September 2009
Der erste Trüffel
Eigentlich versüßen uns die Weißen Trüffel aus Alba ja den Abschied vom Sommer. Doch wir hatten an diesem Abend Ende August auf der Terrasse des Saittavini noch ausgesprochen hochsommerliche Temperaturen. Guck mal, was ich hier habe, meine Michelangelo zu mir. Dabei zauberte er aus einer kleinen Dose eine sorgfältig eingewickelte Knolle, die uns mit ihrem intensiven Duft sofort gefangen nahm. Da war klar, das Ding gehörte in dünne Scheiben zerlegt und auf feinen Nudeln vernichtet. So geschah es denn auch, und Michelangelo zauberte dazu einen schönen Wein herbei. Dieser 1996 Ridge Monte Bello war ein Monte Bello von der kräftigeren Sorte mit tiefer, jugendlicher, undurchdringlicher Farbe. Sehr präzise, reife Frucht, Brombeere, Schwarkirsche, hohe Mineralität mit dem Bleistift von Mouton, mächtige Tannine und wiederum sehr präzise Konturen. Ein immer noch sehr jugendlicher Monte Bello, gemacht für mehrere Jahrzehnte, der erst ansatzweise zeigte, was er alles drauf hat – 93+/100.
1974 Mayacamas aus der Magnum
Zu den legendären, kalifornischen Weinjahrgängen gehört 1974. Und in diesem legendären Jahrgang wiederum ist Mayacamas eine der Legenden. Viel zu selten bekommt man einen solchen Tropfen ins Glas. Doch jetzt hatte ich das große Glück, dieses edle Teil in überschaubarer Runde aus der Magnum verkosten zu dürfen.
Horst kocht, hieß es mal wieder. Für uns hieß das, tief in den Keller greifen und anständige Weine mitbringen. Mit einem 2003 Röttgen von Heymann Löwenstein begrüßte uns unser Gastgeber. Der war schon verdammt reif und zeigte deutlich die Charakteristik dieses eher säurearmen Jahrgangs. Tiefes Goldgelb, sehr süße, opulente Nase mit viel Honig, am Gaumen Wucht und Fülle, auch hier der Eindruck von Restsüße, gehört sicher bald getrunken – 89/100.
Deutliches Alter verströmte zu Anfang auch der 1948 Cos d´Estournel in einer französischen Händlerabfüllung von Georges Moreau&Fils mit sehr gutem Füllstand. Relativ helle Farbe, feine, rotbeerige Frucht, Himbeere, zunächst viel Säure und schon etwas gezehrt wirkend, baute mit Luft enorm im Glas aus, blieb dabei filigran mit delikater Frucht und unendlicher, an reife Lafites erinnernder Eleganz mit guter Länge am Gaumen – 90/100. Deutlich jünger wirkte im anderen Glas der 1949 Vray Canon Boyer aus Canon Fronsac in einer Vandermeulen-Abfüllung. Der hatte immer noch eine intakte, recht dichte Farbe, gute Frucht und tolle Struktur, trat insgesamt recht kraftvoll auf und bot am Gaumen ebenfalls gute Frucht und eine reichhaltige Fülle – 93/100. Die Vandermeulens waren seinerzeit als die Trüffelschweine der Weinwelt bekannt, die nur vom Besten nahmen. Dass Sie damals diesen, heute noch als Sechzigjähriger überzeugenden Wein wählten, spricht für die damalige Klasse dieses Weingutes und auch für das Potential dieser erst in den letzten Jahren wiederentdeckten Appelation.
Und dann kam sie, die 1974 Mayacamas Magnum. Der edle Spender hatte diese perfekte Flasche vor einiger Zeit in den USA erworben und persönlich hierüber transportiert. Gut eine Stunde Luft hatte er diesem Wein in der Karaffe gegeben, was leider deutlich zuwenig war. Der Mayacamas ist, insbesondere aus solch einer perfekten Magnum, ein unsterblicher Wein, bei dem man immer noch das Gefühl hat, dass er erst am Anfang einer noch langen Entwicklung steht. Keiner dieser überfruchteten, alkoholischen Hämmer, wie sie heute in Kalifornien erzeugt werden. Stattdessen in bester Bordeaux-Stilistik und dabei sehr fein, hochelegant mit viel Minze und Eukalyptus, aber auch erdig-pfeffriger Aromatik und einer wiederum sehr feinen, kräuterigen Note. Dabei erinnerte er eher an einen großen Bordeaux, der gerade ins Stadium der Trinkreife kommt, als an einen inzwischen ja 35 Jahre alten Wein. Wie schön, dass wir davon reichlich hatten, und ihn über längere Zeit nachverkosten konnten. Unglaublich baute der Mayacamas mit der Zeit aus, wurde länger, dichter und komplexer. So wurden aus den anfänglichen 95 schnell 96 und 97, dann 98, bis bei 99/100 mein Glas leer war. Schande, ich hätte diesen großen Wein, den ich ja aus gutem Grunde auch in meiner Top 100 habe, gerne noch ein paar Stunden weiterverfolgt.
