Tenuta di Trinoro im Vergleich
Tenuta di Trinoro im Vergleich
Einst war das Gut ein hochgelobter Highflyer, jetzt hört man garnichts mehr davon: Tenuta di Trinoro. Wineterminator hat mit ein paar Freunden die Jahrgänge 97, 98 und 99 in einer Blindprobe nachverkostet.
Im ersten Flight standen die drei Palazzi 97, 98, 99 und als Pirat der hochgelobte 2000 La Fleur Petrus. 1997 Palazzi war auf hohem Niveau der schwächste der drei italienischen Edel-Merlots. Er zeigte erst eine Trüffelnase, dann kamen leicht käsige Töne, dahinter lagen stramme Tannine. Ich kenne ihn fruchtiger und habe Sorge, er trocknet langsam aus, ein Schicksal, das er leider mit vielen italienischen Topweinen teil, trotzdem noch 92/100. Grandios war der 98er Palazzi, Bitterschokolade mit reifen, dunklen Früchten, auch ein Schuß Kakao, süchtig machender Stoff mit noch reichlich Potential 96/100. Auch der 1999er war ein hochklassiger, konzentrierter Merlot, der dabei eine ganz erstaunliche Frische und Finesse zeigte 96/100. Der 2000er La Fleur Petrus schlug sich wacker, war aber gegen die Konzentrierte Frucht der 98er und 99er Palazzis im direkten Vergleich chancenlos. Das mag auch am zu Anfang gezeigten Figeac-ähnlichen Fehlton gelegen haben. Der ging mit der Zeit weg und zum Vorschein kam ein satter Pomerol mit strammen Tanninen, 93/100 mit Potential für mehr. Die Zeit spricht dabei eindeutig für den La Fleur, der seine Trinkreife erst in gut 5 Jahren erreicht haben dürfte. Bis dahin habe ich meine Palazzis längst ausgetrunken. Noch schöner als heute werden sie nicht, und was die Lagerfähigkeit angeht, traue ich dem Braten nicht.
Christos Kokkalis mit der "Schweizer Brigade"
Bei den Trinoros, der Cabernet-Variante von Tenuta di Trinoro, machte ebenfalls der 97er wieder auf hohem Niveau Sorgen. Er war sehr kräftig, wirkte tanninig und war wohl wie 97 Palazzi auf dem Italo-austrocknungsweg 91/100. 1998 hingegegen überzeugte mit superdichter Farbe und Kakao ohne Ende. Ein konzentrierter Superstoff, hohe, gut eingebundene Säure, könnte langlebig sein, ganz großer Wein 96/100. 1999 lag auf ähnlichem Niveau, war aber deutlich reifer und schmeichlerischer. Er zeigte eine superreife, geile Frucht wie Palazzi und dazu Süßholz ohne Ende. Sensationell schlug sich der Pirat, ein 1999er Trilogia, den 2 von uns sechsen an die erste Stelle setzten. Begeistert vom 99er Trilogia war auch Trilogia-Winzer Christos Kokkalis, der seinen eigenen Wein zwar nicht erkannte, ihn aber klar favorisierte. (WT/März2004)

