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April 2010

S T I R N R U N Z E L N   U N D   G R O S S E   F R E U D E 

Eigentlich hätte ich den Begrüßungsschluck blind erkennen müssen. Hatte ich die 2007 Hermannshöhle Großes Gewächs doch gerade erst kurz vorher mit Helmut Dönnhoff zusammen getrunken. Aber der Wein vor mir hatte überhaupt nichts von der Dönnhoff´schen mineralischen Brillianz. Stattdessen Pfälzer Rustikalität, das fing ja gut an.
Die nächste Überraschung, allerdings in positiver Richtung, waren die beiden Shafer Hillside Selects. In ihrer Jugend waren das grandiose, hedonistische Weine, bei denen ich Parkers 99/100 voll teilen konnte. Doch irgendwie schienen diese beiden Weine das neue Jahrtausend nicht zu mögen. Sie gingen schlicht und einfach zu, wirkten dumpf und schwermütig. Eigentlich für Bordeaux-Freaks nichts neues, nur bei den modernen Kaliforniern eher ungewöhnlich. Mehrfach habe ich mich in den letzten Jahren gefragt, ob hier eventuell schon endgültig der Lack ab ist. Kein gutes Gefühl bei jeweils 12 Flaschen in OHK im Keller. Also wurde an diesem Karfreitag Nachmittag ein neuer Versuch gestartet. Schließlich war ja inzwischen ein neues Jahrzehnt angebrochen. Das schienen auch die Shafers gemerkt zu haben, denn sie präsentierten sich in prächtiger Form. 1994 Shafer Hillside Select hatte in der sehr spannenden, vielschichtigen Nase süße Frucht, Cassis, Schwarzkirsche, Bitterschokolade, Teer, Tabak, auch Leder und natürlich Minze. Die immer noch sehr dichte Farbe natürlich nicht mehr mit diesem überdrehten jugendlichen Purpurmetallic, eher erste, ganz dezente Reifetöne. Am Gaumen sehr elegant und harmonisch mit viel Minze, stilistisch eher etwas Richtung Bordeaux tendierend, nicht mehr der hedonistische, jugendliche Knaller, eher feiner, immer neue Facetten zeigend mit sehr viel Spiel. Keine Frage, dieser Shafer ist auf dem Wege vom jungen Helden zum Charakterdarsteller, ein großer Wein, bei dem die gute Tannin- und Säurestruktur noch ein langes Leben garantiert – 98/100. Im direkten Vergleich nicht ganz so fein 1995 Shafer Hillside Select, der ist fülliger, fruchtiger, dekadenter, leckerer, einfach zum Kauen schön mit wunderbarer, reifer und süßer Frucht, mit viel Tabak und Minze, sehr druckvoll und ewig lang am Gaumen. Erinnert im jetzigen Stadium noch etwas mehr an die überbordende Fruchtphase und wirkt deutlich kalifornischer als der 94er – 98/100. Welcher ist jetzt der bessere von beiden? Wohl reine Geschmackssache, zwei große weine, die mir am besten gefallen, wenn ich sie in vollen Gläsern nebeneinander stehen habe.
Mit Stirnrunzeln ging es weiter. Von der Papierform her hätte uns ein weiterer Hammerflight erwartet. Die Realität sah leider anders aus. Beide Weine waren auch nicht ansatzweise als das zu erkennen, was sie darstellen sollten. Sehr weich, sehr reif, elegant und seidig, aber auf hohem Niveau auch ziemlich harmlos der 1998 Mouton Rothschild – 90/100. Im anderen Glas ein bräunliches gebrechliches Etwas, der 1988 Mouton Rothschild präsentierte sich eher als so eine Art 1908er. Beide Weine hatte unser Gastgeber bei einem großen deutschen Auktionshaus erworben. Beide Weine waren optisch einwandfrei. Passieren kann das überall, wo Einzelflaschen angeboten werde, auf Ebay ebenso wie bei Auktionen und per Kleinanzeige, vor allem aber bei Mouton. Der hat nun mal in Deutschland einen ähnlichen Stellenwert wie der Lafite bei den Chinesen und ist ein beliebtes, hochwertiges Geschenk. Und wenn das dann bei gleichbleibender Temperatur ein paar Jahre als Trophäe im Bücherregal steht, ist der Inhalt zu vergessen. Und wie schützt man sich davor? Vorsicht bei Einzelflaschen, insbesondere bei solchen Ikonen. Unbedingt vorher Herkunft und Lagerung abfragen. Stammt die Flasche von einem seriösen Sammler, z.B. aus einer, vernünftig gelagerten OHK, dann besteht kein Problem. Fallen aber Aussagen wie „…habe ich geschenkt bekommen…“ oder „…ich trinke eigentlich keinen Wein…“ , dann kann der Bogen, den man um diese Flaschen machen sollte, nicht groß genug sein. Gegen missbrauchte Geschenke und Wanderpokale dieser Art schützt man sich am besten, in dem man sie als Einzelflasche nur im seriösen Fachhandel oder aus bekannter, zuverlässiger Quelle kauft.
In einer völlig anderen Welt waren wir danach mit einem 1978 Grigich Hills Alexander Valley Zinfandel. Der hatte eine reife, recht helle Farbe – was bei älteren Zinfandels nichts heißt und eher typisch ist – viel Säure und zu Anfang eine portige Nase. Entwickelte sich enorm im Glas, in der Nase war plötzlich ein großes Rosenbeet, dazu jede Memge Lakritz, am Gaumen war das ein Weinchamäleon, das sich ständig änderte. Parallel dazu stiegen kontinuierlich die Bewertungen dieses völlig aus dem Rahmen fallenden Weins, bei mir lagen sie zum Schluss bei 93/100.
Nicht schwer zu erraten war der nächste Kandidat, ein 1981 Heitz Martha´s Vineyard. Das war einfach ein Martha´s, wie er im Buche steht, kräftig, rustikal, animalisch, zupackend, Minze und Eukalyptus ohne Ende, ein echter Charakterstoff mit all den Ecken und Kanten, die diesen Wein so sympathisch macht – 94/100. Gleiches Klasse aber eine völlig andere Stilistik hatte im anderen Glas ein 1978 Beaulieu Cabernet Sauvignon Private Reserve George de Latour. Der war reif, aber ohne Schwächen, so seidig, elegant und hocharomatisch, in der feinen Nase Minze, Kräuter, Schwarztee und Eukalyptus, am Gaumen fast tänzerisch und etwas verspielt, Faszinationsstoff mit langem Abgang – 94/100.
Bei 1998 La Turque hatte ich zuletzt 2006 das Gefühl, dass er sich wieder verschließt. Auch aus dieser Flasche hier zeigte er noch nicht wieder das volle Programm. Klar war der klassisch rauchig, speckig mit tiefer, dunkler Frucht, sehr würzig und druckvoll mit cremiger Struktur. Leider lauerte dazu im Hintergrund, neben dem Schild „Please visit me again in 2015“ eine Ladung TCA – 94+/100.
Sehr überrascht hat mich (wieder mal) der letzte Wein, ein 1997 Leoville las Cases. Während viel Weine dieses kleinen, seinerzeit hoffnungslos überteuerten Jahrgangs bereits auf dem Wege in die ewigen Jagdgründe sind, war dieser hier noch voll da. Erstaunlich frische, kirschige Frucht, sehr gute Struktur am Gaumen, dürfte wohl noch etliche Jahre Trinkspaß auf 92/100 Niveau garantieren.



