1945

Traumjahrgang mit Traumweinen in fast allen Regionen.

In Bordeaux wurden konzentrierte, kräftige Weine mit großem Alterungspotential erzeugt. Dafür hatte die Natur auf ihre Art gesorgt. Nach frühem Austrieb gab es am 1. Mai in Bordeaux Schnee und am Tag darauf kräftigen Frost. So wurde auf natürliche Art und Weise die Erntemenge reduziert.

Zwiespältig der Mitte der Neunziger sechsmal aus der Magnum getrunkene Calon Ségur. In den besseren Flaschen sehr überzeugend mit immer noch schöner Frucht und kräftiger Säure, in anderen Flaschen hingegen hart, rustikal und säurelastig. Deutlich schöner 2005 in einer dänischen Abfüllung(der Wein war in Fässern von Calvet an einen dänischen Händler geliefert worden, der ihn dann abgefüllt hatte). Ein reifer, sehr feiner Wein mit schöner Süße – 91/100. 2007 in Linz auf der großen St. Estephe-Probe eine unterdurchschnittliche 1tel – 80/100 und eine sehr gute Magnum. Letztere mit immer noch unglaublich dichter Farbe, in der Nase mit Dörrobst und balsamischen Noten, auch etwas flüchtiger Säure, am Gaumen mit noch unglaublich viel Kraft und immer noch deutlich spürbaren Tanninresten.– 93/100. 2015 aus der Magnum noch so jung, ein großartiger, kerniger, kräftiger Cabernet mit Seele, Tiefgang und endlosem Abgang war das – WT97. Bei Cos d´Estournel hatte ich 2006 auf der großen Cos-Probe das Gefühl, dass der noch gar nicht richtig fertig ist und noch eine Weile bis zum Trinkhöhepunkt braucht. Großer Stoff mit Ecken und Kanten, geprägt von harten Tanninen. Schon gut zu trinken, aber man spürte das gewaltige Potential dieses Weinriesen – 95/100. 2010 dann auf dem Höhepunkt, zeigte einfach alles, ein großer, kompletter Weinriese, elegant, feinduftig, druckvoll am Gaumen mit feiner Süße und unendlich lang am Gaumen – 97/100. Präsentierte sich auch 2013 als großer, kräftiger, kompletter Bordeaux mit immer noch spürbaren Tanninen und sicher noch längerem Leben – 96/100. Montrose wirkte 2010 immer noch zu jung mit viel Potential – 93+/100. 2014 in Helsinki eine schlappe Händlerabfüllung (WT82) und aus einer Chateauabfüllung schlank, fruchtig und etwas monolithisch mit hoher Säure und immer noch kräftigen, etwas harschen Tanninen – WT91.

Ein Batailley von Barton & Guestier war 1995 zu Anfang sehr schön, baute aber schnell im Glas ab - 86/100. Mehrfach habe ich in den 90ern Branaire Ducru getrunken, in den besseren Flaschen noch erstaunlich frisch mit kräftiger, tragender Säure. Eine superjunge Farbe hatte 2001 Grand Puy Lacoste, gleichzeitig war er aber auch staubtrocken, hatte eine hohe Säure und wirkte sehr kompakt, da waren mehr als 89/100 nicht drin. Eher beschämend für den großen Namen 2005 ein Lafite Rothschild, eher leichtes, feines Weinchen mit sehr heller Farbe, aber wenig Brauntönen. Zeigte immer noch eine schöne Frische und ist noch lange nicht am Ende, aber da fehlte einfach das Fett des großen Jahrgangs, viel zu wenig Wein für´s Geld – 88/100. Zuletzt 2011 auf René Gabriels großer Lafite-Probe ein betörender, feiner, hoch eleganter Wein, in der Nase kräuterig mit feiner Süße und Minze, am Gaumen einfach rund mit generöser Süße, viel Minze und Menthol – 95/100. Carruades de Lafite hatte 2005 die deutlich dichtere, dunklere Farbe, in der Nase Salami und Graphit, am Gaumen eher etwas kurz und rustikal – 89/100. Noch ein langes Leben dürfte Latour haben. 1995 aus perfekter 1tel(bn) mit typischer Minznase, immer noch deutlichen Tanninen und kräftiger Säure, im selben Jahr auf Willi Krählings Latourprobe intensive Minznase, wie sie ein perfekter Mouton 45 haben sollte, voll entwickelt, 2000 wieder eine junge Flasche, Minze, Eukalyptus, spröde, öffnet sich nur zögerlich - traumhaftes Depot, braucht in guten Flaschen noch 1 bis 2 Jahrzehnte. 2013 bei Jörg Müller Minze, Mineralität, Finesse, Kraft, Länge und Süße, baute unglaublich im Glas aus. Ein Wein, der aus gut gelagerten Flaschen in 5-10 Jahren für lange Zeit Perfektion zeigen wird – WT98+. Auch 2014 ein klassischer, großer Latour wie er im Bilderbuch steht mit großartiger Struktur. Mit seinem immer noch sehr deutlichen Tanningerüst hat dieser Riese seinen Höhepunkt noch vor sich. Heute WT97+, in 10-20 Jahren vielleicht WT100. Die besten Tage hinter sich dürfte der einstmals große Lynch Bages haben. 1995 auf Willi Krählings Lynch Bages Probe kräftige Farbe ohne Alter, am Gaumen intensiv, kräftig mit tragender Säure, Frucht leider weg. 2001 auf einer Best Bottle wieder irre Farbe, aber deutliche Alterstöne, immer mehr Maggi. 2008 unglaublich dichte, undurchdringliche Farbe. In der Nase deutliche Überreife, Malagarosinen, am Gaumen eher bittere Medizin - 86/100. 2014 viel bissige Säure, wenig Genuss – WT82. Ging 2015 in dieser Topform locker als Zwilling des 89ers durch, so minzig, so jugendlich, so druckvoll und unendlich lang – WT99. Vielleicht der Wein des Jahrgangs Mouton Rothschild. Häufig verkostet und mit Höchstnoten bewertet. 1999 in einer Probe 2 perfekte, nummerierte 1tel, opulentes Powerteil, Minze, Eukalyptus mit zu Anfang massig Kaffee, irre Dichte, das ist Mouton 45 in Perfektion, immer noch Tannin für 20+ Jahre 100/100. Zuletzt im Februar 2004 in der großen Mouton-Probe auf der Stromburg: die#20053 brachte wieder diese intensive feine Minze, sehr komplex und lang am Gaumen, würzig-konzentriert, riesengroßer, unsterblicher Mouton mit endlosem Abgang 100/100. Warnen kann ich in diesem Zusammenhang nur vor sogenannten RC-Flaschen, die statt einer Nummer das Kürzel RC für Reserve du Chateau tragen. Die sind seit einigen Jahren als Magnums das Lieblingsziel der Fälscher. Im Sommer 2005 durfte/musste ich in einer Probe wieder so ein Machwerk ertragen, das aus vermeintlich seriöser Quelle stammte. Die Flasche sah von außen gut aus. Das Etikett aus dem Laserdrucker verdammt gut gemacht. Der Korken deutlich zu jung und der Inhalt, wie ein späterer Test ergab, jünger als 1963. Ich würde persönlich eine RC-Flasche nur noch akzeptieren, wenn ich sie auf dem Chateau selbst abholen dürfte. Dann lieber wie im Sommer 2008 auf Sylt im Weinhaus Schachner eine ehrliche, nummerierte 1tel mit ‚hs’. Klar war die schon deutlich reifer, schon leicht bräunlich die Farbe mit aber immer noch sehr dichtem Kern. Auch der erste Eindruck in der Nase war der von deutlicher Reife mit etwas Liebstöckel, doch machte der immer mehr Minze und auch Eukalyptus Platz, phänomenal, wie sich dieser gewaltige Wein entwickelte. Am Gaumen immer noch dichte, perfekte Tanninstruktur und unbändige Kraft – 100/100. Und 2014 auf Pekka Nuikkis 100s Tasting gleich zwei(!) gefälschte Flaschen. Traumstoff zuletzt 2015, schon beim Dekantieren eine Traumnase. Und dann endlich im Glas wurde der 45er seinem Ruf wie Donnerhall mehr als gerecht. Eine unbeschreibliche Orgie aus Minze und Eukalyptus, so eine geniale, perfekte Struktur, völlig altersfrei, so stimmig mit feiner Süße und intensiver Mineralität, bleibt ewig am Gaumen und macht sprachlos und glücklich zugleich. Da war sie wieder, diese „schwerelose Kraft“, die nur die allerbesten Weine zeigen. Dieser 1945 Mouton hat noch genügend Substanz für etliche Jahrzehnte. Ein Monument, dem man mit Worten kaum gerecht werden kann. Schlichtweg Wahnsinn und ein Jahrhundertwein ohne wenn und aber. Die WT100 – mehr geht nun mal nicht – sind für solch einen Wein schon fast eine Beleidigung. Spektakulär war 2007 ein Mouton Baron. Brilliante Farbe mit wenig Alterstönen, so frisch, so minzig, so druckvoll am Gaumen mit wunderbarer Frucht und ewiger Länge am Gaumen. Ich musste spontan an 1945 Mouton Rothschild denken, an den dieser Wein massiv erinnerte. Wobei ich schon einige 45er Moutons getrunken habe, die schlechter waren, als dieser Traumstoff vor uns. Das hier waren locker nicht erwartete 97/100 zu einem noch dazu sehr fairen Preis. Die zweite Flasche, ein halbes Jahr später, hatte wieder eine sensationelle Farbe, doch diesmal sang der Mouton Baron nicht. Einen Korkfehler hat er nicht, aber einen deutlichen Keller-Muffton, riecht nach Spinnweben und altem Faß. Nur kurz blühte er auf und ließ erahnen, wozu dieser Wein in Ausnahmeflaschen wohl fähig sein könnte, doch rasch gewannen die Kellertöne wieder Oberhand – 88/100. Mouton d´Armailhacq war 2010 einfach kaputt, pilzig käsig – untrinkbar. An Pichon Baron in einer französischen Händlerabfüllung von Jean Lasserre überzeugte 2009 am meisten die deutlich jünger wirkende, dichte Farbe. Die Nase wirkte alt und anstrengend, der Gaumen ziemlich sauer und ungenerös mit sehr harten Resttanninen. Die Nase wurde mit Luft und Zeit besser, der Gaumen leider nicht – 83/100. Sehr fein und elegant 2009 die Nase der immer noch recht kraftvollen Pichon Comtesse mit viel roter Johannisbeere. Der säuerlich und gezehrt wirkende Gaumen kam da leider nicht mit – 86/100. Völlig anders 2010 auf der großen Comtesse-Probe am Attersee. Ein gewaltiges, dichtes, kraftvolles Konzentrat stand da vor uns, immer noch so jung wirkend wie die sehr dichte Farbe, elegant und faszinierend die fruchtige Nase, am Gaumen so zupackend, wie man es von einem großen 45er erwartet, und mit erster, malziger Süße. Hat in dieser Form noch eine lange Zukunft – 97/100. Pontet Canet in einer perfekten Cruse-Abfüllung erinnerte 2009 an 45 Mouton und hatte viel Eukalyptus und Minze, war immer noch mineralisch mit perfekter Statur, viel Tiefgang und Länge. Sicher der mit Abstand größte Pontet Canet, den ich je im Glas hatte und ein deutliches Zeichen dafür, was auf diesem Terroir möglich ist – 98/100.

