineyard war zuletzt 2004 voll auf dem Punkt mit feiner, reifer Frucht und einer schönen, kräuterigen Note. Sehr Bordeaux-typisch mit einem Schuss Exotik - 95/100. Noch etwas feiner, aber nicht auf diesem Niveau der Beringer Rhine House Selection, zuletzt 2003 – 91/100. Kein Vergnügen mehr 2009 der etwas staubig und ausgetrocknet wirkende Grenache Clos de Gilroy von Bonny Doon – 81/100. Schlichtweg perfekt ist der mehrfach getrunkene Bryant Family Vineyard. Zuletzt 2009 dichtes Rubinrot, sehr präzise Frucht, minzig-frisch, unglaublich druckvolle Aromatik am Gaumen und noch so jung wirkend, ein komplexer, zeitloser Riese, bei dem alle Elemente in perfekter Harmonie zusammenpassen - 100/100. Schlichtweg sensationell hat sich der schon häufig getrunkene, normale Caymus entwickelt. Zuletzt 2009 auf der American Beauty II war das ein großartiger Wein, minzig, Eukalytus, aber auch eine klassische Bordeaux-Aromatik mit viel Leder und Schokolade. Viel Süße, sehr fein und gefällig - 97/100. Damit läge er für deutlich kleineres Geld auf einem Niveau mit dem Caymus Special Selection, den ich zuletzt 2008 getrunken habe, wirkte reif, sehr offen mit herrlicher Frucht, süß mit Karamell, aber auch etwas Eukalyptus und Minze, immer noch kraftvoll, dicht, komplex und sehr lang am Gaumen - 97/100. Ein hemmungsloser, aber nicht überladener Spaßwein ist Colgin Herb Lamb, den ich seit 2000 sechsmal euphorisch im Glas hatte, zuletzt wieder auf der American Beauty I 2008 mit 97/100. Nur einmal, 1998, habe ich den seinerzeit trotz schöner Frucht etwas verhaltenen Corison getrunken, der sich inzwischen zu einem soliden 90+/100 Wein entwickelt haben müsste. Sehr gut haben mir alle Weine von Diamond Creek gefallen. Der extrem rare Lake war 1997 im Spago in Las Vegas ein sehr feiner Sitzenwein mit fantastischer Brombeernase – 95/100. Erstaunlich leicht (12,5%) und zugänglich, fruchtig, mineralisch 1998 in Las Vegas der Red Rock Terrace - 92/100. Groß und immer noch sehr jung ist Dominus. 1998 in seiner Fruchtphase habe ich ihn einmal gegen Harlan getrunken, wo er sich erst auf der Zielgrade geschlagen geben musste – 99/100. Danach hatte ich ihn noch gut 15mal im Glas, je nach Lagerung und Flaschenzustand mit 95-99/100. Zuletzt 2009 im Rössli in Bad Ragaz in tiefer Nacht leicht animalisch in der Nase. Da war nicht nur der Ledersattel, sondern auch das zugehörige Pferd samt Stall, in der Machart Bordeaux pur, aber endlich auch mal mit einem Schuss Hedonismus, erstaunlich süß für einen Dominus, der machte wirklich große Freude - 97/100. Kurz danach auf der American Beauty II sehr jung, sehr lakritzig und kräuterig, kraftvoll, jung mit puristischer Frucht und Struktur - 96+/100. Zuletzt 2009 auf Sylt 97/100 und dann 2010 auf der American Beauty III einfach verrückt diese Nase mit Cassis, Holunder, Blaubeere, Minze, Leder, Kräuter und Zedernholz, nicht plump und aufdringlich, sondern unglaublich vielschichtig, am Gaumen immer noch mächtige, aber reife Tannine, beeindruckender Tiefgang, perfekter Spagat zwischen kalifornischem Hedonismus und der Struktur eines großen Pauillac, kann sicher noch etwas zulegen und hat Potential für gut 2 Jahrzehnte – 97+/100. Hat Potential für 20+ Jahre. Lange warten muss man meist auf die sehr langlebigen Weine von Randy Dunn. Der Dunn Howell Mountain hatte zuletzt 2006 eine pfeffrig-minzige Aromatik, üppige Frucht, Kraft ohne Ende, für Dunn erstaunlich trinkbar, aber da kommt innerhalb der nächsten 10 Jahre noch deutlich mehr - 92++/100. Noch zugänglicher, aber nicht ganz auf diesem Niveau 2009 der