Februar 2009

Kleine 92er Nachverkostung

Auf ging es ins Dado im Oberkasseler Innside Hotel. Mit dabei ein paar 92er, schließlich lag die Fertigstellung des Jahrgangs in den letzten Zügen. Dort genossen wir zu Anfang erst mal einen spektakulären Solo-Auftritt des 2006 Norheimer Dellchen GG von Dönnhoff. Das war die gewaltigste Dellchen-Performance, die ich bisher erlebt habe. Ein unerhört stoffiger, mineralischer Wein mit reifer Frucht und sehr guter Struktur. Wie gut, dass diesmal keine Hermannshöhle daneben stand. So kam dieses Dellchen, das kaum hinter 2005 liegt, voll zur Geltung – 92/100.
Und dann ging es zu den 92ern, die ich für die Beschreibung des Jahrgangs 1992 nachverkosten wollte. Den Anfang machte 1992 Matanzas Creek Merlot, ein saftiger Vollblut Merlot mit toller Kirschfrucht und Schoko ohne Ende, ohne jedes Anzeichen von Schwäche und sicher noch mit Potenzial für etliche Jahre – 94/100. Überhaupt nicht zurecht kamen wir danach mit dem 1992 Beringer Chabot Cabernet Sauvignon. Einfach fürchterlich mit grasig-grüner Aromatik, ein in einer Kräuterlotion gebadeter, nasser Hund. Wir ließen dieses Wein, bei dem ich mich fragte, ob Chabot vielleicht auf Deutsch schäbig heißen soll, schließlich stehen. Das war auch gut so. Yves probierte ihn am nächsten Tag noch mal und berichtete, dass er sensationell aufgeblüht war mit herrlicher Frucht. Da gibt denn dann bei diesem Wein nur eins, noch ein paar Jahre liegenlassen, oder sehr lange vorher dekantieren, sonst kommt wieder ein Beringer Schäbig Vineyard ins Glas. Auch der Dritte im Bunde war keine ungetrübte Freude. Etwas ungelenk wirkte der immer noch von viel Tannin dominierte 1992 Ferrari Carrano. Etwas dumpfe Nase, Veilchen, Lakritz, dunkle Früchte und ein Schuss Kreuzkümmel, dazu etwas animalische Töne und unverkennbar Brett. Am Gaumen war da mehr Kraft als Charme. Mit der Zeit wurde er im Glas etwas weicher und zugänglicher, aber für ein „+“ bei den 89/100 fehlt mir doch etwas die Hoffnung.
Als Abschluss tranken wir den vielleicht besten Wein des Jahrgangs, eine 1992 Mußbacher Eselshaut Rieslaner TBA von Müller-Catoir. Ein unglaublich konzentriertes Exilier mit der Viskosität von Motoröl, Aprikosenlikör höchster Güte, trotz güldener Farbe keinerlei Alter und durch die hohe Säure immer noch frisch wirkend – 98/100.

Kein Bock auf 1993

Heftig arbeite ich derzeit an 1993, vor allem in Bordeaux leider der dritte Loser-Jahrgang in Folge. Dazu holte ich mir dann aus dem eigenen Keller einen kleinen Vorgeschmack, doch der machte wenig Lust auf den Jahrgang. Nur noch ein Schatten seiner selbst 1993 La Mission Haut Brion. Das war mal ein feiner, kleiner La Mission, doch inzwischen schwächelt er schon heftig – 87/100. Auch 1993 l´Evangile konnte nicht mehr überzeugen. Der hatte noch nie richtig Freude gemacht, aber jetzt war der Spaß noch verhaltener mit zunehmend grünen und bitteren Tönen - 86/100. Zwei klassische Beispiele für die 93er aus Bordeaux, von denen sich der überwiegende Teil schon verabschiedet.

Regalido zum Ersten, zum Zweiten...

