Juli 2006

Ein feiner Sommerabend

Was für ein schöner Montagabend! Bernd Wirtz, die „Mutter aller Hobbyköche“ hatte uns spontan eingeladen und ein leichtes, den hohen Temperaturen angepasstes Menü vorbereitet. Für Idig-Fans, die wir nun mal alle inzwischen sind, war der Begrüßungsschluck sofort blind zu erkennen. Das ist schon ein gewaltiges Teil, dieser 2002 Königsbacher Idig, Großes Gewächs von Christmann aus der Pfalz. Den habe ich hier schon so oft beschreiben, das kann ich mir jetzt sparen, einfach ein Weltklasseriesling – 96/100.
Wir wechselten danach sofort ins rote Fach. Überraschend gut ein 1955 l´Ermitage Cuvée des Moines von Chierpe. Dichte Farbe mit deutlichem Braunrand, am Gaumen deutlich frischer als in der Farbe mit noch feinen Tanninen, Veilchen, Lakritz, üppige Fülle, aber auch etwas medizinal – 93/100. Solo wäre der sicher noch besser rübergekommen, hätte da nicht im Nachbarglas ein irres Tier von Wein gestanden, der 1949 Chateau La Tour Haut Brion in einer Schaffermahlzeit-Abfülling von R&U. Dichte, dunkelrotbraune Farbe, ein Aromenmonster mit frisch geteerter Straße, Tabak, alter Ledertasche, Bitterschokolade und dickem Steak vom Holzkohlengrill. Kraftvoll und im positiven Sinne rustikal, ein sehr eigenständiger Charaktertropfen, der mit heutigen, polierten Hochkarätern soviel gemein hat wie Gérard Depardieu mit einem Tanzmariechen. Entwickelt feine, leicht malzige Süße und bleibt ewig am Gaumen. Voll da und doch kein bisschen müde, einfach ein ganz großes Weinerlebnis – 99/100. Schade, dass die neueren La Tour Haut Brions die alte Klasse nicht mehr erreichen.
Gut, dass sich jetzt nicht ein Bordeaux mit dieser Ikone messen musste. Wir wechselten nach Kalifornien. 1991 Phelps Insignia stand vor uns. Auch das ein großer Wein, tolle Beerenfrucht, Kirsche, sehr dicht mit irrer Kraft und noch unglaublich jung wirkend. Bei aller Kraft noch mit unglaublicher Frische. Lediglich die feine Süße zeigt erste Reife, aber der hat noch eine lange Zukunft – 95+/100. Insignia ist einer meiner Lieblings-Kalifornier. Zusammen mit Ridge Monte Bello wohl der zuverlässigste, kalifornische Wein, immer auf sehr hohem Niveau, mit beachtlichem Alterungspotential und immer noch einigermaßen bezahlbar. Kein Kultwein für Etikettentrinker, eher eine sichere Bank für echte Weinfans. Sehr viel weiter und reifer, aber auch immer noch mit Reserven für etliche Jahre im anderen Glas der 1991 Silver Oak Napa Valley, leicht zu erkennen an der typischen, kräuterigen Dill-Nase. Blumige, ausrucksstarke Frucht, Johannisbeere, aber auch dunkle Früchte, Veilchen, Lakritz, sehr dicht, kräftig, wird im Glas immer üppiger, offener mit feiner Süße – 95/100.
Und schon kam die nächste Bank ins Glas: 1982 Gruaud Larose. Ein dichter, muskulöser, tiefgründiger Wein. Immer noch sehr jung, öffnet sich aber zunehmend mit fantastischer Frucht, toller Aromatik und irrer Frische – 96+/100. Es wird spannend sein, die Entwicklung dieses großen Weines über die nächsten 20-30 Jahre zu verfolgen.
Den Abschluss eines feinen Abends bildete ein weiterer Klassiker, 1995 Shafer Hillside Select. Das war Wein-Hedonismus pur, was da ins Glas kam. So ein großer, konzentrierter, geiler Stoff mit überbordender, verschwenderischer Frucht, Cassis, Blaubeere, Heidelbeere, mit faszinierender Frische, dazu sehr schmelzig am Gaumen – 98/100. Was mich an den Hillside Selects so fasziniert, vor allem im Gegensatz zu so manchem, hoch bepunkteten, kalifornischen Konzentrat, sind Harmonie und Frische. Der Hillside Select macht einfach unglaublichen Spaß, wirkt nie überladen und bewahrt sich sogar bei aller Konzentration immer noch eine gewisse Leichtigkeit.