Im Schneckentempo scheint sich auch, zumindest bei guter Lagerung, der 1992 Ferrari Carono Cabernet Sauvignon Reserve zu entwickeln. Immer noch recht jung mit intaktem Tanningerüst wirkte er aus dieser Flasche hier aber doch offener als aus einer anderen Flasche zu Anfang des Jahres. Sehr schöne Frucht, Kirsche und Cassis mit feiner Fruchtsüße, sehr präzise Struktur am Gaumen mit guter Säure. Ein Wein, gemacht für 20 weitere, spannende Jahre – 93/100. Leider galt das nicht für den 1992 Lafite Rothschild im Nachbarglas. Der startete ganz hoffnungsvoll mit feiner Frucht, baute dann aber schnell im Glas ab. Übrig blieb trotz immer noch guter Farbe nur ein dürres Gesöff mit viel Zedernholz und wenig Charme, das immer fruchtloser wurde – 84/100. Da gibt es nur eines, auf die nächste Auktion und ab nach China!
Großartig im nächsten Zweierflight 1986 Gruaud Larose, der je nach Lagerung jetzt so langsam ins erste Stadium der Trinkreife kommt, aber sicher noch Potential für drei weitere Jahrzehnte besitzt. Ein dichter, kräftiger, sehr komplexer Wein mit irrer Länge am Gaumen – 96/100. Da hatte es im direkten Vergleich der 1995 Haut Brion im Nachbarglas auf sehr hohem Niveau doch verdammt schwer. Der war aus dieser Flasche zumindest im Vergleich zu diesem Brocken von Gruaud erstaunlich offen, fruchtig und elegant mit viel Teer, Tabak und Cigarbox – 94/100.
1978 Gruaud Larose hatte ich schon ewig nicht mehr im Glas. Die letzte Begegnung war 1993 aus einer Jeroboam, und ich habe damals stark bezweifelt, dass dieser etwas monolithische Wein jemals richtig reif wird. Doch mit dieser Flasche hier wurde ich eines besseren belehrt. Erstaunlich schön war dieser Gruaud, der mehr Zedernholz als Frucht zeigte, viel Herbstlaub, etwas stallige Noten, erdige Töne und Leder, einfach ein in Ehren sehr gut gereifter Cabernet, der sich in guten Flaschen noch ein paar Jahre auf diesem Niveau halten dürfte – 90/100. Im anderen Glas einer meiner Lieblings-Bordeaux, 1982 Grand Puy Lacoste. Einfach zeitlos schön mit rauchiger, fruchtiger Nase, reifer Johannisbeere, mit sehr druckvoller, trüffeliger Aromatik und unendlicher Eleganz, dabei immer noch so kraftvoll und jugendlich wirkend, einer dieser unglaublichen 82er, deren Trinkfenster früh auf ging, und zumindest in diesem Falle erst in ferner Zukunft zugehen wird – 96/100.
Eigentlich war längst Bettschwere angesagt, doch der Hausherr verwöhnte uns noch mit einem 1968 Castillo YGAY von Marques de Murrieta. Süß die Nase mit Karamell, Rosinen, rotbeeriger Frucht, am Gaumen mit feinem Schmelz, aber auch getragen von massiver Säure, die diesen Wein immer noch jung wirken lässt und ein langes Leben garantiert – 93/100.
