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April 2009
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U N D E W I G S C H R E I T D E R P Ü R I E R S T A B
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Zu den angesagten Restaurants von Barcelona gehört es, dieses Commerc24. Mit Carles Abellan steht hier einer der Eleven von Feran Adrià(El Bulli) am Herd. So verwundert auch nicht, dass die Küche dieses modern gestylten Restaurants sehr molekular geprägt ist. Schon wieder nur dieses Geglibber? – meinte meine Begleiterin. Man muss sie halt mögen, diese Stilrichtung, deren Tage wohl inzwischen gezählt sind. Ich fand die ersten molekularen Esserlebnisse vor 5 Jahren noch durchaus spannend. Inzwischen geht mir diese „Schäumchenküche“ ziemlich auf den Keks. Aber Geschmäcker sind ja durchaus verschieden, nicht nur beim Wein. Deshalb kann ich das Commerc24 trotzdem experimentierfreudigen Essern eigentlich bedingungslos empfehlen. Vor allem natürlich den 495.000 von den 500.000, die jährlich versuchen, im legendären El Bulli einen Platz zu bekommen und abschlägig beschieden werden. Das Commerc24 ist sicher nicht ganz so spektakulär, dafür deutlich näher, deutlich preiswerter und deutlich reservierbarer. Nur empfehle ich dringend einen Tisch im eigentlichen Restaurant. Wir saßen (zu) nah bei der Küche, zwar sehr kommod und mit viel Platz, aber eben auch mit dem dauernden Geschrei des Pürierstabes, der unaufhörlich bissfeste Speisen in die besagten Schäumchen verwandelte. Sehr kompetent der Sommelier des Hauses, Antonio Lopo. Aus der Karte wählten wir zunächst einen 2005 Termanthia, der sich erstaunlich offen und zugänglich zeigte. Dicht gewebte, dunkle Frucht, salzige Mineralität, gutes Tanningerüst, aber mit den großen Termanthias z.B. aus 2001 nicht vergleichbar – 94/100. Ähnliches galt danach für den 2003 Shafer Hillside Select. Der war dick, üppig mit praller, süßer Frucht, aber da fehlten einfach die Struktur und die Spannung, die in größeren Jahren aus den Hillside Selects so einzigartige Weine machen – 94/100. Als Abschluss genehmigten wir uns noch eine 2006 Wehlener Sonnenuhr BA von Kerpen. Sehr reife, würzige, süße, leicht exotische Frucht, trotz guter Säure recht dickflüssig mit viel Honig und guter Mineralität, eigentlich noch ein Jahrzehnt zu jung – 91/100. Übrigens ist die komplette Weinkarte des Commerc24 auf der Website des Restaurants einsehbar.
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E I N E C H T E R S A I T T A V I N I - A P R I L
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Meine Lieblings-Cantina, Saittavini, gefällt mir gleich noch ein Stück besser, wenn ich wieder draußen Platz nehmen darf. Da war der diesjährige April mit seinem frühsommerlichen Wetter wieder so richtig nach meinem Geschmack. Fast wie im Hochsommer pulsierte hier das Leben, und auch in meinen Gläsern war an diesen Abenden mächtig was los. Und das waren die Highlights des ersten dieser Saittavini-Abende. Natürlich zum Aufwärmen immer dabei ein ewiger Klassiker, 2006 Uhlen L von Heymann Löwenstein, ein geiles Teil mit explosiver, fast üppiger, enorm mineralischer Aromatik, sehr gute Struktur und Säure, kann nicht besser, nur anders werden, trinkt sich derzeit wunderbar -. 93/100. Zweimal habe ich 2006 Tignanello getrunken, der jetzt in bestechender Frühform ist. Reife Kirschfrucht, weiche, reife Tannine, toller Schmelz und irre Länge, Tignanello hatte ich selten so groß im Glas – 94/100. Schwerer tat ich mich da schon mit 2006 Guado al Tasso. Der wirkte zu Anfang wie eine Reklame für Straßenbelag. Ein ungehobelter Kraftbolzen mit Teer ohne Ende, erst nach gut 2 Stunden kamen da immer mehr reife Brombeere und Bitterschokolade zum Vorschein, sicher besser in 2-3 Jahren – 92+/100. Noch weniger kam ich mit 2004 50&50 von Avignonesi und Capannelle klar. Der wirkte ziemlich anstrengend und sperrig mit hoher Säure, so eine Art italienischer Montrose aus schwierigerem Jahr. Gut möglich, dass da in den nächsten Jahren noch mehr kommt – 87+(?)/100. Auch bei 2001 Gallina von La Spinetta kam in dieser inzwischen herrlichen, immer noch warmen Nacht nicht so recht die große Freude auf, der wirkte einfach noch sehr tanninbetont und etwas monolithisch – 88/100.
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A U F D E M W E G Z U M 1 8 . P U N K T
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Schlichtweg außerirdisch gut haben wir bei unserem letzten Besuch in der Traube in Trimbach gegessen. Arno Sgier ist auf Idealkurs zum 18. GaultMillau-Punkt. Wir hatten den schon auf dem Teller. Eigentlich waren wir ja nur wegen der Weine gekommen, aber bei dieser Küchenleistung würde ich wohl sogar auch ohne Weinkarte in die Traube gehen. An der phänomenalen Weinkarte erstaunen mich nicht nur immer wieder Umfang und Qualität. Es ist vor allem die gastfreundliche Kalkulation, die hier zu hemmungslosem Zugreifen animiert. Gestartet waren wir quasi als Apero mit der Leichtigkeit des Seins in Form einer wunderbaren 1997 Graacher Himmelreich Auslese von JJ Prüm – 92/100. Und danach ging es gleich ins Eingemachte, 2001 Meursault Perrières von Coche Dury gegen 2002 Meursault Perrières. Wo auf dieser Erde kann man das noch in einem Restaurant trinken, vom Bezahlen wollen wir gar nicht reden. Was für ein Vergleich, was für Weine! 2001 am Gaumen der fettere, offenere, voll auf dem Punkt wirkend, 2002 der jüngere, strukturiertere, mit gewaltiger Zukunft. In der Nase war es genau umgekehrt. Hier überzeugte 2002 mit einer süchtig machenden Traumnase, explosive Mineralität, exotische Früchte, nussig, Menthol, zeigte immer neue Facetten. Zum jetzt trinken ist der offenere 2001er, ebenfalls mit einer sehr mineralischen Nase, mit viel Mandeln und Grapefruit, mit seiner dezent fetten Opulenz einfach allererste Wahl und ein Weißer Burgunder, wie besser kaum geht – 98/100. Dem 2002er würde ich noch etwas Zeit geben, da kommt auch am Gaumen noch deutlich mehr – 96+/100.
