1948

Beileibe kein schlechtes Jahr in Bordeaux, dafür aber zwischen 47 und 49 ein weitgehend vergessenes. Dabei lassen sich in 48 durchaus attraktive Weine finden.

Eine ganz große Überraschung war 2006 auf der großen Cos-Probe Cos d´Estournel, der sich für diesen häufig übersehenen Jahrgang ganz erstaunlich schön präsentierte. Lediglich die Nase war etwas verhalten. Am Gaumen präsentierte er sich so fein und schmelzig mit so toller Süße – 94/100. 2009 in einer französischen Händlerabfüllung von Georges Moreau&Fils mit sehr gutem Füllstand. Relativ helle Farbe, feine, rotbeerige Frucht, Himbeere, zunächst viel Säure und schon etwas gezehrt wirkend, baute mit Luft enorm im Glas aus, blieb dabei filigran mit delikater Frucht und unendlicher, an reife Lafites erinnernder Eleganz mit guter Länge am Gaumen – 90/100. 2013 hell die Farbe mit deutlichem Wasserrand, sehr jodig die Nase, am Gaumen feine Mineralität und dezente Süße – WT92. 2014 reif in einer Nicolas-Abfüllung, viel Champignons in der Nase, auch am ebenfalls sehr reifen Gaumen, dazu oxidative Noten, gehört getrunken – WT90.

Lafite Rothschild war 2010 so fein, so elegant, burgundisch im besten Sinne mit wunderbarer Süße war dieser Wein, schön, dass diese Flasche vor den Chinesen gerettet wurde – 95/100. Schlichtweg sensationell 2011, herrliche, gefällige, feinfruchtige Nase, auch am Gaumen sehr elegant mit delikater, zarter Frucht, burgundisch im besten Sinne mit beachtlicher Länge – 96/100. 2015 sehr fein und gefällig mit burgundischer Eleganz und guter Mineralität – WT94. Latour blühte 1995 aus der ½ nach 1/2 Stunden einmal kurz auf, war aber vorher und nachher gut trinkbarer, etwas astringierender Wein, der seinen Zenit deutlich überschritten hat. In größeren Formaten vielleicht noch interessant. Schlichtweg genial aus einer weiteren ½ 2014 mit sehr guter Struktur, völlig Altersfrei, enorme Kraft, Mineralität und Länge, baut enorm im Glas aus und entwickelt erste, feine Süße im langen Abgang – WT97. Lynch Bages war 2008 total hin und schmeckte eher wie frisch exhumiert, ein fürchterliches, etwas an Brennspiritus erinnerndes Gesöff, mit dem man jede Bewertungsskala nach unten eichen könnte. Trüb und schlammig 2014 die Farbe und so roch und schmeckte diese oxidierte Weinleiche auch – WT60. Mouton Rothschild zeigte 1999 neben Kaffeetönen viel flüchtige Säure, war aber noch gut trinkbar. Mouton Baron Philippe war 2013 trüb mit hoher Säure, auch etwas flüchtiger Säure und markanten Sauerkrautnoten - WT78. Pichon Comtesse war 2001 auf einer großen Comtesse-Probe leicht over the hill, aber immer noch ganz angenehm.

Beychevelle überzeufte 2017 aus der Magnum in seiner feinen, eleganten, filigranen Art mit betörender Frucht, feiner Würze, guter Säure, machte einfach Spaß – WT95. Reif, weich, aromatisch 2014 der Leoville Barton – WT92. Leoville las Cases war 2010 ein eher schwieriger Wein, der nur zum Essen kurz etwas aufblühte und dann zunehmend zerfiel – 81/100. 2013 sehr dichte, vielversprechende Farbe, aber leider Kork,

Palmer in der deutschen Abfüllung einer Firma Wilh. Meier aus Bremen hatte 2008 zwar immer noch eine gesunde Farbe und zeigte die feine Aromatik und Eleganz eines gereiften Margaux, doch störte die hohe Säure. Auch der lakritzige Abgang war ziemlich säurebetont – 87/100. Laktisch und fehlerhaft 2013 eine Mähler-Besse Abfüllung.