Beim Griechen

Ausgerechnet beim Griechen begann eine wunderbare Schweizer Weinsause. Gut, die erst angepeilte Seeterasse war zu frisch, das Essen eher unterdurchschnittlich und die Gläser nicht wirklich brauchbar. Das kann aber einen echten Weinfreund nicht wirklich erschüttern. Schnell zauberte einer meiner Schweizer Freunde Riedel Sommeliers herbei, mit denen wir die vielen Korkschmecker und Fehltöne dieses Abends viel intensiver erleben konnten.
Los ging es mit einem 1990 Haut Bages Liberal. Sehr fein, elegant, Merlot-bentonte Nase, pikante Frucht, etwas Zedernholz, schon reif und auf dem Punkt – 90/100.
Und schon waren wir mitten im Korkschmeckerland. Was soll man bei einem 1970 Giscours groß beschreiben, den ein Kork nicht nur seiner Frucht beraubt hat und der im Glas immer schlimmer wird? Nicht viel besser danach ein 1975 Haut Brion, der unter diesen ekelhaften Tönen nur erahnen lässt, wie er ohne Kork geschmeckt hätte. Schonungslos arbeiteten die Riedel Sommeliers die Fehltöne heraus. Das sind schon nicht nur vom Fassungsvermögen her wirklich große Gläser.
Keine allzu große Freude kam auch beim nachfolgenden 1986 Leoville las Cases auf. Der hatte zwar keinen Fehler, war aber einfach immer noch viel zu jung und ließ einfach nichts raus. Etwas stahlige Frucht, bittere Töne, massive Tannine und eine scheinbare Belanglosigkeit, hinter der sich irre Kraft und Konzentration verbargen – 90++/100. In wohl 10-15 Jahren wird das ein würdiger Kompagnon des 82ers und passt sicher auch in einen 86er Flight mit Mouton und Lafite. Kaufen? Nur bei bester Gesundheit.
Wenig begeistert war ich danach auch von einem meiner persönlichen Lieblingsweine, dem 1970 Latour. Leider war nur kurz vorher dekantiet worden und wirkte sehr bissig und verschlossen. Seine echte Größe zeigte er nur ansatzweise und erst beim allerletzten Schluck kam etwas von dieser faszinierenden, leicht bitteren Walnuß-Aromatik, die so typisch für Latour ist. Das zu kurze Dekantieren war sicher nicht das wesentliche Kriterium für das schlechte Abschneiden dieses Weines, bei dem maximal 93/100 ins Glas kamen. Ich vermute stark, das diese, von meinen Schweizer Freunden erst kürlich auf einer Auktion erworbene Gastronomieflasche irgendwann im Laufe ihres über 30jährigen Lebens kräftig misshandelt wurde. Das ist leider die Crux bei solchen Flaschen. Der Füllstand gibt keine Auskunft darüber, ob die Flasche ein paar Monate in einem Schaufenster, unter Neon oder auf einem Kaminsims verbracht hat. Mindestens so wichtig wie Jahrgang und Chateau ist deshalb bei einer älteren Flasche immer die einwandfreie Herkunft.
Bei 93/100 Meckern und bei derselben Punktzahl jubeln? Klar, was für einen sündhaft teuren 70er Latour beschämend ist, kann man bei einem 1990 Clerc Milon nur als großartig bezeichnen. Zu Anfang leicht käsige, schweißige Merlot-Nase, animalisch, wird mit der Zeit gefälliger und entwickelt feine Minze und auch einen Hauch von Eukalyptus. Feine exotische Noten, baut immer mehr im Glas aus. Natürlich fehlt für einen richtig großen Wein das Rückrat, aber was hier für kleines Geld an Weinvergnügen geboten wird, das ist schon beachtlich – 93/100.
Etwas eindimensional und nicht so offen und üppig, wie ich ihn kenne, wirkte an diesem Abend der 1999 Almaviva. Konzentrierte, dichte Frucht, Kraft und Länge – 92/100.
Besser noch ein paar Jahre warten sollte man auch beim nächsten Wein. 1986 Grand Puy Lacoste kann vor Kraft kaum laufen, doch fehlen im jetzigen Stadium die feine Frucht und die Finesse, die dieses Chateau sonst auszeichnen. Power ohne Ende, etwas dumpfe Aromen – 92+/100.
Und da wir nun mal bei den verschlossenen Weinen waren, ging es gleich weiter im Takt. Der einstmals grandiose 1990 Cos d´Estournel scheint das Schicksal des 82ers zu erleiden. Großartig und heiß begehrt in der Jugend und dann für längere Zeit ab in die Versenkung, aus der der 82er gerade so langsam wieder herauskommt. Wehmütig dachte ich an die offene, anmachende Art des 90ers. Was war das für ein geiler Saft mit toller Frucht und jugendlichen Röstaromen. Jetzt wirkte er sehr ernst, geradezu tragend. Da ist zwar Kraft ohne Ende und eine tolle Länge am Gaumen, aber die große Freude will sich nicht einstellen. 10 Jahre warten – 92+/100.
Nichts zu meckern fand ich beim letzten Wein, einem 1990 Rayne Vigneau. Der war in bester Verfassung. Kräftiges Goldgelb, exotische Früchte, englische Orangenmarmelade mit feiner Bitternote, schöne Süße, sehr, sehr lang am Gaumen – 93/100.