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Mit zwei alten Bekannten ging es weiter, die aber beide nicht die Klasse unseres letzten Besuches in der Traube(WeinMomente November 2008) erreichten. 1982 Romanée St. Vivant von DRC wirkte in der Nase deutlich älter als beim letzten Mal und zeigte auch Mufftöne, die aber mit der Zeit verschwanden, sehr reife, helle Farbe mit deutlichen Brauntönen. Sehr skeptisch waren wir, doch der Romanée St. Vivant baute im Glas enorm aus und entwickelte am Gaumen die klassische, druckvolle Aromatik eines großen, reifen Burgunders, diese perfekte Mischung aus Kraft und seidiger Eleganz kombiniert mit unendlicher Länge – 95/100. Deutlich weniger Glück hatten wir mit 1989 Silver Oak Napa Valley. Da war der Lack ab, kräuterig, medizinal und mit deutlich oxidativen Noten – 81/100. Das kann nur eine Schrottflasche gewesen sein. Hochspannend dann der Vergleich von 1992 Dominus und 1994 Togni. Der jugendliche Togni hatte eine superdichte, junge Farbe ohne jedes Alter, in der Nase reichlich schwarze Johannisbeere mit toller Minzfrische. Am Gaumen war er puritisch, geradlinig und einfach traumhaft schön mit gewaltigem Potential bis in die zweite Hälfte dieses Jahrhunderts – 96+/100. Suchen, kaufen und wegsperren! Der Dominus war deutlich weiter. Mit seiner traumhaft schönen, ledrigen Bordeaux-Nase und seinem druckvollen Gaumen war dieser gewaltige Pauillac aus Bordeaux eigentlich der ideale Pirat für eine große Bordeaux-Probe – 97/100. Habe ich schon sehr oft getrunken, aber noch nie mit dieser absolut überragenden Qualität. Und noch ein spannendes Pärchen wartete auf uns. 1986 Cos d´Estournel erinnerte mit seiner Nase von schwarzer Johannisbeere, seiner puren, reintönigen Frucht etwas an den 94 Togni, immer noch so jung und wohl definiert mit prägnanter, stützender Säure, ein Wein gemacht für noch lange Zeit – 95/100. Ein Traum im anderen Glas 1986 Pichon Comtesse, ein großartiger, hocheleganter, aber auch kraftvoller, komplexer Wein mit Bitterschokolade ohne Ende und sehr langem Abgang – 96/100. Beide Weine hatte Arno Sgier erst kürzlich aus einem perfekten Privatkeller erworben und mit kleinem Aufschlag auf seine Karte gesetzt. Sollten Ihre 86er anders schmecken, würde ich statt in die 2008er Subskription lieber in die Isolierung und Klimatisierung Ihres Weinkellers investieren. Auf wie viel Weinkarten dieser Welt gibt es Lafleur und dann auch noch aus der Magnum? Keine Frage, diese 1999 Lafleur Magnum musste es noch sein. Mit Dominus zusammen war das der (Rot)Wein des Abends. Die große Kaffee und Kräuter Orgie, jugendlich und doch schon zugänglich zugleich, aus der Magnum noch mal einen Tick besser als in der Lafleur-Probe vor einigen Wochen – 97/100. Sicher in 99 einer der Bordeaux des Jahrgangs. Wie man z.B. von Düsseldorf problemlos in dieses einmalige Lokal kommt? Einfach rechtzeitig zwei preiswerte Air Berlin Tickets kaufen und dann direkt mit dem Zug aus dem Flughafen nach Olten. Das geht schnell und klappt zum Beispiel auch prima für einen ausgiebigen Lunch.
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V I N D E P L A I S I R
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Eine kleine, feine Runde waren wir an diesem Abend im Restaurant Dado des Düsseldorfer Innside Hotels. Küchenchef Yves Deval-Block kochte wieder wie der Teufel, und die Weine gaben ihr Bestes. Ein feiner Einstieg in diesen genüsslichen Abend war eine 1988 Wehlener Sonnenuhr Auslese Goldkapsel von JJ Prüm. Weich, reif und rund, aber auch mit guter Säure und Frische, feine Honig- und Kräuternoten, sehr harmonisch und finessig, dabei fast schwerelos leicht – 93/100. Sehr jung in der Anmutung noch der 1995 Le Pin, den ich eigentlich deutlich offener kenne. Aus dieser Flasche hier sattes Kirschrot, etwas kompakte Kirschfrucht, die an Ridge Monte Bello erinnerte, viel Lakritz, etwas bissig wirkend und noch von deutlichen Tanninen geprägt. Öffnete sich zögerlich, dunkle Schokolade mit hohem Kakaoanteil, sehr komplex und druckvoll am Gaumen, irre Länge, reichlich Zukunft – 95+/100. Hedonismus pur ein im Vergleich getrunkener 1995 Valandraud. Tiefes Schwarzrot, von Kaffee und Röstaromen geprägte, verschwenderische Nase, am Gaumen einfach dekadent lecker mit Schokolade, Milchkaffee und süßem Schmelz – 95/100. Eine gute Zukunft dürfte auch 1979 Margaux immer noch haben. Immer noch sehr dichte Farbe ohne Alter, sehr feinduftige, eindrückliche Nase voller feiner Beerenfrucht, am Gaumen schlank, fast sehnig, aber auch mit jugendlicher, druckvoller Aromatik, seidiger Textur und beeindruckender Länge – 93/100. Bei 1970 Latour scheint es nur zwei Möglichkeiten zu geben, hopp oder topp. Zu viele enttäuschende Flaschen hatte ich von diesem Wein schon. Doch diese hier war Latour in Perfektion. Superfarbe, die klassische Latour-Aromatik mit der leicht bitteren Walnussnote, eine Tour de Force am Gaumen und irrer Abgang. Latour in dieser Form geht nicht besser – 100/100.
