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Juli 2007
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M O U T O N 4 5 F Ü R S C H L A U E
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Was für ein prächtiger Weinabend. Als Einstieg empfahl uns der kenntnisreiche Sommelier einen Weißen Burgunder, 1997 Chassagne Montrachet Les Embrazées 1er Cru von Bernard Morey et Fils. Ich habe erst etwas gezögert, denn mit Weißen Burgundern aus den 90ern habe ich schon viele Pleiten erlebt, und noch dazu sind die besseren unter diesen Weinen nicht gerade wohlfeil. Aber konnten die Augen dieses Sommeliers, der uns schon oft so gut beraten hatte, lügen? Der Wein war eine Superwahl, die wir nicht bereuten. Das war Burgund, wie ich es aus früheren Jahren kenne und liebe. Ein rassiger, fantastischer Burgunder mit expressiver Aromatik. Nussig, mineralisch, tolle Frucht sehr viel Spannung und gute Länge am Gaumen – 96/100. Weiter ging es mit einem 1952 Chambertin von Louis Latour. Hier hatte ich auf Sicherheit gespielt, denn diesen großen, roten Burgunder kannte ich. Auch diese Flasche wieder absolut perfekt. Betörende Nase mit viel Tiefgang, immer noch sehr frisch wirkend, pikant und delikat mit nur ganz dezenten Reifetönen in der brillianten Farbe, Himbeere, Kirsche, Waldboden, ganz feine Süße. So macht Burgund Spaß, noch dazu, wenn so ein Gigant nicht mehr kostet, als ein besserer, junger 2005er - 96/100. Passen musste unser Sommelier bei der Frage nach 1945 Mouton Baron Philippe. Nein, den kannte er nicht. Aber wir wollten diesen Wein kennen lernen und erlebten eine der größten Weinüberraschungen der letzten Zeit. Eigentlich hieß dieses Gut zur damaligen Zeit Mouton d´Armailhacq, bevor es 1956 in Mouton Baron umbenannt wurde. 1975 wurde daraus Mouton Baronne und seit 1989 heißt es wieder Chateau d´Armailhac. Eigentlich hätte unser Wein, der seit Jahrzehnten in den Kellern des Restaurants schlummerte, also gar nicht Mouton Baron heißen dürfen. Doch da hatte wohl Nicolas, aus deren Reserve diese perfekte Flasche stammte, irgendwann in den 50ern andere Etiketten bekommen, was wohl häufiger vorkam. Jedenfalls konnte ich inzwischen recherchieren, dass dieser Wein schon mehrfach als 1945 Mouton Baron in Verkostungen aufgetaucht ist. Spektakulär an dieser Flasche war aber der Inhalt. Brilliante Farbe mit wenig Alterstönen, so frisch, so minzig, so druckvoll am Gaumen mit wunderbarer Frucht und ewiger Länge am Gaumen. Ich musste spontan an 1945 Mouton Rothschild denken, an den dieser Wein massiv erinnerte. Wobei ich schon einige 45er Moutons getrunken habe, die schlechter waren, als dieser Traumstoff vor uns. Das hier waren locker nicht erwartete 97/100 zu einem noch dazu sehr fairen Preis. Nicht mal ein Zehntel dessen, was ein 45er Mouton kosten würde, hatten wir hinterher auf der Uhr. Aber ein unglaubliches Geschmackserlebnis. Wenn Sie dem Phantom 45 Mouton immer noch hinterher jagen, vergessen Sie es. Die wenigen, noch nicht ausgetrunkenen und nicht gefälschten Flaschen, die es heute noch gibt, sind selten in gutem Zustand und trotzdem hoffnungslos überteuert. Kein Wunder, dass so ein kleiner Mouton Baron aus „Erster Hand“ mehr Freude macht, als ein vielgereister Wanderpokal. Ach ja, das Restaurant. Sorry, aber den Namen habe ich leider vergessen. Nicht aber, dass da noch zwei Flaschen liegen.... Einen feinen, aber noch viel zu jungen Dessertwein gab es zum Abschluss. 1991 Tokay Aszu 5 Puttonyos Nyulaszo von The Royal Tokay Wine Company. Ja waren wir denn hier in Österreich? Marillenlikör pur mit intensiver Süße und unglaublicher Säure, dabei noch unglaublich frisch und sehr jung. Wir hatten zwar gut und gerne 94/100 im Glas, aber in 50 Jahren geht da richtig die Post ab.
