1959

Die freie Auswahl hat, wer aus 1959 einen Jubiläumswein sucht. In diesem ganz großen Weinjahr wurden fast überall in Europa und in vielen anderen Teilen der Welt Riesenweine erzeugt.

Die Frage, ob 1959 oder 1961 das größere Bordeaux-Jahr darstellt, dürfte rein akademischer Natur sein. In beiden Jahren wurden ganz große Weine erzeugt. Trotzdem kann man nicht einfach wahllos kaufen. Etliche Weine, insbesondere aus schlechterer Lagerung, haben inzwischen das Zeitliche gesegnet.

Calon Ségur hatte 1998 eine dichte Farbe, war sehr würzig, aber auch mit kräftiger, tragender Säure, sicherlich langlebig – 93/100. 2015 offen und schmelzig mit feiner Kräuternote – WT93. Chambert in einer Barrière-Abfüllung war 1996 ein nettes, gut trinkbares Weinchen, das sicher schon bessere Zeiten gesehen hatte – 82/100. Cos d´Estournel war 1992 noch ganz ok er mit kräftiger Säure, tauchte leider sehr schnell ab – 87/100. Gleich zweimal hatte ich ihn dann 2006 auf der großen Cos-Probe. Leider waren beide Flaschen eher enttäuschend. Die Chateau-Abfüllung besaß zwar eine feine Zedernholznote, wirkte am Gaumen durch die recht hohe Säure aber unharmonisch – 85/100. Bei der Ginestet-Abfüllung war die Farbe daneben, die Nase daneben und der Gaumen daneben. Besser 2007, erstaunlich junge, dichte Frucht, war aber trotz der hohen Säure sehr gut zu trinken – 90/100. Frisch 2013 mit süßer Frucht, aber auch der typischen 59er Säure – WT93. 2016 noch so präsent, so frisch und so jung wirkend, so animierend mit traumhafter Frucht und guter Säurestruktur – WT96. Montrose war 1989 im Caveau für Montrose erstaunlich offen und generös mit geradezu dekadenter Süße – 95/100. 2007 wirkte er zunächst sehr anstrengend mit hoher, astringierender Säure, baute jedoch schön im Glas aus und wurde immer besser. Zuletzt 2010 verschwenderische Süße in der Nase, auch am Gaumen süß und füllig, mit der Zeit kommt ein korkiger Ton, oder ist das altes Fass? Bringt in fehlerfreien Flaschen sicher noch mehr als diese 93/100. 2012 überzeugte er mit ätherischer Kühle, mit Frische, enormer Länge, perfekter Struktur und puristisch schöner Frucht. Das immer noch voll intakte Tannin- und Säuregerüst dürfte ihm noch ein sehr langes Leben bescheren. Womöglich überlebt er auch den 89er – 97/100. 2016 aus der Magnum so straff, so eine tolle Struktur, mit erster, feiner Süße und Potential für lange Jahre – WT97. Ein Phélan Ségur in einer Audy Abfüllung hatte 2012 noch eine sehr dichte Farbe, wirkte aber etwas eindimensional – 86/100.