Das war jetzt schon der zweite Sonntag in Reihe, bei dem man nicht mal den Hund vor die Tür jagt. Hässliches, ziemlich graues und nasskaltes Winterwetter. Kein Schnee, der gnädig die kahle Natur zudeckte und auch keine Wintersonne, einfach nur Nässe und Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Da war Balsam für die Seele gefragt. Natürlich war ich erst einmal verrückt genug, kurzfristige Flüge für einen Wochenendtrip in den Süden zu checken. Ziele und Flüge gab es bei Air Berlin noch reichlich, die Preise waren attraktiv. Nur war das Wetter an allen Stationen zwar leicht wärmer als in Düsseldorf, aber mindestens ebenso nass. Na gut, dann machten wir halt stattdessen zweimal einen ausgedehnten, mittäglichen Kurzurlaub im Regalido in Meerbusch-Strümp, ließen uns dort jeweils ausgiebig mehrgängig verwöhnen und tranken feine Weine dazu. Mir hatten es vor allem die Trüffelgerichte angetan. Viererlei von Sellerie mit Schwarzen Trüffeln, Topinambur-Lauch Ravioli mit Schwarzen Trüffeln, gefüllte Artischockenböden mit Schwarzen Trüffeln, Kartoffelstampf mit Epoisse und Schwarzen Trüffeln.... Aus der kleinen, aber feinen und wohl sortierten Weinkarte genehmigten wir uns dazu ein paar schöne Tropfen. Gut gelungen der 2007 Bechtheimer Hasensprung von Dreissigacker. Fülle, Kraft, Mineralität, hohe Extraktsüße, reife Birne, nur mit der Eleganz haperte es etwas – 88/100. Mehr als eine Sünde wert die halbe Flasche 2001 Beaucastel. Schon so weit und reif aus dieser Halben, mit wunderbarer, pfeffriger Würze, reifer Kirschfrucht, rauchigen Noten und Leder. Passte perfekt zu den Trüffeln, die sich aromatisch auch im Wein wiederfanden – 93/100. Beim zweiten Besuch erfrischte zunächst ein 2004 Wehlener Sonnenuhr Kabinett von JJ Prüm Gaumen und Seele. Soviel Extrakt, so ein feines Süße-/Säurespiel, so eine herrliche Frucht mit so wenig Alkohol, die Leichtigkeit des Seins gefüllt in Flaschen – 90/100. Danach ging es mit einem 1999 Pinot Noir von Silvia Prieler weiter. Sicher kein schlechter Wein, aber der war mir für einen Pinot zu kantig und kernig, Wucht statt Finesse und wirkte etwas gewollt und nicht gekonnt – 85/100.

Alte gegen Neue Welt

Reizvoll das Thema einer feinen, abendlichen Verkostung. Alte gegen Neue Welt hieß das Thema, das wir jeweils aus unseren eigenen Kellern bestückten. Begrüßt wurden wir vom Hausherrn mit einem Fragezeichen-Wein. Nur noch ganz dezenten Restcharme hatte der 2003 Idig GG von Christmann und lag ansonsten ziemlich tot im Glas. Das war jetzt schon die dritte Flasche aus dem kürzlich bei Deutschlands größtem Wein-Auktionshaus gekauften Sixpack die hin war, klärte uns unser Gastgeber auf. Ein klarer Lagerfehler und der Einlieferer hatte sicher gewusst, warum er seine Idigs auf der Auktion entsorgte. Warum aber dieser Wein nach bereits zwei deutlichen Fehlschägen jetzt ausgerechnet in unsere Glas musste, ist ein ganz anderes Thema. Eingeschoben wurde von einem der Gäste außer der Reihe noch ein 2005 Pesquera Reserva. Hätte er auch bleiben lassen können. Zumindest im derzeitigen Stadium ist das sicher kein Heilsbringer. Tiefes Dunkelrot, in der Nase etwas dumpf und breit, gewöhnlich, auch am Gaumen breit, üppig und alkoholisch – 87/100.
Im ersten Flight des Abends spielte dann ein 1997 Pahlmeyer die Neue Welt Rolle. Kräftig mit süßem Kern, viel Tabak, etwas Minze und natürlich massig Cassis, wurde im Glas schnell üppiger, süßer und dabei immer breiter. Der hatte in dieser Flasche einfach nicht mehr die Struktur und Dramatik von früher – 93/100. Ihm gegenüber stand im anderen Glas eine prachtvolle 1996 Pichon Comtesse, die wohl letzte, richtig große dieses Weingutes. Sehr fein, sehr samtig und elegant, vielschichtig und komplex, mit viel Kräutern, Fruchtsüße und Schokolade, pure Seide am Gaumen, dabei sehr nachhaltig und lang – 95/100. Vor 5 Jahren hätte die Comtesse gegen den Pahlmeyer keine Chance gehabt. Jetzt ist es der klar bessere Wein mit der dazu größeren Zukunft.