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M I T   D E M   O S T E R H A S E N   A U F   S Y L T 

Was gibt es Schöneres, als zu Ostern mit dem Osterhasen anzustoßen? Auf Sylt findet in Kampen traditionell der große Eierlauf statt. Veranstaltet wird er auf der Whiskymeile von Kampener Gastronomen, die in stilechten Osterhasenkostümen auftreten. Wir haben im Vorfeld mit dem Ober-Osterhasen und Wiin Kööv Besitzer Werner „Muffel“ Stoltenberg auf Ostern angestoßen, mit einer 1995 Scharzhofberger Versteigerungsspätlese von Egon Müller. Das war schon toller Stoff, tiefes Goldgelb, in der Nase reife Zitrusfrüchte, Honig, eine deutliche Schiefernote und reife Boytritis. Am Gaumen präzise Struktur, dabei cremig und sehr lang mit faszinierendem Süße-/Säurespiel, sehr mineralisch – 94/100. Wir saßen draußen vor der Wiin Kööv in herrlichem Sonnenschein. Da musste dann auch noch eine zweite Flasche her. Doch von der 1975 Eitelsbacher Burgberg Auslese* von Tyrell hatte ich mehr erwartet. Die startete recht enttäuschend mit Kellermuff und altem Pappkarton, die Süße fast völlig aufgezehrt, deutlich heller n der Farbe als die Spätlese mit leichten Grünreflexen, legte mit Luft zu und wurde etwas generöser, sicher zum Essen besser als solo – 86/100.