Beychevelle war 2005 zweimal ein sehr feiner, deutlich jünger wirkender, aromatischer Wein, ein sehr eleganter Charmeur, der sicher noch etliche Jahre vor sich hat – 91+93/100. Ducru Beaucaillou war 2006 auf der großen Ducru-Probe ein schöner, gut gereifter Wein, dem allerdings die Konzentration des großen Jahrgangs fehlte - 89/100. Ähnlich 2009 in einer englischen Händlerabfüllung von Corney & Barrow, reif, kräftige Säure, aber von diesem Top-Jahr hätte ich mehr erwartet – 88/100. Völlig anders 2017 im Kronenschlösschen im Bestzustand, so kräftig, druckvoll und minzig und dabei noch so frisch mit stabilem Tanningerüst – WT95. Gleich zweimal durfte ich 2005 Gruaud Larose aus der Magnum trinken. Reifer Cabernet vom Feinsten ohne Alterston mit unendlicher Eleganz und Finesse. Ging locker als großer 78er durch und hat in der Magnum noch Reserven für 20+ Jahre – 95+/100. 2014, wieder aus der Magnum, Einfach die Essenz von Cabernet, kernig, kräftig, sehr komplex mit ungeheurem, aromatischem Druck und irrer Länge am Gaumen, dabei sehr finessig mit seidiger Eleganz, ein Monument -WT98. 2017 aus der Magnum ein gewaltiger, im besten Sinne kerniger Wein mit enormer Kraft, generöser Süße, ein gewaltiges Konzentrat mit noch viel Zukunft, sehr komplex mit enormem Tiefgang,aber nicht die beste Flasche – WT96. Verdammt gut 2016 aus der Magnum Leoville Barton, der immer noch eine erstaunliche Kraft und Struktur zeigte, dazu eine gewaltige Länge. Aber da war auch die generöse Süße eines gereiften Bordeaux -WT97. Auch die Zwillingsmagnum 2017 war exakt auf diesem Niveau – WT97. Leoville-las-Cases war 1992 ein sehr komplexer, dichter Wein, dem man sein Alter nicht anmerkte. 2004 aus einer nicht optimalen Flasche nachverkostet, dichte Farbe, kraftvoller Wein, auf dem man ewig rumkauen kann, leicht rauchige Note, etwas 45er-like eckig und rustikal und dabei noch so jung wirkend, da ist noch massig Tannin und Säure, der kann noch mal 20 Jahre auf die Weide - 95/100. Sehr enttäuschend trotz optisch einwandfreiem Zustand 2005 auf einer Raritätenprobe, sehr eckig, dürr und rustikal wirkte – 87/100. 2010 sehr konzentriert und kräftig, ein Wein zum Kauen mit wunderbarer Struktur und noch viel Potential, in der Nase offener, karamellig und malzig als am von kräftiger Säure und Tanninen gekennzeichneten Gaumen – 94/100. 2014 Sehr elegant, fein und mit generöser Süße – WT93. In Bestzustand 2015. Einfach ein großer, perfekter, absolut stimmiger las Cases, St. Julien vom Feinsten mit immer noch sehr guter Frucht, viel Zedernholz und endlosem Abgang – WT98.Trotz Powerfarbe und guter Füllmenge schon verdammt gezehrt mit deutlichem Maggiton im Herbst 2004 ein Leoville Poyferré in einer englischen Abfüllung - 82/100. In der gleichen Abfüllung 2005 deutlich jünger, fülliger und schöner – 93/100. Die dritte Flasche dieses Lots 2010 mehr Medizin als Wein – 78/100. 2007 aber auch eine perfekte Chateau-Abfüllung, kompakt, konzentriert, immer noch kräftige Tannine, sehr mineralisch, Bleistift, aber auch metallische Noten. Dieses Kraftpaket schien noch nicht richtig reif zu sein und noch Potential für eine längere Lagerung zu haben – 93/100. Talbot war 2002 bei Jörg Müller auf Sylt aus der Magnum auf dem Punkt mit seidiger Eleganz, dezenter Süße und leichtem Zedernholzton, nicht ganz so druckvoll und weiter wie die erste an gleicher Stelle 2000. Ganz groß aber 2005 die dritte Talbot Magnum, voll auf dem Punkt, und wenn man einen großen Wein genau in diesem Stadium erwischt, dann hängt einfach der Weinhimmel voller Geigen. So finessig, seidig und elegant mit feinem Schmelz, so lang am Gaumen, sicher mein bisher schönster Talbot überhaupt – 97/100. Wirkte 2008 aus der 1tel zu Anfang etwas pilzig und zurückhaltend, baute dann aber mit zunehmender Luft sehr gut aus. Wurde immer schöner und gefälliger und entwickelte eine gewaltige, druckvolle Aromatik mit guter Länge am Gaumen – 93/100. Der erste Schluck 2014 aus der Magnum wirkte leicht oxidativ mit ersten Altersnoten. Doch das verflog rasch. Unglaublich, wie sich dieser Wein im Glas entwickelte, so seidig elegant, so finessig, da kam plötzlich wieder reichlich Frucht zum Vorschein und feiner, süßer Schmelz – WT97. Auch 2017 aus der Magnum ein großer, perfekt gereifter St. Julien, voll auf dem Punkt, so stimmig mit feiner, rotbeeriger Frucht, da hing jetzt wieder der Weinhimmel voller Geigen – WT98.