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G R Ü N D O N N E R S T A G
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Bunt gemischt unsere diesjährige Gründonnerstags-Probe. Vorösterliche Freude ebenso im Glas wie Karfreitagsstimmung. Gut eingestimmt wurden wir mit einem 2007 Schloss Johannisberg Silberlack Grosses Gewächs. Ein sehr eleganter, feiner und harmonischer Wein, Zitrusfrüchte, reife Säure, sehr harmonisch und stimmig, kann noch zulegen – 90+/100. Das galt leider nicht für den 2001 Chablis 1er Cru Les Vaillons von Albert Bichot, der eher in die Abteilung Karfreitag gehörte. In der Nase etwas verbrannter Gummi, überreifer Apfel, am Gaumen furztrocken, sehnig, bereits etwas gezehrt wirkend, leicht käsig, trockener Sherry, absolut charmefrei – 83/100. Und das galt auch nur für die bessere von zwei halben Flaschen, die andere war völlig hin. Riesengroß dann 1997 Singerriedel Riesling Smaragd von Hirtzberger. Ein gewaltiger, kräftiger Wein, der nach Luft und Platz schrie. Im kleinen Glas wirkte der wie Klitscko auf dem Kindersitz. Startete sehr frisch mit Zitrusfrüchten, reifen Orangen, apfeliger Säure und dezenter Extraktsüße, kraftvoll und balanciert, immer noch so jung, baute enorm im Glas aus, Orange wurde zu Cassis, dazu kam eine explosive, salzige Mineralik, knallte am Gaumen, immer noch enorme Zukunft – 95/100. Nicht sagen konnte man Letzteres vom 1992 Grünen Veltliner Rotes Tor Smaragd, ebenfalls von Hirtzberger. Sehr verhaltene Nase, alkoholisch, brandig und furztrocken wirkend, im Abgang bitter und metallisch, hat die beste Zeit schön länger hinter sich – 84/100. Zeitlos elegant mit etwas Petrol und dezenter Süße eine 1966 Wehlener Sonnenuhr feine Auslese von SA Prüm. In der Nase Gebäcknoten und Apfeltarte, sehr harmonisch am Gaumen, gewinnt zum Essen – 90/100. Während die Sonnenuhr mit Luft zulegte, war es bei einer 1990 Erbacher Schlossberg Auslese von Schloss Reinhartshausen genau anders herum. Startete mit wunderbarer, jugendlicher , süßer Fülle und immer noch guter Säure, aber es fehlte die Finesse. Mit der Zeit wurde dieser Wein immer breiter und langweiliger – 89/100. Dankbar war ich, dass einer aus unserer Runde den in letzter Zeit so hoch gelobten 2002 Mouton Rothschild mitgebracht hatte. Üppige Beerenfrucht mit Vanillesauce in der süßen Nase, die noch das Schönste an diesem Wein war. Am Gaumen eher schlank mit etwas unreifen, grünen Tönen, viel Tannin, etwas Kaffee, derzeit wohl eher in einem schwierigen Stadium – 92+/100. Große Begeisterung kam am Tisch nicht auf, dafür allgemeines Kopfschütteln, als der Wein aufgedeckt wurde. Ein guter Mouton, der sich sicherlich noch weiter entwickeln wird, aber sicher kein wirklich großer. Bei der Arrivage hatte ich diesen Wein, der mich sehr an 1993 erinnerte, seinerzeit mit 93/100 im Glas. Da wird er wohl auch mal landen, vielleicht im Trinkoptimum auch noch 1-2 Punkte höher. 1998 war ein großes Pomerol-Jahr, sicher auf Augenhöhe mit 2000. Wie schön, dass das verschlafene und etwas vernachlässigte Chateau Rouget rechtzeitig wach geküsst wurde. So entstand hier mit 1998 Rouget ein fruchtig-saftiger, schokoladiger Pomerol mit erstaunlich tiefer Farbe und reifen, weichen Tanninen, der für wenig Geld noch etliche Jahre großen Trinkspaß bereiten wird – 91/100. Der 1978 Solaia, den wir danach im Glas hatten, ist der erste seiner Art, damals noch aus 80% Cabernet Sauvignon und 20% Cabernet Franc. Er ging mal wieder als großer, perfekt gereifter Bordeaux durch. Wunderbar reife, füllige, leicht süße Nase mit kirschiger und pflaumiger Frucht, aber auch etwas Honig, am Gaumen burgundische Pracht und Fülle mit viel Komplexität undTiefgang, wird malziger, Kaffeetöne und bleibt ewig am Gaumen, einfach ein Monument – 97/100. Noch ein paar Jahre von der vollen Trinkreife entfernt schien der 1999 Brunello di Montalcino Montosoli von Altesino. Viel Schwarzkirsche, Lakritz, Veilchen, aber auch animalische Noten, am Gaumen immer noch etwas rauer Kern, ätherische Noten, aber auch viel Alkohol, wird sich in den nächsten Jahren noch glätten und mehr als die heutigen 91+/100 bringen. Und schon waren wir nach diesen Highlights wieder bei Karfreitag mit einem 2001 Gloria. In der Nase seltsame, stechende Mischung aus Pissoir und Kaffee, auch am Gaumen streng. Freude buchstabiert man anders. Ein kleiner, frucht- und freudloser Wein für Engländer, die anschließend mit der Wärmflasche ins Bett gehen – 85/100. Kraftvoll, aber auch etwas rustikal wirkte der immer noch recht junge 2001 Chateau de Crouseilles aus Madiran. In der Nase reife Kirsche und Kirschlikör, dazu Schokolade und etwas Lakritz, am Gaumen körperreich und sehr alkoholisch wirkend, steigt in den Kopf – 87/100. Wie gut, dass danach mit einem 1990 Heitz Martha´s Vineyard wieder Ostern kam. Den hatte ich schon öfters im Glas, aber nie so offen und einfach sexy. Reichlich Minze und Eukalyptus und dazu eine