Österlich ging es auch abends im Munkmarscher Fährhaus zu. Als Amuse Geule gab es im ausgehöhlten Hühnerei ein Wachtelei mit Spitzkohl unter getrüffeltem Kartoffelschaum, einfach ein göttlicher Start eines famosen Menüs. Klar war unser erster Wein Sünde (und jede Sünde wert!). Dieser 2005 Meursault Genevrières von Coche-Dury war zu jung, trotz sehr fairen Preises natürlich zu teuer, aber eben auch zu reizvoll. Also rein damit in die Karaffe und anschließend in große Burgundergläser. Messerscharfe Konturen, so eine unglaublich präzise Struktur, blutjung mit gigantischem Potential, in der Nase dezente Rauchnoten, geröstete Haselnüsse, reife Zitrusfrüchte, am Gaumen mit sehr druckvoller Aromatik und hoher Mineralität – 95+/100. Würde ich gerne mal reif trinken, aber bei Coche-Dury kann man schon froh sein, wenn man solch ein Teil überhaupt erwischt. Weiter ging es mit der leider letzten, verbliebenen Magnum 2005 Pinot Noir Eichenstaude von Irène Grünenfelder. Die Zwillingsflasche hatten wir im Vorjahr an Ort und Stelle geleert. Dekadent leckere, süße Beerenfrucht, dabei beileibe nicht simpel oder Neue Welt, nein, tolle Struktur und immer noch gutes Tannin- und Säuregerüst garantieren längeres Leben – 94/100. Nicht vorbei konnten wir auch am 1999 John Arns Cabernet Sauvignon. Kein großes Kalifornienjahr, kein Parker-Liebling, aber ein großartiger Wein. Laktisch-fruchtig die Nase mit Schwarzer Johannisbeere, Minze und Eukalyptus, am Gaumen fruchtige Kraft und Finesse, feiner, süßer Schmelz, wunderbare Struktur, Frische, gutes Tanningerüst und sicher noch längeres Leben – 94/100. Die Arns-Weine verbinden in gelungener Art und Weise kalifornische Frucht mit der Stilistik eines großen Bordeaux. Sie können und müssen altern, und da Parker sie links liegen lässt, bieten sie ein hervorragendes Preis-/Leistungsverhältnis.

Blutjung am nächsten Abend in Jörg Müllers prächtig umgestalteten Restaurant eine 2004 Hochheimer Hölle Auslese trocken von Künstler. Erinnerte in seiner präzisen Struktur und der intensiven Mineralität etwas an den Coche-Dury vom Vortag, sehr prägnante, rassige Säure, feine Kräuternoten, brauchte viel Luft und dürfte erst in 5 Jahren voll auf dem Trinkhöhepunkt sein – 92+/100. Und dann bekam ich einen Wein zum Raten vorgesetzt. Nur fragte ich mich gleich, was ich da raten sollte. Den Küfer? Die Holzsorte? Bitternote und Vanille statt Frucht, Holz ohne Ende, da war keine Rebsorte und kein Terroir schmeckbar. Der 2006 Soave La Rive von Suavia ist für mich ein im Barrique vergewaltigter Wein, ein dickes Teil mit viel Holz und Vanille für € 20 im Handel. Meine beiden Damen liebten ihn. Die hätten, wie andere Fans dieser Stilrichtung auch, sicher deutlich mehr als meine 86/100 gegeben. Zuhause war ich dann wieder bei 1983 Trotanoy aus einer gerade erst geöffneten OHK, seinerzeit in Subskription gekauft. Blind hätte ich den nach Pessac gesteckt. Neben der etwas rustikalen erdig-kräftigen Kräuternote waren da massig Teer, Tabak und Cigarbox, eigentlich La Mission pur, nur etwas kräftiger – 94/100. Toppen wollte ich diesen Wein dann noch mit einem 1992 Dominus. Eigentlich ist das ein Mörderteil, aber den hatte ein schleichender Kork selbst stückweit umgebracht.

Einer unserer langen Strandspaziergänge führte uns auch wieder in die Lister Weststrandhalle, die Sansibar für Normalos. Hier labten wir uns erst mal an einem 2007 Grünen Veltliner Kellerberg vom Tegernseerhof, sehr mineralisch, furztrocken, reife Marille, Kräuter, klar war das kein Kellerberg von FX, aber ein gut gemachter Wein – 89/100. Gut und spannend danach ein 2006 Blaufränkisch Oberer Berg von Triebaumer. Reife, aber sehr präzise Beerenfrucht, Brombeere, Blaubeere, immer noch massive Tannine und kräftige Säure, aber auf hohem Niveau schon gut antrinkbar mit viel Zukunft – 90+/100. Altrosa in der Farbe ein 2008 St. Laurent Eiswein von Weinrieder, erinnerte in der Aromatik an einen Brand von eingelegter, alter Pflaume und passte damit gut zum Zwetschgenröster unseres Kaiserschmarrns. Solo wirkte er leicht oxidativ und gewöhnungsbedürftig – 87/100.

Als wir draußen auf der Terrasse des Grande Plage zu Mittag aßen, gab es einen klaren Trend zur Zweitdecke. Die Sonne stand zwar schön hoch am Himmel, aber der Wind blies über die kaum 6 Grad warme Nordsee. So hielt der pfeffrig-würzige, angenehm leichte 2008 Grüne Veltliner Frauenweingarten Federspiel von FX Pichler (88/100) seine Temperatur auch ohne Kühler. Zum innerlichen Aufwärmen gönnten wir uns noch einen 2005 Encierra. Eine erstaunliche Frische zeigte diese wunderschöne Cuvée aus 5 Rebsorten und wirkte im Vergleich zu den anderen, modernen Fruchtbomben aus Chile sehr balanciert – 92/100.