Ein Belgrave aus Haut Medoc aus einer perfekten Flasche (bn) hatte 2010 zu Anfang die gemüsige Nase älterer Riojas und war am Gaumen kompakt mit deutlicher Bitternote und strenger Säure. Auch der entwickelte sich aber gut mit Luft, wurde weicher, generöser, druckvoller und zeigte immer noch viel Substanz, auch die Nase wurde schöner – 91/100. Ein Lamothe de Bergeron war 2012 im Marli kräftig, noch voll da - 91/100.

Faszinierend 2007 ein Cantemerle in einer holländischen Abfüllung von Lupe, Cholet & Co. Sehr elegant und fein mit delikater Kirschfrucht. Finesse pur, ein feiner, kleiner Wein, der Größe zeigte – 93/100. Große Namen bedeuten eben noch längst nicht großen Wein - und umgekehrt! 2012 frische, fruchtige Nase mit delikater, reifer Sauerkirsche, pikant, elegant, die gute Säure hält diesen Wein, wie ein kleiner Lafite, der aber erstaunliche Größe zeigte – 93/100. 2016 voll da mit wunderbarer Frucht – WT94. Stolz und neugierig war ich 1998, als ich auf einer Auktion eine Flasche d´Issan erwischte. David Peppercorn hatte diesen Margaux, von dem in 1945 ganze 100 Kisten produziert wurden, über den grünen Klee gelobt. 2000 war er dann auf einer Best Bottle eine Offenbarung, die an 29 Pavie erinnerte, sensationelle, dichte Farbe eines großen 80ers, Tannin ohne Ende, Maulbeeren, ein Ausnahmestoff, in dieser Form locker noch 20+ Jahre 98/100. Margaux hingegen hatte zwar 1996 ein "Mörderbouquet", das aber rasch verschwand, am Gaumen enttäuschend, säuerlich, Muschelton. Auch 2007 eine feinduftige, elegante Nase mit schöner Süße. Am Gaumen kräuterig und medizinal, immer noch kraftvoll mit spürbaren Tanninresten, aber doch auch ziemlich unausgewogen und etwas säuerlich – 89/100. Palmer hatte 1994 eine helle, bräunliche Farbe, kräftige Säure, immer noch beachtliche Länge. 2012 in einer Mähler-Besse Abfüllung elegant, aber auch kompakt und schlank mit hoher Säure und pikanter Frucht – 92/100. Ging 2013 nicht nur in der Nase, sondern auch am Gaumen als großer Burgunder durch. Hatte ich noch nie so gut im Glas. In dieser Form ein Monument, immer noch mit schöner, rotbeeriger Frucht, mit generöser, feiner Süße und mit Eleganz ohne Ende – WT97. Noch immer recht jung wirkte 2005 der kräftig strukturierte 1945 Tour de Mons mit sehr dichter Farbe – 92/100. Nach Tour-de-Mons kräht heute kein Hahn mehr. Alte Jahrgänge bis 1955 sind aber ein echter Geheimtipp und noch dazu meist sehr preiswert.

Ganz groß Haut Brion. 1993 auf der Jahrhundert-Probe für mich mit seiner tollen Süße der schönste Wein der Probe und ein ganz großes 100/100 Weinerlebnis. 1997 dann mal etwas über Höhepunkt weg, (war mal) ganz großer Stoff, bei dem astringierende Säure Überhand gewinnt 96/100, und zuletzt 2000 wieder perfekt gereifter Superstoff, nicht Haut Brion-typisch mit malziger Süße, hält sich toll im Glas, entwickelt eine erstaunliche Eukalyptusnote - und das schönste: ein irres Depot: Brombeermarmelade pur. Auch 2005 auf einer Raritätenprobe wieder. Das war Haut Brion vom Allerfeinsten, ein Wein, bei dem von der klassischen Nase über den Gaumen bis zum unendlichen Abgang einfach alles stimmte. Perfektion – 100/100. Wer für teures Geld heute ein solches Monument erwirbt, muss aber auch auf mögliche Enttäuschungen gefasst sein. So war der 45er Haut Brion 2006 in der großen Haut Brion Probe auf allerdings sehr hohem Niveau anderen Jahrgängen unterlegen. Sehr schöne Nase mit Tabak, Zedernholztönen, pfeffrig, Minze und auch etwas Eukalyptus. Am Gaumen gewaltige Länge, aber auch filigran und mit viel Säure – 97/100. 2010 in einer belgischen Händlerabfüllung, sehr dichte Farbe mit wenig Reifetönen, klassisch teerig-tabakige Nase, so kraftvoll, so komplex, so zupackend, da sind locker noch mal 20+ Jahre angesagt – 98+/100. Selbst aus zwei halben Flaschen, von denen eine noch dazu nicht in besonders gutem Zustand war 2012 als Ergebnis ein fantastischer Wein, der als deutlich jünger durchging, entwickelte sich enorm im Glas und baute immer weiter aus. Sehr fein und elegant die Nase mit Tabak, Leder und Cigarbox, am Gaumen immer noch enorme Kraft, sehr ledrig mit feiner Süße – 96/100. Auf Elke Dreschers großer Haut Brion Probe Leicht laktisch die Nase mit etwas Cigarbox, Leder und Minze, am Gaumen noch geradezu jugendlich mit sensationeller Struktur, geradlinig mit deutlicher, aber gut integrierte Säure – 96/100. 2014 in Helsinki war das Haut Brion vom Allerfeinsten, ein Wein, bei dem von der klassischen Nase über den Gaumen bis zum unendlichen Abgang einfach alles stimmte – WT100. Wirkte 2016 aus einer nicht optimalen Flasche schon ziemlich müde und leicht oxidativ, trotz durchaus noch vorhandener Kraft am Gaumen – WT92. Nicht ganz auf diesem Niveau La Mission Haut Brion. 1998 auf der Krähling-Probe aus der Magnum: reife Farbe, etwas säurelastiger als 47, aber auch sehr schön, sensationell war das Depot mit sehr Heitz-ähnlichen Eukalyptus-Tönen. Sehr deutlich 2016 schon die Alterstöne, etwas Soja, wirkte torfig wie ein alter Whisky und wurde mit deutlicher Säure immer Madeira-ähnlicher – WT93. Der vielleicht derzeit schönste 45er aus Pessac könnte Haut Bailly sein. 2005 am Ende einer Best Bottle konnten sich selbst ermüdete Gaumen nicht dem Charme und der Finesse dieses großen Weines entziehen. Klassische Pessac-Nase, feine Süße, irre Länge am Gaumen, toller Wein - 98/100. Auch die zweite Flasche erwies sich sechs Monate später in einer Raritätenprobe erwies als hochklassiger Wein mit der klassischen Pessac-Nase, feiner Süße und sehr schöner Länge am Gaumen – 96/100. 2012 auf René Gabriels großer La Mission Probe ein riesengroßer La Mission aus einem Guss, bei dem einfach alles stimmte, betörende Nase, sehr minzig, Zigarrenkiste, Zedernholz, Tabak, Teer, Mokka, am Gaumen generöse Süße, eine spannende Mischung aus Kraft und Eleganz, dazu eine großartige Länge – 100/100. Erstaunlich schöne Frucht und eine sehr dichte, konzentrierte Farbe zeigte 2012 der Olivier, dazu immer noch deutliche Tannine und eine gute Säure, leicht metallische Note, einer dieser immer noch zahlreichen, unsterblichen 45er, die aus guter Lagerung noch sehr lange Spaß machen – 94/100.