Dunn Napa Valley – 92/100. Der schon häufig auf 95/100 Niveau getrunkene Etude war zuletzt 2008 aus der Magnum Faszination pur, klar war da jede Menge satte, reife Frucht, Cassis in Reinkultur, aber nicht aufdringlich, sondern mit sehr nachhaltiger, dabei fast seidiger Eleganz und Frische, aus der Magnum immer noch jugendlich wirkend - 95/100. Trotz schöner, süßer Frucht auf hohem Niveau eher etwas simpel und einfältig fand ich 1997 den Far Niente – 90/100. Sehr kräftig und würzig war 1999 in Las Vegas der Ferrari Carano Tresor, der inzwischen reif sein müsste – 92/100. Sehr würzig, pfeffrig mit deutlichen Tanninen und nicht unbedingt mein Ding 1997 ein Fetzer Zinfandel Barrel Select – 85/100. Der schon häufig mit konstanter Bewertung getrunkene Flora Springs Rutherford Hills Reserve war zuletzt 2006 ein Powerwein mit dichter Farbe und einem leichten Touch Überextraktion. Dadurch zeigt er neben reifer, würziger Frucht, Lakritze und Veilchen auch oxidative und balsamische Noten und Amarone-Anklänge - 93/100. Der Grace Family Vineyard war 1997 m Spago in Las Vegas ein unglaubliches Konzentrat mit massiven Tannine, das nach 10 weiteren Jahren Lagerung schrie mit Potential für 96-100/100. Grgich Hills war 1997 in Colorado ein klassisch strukturierter Wein mit präziser Frucht – 92/100. Gut 15mal hatte ich seit 1998 Harlan im Glas, konstant mit 100/100(!). Zuletzt im Sommer 2008 im Wiin Kööv machte dieser kalifornische Super Pauillac wieder sprachlos. Es fällt schwer, diesem Monument mit Worten überhaupt gerecht zu werden. Die Quadratur des Kreises, der junge reife Latour nahm vom gesamten Gaumen Besitz. Da stimmte einfach alles, dichte, reife, dezent süße Frucht, unerhörte Mineralität mit leichten Bleistift-Anklängen a la Mouton, perfekte Struktur, wie aus feinstem Marmor gemeißelt, unglaubliche Länge. Mit seiner faszinierenden Aromatik und seiner Strahlkraft ist dieser Harlan jetzt schon eine Weinlegende, ein 100/100 Wein ohne Wenn und Aber. Für einen normalen Heitz Cabernet konnte ich mich 1999 auf dem Gut nicht erwärmen, relativ helle Farbe, leicht oxidativer Ton, wenig Frucht und Substanz – 82/100. Heitz Trailside hatte 2003 dichte Kirschfrucht, schön trinkbar trotz immer noch deutlicher Tannine, im Abgang feine Süße - 91/100. Hess Collection war 2008 top-gereift, weich, sehr würzig mit intensiver Minze und etwas Eukalyptus - 91/100. Ein dekadent-geiler Superstoff auf 96/100 Niveau war der La Jota 13th Anniversary häufig bis 2000. Dann war plötzlich der Lack ab. Nach mehreren, sehr enttäuschenden Flaschen kam er schließlich 2007 deutlich ziviler wieder mit 93/100 ins Glas. Ähnlich beim einfachen La Jota Howell Mountain. Das war allerdings zuletzt 2008 auf Sylt ein unendlich weicher, zugänglicher Wein mit feiner Minze, voll auf dem Punkt mit toller Länge, einfach betörend schön - 94/100. konzentriert, total verschlossen und tanninig 1998 ein Laurel Glen Counterpoint – 85+/100. Ein Russian River Merlot Reserve von Martini hatte 1998 in Zürich bereits eine leichte Brauntönung, auch in der Nase erste oxidative Töne, die sich am Gaumen fortsetzten – 82/100. Sehr enttäuschend 1999 in San Francisco das Edelteil von Matanzas Creek, der Merlot Journey in superschwerer Flasche mit Goldbändchen, aber ziemlich flachem enttäuschendem Inhalt – 87/100. Sicher immer noch ein Genuss aber der normale Matanzas Creek Merlot, ein kraftvoller, schokoladiger Wein mit guter Struktur, den ich bis 2000 stets mit 92/100 im Glas hatte. Mayacamas wirkte 2007 sehr unbalanciert, immer noch massive Tannine, aber auch