Sicherlich deutlich besser als heute waren zur damaligen Zeit die sogenannten Handelsmarken, z.B. das, was Philippe Rothschild unter dem Label Bergerie verkaufte. Ein solcher Pauillac La Bergerie hatte 2001 in einer schlechten Flasche eine dunkelbraune Farbe, mächtiger Stoff mit malziger Süße, nach 2 Stunden im Glas kamen erste Sherrytöne – 87/100. Die bessere Zwillingsflasche war 2009 ein feiner, klassischer, gut gereifter Pauillac – 89/100. Grand Puy Lacoste war 1995 aus der Imperiale noch sehr jung. 2004 aus der 1tel dann ein wunderbarer, finessiger, eleganter, typischer GPL mit roter Johannisbeere, sicher noch einige Jahre haltbar und zumindest in Großformaten ein Kauf wert - 93/100. Haut Bages Liberal in einer Barrière-Abfüllung hatte 2003 eine dichte, deutlich jüngere Farbe, schöne Nase, gefällig, sehr lecker, etwas kurz am Gaumen 91/100. Ein Riese mit sicher noch 20 Jahren Potential ist Lafite Rothschild. Fast noch zu jung 1993 auf unserer Jahrhundertweinprobe und kurz darauf noch mal auf der Probe eines guten Weinfreundes, junge Farbe, noch kräftige, aber nicht so astringierende Tannine wie Latour, für Lafite erstaunlich viel Kraft, sehr schöne Länge - 98/100. 1995 im Landhaus Bacher aus der Marie Jeanne Gran Vin! Tiefe, junge Farbe, intensive Fruchtsüße, hört am Gaumen garnicht mehr auf – 100/100. Stellte Silvester 1995 bei Hubi Scheidt selbst den 59er Haut Brion noch in den Schatten – 100/100. 1996 eine erstaunlich reife Flasche aus nicht optimaler Lagerung, sehr dichte Farbe, erkennbarer Braunton, Minzfrische, reifer Cabernet, voll, geradezu opulent, sehr lang - 100/100. 2007 absolute Perfektion. In der Nase Minze, aber auch Kräuter und eine feine Süße. Die Süße dieses sehr finessigen Weines seht sich am Gaumen fort, endlos im Abgang. Ein Jahrhundert-Lafite, jetzt auf dem Höhepunkt, auf dem er sicher noch 10-20 Jahre bleibt - 100/100. Zuletzt 2011 auf René Gabriels großer Lafite-Probe superdicht die junge Farbe, ein gewaltiges Konzentrat in der Nase und am Gaumen, das eher an modernere Lafite erinnerte, als an die klassischen Lafites der damaligen Zeit, vielleicht ein modernes Remake des legendären 1870 Lafite, Minze, Eukalyptus, frische Kräuter, satte, pflaumig-portige Frucht, Süße, mehr Kraft als Finesse, gewaltige Länge, und doch fehlte bei diesem Wein der letzte Kick. Deshalb „nur“ 97/100. 2014 aus einer perfekten Magnum so eine irre, wohl definierte Frucht, so ein gewaltiger, aromatischer Druck am Gaumen, immer noch so jung wirkend mit perfekter Tannin- und Säurestruktur, ewige Länge am Gaumen, Weltklasse – WT100. Der Carruades de Lafite hatte 2014 zwar eine ziemlich alte Nase mit deutlicher Schärfe, war aber am Gaumen sehr fein mit filigraner, süßer Frucht, die an Vorreblausweine erinnerte – WT94. Latour wirkte 1993 auf einer Probe im 59er Vergleich schlank, unreif, sehr kräftige Säure, ließ von seinem Potential nicht viel raus - 94/100. 1995 auf Willi Krählings Latour-Probe aus der Magnum dann die Kraft und die Herrlichkeit – 100/100. Im selben Jahr dann noch schlichtweg außerirdisch gut aus einer Marie-Jeanne und – der Supergau! – aus einer fehlerhaften Imperiale. Danach noch mehrfach aus Flaschen unterschiedlicher Güte. Zuletzt 1999 auf einer Best Bottle dichte Farbe, dekadente Süße, Power, leichte Minze, unglaublich, das war 59 Latour wie ich ihn kenne und liebe - 100/100. Im Sommer 2005 dann noch eine perfekte 1tel auf 100/100 Niveau. Vier Wochen später auf Sylt hielt ich ihn blind eingeschenkt für deutlich jünger und wähnte mich bei 82 Leoville las Cases. So jung, auch in der Farbe, so dicht, so massive Tannine, so kompakte Frucht. Ein für die Ewigkeit gemachter Wein, der in perfekt gelagerten Flaschen wie dieser unbedingt ein paar Stunden vorher dekantiert, besser aber noch ein paar Jahre weggelegt gehört – 97/100. 2007 auf Chateau Latour in zwei Varianten. Grandios die ex-Chateau Flasche. Superfarbe ohne jedes Alter, vielschichtige Traumnase, auch am Gaumen so dicht, so jung, so kraftvoll, unglaublich komplex, Latour in Vollendung, ein Weinmonument, gemacht für die Ewigkeit – 99/100. Die Flaschen aus einem kalten Loire-Keller wirkten erstaunlicherweise etwas reifer mit einer Extra-Portion Süße, aber auch kräuterigen, floralen Aromen – 98/100. Perfekt 2013 aus der Halben(!) – WT100. Auch 2014 aus der Magnum so eine irre, wohl definierte Frucht, so ein gewaltiger, aromatischer Druck am Gaumen, immer noch so jung wirkend mit perfekter Tannin- und Säurestruktur, ewige Länge am Gaumen, Weltklasse – WT100. Ein zeitlos schöner, eleganter Wein mit feiner Minznase war 1995 auf Willi Krählings Lynch-Probe der Lynch Bages – 95/100. Vielleicht nicht ganz auf diesem Niveau aber ebenfalls sehr schön und noch lange nicht am Ende ist die Barrière-Abfüllung. 1998 bei Drawert reife Farbe, schöne Würze, feine Süße, Minze, einfach lecker - 91/100. Ähnlich noch mal in 2000. 2008 auf René Gabriels großer Lynch-Probe war dann die Chateauabfüllung deutlich auf dem Abstieg, sehr reife, leicht oxidativ wirkende Nase, Dörrfrüchte statt frischer Frucht, auch am Gaumen deutliche Alterstöne – 83/100. Eine parallel getrunkene Mövenpick-Abfüllung war wohl fehlerhaft und zeigte nur die Faszination des Grauens. Wirkte 2014 aus einer Händlerabfüllung zwar etwas streng mit deutlicher Säure, zeigte aber enorme Kraft und Substanz, dürfte sich noch lange auf recht hohem Niveau halten – WT94. Unterschiedlich zeigte sich Mouton Rothschild. 1994 auf Willi Krählings Mouton-Probe eine sehr schöne Magnum mit Minze und Eukalyptus, die stark an den legendären 74 Heitz Martha´s Vineyard erinnerte – 98/100. 1998 aus der 1tel sehr dichte, junge Farbe, Nase leicht exotisch mit Eukalyptus und Minze – 95/100. 1999 in einer Best Bottle dichte Farbe, Bleistift, Minze, entwickelt sich langsam im Glas(noch viel Zukunft), tolle Länge am Gaumen, aber auch hier kam das Aha-Erlebnis nicht rüber - 96/100. Zwei unterschiedliche Flaschen 2000 in einer großen Mouton-Probe, in der besseren der beiden Flaschen kräftige Säure und Tannine, Riesenteil mit sicher längerer Zukunft als 61 – 97/100. 2004 in der Mouton-Probe auf der Stromberg dezente Minze, noch unglaublich frisch, jung, viel Potential und Zukunft - 98/100. 2006 kräftige Farbe mit wenig Alterstönen und wirkte wieder verdammt jung und konzentriert. Entwickelte sich im Glas, da kamen Minze, Bleistift, auch etwas Eukalyptus, immer noch präsente Tannine, sehr lang am Gaumen – 97/100. Da ist noch Musik für etliche Jahrzehnte drin. 2007 dann das mit Abstand beste Exemplar, das ich von diesem Wein je getrunken habe. Mag sein, dass er jetzt endlich reif ist. Schon die fantastische Nase mit viel Minze, einem Hauch Eukalyptus, mit Bleistift und altem Sattelleder identifizierte ihn nicht nur sofort als großen Mouton, sie erinnerte auch stark an die Legende 45. Am Gaumen unglaublich dicht und von einer perfekt strukturierten Üppigkeit. Vinologische Dekadenz in ihrer schönsten Form – 100/100. Und 2014 noch zweimal in absoluter Perfektion, so jung, so frisch mit süßer, voller Frucht, viel Minze, ein Hauch Eukalyptus, auch am Gaumen einfach perfekt mit nicht enden wollender, generöser Fülle, Mouton geht anders, aber nicht besser – WT100. Pichon Baron war 1997 in einer französischen Händlerabfüllung von Decas ein wunderschöner, reifer Cabernet mit feiner Zedernholznote und dichter Farbe – 93/100. Deutlich reifer vier Jahre später die Zwillingsflasche, schwächelte zu Anfang etwas mit Liebstöckel-Tönen, kam dann aber sehr schön im Glas mit feiner Süße. Hatte zuletzt 2009 in einer französischen Händlerabfüllung von de Luze mit üppiger, pflaumiger, süßer Frucht gewisse Ähnlichkeiten mit dem 90er, allerdings zeigte er am Gaumen auch die prägnante 59er Säure – 93/100. Von der Pichon Comtesse habe ich in den Neunzigern etliche Flaschen der sehr zuverlässigen Cruse-Abfüllung geleert (92-94/100), die dann Ende der 90er erste Schwächen zeigte. Als Chateau-Abfüllung 1996 eine sehr enttäuschende Imperiale und 1998 in Hannover eine überraschend schöne 1tel mit wunderbarer, reifer Nase mit etwas Tabak, Kaffee und Schokotönen, am Gaumen samtig, weich und ebenfalls sehr reif – 93/100. Weich, süß, sehr fein und schmelzig 2009 in einer französischen Händlerabfüllung von Roger Joanne, dabei eher etwas auf der leichteren Seite, elegant und tänzlerisch am Gaumen – 94/100. Zuletzt 2010 noch mal als fruchtige, gute Chateau-Abfüllung – 91/100. Pontet Canet war 1992 schon deutlich über Höhepunkt hinaus mit störender Säure. Und genau diese Säure war es wohl auch, die diesem Wein ein zweite, späte Karriere bescherte. Reif wirkte er 2011 auch, vielleicht auch etwas über den Höhepunkt, aber deutlich frischer als vor 20 Jahren, etwas verbrannt die Nase, leicht rosinig, am Gaumen mit sehr guter Struktur – 90/100.

Beychevelle hatte 1995 im Landhaus Bacher aus der DM eine sehr kräftige Farbe mit deutlichen Brauntönen, die unangenehme Sauerkrautnase verschwand mit der Zeit, alter Wein, der zwischendurch noch einmal kurz aufblühte, dann aber wieder schnell in sich zusammenfiel – 74/100. Erstaunlich schön und perfekt gereift 2009 bei Jörg Müller auf Sylt, zeigte in der faszinierenden Nase eine feine, generöse Süße und wunderbaren Schmelz. Das setzte sich am Gaumenfort, wozu allerdings noch die jahrgangstypische, kräftige, aber tragende Säure kam. Reifer Bordeaux mit hohem Genussfaktor – 93/100. Hatte 2015 aus der Magnum hatte eigentlich alles, was ein großer Wein braucht. Kraft, Frucht, Fülle, Süße, aber eben leider auch erste Alterstöne in Form von Oxidation – WT91. Branaire Ducru war 1998 zwar weich, würzig, mit feine Süße, buttrig, aber noch lange nicht am Ende – 90/100. Eine englische Händlerabfüllung dieses Weines war aber 1996 mit ziemlich heller, leichter Farbe mit deutlichen Brauntönen, reif und sicher über Höhepunkt hinaus – 86/100. Recht langlebig könnte auch noch Ducru Beaucaillou sein, 2006 auf der großen Ducru-Probe dichte Farbe, tolle Nase, aber etwas kurz am Gaumen - 92/100. 2009 rauchige Nase, baut enorm im Glas aus, bleibt dabei aber leichtfüßig und elegant, wirkt deutlich jünger und ist nur im Abgang etwas kurz – 93/100. Auf der großen Ducru-Probe in Krems 2009 etwas eckig und, sehr dichte Farbe, viel Biss, aber auch metallische Noten, ein Monolith – 88/100. 2013 ein großer, aber auch schlanker und von deutlicher Säure geprägter Wein, der gleichzeitig schöne Süße zeigte, dürfte noch recht langlebig sein – 93/100. 2014 aus einer Barrière-Abfüllung wunderbare Frucht, generöse Süße, Fülle, Länge, einfach absolut stimmig und ohne die nicht nur bei diesem Wein so oft störende 59er Säure – WT97. Sicher nicht in der Liga des großen 61ers und ohne dessen Kraft, aber sehr finessig und elegant ist Gruaud Larose. Versaut wurde ich natürlich bei meiner ersten Begegnung 1993 aus der Imperiale, das war ganz großer Stoff. Danach habe den Wein gesucht und mehrere schöne 1tel und Magnums getrunken, die diese Klasse zwar nicht erreichten, aber immer bei 93-95/100 lagen. 1996 tranken wir Silvester zu zweit eine Magnum in relativ kurzer Zeit leer, denn dieser ziegelrote Wein, war weich und voll auf dem Punkt – 94/100. Die Zwillingsmagnum 2002 legte noch mal einen drauf, reife Farbe mit deutlichem Orangenrand, vollreif im besten Sinne, perfekter Cabernet mit unendlichem Abgang, davon bekäme ich leicht eine DM alleine leer! – 96/100. 2013 immer noch erstaunlich frisch mit toller Frucht, Süße, Fülle und dem stabilen Säuregerüst des 59er Jahrgangs, das noch eine längere Zukunft verspricht – 96/100. Zeigte sich 2014 zweimal und dann wieder 2015 in großartiger Form, ohne das markante 59typische Säuregerüst, mit viel Schmelz und generöser Süße, sehr druckvoll und lang am Gaumen – WT97. 1955 stand auf dem Etikett des Leoville Barton, den ich 2001 öffnete, doch der Korken wies ihn eindeutig als 59er aus, ein toller, kräftiger 59er mit reichlich Reserve –95/100. Vier Jahre vorher hatte ich ihn schon mal als weniger überzeugende englische Händlerabfüllung von Avery getrunken, kräftige Farbe mit deutlichen Brauntönen, alte Fässer, etwas staubig/muffige Nase, am Gaumen dezente Süße - 88/100. Leoville las Cases hatte 1995 bei Jörg Müller aus der Magnum eine junge, aber nicht allzu kräftige Farbe ohne Braunränder, noch schöne Frucht und kräftige Säure – 91/100. Leoville Poyferré hatte 1993 auf einer Drawert-Probe eine animalische Nase, am Gaumen kurz und dünn – 82/100. 1994 und 1995 dann sehr schöne Cruse-Abfüllungen dieses Weines, reife Farbe mit deutlichen Brauntönen. Am Gaumen perfekt gereifter, großer Bordeaux – 95/100. 2011 relativ hell die Farbe zwar, aber wenig Reifetöne, herrlich die Kaffeenase, Starbucks pur, immer noch frische Frucht, gute Säure und Struktur, ein klassischer, großer 59er, der es in dieser Form noch länger macht – 95/100. 2012 insgesamt deutlich ziviler und zugänglicher mit sehr schöner Frucht und jugendlicher Frische, könnte, wenn die Frucht überlebt und die Säure weiter abbaut, sogar noch zulegen – 92/100. Zeigte sich 2014 sehr fein, elegant und absolut stimmig mit sehr guter Länge – WT94. Talbot war 1993, 94 und 96 von der Nase her schon alter Wein, sonst sehr fein, elegant, mit sanftem Schmelz und leichter Süße, helle, schon sehr bräunliche Farbe – 91/100. Deutlich besser eine perfekte Flasche 2007 bei Jörg Müller. Reif und voll auf dem Punkt, sehr fein und elegant mit wunderbarer Süße, blieb ewig am Gaumen. Die für 1959 typische, gute aber harmonisch eingebundene Säure verheißt diesem Wein noch ein längeres Leben – 94/100.