Sehr überzeugend 1996 und 99 Angelus in einer schottischen Abfüllung, schöne Farbe, dicht mit schöne Süße, Kirsche und etwas Schoko, lang mit noch viel Druck am Gaumen - 95/100. Wohl noch lange nicht am Ende, denn auch die dritte Flasche 2005 wirkte zu Anfang etwas streng, wurde zum Essen aber deutlich besser, weicher und entwickelte eine schöne Aromatik – 93/100. Belair war 2015 sehr fein, elegant, wirkte burgundisch und war immer noch so fit – WT92. Ein Langstreckenläufer Canon, brauchte 1997 viel Luft und entwickelte sich dann großartig, der hat sogar noch Tannine und Reserven. Der insgesamt recht streng wirkende Canon öffnete sich auch 2005 nur sehr zögerlich. Dann kamen Aromen von dunklen Früchten und Lakritz – 90/100. Ein große Überraschung war im Herbst 2005 eine mies gefüllte Flasche Chapelle La Trinité. Was erst wie ein Totalausfall aussah, blühte nach 2 Stunden sensationell in der Karaffe auf, erreichte mit intensiver Kaffee- und Mokkanote locker 93/100 und fiel danach wieder in sich zusammen. Weniger gelungen war 1945 Cheval Blanc. Da hat es wohl Probleme mit der Vinifikation gegeben, weshalb der Wein meist zuviel Flüchtige Säure zeigt, so auch 1999 bei Willi Krähling aus einer Berry Brothers Flasche. Besser dann 2006 auf der großen Cheval Blanc Probe. Klar, auch diese Flasche hatte eine kräftige, aber gut eingebundene, tragende Säure, trotzdem, ein sehr feiner, finessiger Wein – 96/100. Aber das war wohl nur ein positiver Ausreißer. 2008 auf René Gabriels großer Cheval-Probe zwar dichte Farbe und eine intensive, portige Nase, in der erst verhalten und dann immer stärker werdend flüchtige Säure spürbar wird. Die verdirbt zunehmend den Genuss. Leicht over the top wirkt der Cheval, der im Glas zunehmend abbaut – 85/100. Aber es gibt wohl auch sehr gute Flaschen. 2014 in Helsinki war das so ein kräftiger, aromatischer, druckvoller, großer Cheval ohne die flüchtige Säure, die bei vielen Flaschen dieses Weines stört – WT97. Nur einen Bruchteil des Cheval Blanc dürfte La Dominique kosten. Der war 2005 in einer Raritätenprobe einer der Überflieger. Ein ganz großer, druckvoller Wein mit unerhörter Dichte, irrer Aromatik und Länge, der am Gaumen gar nicht mehr aufhörte – 98/100. Figeac habe ich nur einmal, 2014, aus einer suboptimalen Hochrisikoflasche getrunen, aus der er hin war. Ein Riese war auch 2005 Gaffelière-Naudes mit überschwänglichen Aromen von Kaffee, Mokka, Schokolade und Trüffeln. Ein Traumwein mit irrer Nase und toller Länge – 97/100. Der Grand Barrail Lamarzelle Figeac ging 2015 mit seiner sehr minzigen Nase und der großartigen Struktur als Kalifornier aus den 70ern durch. Perfekt gereift war dieser wein und dabei noch so lebendig und hoch elegant – WT96. Überraschend gut war 2005 ein Grand Mayne. Sehr junge Farbe, ein dichter, kraftvoller Wein mit feiner Süße und schöner Länge am Gaumen – 93/100. Immer noch gute Frucht zeigte 2014 der altersfreie Larcis Ducasse – WT89. Überragend in 45 wieder Pavie, zuletzt 1999 auf einer Best Bottle dunkle, dichte und deutlich jüngere Farbe, dicht, lang, groß. Sehr überzeugend 2015 der Magdelaine, so kräftig, so konzentriert, soviel Tiefgang, so lang mit feiner Kräuternote – WT97. Interessant 2001 auch ein Trottevieille, reif, helle Farbe, etwas medizinal und animalisch, aber auch lang und komplex, toller Stoff.