Reifetöne, Kirschfrucht, mal wirkt der Wein gereift, dann wieder total verschlossen, dann lugt wieder etwas süße Frucht hervor, hat mich ziemlich ratlos gemacht - 86/100. Breit und langweilig war der Mondavi Reserve wie schon so oft in den Jahren davor auch bei der American Beauty im Frühjahr 2008. Doch bei unserer Weihnachts Best Bottle im Dezember 2008 zeigte sich, dass dieser Wein nur im Stile großer Bordeaux für einige Zeit in der Versenkung verschwundenwar , sich jetzt aber wieder langsam öffnete. Immer noch sehr jung wirkend, viel Veilchen und Lakritz, sehr fein, elegant, finessig, aber auch sehr nachhaltig, entwickelt sich in Richtung eines großen, klassischen Medoc und hat eine lange Zukunft – 94+/100. Schon etliche Jahre nicht mehr getrunken habe ich den seinerzeit sehr verschlossenen, aber gewaltiges Potential anzeigenden Chateau Montelena, der sich aber inzwischen am Beginn einer langen Trinkreife auf sicher 95/100 Niveau befinden müsste. Top-gereift war 2003 ein Oakford Vineyards – 92/100. Bis 2000 habe ich Opus One mehrfach mit konstant 92/100 getrunken, voll trinkbar, aber noch kräftige, weiche und gut maskierte Tannine, keine kalifornische Opulenz, eher Bordeaux, aber auch etwas glatt. 2009 in der Stilistik einem Mouton nicht unähnlich mit ähnlicher Mineralität und Struktur, aber auch mit generöserer, süßerer Frucht und kräuteriger Note, bei aller Komplexität und Länge sehr weich und üppig, einfach ein Spaßwein auf hohem Niveau – 93/100. Weit über ein Dutzend mal hatte ich Pahlmeyer als gewaltiges, konzentriertes, hedonistisches Weinerlebnis im Glas, Kalifornien pur mit satter Frucht, konstant 96/100. Doch ab etwa 2003 hatte der Wein einen Durchhänger. Nach mehereren, erstaunlich zahmen und eher enttäuschenden Flaschen war der Pahlmeyer zuletzt 2009 wieder voll da und wunderbar mit guter Frucht und Struktur - 95/100. Sehr gut gefiel mir mehrfach auf konstant 94-95/100 Niveau der langlebige Les Pavots von Peter Michael, von dem ich allerdings 2007 auch eine fruchtlos-bittere, wohl fehlerhafte Flasche vor mir hatte. Zuletzt 2010 auf der American Beauty III meine bisher beste Flasche, sehr würzig, Mokka, Espresso, Zedernholz, salzige Mineralität, samtig am Gaumen, aber enorm druckvoll und mit gewaltigem Abgang – 97/100. 8mal hatte ich zwischen 1998 und 2003 Phelps Insignia mit konstant 96/100 im Glas, ein offenerer, üppigerer, gefälligerer Stil als die klassischen Insignias und ein gewaltiges Fruchtkonzentrat. Da ist noch reichlich Musik drin, während der in den 90ern häufig getrunkene Phelps Merlot seine besten Zeiten lange hinter sich hat. Nur einmal, 1997 in Las Vegas, habe ich Quintessa getrunken. Das war damals Easy Drinking auf hohem Niveau – 91/100. In den letzten Zügen müsste inzwischen der mehrfach Ende der Neunziger auf 90/100 getrunkene Raymond Private Reserve liegen, ebenso der schwächere Raymond Generations. Gut 50mal habe ich inzwischen aus diversen Flaschenformaten mit konstant 94-95/100 Ridge Monte Bello getrunken, zuletzt mehrfach 2009, diesen perfekt balancierten, sehr extraktreichen, fruchtigen, inzwischen weitgehend reifen Wein, von der Aromatik her ein Medoc aus Kalifornien mit nur 12,5% Alkohol, der sicher noch 10-15 Jahre auf diesem Niveau halten wird. Der mehrfach getrunkene Heritage Reserve von Schug war zuletzt 2005 reifer mit leicht karamelliger Süße, dazu die Minze und der kalifornische Eukalyptus, faszinierende Mischung aus einem 59er YGAY und einem reifen Insignia, dabei ohne jede Schwere – 92/100. Ein Sonoma County Pinot Noir von William Selyem war 2006 in Las