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B Ö T C H E N F A H R E N
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Meine Schwiegermutter und mein Freund Gregor haben beide eine große Leidenschaft: Bötchen fahren. Nur geht es bei meiner Schwiegermutter mit der Weißen Flotte auf dem Rhein bei Kaffee und Kuchen nach Kaiserswerth. Gregor hingegen befährt mit einem schnittigen, Volvo-angetriebenen Boot den Vierwaldtstätter See. Kaffee und Kuchen gibt es bei ihm an Bord nicht. Dafür hat er meistens einen Königsbacher Idig von Christmann dabei, z.B. den grandiosen 2002er. Oder aber einen 2004 Puligny Montrachet Les Tremblots von Hubert Lamy. Auch der nicht von schlechten Eltern. So ein eigener Wasserflitzer hat schon große Vorteile, nicht nur, was die freie Gestaltung des Bordkellers angeht. Auch der eigene Fahrplan ist sehr vorteilhaft. So kann man z.B. nach einem langen, arbeitsreich entweihten Samstag Vormittag noch schnell nach Obermatt zu einem späten Mittagessen fahren. Ein Restaurant, das nur mit dem Boot zu erreichen ist. Dort gibt es süchtig machende Älplermagronen und dazu von der kleinen Weinkarte einen vortrefflichen 2000 Lascombes. Letzterer hat noch eine sehr dichte, junge Farbe und eine fruchtbetonte Nase mit üppigem, großem Beerencocktail. Ein recht kräftiger, gut gemachter Wein mit strammem Tanningerüst. Schon gut (an)trinkbar mit genug Standvermögen für eine lange Zukunft – 91/100. Wer es etwas vornehmer sucht, wird im Parkhotel Vitznau fündig. Märchenhaft am See gelegen und auch äußerlich in Richtung Märchenschloß gehend, bietet dieses Juwel aus der exklusiven Hotelkollektion der Familie Oetker auch und gerade für Weinfreunde ein lohnendes Ziel. Gut 900 Positionen enthält die sehr fair kalkulierte Karte. Was Wunder, ist doch für den gesamten gastronomischen Bereich des Hauses der überaus sympathische Geny Hess verantwortlich, der Sohn der gleichnamigen Weinlegende aus Engelberg. Klar legten wir dort an und probierten mit Geny zusammen zwei schöne Weine, während sich um uns herum zwei große Hochzeitsgesellschaften warmliefen. Erstaunlich reif wirkte schon 1996 Vieux Chateau Certan mit ersten Reifetönen in der Farbe, sehr minzig, Zedernholz, von der Stilistik her eher Medoc als Pomerol, weich, zugänglich und erschreckend weit – 91/100. Das ist mir jetzt schon bei einigen 96er Bordeaux passiert und macht mich nachdenklich. Jugendlich erfrischend und einfach ausnehmend lecker die 2004 Schloßböckelheimer Felsenberg Riesling Auslese von Dönnhoff. Extraktreich, mineralisch, mit feiner Süße, perfekt ausbalanciert durch die knackige Säure, angenehme 7,5% Alkohol. Ein animierender Riesling mit viel Spannung, perfekter Begleiter eines schönen Sommertages – 93/100. Wer sich alleine nicht in dieses elegante Haus traut, kann das an Pfingsten mit René Gabriel machen. Auch im nächsten Jahr findet dort wieder am Freitag vor Pfingsten ein großer René Gabriel Gala Abend mit reichlich schönen Weinen statt. Bei Interesse bitte rechtzeitig auf www.weingabriel.ch anmelden.