Shit Happens
Er war als einer der Höhepunkte einer Verkostung gedacht, dieser 1929 Le Gay aus Pomerol. Doch eine kurze, unbedachte Bewegung im viel zu vollen Keller reichte, um den Auftritt dieses potentiellen Superstars abzusagen. Nur leicht wurde die seit längerem aufrecht stehende Flasche mit dem Fuß berührt, fiel um und zerbrach. Ein unbeschreiblicher Duft erfüllte den gesamten Keller, als da der Le Gay mit einer immer noch fantastischen Farbe aus der zerbrochenen Flasche lief. Da gab es leider nichts mehr zu retten, aber ich war nahe dran, den Kellerboden abzulecken. Dieser traumhafte Duft, diese immer noch sehr dichte Farbe mit kaum Alter, das war wohl ein sicherer 97+/100 Kandidat. Und jetzt? Schwarz ärgern, grämen? Nein, davon wird die Flasche nicht wieder ganz. Intensive Suche ist jetzt angesagt. Nachdem ich gesehen und gerochen habe, was in so einer Flasche 29 Le Gay steckt, möchte ich den erst recht ins Glas. Hat den zufällig jemand im Keller? Lassen Sie ihn uns zusammen trinken, ich stellte einen anderen, großen Wein dagegen.
Wachwechsel bei Schorn
In neue Hände hat Franz Josef Schorn, Düsseldorfer Urgestein sein Lokal übergeben. Doch es seine Unbekannten. Anne Schorn und Marcel Schiefer heißen die neuen Betreiber. Schorn-Tochter Anne hat im Berens am Kai erfolgreich eine Kochlehre absolviert und wechselt jetzt auf die andere Seite in den Service. Ihr Lebensgefährte Marcel Schiefer hat seine Kochlehre bei Jean Claude Bourgeuil im Kaiserswerther Schiffchen absolviert und kocht schon eine Weile mit Franz Josef Schorn zusammen. Frischer Wind also im auch optisch renovierten Restaurant Schorn, und doch bleibt die Tradition gewahrt. Anne und Marcel haben vollen Zugriff auf den legendären Schorn-Keller. Franz Josef Schorn selbst wird sicher noch häufig an seiner alten Wirkungsstätte zu sehen sein, zu speziellen Events mitkochen und reichlich interessante Proben und Verkostungen veranstalten.
Mit einem 1996 Providence Matanka aus der Doppelmagnum haben wir auf das neue Team im Hause Schorn angestoßen. Von der Nase und vom Gaumen her stammt dieser Wein aus St. Emilion, doch das Weingut liegt in Neuseeland. Auf nur 2 Hektar versucht hier ein in positivem Sinne Weinverrückter, den größten Bordeaux außerhalb Bordeaux zu erzeugen, wobei sein erklärtes Vorbild Cheval Blanc ist. Mit 70% Merlot, 20% Cabernet Franc und 10% Malbec hat er seine Rebberge bepflanzt. Das Ergebnis ist ein unerhört feinduftiger, eleganter Wein mit beerige Frucht, feiner Süße, guter Säurestruktur und seidiger Textur. Aus der DM immer noch frisch wirkend, total harmonisch, sehr betörend und dem großen Vorbild Cheval Blanc doch verdammt nahe kommend – 94/100.Verkostet haben wir auch einen 1993 La Landonne von Guigal. Dieser Wein aus dem extrem schwierigen Rhonejahrgang 93 zeigte sich erstaunlich kräftig mit dunklen Früchten, schwarzen Oliven und viel Kräutern, natürlich mit der Landonne-Typischen Rustikalität und dem etwas spröden Charme – 90/100.
Der letzte Sommerabend?
Fast hochsommerlich warm wurde es noch mal. Klares Signal dafür, den Abend irgendwo draußen zu verbringen. Wir landeten bei Passion du Vin in Niederkassel, wo wir in fröhlicher Stimmung die Weinregale plünderten. Erstaunlich offen, zugänglich und süß präsentierte sich 2003 Soutard. Eigentlich werden auf diesem Chateau ja eher langlebige Weine erzeugt, die länger zur Entfaltung brauchen. Doch das ist eben ein klassischer 2003er mit viel süßer Frucht und wenig Struktur. Spaß macht er trotzdem – 87/100. Etwas verhaltener mit mehr Tannin aber weniger Charme ein recht monolithischer 2003 Cantenac Brown – 86/100. Höhepunkt unserer kleinen Verkostung ein inzwischen recht offener, gut entwickelter 1995 Les Forts de Latour, der in der faszinierenden Aromatik deutlich an den Grand Vin erinnert – 90/100. Schade, dass Les Forts inzwischen so teuer ist, denn von der Qualität her gibt es keinen besseren Zweitwein.