Aus dem nächsten Zweierflight wurde dann leider ein Solo. Einen fürchterlichen Kork hatte der 1974 Vega Sicilia Unico. Schade, die dunkle, altersfreie Farbe war sehr vielversprechend. Doch auch in fehlerfreiem Zustand wäre er wohl gegen den 1974 Mondavi Reserve unter die Räder gekommen. Die Klasse der alten Mondavis und dann noch dieses Traumjahr, das einfach einen einmalig schönen Wein ergeben. Ein Klassiker aus der Zeit, als in Kalifornien große Bordeaux erzeugt wurden. Sehr finessig und elegant, viel Minze und Eukalyptus, sehr nachhaltig und lang am Gaumen, reif zwar, aber trotzdem altersfrei – 97/100.Eingeschoben wurde jetzt noch ein weiterer Solist, ein 2001 Vergelegen V aus Südafrika. Schlichtweg sensationell und süchtig machend die Nase dieser Top Cuvée des Weingutes, saftige, pflaumige Frucht und Cassis, Eukalyptus, Vanille, Kräuter, Minze, Schokolade – einfach hocharomatisch. Pracht und Fülle auch am Gaumen, der aber mit der Nase nicht ganz mit kommt, insgesamt schon reif wirkend und sehr süß – 93/100.
Erstaunlich reif waren die beiden nächsten Weine. 1990 Opus One zeigte wieder eine klassische, bordelaiser Handschrift, wunderbare Minze, ein sehr feiner, eleganter Wein, den man fast als zart bezeichnen konnte, die noch vor zwei Jahren deutlichen Tannine zumindest aus dieser Flasche praktisch nicht mehr spürbar – 94/100. Erstaunt hat mich auch 1990 Cos d´Estournel. Den kenne ich eigentlich nur recht verschlossen. Und jetzt stand da vor uns ein vollreifer, leckerer Schmusewein, nicht sonderlich komplex, aber sehr süß, karamellig, Kaffee und sehr weich am Gaumen, machte Spaß und trotzdem nachdenklich – 94/100. An meine eigenen Flaschen traue ich mich noch kaum ran, und diese hier wirkte so, als ob sie bald getrunken gehörte.
Außer der roten Farbe hatten die beiden nächsten Weine nun überhaupt nichts gemeinsam. Noch ganz am Anfang eines langen Lebens schien der 1998 Clos Vougeot von Anne Gros. Überbordende, würzige Kirschfrucht, sehr kräftig und immer noch deutlich spürbare Tannine – 92+/100. Ein Traum wieder 1978 Mondavi Reserve, der dem 74er kaum nachsteht und noch deutlich jünger wirkt. Sehr dichte Farbe, viel Eukalyptus und Minze, Leder, und trotz aller präziser Struktur eine einfach geile Süße. Da ist einfach massig Freude im Glas. Ein großartiger Wein mit immer noch viel Zukunft, der zwar sehr lang am Gaumen bleibt, aber nur kurz im Glas – 96/100.
Geduld wurde belohnt bei 1989 Heitz Martha´s Vineyard. Den ich noch nie so gut im Glas hatte. Vorbei die Zeiten, wo dieser Wein zugenagelt und abweisend war, dazu medizinal wie eine ganze Notfallklinik. Statt Jod jetzt prächtige Kirschfrucht, viel Kräuter, Anis, Minze, Eukalyptus, mächtiger, aromatischer Druck am Gaumen. Macht viel Spaß dieser Heitz und hat eine sicher noch lange Zukunft – 94/100. Sehr angetan war ich auch von 1989 Mouton Rothschild, der sich zur Abwechslung mal wieder wunderschön trank mit erstaunlicher Fülle und tollem Schmelz, dazu mit feiner Röstaromatik – 93/100.
Weniger mein Ding war dann im letzten Flight des Abends 2005 Val Llach aus dem Priorat. Klar war da intensive Kirschfrucht, Fülle, Kraft und Länge, ein ganzer Espresso und dazu eben auch ein strammes Tanningerüst. So fehlte es bei diesem sehr hoch bewerteten Wein in der Mitte des Gaumens und im Abgang, Potential ja, Trinkgenuss derzeit aber weniger – 91+/100. Ganz anders bei 1997 Dominus, der zwar auch sehr straight rüber kam, aber mit wunderbarer Süße und dieser gelungenen Kombination aus kalifornischer Frucht und bordelaiser Struktur und der trotz immer noch präsenter Tannine doch schon deutlich mehr zeigte, ein würdiger Abschluss dieses schönen Abends – 96/100.