wunderbare, süße Fülle, dabei so komplex und lang und einfach süchtig machend, der erste Heitz mit Schokonoten, traumhaft – 95/100. Dazu hatte er deutlich mehr Struktur als der nachfolgende 1995 Phelps Insignia. Immer noch jugendliches Schwarzpurpur, in der Nase reife Kirsche und Brombeere, hohe Extraktsüße, auch Nougat, am Gaumen üppige Fülle, etwas ausladend, in dieser Form fast etwas kitschig, aber ungemein lecker – 94/100. Und dann kam der riesengroße 1988 Mouton Rothschild ins Glas, leider wohl zu kurz dekantiert. Ich bin kein Freund des übermäßigen „tot“dekantierens, weil dabei häufig die Frucht verloren geht. Doch wer den 88er Mouton in seiner vollen, immer noch jugendlichen Pracht mit den klassischen Mouton-Zutaten wie Bleistift, Leder und der klassischen Röstaromatik erleben möchte, der sollte ihn 4-5 Stunden vorher dekantieren. So mussten wir auf immerhin 95+/100 Niveau Potentialtrinker spielen. Nicht dekantieren musste man dagegen den 1991 Pommard von Comte Armand. Am besten lässt man die Flasche ganz zu. Ein anstrengender, kleinerer Wein mit viel bissigem, etwas unreifem Tannin, viel Säure und wenig Frucht – 82/100. Rauf und runter gingen meine Notizen bei den 1961 Cos d´Estournel, die ich bisher trinken durfte. An diesem Abend war es dann meine bisher schönste Flasche, ein traumhaft dichter, immer noch recht jugendlich wirkender, minziger Stoff mit sehr druckvoller Aromatik und endlosem Abgang – 96/100. Schade, den 1929 Branaire Ducru, den wir als letzten Wein ins Glas bekamen, hätte ich mir gerne als Höhepunkt gewünscht. Aber an dem nagte bereits sehr kräftig der Zahn der Zeit. Immer noch sehr dicht die Farbe, in der eher etwas diffusen Nase kämpften leicht morbide Süße, flüchtige Säure und Kaffee um die Vorherrschaft, auch am Gaumen mit seinem etwas bitteren Abgang waren da schon deutliche Verfallserscheinungen. Trotzdem war dieser Senior nicht ohne Charme – 83/100.
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F L Ü S S I G E O S T E R E I E R
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Sylt war bei mir angesagt zu Ostern. Brechend voll natürlich wieder die Insel, doch wir hatten durch rechtzeitige Reservierung bei den üblichen Verdächtigen vorgesorgt. Im Munkmarscher Fährhaus starteten wir mit einem 2003 Chardonnay Belle Côte von Peter Michael. Viel Holz, noch mehr Vanille, die exotische Frucht wird zu Anfang schier erdrückt, krabbelt aber mit der Zeit hervor und passt sich mit ihrer opulenten Fülle und Süße gut ein. Ein dickes, modernes, kalifornisches Teil, am Gaumen durch die hohe Extraktsüße und den Alkohol lang anhaltender Schmelz, gehört jung getrunken – 93/100. Traumhaft schön danach ein 1999 Trilogia. Erste Reife, wunderbare, exotische Fülle, Schokolade, Kokosraspeln, Nougat, Minzfrische, aber auch noch gute Frucht, am Gaumen weich, seidig-elegant und sehr lang mit feiner Süße – 95/100. Für mich der bisher schönste Trilogia. Bei Jörg Müller starteten wir am Abend danach mit einem 2001 Meursault Charmes von Comte Lafon. Nur die goldgelbe Farbe zeigte erste Reife, in der Nase und am Gaumen war das noch ein Weinbaby, allerdings mit prächtigen Anlagen, sehr mineralisch, kräftige, aber reife Säure, komplex, sehr präzise strukturiert mit enormem Tiefgang und guter Länge. Ein Parade-Meursault mit würziger Frucht, der jetzt schon Spaß macht und sich über 10-15 Jahre weiterentwickeln wird – 93+/100. Schon sehr gut zu trinken war auch ein 1996 Grand Puy Lacoste. Feine Johannisbeere in edler Bitter-Trüffelschokolade, sehr elegant, aber auch immer noch mit kräftigem Tanningerüst. Wird mal ein genialer Nachfolger von 82/85/89 und 90, aber nur für diejenigen, die es schaffen, noch 5 Jahre von der Kiste fern zu bleiben – 92+/100 mit Potential für 3-4 mehr. Probiert habe ich auch wieder den noch einigermaßen bezahlbaren 1981 Lafleur. Der hatte natürlich nicht die Konzentration der großen Lafleurs, war aber ein sehr feiner, etwas kleinerer Lafleur mit Ricola pur, kräuterig mit feiner Süße und viel Lakritz, voll da und einfach rund am Gaumen – 93/100. Das perfekte Äquivalent des Birnenkonfit zum überbackenen Friesisch Blue, der vor mir stand, war die reife Birne pur der 2003 Nackenheimer Rothenberg Auslese von Gunderloch. Für 2003 erstaunliche Säure. Von der süßen Fülle und dem unendlichen Schmelz her eine BA. Egal was dieser große Wein begleiten soll, er bleibt die Hauptperson – 94/100. Traumstoff danach ein perfekt gereifter, sehr komplexer, nachhaltiger, mineralischer 1994 Riesling Kellerberg Smaragd von F.X. Pichler mit fantastischer Länge und Fülle, hatte ich noch nie so gut im Glas – 97/100. Erstaunlich schön zum Abschluss auch ein blind servierter 1990 Ihringer Winklerberg Spätburgunder Auslese trocken von Stigler, der durchaus burgundische Konturen zeigte – 90/100. Im Kampener Wiin Kööv bei Klaus und Nina kam als erstes der sehr hoch gelobte 2007 Frauenberg Großes Gewächs von Battenfeld-Spanier auf