Chasse Spleen hatte 1994 in einer belgischen Dalamier-Abfüllung eine schöne Farbe mit wenig Brauntönen. Sensationelle Nase, die an einen großen, reifen Burgunder erinnerte, auch am Gaumen sehr schön, wenn auch nicht mit derselben Klasse, aber eindeutig als Bordeaux identifizierbar – 91/100. Die kurz danach getrunkene, zweite Flasche hatte leider einen deutlichen Essigstich. Ein La Closerie-Grand-Poujeaux in einer belgischen Thienpoint-Abfüllung hatte 1994 eine kräftige Farbe mit Braunrändern, noch sehr präsente Tannine, die den Wein zu Anfang unnahbar machten, wurde nach 1 1/2 Stunden gefälliger, aber mehr auch nicht, denn die Frucht fehlte völlig und ließ ihn so ausgezehrt wirken – 82/100. Ein Ausnahmewein 1999 in Hannover bei „Marie Louise“ La Lagune, wunderbar süß und dicht – 97/100. Begeistert war ich 1998 bei Drawert auch von Lanessan, sehr dicht, Länge, jung, Lakritze, toller Stoff – 95/100.

D´Issan war wohl nie richtig groß, hat sich aber gut auf dem Niveau eines guten Cru Bourgeois gehalten, 2002 ohne jeden Alterston – 87/100. Malescot-St.-Exupéry war 1995 aus der Imperiale ein kleiner Wein, säurelastig, kurz – 83/100. Sehr gut hat sich Margaux entwickelt, ein Anfangs unterschätzter Wein, der immer mehr zulegt. 1994 aus einer perfekten Nicolas Flasche hatte er eine junge Farbe und wirkte mit seinen präsenten Tanninen einfach noch zu jung – 93/100. Ein Jahr später eine perfekte, reifere Flasche im Sonora – 95/100. Zuletzt 2001 in einer Probe gegen Haut Brion nur 2. Sieger, aber auf was für einem Niveau! Eine deutlich schwächere Flasche 2007 auf René Gabriels großer Margaux-Probe. Recht gefällig die Nase mit feiner Süße und Kakaobohnen in Bitterschokolade, aber am Gaumen fehlte für einen 1er Cru aus einem solchen Jahr einfach die entsprechende Konzentration und Struktur – 91/100. 2010 sehr fein, elegant, mit pikanter, beeriger Frucht, immer noch durch die gute Säure recht jung wirkend – 94/100. Im Frühjahr 2014 eine sehr gute Flasche auf WT95 Niveau. Und dann im Herbst 2014 auf einer Paulson-Probe ein Margaux wie aus dem Bilderbuch, Eleganz pur, aber auch noch soviel gut verpackte Kraft, ja das war sie, die berühmte Eisenfaust im Samthandschuh – WT100. 2016 aus der 1tel ein feiner, eleganter Wein mit rotbeeriger Frucht und guter, präsenter Säure – WT94. 2017 eine faszinierende Magnum mit noch viel Zukunft – WT96+. Marquis de Terme hatte 2009 aus der Magnum längst das Zeitliche gesegnet hat und glänzte nur noch mit etwas malziger Todessüße - 78/100. Palmer war 1992 und 93 ein sehr feiner, finessiger, reifer Margaux, meilenweit entfernt vom großen 61er, den ich damals mit 92/100 bewertete. Bei einer 2000 getrunkenen Händlerabfüllung war der Lack bereits ab. Palmer scheint inzwischen deutlich auf dem Abstieg zu sein. Das bestätigte sich auch im Herbst 2005, zwar eine junge Farbe, gute, etwas stahlig wirkende Frucht, aber auch reichlich Säure. Wirkte erdig, kräftig und sehr kompakt – 90/100. 2014 aus der Magnum Eleganz pur, burgundische Pracht und Fülle, herrlicher, samtiger Schmelz, dabei filigran mit tänzerischer Leichtigkeit, blieb sehr lange am Gaumen. Ein großer Palmer, der in dieser Form locker mit dem 61er mit kann – WT97. Ein La Tour de Mons wirkte 2012 immer noch recht jung, hatte noch pikante Frucht und eine gute Säure, aber zuwenig Rückrat und Komplexität um im Konzert der großen Weine mitzuspielen – 89/100.