Certan de May hat mir 1996 in einer belgischen Händlerabfüllung sehr gut gefallen. Die Zwillingsflasche 2005 hatte eine reife, etwas hellere Farbe, kräftigere, dichte Aromatik am Gaumen, viel Extrakt und Fruchtsüße – 95/100. Groß 1995 auch Clinet mit dichter Farbe, viel Kraft und Länge, sehr schön im Glas ausbauend – 97/100. Nicht auf diesem Niveau 2012 eine Sanders-Abfüllung, immer noch gut trinkbar, aber auch schon recht gezehrt und deutlich auf dem Abstieg – 86/100. Reif, schmelzig, aber ohne Alterstöne 2013 ein Clos René in einer Cruse Abfüllung – WT94. Zu den ganz großen Pomerols des Jahrgangs zählt auch Conseillante, nach diversen Magnums 1999 eine wunderbare 1tel, sehr dichte, tolle Farbe, Fruchtsüße, sogar etwas Marzipan, ein riesengroßes Teil mit sicher noch hoher Lebenserwartung. Ein Reinfall war dann allerdings 2005 eine undefinierbare holländische Händlerabfüllung. Dünne Farbe, ein praktisch ungenießbares, säuerliches Wässerchen. Überragend 2005 auf einer Drawert-Probe auf Sylt Croix-de-Gay. Das war ganz böser Stoff, immer noch sehr dichte, dunkle Farbe, sehr würzig mit feiner Süße, was die Schweizer entsprechend ihrem Kräuterbonbon in Proben immer sofort als Ruccola bezeichnen, Kaffee, Bitterstoffe, kräftige, tragende Säure, langer Abgang. Ein großer Pomerol in der nicht so ausladenden, eher muskulösen 45er Stilistik – 97/100. 2010 wieder ein hedonistischer Traum-Pomerol, ein perfekter Spaßwein mit Süße, Fülle und schokoladigem Schmelz. Aber auch noch beachtlichem Standvermögen, da ist keine Eile geboten – 95/100. 2015 die erste Flasche in einer Best Bottle mit Kellermuff in der Nase nicht ganz auf diesem Niveau – WT94. Bei einer weiteren in meiner Raritätenprobe hell die Farbe, verschwenderische, süße Nase, Walderdbeeren, am kräftigen Gaumen geiler Schmelz ohne Ende, ein großer Pomerol und ein toller Wert – WT97. Ein Fan dieses Chateaus waren übrigens die cleveren Vandermeulen-Brüder, die das damals völlig unbekannte Chateau unter dem eigenen Markennamen Clos du Commandeur abfüllten. Sehr gut aber nicht wirklich groß ist l´Evangile, den ich 1994 und 95 dreimal aus der Magnum trinken durfte. Dabei wurde dieser Wein in den jeweiligen Proben jeweils auf 94-95/100 Niveau dritter Sieger in hochkarätigen 45er Pomerol Flights. Eine Mörderfarbe hatte Gazin 2012 aus der halben Flasche, dazu eine irre Dichte, traumhafte Süße, wirkte sehr komplex und lang am Gaumen mit immer noch deutlichem Tannin- und Säuregerüst, ein Monster für noch dreißig weitere Jahre – 96/100. So jung wirkte er auch 2015, so unglaublich druckvoll mit guter Frucht, Kraft ohne Ende, guter, tragender Säure und feinem Schmelz im Abgang. Ein großer Pomerol, der es noch lange Jahre machen wird – WT97. Überzeugte auch 2016 aus der Magnum mit verschwenderischer Süße – WT97. Mit schöner Frucht und feiner Süße konnte 1995 auch La Fleur Petrus überzeugen. Kraftvoll auch 1995 Lafleur aus der Magnum mit dichter Farbe mit Braunrand, wirkte zuerst sehr reif, baute dann immer mehr aus und entwickelte wunderschöne Himbeernase. Kaum schlechter und eine sehr bezahlbare Überraschung 1996 Lagrange-à-Pomerol. Eher ein kleines, nettes Weinchen 1994 Nenin in einer belgischen Händlerabfüllung. Extrem dicht 2014 die Farbe des Latour-à-Pomerol, aber leider auch oxidative Noten – WT93. Nicht besonders Petit Village, ebenfalls 1994 als BB. Wie ein Zwilling von 61 präsentierte sich 1993 auf Walter Eigensatz großer Probe der Petrus mit ähnlicher Farbe und Nase, sowie viel Druck am Gaumen. Zuletzt 2002 wieder eine authentische 1tel eines honorigen Weinfreundes, wunderbar eleganter Wein mit schöner Süße, wirkte auch in der Farbe deutlich älter, blühte im Glas mit der Zeit auf, ganz anderer Stil als die marmeladigen, zweifelhaften Magnums, die häufig auf bezahlten Proben auftauchen. Absolut großartig auf René Gabriels Petrus Probe 2005, die Eleganz in Perfektion, ein absoluter Traumstoff, der am Gaumen gar nicht mehr aufhört. In der Nase immer noch schöne, beerige Frucht, feine Süße. Klar sind da Reifetöne in der Farbe. In einer derartigen, perfekten und absolut authentischen Magnum hält dieser großartige 45er sicher noch 10-20 Jahre – 100/100. Hatte 2015 in einer belgischen Händlerabfüllung reichlich Substanz, Kraft, Dichte und auch noch Jugend, aber leider eben auch Kork. Reif, weich mit cremiger Textur und etwas Schokolade 2010 ein de Sales aus - 91/100. Trotanoy hatte 1995 im Landhaus Bacher aus der Magnum die dichteste Farbe des ersten Flights, aber in Nase und Gaumen deutliche Reife, nur im Abgang spürte man noch die sicherlich einmal vorhandene Größe. Ein Riese 1996 aus einer schönen 1tel Vieux Chateau Certan. Von der in der Literatur beschriebenen Oxidation keine Spur. Leider aber 2005 auf der Vieux-Probe. Mörderfarbe, wirkte in Nase und Gaumen etwas medizinal, Hustensaft, zu lange gezogener Tee, leider auch deutliche auch Oxidationstöne, einfach überreif und für einen Klassiker zuviel des Guten – 95/100.

Erstaunlich altern können in großen Jahren wie 1945 auch trockene, weiße Bordeaux. So war 2005 ein

Olivier Blanc deutlich gereifter und wohl schon länger über den Zenit, mit güldener Farbe, wirkte etwas gezehrt, bitter, astringierend am Gaumen, medizinal, Penicillin, wurde mit der Zeit im Glas deutlich besser und war immer noch gut trinkbar – 84/100.

Hervorragendes Sauternes-Jahr mit konzentrierten Weinen, die genügend Rückrat für eine längere Lagerung besitzen. Rar und teuer, aber immernoch jede Suche wert.

Sehr gut gefiel mir 1994 bei Drawert ein sehr ausgewogener, nicht zu süßer Doisy Daene – 92/100. An einen älteren Rosé erinnerte 2012 die Farbe des Grillon aus Haut Barsac. Kein Powerhouse, eher ein sehr feiner, fast halbtrockener, nur leicht gezehrter, filigraner, finessiger Wein – 92/100. Interessant 1994 aus Bergerac ein Monbazillac, wie eine Mischung aus Tokay und Sherry. In die Flasche gefallen war 2002 der Korken eines Rabaud, also musste er weg und das dann mit viel Genuss zu Sushi(!), güldene Farbe, fein balanciert mit dezenter Süße. Rieussec in einer namenlosen Händlerabfüllung hatte 2008 eine sehr reife, ins Güldene gehende Farbe, ein unglaubliches Pfauenrad an Aromen, korinthige Süße, Karamell, Nougat, Kaffee, Orangen-Bittermarmelade, Crême Brulée, kandierte Früchte, der brauchte kein begleitendes Essen, das war ein komplettes Festmahl für sich. Ein fettes, ausladendes Teil, das aber durch eine immer noch gute Säure perfekt balanciert wirkte, hörte am Gaumen praktisch nicht mehr auf – 99/100. 2012 colafarben, eine gewaltige Aromenexplosion schon in der Nase, was sich nahtlos am Gaumen fortsetzte, traumhafte, karamellige Süße, Crême Brulée, Riccola und mit der markanten Bitternote im langen Abgang auch ein Schuss Appenzeller Alpenbitter – 99/100. Perfekt gereift 2009 der in der Nase sehr kräuterige Suduiraud, auch am Gaumen intensive, kräuterige Honigsüße, cremige Textur und gute Länge – 95/100. Groß 2009 ein La Tour Blanche aus der Magnum mit wunderbarer, generöser Süße in der Nase und am Gaumen – 95/100. 2016 war das aus der Magnum die die volle Süßwein-Dröhnung, karamellig, malzig und einfach nur genial lecker – WT95. Ein einmaliges Erlebnis und ein Jahrhundertwein war 2008 ein Yquem, den wir mit sehr dunkler Farbe ins Glas bekamen. Das war reifer Yquem in seiner allerschönsten Form. Allein schon diese geile Nase, frisch geröstete Mandeln, die Kruste der Crême Brulée, dunkles Toffee, Bitterorange, Minze, Kräuter. Am Gaumen animierende, süße Fülle, perfekt balanciert durch eine immer noch sehr lebendige Säure, einfach totale Harmonie und nicht enden wollende Länge am Gaumen. Ein einmaliges, großes Weinerlebnis – 100/100. Zuletzt 2014 Kumquats, Crême Brulée, geröstete Manden, dunkles Toffee, einfach dekadente, süße Fülle, immer noch balanciert durch gute Säure, am Gaumen mit ewiger Länge – WT98.

Klitzekleine Ernte absoluter Superweine in Burgund.