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S Y L T E R K Ö S T L I C H K E I T E N
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Eigentlich habe ich mich gerne als Chauffeur zur Verfügung gestellt, um die Familie nach Sylt zu bringen. Schließlich gab es so einen schönen Vorgeschmack auf den eigenen, leider deutlich kürzeren Urlaub auf dieser wunderschönen Insel. Natürlich wusste ich nicht, dass ausgerechnet an diesem Wochenende ganz Deutschland auf der Autobahn verabredet war und das nicht nur zu den üblichen Zeiten, sondern sogar am Samstag Nachmittag. Und so stand ich dann just zu der Zeit, zu der ich in Hardy´s Weinstuben platz nehmen wollte, immer noch in Niebüll an der Autoverladung. Da zahlt es sich dann aus, wenn der Wirt ein guter Freund ist. André Speisser erzählte am Telefon etwas von Küche bis Mitternacht und ich solle mir keine Sorgen machen. Dabei machte ich mir keine Sorgen. Ich hatte nur einen Bärenhunger und einen ebensolchen Durst. Statt der Abendsonne tauchte vor meinen Augen immer wieder als Fata Morgana der sensationelle Flammuchen von Hardy´s Weinstuben auf. Den habe ich dann zu später Stunde auch gleich zweimal verzehrt, als Vor- und als Nachspeise. Auch schöne Weine hatten wir auf dem Tisch. Sehr ansprechend als Einstieg 2001 Haut Bergey Blanc aus Pessac. Ein kräftiger Wein mit Zitrusaromen, Honigmelone, sehr mineralisch, würzig, baute gut im Glas aus – 91/100. Ein immer noch bezahlbarer Newcomer, den man sich merken sollte. Sehr gut gefiel mir auch 2003 Lynch Bages. Der hatte nicht nur pralle, satte 2003er Frucht, sondern auch überraschend viel Struktur und ein gutes Tanningerüst. Dass ausgerechnet Lynch Bages, dieser Edelspaßwein, in 2003 aus der Schlabberphalanx ausbricht, verwundert schon – 92/100. Weniger anfangen konnte ich dann mit einem 2004 Grand Destieu aus St. Emilion. Der erste Jahrgang, seit das Weingut in den Besitz des ehrgeizigen Jonathan Maltus von Chateau Tessier gelangte, wirkte auf mich so ein bisschen gewollt, aber nicht gekonnt. Ein sehr kräftiger, tintiger Wein mit hohem Extrakt. Eisenhaltige Böden soll das Gut haben, aber muss ich dann gleich an einem alten Brückengeländer lutschen? Etwas bitter im Abgang, weniger wäre bei diesem Wein sicher mehr gewesen – 87/100. Super Wetter am Sonntag, meinem einzigen Strandtag, bevor es mit dem Flugzeug zurück nach Düsseldorf ins Büro ging. An Kampens Buhne 16 gab es zum Wiedersehen mit vielen Freunden einen knackig-frischen 2006 Weedenhof Riesling, einen blitzsauberen, nachhaltigen Sommerwein – 84/100. Nicht mein Ding war ein 2003 Chardonnay von Henseler. Der floß mit dem satten Goldgelb eines deutlich älteren Weines ins Glas, wirkte dick, mastig, korpulent mit exotischer, gelber Frucht und deutlichen, oxidativen Noten. Muss ich nicht haben – 81/100. Bei beiden Weinen hielt ich mich deutlich zurück. Schließlich war ja für den Abend Jörg Müller geplant. Hier starteten wir mit einem 1989 l´Eglise Clinet. Da überkam micht nicht nur das schlechte Gewissen. Schließlich habe ich seit langem meinen Report des Jahrgangs 1989 versprochen. Vielleicht komme ich ja im August auf Sylt dazu. Für alle Fälle habe ich schon ein paar 89er aus eigenen Beständen zum Nachverkosten nach Sylt geschafft. Lange wurde der l´Eglise Clinet, von dem ich sicher schon ein gutes Dutzend getrunken habe, unterschätzt. So liegt er mit 89/100 bei Parker und 16/20 bei Gabriel für diesen Jahrgang am unteren Ende. Bis Mitte der Neunziger brauchte man für dieses Tanninmonster auch verdammt viel Fantasie. Doch inzwischen hat er sich verdammt gut gemacht. Kein sanfter Schmusemerlot, sondern immer noch ein massiver Brocken mit Bitterschokolade ohne Ende, mit