Vegas perfekt gereift und genau auf dem Punkt erwischt. Machte trotz sehr heller, reifer Farbe einen unglaublichen Spaß mit reifer Himbeere, feiner Fruchtsüße und beachtlicher Länge am Gaumen - 92/100. Und was ist mit Shafer Hillside Select los, der Ende der 90er mehrfach ähnlichen Spaß machte wie heute die 2001er und 2002er? 2003 notierte ich: Übergangsstadium? Wo ist die Frucht geblieben? Immer noch viel Tannin, Bitterstoffe, kommt mit der Zeit, beachtliche Länge am Gaumen, in 5 Jahren wieder probieren 93/100. Und genau dies fünf Jahre später dann 2008: Statt Lebensfreude eher Schwermut, etwas dumpf und verschlossen wirkend mit dunklen Früchten. Immer noch massive Tannine, wirkt etwas bitter am Gaumen – 91/100. Und dann 2010 die Erlösung, in der sehr spannenden, vielschichtigen Nase süße Frucht, Cassis, Schwarzkirsche, Bitterschokolade, Teer, Tabak, auch Leder und natürlich Minze. Die immer noch sehr dichte Farbe natürlich nicht mehr mit diesem überdrehten jugendlichen Purpurmetallic, eher erste, ganz dezente Reifetöne. Am Gaumen sehr elegant und harmonisch mit viel Minze, stilistisch eher etwas Richtung Bordeaux tendierend, nicht mehr der hedonistische, jugendliche Knaller, eher feiner, immer neue Facetten zeigend mit sehr viel Spiel. Keine Frage, dieser Shafer ist auf dem Wege vom jungen Helden zum Charakterdarsteller, ein großer Wein, bei dem die gute Tannin- und Säurestruktur noch ein langes Leben garantiert – 98/100. Gut 10mal hatte ich seit 1998 und zuletzt 2006 den an seiner typischen Dillnot leicht zu erkennenden Silver Oak Alexander mit konstant 92/100 im Glas. 92/100 gab ich zuletzt auch dem inzwischen reifen Silver Oak Napa, den ich in früheren Jahren mehrfach mit bis zu 96/100 getrunken habe. Eher auf der leichteren Seite und nicht mehr mit der alten Klasse 1997 ein Simi – 88/100. Spottswoode war mehrfach in 1998 ein sehr fruchtiger Powerstoff. Ein Wein zum Kauen – 92/100. Sehr gut entwickelt hat sich der zu Anfang total verschlossene Stag´s Leap Cask 23. Trank sich zuletzt 2004 und 2005 wunderschön auf 94/100 Niveau. Müsste bei mäßigen 86 Parker Punkten ein Schnäppchen sein. Rasch abgebaut hat dagegen der Stag´s Leap Fay Vineyard, der schon 2002 deutliche Schwächen zeigte. Ein druckvoller Superstoff mit toller Frucht war 1998 im Spago in Las Vegas der Staglin Family Vineyard – 94/100. Ein Sterling Reserve war 1999 weich, zugänglich und sehr aromatisch, allerdings ohne die Konzentration der großen 94er Cabs – 92/100. Sullivan hatte 1998 schon in der Nase aufdringliche Fruchtigkeit wie ausgepreßte Maoams, am Gaumen nicht viel besser – 83/100. Noch ganz am Anfang und erst seit wenigen Jahren überhaupt trinkbar ist Togni. Zuletzt 2009 in der Traube Trimbach hatte der eine superdichte, junge Farbe ohne jedes Alter, in der Nase reichlich schwarze Johannisbeere mit toller Minzfrische. Am Gaumen war er puritisch, geradlinig und einfach traumhaft schön mit gewaltigem Potential bis in die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts - 96+/100. Ein 1997 an Bord eines United-Fluges getrunkener Trefethen hatte eine schöne Cassis und Brombeernase, gute Tannine, war aber ansonsten eher einfach gestrickt mit kurzem Abgang – 84/100. Viader war 1998 und 99 mehrfach voll da, trotz aller Kraft fast weicher, eleganter Wein ohne Ecken und Kanten – 92/100. Der ultrarare Vineyard 29, von dem nur 100 Kisten produziert wurden, hatte 1997 in Las Vegas eine sehr dichte Farbe, stahlige, verschlossene Frucht, und massive Tannine. Mit längerer Lagerung waren da auch mehr als die damaligen 90/100 drin.