Der Clos Vougeot von Arthur Barolet wirkte 2014 noch so jung und konzentriert mit ebenfalls junger Farbe, dazu seidige Eleganz und Länge, noch lange Zukunft – WT96. Der Corton Clos du Roi in einer französischen Barrière-Abfüllung hatte 2008 eine sehr dichte, intakte Farbe, ein konzentrierter, dichter Wein mit kräftigen Tanninen und deutlichem Säuregerüst – 93/100. Ein Corton von Bichot hatte 2008 gut 7 cm Schwund, doch eine sehr intakte, immer noch brilliante Farbe. Er entpuppte sich als sehr delikater, immer noch fruchtiger Pinot mit generöser Süße und ohne jedes Zeichen von Altersschwäche – 94/100. Der Bonnes Mares von Bouchard war 2015 leider nicht die beste Flasche. Auf hohem Niveau schwächelte sie – WT87. Etwas merkwürdig 2005 ein Beaune Cuvée le Blanc Grand Vins Bureau de Bienfaisaner von Bichot. Ein gefälliger, poliert wirkender Wein, völlig daneben, ohne Charakter, sehr süß – 84/100. Sehr schön 2007 ein Beaune Clos des Mouches von Chanson. Sehr pikant und frisch wirkend mit leichtem Zimtton in der Nase und wunderbarer rot- und blaubeeriger Frucht. Nicht ganz so wuchtig wie der Richebourg, eleganter, feiner mit der unnachahmlichen Eleganz eines großen, gereiften Burgunders und mit schöner Länge am Gaumen – 96/100. 2015 Noch so jung in der Anmutung, immer noch schöne Frucht mit roten und blauen Beeren, sehr konzentriert mit präziser Struktur, aber auch elegant und finessig mit guter Länge – WT96. Ein Clos Vougeot von Clerget- Buffet war 2010 trotz äußerlich guten Zustandes schlichtweg zu alt, bäumte sich zwischendurch zwar noch mal auf, aber das war´s dann wohl – 78/100. 2017 absolute Perfektion. Dieser, so unglaublich druckvolle, vitale, altersfreie Wein hatte einfach alles von allem. Da war einfach unbeschreibliche Süße, Fülle, Freude am Gaumen und unglaubliche Länge – WT100. Schlichtweg Perfektion 2013 auch ein sprachlos und glücklich zugleich machender Chambertin von Clerget-Buffet, so fein gewoben, so unglaublich frisch , fast zart mit feiner Süße, unglaubliche, aromatische Dichte, bleibt ewig am Gaumen - WT100. Ein perfekter, sensationeller Burgunder mit viel Kraft und toller Süße ist Clos des Lambrays. Broadbent vergleicht ihn mit 47 Petrus. Ich konnte das nicht glauben und habe die beiden 1995 gegeneinander gestellt. Die taten sich wirklich nicht viel! Zweimal 100/100. Zuletzt 2012 wieder Perfektion, unglaublich dicht, komplex, enorm druckvoll, der keinerlei Alter zeigend und mit süßer Frucht verwöhnend – 100/100. Der Chambolle Musigny von Desvignes war 2014 ein kompletter, großer Burgunder, noch so frisch, so konzentriert, mit superber Frucht, sehr elegant mit feinem Schmelz und wunderbarer Länge – WT98. Noch so jung, dicht, kraftvoll und lang mit edler Rustikalität und feiner Süße 2013 ein Corton von Doudet-Naudin - WT98. Eine erstaunlich dichte Farbe hatte 2002 auch Romanée Conti, aber auch spürbares Alter und überhandnehmende Säure, trotzdem sehr schön, wurde im Glas immer besser, Tabak, reifer Pinot 95/100. Leider verdarb 2011 ein leichter Kork einen Teil des Spaßes beim Nuits St. Georges von Dufouleur Père & Fils. Was wäre das sonst für ein Riese gewesen. Sensationelle Farbe, Kraft, Struktur, noch so jung, so dicht, so konzentriert und fast etwas ungestüm. Da hilft nur die Suche nach einer Zwillingsflasche. Grandios auch der mehrfach getrunkene Chambertin von Faiveley, dass meine Weinfreunde ihn zuletzt 1999 dass ihn für einen großen 29er St. Emilion hielt, spricht eine eindeutige Sprache, wunderbar weiches, riesiges Teil mit feiner Süße 96/100. 2012 aus meiner besten(3 cm) Flasche, Eleganz pur mit sehr druckvoller Aromatik, ein stimmiger, harmonischer, immer noch sehr kräftiger und am Gaumen sehr langer Ausnahme-Burgunder – 99/100. Zeigte 2017 eine dermaßen überragende Dichte und Komplexität, überzeugte mit wunderbarer, generöser Süße und spielte dazu mit einer geradezu irren Eukalyptusnase den 45er Mouton – WT98. Ein Clos de la Roche von Gilles ging 2007 mit bräunlicher Farbe und karamelliger Süße eher als großer, älterer Rioja durch – 94/100. 2007 in Weggis ein Gevrey Chambertin von Garnier mit reifer, bräunlicher Farbe, aber schon deutlich gezehrt. Apfelige Säure, baut im Glas etwas aus und wird besser, bleibt aber anstrengend und wirkt deutlich über Höhepunkt hinaus – 85/100. Deutlich besser hätte 2014 der Chambolle Musigny Vieilles Vignes 1er Cru von Grivelet sein müssen. Reife Farbe, in der Nase leicht „over the hill“, auch am Gaumen etwas oxidiert, säurelastig und bitter im Abgang – WT90. Zeigte auch 2016 trotz enormer Substanz, trotz malziger Süße und schöner Fülle eben auch einen kräftigen Schuss Maggi, schade – WT92. Ein sehr feiner, eleganter Burgunder mit schöner Süße war 2008 ein Vosne Romanée von Grivelet - 95/100. Dicht 2012 die Farbe des Clos St. Denis von André Guy, reichlich Kraft, Fülle, generöse Süße, Säure und gute Statur, allerdings trübte ein leicht pilziger Kellerton den Gesamteindruck – 94/100. 2008 ein unglaublicher Echezeaux von André Guy. Immer noch voll intakte Farbe, die da rubinrot vor uns im Glas funkelte. Süchtig machende, reife Pinot-Nase, am Gaumen unglaublich dicht und hocharomatisch mit gewaltigem Tiefgang. Ein Wein, der von allem alles hat und in totaler Harmonie ein irres Weinerlebnis bietet. Besser geht Wein nicht, höchstens anders – 100/100. Ein Pommard Clos de la Commareine von Jaboulet-Vercherre war 2012 ein sehr schöner, reifer, eleganter Burgunder mit feiner Süße, aber kein großer 45er – 93/100. Ein Gevrey Chambertin Paladin von Mähler-Besse hatte 2011 eine superdichte Farbe, noch so jung, so dicht, so konzentriert und kräftig, ein Powerburgunder mit Potential für Jahrzehnte – 95/100. Ein Clos Vougeot von Moillard war 2009 in der ersten Flasche (zu) kurz nach der Lieferung ein immer noch sehr agil und jung wirkender Ausnahmeburgunder mit recht süßer Nase, kandierten Früchten, am Gaumen wuchtig, auch etwas alkoholisch, ein gewaltiges, kraftvolles Konzentrat, das aber auch Finesse zeigte, wird sich in dieser Form über die nächsten drei Jahrzehnte weiterentwickeln – 95/100. Die zweite Flasche 2010 sicher auf 98/100 Niveau. Die Dritte kurz nach Ostern 2010 schlichtweg Perfektion. Da stimmte von der tollen Nase über den Gaumen bis zum irre langen Abgang einfach alles. Immer noch so frisch die wunderbare Frucht, dekadent schön die generöse Süße, enorm druckvoll die Aromatik bei trotzdem samtiger Textur, einfach Harmonie und Eleganz pur – 100/100. Bedenken hatte ich 2009 da eher beim Nuits-St. Georges von Moillard, kam der doch mit einer schon verdammt alten, bräunlichen Farbe ins Glas. Auch die von deutlichen Liebstöckeltönen geprägte Nase verhieß zunächst nichts Gutes. Doch dann schaltete dieser Wein den Turbolader ein, wurde immer fülliger, süßer und generöser, Cashmere für den Gaumen, trank sich einfach verdammt gut und konnte dem sicher deutlich langlebigeren Clos Vougeot voll das Wasser reichen – 95/100. In der 2. Flasche 2010 auf diesem Niveau, aber um Längen unter Clos Vougeot. Nuits St. Georges Richemondes von Moillard-Grivot hatte 2012 eine sehr helle, reife, bräunlich-orangene Farbe, aber so fein, so elegant, filigran, fast schwerelos, tänzerisch mit feiner Süße, Schokolade und Nougattönen, sehr lang, Burgund vom Feinsten – 97/100. In der grenzwertigen Nase eines Corton von Mollard-Gaulin 2012 verschimmeltes Brot, am Gaumen plumpe Süße, die eher an Snickers als an Burgund erinnerte und im Abgang wieder dieser eklige Schimmelton – 78/100. Ein Volnay von Moreau lebte 2009 schon ganz schön gefährlich mit flüchtiger Säure. Ganz zu Anfang war das ein sehr schöner, in Ehren gereifter Burgunder, weich mit malziger Süße. Nur baute er halt sehr rasch ab und zerfiel förmlich im Glas. 93/100 habe ich dem ersten Schluck gegeben, wohlwollende 84/100 dem letzten. Der Chambertin von Morin war 2007 sicher nicht die beste Flasche, und ein Gutteil der ursprünglichen Farbe dieses jetzt recht hellen Gewächses befand sich als Depot auf dem Flaschenboden. Ich mag gar nicht daran denken, wie von so einem Wein eine perfekte Flasche schmeckt. Diese hier war immer noch ein druckvoller, hocharomatischer Wein mit feiner Süße, hoher Komplexität und unglaublicher Länge am Gaumen – 96/100. Besser hätte 2014 der Gevrey Chambertin von Morin sein müssen, der zwar noch gute Frucht besaß, aber auch eine ziemlich staubige Eleganz, die ihn rustikal wirken ließ – WT90. Der Nuits-Cailles von Morin hatte 2007 eine dichte Farbe mit deutlichen Brauntönen, komplex und dicht mit einer unwahrscheinlichen Aromatik und wunderbarer Süße, ein facettenreicher Wein, der im Glas immer neue Geschichten erzählte und den jüngeren Weingiganten, die zwischendurch aufgetischt wurden, zeigte, wo beim Wein der Hammer hängt – 99/100. Auch 2014 noch voll im Saft. Was für ein traumhafter Wein mit schier unglaublicher Frucht, so jung, so nachhaltig – WT96. Ein Noch so jung, so vibrierend mit puristisch schöner, traumhafter Frucht, mit messerscharfer Präzision, toller Struktur und guter Säure 2012 und 2013 der Clos Vougeot Chateau de La Tour von Morin – einmal WT 99, einmal WT100. Bei einem Chambertin von Noiret-Carrière glaubte ich 2005 erst, den 45er Vieux Certan vom Vortag im Glas zu haben. Eine ähnliche Mischung aus Medizinaltönen, Hustensaft und zu lange gezogenem Tee. Das änderte sich mit zunehmender Luft. Der Wein schliff sich ab, wurde gefälliger und entwickelte sich zu einem perfekten Burgunder mit sehr viel Kraft – 95/100. Zuletzt 2007 zweimal bei Jörg Müller Ein fülliger, immer noch fast jung wirkender Prachtburgunder mit unglaublicher Struktur. Keinerlei Zeichen von Alter oder Schwäche, eher noch Potential für Jahrzehnte und ene unglaubliche Länge und Komplexität am Gaumen – 96/100. Ein großer Burgunder für Fans hedonistischer Weine war 2011 der Corton Charlotte Dumay vom Hospice de Beaune in einer Abfüllung von Patriarche, so süß, so schmelzig, so samtig, absolut stimmig – 98/100. Gute Frucht hatte 2014 der Pommard von Antonin Rodin in der Nase, aber auch eine leicht seifige Note, am Gaumen ganz ok mit guter Säure, aber für das große Jahr enttäuschend – WT88. Der Beaune Grèves von Ropiteau Frères war 2014 so ein immer noch fast blutjung wirkender, dichter, zupackender Wein, sehr komplex und mit irrer Länge – WT99. Ein Clos de la Roche von Sanders zeigte 2008 deutlich, wie relativ unbedeutend der Füllstand doch bei großen, klassischen Burgundern aus großen Jahrgängen ist. Trotz 7 cm Schwund ein sehr feiner, eleganter und nachhaltiger Wein, bei dem keinerlei Eile geboten war – 94/100. Ein Clos de la Roche von Jacques Selot hatte 2009 selbst aus der Halben immer noch dichte Farbe, so süß, so verschwenderisch in der Nase und am Gaumen, üppig mit Pflaumen in Armagnac und mit viel Kaffee, leicht portig und dezent, aber nicht störend medizinal, gleichzeitig noch soviel Konzentration und Kraft, dass es locker noch für 1-2 Jahrzehnte reichen würde – 97/100. 2008 in der Nikolaus-Probe ein Clos Vougeot von A. Traxelle. Helle, reife Farbe, aber in der Nase und am Gaumen so betörend, so fein, delikat und finessig mit schöner, malziger Süße, blieb ewig am Gaumen. Ein unsterblicher Weinriese, der unzählige Geschichten zu erzählen wusste – 97/100. Eine Superfarbe hatte 2013 ein Richebourg von Vienot, war noch so unglaublich jung, einfach irre am Gaumen mit dieser explosiven Aromatik, mit dieser konzentrierten Frucht, ein sehr komplexer, ewig langer Traum – 100/100.