Schweizer Bahnservice

Wäre schon interessant zu wissen, was denn in der Schweizer Eisenbahn so in der Ersten Klasse an Wein serviert wird. Ich hatte in der Bimmelbahn von Hergiswil nach Engelberg in der Zweiten Klasse plötzlich einen 1997 Puligny Montrachet 1er Cru Clos de la Mouchère von Boillot vor mir stehen. Schon sehr reif und weit, entwickelte sich aber sehr schön im Glas, wurde runder, nussiger – 89/100. Auf der Rückfahrt gab es einen traumhaft schönen, beerig-fruchtigen 2001 Isosceles aus Paso Robles von Justin Vineyards, sicher auf 95/100 Niveau.
Bevor Sie jetzt beim nächsten Mal den armen Schweizer Schaffner anfauchen, weil er nichts Passendes vor Sie gestellt hat, stellen Sie sicher, dass Sie meinen Weinfreund Gregor Biland mit dabei haben. Dann ist nicht nur für den Wein, sondern auch für entsprechende Gläser gesorgt.

In Engelberg selbst, dieser ziemlich verbauten Alpensünde, gäbe es als Geheimtipp eine kleine Bar namens Chez Rada mit einer attraktiven Weinkarte und einer nicht minder attraktiven Wirtin. Ins Chez Rada kann man vor dem Bergwandern gehen, was weniger empfehlenswert ist, man kann hinterher dort landen, was uns passiert ist, oder man gleich statt Bergwandern dort hingehen. Dann erspart man sich zumindest den heftigen Muskelkater, an dem ich noch tagelang litt.
Eigentlich wollten wir es bei einem 2001 Pibran belassen, einem charmanten, offenen, fruchtigen, unkomplizierten Pauillac – 87/100. Doch dann entdeckten wir auf der Karte zum freundlichen Kurs einen 1987 Mouton Rothschild, und es war um uns geschehen. Dieses klassische vollreife Mouton-Erlebnis mit der typischen Nase konnten wir uns nicht entgehen lassen – 93/100. Und da wir in einer Gruppe waren, ging dann natürlich noch mehr. Wir landeten bei einem 1998 Sassicaia. Der hatte eine schöne, von Röstaromen geprägte Nase, wirkte am Gaumen aber verdammt dünn und langweilig – 88/100. Bis 1990 waren die Sassicaias gut, knapp und teuer. Jetzt sind sie nur noch knapp und teuer. Nicht groß, aber doch eine ganze Ecke über dem Sassicaia danach ein 1998 Pichon Baron. Der machte mit seiner offenen, pflaumigen Frucht und seiner üppigen, fülligen Art viel Spaß – 90/100. Ein frühreifer Pichon Baron, den man nicht sehr lange aufheben muss.

