1965

Unterirdisches Weinjahr in Bordeaux und eins der schlimmsten des letzten Jahrhunderts. Die Trauben wurden einfach nicht richtig reif. Ich erinnere mich nur an einen Pavie Decesse in 1992: grausam, eignet sich nur ungeöffnet als Tischdekoration für Geburtstage.

Genauso schlecht auch in Burgund. Dort wurden zu allem Überfluss noch am 8. September von einem Jahrhundertunwetter nicht nur die letzten Hoffnungen der Winzer weggeschwemmt, sondern auch etliche Weinberge.

Eigentlich auch ein schlechtes Rhone-Jahr. Und trotzdem war 2010 der Chateauneuf-du-Pape Clos des Papes schlichtweg outstanding, so süß, so füllig, so aromatisch, eine Sensation für den Jahrgang 94/100. Zuletzt 2011 noch mal aus zwei unterschiedlichen Abfüllungen getrunken. Gut, der hatte am Gaumen viel Säure und war vielleicht etwas einfacher gestrickt, besaß aber eine betörende, reife süße Nase 92/100. Etwas generöser dieser Wein im anderen Glas aus einer Schweizer(!) Abfüllung, die in der Nase und am Gaumen noch mal einen deutlichen Tick besser war 93/100. Sicher ein Wein, den in 1965 Geborene für ihren 50. suchen sollten.

Auch Sauternes und Barsac gaben nicht viel Brauchbares her.
Ein Roumieu-Lacoste aus Haut Barsac erinnerte 2005 nicht nur von der Farbe her stark an die bitter englische Orangenmarmelade, nur dezente Süße, angenehmer Bitterton, immer noch gute Säure, passt sowohl als Aperitif als auch zum Abschluss eines Essens - 92/100

Für Deutschland gilt 1965 ebenfalls als eins der schlimmsten Jahre überhaupt. Ich habe trotzdem 2001 eine angenehme Überraschung erlebt mit einem Hattenheimer Nußbrunnen Eiswein Auslese Cabinet von Langwerth von Simmern. Der Korken war irgendwann in den letzten Monaten davor in die Flasche gerutscht, aber die Kapsel hielt einigermaßen dicht, der Wein präsentierte sich mit einer leicht oxidativen Nase, am Gaumen reif mit leichter, nicht unangenehmer Bitternote und feiner Süße - 88/100.

Trotz ebenfalls nicht gerade optimaler Witterungsbedingungen in Spanien erzeugte Vega Sicilia einen sehr schönen Unico. Zuletzt 2013 1965 erstaunlich würzig, weich mit viel Kaffee, Kräutern und stützender Säure - 93/100.

Eigentlich gilt 1965 nicht unbedingt als großer Kalifornien-Jahrgang. Gerade deshalb grenzte 2011 auf der großen Heitz-Probe der Ungers dieser außerirdische Heitz Cabernet Sauvignon schon an eine Unverschämtheit, wie jung, wie vibrierend, wie fruchtig, exotisch und frisch der daher kam 95/100.
Tolle Weine gab s 1965 in Australien. Ein Lindemans Shiraz Bin 3110, ein Lindemans Classic Museum Release, war für mich 1995 auf einer Drawert-Probe mit sehr junger, dichter Farbe, am Gaumen Kraft, Süße, Mandeln, Marzipan der Topwein der Probe. Zuletzt 2005 immer noch sehr kräftige Farbe, eingelegte Früchte, Rumtopf, ein Schuß Port, trotz kräftiger Statur auch am Gaumen erstaunlich viel Finesse, sicher noch etliche Jahre gut haltbar - 95/100. Von Penfolds ist nicht nur der Grange gut gelungen, er war einer der Stars der Grange-Probe 1999, ein kraftvoller, dichter Wein mit viel Potential - 96/100. 1994 überzeugte auch ein Penfolds Cabernet Bin 707, helle Farbe, enormer aromatischer Druck, viel Süße - 93/100. 2002 und 2005 war ein Penfolds Shiraz Bin 28 Kalimna Vineyard reif, weich, weit und portig-lecker 91/100.