den Tisch. Ein eher schlanker, sehr mineralischer Wein mit zurückhaltender, nobler Eleganz, der Zeit und Luft, besser aber noch ein paar Jahre Lagerung braucht – 90+/100. Aber wahrscheinlich wird dieser Wein wie viele große Rieslinge ausgetrunken sein, bevor er auch nur ansatzweise zeigen kann, was er drauf hat. Weltklasse dann 1989 Clos St. Hune Vendage Tardive von Trimbach. Deutlich weiter als eine Flasche aus eigenen Beständen, die ich erst im Januar in Düsseldorf mit Jörg Müller getrunken hatte(94+/100). Kräftiges Goldgelb, in der Nase nur ganz dezenter Petrolton, viel Zitrus, reife Ananas, florale Aromen und eine leicht karamellige Süße, am Gaumen hohe Mineralität und kaum noch spürbare, gut eingebundene Restsüße. So dicht, so komplex, ein weißer Lafite für Rotweintrinker – 97/100. Sicher mit Potential für 10+ Jahre. Ob Warten auch beim 1986 Gewürztraminer Clos St. Landelin Cuvée Odile von René Muré hilft? Dieser 15%-Wein zeigte sich sehr süß mit pfeffrig-würziger Frucht und wirkte etwas dick und unbalanciert – 85?/100. Noch viel zu jung danach der 2007 Gantenbein Chardonnay, der in ein paar Jahren sicher mal 92-94/100 ins Glas bringt. Ein Wein mit fantastischen Anlagen, der aber derzeit besser noch zu bleibt. Wir wechselten noch eine Runde ins rote Lager. Kopfschütteln beim 2005 Trilogia. Der wirkte üppig, alkoholisch mit reifer Brombeere, Teer, viel neuem Holz und Vanille, aber irgendwo auch etwas diffus und neben den Schuhen. Habe ich vor ein paar Jahren mal beim 2002er erlebt. Da ging dieses Stadium vorüber. Wird es hier also wohl auch. Deutlich offener als im letzten Jahr an gleicher Stelle 2000 Solaia. Dominierten da vor Jahresfrist noch die Tannine, so war das jetzt rechtzeitig dekantiert eine riesengroße Praline, so schokoladig, reif und lecker, enorm im Glas ausbauend und bei aller Zugänglichkeit mit toller Struktur – 94/100. Den vierten und letzten der Oster-Abende verbrachten wir bei Suzanne und André Speisser in der Weinstube Hardy. Hier ging es mit einem 2005 Meursault Seigneurs de Blagny von den Caves de Hautes Côtes de Beaune los. Der war sehr frisch mit präziser, würziger Frucht, guter Säure und klaren Konturen. Endlich mal ein gelungener „einfacher“ aber nicht simpler Meursault – 90/100. Weiter ging es mit einem echten Preis-/Leistungssieger, dem 2005 Le Carillon aus Pomerol. Ein saftig-schokoladiger Vollblut-Merlot, der mit großen Namen locker mitkann – und, wie schön, irgendwann ist die Flasche leer, aber das Portemonnaie noch lange nicht – 92/100. Dann kam als Überraschung ein 1951 Chambolle Musigny von Docteur Barolet. Der hatte zwar eine reife, schon verdammt helle und bräunliche Farbe, war aber in der Nase und am Gaumen noch so aromatisch und dabei so verschwenderisch süß, karamellig und lang mit Pracht und Fülle, ein grandioser, kompletter, großer Burgunder aus einem Schrottjahr, schier unglaublich – 95/100. Absolut betörend danach auch wieder ein 2001 Trottevieille, elegant und samtig-weich am Gaumen mit feiner, schwarzer Johannisbeere, etwas Schokolade und Lakritz – 90/100. Als Abschluss tranken wir noch einen 1983 Wolfberger Gewürztraminer aus dem Elsass. Dieser einstmals sehr süße, häufiger Mitte der 80er bei Hardy getrunkene Wein ist inzwischen fast trocken mit sehr würziger Frucht und einer an Wrigley Spearmint erinnernden Nase – 88/100. Auf Mallorca regnete es an Ostern bei mal gerade 10 Grad. Sylt hatte wolkenlosen Himmel und mindestens doppelt so hohe Temperaturen. Da war schon pralles Strandleben angesagt, und auch die Außenterrassen der Restaurants brummten. Wir nutzen einen dieser sonnigen, frühen Nachmittage und ließen uns in Kampen beim Österreicher nach ein paar Antipasti einen herrlichen Kaiserschmarrn schmecken. Zu den Antipasti begleitete uns ein würzig-frischer, ziemlich kräftiger und nachhaltiger, mit gut 14% Alkohol aber auch nicht gerade leichtgewichtiger 2007 Grüner Veltliner Alte Reben von Markowitsch – 88/100. Zum Kaiserschmarrn stiegen wir auf eine 2001 Zwischen den Seen Scheurebe TBA #4 von Kracher um. Das war ein ganz schön fettes, süßes Teil, gegen das der Kaiserschmarrn fast „trocken“ wirkte. Bereits ziemlich dunkle Farbe, dickflüssig und Viskosität wie Motoröl, für die üppige Süße mit etwas zuwenig Säure, überreife, fast likörige Aprikose, Orangenschalen, Waldhonig, nicht ohne Charme, aber eher ein Dessert für sich als ein Begleiter eines solchen – 92/100. An der Buhne 16 verkosteten wir noch einen 2007 Small Hill von Hillinger aus der letztjährigen Kollektion. Ein kleines, fruchtig-leichtes Sommerweinchen, nicht besonders ausdrucksstark – 79/100. Da war die neue 2008 Cuvée Grande Plage schon ein anderes Kaliber. Vom Weingut Heger stammt diese spannende Cuvée aus Grauburgunder, Weißburgunder und Rivaner, sehr frisch, Hollunder, Stachelbeere, trotz angenehmer Fülle faszinierende Leichtigkeit und sympathische 11,5% Alkohol, könnte mein Strandwein 2009 werden – 87/100.