Kein Sylt-Besuch ohne einen Abend in der Weinstube Hardy in Westerland bei André und Suzanne Speisser. Zur herzhaften, elsässisch inspirierte Küche des Hauses genehmigten wir uns zunächst einen sehr würzigen, fülligen, fruchtigen und bereits gut trinkbaren 2005 Chante le Merle Vieilles Vignes von Bosquet des Papes – 90/100. Zwischendurch stellte uns André eine seiner Neuentdeckungen vor, die Roten des aufstrebenden Gutes Emil Bauer & Söhne aus der Pfalz. Mit denen werde ich mich im Sommer noch mal in Ruhe befassen. Als Abschluss nahmen wir noch den 1995 Taylor Quinta de Vargellas. Der hatte eine frische Frucht, feine Süße und wirkte für einen Port erstaunlich leicht und fruchtig – 90/100.



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Z W E I   Ü B E R R A S C H E N D E   7 8 E R 

Habe ich, wie so viele andere auch, den Bordeaux Jahrgang 1978 unterschätzt? Der großartige 1978 Leoville las Cases vor wenigen Wochen hatte mir schon zu denken gegeben. Und dann kamen jetzt noch zwei völlig überraschende, halbe Flaschen. Für ziemlich kleines Geld hatte ich die erst kürzlich erworben. Da ließ mir jetzt die Neugier keine Ruhe, die Korken mussten aus den Flaschen. Die größten Bedenken hatte ich bei einem 1978 Monbousquet. Schließlich deutete ein Füllstand von Low Shoulder auf irgendein größeres Problem bei der Lagerung hin. Monbousquet war in dieser Zeit ohnehin noch nicht der exotische Überflieger, zu dem es ab 1994 Pavie Besitzer Gerard Perse mit Unterstützung von Michele Rolland machte. Bräunlich die sehr reife Farbe, reif auch die immer noch ledrige Nase, am Gaumen dann die Überraschung, ein warm-würziger Wein, geschmeidig, mit schmelziger, generöser Süße, hat durchaus eine Menge Spaß gemacht, trank sich immer besser und ist in guten Flaschen sicher eine Suche wert - 86/100. Perfekt war der äußere Zustand des 1978 Brane Cantenac, dicht die Farbe ohne Alter, etwas verhalten die Nase mit Zedernholz, Schwarzer Johannisbeere und Graphit, am Gaumen mit perfekter Struktur, wirkte nur zu Anfang etwas monolithisch, sehr mineralisch und entwickelte dann immer mehr elegante Fülle, baute enorm aus und war ein völlig überraschender, gewaltiger Trinkgenuss, hat sicher noch Potential für etliche Jahre und ist unbedingt eine Suche wert - 90/100.



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Z W E I   E C H T E   S C H N Ä P P C H E N 

Haben wollte diesen Wein auf der Auktion kaum jemand. Also habe ich bei der 1981 Ried Klaus Riesling Spätlese von Jamek zugeschlagen. Das Risiko war bei unter € 10 gering, die Freude im Glas umso größer. Doch erst ein Blick auf das Rückenetikett. 11,9 % Alkohol, 1,9 Gramm Restzucker, 6 Promille Säure, holzfaßgelagert und am 21.9.82 abgefüllt. Herausgekommen ist ein reifes, aber keineswegs alt wirkender Prachtriesling. Tiefes, brilliantes Goldgelb, reife, petrolige Nase mit schöner Aprikose, am Gaumen wiederum sehr fruchtig mit reifer Fülle und immer noch schönem Säurespiel, ungemein spannend und dabei sehr elegant und harmonisch, trank sich einfach wunderschön – 91/100. gerade mal die Hälfte davon kostete die Flasche 1971 Chateau Vannières aus Bandol, ein Wein aus mehrheitlich Mouvèdre mit etwas Grenache. Recht hell, aber ohne Alterstöne die Farbe, faszinierende, fruchtbetonte Nase mit viel Sauerkirsche, am Gaumen erstaunlich frisch mit guter Säure und samtiger Textur, reif aber nicht alt und längst nicht so eindimensional und langweilig wie die hoch gezüchteten, modernen Boliden – 89/100.



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E I N   F E I N E R   S O N N T A G N A C H M I T T A G 