Top of the Pops

In jeder Hitliste der weltweiten Spitzenköche taucht er zusammen mit Ferran Adria aus dem El Bulli, Thomas Keller aus der French Laundry und Heston Blumenthal vom Fat Duck immer unter den ersten fünf auf, dieser Pierre Gagnaire aus dem gleichnamigen Dreisterne-Restaurant in Paris. Wie kaum ein anderer hat Pierre Gagnaire die moderne Küche beeinflusst. Aus unerwarteten, eigentlich konträren Zusammenstellungen schafft er stets neue, sensationelle Geschmackserlebnisse. Vor Gagnaire hätte sich niemand getraut, einen Hummer mit Vanille zu paaren, einen Fleischgang mit Schokolade oder ein Dessert mit Weißbier. Heute gibt es das überall, wenn auch nicht auf diesem Niveau. Könner wie er brauchen dafür nur ganz dezent in dienender Funktion Elemente aus der Molekularen Küche. Und diejenigen, die es halt nicht können – der überwiegende Teil – setzen halt voll auf den Chemiebaukasten.
Seit Eröffnung des Pariser Restaurant bin ich dort regelmäßiger, begeistertet Gast. So war ich dankbar, dass ich kürzlich wieder bei Gagnaire Platz nehmen durfte, was angesichts langer Vorbestellzeiten verdammt schwierig ist. Wie schön, wenn man einen Freund hat, der dort Stammgast ist. In solchen Restaurants ist es fast Frevel, nicht das Menü zu bestellen, denn nur hier zeigt sich Vielfalt und Bandbreite der Küche. Sehr kleinteilig ist das, was da derzeit noch im Rahmen des Menu d´Hiver aufgetischt wird. Dutzende von kleinen Tellerchen, auf denen es Spannendes und oft Überraschendes zu entdecken gibt. Alleine das neunteilige Dessert ist schon eine Reise nach Paris wert.
Den Begriff Fusion hat Pierre Gagnaire geprägt wie kein anderer zuvor. Aus aller Welt stammen die Impulse, die er hier zusammenführt. Gleiches gilt auch für die sehr internationale Weinkarte, die einmal rund um den Globus reicht. So war ich denn auch nicht überrascht, bei den Weißweinen einen 2006 Grüner Veltliner Honivogl von Hirtzberger zu finden. Der war nicht nur bezahlbarer als der überwiegende Teil der angebotenen Burgunder, sondern mit Sicherheit auch erheblich besser. Mit seiner explosiven, aromatischen Geschmacksdichte war dieser Wein eine perfekte Ergänzung zur superben Küche – 96/100. Chapeau für Hirtzberger und andere Österreichische Winzer, dass sie es inzwischen in die internationale Top-Gastronomie geschafft haben. Ich bin gespannt, wann das bei den Großen Gewächsen aus Deutschland der Fall ist.
Bei den Roten wären wir gerne auf Bordeaux gegangen, doch alles was uns reizte, sprengte unser Budget. Das klassische Dilemma großer Bordeaux. Wer die trinken möchte, muss das inzwischen – wenn überhaut – zuhause tun. Gilt leider auch für Burgund. Immer noch preislich einigermaßen im Rahmen ist, wenn man mal von Guigals LaLas absieht, die Rhone. So landeten wir zunächst bei einem 2001 Beaucastel, der uns auf hohem Niveau zu noch akzeptablen Kursen mit seiner würzigen Frucht und erster Zugänglichkeit verwöhnte – 93/100. Auf ähnlichem Niveau der nachfolgende 2003 Côte Rotie Rose Pourpre von Pierre Gaillard, der noch etwas verschlossener wirkte, aber eine wunderbar präzise Kirsch- und Blaubeerfrucht zeigte. Dazu kamen Jod, gebratener Speck, Blut und auch etwas Trüffel, ein noch jugendlicher, gut gelungener Côte Rotie eben mit strammem Tanningerüst, der in ein paar Jahren noch deutlich mehr rauslassen wird – 92+/100.
Noch mal zur Küche. Wir haben natürlich in diesem Restaurant, das wir jetzt seit einem Dutzend Jahren gut kennen, wieder hervorragend gegessen und können es bedenkenlos weiterempfehlen(sofern Sie überhaupt einen Tisch bekommen). Und doch fehlte uns – meckern auf allerhöchstem Niveau – diesmal wie schon beim letzten Besuch der letzte Kick. Hat Pierre Gagnaire früher spontaner, überraschender gekocht, oder hat bei uns nur ein Gewöhnungseffekt eingesetzt? Es dürfte an etwas Anderem liegen. Pierre Gagnaire ist, wie inzwischen so mancher seiner berühmten Kollegen, nicht mehr so häufig in seiner Küche in Paris anzutreffen. Er bastelt erfolgreich an einem weltumspannenden Gagnaire-Imperium. Dazu zählen inzwischen Restaurants in London, Dubai, Seoul, Tokio und Hongkong ebenso wie ein zweites Pariser Restaurant, das Gaya Rive Gauche. Da müssen natürlich alle Küchen, in denen er nicht steht, wie die Uhrwerke funktionieren. Neue Gerichte werden kreiert und einstudiert wie ein neues Musical und anschließend bis zum „Programmwechsel“ hundertfach abgespult. Perfektion auf höchstem Niveau, aber ohne Spontaneität.

Gastronomiekritik mal anders

Das müssen Sie gesehen haben. Einfach in Youtube „Francois Simon“ eingeben oder direkt auf www.simonsays.fr gehen. Der Gastronomiekritiker des Figaro geht anders vor als seine Kollegen. Er berichtet life. In seinem Ärmel unsichtbar versteckt ist eine Kamera, mit der er filmt, was er auf dem Teller hat, und das wird dabei treffend life kommentiert. Zuweilen bissig, sehr treffend, höchst anschaulich und dazu natürlich mit hohem Unterhaltungswert. Natürlich geht Francois Simon, von dem bisher niemand weiß, wie er ausschaut, dabei stets anonym vor. Aber Vorsicht, seine Clips machen süchtig.

Ja ist denn schon wieder Sommer?