Würden Sie sich an einen fast 50 Jahre alten Beaujolais rantrauen? Abenteuerlustig hatte ich 1999 auf einer französischen Auktion 2 Flaschen Fleurie Clos de la Roilette von Bertrand gekauft. Der war 2000 auf einer Best Bottle selbst in der schlechteren (6cm) Flasche die Überraschung des Abends, ein perfekt gereiftes Riesenteil mit toller Aromatik, die Runde vermutete einen großen, alten Hermitage la Chapelle.... 94/100 war der sicher wert. Die bessere Zwillingsflasche war dann 2005 einer der Stars einer Raritätenprobe. So komplex, so aromatisch, so süß, so lang – ein unglaublicher Wein mit leicht üppiger Exotik. Bleibt ewig am Gaumen, Burgund at it´s Best, der Finessenmeister – 98/100. Und dann 2013 der sehr dichte, kräftige, schmelzige Moulin-à-Vent von Lalignant-Chameroy, ein Wow-Burgunder ohne wenn und aber – 95/100.

Selbst bei weißen Burgundern sind einige hochkonzentrierte Weine entstanden, bei denen man noch sehr positive Überraschungen erleben kann. Ein Meursault von Nicolas Brettonière war 1999 im direkten Vergleich mit 1990 Meursaut Perrières von Comte Lafon eindeutig der bessere Wein. Hellere Farbe als Lafon, süße Nase, am Gaumen trocken, rauchig, schöne Länge, baute aus und entwickelte sich im Glas, noch längst nicht am Ende, ein Riese.

Ganz großer Jahrgang auch an der Rhone.

Der Hermitage von P.A. André hatte 2015 nicht nur eine kräftige, altersfreie Farbe, er wirkte auch in der gesamten Anmutung noch so frisch. Da war unglaublicher Druck und Tiefgang am Gaumen, unterstützt von einer guten Säure – WT98. Einer der Höhepunkte einer großen Hermitage-la-Chapelle Probe 1995 war ein 45er in einer dänischen Abfüllung, geniale Nase, Mokka, Kaffee, wie die großen 45er Bordeaux, feine Süße, Säure, kräftig am Gaumen, malzig 96/100. Eine sehr dichte, kräftige Farbe, die ihn deutlich jünger erscheinen ließ, hatte 2005 ein Côte Rotie Vidal-Fleurie. Intensive Karamell-Nase, auch am Gaumen feine Süße und tolle Länge, perfekt gereifter Rhone-Wein, der sich als Pirat im 70er Kalifornien-Flight als eine Art älterer Bruder sehr achtbar schlug - 95/100. Vom gleichen Erzeuger 2005 ein schlichtweg sensationeller Hermitage Tête de Cuvée. Der hatte zu Anfang zwar eine etwas verhaltene Nase, baute dann aber unglaublich aus. Bitterschokolade ohne Ende. Am Gaumen dicht und aromatisch, so lang und so frisch 99/100.