Schade, die Zeit, als man noch richtige Schnäppchen machen konnte, ist wohl vorbei. Ganze € 26 pro Flasche zahlte ich 1997 auf einer französischen Auktion für Carmes Haut Brion. Gut, die erste und schlechteste Flasche war sicher leicht über den Höhepunkt, aber immer noch ein sehr schön gereifter, typischer Graves – 90/100. Die zweite Flasche 1999 während der Prowein bekam am Tisch für die klassische, Cigabox-dominierte Nase 100 Punkte, auch am Gaumen waren zumindest 94/100 voll gerechtfertigt. Ähnlich dann 2002 die dritte Flasche. Die vierte und letzte 2003 bei und mit Franz Josef Schorn wieder klassische Cigarbox-Nase, würzig, schöne Frucht - 93/100. Wer davon Großflaschen loswerden möchte, möge sich bitte bei mir melden. Ein Wein, bei dem das Glas gar nicht voll genug sein kann, ist Haut Brion. Silvester 1990 bei Hubi Scheidt habe ich ihn zum ersten Mal trinken dürfen, da war er riesengroß, aber noch längst nicht auf dem Höhepunkt. 1993 bei der Probe eines guten Weinfreundes dann erhaltenes Bouquet mit wenig Cigar-Box, immense Länge, viel Rückrat und Schmelz, schokoladig, etwas Kaffee - 99/100. Auf ähnlichem Nivea im selben Jahr bei Jörg Müller auf Sylt. Dann 1997 bei Willi Krähling meine bisher beste Flasche, absolut perfekt mit wunderschöner Süße, sexier kann Wein kaum sein 100/100. 1998 im Brüsseler Comme Chez Soi tolle Cigarbox-Nase, wurde am Gaumen aber leicht säurelastig, sicher nicht die allerbeste Flasche, trotzdem - 96/100. 2000 in einer großen Probe auf höchstem Niveau gegen 61 nur 2ter Sieger. 2001 reifer Graves in Perfektion mit traumhafter Graves-Nase – 99/100. Bisher meinte ich, dass man, außer in Großformaten, das Glück nicht auf die Probe stellen und den Haut Brion in den nächsten Jahren trinken sollte, schöner wird er bestimmt nicht mehr. Doch eine auf der großen Haut Brion Probe 2006 getrunkene Flasche war so außerirdisch gut, dass ich jetzt auch noch mal auf die Suche gehe. Das war einfach ein geiler Stoff, cremige Frucht, Fülle, Schmelz, Süße. Wer hatte mir von diesem göttlichen Elixier nur diese winzige Pfütze eingeschenkt? Das ist ein Wein zum beidhändig trinken aus großen Behältnissen und eine der großen Weinlegenden unserer Zeit – 100/100. Ähnlich 2010 auf unserer Top of the Pops Best Bottle. 2012 auf Elke Dreschers Haut Brion Probe ein perfekt gereifter Traum-Pessac, Wärme verströmend, viel Tabak und Cigarbox, aber auch Birnenbrot, am Gaumen weich, samtig mit süßem Schmelz und unendlicher Länge – 99/100. 2016 eine Flasche, die auf sehr hohem Niveau etwas schwächelte – WT95. Aber Ende 2016 auf Elkes La Mission/Haut Brion Festival dann wieder Haut Brion in Perfektion – WT100. Große Weinerlebnisse habe ich auch mit La Mission Haut Brion gehabt. Gleich die erste Begegnung mit diesem Ausnahmewein 1991 im Düsseldorfer Caveau war ein 100/100 Erlebnis, diese gewaltige Mischung aus intensivem Zigarrenkisten-Aroma und Pferdestall, dieser aromatische Druck am Gaumen und diese riesige Länge, das war schon was. 1996 dann wieder eine perfekte Flasche mit toller Cigarbox-Nase, extrem lang – 100/100. 1998 in Willi Krählings großer La Mission-Probe eine sehr verhalten wirkende Magnum, die möglicherweise noch zu jung war. In einer weiteren Probe 2000 habe ich habe trotz Cigarbox-Nase aufgrund der jungen Farbe und der tollen Süße erst auf Piraten getippt, ein hedonistischer Traum 100/100. 2001 in Brüssel sehr überzeugend – 98/100. 2012 auf René Gabriels großer La Mission Probe absolute, verschwenderische, süße Traumnase, rauchig, mineralisch mit allen zutaten eines großen La Mission, am Gaumen zwar reif, aber ohne spürbares Alter, seidige Eleganz, süß, sehr lang – 100/100. 2013 eine merkwürdige Nony-Abfüllung, deren Echtheit ich anzweifle. 2014 ging er 2mal in einer perfekten Chateauabfüllung mit seiner jungen, altersfreien Farbe, der irren Frucht, der Konzentration am Gaumen und der perfekten Cigarbox-Aromatik als Zwilling des 82ers durch – WT100 ohne Wenn und Aber. Und so zeigte sich dieses gigantische Mörderteil auch 2016 wieder – WT100. Pape Clement hatte 1996 aus der Imperiale seine Zukunft schon lange hinter sich. 2009 aus der 1tel war das ein erstaunlich eleganter, feiner Wein mit zu hoher Säure, die ihn unharmonisch erscheinen ließ, blieb an der Oberfläche mit wenig Tiefgang und wirkte etwas unharmonisch – 87/100. 2012 reif zwar, aber enorm druckvoll, ein großer Pessac mit Teer, Tabak, Cigarbox, Graphit und unendlichem, süßem Schmelz – 96/100. 2013 mit etwas aggressiver, hoher Säure nicht auf diesem Niveau - 92/100. 2014 wieder in Top-Form mit weicher, generöser Nase, auch am Gaumen hoch elegant und absolut stimmig mit schöner Süße und der klassischen Pessac-Aromatik – WT96. 2015 war das in einer Barrière-Magnum ein kerniger, sehr straight wirkender Pessac mit reichlich Cigarbox und intensiver Mineralität, der noch eine längere Zukunft haben dürfte – WT95. Als langlebigster Pessac könnte sich La Tour Haut Brion erweisen. 1992 in einer R&U Abfüllung noch sehr jung, entwickelte sich nur sehr zögerlich. 2001 wunderschönes Cigarbox-Aroma, feiner als der massive 55er, entwickelte sich toll im Glas - 94/100. In einer französischen Händlerabfüllung 1998 ein Riesenteil mit toller Farbe, Supernase, enorm viel Power, Graves in Perfektion - 98/100. 2007 bei Jörg Müller Superfarbe mit fast schwarzem Kern. Eine faszinierende Mischung aus Teer, Tabak und altem Balsamico, eigenständig, eigenwillig und fordernd, dabei Potential ohne Ende – 96/100. 2011 in einer Best Bottle bei Fehrenbach erdig, teerig mit Tabak, Cigarbox und einem Hauch Koriander die Nase des 59ers, am Gaumen wie auch in der Farbe noch so jung und kräftig, immer noch mit massiver Tanninstruktur und hoher Säure, hat sicher noch Potential für 2 weitere Jahrzehnte und könnte Haut Brion und La Mission überleben – 96/100.