Mein erster Sylt Trip in diesem Jahr war das. Die rheinische Karnevalszeit bot sich förmlich für ein verlängertes Wochenende an. Nicht, das ich nicht etwa jeck wäre. Nur äußert sich das bei halt anders. Aber da ist das Rheinland großzügig. Jeder Jeck ist anders, heißt es bei uns. Und so habe ich halt statt einer roten Pappnase im Gesicht lieber ein schönes Glas Rotwein vor mir.
In diesem Jahr bot das Karnevalswochenende noch einen weiteren Grund, nach Sylt zu fahren. Biike Brennen war angesagt, das vielleicht größte, friesische Nationalfest. In großen Prozessionen ziehen da mit Fackeln bewaffnete Insulaner und Gäste zur Biike, einem riesigen Haufen aus Strandgut und alten Tannenbäumen. Diese Biike wird dann nach einer kurzen Ansprache angezündet und die Heerscharen wandern nach ausgiebigem Blick ins lodernde Feuer zu einer der vielen, überfüllten Lokalitäten, in denen gemeinsam Grünkohl gegessen wird. Und mit den Blähungen der vielen Grünkohlesser soll dann wohl der Winter vertrieben werden.
Leider war Biike wie so oft in den letzten Jahren total verregnet. So konnten wir halt nahtlos dort weitermachen, wo wir im verregneten August letzten Jahres aufgehört hatten. Gewaltige Fußmärsche zwar am Strand und am Watt entlang in warmer, regenfester Bekleidung, aber immer mit dem Ziel einer warmen, Asyl gewährenden Behausung mit gutem Essen und guter Weinkarte.
Rappelvoll war der große Airbus von Air Berlin, der uns an diesem Freitag Nachmittag nach Sylt brachte. Wohl alles Leute, denen der Hautarzt Sonne verboten hatte. Rappelvoll nach unserem ersten Strandspaziergang die kleine Gaststube des Grand Plage. Auf der großen Terrasse hätten wir noch Platz gefunden, aber leider war unsere Bekleidung zwar wetterfest, doch nicht geheizt. Also wurde weitermarschiert ins Kampener Dorf, zu Klaus und Nina ins Wiinkööv. Später Nachmittag war es, dunkel wurde es langsam, da konnten wir uns schon ein Glas fast alkoholfreien Weines gönnen. Klar hatte die 2007 Wehlener Sonnenuhr Spätlese von JJ Prüm noch diesen typischen, jugendlichen Hefe-Böckser in der Nase. Aber was war das bereits für ein rassiger, toller Stoff am Gaumen, ein prächtiges Weinbaby, das heute schon mit 92/100 ins Glas kommt. Etwas ganz Feines ist den Prüms da in 2007 gelungen. Nur Geduld ist halt angesagt, wenn man diesen Wein in voller Blüte erleben möchte. Dann bringt er noch deutlich mehr ins Glas. Wann das ist? Ich trinke derzeit mit größtem Vergnügen 94er und 95er Spätlesen von JJ Prüm, die jetzt in Topform sind. Auch eine 2003 Wehlener Sonnenuhr Auslese von JJ Prüm probierten wir noch. Die war zu Anfang sehr enttäuschend, fast nichtssagend. Zurückhaltende, feine, florale Nase, am Gaumen weich, etwas diffus und säurearm. Doch Schluck für Schluck legte dieser Wein, der wohl besser dekantiert gehört hätte, zu, wurde komplexer, gewichtiger. Es wurde etwas mehr Struktur spürbar und in die Nase mischten sich vermehrt tropische Früchte. Sicher nicht das stärkste Prüm-Jahr, aber abschreiben würde ich diesen Wein, der irgendwann in den nächsten Jahren mehr als die heutigen 89/100 bringen wird, noch nicht.
Wie schön, dann am Abend endlich wieder bei Jörg Müller Platz nehmen zu dürften. Zu einem großartigen Menü starteten wir mit einer 2006 Hermannshöhle GG von Dönnhoff. Die kam mit der immensen Strahlkraft des frühreiferen 2005ers natürlich nicht mit, ist aber ein großartiger, sehr mineralischer, dichter Wein mit fordernder Säure. Gehört eigentlich nicht auf die Weinkarte, sondern 3-4 Jahre weggelegt. Dann werden aus den heutigen 91/100 sicher deutlich mehr und die Unterschiede zu 2005 werden deutlich kleiner. Zum jetzt und heute trinken, wenn es denn unbedingt sein muss, würde ich aus 2006 derzeit das Dellchen eindeutig vorziehen. Immer wieder macht mich 1989 l´Eglise Clinet sprachlos. Dieser seinerzeit total verkannte Wein hat sich inzwischen zu einem granatenhaften Traum-Pomerol entwickelt, für den die 96/100 noch nicht das Ende der Fahnenstange sind. Bei der großen Petrus-Probe der Ungers im letzten Dezember wäre ich froh gewesen, wenn in mindestens zwei von drei Gläsern ein Wein dieser Güte gewesen wäre. Als Abschluss gönnten wir uns noch einen 1977 Graham Vintage Port. Sehr fein, delikat und elegant, für einen Port fast filigran(Meine Begleiterin war da deutlicher: zu dünn!). Entwickelte sich aber und machte mit süßem Schmelz viel Freude, kenne ich allerdings größer – 91/100. Eigentliches Highlight des Abends war aber das Dessert, eine weltmeisterliche Variation vom Sylter Apfel. Was da Herr Schwarz wieder gezaubert hatte, wie er in diesen fünf Varianten die eigentlich natürlich säurebetonte Aromatik dieser Frucht herausarbeitete, das war einmalig. Wie alle Meisterstücke aber sicher auch eines, das polarisiert, denn wer keine Äpfel mag, oder nur zuckersüße, kastrierte Industriesorten, der wird hieran keinen Gefallen finden.
