Mai 2005
Kleine Spontanprobe
Mit einer überraschend schönen 1990 Hochheimer Hölle Riesling Spätlese trocken von Künstler begann eine kleine, interessante Spontanprobe zu bestem Schwetzinger Spargel. Aus der Magnum war das ein unglaublich frischer, stoffiger Wein mit einer kräftigen, aber reifen Zitronensäure, die lange am Gaumen blieb. In der Nase leicht nussig, Zitrustöne, intensive Mineralik, könnte mit dieser Frische und der knackigen Frucht und Säure auch aus 2002 stammen, wirkt durch den hohen Extrakt leicht restsüß, warum kann Rheingau nicht immer so gut schmecken? - 92/100.
Mal wieder der Wein des Abends war 1961 l´Arrosée in einer perfekten Barrière-Abfüllung. In der Nase satter Wiesenchampignon, etwas Waldboden, junge Farbe, immer noch tolle Frucht und insgesamt deutlich jünger wirkend - 95/100. Da konnten die beiden anderen 61er überhaupt nicht mit. Er bleibt eine Affenschande für das große Jahr 61, dieser 1961 Calon Ségur, der jetzt schon länger auf diesem mäßigen Niveau vor sich hindümpelt, da ist die Farbe das einzig attraktive, sonst ist der Wein ungenerös, dürr, wirkt eckig und hölzern, erste Liebstöckel-Töne in der Nase zeigen, dass es wohl nur noch abwärts geht - 85/100. Auch der 1961 Zonnebloem Cabernet Sauvignon von der Stellenbosch Farmer´s Winery hatte nicht das Zeug zum Favoritenschreck. Sehr dichte, junge Farbe, die überhaupt nicht zum sonstigen Erscheinungsbild passte. In der alten Nase intensiv Liebstöckel, am Gaumen eher Bordeaux-Stilistik, alter Wein, aber nicht ohne Charme und durchaus noch gut trinkbar - 84/100.
Schon viel zu alt war auch der 1922 Gruaud Larose in einer französischen Tardieu-Abfüllung. in einem solchen Jahr wie 1922, das mit einer Riesenernte deutlich mehr Masse als Klasse produzierte, konnte auch der damals sonst so überragende Gruaud keine Wunder vollbringen, bräunliche, sehr reife Farbe, auch in der Nase und am Gaumen reif mit Liebstöckel, immer noch trinkbar, aber nicht mehr mit viel Genuß - 76/100.
Fast ausnehmend gute Erfahrungen habe ich bisher mit 74er Kaliforniern gemacht, so auch an diesem Abend mit einem 1974 Simi Alexander Valley Cabernet Sauvignon Reserve. alte Simis sind einfach Klasse, junge Farbe, die klassische Kalifornien-Stilistik mit Eukalyptus und Minze, spicy, am Gaumen lang und nachhaltig mit Fisherman´s Friends, wirkt insgesamt noch so frisch, da sind noch 10+ Jahre drin - 92/100.
Sehr schön war wieder der 1929 Canon. Nur riechen sollte man an diesem sonst so fantastischen Wein nicht. Immer noch schöne, intakte Farbe, nur in der Nase merkt man das Liebstöckel geprägte Alter, am Gaumen füllig, wunderbare Länge, viel Schmelz - 93/100
Einfach so
Ein spontanes Abendessen, ein schneller Griff in den Keller, und schon entsteht eine kleine, feine Verkostung von Weinen, die man schon immer mal wieder trinken wollte. So geschehen an einem Samstag im Mai.
Auf einen Weißen Burgunder aus den 70ern tippte ich blind bei einem 1990 Meursault Clos de la Barre von Comte Lafon. Kräftiges Goldgelb, kam mit deutlicher Firne und oxidativen Noten ins Glas, wirkte bei aller Fülle schon verdammt reif und wirkte deutlich älter, baute dann allerdings gut im Glas aus und entwickelte in der Nase feine Süße - 88/100.
Eine gute, erste Trinkreife zeigte 1998 Beaucastel. Ich hatte diesen Wein bisher erst einmal, 2001, getrunken und als zugenagelten Wein mit bissigen Tanninen in Erinnerung. In der Nase Jodtöne, ätherisch wirkend, aber auch Teer und Lakritz, am Gaumen mit schöner Würze, füllig und weich mit feinem Schmelz, trotz präsenter Tannine Reife vorgauckelnd, das alles ohne Schwere, eine wunderbare Leichtigkeit des Seins – 93/100.
Erst ganz am Anfang steht 1997 Moraga. Ein saftiges, fruchtiges Teil mit dichter, junger Farbe, entwickelt am Gaumen Veilchen, dunkle Beeren, Lakritz, schwarze Johannisbeere -93/100.
Überragend wieder 1992 Silver Oak Napa Valley. Immer noch junge, dichte Farbe ohne Alter, die klassische Dill-Note, leicht karamellisiert, schwarze Johannisbeere und Cassis ohne Ende, immer noch deutliche Tannine, wirkt jünger und jugendlich frisch - 95/100.