Deutliches Alterungspotential dürfte auch La Mission noch haben. 1993 auf Rodenstocks 14. am Arlberg aus der Marie Jeanne reife Farbe, zunächst störende Säure, die aber verflog, wurde dann sensationell, 2000 auf einer Probe sehr dichte Farbe mit leichtem Orangenrand, deutlich spürbarer Merlot mit Himbeerton, am Gaumen eckig, etwas rustikal, sogar noch verschlossen wirkend, viel Kraft und Dichte, noch lange Zukunft 92/100. Wäre 2012 auf René Gabriels großer La Mission Probe einer dieser 48er gewesen, die gut mit 47&Co mithalten können. Warum musste ausgerechnet der Kork haben? Schon diese wunderbare Farbe, die dichteste des Flights, hatte gezeigt, dass hier etwas Großes im Glas war. Klar habe ich nicht nur versucht, unterm Kork durch zu trinken. Ich habe auch keinen einzigen Tropfen im Glas gelassen. In der Nase kämpfte sich mit der Zeit eine generöse Süße gegen den Kork durch, am Gaumen ließ sich eine gewaltige Struktur und Dichte erkennen. Keine Frage, dass ist ein 95+/100 Wein, den ich unbedingt noch mal ohne Kork ins Glas bekommen möchte. 2017 war es aus der Magnum soweit. Sehr dicht die Farbe des robusten, kräftigen, immer noch leicht wilden La Mission, in der Nase Storcks dunkle Riesen im Schokomantel, Fernet Branca, Minze, Kräuter und sogar etwas Eukalyptus wie beim 78er. Ein enorm dichter La Mission mit gewaltiger Länge, der noch Potential für etliche Jahre hat – WT96. Haut Brion hatte 2006 eine sehr schöne Nase mit feiner Süße und faszinierender Aromatik. Die setzt sich am Gaumen nur bedingt fort, da eine hohe, aggressive Säure alles überlagert. Wird mit der Zeit im Glas etwas gefälliger – 84/100.

Was für ein Hammerteil war 2012 in Bad Ragaz der Ausone, der im Vergleich als der bessere 47er durchging. In der Kraft stand er dem 47er in nichts nach, aber er zeigte deutlich mehr Harmonie und süßen Schmelz, wurde mit Luft immer kräuteriger und lakritziger. Die markant kräuterige Bitternote im langen Abgang verleitete einige am Tisch dazu, von Fernet Branca zu sprechen, doch mit diesem Vergleich konnte ich mich überhaupt nicht anfreunden. Nach Fernet geht überhaupt nichts mehr, der schließt am Gaumen mit allem ab. Aber dieser großartige 48er, locker auf 98/100 Niveau, machte Lust auf mehr. Star des Jahrgangs ist Cheval Blanc, den es in sicher einem guten Dutzend Abfüllungen gibt. Ich habe ihn zwischen 1995 und 1999 fünfmal aus unterschiedlichen belgischen und französischen Händlerabfüllungen getrunken. In den besten Flaschen ist der 48er nicht weit vom 47er Cheval Blanc weg. Nicht ganz so opulent und einen Hauch schlanker, aber auch ungemein dicht und fleischig mit feiner Süße. Gut gelagert können 48er damit ohne weiteres noch ihren 70. Geburtag feiern. Das zeigte sich auch 2006 auf der großen Cheval Blanc Probe. Da hielten wir blind den 48er für den 47er. Der hatte in einer französischen Händlerabfüllung eine superdichte, rabenschwarze Farbe, war portig, dicht, unglaublich dekadent füllig, etwas überreif, reichlich Kaffee, opulent, mehr Kraft als Finesse - 99/100. Auch 2008 war das ein üppiger, schokoladiger, riesengroßer Wein mit massiver, darunterliegender Säure, die aber tragend und gut eingebunden ist – 98/100. Ein paar Wochen später auf René Gabriels großer Cheval Blanc Probe verdarb nur ein übler Kork den sicher ähnlichen Genuss. 2012 bei Elke Drescher war er in einer belgischen Dalamier-Abfüllung jünger, dichter und kräftiger als der 47, Teernoten, Tabak, Lakritz, eher Pessac als Cheval, großer Wein mit noch viel Zukunft – 99/100. Ein paar Wochen später bei Uwe Bende Der bessere, weil langlebigere „47er“. Sehr dicht die Farbe dieses einfach kompletten, großen Weines, der Süße und Opulenz mit Dichte und fantastischer Struktur vereinigte – 100/100. 2014 auf Sylt bei Jörg Müller eine geniale Hanapier-Abfüllung, sehr dichte, klare, brilliante Farbe mit deutlichem rubinrot, teerig Nase mit erstaunlicher Frucht und ätherischen Noten, baute im Glas enorm aus und wurde am Gaumen immer kräftiger mit leicht portiger Süße, enorme Länge und keinerlei Müdigkeit – WT100. Ende 2014 bei Elkes Jubiläumsfeuerwerk erinnerte er in der Nase mit deutlichem Eukalyptus an große, reife Heitz Martha´s Vineyards und zeigte auch am Gaumen eine enorme Kraft – WT95. Und 2016 bei Elke Drescher eine Hapanier Abfüllung mit traumhafter WT100 Nase, aus der der 48er noch fast unfertig mit deutlichen Tanninen wirkte – WT97+. Erstaunlich kräftig, dicht und jung wirkte 2012 der Gaffelière-Naudes mit Tabak und Teernoten, nur mit dem Charme haperte es etwas. Am Gaumen wirkte er auf hohem Niveau etwas monolithisch – 95/100. 2013 war da wieder der Bruder des 48 Cheval Blanc im Glas, noch so jung, so kräftig, so nachhaltig. Da spielt die Musik noch 20 Jahre – 96/100. 2016 auch aus einer Hanapier-Abfüllung guter, kompakter, seriöser Wein, kräftig, dicht und lang – WT96.