Macht es Sinn, Champagner in Großflaschen als Millenium-Edition mit Zertifikat und Lieferung im hölzernen Kindersarg zu kaufen? Wahrscheinlich eher nicht, denn ich nehme an, das Ding war wohl sauteuer. Sinn macht es eigentlich auch nur, wenn ich dabei sein darf, wenn die Flasche geöffnet wird. So geschehen in äußerst netter Runde zu einem famosen Menü im Landhaus Mönchenwerth. Hatten wir etwas zu feiern? Na klar, einer aus unserer Runde hatte exakt 100 Tage keinen Tropfen Alkohol getrunken. Jetzt wollte er aufholen und wir ihm natürlich dabei helfen.
Der 1993 Dom Perignon aus der praktischen Doppelmagnum war der erste Wein, der über seine/unsere Kehle rann. Kein großes Champagnerjahr, aber zumindest für Dom Perignon doch ein recht erfolgreiches. Erste Reife zeigte dieser Champagner, der sich wunderschön trank. Feines, etwas verhaltenes Mousseux, schöne Brotnase, frisches Brioche, sehr elegant und finessig mit cremiger Textur – 94/100.
Angesagt war danach eine ganze Batterie reifer Burgunder. Den Anfang machte ein 1955 Echezeaux von Mugneret-Gibourg. Reife Farbe mit deutlichen Brauntönen, zu Anfang leicht medizinal die Nase, die aber mit Luft generöser wurde und an Waldboden, Trüffel und frische Pilze erinnerte. Auch am Gaumen legte dieser Wein enorm zu und entwickelte eine schöne Süße – 91/100. Immer noch im direkten Vergleich fast jung und rassig wirkte der 1943 Hospice de Beaune Cuvée Brunet von Patriarche. Noch so intakt mit pikanter Frucht, sehr vielschichtiger Nase, tollem Säuregerüst und enormer Länge am Gaumen – 94/100. Beim 1947 Vougeot 1er Cru von André Guy roch und schmeckte man förmlich das heiße Weinjahr. Reif die Farbe, Rosinig, portig die Nase mit viel Schoko und dunklen Storck Karamellen, am Gaumen reif, weich und im besten Sinne süffig – 93/100. Gleicher Jahrgang, doch völlig andere Stilistik beim 1947 Charmes Chambertin von Seguin-Manuel. Ein sehr feiner, eleganter, distinguiert auftretender Wein ohne Alter, immer noch mit schöner rot- und blaubeeriger Frucht, am Gaumen trotz guter, stützender Säure eine samtige Textur, einfach ein kompletter, großer Burgunder – 96/100. Der älteste Wein des Nachmittags war ein 1929 Clos Vougeot von Coron Père & Fils. Nur die Nase dieses Seniors wirkte leicht morbide, am Gaumen verströmte er eine traumhaft süße, rosinige, kramellige Fülle, die an 1947 erinnerte, dazu eine fast zeitlose Eleganz mit toller Struktur und guter Säure, blieb ewig am Gaumen – 97/100. Ein gewaltiges Monument dann der 1945 Clos Vougeot von Moillard. Das war aus dieser Flasche schlichtweg Perfektion. Da stimmte von der tollen Nase über den Gaumen bis zum irre langen Abgang einfach alles. Immer noch so frisch die wunderbare Frucht, dekadent schön die generöse Süße, enorm druckvoll die Aromatik bei trotzdem samtiger Textur, einfach Harmonie und Eleganz pur – 100/100. Nach diesem Ausnahmewein hatte es der 1959 Grands Echezeaux von Nicolas Charenton verdammt schwer. Ein noch immer recht jung und frisch wirkender Burgunder mit zarter Himbeerfrucht, am Gaumen sehr nachhaltig mit guter Säure, hat sicher noch Potential für lange Zeit – 92/100.
Sehr reif dann schon der süße Abschluss, ein 1985 d´Yquem aus diesem sehr mäßigen Sauternesjahr. Tiefes Goldgelb, erstaunlich weit und offen mit süßer Nase, Honig, exotische Früchte, reife Orangen, Apfeltarte, auch am Gaumen süß mit wunderbarer Fülle und angenehmer Bitternote im Abgang. Was fehlt sind Spannung und Struktur eines großen Yquem. Der hier wirkt auf allerdings hohem Niveau etwas plump und simpel – 90/100.



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M I T   P E T R A   B E I   M I C H E L A N G E L O 

Diese ersten Tage, an denen man endlich wieder draußen sitzen kann, sind wie der erste Spargel oder die ersten Trüffel, einfach unwiderstehlich. So genossen wir auch den ersten Lunch auf Michelangelos Terrasse im Saittavini. Sommerliche Gefühle entwickelten wir in der herrlichen Sonne, und dazu passte perfekt der 2008 Schiefer Riesling von Van Volxem, ein eleganter, mineralischer Wein mit feinem Schmelz – 88/100. Und dann gesellte sich Petra zu uns, 2006 Petra vom Weingut Petra aus der Maremma. Ich bin kein großer Fan des hoch gelobten Toskana-Jahrgangs 2006. Viele dieser Weine sind mir einfach zu dick, zu alkoholisch und zu überladen. Klar hatte auch dieser Petra eine hedonistische, dekadente, süße Frucht, aber da war gleichzeitig eine erstaunliche Frische und Leichtigkeit. Ein wunderbarer Wein zum schwelgen – 93/100.