Angelus hatte 1997 eine helle Farbe, eher Richtung großer Burgunder, unglaublich lecker, Gaumen deutlich besser als Nase, süßlich, reif - 95/100. 2003 dann eine deutlich jünger wirkende Flasche, animalische Rhone-Nase, dicht, Klassestoff - 96/100. 2004 eine Barrière-Abfüllung mit schlechtem Füllstand, rustikal, feine Süße, nicht auf dem Level der Chateau-Version - 89/100. 2008 wieder etwas rustikal – 89/100. 2011 zu Anfang verschlossen und mit Ladehemmung, was sich mit Zeit und Luft nur teilweise gab. In der Nase ein großer, alter Ledersattel, dicht und kräftig der Gaumen. Und als ich ihn gerade abschreiben wollte, legte er noch mal enorm los und aus 88/100 wurden mit dem letzten Schluck 93/100. 2013 leider eine ziemlich grottige Flasche – WT81. Aber auch eine perfekte Chateauabfüllung, maskulin, kräftig, jung mit sehr guter Struktur und der strammen 59er Säure – WT94. Ähnlich noch 4mal 2014, einmal WT93, einmal WT92 einmal WT88 und einmal oxidiert. Bei diesem Wein scheint jede Flasche anders zu sein. L´Arrosée brauchte 1996 auf einer Raritätenprobe reichlich Luft zur Entfaltung und ging dann aus einem hochklassigen Magnum-Flight mit 61 und 66 l`Arrosée auf hohem Niveau als klarer Sieger hervor – 95/100. 2016 aus einer Barrière-Abfüllung war da bei allem Charme war da noch eine enorme Substanz, Kraft und Länge, dazu eine schöne Süße – WT95. Ausone hatte ich eigentlich schon abgehakt, denn 1989 hatte er sich im Düsseldorfer Caveau als alter sterbender Wein mit bräunlicher Farbe, Medizinalnase, kurz und fertig am Gaumen präsentiert. Aber das war wohl nur eine schlechte Flasche, wie man sie ja bei alten Weinen immer erwischen kann. 1999 auf einer Best Bottle bei Schorn dann eine sehr überzeugende Vorstellung, ein sehr interessanter Wein mit kräftiger Farbe, eher Rhone als Bordeaux, wenig Frucht, dafür Tabak, Tee, auch etwas Süße, macht es in dieser Form sicher noch lange und steht auf meiner Suchliste – 94/100. 2012 in Bad Ragaz auf Bernd Neuhaus Ausone Vertikale schlichtweg sensationell, so ein dichter, großer Wein, so enorm komplex und druckvoll mit gewaltiger Länge, da hätte ich gerne ein paar Gläser mehr von gehabt – 99/100. 2014 kernig im besten Sinne die Nase mit reichlich Kräutern, Lakritz und Menthol. Am Gaumen noch so unglaublich frisch mit geradezu unbändiger Kraft und gewaltiger Länge, ein sehr eigenständiger Wein, der Perfektion sehr nahe – WT99. Beauséjour (Duffau-Lagarosse) war 2006 gefällig mit feiner Süße, aber auch kräftiger Säure, es fehlt etwas an Struktur und Rückrat – 90/100. Ein Canon in einer belgischen Händlerabfüllung hatte 1998 eine helle Farbe, nicht sehr konzentriert, Leder, wenig generös – 83/100. Zuletzt 2007 sehr medizinal mit viel Jod und auch etwas Minze, am Gaumen erst komplex wirkend, aber dann immer pilziger werdend, Penicillin ließ grüßen – 85/100. 2012 Laktisch die Nase, immer noch gute Frucht, aber auch viel Säure, wirkte zunächst auf hohem Niveau etwas unausgewogen, baute dann aber mächtig im Glas aus und entwickelte im Abgang eine feine Süße – 91/100. Zweimal habe ich, jeweils aus unterschiedlichen Quellen auf französischen Auktionen erstanden, Canon-la-Gaffelière getrunken. Die erste Flasche 1998 hatte eine kräftige Farbe, deutlich spürbares Alter, aber das ist nicht verkehrt, denn er hat noch viel Kraft und eine wunderschöne, malzige Süße – 92/100. Die zweite Flasche 2003 war dann ein deutlich jünger wirkender, finessiger, ganz toller, vielschichtiger Stoff, wenn der Graf die heute auch so hinkriegt, ist er gut - 95/100. Zuletzt noch mal 2007 auf dem Ungerschen Weihnachtstasting, exotisch-üppig, würzig, süß und sehr lang am Gaumen – 96/100. Ein Cap de Mourlin kam Ende 2004 erst als Madeira mit deutlichem Altweinton ins Glas, aber dann ging´s los, entwickelte eine unglaubliche aromatische Dichte mit dunklem Karamell und massig Schokolade, Riesenteil - 95/100. Zuletzt 2011 reif, weich, gefällig, aber nicht aufregend – 89/100. Ricola pur 2014 – WT89. Ziemlich nichtssagend 2015 der La Chapelle. Verhalten die Nase, der Gaumen kaum besser, immerhin ohne Schmerzen trinkbar – WT83. Fasziniert bin ich immer wieder davon, mit welcher Leichtigkeit Cheval Blanc altert. Gut, auch hier gibt es schlecht gelagerte und misshandelte Flaschen. Aber wer mit seinen Chevals pfleglich umgeht, der hat extrem lange Spaß daran. Bestes Beispiel hierfür waren zwei in Belgien erworbene halbe Flaschen. Das waren beides 1995 und 97 große Weine mit viel Kraft und wunderschöner Süße – 96/100. Sensationell dann der Wein 1999 auf Willi Krählings großer Cheval Blanc Probe, Powerfarbe, Kaffeetöne, aber auch kräftige Säure, kandierte Süße (Crême Brulée), ein Wein zum Kauen, der am Gaumen kaum aufhört – 98/100. Meine bis dato beste Flasche dann 2006 auf der großen Cheval Blanc Probe auf der Stromburg. Cheval Blanc wie aus dem Bilderbuch, sehr fein mit malziger Süße. Dabei diese unglaubliche Eleganz und Finesse, ein verrückter, einmaliger Wein, der am Gaumen gar nicht mehr aufhört – 100/100. In vergleichbarer 100/100 Topform noch mal 2008 auf René Gabriels großer Cheval-Probe. 2012 und 2014 bei Elke Drescher aus als Händlerabfüllung ein sublimer, hoch eleganter, feinduftiger, perfekt balancierter Cheval Blanc mit süßer Frucht, komplex und lang am Gaumen – 97/100. Großartig auch 2012 bei Uwe Bende aus einer Chateauabfüllung mit Struktur, Rasse, Klasse, Kaffee, Süße und Länge – 97/100. Wirkte 2014 auf hohem Niveau etwas überreif (überlagert?) und etwas hohl am Gaumen – WT95. 2015 reif, aber auch so elegant, so balanciert mit feiner Süße und enorm druckvoll am Gaumen – WT96. Erinnerte 2016 bei aller Finesse mit leicht gebrechlicher Konstitution etwas an das zerfledderte Etikett dieser Händlerabfüllung – WT92. Immer noch sehr jung wirkend 2011 mit noch deutlicher Tanninstruktur, Kraft und Länge, aber auch süßer Frucht und Fülle Clos Fourtet, der in dieser Form noch lange Jahre vor sich hat – 93/100.Sehr variabel war die Charge Clos St. Martin, die ich 1994 recht preiswert in einer belgischen Thienpoint-Abfüllung erwerben konnte. Bis auf eine vergessene wurden die alle zischen 94 und 96 getrunken und deckten die ganze Bandbreite zwischen 87 und 93/100 ab. Ein Hammer war dann die letzte Flasche 2001 als Star einer Best Bottle, die Kraft und die Herrlichkeit, meine bisher beste Flasche, Süße, Opulenz, leichte Portigkeit, Trüffel, ein Riesenteil, sicher 97/100 wert. Wenig Freude hatte ich zwischen 1994 und 2002 an mehreren Flaschen La Dominique in einer belgischen Hanapier-Abfüllung, ein fruchtloser, kurzer, belangloser Wein. 2014 war das ein erstaunlich schöner, immer noch fruchtiger Zedernholzdrink mit guter Farbe – WT93. Endlich mal ein riesengroßer Figeac, notierte ich im Dezember 2004. Aus einer R&U Flasche hatte der Figeac eine dichte, kräftige Farbe ohne Alter, Klasse-Nase mit schwarzem Trüffel, etwas Teer, frisch geröstetem Kaffee, erdige Terroirnoten, am Gaumen beeindruckender Druck und Fülle - 97/100. Ähnlich 2009, ebenfalls R&U, dichte, kräftige Farbe ohne Alter, trüffelige, teerige, aber auch fruchtige Nase, frisch gerösteter Kaffee, erdige Terroirnoten, am Gaumen Kraft und Fülle, sicher noch langes Leben - 97/100. 2011 Ein dichter, sehr kräftiger, kompakter, kerniger Wein in einer französischen Händlerabfüllung von Renversez & Bernard, mit schöner Frucht am Gaumen, würziger Fülle und generöser Süße, aber auch mit etwas herber, kräuteriger Strenge. Und leider war da auch wieder diese klassisch-strenge, korkig wirkende Figeac-Nase, an der Liebhaber alter Socken ihre helle Freude hätten. Ohne wären da mehr als 94/100 drin. Ebenfalls 2011 auf der Figeac-Probe der Linzer Gang dicht, kräftig, trüffelig, teerig, süß, immer noch mit guter Frucht, komplex, mit Kaffee- und Terroirnoten und gewaltiger Länge – 95/100. 2011 auf Elke Dreschers Weihnachtsprobe recht jung und immer noch mit deutlichem Tanningerüst – 94+/100. 2013 aus der Halben(!) Traumstoff pur mit trüffeliger, teeriger, ledriger Nase, am Gaumen sehr kräftig mit enormer Fülle und schöner Süße, baute enorm im Glas aus und hat sicher noch gute Zukunft – WT96. Aber auch 2014 wieder eine Flasche mit dieser ätzenden, kork-ähnlichen Nase – WT89. 2016 Trotz reifer Farbe in einer R&U Abfüllung für die Schaffermahlzeit noch so kräftig und lang, mit süßer Frucht, Kaffee und Trüffeln – WT96. Immer wieder eine Top-Empfehlung ist La Gaffelière-Naudes. 1998 zweimal getrunken, bei Drawert reif, würzig, feine Süße – 93/100, kurz danach in Hannover erstaunlich schön und frisch wirkend – 94/100. 2003 aus einer perfekten Flasche, dichter, monströser, irrer Stoff, nicht so finessig wie der parallel dazu getrunkene Canon-la-Gaffelière, aber Kraft ohne Ende, ein supergeiler Saft - 96/100. 2004 feine Süße, viel Druck am Gaumen, tolle Aromatik, sehr lang – 94/100. 2007 reif und auf dem Punkt, ein Altwein-Erlebnis par excellence. Massig Kaffee, karamellige Süße, druckvolle Aromatik am Gaumen – 95/100. 2016 aus einer perfekten Chateauabfüllung noch so eine dichte, junge Farbe, immer noch wunderbare Frucht, soviel Kraft, Fülle und Struktur und eine tolle Länge. Hat in dieser Form noch eine große Zukunft – WT97+. Etwas kurz und gezehrt 2000 ein Grand Corbin d´Espagne – 83/100. La Magdelaine war 1988 ein toller Wein mit Tabaknase und malziger Süße am Gaumen, damals schon deutlich über Höhepunkt weg – 92/100. Noch sehr schön zu trinken, aber auch etwas harmlos war 2002 ein Monbousquet – 88/100. Ein 2002 mit einer Gruppe österreichischer Winzer getrunkene Magnum St. Georges wurde von diesen blind als Top-80er eingeschätzt, ein traumhafter Wein, der nicht nur von der Farbe her noch jünger wirkte, sehr druckvoll mit schöner Frucht und feiner Süße im Abgang – 94/100. Ein Geheimtip in 1959 ist auch Trimoulet, 2001 ein perfekter 59er mit viel Schmelz und Länge, noch lange nicht am Ende und eine Klasse besser als der im Vergleich dazu getrunkene 59 Margaux – 95/100. Troplong Mondot war 2000 in einer französischen Händlerabfüllung noch recht schön, aber am Ende der Genussphase – 88/100. Völlig anders dann 2003 in der Chateau-Abfüllung, jung, dicht, unglaublich kräftig aber auch mit hoher Säure, eher Pauillac als St. Emilion, altert in dieser Form spielend noch 20 Jahre – 94/100. Kräftig und zupackend, noch so jung, maskulin 2012 in einer Hanapier-Abfüllung mit gewaltiger Struktur, immer noch deutlichen Tanninen und wohl langer Zukunft – 94(+?)/100.