Entgegen der landläufigen Meinung können gute, kalifornische Chardonnays teilweise recht gut altern. Da lassen sich aus einem Jahr wie 1994 immer noch gut trinkbare Weine finden. Sicher immer noch gut trinkbar ist der bis 1999 mehrfach in sehr jugendlicher Form mit 90+/100 genossene Au Bon Climat Bien Nacido Chardonnay. Recht langlebig sind auch die Beringer Chardonnays. Der häufig auf konstant hohem Niveau getrunkene Private Reserve hatte zuletzt 2004 keinerlei Zeichen von Alter, war sehr finessig und harmonisch – 95/100. Ein Northern Sonoma Chardonnay von Gallo war 1998 schon ziemlich hin und kein Genuss mehr. Der seit 1997 häufig getrunkene Grgich Hills Chardonnay war 2004 zweimal ein komplexer, perfekt gereifter Chardonnay. Noch längst nicht am Ende - 92/100. Der Durell Vineyard Chardonnay von Kistler war 1997 ein gewöhnungsbedürftiges, massives, holzlastiges Monstrum mit wenig Frucht, dafür intensivem Stinker mit bitteren Walnüssen. Sechs Jahre später, 2003, war das ein irrer Powerstoff, der sich ganz toll entwickelt hatte und als großer Burgunder durchging - 95/100. Sehr langlebig und nach etlichen Jahren Lagerung verlangend sind die Kistler Chardonnays. Gerne würde ich noch mal den McCrea trinken, der 1997 noch viel zu jung war. Der Vine Hill war 2004 ein sehr finessiger, würziger, noch immer frisch wirkender Chardonnay mit Zitrusaromen, deutlichem Holzton und guter Länge am Gaumen - 93/100. Sehr fein, elegant und nachhaltig 1998 ein Mays Canyon Russian River Valley Chardonnay von Littorai – 90/100. Mehrfach 1998 und 99 auf Sylt im Veneto ein ausgewogener, schöner Merryvale Chardonnay, der aber inzwischen schon zu alt sein dürfte, damals 90/100. Peter Michaels Mon Plaisir hat mir 1998 ausnehmend gut gefallen. Könnte wie alle Peter Michael Chardonnays aus kühl gelagerten Flaschen noch gut sein. Ebenso der großartige, sehr klassisch strukturierte Talbott T Diamond Chardonnay, den ich noch sehr jung und kräftig 1998 und 99 jeweils mit 95/100 getrunken habe.
Der Violetta Late Harvest von Grgich wirkte 1999 mit schöner Honignase wie eine etwas zu fette, säurearme BA – 87/100.
Ein Adelsheim Pinot Noir Seven Springs Vineyard aus Oregon wirkte 1997 wie eine wie Cuvée aus Pinot und Shiraz mit bonbonhafter Süße und Intensität, am Gaumen völlig trocken, damals 92/100, inzwischen wahrscheinlich zu alt. Ein Leonetti Columbia Valley Cabernet Sauvignon hatte 1999 dichtes, junges Purpur, offensive, üppige kalifornische Nase im besten Sinne, am Gaumen mit kräftigen, aber sehr reifen und weichen Tanninen und wunderbarer Fruchtsüße. Euphorisch gaben wir damals für diese süße Orgie 95/100 und mehr. Ich habe aber Zweifel, dass solch ein Wein gut altert.