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M I T   D E M   H I R S C H E N   I M   R E G A L I D O 

Hirsch heißt dieses Weingut, das seinen Namen als freche Cartoons zum Markenzeichen macht. Die Weine dieses biologisch arbeitenden Gutes aus dem Kamptal waren für uns eine echte Entdeckung. Günstige Preise, niedriger Alkohol, wunderschöne Aromatik - eine wohltuende Alternative zu den immer dicker und teurer werdenden Boliden aus der Wachau. Schon der Basiswein, der 2008 Grüne Veltliner Trinkvergnügen #7 konnte punkten. So ein frischer, unkomplizierter, leichter(nur 11,5%) Trinkgenuss, würzig, fruchtig, saftig, machte einfach Spaß – 87/100. Wird sicher unser Hauswein im charmanten Bistro Les Tartines werden, dem neuen Bistro und Gourmet-Shop des Regalido. Endlich durften wir an diesem Sonntag auch wieder an unserem Lieblingstisch im Regalido Platz nehmen. Von herrlicher, frühsommerlicher Sonnen verwöhnt verbrachten wir hier einen traumhaften Sonntagmittag, der sich bis weit in den Nachmittag ausdehnte. Im Zeichen des Hirschen ging es dort weiter mit dem 2008 Grünen Veltliner Heiligenstein, ebenfalls vom Weingut Hirsch. Ein sehr gut gelungener, pfeffrig würziger Wein mit reintöniger Frucht und wunderbarem Trinkfluss, saftig, mineralisch, angenehm bescheiden trotz des hohen Extraktes der Alkohol von nur 12% - 91/100. Spannend und ungewöhnlich dann der im Barrique ausgebaute 2007 Rosé vom Pinot Noir und Pinot Noir Precoce vom Weingut Johanninger, ein kräftiger, fülliger Wein mit süß wirkender Frucht und spürbarem Holzeinsatz – 92/100. Ganz rot wurde es dann mit einem sehr würzigen, kräuterigen, fruchtigen 2004 Clos Monirius von der südlichen Rhone – 90/100. Mitten in der Provence fühlten wir uns dann mit einem 2005 Chateauneuf-du-Pape Blanc vom Chateau de la Nerthe. Man meinte förmlich all die blühenden Büsche zu riechen, ein frischer, vielschichtiger Wein mit erstaunlich guter Säure – 90/100. Unspannend (mal wieder) der von viel Holz geprägte 2006 Foradori Myrto, dem es nicht nur an Säure mangelt – 87/100.



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M I T   D E R   D O P P E L M A G N U M   Z U M   K Ä S E F O N D U E 

Mittlerweile war das schon unser zehntes Käsefondue. Die Frage, welchen Rotwein ich dazu mitbringen sollte – traditionell eine Doppelmagnum – musste ich mir nicht mehr stellen. Das hatten wir ja inzwischen oft genug geübt. Ein jüngerer, tanninreicher Wein mit guter Frucht und genügend Standvermögen musste es sein. Meine Wahl fiel diesmal auf einen 1997 Caymus Special Selection. Nur eine Sorge hatte ich, wie vorher in jedem Jahr. Was tun, wenn dieses große Geschoss Kork hat? Doch auch im zehnten Jahr blieben wir – zumindest bei dieser Großflasche – von der Korkpest verschont.
Begrüßt wurden wir vom Hausherrn mit einem großartigen 2007 Uhlen R von Heymann Löwenstein. Ein gewaltiger Wein mit intensiver Mineralität und perfekter Struktur, hoch spannend vom ersten bis zum letzten Schluck. Schlank zwar, aber mit sehr druckvoller Aromatik – 94/100. Eigentlich so als Apero im Stehen viel zu schade. Davon werde ich mir mal eine eigene Flasche gönnen und die dann einen ganzen Abend in ihrer Entwicklung verfolgen. Assoziationen an den trocken Y von d´Yquem erweckte der nächste Wein, ein höchst erstaunlicher 1950 Castillo YGAY Blanco von Marques de Murietta. Karamellig-süß die Nase mit Orangenkonfit, am Gaumen absolut trocken mit fantastischer Aromatik und Länge. Durch die gute Säure wirkt er erstaunlich frisch, nur die güldene Farbe weist auf das Alter hin. Ein zeitlos schöner Wein, der noch Potential für ein paar Jahrzehnte zu haben scheint – 94/100.