Triefend nass erreichten wir am nächsten Tag nach längerem Strandmarsch Westerland. Aber es gibt auf Sylt ja kein schlechtes Wetter, es gibt nur falsche Kleidung. Also rein in den neuen Schöffel-Laden und das alte Sylter Regenzeugs gegen neues, absolut wasserdichtes ausgetauscht. Trocken waren wir jetzt, nur warm noch nicht. Das erledigten wir dann im Weinhaus Schachner, wo bereits großer Andrang herrschte. Hier sind übrigens zum Frühling hin größere Änderungen angesagt. Die bisherige Weinhandlung wandelt sich zunehmend zur Vinothek. Die Öffnungszeiten werden bis 21 Uhr ausgedehnt, das kulinarische Angebot ausgeweitet und die bisher schon üppige Weinkarte vervielfacht. Erinnert mich irgendwie an das Düsseldorfer Saittavini, das auch als Weinhandlung begann und heute eher ein Restaurant mit angeschlossenem Weinhandel ist. Zu kleinen Schweinereien aus Schachners kalter Küche probierten wir einen 2006 Riesling Creation vom Weingut Tegernseerhof aus der Wachau. Dieser restsüße Wein im Stile einer elsässischen Vendage Tardive trank sich bereits erstaunlich schön, kräftig, nachhaltig mit reifer Frucht und cremiger Textur, der trotz Restsüße hohe Alkohol gut versteckt und die Süße durch die hohe Säure abgepuffert. Sicher ein Wein mit Zukunft, der in ein paar Jahren noch an Komplexität zulegen wird – 91+/100. Weniger gut gefiel mir danach ein 2004 Tenuta di Trinoro. Dunkle, pflaumige Frucht,viel Tannin, wirkt massig, dicht und tanninbeladen, dazu recht alkoholisch. So rechte Freude kommt bei diesem Wein, der an die großen Erfolge dieses Gutes aus 97-99 auch nicht entfernt herankommt, leider nicht auf – 89/100. Und dafür ist dieser Wein schlichtweg deutlich zu teuer.
Gewärmt, gestärkt und wasserdicht verpackt machte ich mich zur Biike auf. Schön das Treffen im modernen Kampener Feuerwehrhaus. Hier war es trocken und kuschelig, idealer Platz für einen Schnack mit den zahllosen Bekannten. Eher grenzwertig dann anschließend die „Schwimmstrecke“ zur eigentlichen Biike. Erstaunlich, wie gut die trotz der Regengüsse brannte. Aber eine gute Feuerwehr kann eben nicht nur löschen.
Für den Abend hatten wir uns die Grünkohlorgie erspart und stattdessen einen Tisch im Munkmarscher Fährhaus bei Alessandro Pape reserviert. Der kochte wieder großartig auf, und die sechs Gänge zusammen waren sicher leichter als eine große Portion Grünkohl. Als Apero und Begleiter der ersten Vorspeisen wählten wir eine 2007 Wehlener Sonnenuhr Kabinett von JJ Prüm. Die war deutlich offener und gefälliger als die Spätlese und trank sich einfach wunderschön – 91/100. Danach kam ein 2002 Meursault Rougeots von Coche Dury an die Reihe. Der wirkte immer noch recht jung und auch kompakt, sehr mineralisch, dezent nussig, sehr präzise strukturiert mit kräftiger Säure, Zitrusfrüchten und Apfel – 92/100. Eigentlich war ich eher etwas enttäuscht. Coche Dury hat einen Ruf wie Donnerhall. Die Preise sind leider auch entsprechend und sprengen jedes Budget. Die ganz großen Weine von Coche Dury, die eigentlich unbezahlbar sind (außer in der Traube Trimbach!), liegen in Burgund weit vorne an der Spitze. Die eher mittelprächtigen Weine, zu denen dieser Rougeots gehörte, sind immer noch schweineteuer, aber eigentlich ihr Geld nicht wert. Jeden Cent wert war danach aber ein herrlicher und bereits sehr gut trinkbarer 1995 Leoville las Cases. Nicht so ein Monstrum wie der überextrahierte 96er, eher feiner, fruchtiger, eleganter, St. Julien in seiner schönsten Form. Erinnerte mich stark an den gelungenen 90er dieses Gutes. Baute sensationell im Glas aus und wurde zunehmend dichter, länger und komplexer mit tollem Abgang – 95/100. Meine 95er nicht nur dieses Gutes liegen alle noch unberührt in ihren Holzkisten. Doch das muss nicht mehr sein. Der Jahrgang hat sich, so wie 96 auch, prächtig entwickelt und bietet durch die Bank bereits hohen Trinkgenuss.
Eher grenzwertig auch das Sonntagswetter. So kreiste schon beim Frühstück das Gespräch um ein adäquates Ziel für das Mittagessen. Als nördlichste Berghütte Deutschlands wird häufig die auch in diesen Tagen wieder hoffnungslos überfüllte Sansibar bezeichnet. Doch das stimmt nicht ganz. Noch weiter im Norden liegt die Lister Weststrandhalle. Ähnlich die äußere Anmutung, aber deutlich weniger aufgesetzt und längst nicht so überfüllt. Eine aus Österreich stammende Familie König sorgt hier dafür, dass sich der Gast als ebensolcher fühlt. Schönes, rustikales Ambiente, gute Küche, kleine, feine Weinkarte und ein für Sylt recht gutes Preis-/Leistungsverhältnis. So war nicht nur meine famose, hervorragend schmeckende Seezunge gut bezahlbar. Auch der in der Vorwoche in Paris für € 130,- getrunkene 2001 Beaucastel war hier mit € 85.- deutlich wohlfeiler. Nach mehrstündigem Strandgestapfe durch tiefen Sand – die Ebbe hatte noch nicht richtig eingesetzt – hatten wir uns das Mittagessen auch redlich verdient. Und natürlich auch den 2007 Grünen Veltliner Ried Kellerberg Smaragd von F.X. Pichler, der rasch vor uns stand. Mit kräftigem Goldgelb kam dieser würzig-pfeffrige Wein in unsere Gläser. Deutlich reifer und weniger alkoholisch als 2006 wirkte er, mit satter, reifer Frucht, hoher Extraktsüße und intensiver Mineralität, dabei mit cremiger Textur und bereits wunderschön zu trinken – 93/100. Sicher kein Wein, den man ewig aufheben muss und sollte, aber warum auch. Mit dem bereits erwähnten 2001 Beaucastel ging es weiter. Der erinnerte wieder stark an die halbe Flasche im Regalido(siehe weiter oben), passte sehr gut zu meiner Seezunge und verströmte eine mollige Wärme – 93/100. So eine gegrillte Seezunge ist übrigens ein hervorragender Begleiter auch großer Bordeaux. Man sollte sie halt nur nicht zu stark mit Zitrone beträufeln, was ja bei einer frischen Seezunge eh nicht nötig ist. Voll österreichisch schlossen wir unser Mal ab. Einen herrlichen Kaiserschmarrn gab es und dazu eine 1999 Weinrieder Chardonnay TBA. Einfach köstlich, dieses cognacfarbene Elixier, delikate, karamellige Süße, aber auch eine erstaunlich hohe Säure, die diesem hochkarätigen Süßwein eine schöne Frische verlieh – 94/100. Hätte man auch fast statt Zwetschgenröster über den Kaiserschmarrn gießen können, eine wundervolle Kombination. Familie König wird uns in ihrer sehr empfehlenswerten „Strandalmhütte“ in diesem Jahr sicher noch häufiger sehen.