reifer Kirschfrucht, etwas portigen Noten und einem endlosen Abgang. Immer noch ganz am Anfang. Immerhin hatte ich jetzt schon 94/100 im Glas. Ich bin sicher, innerhalb des nächsten Jahrzehnts kommen da noch mindestens 2-3 dazu. Ich kaufe, was ich kriegen kann. Völlig unbekannt war mir bisher 1971 Lafleur. Der kam sehr schlank, kompakt und jung wirkend ins Glas, deutlicher jünger wirkend als der l´Eglise Clinet. Ein sehr eleganter Wein mit der typischen, kräuterigen Aromatik und mit hoher Säure. L´Eglise Clinet war zu Anfang der deutlich schönere Wein, doch das gab sich mit der Zeit. Der erst recht zugeknöpfte Lafleur öffnete sich zunehmend, wurde fülliger und süßer. Ich weiß, dass ich damit völlig konträr zu Gabriel und Parker liege, aber für mich ist der 71er Lafleur ein großer Wein mit immensem Potential, der seine Zukunft noch vor sich hat. Heute 94+/100, in etlichen Jahren, vielleicht auch Jahrzehnten, deutlich mehr. Wer ihn heute trinken möchte, sollte ihn mindestens 2-3 Stunden vorher dekantieren, und wer den Wein bloßstellen möchte, packt ihn in eine Vergleichsprobe mit offeneren Jahrgängen oder Gewächsen. Da säuft er derzeit ab. Und dann gönnte ich mir noch ein weiteres Highlight dieser einmaligen Weinkarte, 1929 Richebourg von Faiveley. Ein noch sehr fruchtiger, unglaublich präzise strukturierter Traumburgunder. Noch kein bisschen müde, fast jugendlich mit sehr guter Säure. Ein Monument gemacht für die Ewigkeit – 97/100. Wie groß dieser Wein wirklich war und wie konservativ die Bewertung, zeigte ein im Anschluß getrunkener 1985 Clos Vougeot von Meo Camuzet. Der konnte dem Richebourg nicht nur das Wasser nicht reichen, er wirkte auch deutlich müder und reifer – 87/100.
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U N D M O R G E N K O M M T D E R W E I H N A C H T S M A N N . . .
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Das war schon ein seltsamer Wein, der da vor mir stand. Aus der unglaublichen Karte von Michel Rostang hatten wir die letzte Flasche 1907 Latour ausgewählt. Nicht viel teurer als derzeit 2006 Latour in der Subskription. So ändern sich halt die Zeiten und demnächst wohl auch endgültig die Weinkarten. Weinplünderer wie wir auch ziehen derzeit gezielt durch die Lande und vernichten, was noch an preislich einigermaßen akzeptablen Entdeckungen zu machen ist. Der Einstieg erfolgte mit einem grandiosen 1966 Côte Rotie Les Jumelles von Jaboulet Ainé. Die 66er von der nördlichen Rhone sind inzwischen mit Vorsicht zu genießen. Ihren Höhepunkt hatten sie in den 80ern. Ausnahmen bestätigen die Regel, insbesondere, wenn sie wie diese Flasche aus einem perfekten, sehr kalten Keller kommen. Der erste Schluck dieses Côte Rotie wirkte verdammt reif, was den Sommelier dazu bewegte, ihn lieber nicht zu dekantieren. Doch mit der Zeit ging richtig die Post ab. Dieser Wein wollte sich nicht so schnell verabschieden. Der hatte noch soviel zu erzählen. Leicht animalische, reife Nase, Unterholz, ein großer Korb frisch gesammelte Pilze, Veilchen, Lakritz, etwas Trüffel, einfach hochspannend, auch am Gaumen sehr vielschichtig mit guter Länge. Da habe ich jeden Schluck ausgiebig genossen – 94/100. Nicht vorbeigehen konnten wir auch an einem 1929 Cos d´Estournel, der zu recht freundschaftlichem Kurs auf der Karte stand. Im letzten Herbst war das noch einer der Stars von René Gabriels großer Cos-Probe. Zuerst wurde er etwas von der Kraft und Fülle des Vorgängers erdrückt, doch das gab sich rasch. Ein sehr delikater, eleganter Wein, immer noch mit guter Frucht. Entwickelte sich sehr schön im Glas und zeigte trotz der eher leisen Töne am Gaumen eine unglaubliche Kraft und Länge. Ein großer Cos, den man in so