Conseillante in einer französischen Eschenauer-Abfüllung sprang 2017 mit herrlicher, geradezu explosiver, schokoladiger, trüffeliger Aromatik geradezu aus dem Glas. Ein großer, kompletter Pomerol – WT98. Lafleur war 2010 norm kräftig und fleischig, aber auch mit leichter Strenge, die Bitterschokolade hatte hier 100% Kakaoanteil. Trotzdem für den Jahrgang ein großartiger Wein – 94/100. Zuletzt auf der großen Lafleurprobe am Attersee sehr filigran, elegant, feinduftig und kräuterig - 94/100. Sehr gut gefiel mir 2014 der Petrus, der zwar nicht die Süße und den unendlichen Schmelz der 47er zeigte, aber mit dichter, immer noch jung wirkender Farbe und großartiger Struktur als so eine Art „Petrus vom linken Ufer“ zeigte, das er noch eine gute Zukunft hat – WT96. 2017 junge Farbe, tolle, immer noch so präsente Frucht, gute, stützende Säure, Fülle Kraft und Länge – WT97. Vieux Chateau Certan zeigte sich 1998 selbst in einer lausigen `ms`Flasche kräftig und üppig und erinnerte dabei an den 47er. 2011 noch süßer, dichter, kraftvoller und üppiger. Dieser sehr gelungene Wein dürfte damals mit einer guten Portion 47er aufgehübscht worden sein – 96/100. Stellt zusammen mit Cheval Blanc sicher die Jahrgandsspitze dar und hatte zuletzt 2012 eine gewaltige Struktur und zupackende Aromatik – 98/100.

Mit tiefer Farbe, viel Boytritis, Toffee und Brioche ging 2016 der trotzdem trocken wirkende Laville Haut Brion locker auch als großer 'Y' von Yquem durch - WT93.

Den 48er Sauternes fehlte es an Dichte und Konzentration.

Suduiraud hatte 2013 eine immer noch brilliante, tiefgüldene Farbe und sehr generöse Süße, dabei absolut stimmig und balanciert, blieb ewig am Gaumen – WT97.  Yquem hatte 1988 eine schöne Farbe, verabschiedet sich sehr schnell und hatte einen leicht unangenehmen Nachgeschmack. Deutlich besser 2014, reif mit güldener Farbe, trank sich sehr schön – WT93.

Sicher lohnt die Suche auch im Burgund, wo nicht nur mit der Hilfe von „Herrn Chaptal“ eine Reihe von durchaus passablen, alterungswürdigen Weinen entstanden.

Einfach grandios 2008 ein Musigny von Bichot mit seiner wunderbar reifen Pinot-Nase und der immer noch recht dichten, jünger wirkenden Farbe. Sehr generös am Gaumen mit schöner Süße und feinem Schmelz – 95/100. Reif und auf dem Punkt oder schon leicht drüber 2014 der Richebourg von DRC, zumindest schien es erst so mit bräunlich-reifer Farbe und reifer Nase. Doch dann explodierte dieser Wein förmlich im Glas. Die Reife blieb, aber mit der Pracht und Fülle eines großen Burgunders, so hoch elegant, so verführerisch süß und schmelzig, so ewig lang. Da ist einfach jedes Glas zu klein – WT97. Der Romanée St. Vivant von Noellat hatte 2014 eine kräftige Farbe, eine feine, schmelzige Nase, auch am Gaumen süßer,, burgundisch feiner Schmelz ohne Ende mit viel Kaffee, aber auch noch Frucht und insgesamt noch recht jung wirkend – WT96. Eine reife Farbe hatte 2014 der Pommard von Roger Viard. Nicht die frischeste aller Nasen, viel Pilze, Waldboden, auch am Gaumen leicht gezehrt, Bitternote im Abgang, baute mit der Zeit ab – WT87.

Guter Jahrgang im Elsass.

Leider fehlten 2008 12 cm beim Gewürztraminer Grand Cru von Hugel. Der hatte eine überraschend schöne Nase, doch am Gaumen war das allenfalls ein noch so gerade trinkbarer, furztrockener Sherry.

Sehr würzig, kräftig und zeitlos schön 2014 die Oestricher Gottesthal Spätlese von Anton Siepchen – WT90. Erstaunlich gefällig 2014 der RaunenThaler Großenstück Riesling naturrein von den Staatsweingütern Eltville, dessen frühere, wohl nicht unerhebliche Restsüße immer noch spürbar war – WT87.