Ronaldos Bäuchlein

Großes Verständnis habe ich inzwischen für das unübersehbare Bäuchlein, dass Brasiliens Stürmerstar Ronaldo während der WM über den Platz schob. Mußte sich der arme Kerl doch wie auch der Rest der Mannschaft längere Zeit im Parkhotel Weggis am Vierwaldstättersee verwöhnen lassen. Weggis, das sind nicht nur ein traumhaftes Hotel und eine vorzügliche Küche. Das ist auch ein gigantischer Weinkeller und eine formidable Weinkarte mit über 2000 in der Regel recht gastfreundlich kalkulierten Positionen. Darüber gebietet mit Christian Bock ein sehr kenntnisreicher, sympathischer Chefsommelier, der im letzten Jahr zurecht als bester seiner Zunft in der Schweiz ausgezeichnet wurde.
Standesgemäß reisten wir mit dem eigenen Boot über den See an. Gülden hing die pralle Abendsonne über dem Seeufer und schickte sich an, unterzugehen. Von der Terrasse des Weggis aus genossen wir den herrlichen Abendhimmel und den Blick über den See. Der (fast) Vollmond tauchte alles in ein faszinierendes Licht und zog eine breite, goldene Spur über den See. Und zu später Stunde kam dazu dann noch das alljährliche, große Seefeuerwerk. Disney hätte das nicht besser arrangieren können.
Unser Weinfeuerwerk begann mit einer 1998 Ürziger Würzgarten Auslese Goldkapsel von Dr. Loosen. Ein sehr kräftiger Riesling, stoffig und elegant zugleich, mit einer faszinierenden Honignase und knackiger Säure, ein perfekter Aperitif und ein gelungener Anfang – 93/100.
Doch schon mit dem nächsten Wein hatte uns der Korkteufel wieder. 1997 Ornellaia, was weder meine Schweizer Freunde noch Christian Bock groß verwunderte. Beide hatten schon etliche korkige Flaschen dieses Weines gehabt.
Auch der nachfolgende 1987 Grgich Hills Cabernet Sauvignon hatte einen deutlichen Fehlton, der mit zunehmender Luft immer stärker wurde. Jammerschade um diesen sonst so schönen Wein.
Nostalgisch wurde es dann mit dem nächsten Wein. Wir tranken einen Wein aus der Zeit, als Sassicaia nicht nur rar und teuer, sondern auch noch sehr gut war. 1977 Sassicaia zeigte keinerlei Schwächen oder Alter, einfach ein großer, perfekt gereifter Cabernet. Sehr würzig mit Nelke und Lakrtitz, exotischer Touch, viel Kraft, aber auch die feine Süße eines reiferen Weines. Ein Klasse-Sassicaia, der im Glas immer feiner und schmelziger wurde und sehr lang am Gaumen blieb – 96/100. Hut ab nicht nur vor dem Sassicaia, sondern auch vor einer Weinkarte, auf der man solche Trouvaillen noch finden kann.
Deutlich reifer präsentiert sich inzwischen auch 1992 Harlan. Ein großer, perfekt strukturierter Wein mit toller Länge, der aber an die großen Erfolge des Gutes in jüngeren Jahren nicht heranreicht – 96/100.
Ein Plaisirmonster war 1993 Viader. Interessante Nase mit feiner Süße, auch am Gaumen süß und dabei so anmachend zugänglich, ein Showwein, aber auch durchschaubar, viel Banane, baute schön im Glas aus – 93/100.
Gespannt war ich auf die ultrararen, hoch bewerteten Weine von Sloan, die ich bisher noch nicht getrunken hatte. Begeistert waren wir alle von 2000 Sloan. Der präsentierte sich so offen, mit fantastischer Frucht, mit jugendlichen Röstaromen, etwas Tabak, viel jugendlichem Schmelz. Einfach ein geiler Saft aus einem Jahr, das in Kalifornien als schwieriger galt. Die 96/100, die ich da im Glas hatte, mag dieser Wein auf Dauer nicht bringen. Jetzt war er die aber voll wert.
Weniger konnten wir mit 2001 Sloan anfangen. Klar, das ist ein gewaltiges, viel zu junges Konzentrat, knapp an der Schmerzgrenze. So eine Art kalifornischer Pavie. Sicher ein irrsinniges Potential, aber völlig anders als andere Kalifornier, die ja in der Jugend deutlich mehr rauslassen. Schwer zu sage, was da mal draus wird. Eigentlich müsste der Wein jetzt so etwas wie eine jugendliche Fruchtphase haben. Aber er ist sehr verschlossen und zugenagelt. Hoffen wir, dass Winemakerin Martha McClellan, die Frau von Harlan Winemaker Bob Levy, weiß, was sie da tut – 92++/100. Sollten Sie eine dieser extrem gesuchten Flaschen ergattern können, so versuchen Sie gar nicht erst, den Wein zu trinken. Es lohnt derzeit nicht.
Als Krönung bekamen wir dann noch so einbissiges Teil serviert, den 2003 Ridge Monte Bello. Auch der war irre jung und verschlossen, astringierend mit bissigen Tanninen. Spaß macht das nun wirklich nicht – 88++/100.
Zur Ehrenrettung des kompetenten Herrn Bock sei gesagt, dass diese Weine Mitbringsel unsererseits waren. Alle Weine, die er uns aus der Karte vorschlug bzw. blind servierte waren eine perfekte Wahl. Das zeigte sich auch im letzten Flight, wo er gegen unseren 1996 Henley Shiraz aus Australien einen grandiosen 1998 Alban Syrah Lorraine Vineyard aus dem kalifornischen Edna Valley setzte. Gegen diesen konzentrierten, kräftigen, spannenden kalifornischen Syrah(93/100) konnte einem der etwas breitere, langweiligere Australier schon leid tun.