gut gelagerten Flaschen wie dieser sicher auch noch als Hundertjährigen trinken kann – 96/100. Ja, und dann kam er, der 1907 Latour. Eine Flasche aus dem Privatkeller von Vater Rostaing, der sie wohl wiederum von seinem Vater hatte. Original verkorkt, immer perfekt bei kühlen Temperaturen gelagert und 1989 aus dem alten Privatkeller in den Restaurantkeller überführt. Die letzte Flasche des Hauses mit für einen 100jährigen Wein guter Füllhöhe(zwischen mid und upper shoulder). Eine echte, schwere, alte Flasche aus der damaligen Zeit, alte, ebenfalls authentische Kapsel und ein alter Korken, der beim Öffnen in tausend Teile zerbröselte. Und doch konnte ich kaum glauben, was wir da ins Glas bekamen. 1907 war ein Jahr mit einer großen Ernte leichter, fruchtiger Weine, die schon vor langer Zeit das Zeitliche segneten. Und jetzt hier vor uns dieses tiefdunkle, kaum Altersspuren zeigende Geschoß, immer noch mit unglaublicher Fruchtigkeit und einer fast konfitürigen Süße. Wirkte insgesamt so jung, so dicht und so kraftvoll. Klar waren da neben dem kräftigen Säuregerüst ganz dezente Alterstöne in der Nase und auch ein Hauch flüchtiger Säure. Und doch wollte mir trotz einwandfreier Herkunft einfach nicht in den Kopf, dass das ein 100 Jahre alter Latour aus einem eher schwächeren, kurzlebigen Jahrgang sein sollte, ein Wein auf klarem 95/100 Niveau. Wie ist so etwas möglich? Ich werde auf dem Chateau recherchieren und hoffe auf Feedback aus dem Kreise meiner Leser. Unsere Runde war groß, durstig und gierig. So kam als nächstes eine Magnum 1947 Grand Puy Lacoste auf den Tisch des Hauses. Auch die wieder ein Lehrstück in Sachen Kellertemperatur. Ein Weinfreund fragte mich gerade, ob seine Kellertemperaturen von 10 Grad im Winter und bis zu 21 Grad im Sommer seinen Weinen schaden würden. Natürlich tun sie das nicht, wenn es sich um jüngere Weine handelt, die innerhalb der ersten 5-10 Jahre getrunken werden sollen. Die Weine reifen halt schneller, verlieren zügiger an Frucht und vor allem auch an Füllmenge. Unser 47er GPL aus einem solchen Keller hätte eine Füllmenge von unter mid shoulder gehabt, eine sehr bräunliche Farbe und hätte im besten Falle sehr gezehrt gewirkt. Wir bekamen stattdessen eine perfekte Magnum serviert, die um Jahrzehnte jünger wirkte, auch deutlich jünger als die Flasche, die ich im letzten Winter mit Jörg Müller auf Sylt getrunken habe. Mörderfarbe, am Gaumen kompakt, dicht jung, sehr würzig und eigentlich noch vor dem Trinkhöhepunkt – 94+/100. Wer einen solchen Keller hat, kauft Weine eigentlich für die Nachfahren und ist für den eigenen Trinkbedarf bei großen Gewächsen darauf angewiesen, dass die Vorfahren für ihn eingekauft haben. Den gelungenen Abschluss bildete ein 1955 Beychevelle. Auch der noch unglaublich jung und dicht wirkend, wie eine 20 Jahre jüngere Variante der Ausnahmeflasche, die ich vor ein paar Jahren in der Braui trinken durfte, nur diesmal in einer perfekten Chateauabfüllung – 95/100.
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K E I N T R I L O G I A 2 0 0 7
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Ein sehr prominentes Opfer hat die anhaltende Hitzewelle im Südosten Europas zu beklagen. Bei Christos Kokkalis sind die Trauben in der mörderischen Glut quasi am Rebstock verkocht. Da ist auch mit bestem Talent kein Wein mehr draus zu machen. Also kein Trilogia dieses griechischen Ausnahmewinzers in 2007. Dem Cabernet Sauvignon war es einfach deutlich zu warm. Etwas besser sieht es wohl bei den deutlich hitzebeständigeren Syrah-Reben aus.
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Sylter (W)Eindrücke 2007 | Juni 2007
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