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P E R F E K T G E R E I F T E B O R D E A U X B E I G R A S H O F F
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Seit fast 140 Jahren ist dieses Grashoff als gelungene Mischung aus Feinkosthandlung und Bistro eine Institution in Bremen. Klar mussten wir da am frühen Nachmittag noch hin. Nicht nur weil die Seniorchefs Jürgen und Barbara Schmidt sehr sympathische, liebe Leute sind. Uns reizte natürlich auch die Weinkarte. Und spätestens da wurde es gefährlich. Guter Bordeaux schmeckt dann am besten, wenn er in Subskription oder bei Auslieferung gekauft und danach in Ruhe unter perfekten Bedingungen gelagert wurde. Klar sind eine 81er Comtesse, ein 76er La Mission oder ein 79er Leo inzwischen mit Vorsicht zu genießen, es sei denn, sie kommen aus besten Händen. Denn nur dann sind all diese Weine immer noch eine Offenbarung. Und genau das war hier der Fall. Kein Wunder, dass es da nicht bei einer Flasche blieb. Solche Gelegenheiten sind einfach selten, die muss Mann/Frau konsequent nutzen. Mit einem großartigen 1996 Pol Roger spülten wir erst mal die Valandraud-Reste vom Gaumen. Sehr präzise Frucht, mineralisch, perfekte Struktur, sehr straight, ein großer Champagner aus großem Jahr mit noch viel Zukunft – 96/100. Und dann ging´s gleich ins Eingemachte. 1970 La Tour Haut Brion kam auf den Tisch und in die Gläser. Ein Bordeaux alter Schule und ein klassischer 70er zugleich, sehr straff gewirkt, Massen an Teer, darunter Mokka und Kaffee, immer noch jung wirkend mit strammem Tanningerüst und deutlicher Strenge am Gaumen, in Flaschen wie dieser noch Potential für gut 2 Jahrzehnte – 90+/100. Deutlich schmusiger ging es dann am Gaumen mit einer 1985 Pichon Comtesse zu. Die war so großartig, dass einer aus unserer Runde per Handy seine Gattin, bekennende Comtesse-Liebhaberin, herbeizitierte und gleich noch eine zweite Flasche bestellte. Das war Comtesse in Vollendung, geiler, reifer Schmelz, seidige Eleganz, einfach ein hedonistischer Traum – 96/100. Da wollten wir dann, natürlich rein aus Studienzwecken, auch noch die eigentlich inzwischen längst verblichene 1981 Pichon Comtesse probieren. Die war absolut traumhaft und kaum schlechter als 85, für mich wie ein Rückblick in vergangene Tage – 94/100. Der Hausherr konnte unsere Begeisterung zwar verstehen, stand aber selbst mehr auf jüngere Weine. Er stellte uns einen 1996 Pichon Baron auf den Tisch. Der war kräftiger, männlicher, schon recht zugänglich, kam aber mit der unendlichen Eleganz der Comtesse nicht mit – 93/100. Vielleicht sollten wir diesen Wein an gleicher Ort und Stelle in 10 Jahren noch einmal probieren. Wir gruben weiter in der Grashoff´schen Weinschatztruhe und förderten einen sehr feinen 1979 Haut Brion zu Tage, rauchig, Leder, Trüffel und Cigarbox – 92/100. Auch der nachfolgende 1979 Leoville las Cases war von erstaunlich bestechender Qualität, einfach klassischer, reifer Cabernet, weich am Gaumen ohne die früher so störenden, sperrigen Tannine – 93/100. Noch nie auch nur annähernd so gut im Glas wie an diesem Nachmittag hatte ich 1976 La Mission Haut Brion. Die klassische Cigarbox-Nase, am Gaumen tolle Struktur und Länge, reif ja, aber keinesfalls alt – 93/100. Zu guter Letzt genehmigten wir uns dann noch eine 1979 Pichon Comtesse. Auch das wie ein Zeitsprung um 10 Jahre zurück. Unglaublich, wie gut sich diese Comtesse wie alle Weine vorher präsentierte. Einfach wunderschön und Comtesse pur, seidig, elegant und sehr aromatisch mit feiner, trüffeliger Note – 93/100. Bei älteren Wein liegen zwischen den üblichen Auktions-Wanderpokalen, den „Dachbodenfunden“ und diversen dubiosen Ebay Flaschen einerseits und solch sorgfältig gehüteten und gepflegten Schätzen aus erster Hand einfach Welten. Ein herrlicher Nachmittag war das. Fast schade, dass irgendwann jemand zum Aufbruch blies, schließlich mussten wir ja noch ins Bremer Rathaus zum Gala Dinner. Ich hätte jetzt noch gut und gerne bis Mitternacht mit Jürgen und Barbara Schmidt im Grashoff weiter sitzen bleiben können. Einfach gut drauf und bordeaux–selig waren wir, als wir dann bei der abendlichen Festtafel eintrafen. Da war jetzt natürlich Kondition und Standvermögen gefragt. Das hatten wir, zumindest bis auf Einen, der rasch mit der Nase in die Suppe fiel und sich dann samt Gattin vorzeitig verabschiedete.