Die Gieronde

Seit 14 Tagen bin ich jetzt alkoholfrei und trinke nur noch Stilles Wasser. Sieben Tage hänge ich da noch dran, dann ist gut. Jedes Jahr gönne ich meiner Leber diese drei Wochen Urlaub, immer dann, wenn mein Urlaub in Reichweite ist, denn da muss sie dann ja wieder ran. Schwer fällt mir das eigentlich überhaupt nicht. Die diesjährige Sommerhitze tut ein Übriges dazu. Da entsteht wirklich keine Sehnsucht nach einem schönen Rotwein.
Bot man mir da doch tatsächlich vor ein paar Tagen 2005 Lafleur und Petrus an. Schlappe € 1500 sollte der Petrus in der Subskription pro Flasche kosten, der Lafleur € 800. Da habe ich dankend abgewunken. Das war wirklich der Gipfel der Unverschämtheit. Aber bei diesem Jahrgang kann mich nichts mehr erschüttern. Die Gironde, die im Bordelais linkes und rechtes Ufer voneinander trennt, habe ich für mich in „Gieronde“ umgetauft. Passt irgendwie besser zur unersättlichen Gier der Bordelaiser Schlossherren.
Zufriedene Gesichter sieht man derzeit viele in Bordeaux. Nicht nur wegen der prall gefüllten Bankkonten. Der Jahrgang 2006 lässt sich bisher sensationell an. Im Gegensatz zu 2003 gibt es trotz der Hitze noch keine Wasserprobleme. Da deutet sich möglicherweise ein weiterer Jahrhundertjahrgang an. Und was passiert dann?
Angenommen, der 2006er wird sehr gut, erreicht aber nicht die Klasse von 2005. Dann wird es Preissenkungen von 10-15% geben, als großzügige Verbeugung gegenüber den Konsumenten. 300% aufschlagen und dann 10% nachlassen – Weintrinker, wir lieben Euch, vor allem Euer Geld!
Und sollte der 2006er das Kaliber von 2005 erreichen oder vielleicht sogar noch eins draufsetzen, dann werden die Schlossherren von größter Zurückhaltung und konstanten Preisen im Sinne der Konsumenten sprechen und von allenfalls maßvollen Preiskorrekturen, nach oben versteht sich..
Ist schon ein seltsames Volk da unten, links und rechts von der Gieronde.