Ein Pomerol La Bergerie war 2001 feinduftig, elegant, noch fast jung wirkend, ein kleiner feiner Wein – 88/100. Noch einen Tick drüber und etwas üppiger 2009 die Zwillingsflasche – 90/100. Ein Le Bon Pasteur schoss 2001 schon beim Dekantieren aus der Karaffe, tolle Nase, dichte, junge Farbe und sehr druckvoll am Gaumen, zählt sicher in 59 auf dem rechten Ufer zur Jahrgangsspitze – 95/100. 2012 immer noch recht jung, kraftvoll mit immenser Fülle und Süße – 93/100. 2014 geprägt von hoher Säure, die keine große Freude aufkommen ließ – WT92. Clinet zeigte 2009 deutlich die Charakteristik des Jahrgangs, süß, dicht, deutlich jünger wirkend und mit der kräftigen, tragenden Astringenz vieler 59er, die diese Weine besser altern lässt als ihre 61er Gegenstücke – 97/100. Sensationell 2011 die junge, brilliante Farbe des Clos l´Eglise, gewöhnungsbedürftig zu Anfang die leicht animalische und vor allem metallische Nase, doch die wurde mit der Zeit besser, gefälliger und mineralischer. Am Gaumen Fülle, Kraft und Süße, noch so jung und dicht, baute enorm aus, wurde schmelziger und entwickelt schöne Süße. Ein Wein mit gewaltigem Potential für sicher noch zwei Jahrzehnte – 93/100. Super 2012 die Farbe eines Clos René, aber die Nase roch wie alte Bratensoße, der Gaumen war ähnlich, nicht ausgetrunken - 80/100. La Conseillante in einer französischen Händlerabfüllung hatte 1995 eine dichte Farbe mit deutlichem Braunton, wenig Frucht, aber viel Kraft – 91/100. Die Zwillingsflasche war 2003 ein sehr leckerer, reifer Pomerol, entwickelte karamellige Süße - 91/100. Ein zuerst vorhandener Altweingout verschwand 1997 bei einem Croix de Gay in einer Segnitz-Abfüllung schnell, der Wein wurde seidig, weich, mit feiner Süße – 88/100. Ein Croix St. Georges war 1992 zwar immer noch schön zu trinken, aber schon deutlich über den Höhepunkt. Als ich 1995 zum ersten Mal auf einer großen Probe l´Eglise Clinet vorgesetzt bekam, unglaublich konzentriert und dicht mit sensationeller Fruchtsüße, notierte ich nur „Too good to be true“. Das bestätigte sich dann ein Jahr später bei einer weiteren, perfekten Magnum aus identischer Quelle, das war schon zuviel, zu dick, bonbonhaft, aufgekochte Marmelade, ging Richtung diverser, zweifelhafter 47er Lafleurs. 2009 in einer in einer Barrière-Abfüllung ein gewaltiges Fruchtkonzentrat war dieser Wein, deutlich jünger wirkend mit perfekter Struktur und immer noch reichlich Tanninen, sehr lakritzig mit unglaublicher Dichte und Länge, steht in dieser Form in Pomerol ganz oben – 100/100. Auf gleichem Niveau 2016, so dicht, konzentriert, noch so jung, was für eine superbe Frucht, was für eine perfekte Struktur, Dichte und Länge, die 59er Säure hier reif und gut eingebunden. Ein Riese mit immer noch präsenten Tanninen für lange Jahre – WT99. L´Evangile in einer französischen Eschenauer Abfüllung war 1999 sicher schon eine Weile über Höhepunkt hinaus, aber immer noch schön trinkbar mit Schokotönen – 90/100. Im Jahr darauf hatten wir dann großes Glück mit einer vor Urzeiten erworbenen Chateauabfüllung, eine sensationelle, dichte Farbe, Power ohne Ende, unglaublich aromatisch und druckvoll am Gaumen, ein in dieser Form fast "unsterblicher" Evangile - 100/100. 2009 zweimal, eine davon eine französische Händlerabfüllung von René Vedrennes, ein großer Wein mit schokoladiger Süße und gewaltiger Statur – 97/100. 2016 in einer Eschenauer-Abfüllung, ein großer, sehr stimmiger Pomerol mit superber Frucht und guter, reifer Säure – WT97.La Fleur Petrus in einer belgischen Händlerabfüllung hatte 2000 eine kräftige Farbe, am Gaumen schöne Süße – 92/100. 2006 in einer belgischen Grafé-Lecoq Abfüllung war das ein großer, reifer Pomerol wie man ihn sich wünscht, süß, füllig, üppig und mit genügend Kraft für sicher noch 10 weitere Jahre – 94/100. Lafleur schien sowohl auf der Lafleur Best Bottle 2009 als auch kurz darauf noch mal in einer Probe zu jung. Ein gewaltiges Monstrum mit dichter Farbe, massiver Astringenz und voll intaktem Tanningerüst, sehr fruchtig und kräuterig, dabei fordernd am Gaumen. 50 Jahr alt und eher wie ein 20jähriger Jüngling wirkend, ein Wein, der noch als 100jähriger eine gute Figur machen wird – 97+/100. Auch 2010 wieder ein Mörderteil mit gewaltiger Struktur und voll intaktem Tanningerüst, mit deutlicher Astringenz, aber auch generöser Süße und der klassischen Kräuternote – 98+/100. 2012 als holländische Abfüllung La Fleur Pomerol einer Fa. Thiessen hier war nur eine kleine Version davon mit viel Säure, delikater, rotbeeriger Frucht, aber ohne den gewaltigen, aromatischen Druck der Chateauabfüllung – 91/100. Eine weitere Flasche davon ein paar Monate später noch viel zu jung erscheinend, enorm dicht, kräftig, ein Muskelpaket für etliche Jahrzehnte – 95+/100. Sensationell war 1994 ein Lagrange-à-Pomerol in einer belgischen Händlerabfüllung, Hedonismus pur mit opulenter, üppiger Frucht und toller Länge am Gaumen – 98/100. Groß auch Latour-à-Pomerol, konnte 1992 selbst nach einem 47 Petrus noch bestehen – 96/100. 1994 und 1995 noch zwei perfekte Magnums auf ähnlichem Niveau. 2002 eine belgische Händlerabfüllung, druckvoll und gleichzeitig sehr elegant, perfekter Pomerol, Ausnahmestoff – 98/100. 2012 in einer französischen Händlerabfüllung von Bordas rauchig, mineralisch mit explosiver Aromatik, sehr komplex, dicht mit Wahnsinnsstruktur und irrer Länge, vom 61er nicht weit weg, aber mit der höheren Säure halt typisch 59 und nicht 61, dürfte noch lange Zukunft haben – 98/100. Ein feiner, kräftiger Pomerol war 2001 ein mir bis dato unbekannter Monregard La Croix – 90/100. Dicht 2015 die Farbe eines Moulinet, minzig die Nase, etwas stahlig der Gaumen – WT86. Nenin war 2011 ein weicher, saftiger, schokoladig schmelziger Pomerol – 93/100. 2012 sehr schöne, fruchtig-schokoladige Nase, süßer Schmelz, der sich in einem ewig langen Schokoladenabgang fortsetzte, einfach dekadent lecker – 95/100. War 2016 aus einer belgischen Händlerabfüllung war ein gut gereifter, schokoladiger Pomerol, bei dem man aber auch den heißen 59er Sommer und die typische, kräftige 59er Säure spürte – WT93. Petit Village war 2009 kernig, rustikal, immer noch viel Resttannin und einer kräftige Säure. Die Schokolade ist hier noch im Karton – 92/100. Sehr hochgelobt wird in 1959 der Petrus, insbesondere von denen, die ihn derzeit auf Auktionen anbieten. Ich kann das nicht nachvollziehen. Auf Walter Eigensatz großer Petrus-Probe 1993 eine Magnum, würzig, malzige Süße, groß, kräftige Säure – 95/100. 1996 bei Drawert dann eine belgische Grafé-Lecocq Magnum mit sehr dunkler, kräftiger Farbe ohne Alter, massive(zuviel!) Säure, tanninig, baute mit der Zeit im Glas ab – 93/100. Irritiert war ich auf René Gabriels Petrus Probe 2005 von Petrus in der Grafé-Lecocq Abfüllung. In beiden Flaschen war ein Riese mit irrem Abgang. Kaffee ohne Ende und ein bei Petrus noch nie bemerkter Eukalyptus-Ton, sicher 97/100 wert, aber war das Petrus? Wer statt auf großen Namen mehr wert auf großen Wein legt, der sollte in 59 da z.B. eher zu Trotanoy greifen. Das war 2001 in einer belgischen Händlerabfüllung ein konzentrierter Superstoff mit noch langem Leben – 96/100. Zuletzt 2009 als Chateauabfüllung etwas rustikal, sehr lakritzige, ein gewaltiger, konzentrierter Wein, der in gut gelagerten Flaschen seine besten Zeiten wohl noch vor sich hat – 95+/100. Vieux Certan wirkte 1994 am Arlberg alt ausgetrocknet und säuerlich. Deutlich besser dann 1998 in Hannover eine Berry Brothers Abfüllung, glasklare Farbe, sehr schön definierter Wein mit kräftiger Säure, absolut frisch, aber nicht opulent – 92/100. 1999 dann noch mal eine Chateau-Abfüllung, sehr lecker, reifer Pomerol mit schöner Frucht, aber auch wieder kräftiger Säure – 90/100. 2005 auf der Vieux-Probe filigran, sehr feinduftig, in der Nase deutliche Teernote, am Gaumen fehlte die Konzentration, dafür etwas zuviel Säure - 93/100. 2012 bei Elke Drescher meine bisher beste Flasche, sehr frisch, jung, fruchtig mit Süße und Schmelz ohne Ende, aber auch mit der hohen Säure des Jahrgangs – 97/100.Mehrfach überzeugte zwischen 1994 und 99 auch ein Vray Croix de Gay mit Finesse und schöner Frucht – 90/100.