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A L T G E G E N J U N G
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Bringt jeweils einen jüngeren und einen älteren Wein ein und desselben Weingutes mit, hatte uns unser Gastgeber aufgetragen. Das taten wir dann auch. Gleich in der ersten Paarung bekam dann der Begriff „alt“ gleich eine ganz besondere Prägung. Merkwürdige Mischung aus Kohlsuppe, Kaffee, altem Leder und Karamell, am Gaumen sehr bitter, ins tiefe Dunkelbraun gehende, sehr reife Farbe, wirkte wie ein 28er, war aber ein einfacher kaputter 1989 Troplong Mondot aus ansonsten sehr guter Lagerung. Ganz anders im Glas daneben 1998 Troplong Mondot. Tiefes Dunkelrot, Cassis pur, reife Brombeere, hohe Mineralität, immer noch massive, etwas trockene Tannine, ein gewaltiger, ausladender Wein, der erst am Anfang der Trinkreife steht – 93/100. Erste, deutliche Reifetöne zeigte in der nächsten Paarung 1983 Haut Brion in der Farbe, war aber ansonsten voll da, absolut faszinierend und ohne Schwächen. In der Nase die volle Ladung Weihnachtsgewürz, Lakritz, Süße, Maulbeeren, Cigarbox, Tabak und Leder, auch am Gaumen sehr druckvolle Aromatik – 94/100. Der größere Wein war hier im Vergleich der 1995 Haut Brion, obwohl der am Anfang noch etwas verschlossen wirkte. Das gab sich im Glas jedoch rasch. Erste Trinkreife zeigt dieser großartig strukturierte Wein, kraftvoll und elegant zugleich mit wunderbarer Frucht, mit viel Tabak, Teer und Cigarbox, bleibt ewig lang am Gaumen und hat noch Steigerungspotential – 95/100. Vierzig Jahre lagen zwischen den nächsten beiden Weinen. Hier war der Senior der eindeutige Sieger. 1959 Ducru Beaucaillou. Rauchige Nase, baut enorm im Glas aus, bleibt dabei aber leichtfüßig und elegant, wirkt deutlich jünger und ist nur im Abgang etwas kurz – 93/100. 1999 Ducru Beaucaillou hat eine etwas laktische, an Blaubeeryoghurt erinnernde Nase, wirkt weich, schokoladig, exotisch, sehr modern gemacht und fast etwas Bordeaux-untypisch – 91/100. Und noch mal 40 Jahre Unterschied im nächsten Flight. Natürlich hatte 1950 Gazin eine reifere, hellere Farbe als sein jüngerer Bruder. Aber da war immer noch eine feine, rotbeerige Frucht, so eine intensive, druckvolle Aromatik, Seide ohne Ende am Gaumen und ein sehr langer Abgang, burgundisch im besten Sinne – 95/100. In absoluter Topform auch 1990 Gazin. Pfeffrige Frucht, reife Schwarzkirsche, massig Bitterschokolade, füllig, saftig, sehr kräuterig und etwas Richtung Lafleur gehend, einfach riesengroßer Trinkspaß mit toller Länge am Gaumen – 95/100. Den Sieger der beiden kürt der jeweilige Geschmack. Altweinfans liegen beim 50er, Jungweinfreaks natürlich beim 90er, obwohl der ja inzwischen ja auch schon fast 20 Jahre auf dem Buckel hat. Gleich zwei Ausfälle gab es in der nächsten Runde. Mausetot und absolut „unlecker“ lag der animalische, sehr säuerliche 1955 Palmer im Glas. Schade, das ist in guten Flaschen ein großer Wein. Nicht besser ging es seinem Herausforderer, 1995 Palmer, der sich mit einem üblen Kork präsentierte. Unser Gastgeber zauberte dann als Ersatz einen 1998 Palmer herbei, üppig offen, druckvoll mit satter pflaumiger Frucht und reifen Tanninen – 92/100. Wie relativ alt und jung bei Weinen sind, zeigte dann unsere letzte Paarung. Der 1998 Alta Vista Alto war zumindest in dieser Flasche schon deutlich über den Höhepunkt hinaus und wirkte recht diffus. Eine seltsame aromatische Mischung aus vanillig, oxidativ und rosinig – 84/100. Der 2003 Alta Vista Alto hatte eine süße, vanillige Frucht, ein Spaßwein par Excellence auf hohem Niveau – 93/100. Insgesamt ein spannendes Probenthema, das sicher nach Wiederholung schreit.
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H A P P Y B I R T H D A Y
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Zu einem runden Geburtstag waren wir eingeladen. Ein kleines, überschaubares Fest mit prächtiger Stimmung, prächtigem Essen und vor allem prächtigen Weinen, letztere nur aus Magnums und noch größeren Behältnissen. Von den diversen, zu angeregten Gesprächen servierten Weißweinen gefiel mir am besten ein 2005 Idig von Christmann, offen, saftig, durchaus mit viel Tiefgang, aber vor allem ein riesengroßer, schmelziger Schmusewein für den Gaumen – 94/100. Nach den Weißen gab es zum Gaumenputzen erst mal eine 1994 Pichon Comtesse. Kein großer Wein, sehr rustikal, aber für diesen Zweck ganz brauchbar – 87/100. Für das Geburtstagskind mag die umfassende, ausführliche Laudatio, die einer der Gäste vortrug, der Höhepunkt gewesen sein, für uns waren das drei große Rotweine aus Doppelmagnums, derer wir uns eingehend in einer kleineren Runde von Hardcore-Weinfreaks widmeten. Groß wieder 1989 Lynch Bages mit offener, süßer Frucht, viel Zedernholz und immer noch mächtigen, aber weichen Tanninen – 95/100. Völlig daneben lag ich bei der üblichen Raterei beim nächsten Wein, einem 1998 Beaucastel Hommage Perrin. Vor 7 Jahren hatte ich den schon mal in einer Probe. Da war das ein dichtes, zugenageltes Monstrum. Jetzt aus der DM präsentierte er sich so offen, so hedonistisch schön mit satter, schon fast etwas liköriger Kirschfrucht und mit Schokolade ohne Ende, erinnerte mich spontan an Schorns geilen Schokoladenkuchen, auf den noch etwas schwarzen Pfeffer und etwas Fleur de Sel für die salzige Mineralität und schon läge so ein Perrin auf dem Teller. Ein sehr fleischiger, fülliger Wein mit gleichzeitig seidiger Eleganz, jetzt in einem ersten Trinkhöhepunkt – 97/100. Aber auch der Dritte im Bunde, ein 1996 Ducru Beaucaillou aus der DM, musste sich nicht verstecken. Ein sehr kraftvoller, konzentrierter Wein mit reichlich Cassis, hoher, an Mouton erinnernder Mineralität und einem gewaltigen Tanningerüst, sicher der beste Ducru seit 1961, ein völlig neuer Stil mit Potential für etliche Jahrzehnte – 95+/100.