Risiko pur war 2005 ein bei Ebay für wenig Geld erworbener 1948 Pfälzer Landwein der Weingroßhandling W. Niehenke aus Hameln. Das, was wohl mal ein Rotwein war, hatte inzwischen eine helle Farbe, dazu eine staubig-muffige Nase, am Gaumen kein Genuß mehr, aber man starb nicht dran und in 1948 Geborene hätten ihn vielleicht auch noch schöngeredet. Eine Winzenheimer Berg feine Auslese von August Anheuser hatte 2008 eine güldene, brilliante Farbe, keinerlei Alter, ein faszinierender, sehr harmonisch balancierter Wein, bei dem einfach alles stimmte, Süße, Säure, Frucht und extreme Länge am Gaumen. Und das alles mit einer schier unglaublichen Eleganz und Leichtigkeit, Süßwein geht anders, aber kaum besser – 97/100.

Vereinzelt soll es aus diesem eher kleineren Jahr auch gute Champagner gegeben haben, z.B. von Salon. Ich habe bisher nur einen dafür um so erstaunlicheren, deutschen Sekt getrunken, einen Söhnlein Schloß Johannisberger Jahrgangssekt. Nur beim Einschenken war noch ein leichtes Restmousseux zu erkennen. Ansonsten war das kein Sekt mehr sondern Wein, und der hatte es in sich. Tiefe, bräunlich-güldene Farbe, malzige Süße, karamellig, aber auch etwas Säure und nur ganz leicht oxidative Töne in der Nase. Am Gaumen rund, weich, einfach herrlich zu trinken mit langem Abgang und dabei durch die Säure erstaunlich frisch wirkend. Auch dieser Wein muss früher einmal deutliche Restsüße gehabt haben, die inzwischen völlig aufgezehrt ist. Einfach ein grandioses Altweinerlebnis. Da stand zwar Söhnlein auf der Flasche, innen drin war aber schon der Chef – 93/100.

Auch alte Barolos sind noch eine Suche wert. Ein Barolo von Borgogno brauchte 2008 viel Luft und Zeit um sich richtig zu entwickeln. Als Hustensaft pur kam er ins Glas. Auch am Gaumen war er erst etwas flach. Das gab sich jedoch mit der Zeit. Er baute im Glas enorm aus und entwickelte immer mehr Komplexität und Länge. Dabei blieb er sehr kräuterig mit Salbei ohne Ende – 93/100.

Kein Genuss mehr 2011 ein Mertert-Herrenberg Gewürztraminer 1er Cru von Kayser-Burmerange aus Luxemburg.

Vega Sicilia Unico war 1999 aus zwei Flaschen weitgehend hin. Doch zuletzt 2011 war er noch quicklebendig und ein wirklich großer Unico, der an 68 und 70 erinnerte, noch so dicht, kräftig und lang mit guter Säure und Kräutern ohne Ende – 95/100. Vina Real Reserva Especial von CVNE war 2008 zu Anfang etwas verhalten und brauchte viel Luft, kam dann aber sehr gut. Ein fleischiger, kräftiger Wein mit viel Kaffee und nur verhaltener, malziger Süße. Scheint noch etliche Jahre vor sich zu haben – 91/100.

Als Wein-Chamäleon erwies sich 2008 ein YGAY Blanco Reserva von Marques de Murrieta. Ein kräftiger Wein, mit hochinteressanter, sich ständig wechselnder Aromatik. Wirkte zu Anfang erst etwas senil mit der Nase eines alten Armanacs, wurde dann immer kräuteriger, legte mächtig zu und veränderte sich ständig im Glas, ein facettenreicher, feiner Tropfen ohne Alter – 90/100.

Ein sehr guter, aber oft übersehener Port-Jahrgang, in dem sich noch einige Schnäppchen machen lassen.

Burmester Vintage Extra Selected, Bottled 1951, war 2008 bei Jörg Müller ein irres, faszinierendes Teil, Kaffee, Schokolade, Schoko, Mokka, dunkles Toffee, immer noch gute Frucht und viel finessiges Spiel mit seiner Aromatik förmlich aus dem Glas und bleibt ewig lange am Gaumen, baut im Glas nicht ab, sondern absolviert so eine Art Verjüngungskur. Immer stärker kommt mit zunehmender Luft Amarenakirsche mit Marzipan, eine echte Port-Legende – 98/100. Der Taylor Vintage Port war zwar 2016 reif mit trüber Farbe, aber so druckvoll mit verschwenderischer Süße und toller Länge – WT95.

Bräunlich-helle 2014 der Massandra White Port mit gewaltiger Struktur und der guter Süße, gefiel mir ausnehmend gut – WT95.