Cru Cantemerle aus St. Gervais in einer R&U Abfüllung hatte 2010 eine helle Farbe, war sehr fein und elegant mit schöner Süße, aber auch etwas verbranntem Gummi in der Nase – 89/100.

1959 gilt als großes Sauternes-Jahr. Ich kann das nicht nachvollziehen. Vielleicht habe ich bisher auch nur die falschen Weine getrunken.

Caillou Crème de Tête hatte 1997 einen deutlichen Petrolton, wirkte relativ trocken, war nicht mein Ding. Guiraud zeigte 2014 brilliantes, tiefes Gold, feine Honignote, exotische Früchte, karamellisierte Ananas, cremige Textur, süß, aber trotzdem balanciert – WT94.Auch ein Clos Haut Peraguey riss mich 1993 nicht gerade vom Hocker. War Lafaurie Peraguey 1994 am Arlberg aus der Großflasche noch sehr schön und zeigte sogar etwas Säure – 92/100- , so notierte ich 1998 bei Drawert nur üppig, voll, pappig, klebrig. Auch für La Tour Blanche konnte ich mich 1994 auf einer Arlberg-Probe nicht begeistern.

Ganz großes Weinjahr auch in Burgund mit extraktreichen, langlebigen Weinen.

Ein Beaune Les Grèves 1er Cru von Bachmann in einer Abfüllung für die Bremer Eiswette hatte eine sehr feine, betörende Nase, war immer noch so fruchtig und elegant mit schöner Süße am Gaumen – WT93. Der Vosne Romanée aus der Collection du Docteur Barolet war 2015 mit Kraft, Fülle und guter Frucht noch sehr präsent – WT93. Der Nuits St. Georges von Thomas Bassot war 2009 eine wunderbare Kombination von Kraft und Finesse mit sehr präziser, kühler Frucht und toller Struktur – 96/100. Anstrengend 2015 die Nase des Corton La Marechande von Berthon, traumhaft schön der Gaumen – WT92. Ein Chambolle Musigny Les Amoureuses von Bichot war 2002 ein wunderbar gereifter, zeitlos schöner Burgunder – 92/100. Erstaunlich dicht und jung war 2011 noch die Farbe des Richebourg von Bichot, in der Nase zu Anfang ein leicht muffiger Kellerton, der aber mit der Zeit verschwand und immer noch guter Frucht Platz machte, am Gaumen enorme Kraft und massive, gut eingebundene Säure, ein großer Burgunder klassischer Machart für 30+ Jahre – 94/100. 2012 ein herrlich-würziger süßer Wein mit enormer Fülle, getragen von guter Säure und perfekter Struktur, baut enorm im Glas aus und schaltete dabei den Nachbrenner ein. Dreimal habe ich meine Bewertung hoch gesetzt und bin zum Schluss bei 98/100 für diesen Ausnahmestoff gelandet. Auch 2015 so jung und würzig mit traumhafter Frucht und großartiger Struktur – WT97. Legte 2017 noch eins drauf mit großartiger Struktur, feiner Süße und einem Rückgrat, das ihm noch eine lange Zukunft gibt – WT98.