Was macht man nach soviel Kulinarik? Man setzt sich in Bewegung und läuft wieder zurück, schließlich musste ja wieder Platz für den Abend geschaffen werden. Das Wiinkööv war zusammen mit einheimischen, Kampener Freunden am Abend angesagt. Da gab es erst mal zur Einstimmung Dort starteten wir nach einem Schluck erfrischenden Clüsserath-Rieslings mit einem 2007 Riesling Langenmorgen GG von Dr. Deinhard. Sehr mineralisch. Muschelkalk, gute Struktur, aber auch kompakt mit etwas stahliger Zitrusfrucht und herb im Abgang mit deutlicher Säure – 89/100. Wirkt wie ein durchtrainierter Marathonläufer ohne ein Gramm Fett. Puristen werden das lieben. Wie schön, dass unsere Mädels, die diesen Wein nicht austranken und stehen ließen, etwas mehr Fett lieber mögen. Habe ich nämlich derzeit trotz aller Sylter Gewaltmärsche reichlich von. So langten unsere Girls dann deutlich lieber beim 2006 Tatschler Chardonnay von Kollwentz zu. Der war deutlich üppiger, reichhaltiger und hedonistischer, noch sehr jung und vom reichlichen Holzeinsatz geprägt. Dadurch hatte er einen deutlichen Touch Neue Welt. Ich würde diesem Wein, der allerdings jetzt schon viel Spass macht, noch 1 oder 2 Jahre gönnen, da kommt noch mehr – 90+/100. Und dann kam schon der Wein des Abends, ein 2001 Pride Mountain Cabernet Sauvignon. Ein zupackender, fantastischer Kalifornier, der mich spontan an den großen 97er des Gutes erinnerte, zeigte sich in absoluter Bestform, satte Cassis-Frucht mit viel Fruchtsüße, Lakritz, Graphit, Tabak, ein toller Aromenstrauß und dazu eine erstaunlich präzise Struktur, gutes Tanningerüst für ein langes Leben – 96/100. War übrigens nicht nur mein haushoher Favorit, sondern der des gesamten Tisches. Weich, reif, schokoladig zeigte sich ein 1997 Beringer Bancroft Merlot – 92/100. Ja und dann war da noch ein teurer, hochgelobter 2002 Masseto. Der machte uns einigermaßen ratlos, denn von der Dramatik und der komplexen Dichte großer Massetos hatte der nun überhaupt nichts. Da war etwas schweißige Merlot-Nase, viele Kräuter, etwas Kirsche, aber nicht der erwartete, aromatische Druck. Trank sich wie mit angezogener Handbremse und geht allenfalls als reifer Zweitwein durch – 89/100. Und dann war da zum Abschluss noch ein überzeugender 2001 Torre Muga. So dicht, so konzentriert, so süß, da war ich blind in Übersee. Ein modern gemachter Wein, immer noch sehr jung mit strammem Tanningerüst – 94/100. Locker hätten wir diesen Abend noch bis in den Morgen ausdehnen können, denn plötzlich kamen da noch ein paar heftig schwankende, gut bekannte Gestalten durch die Tür, die den Moment für den Absprung schon längst hinter sich gelassen hatten. Da brachten wir uns so gerade noch in Sicherheit.
Wärend an diesem Rosenmontag sich die Narren in Köln und Düsseldorf warm schunkelten, oder es zumindest bei nasskaltem Wetter versuchten, hatten wir es wenigstens trocken und machten einen ausgedehnten Wattspaziergang nach Keitum. Dort landeten wir weinfrei in einem Klassiker, Nielsens Kaffeegarten. Von da ging es weiter ins Amici, das neue Restaurant der Gebrüder Berens. Die haben bisher schon mit der Cohibar und dem Sanders ein gutes Händchen bewiesen und dürften mit dem Amici wohl einen Volltreffer landen. Italienisch orientierte, leichte Küche, eine im Werden begriffene Weinkarte mit guten Ansätzen und vor allem für den Sommer zwei große Terrassen, von denen eine garantiert immer windfrei sein dürfte. Weinmäßig blieb ich weiter standhaft, den Aschermittwoch schon fest im Visier. Außerdem gab es da ja noch ein fest gebuchtes Abendziel, Hardy´s Weinstuben, das wir mit einem erneuten, kräftigen Fußmarsch nach Westerland erreichten. So war dann auch wieder genügend Appetit erzeugt, um vom Flammkuchen über die Dorschbäckchen bis zum Eisgugelhupf ausgiebig in der wunderbaren, elsässischen Küche des Hauses zu baden. Als ersten Begleiter nahmen wir einen 2005 Löwengang Chardonnay von Alois Lageder. Eher von der feinen, eleganten Art mit Zitrusfrüchten, etwas Vanille vom gut eingebundenen Holz und viel Mineralität, burgundisch und voll trinkbar – 89/100. Gegenüber der letzten Begegnung vor 1 ½ Jahren hier an gleicher Stelle hatte sich 2002 Pape Clement kaum geändert. Immer noch ein dichter Kraftbolzen mit einem Touch Neue Welt, dunkle, pflaumige Frucht, schwazer Pfeffer, stramme Tannine. Gut antrinkbar, aber da kommt in ein paar Jahren noch mehr – 91+/100.
Abreise war angesagt, nicht zu Fuß, sondern wieder mit Air Berlin. Und gleichzeitig war erst mal Schluss mit lustig. Auch wenn bis Aschermittwoch noch ein Tag hin war, ab jetzt wird erst mal 10 Tage lang ohne Wein und mit reduzierten Kalorien gelebt. Schließlich droht ja schon bald wieder eine schöne Palmer-Probe, eine Lafleur Best Bottle, eine Gantenbein-Vertikale, die Prowein....