Dünn und trüb war 2012 die helle Farbe des Clos des Papes, der nur noch verhalten von vergangener Größe erzählte, lakritzig, Kräuternoten, am Gaumen immer noch kraftvoll – 88/100. Ein namenloser Chateauneuf-du-Pape, für kleines Geld auf einer französischen Auktion erstanden, war 2000 mit hellem ziegelrot auf der leichteren Seite, aber immer noch sehr schön zu trinken. Zu alt war 1994 ein Chateauneuf-du-Pape von Dumatray. Eindrucksvoll 2005 ein Chateauneuf-du-Pape Chateau de Cabrières. Der war noch so präsent und frisch. Sensationelle Schoko-Mokka-Nase, irre Süße, am Gaumen etwas mehr Säure, aber auch sehr viel Schmelz – 96/100. Er erbärmlich 2008 ein Chateauneuf-du-Pape von Chanut Frères. Der Chateauneuf von Dufouleur hatte 2013 in der Nase viel flüchtige Säure und war trotz dichter, reifer Farbe auch am Gaumen sehr schwierig. Das war eher eingelegtes, süß-saures Gemüse als reifer Chateauneuf – 82/100. Sehr elegant und fein, altersfrei und burgundisch im besten Sinne 2013 mit schöner Süße der Chateauneuf von A. Verda – 94/100. Trotz dichter, aber sehr reifer Farbe war das eher ein Ausflug durch den Besenschrank, bei dem wir diverse Putzmittel verkosten durfte. Großzügige 80/100. Absolut großartig 2012 der Chateauneuf-du-Pape von Verdrennes-Orluc, einfach eine Traumnase mit süßer Würze und Milchkaffee, am Gaumen burgundisch im besten Sinne, so fein, so elegant, so süß und einfach lecker – 96/100.Mit heller Farbe sehr reif, eher etwas leichgewichtig mit viel Säure 2011 der medizinale Chateauneuf-du-Pape von Viard Frères, immer noch gut trinkbar, aber der hat schon deutlich bessere Zeiten gesehen – 89/100.

Auch im Elsaß eine hervorragende Ernte. Ein Gewürztraminer Clos Gaensbroennel Grande Reserve de la Victoire von Willm zeigte 2000 eine klare, kräftig-güldene Farbe, eine traumhafte Nase mit Karamell und Crème Brulée, am Gaumen eine angenehme Bitternote, immer noch sehr schön zu trinken- 93/100. Sensationell auch 2005 die Zwillingsflasche, güldene Farbe, faszinierende Backwerknase, weihnachtliche Gewürze, Anis, dezente Süße und Bitternoten, pfeffrige, würzige Aromatik, viel Kraft, ein kompletter, großer Wein – 94/100.

Hoch bewertet wird der Jahrgang auch in Deutschland.

Wässrig, säuerlich und trüb war 1988 eine Deidesheimer Kieselberg BA von Jordan. Grandios hingegen 2005 aus der gleichen Lage eine Deidesheimer Kieselberg BA des Reichsrat von Buhl. Wunderbare, leicht malzige Süße gepaart mit dezenter Säure und irrer Länge am Gaumen, unendliche Eleganz und Leichtigkeit – 97/100. Erstaunlich frisch 2014 immer noch auch die Bechtheimer Hasensprung Auslese von Pieroth mit dichter Farbe, Kumquats ohne Ende, inzwischen eher harmonisch trocken wirkend und sehr balanciert – WT94. 2005 mit der tiefdunklen, in der Karaffe fast schwarz wirkenden Farbe eines uralten Yquem eine Erbacher Marcobrunn TBA von Schloß Schönborn. Ein Jahrtausendwein mit irrer Aromatik, Teer, Mineralität, viel Süße, immer noch gute Säure, wirkte heiß, Kraft und Eleganz, unendliche Länge am Gaumen – 100/100.

Faszinierend im Sommer 2008 ein Rivesaltes aus dem Süden Frankreichs. Der wirkte deutlich jünger und frischer, sehr süß, selbst gemachte Butterkaramellen, dabei aber nicht klebrig, sondern durch die gute Säure eigentlich ausgewogen. Ein echtes Süßwein-Erlebnis außerhalb der ausgetretenen Pfade – 94/100.

Der Barolo Riserva von Borgogno war 2015 die frischere, süßere, fruchtigere, erheblich intensivere Version des 1885ers, so druckvoll, so süß, so schmelzig und so kräftig, ein Barolo wie vom anderen Stern – WT99. Alte Monfortinos sind rar, sehr teuer und ein heikles Thema. Der Monfortino Riserva von Giacomo Conterno hatte 2011 auf dem Unger Weihnachtstasting eine sehr helle, bräunliche Farbe, die wohl das Resultat deutlicher Farbausfällung war. Ekelhaft auch die Heizölnase dieser wohl irgendwann misshandelten Flasche. Mit heller Farbe, aber sehr balanciert mit süßer Frucht 2014 der Barolo Fontafredda – WT89.

Kein großes Jahr war 1945 in Rioja, aber das heißt nicht viel. Ich habe schon oft in, nach der offiziellen Klassifikation kleineren Rioja-Jahren wunderbare Weine gefunden. Ein

Vina Monti der Bodegas Monticello hatte 2005 ein helles Rot mit wenig Alter, faszinierende Nase mit betörender, roter Beerenfrucht, am Gaumen eher schlank, kommt mit der Nase nicht mit – 85/100. Praktisch untrinkbar war 2007 ein Dulce Reserva Bodegas Franco Espanoles, was für ein grausames, oxidiertes, ekelhaftes Zeugs!

Sehr gutes Jahr in der Champagne mit haltbaren Weinen.

Bollinger aus der 5 Liter Flasche hatte 2014 immer noch eine helle Farbe. Erstaunlich frisch die Nase mit Gartenkräutern und etwas Honig, auch der Gaumen frisch mit gut balancierender Säure – WT93.

Grosses Portweinjahr, kleine Ernte langlebiger Weine, jede Suche wert.

Croft war 1995 schon sehr weit, ziemlich hell, spritig, mir zu intensiv und zuwenig Schmelz. Graham Vintage Port Finest Reserve wirkte 2008 noch so jung, dabei weich und schmelzig mit herrlicher Süße, so reichhaltig, aber ohne jeden Alterston oder spritige Töne, einfach ein perfekter Gaumenschmeichler – 97/100.Groß auch der mehrfach getrunkene Taylor. 1995 perfekt gereift, ätherische Öle, Kamille(!), sehr lang, perfekter Port mit viel Zukunft. 1996 bei Drawert wieder sehr schön mit Eukalyptus, aber chancenlos gegen einen überragenden 55 Ferreira. Riesengroß war der Taylor 2005. Flüssiges Marzipan kam da aus der Flasche, wieder die typischen Eukalyptusnoten, etwas Espresso, Portwein in seiner allerschönsten Form. Ersetzt jedes Dessert und gehört unbedingt alleine für sich getrunken. So schön habe ich den 45er Taylor, der schon immer als Legende galt, noch nie getrunken. Jetzt hat er sich etwas mehr geöffnet, doch Eile ist nicht geboten. Da ist noch genug Tannin, so dass auch Ihre Urenkel daran noch Freude haben können – 99/100. 2015 endlich einigermaßen reif, so kraftvoll, immer noch jung wirkend und mit Potential für Jahrzehnte, mit süßem Schmelz, irrer Würze, Eukalyptus, Espresso und unglaublicher Länge – WT100.