Hummerstübchen
Zwei Sterne leuchten seit langen Jahren über dem Hummerstübchen im Düsseldorfer Ortsteil Lörick. Lange Jahre hatte es uns nicht mehr dahin verschlagen, da wurde es einfach mal wieder Zeit. Die auf 900 Positionen ausgebaute Weinkarte ist nach dem Weggang der Sommelière und unter dem Eindruck der Wirtschaftskrise auf immer noch beachtliche 500 Weine geschrumpft. Wir wurden jedenfalls gut fündig und hoffen, dass zumindest dort, wo wir die letzte Flasche tranken, entsprechend qualifizierter Ersatz kommt. Sehr traubig-saftig unser erster Wein, ein 2006 Aulerde GG von Wittmann, gute Mineralität, elegant, etwas kurz am Gaumen und recht schlank, aber da ist sicher noch Entwicklungspotential – 92/100. Ein Kulturschock auf hohem Niveau danach der 2004 Chivite 125 Anniversario Cardonnay mit (zu)viel Holz vor der Hütte, entwickelte sich gut im Glas mit sehr schöner, frischer Frucht, die das Holz etwas in den Hintergrund drängte – 90/100. Dass es auch mit weniger Holz geht, zeigte dann der schlanke, elegante, aromatische 2007 Chardonnay R von Rebholz mit sehr reintöniger Frucht und präzisen Konturen – 90/100. Sehr angetan waren wir vom 1996 Chateau Rayas Chateauneuf-du-Pape. Das ist nicht der übliche Hammer und jahrgangsbedingt ein eher leichterer, filigranerer Stil, aber vielleicht war es gerade das, was diesen eleganten, finessigen Charmeur so attraktiv machte, der Burgunder unter den Chateauneufs mit burgundischer Pracht und Fülle und der feinen Erdbeerfrucht des Grenache – 93/100. Mit 2001 Torre Muga kam dann eine spanische Wuchtbrumme aus einem Top-Jahr, sehr würzige, süße Frucht, tiefdunkle Farbe, massives Tannin+Säuregerüst, langes Leben – 94/100. Als Abschluss dieses schönen Abends versuchten wir uns noch an einer 2006 Grüner Veltliner TBA von Nigl. Würzige, füllige Honignase, sehr kräftig und lang, sehr süß und trotz guter Säure etwas dick und ungelenk wirkend. Schade dass es so etwas statt mit 12% nicht mit den 7% von der Mosel gibt, dann würde ich auf die 93/100 noch gerne deutlich etwas drauflegen.
Der Adler in Hurden
Malerisch auf einer Halbinsel im Zürichsee gelegen ist er, dieser hoch dekorierte Adler. Wer Glück hat, kann hier nicht nur sehr erlesen speisen, sondern auch von der Terrasse einen traumhaften Blick über den See auf die Berge genießen. An diesem sonnigen Sonntag Mittag Ende September ging das leider nicht. Alle anderen Restaurants neben dran hatten ihre Terrasse geöffnet, nur der Adler nicht. Also wohl weniger Fürsorge gegenüber den Gästen, damit deren Essen nicht kalt wird, sondern eher Bequemlichkeit des Personals. Nun gut, wir nahmen kurz entschlossen unseren Aperitif in die Hand, eine 2007 Maximin Grünhäuser Spätlese, und begaben uns zumindest damit in die „Kälte“. Der Grünhäuser war deutlich zu jung, wirkte sehr kräftig und kompakt mit noch etwas dominierender Säure, wäre sicher besser in 2-3 Jahren – 89+/100. Uns nützte das in dem Moment natürlich wenig, denn auf der Karte war nichts Älteres in dieser Kategorie zu finden. Besser sah es bei den Rotweinen aus, wo auch gereiftere Gewächse zu finden waren. Wir entschieden uns zunächst für einen 1991 Heitz Trailside Vineyard. Der kam deutlich reifer und weiter rüber, als ich ihn bisher kannte, nicht mehr so ungestüm und wild-fruchtig, eher jetzt auf dem Punkt und sehr harmonisch. Ein perfekter Winter-Kaminwein, der sehr warm-würzig rüberkommt und Seele und Gaumen gleichermaßen wärmt. Alter, mit Minzöl eingeriebener Ledersattel, Eukalyptus, viel Zedernholz, schöne Länge – 94/100. Klar konnten wir danach auch nicht an einem 1989 Gazin vorbei. Brauchte Luft zur Entfaltung und wurde mit einfach geiler Schokonase dann wieder ein Parade-Pomerol – 95/100. Nur bekam ich von diesem Elixier hier keine kleine Degupfütze wie zwei Tage vorher auf der 89*89 Probe in Flims, sondern reichlich. Eigentlich brauchen preisbewusste 89er Fans nur zwei Weine, um die Größe und Schönheit des Jahrgangs zu genießen, den Gazin vom rechten und den Lynch Bages vom linken Ufer. Letzteren gab es leider nicht, so entschieden wir uns für 1998 Lynch Bages. Auch der erinnerte an die gerade zu Ende gegangene Probe. Ein formidabler Zwetschgendatschi von der Segnens-Hütte war es, der mir bei der üppigen, pflaumigen Frucht des recht zugänglichen Lynch Bages in den Sinn kam – 93/100. Genuss pur dann auch bei unserem letzten Wein, einem 2000 Tokay Pinot Gris Clos Jebsal Selection de Grains Nobles von Zind Humbrecht. Das war zwar noch ein Weinbaby, aber mit was für Anlagen. Ein goldgelber Nektar mit ungeheurer Viskosität, herrlicher Aprikosenlikör mit knackiger Säure, durch die die hohe Süße perfekt balanciert wurde, sicher ein großer Süßwein für die Ewigkeit, der aber jetzt schon gut trinkbar ist – 96/100.