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Die Spezialmischung für unser Käsefondue hatte der liebe Horst wieder höchst persönlich aus der Sennerei in Pontresina besorgt. Der Caymus stammte auf Umwegen auch von ihm. Ich habe diese majestätisch anzuschauende Doppelmagnum seinerzeit bei ihm in seiner Wine Gallery erworben. Eine sehr junge, dichte Farbe hatte der Caymus aus dem großen Format, traumhaft und klassisch Caymus die Nase mit Schwarzer Johannisbeere pur und Kirschen, mit Minze und etwas Graphit, am Gaumen die Struktur und Eleganz eines großen Bordeaux. Gewaltig zugelegt hat dieser Wein, der erst ganz am Anfang einer langen Entwicklung steht und auch noch etwas zulegen kann – 96/100.
Und dann erwischte uns der Korkteufel doch noch, ausgerechnet bei einer Magnum 1998 Hermitage le Pavillon von Chapoutier, einfach eine Affenschande. Da half auch kein Rausblasen mehr, der konnte nur in den Ausguss. So labten wir uns stattdessen an einem 1986 Grigich Hills Cabernet Sauvignon, einem Kalifornier alter Machart, der zwar einigermaßen reif, aber noch lange nicht am Ende war. Sehr fein, fruchtig, mit viel Minze, einfach komplett und sehr harmonisch wirkend mit guter Struktur – 91/100.
Erstaunlich offen danach ein 1982 Gruaud Larose. Je nach Lagerung ist das entweder ein muskulöser, tiefgründiger Wein, der noch nach weiterer Lagerung oder zumindest viel Luft schreit, oder, wie hier, ein einigermaßen reifer, komplexer und kompletter Mega-Gruaud mit Eleganz pur, fantastischer Länge am Gaumen und erster Süße – 97/100. Nach einem solchen Wein hat es jeder nachfolgende schwer, nicht aber der 1995 Beringer Chabot Vineyard. Ein süßes, würziges Konzentrat mit dekadent leckerer, reifer Frucht, aber auch mit erstaunlich viel Finesse – 95/100.
Den Schlusspunkt setzte unser Gastgeber mit einem 1954 Haut Brion, der wieder ohne Schwächen eindruckvoll demonstrierte, was dieses Gut selbst in miesen Jahren zustande bringt – 92/100.



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Z U   A L T ?   -   Z U   J U N G ?   -   G E N A U   R I C H T I G ? 

Hier ein paar spannende Einzelflaschen, deren Inhalt kürzlich durch meine Kehle rann.

Den mag ich nicht, der ist mir zu alt. Eine klare Ansage war das, was da von meiner lieben Gattin kam. Was war passiert? Sie hatte sich einen 1981 Corton Charlemagne von Louis Latour aus unserem Weinkühlschrank gegriffen. Der lag eigentlich nur zufällig dort, zwischengelagert, weil erst vor kurzem per Paket eingetroffen Vorgesehen war er für eine Probe im nächsten Jahr. Daraus wird nun nichts mehr, aber da er nun mal offen war, habe ich mich seiner angenommen. reife, aber brilliante altgoldene Farbe, in der Nase sehr reif wirkend mit leichten Nebentönen, am Gaumen fantastisch mit toller Struktur, so präzise, so vielschichtig, frisch mit guter Säure, sehr mineralisch und einfach spannend - 92/100.
Derzeit beschäftige ich mich intensiver mit dem Jahrgang 1996, der spätestens Ende Mai meine Jahrgangsübersichten weiter komplettieren soll. Da der größte Teil meiner eigenen 96er noch in Holzkisten schlummert, nutze ich jede sonstige Gelegenheit, 96er zu probieren. Als Einzelflasche konnte ich kürzlich 1996 Montrose aus seriöser Quelle erwerben. Das war ein bereits erstaunlich zugänglicher, fleischiger Montrose in der moderneren Variante dieses Chateaus, erdig, trüffelig, Lakritz, getrocknete Früchte, Leder, sehr aromatisch mit reifen, aber doch deutlich spürbaren Tanninen, die ein längeres Leben garantieren. Wie schön, dass dieses Chateau endlich wachgeküßt wurde und man in großen Jahren wie 1996 nicht mehr wie früher mehrere Jahrzehnte hoffen und Bangen muß, ob aus dem ruppigen Bengel mal was anständiges wird - 93+/100. Ziemlich baff war ich auch bei einer Flasche 1996 d´Issan. In den letzten Jahzehnten hatte sich dieses Gut, auf dem mal so legendäre Weine wie 45 und 61 erzeugt wurden, ja nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Doch der sehr gut geratene 96er scheint hier eine Wende zum Besseren anzudeuten. Dichte Farbe, rauchig und von Röstaromen geprägt mit schöner Frucht die Nase, am Gaumen immer noch kräftige, aber reife Tannine, sehr fleischig, kräftig, aber auch mit der Eleganz, die man von einem schönen Margaux erwartet, für das Gebotene geradezu spottbillig und eine unbedingte Suche wert – 91/100.
Und dann war da noch diese halbe Flasche 1990 Trotanoy. Ich werde immer mehr zum bekennenden Trotanoy-Fan. Nur muss man diesem Wein halt eine Menge Zeit geben. Immer dann, wenn man ihn schon abgeschrieben hat, kommt er erst richtig. Für Parker ist dieser Wein hier alt(89/100), für René Gabriel ist es der beste Trotanoy der Dekade. Ich hatte ihn schon häufiger im Glas. Anfang der 90er konnte ich da überhaupt nichts mit anfangen. Mitte der 90er ein paar schöne 94/100 Flaschen bei Jörg Müller. Und jetzt diese atemberaubende halbe Flasche. Ricola rufen meine Schweizer Freunde, wenn sie ein solch süßes, opulentes Kräuterelixier vor sich haben. Wenn Ricola wirklich so schmeckte, ich würde es den ganzen Tag lutschen. Die große Kräutermischung mit einem Hauch von Exotik, Kalifornien ließ mit Minze und Eukalyptus grüßen. Generöse, süße Fülle, am Gaumen sehr komplex und lang, wirkte aus dieser 1tel bei immer noch recht junger Farbe auf dem Punkt, aber das will bei Trotanoy nichts heißen, sicher keine Eile – 96/100. Bin gespannt, wie sich dieser Wein im Herbst auf der 90*90 Probe schlägt.