Sehr guter Weinjahrgang in Australien. Sechsmal, zuletzt 2005, habe ich den The Armagh von Jim Berry getrunken, einen Vollblut Shiraz mit pfeffrig-würzige Nase, süß, portig, Erdbeerkonfitüre, ein Wein, den man so auf ´s Brötchen schmieren könnte, tat mit seiner irren noch jugendlichen Süße 2005 immer noch fast weh am Gaumen – 95/100. Ein Domaine A Pinot Noir aus Tasmanien war 1997 auf dem Weinforum in Arosa sehr fein, seidig und weich – 88/100. Henschke Hill of Grace war 1999 im UVA in Boston rabenschwarz, kräftig, lang aber völlig anders als Grange, angeblich soll´s die französische Eiche sein, in jedem Fall ein feiner, echter Klassiker mit hohem Alterungspotential – 97/100. Ein großer Fan war ich früher von Penfolds Bin 707. Der hatte 2008 immer noch eine altersfreie, sehr dichte Farbe, sehr üppige, süße Frucht, Blaubeere, Cassis, irre Süße auch am Gaumen, sehr intensiv, mir zu dick, wirkte immer noch recht jung, andererseits sind die Tannine kaum spürbar. Ich kann mich noch gut an die ersten 1997 getrunkenen Flaschen dieses Weines erinnern, schwarz wie Ägyptens Nächte, kräftiges, forderndes Tannin. Seitdem hat der 707 deutlich an Kontur verloren. Er ist breiter und leider auch etwas langweiliger geworden, macht aber immer noch viel Spaß - 92/100. Zuletzt 2010 ein generöser, fülliger, schmelziger, minziger, süßer Kalifornier Made in Australia, einfach ein geiles, hedonistisches Teil zum hemmungslos genießen – 93/100. Der an sich gut gelungene Penfolds Grange, von dem ich bisher nur in Boston eine fehlerhafte Flasche hatte, liegt noch unberührt in meinem Keller und wird nachgeliefert. Eile besteht bei diesem Wein mit Sicherheit nicht. Süß, lecker, bonbonhaft, aber auch etwas eindimensional und aufdringlich war 1997 der Balmoral Syrah von Rosemount – 87/100.
Bei der Grange-Probe 1999 in Lehrbach war der Penfolds Chardonnay Bin 99A eine dicke, fette, australische Sau mit deutlichen Röstaromen und viel Gewicht, Holz, viel spürbarem Alkohol – 90/100. Zuletzt 2006 zeigte er sich deutlich ziviler und harmonischer, aber immer noch erstaunlich frisch mit guter Säure und breitem Strauß exotischer Frucht - 91/100. Noch schön anzusehen war der Roxburgh Chardonnay Hunter Valley von Rosemount 2008 im Wiin Kööv mit seiner brillianten Farbe von Orangenmarmelade. Das war es dann aber auch. Trinken konnte man dieses Zeugs nicht mehr.
Der Providence Matanka aus Neuseeland hatte 2004 in der Traube Grevenbroich eine helle, sehr reife Farbe, machte auch am Gaumen den Eindruck eines zweifellos sehr schönen, aber voll ausgereiften 50 Jahre alten Bordeaux, aromatischer Trinkgenuss auf 90/100 Niveau, aber sicher nicht mehr lange.
Ein wundervoller Süßwein war 2001 ein Vin de Constance aus Südafrika mit der Süße einer guten Crême Brulée und sehr guter Säure – 95/100
Schlecht sah es 1994 mit Champagner aus. Reichlich Regen zur Erntezeit machte die Hoffnung auf Jahrgangschampagner zunichte..
Sehr gutes Portweinjahr. Erstaunlich gut war 1998 im Landhaus Bacher schon Niepoort zu trinken – 93/100.
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