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D Ü S S E L D O R F S S C H Ö N S T E T E R R A S S E
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Traumhaft schön am Rhein liegt linksrheinisch direkt hinter der Düsseldorfer Stadtgrenze das Landhaus Mönchenwerth. Unter großen, alten Bäumen in unmittelbarer Nähe des Flusses einen lauschigen Sommerabend zu verbringen, das hat was. Ganz spontan waren wir an diesem Abend hier gelandet und hatten das große Glück eines freien Tisches. Dort starteten wir zu einem famosen Spargel Panna Cotta mit einem 2007 Chardonnay von Martin Pasler aus dem Burgendland. Ein sehr frischer, reintöniger Chardonnay aus dem Stahltank mit klarer Frucht und gutem Gaumenfluss, ein perfekter Sommerwein – 88/100. Sehr angenehm überrascht war ich auch von einem 1999 Branaire Ducru. Der präsentierte sich für diesen allgemein trinkreifen Jahrgang erstaunlich kräftig und bissig mit immer noch präsenten Tanninen, aber auch reifer Kirschfrucht. Könnte sich als recht langlebig entpuppen – 91/100. Überhaupt nicht klar kam ich zum Schluss mit einem 1996 Les Pagodes de Cos. Der hatte wohl mit dem Grand Vin nur die Postadresse gemeinsam. Paprika in der Nase, Paprika am Gaumen, ein harmloses Wässerchen ohne Trinkspaß, das überall hingehört, nur nicht in mein Glas – 84/100.
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Z U G A S T B E I D E N S T A P P E N S
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Rappelvoll war es an diesem Sonntagmittag im Gasthaus Stappen in Liedberg einem unserer Stamm- und Lieblingslokale. Von Wirtschaftskrise keine Spur, oder gerade doch? In Zeiten wie den jetzigen trennt sich die Spreu vom Weizen. Wo das Preis-/Leistungsverhältnis wirklich stimmt, bleiben die Gäste so schnell nicht aus. So empfiehlt sich bei den Stappens nach wie vor eine rechtzeitige Buchung. Dabei ist das Erfolgsgeheimnis dieses wunderbaren Landgasthofes, der schon lange kein Geheimtipp mehr ist (u.a. 14/20 im GaultMillau), ein ganz simples. Koche sehr gut und reichlich, behandle Deine Gäste freundlich und halte Dich bei den Preisen maßvoll zurück. Eigentlich ein ganz simples Rezept, das aber nur wenige so gut beherrschen wie Carmen und Franz Josef Stappen. Wir haben uns diesmal mit größtem Vergnügen über das fünfgängige Menü von Hummer und Spargel hergemacht. Hohe Qualität und große Portionen für ganze € 55. Dazu kam als erstes ein gnädig kalkulierter 2007 Wolfer Goldgrube Spätlese feinherb von Vollenweider auf den Tisch. Feinherb - was für ein grässliches Wort, klingt wie halbschwanger oder lauwarm. Dabei ist es gerade die perfekt eingebundene Restsüße von 26g, die diesen harmonisch trocken wirkenden Wein mit seiner cremigen Textur, seiner animierenden Frucht und seiner Mineralität so interessant macht – 90/100. Ein perfekter Essensbegleiter, der schnell geleert war. Aus der von Carmen Stappen mit viel Liebe und Sachverstand zusammengestellten Karte wählten wir dann noch einen 2005 Nuits-Saint-Georges 1er Cru Les Chaignots von der Domaine Georges Mugneret. Was für ein Prachtburgunder in erster Zugänglichkeit! Vollreife dunkle Beeren in getrüffelter Bitterschokolade, kraftvoll und mit samtiger, nachhaltiger Eleganz zugleich. Ein hochspannender Wein mit toller Struktur und schöner Länge am Gaumen – 93/100. Angesichts utopischer Preise hatte ich die 2005er Burgunder Kampagne an mir vorbeiziehen lassen. Das war wohl ein Fehler, zumal es hier wie auch in Bordeaux abseits der ganz großen Namen hervorragende Qualitäten gegeben hat. Zum Abschluss gönnte ich mir noch ein Glas 2005 Eiswein vom Grünen Veltliner vom Weingut Türk aus dem österreichischen Kremstal. Reifes Goldgelb, Ananas, reife Zitrusfrüchte, Honig, am Gaumen sehr cremig mit animierender, etwas verhaltener Säure, sehr lang, wirkt immer noch etwas jung mit viel Babyspeck – 91/100. Wurde wie alle Süßweine des Hauses und viele andere Weine auch offen ausgeschenkt. Bleibt die Vorfreude auf den nächsten Besuch in diesem sympathischen Haus. Übrigens haben die Stappens eine stets aktuelle, sehr gute Website mit kompletter Speise- und Weinkarte.
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Mai 2009 | März 2009
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