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A L T E   U N D   N E U E   I T A L I E N E R 

WineLive hatte zur Italienprobe geladen. Mit dabei auch etliche ältere Weine. Die fand ich besonders spannend, hatte ich sie doch schon lange nicht mehr am Gaumen. Aber Letzteres war wohl doch kein Fehler gewesen. Immer noch gut trinkbar war 1983 Sammarco, vor langen Zeiten mal einer meiner Favoriten, nur war halt von der frühere, seidigen Eleganz und der Frucht nicht mehr viel übrig – 85/100. Das galt auch für den 1982 Le Pergole Torte. Der hatte eine reife, helle Farbe, auch eine sehr reife Nase mit Waldpilzen, Eisengitter und Trüffeln. Am Gaumen wirkte er doch arg gezehrt und austrocknend - 84/100. Sehr reif und deutlich über den Zenit wirkte auch ein 1983 Grosso Sanese von Il Palazzino – 83/100. Deutlich mehr hatte ich mir auch von einem 1979 Barbaresco von Angelo Gaja versprochen, aber der hatte offensichtlich bereits das Zeitliche gesegnet und wirkte nur stichig und anstrengend – 78/100. Wenigstens einen Höhepunkt gab es aber in dieser sonst verdammt gebrechlichen Seniorenriege, den 1971 Barolo Collina Rionda von Bruno Giacosa. Massig Teer und Tabak ließen diesen gut gereiften Wein wie die Piemonteser Version eines älteren La Mission erscheinen, dazu Waldpilze und eine deutliche, tragende Säure – 95/100.
Zwei jüngere Piemonteser führte ich mir danach noch zu Gemüte. Der 2004 Barbaresco Marcarini von Pertinace trank sich sehr gut, wirkte aber auch etwas eindimensional – 87/100. Eine deutliche Klasse drüber mit gutem Preis-/Leistungsverhältnis der 2004 Barolo Cannubi Boschis von Borgogno. Wunderbare Nase mit reifen Waldbeeren, Veilchen Trüffen und Lakritz, am Gaumen kräftig mit feinem Schmelz und langem Abgang – 92/100.
Kräftig, rustikal, sehr nachhaltig, aber auch etwas verschlossen präsentierte sich der 2004 Brunello di Montalcino von Il Poggione. Von Parkers nur schwer nachvollziehbaren 95/100 hatte ich an diesem Abend und aus dieser Flasche nur 89 im Glas. Großes Kino dagegen der 2004 Brunello di Montalcino von Siro Pacenti. Auch der erst ganz am Anfang, noch lange nicht alles zeigend, aber was für ein gewaltiger Druck am Gaumen, gute Frucht, viel Biss und Spannung, perfekte Tannin- und Säurestruktur, tolle Länge am Gaumen – 94/100.

Blieben noch zwei außergewöhnliche, schäumende Erlebnisse aus dem WineLive nachzutragen. Ich gehöre nicht zu den größten Fans von Rieslingsekt. Wenn Riesling gut ist, gehört er eigentlich nicht versektet, und wenn er schlecht ist erst recht nicht. Aber was der junge, talentierte Stefan Winter aus Rheinhessen da auf die Flasche gebracht hat, ist einfach Klasse. Sein 2001 Riesling Sekt brut hat in traditioneller Flaschengärung handgerüttelt 6 Jahre auf der Hefe gelegen. Traumhaft die Nase, in der sich verspielte Rieslingfrucht und das Brioche eines dezent gereiften Champagners verbinden, am Gaumen sehr komplex und immer noch frisch mit guter Säure, einfach spannend und herrlich zu trinken – 91/100. Ich wollte eigentlich nur einen Probeschluck, aus dem dann zwei volle Gläser wurden. Mehr gaben mir meine Mädels leider nicht ab. Wir waren hin und weg und haben die Restbestände des Ladens aufgekauft und mitgenommen. Um Klassen besser als das, was da landauf landab in ähnlicher Preislage (€ 15) an Preiswert-Champagnern angeboten wird.
Klar, an einen 1998 Billecart-Salmon Cuvée Nicolas Francois Billecart kommt so ein Sekt auf Dauer nicht dran. Der wirkte noch extrem jung mit frischer Brotkuste, apfeliger Säure und guter Mineralität. In 5 Jahren geht da mal die Post ab mit sicher um die 94/100. Jetzt und heute aber war der Winter zum Sechstel des Preises ebenbürtig.



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Mai 2010 | März 2010