Das Eleven in Lissabon
Mit spektakulärem Blick über die Stadt liegt das Restaurant Eleven, Lissabons Michelin-besternte #1, oberhalb des Parque Eduardo VIII. Sehr wohl haben wir uns hier gefühlt und die mediterrane Küche von Joachim Koerper sehr genossen. Nur der Sommelier war nicht ganz dem Standard eines solchen Hauses entsprechend. Überhaupt die Weinkarte – Wir hatten auf eine größere Auswahl auch älterer, portugiesischer Spitzengewächse gehofft, doch das war Fehlanzeige. Wer Pintas & Co sucht, findet die in Deutschland besser und billiger. Nun gut, da ich bei den Weißen nicht auskannte, fragte ich den Sommelier nach einem leichteren, frischen, nicht im Holzfass ausgebauten Wein als Einstieg. Nicht dass uns die entsprechende Empfehlung des Sommeliers, ein 2003 Covella Fantastico nicht gefallen hätte. Das war schon großes Kino, ein konzentrierter, sehr kräftiger, aromatischer Wein mit deutlich spürbarem Holzeinsatz, der am Gaumen richtig knallte – 93/100. Und laut Etikett war das ein nur in besten Jahren im kleinen Holzfass erzeugter Wein. Naja, nach diesem Einstieg konnten wir jetzt unmöglich auf filigran umsteigen. Also bat ich den Sommelier um ein ähnlich kräftiges, aus dem Barrique stammendes Gewächs. Und was bekam ich? Den Wein, den wir zu Anfang gebraucht hätten, einen 2007 Conceito. Der war sehr fruchtig und elegant mit Grapefruit, Limone und einem aromatischen Schuss Sauvignon, brauchte viel Luft und entwickelte sich sehr schön im Glas. Auch dieser Wein aus einem uralten Pre-Phyloxera Weinberg war zwar 10 Monate im Holzfass ausgebaut worden, doch war der Holzeinsatz praktisch kaum spürbar – 90/100. Danach gingen wir dann lieber selber auf Pirsch in der Karte und entschieden uns als ersten Roten für einen 2003 Duas Quintas Reserva Especial von Ramos Pinto. Die nach traditionellen Methoden erzeugte Prestige-Cuvée des Weingutes(dieser Wein wird noch mit den Füßen gepresst) war noch sehr jung und konzentriert mit kirschiger, pikanter Frucht und hoher Säure – 91+/100. Und dann fand ich doch noch einen älteren wein auf der Karte, einen 1976 Tinto Pesquera. Natürlich sagte mir der Sommelier, dass dieser Wein aus dem zweiten Jahrgang von Alexandro Fernandez schon etwas sehr alt sei. Da nahm ich ihn gerade. Und was für ein tolles Geschoß. Immer noch eine tolle Farbe hatte dieser große Wein und Depot ohne Ende, reif weich, sehr aromatisch mit pflaumiger Frucht und toller Länge am Gaumen, das war halt noch einer von den alten, klassischen Pesqueras aus der Zeit, wo dieser schlaue Winzer noch um Anerkennung kämpfen musste, ein echtes Erlebnis – 94/100. Zum Abschluss tranken wir noch eine 2007 Venniger Doktor Riesling Spätlese von Thomas Zöller, die etwas rustikale Pfälzer Variante eines restsüßen Mosel-Rieslings – 87/100.