Lange Gesichter zur Prowein?

Stellen Sie sich mal vor, es ist Prowein und niemand geht hin. Wird wahrscheinlich so nicht passieren, aber eine bestimmte Gruppe von Winzern wird mit Sicherheit nicht anzutreffen sein, nämlich die aus Bordeaux. In seltener Dämlichkeit hat die Düsseldorfer Messegesellschaft sich in diesem Jahr mit dem Messetermin mal wieder zwischen alle Stühle gesetzt. In der Messewoche beginnen in Bordeaux die Primeur-Verkostungen des Jahrgangs 2008. Das ist seit Jahr und Tag Pflichttermin für alle wichtigen Einkäufer und Journalisten. Und natürlich für die Chateaubesitzer, die ein weiteres Problem haben. In der Woche vorher kommt, wie immer, die Diva der Weinkritiker nach Bordeaux, Robert Parker. Und den empfängt natürlich jeder Chateaubesitzer höchstpersönlich. Gilt übrigens ebenso für den zur gleichen Zeit anreisenden James Suckling vom Wine Spectator. So fing sich denn auch Otmane Kaihrat von Mövenpick für seine Smith Haut Lafite Veranstaltung eine Absage von den Cathiards ein. Parker geht nun mal vor. Stattdessen kommt jetzt der Kellermeister.
Und den Besuchern der 2006er Bordeaux-Verkostung während der Prowein wird es dann in diesem Jahr wohl so gehen, wie seinerzeit Sissi und Kaiser Franz in der Mailänder Oper. Wo im letzten Jahr die Chateaubesitzer standen, findet sich heute das Schlosspersonal.
Etwas cleverer als die Düsseldorfer stellten es die Italiener an. Deren Vinitaly in Verona beginnt am Donnerstag, den 2. April, so dass die Bordeaux-Karawane gemütlich weiterziehen kann.
Aber vielleicht hat das ja für Weinfreaks auch etwas Gutes. So, wie die Cebit in diesem Jahr mit Unmengen von Schulklassen auf noch akzeptable Besucherzahlen getrimmt wird, könnte die „Fachbesucher-Registrierung“ auf der Prowein in diesem Jahr sicherlich einfacher sein. Schließlich ist die nackte Besucherzahl ja eine der Hauptwährungen, mit denen die Messe für das nächste Jahr trommelt.