Ein Clos Vougeot von Boisseaux-Estivant war 2013 so ein ungeheuer dichtes, komplexes, druckvolles Mörderteil mit einem endlosen Abgang, der sich nur in Minuten messen ließ, ganz klare 100/100. Auch 2016 wieder ein unsterblicher Riese – WT100. Der Chapelle-Chambertin von Bouchard hatte 2013 eine warm-würzige, reife Kirschfrucht, ein Hauch Kaffee, die Kraft in samtiger Textur verpackt, einfach burgundische Pracht und Fülle ohne Alter, würde sich auch gut zum Weihnachtsmenü machen - WT95. Wirkte 2014 in der Confrérie du Tastevin Version noch so jung mit süßer, kirschiger Frucht, mit viel Kraft, gut verpackt in samtig-elegante Textur, einfach ein Prachtburgunder – WT96. Sehr schön mit generöser Süße 2014 ein Charmes Chambertin von Bouchard – WT94. Leider korkig war 2011 der Pommard Chateau de Pommard von Calvet. Fürchterlich vor allem die Nase, doch mit Kork rausblasen ging es einigermaßen, ein immer noch dichter Wein mit toller Struktur, ohne Kork sicher auf 92/100 Niveau. Höchst erstaunlich, was ein Calvet Richebourg mit über 10 cm Schwund 2002 noch hergab, dichte, kräftige Farbe, immer noch gut trinkbar mit malziger Süße am Gaumen, der Alterston verflog rasch und während er am Gaumen mit der Zeit etwas abbaute, entwickelte sich eine sensationelle Nase, die von Kaffee über Bitterschokolade immer mehr hin zur reinen Kakaobohne mutierte, den möchte ich mal in guten Flaschen trinken! – 91/100. Eine sehr dichte Farbe hatte 2009 der Gevrey Chambertin von Calvet immer noch, in der Nase Malaga, Madeira, alter Balsamico, abgestandener Kaffee, am Gaumen bitter und sehr säurelastig, auf dem Weg zum Salatessig, einfach morbid - 81/100. Geradezu jugendliche Frische zeigte 2011 ein Beaune Les Sizies von de Cannière, sehr fruchtig, perfekt balanciert mit feinem Schmelz und guter Säure, macht es in dieser Form noch locker 20+ Jahre – 92/100. Ein Beaune Clos des Fêves von Chanson wirkte 2011 noch so jugendlich mit dichter, junger Farbe, mit intensiver Frucht, sehr nachhaltig und lang mit enormer Kraft am Gaumen. Ein großer Wein mit gewaltigem Potential, der sich – frisch dekantiert – nur im Schritttempo entfaltete. Könnte locker noch 3 Stunden in der Karaffe, 5 Stunden im Glas oder 30 Jahre im Keller bleiben. Dann würden aus unseren anfänglichen 94/100 sicher noch deutlich mehr. Ein Clos de Vougeot von Chanson hatte 2014 eine leicht muffige Nase, schwierig auch am Gaumen – WT85. Der Grands Echezeaux von Chanson war 2015 ein noch geradezu jugendlich wirkende Wein, würzig, komplex mit enormem Tiefgang und superber Frucht – WT97. Grands Echezeaux von Nicolas Charenton war 2010 ein noch immer recht jung und frisch wirkender Burgunder mit zarter Himbeerfrucht, am Gaumen sehr nachhaltig mit guter Säure, hat sicher noch Potential für lange Zeit – 92/100. Leicht oxidativ wirkte leider 2014 der Clos de Vougeot von Cruse mit dunkler Farbe, herb in der Aromatik mit leicht lakritziger Kräuternote – WT91. Der Pommard von Cruse war 2014 kerniger, kräftiger mit noch viel Druck, aber auch etwas rustikal – WT92. Aloxe Corton von Doudet Naudin war 2010 einfach ein großartiger, gewaltiger, deutlich jünger wirkender Burgunder, zwar aus einem großen Jahr, aber dann aus so einer Lage, unfassbar – 95/100. Charmes Chambertin von Drouhin war 2008 ein herrlicher Tropfen mit klassischer, reifer Pinot-Nase, am Gaumen sehr generös mit feiner Süße, baute im Glas wunderbar aus und zeigte keinerlei Schwäche – 95/100. Etwas weiter 2009 und dabei weich, reif, mit malziger und auch leicht rosiniger Süße– 92/100 .Ein Vosne Romanée von Drouhin war 2013 schon verdammt alt und gebrechlich – WT82. Enttäuschend 2002 auf einer großen DRC-Probe ein DRC Richebourg, deutlich reifere, braunere Farbe als der 71er, Finesse, reifer Pinot Noir, Länge, aber das Jahr habe ich mir größer vorgestellt, 2. Flasche war besser und jünger - 91/100. Einer meiner allerersten großen Burgunder war 1986 bei Jörg Müller, damals auf Sylt noch in Nösse, ein Corton Clos des Cortons von Faiveley, in der halben Flasche, Traumburgunder in optimalem Reifezustand. Immer noch so jung wirkte 2016 der Clos Vougeot der Domaine Gros-Renaudot mit immer noch sehr schöner Frucht, mit reichlich Kraft, Fülle, aromatischem Druck und toller Struktur – WT96. Der Richebourg, ebenfalls von Gros-Renaudot, setzte da 2016 noch leicht eins drauf. Wirkte frischer, präsenter mit mehr Frucht. Auch hier eine tolle Struktur, schöne Würze und ein endloser Abgang – WT97. Kräftig mit viel Fülle und Länge am Gaumen 2009 der jünger wirkende Hospice de Beaune Clos des Avaux mit seiner edlen Rustikalität – 94/100. Pommard Clos de laCommaraine von Jaboulet Vercherre hatte 2010 eine helle, reife Farbe, insgesamt eine schöne Aromatik mit feiner Süße, weich am Gaumen, nur die flüchtige Säure störte etwas – 90/100. Ein Nuits St. Georges von Roger de Jouennes war 2013 noch sehr jung, sehr fein und pikant mit herrlicher Frucht – 95/100. Corton Clos de la Vigne au Saint von Louis Latour war 2007 in Genf ein Wahnsinnsstoff , wunderschöne, brilliante Farbe ohne Alterstöne, eine geniale Nase mit hohem Suchtfaktor, am Gaumen immer noch jung wirkend mit unglaublich druckvoller Aromatik und irrer Länge am Gaumen, ganz großer Pinot Noir in Vollendung, dezente, feine Süße. Perfekte Flasche, perfekter Jahrgang, große Lage – aus dieser Kombination kann nichts anderes als ein Traumwein entstehen. Ganz vorsichtig und konservativ notierte ich 98/100. Der Romanée St. Vivant Les Quattres Journaux von Louis Latour war 2012 schlichtweg Perfektion. So dicht, so lang, so vielschichtig, so verschwenderisch süß, hörte am Gaumen überhaupt nicht mehr auf. Zweifelsohne nicht nur ein großer Wein aus großer Lage und großem Jahr, sondern auch eine perfekt gelagerte Flasche – 99/100. Ein absolut stimmiger, harmonischer, großer Burgunder, der mit guter Säure sehr viel Frische zeigt und immer noch am Amfang einer längeren Entwicklung steht war 2013 der Clos Vougeot von SA Leroy. Sehr fein, sehr finessig, baut enorm im Glas aus - WT97. Eher leise die Töne 2012 beim eleganten Vosne Romanée von S.A. Leroy, einem sehr stimmigen Wein mit wunderschönem Schmelz – 94/100. Wunderschön gereift, sehr elegant mit schöner Süße, aber auch mit kräftiger Säure war 2010 ein Les Echezeaux von Leymarie – 93/100. Ein Chambertin Clos de Bèze von Leroy war 2001 ein Power-Pinot mit feiner Süße und noch reichlich reifen Tanninen, macht´s sicher noch 10+ Jahre - 95/100. Ein Chambolle Musigny von Leymairie zeigte 2009 kaum Zeichen von Alter, sehr pikante, delikate Frucht, feine Süße, gute Säure, unendliche Eleganz – 95/100. Der Charmes Chambertin von Ligeret war 2014 ein großer, immer noch so jung wirkender Burgunder mit Kraft, Süße, Fülle und Länge – WT96. 2017 einfach betörend mit immer noch so schöner Frucht und dem Charme des Namens, aber auch enormer Kraft und Fülle – WT97. Der Vougeot von Ligeret war 2015 zweimal ein 1er Cru auf Grand Cru Niveau, Superfarbe, Superfrucht und Super Struktur – WT95-97. Der sehr saftige Volnay Les Caillerets von S.A. Leroy war 2016 gut gereift, aber voll da mit etwas Rumtopffrucht, schöner Süße, aber auch guter, stützender Säure – WT96. Schlank, noch recht frisch, aber auch mit (zu)viel Säure 2015 der recht uncharmante Pommard von Maire & Fils – WT88. Ganz großes Kino 2013 der Romanée St. Vivant Cuvée du General Marey-Monge in einer belgischen Lafite-Abfüllung aus einer heute zu DRC gehörenden Lage. Wunderbare, junge Frucht, reife Himbeere, so jung, so seidig, aber auch noch mit enormer Kraft und noch deutlichen Tanninen, ein unsterblicher Wein, der sich noch über Jahrzehnte weiterentwickeln wird - WT98+. Ein Nuits-St.Georges von Masson-Dubois war 2009 ein immer noch kraftvoller Wein, weich und reif zwar, mit viel Kaffee, aber voller Charme und mit feiner, generöser Süße – 94/100. Der Charmes Chambertin von Merme-Morizot war 2015 ein im besten Sinne charmanter Wein, der die Wucht und Fülle eines großen Chambertin sehr elegant rüberbrachte mit traumhaftem schmelz und betörender Süße, sehr lang am Gaumen – WT98. Der Hospice de Beaune Corton Cuvée Docteur Peste abgefüllt von Morin Père et Fils, war 2014 gefühlt eher Côte de Nuits als Côte de Beaune, ein kompletter Wein mit herrlicher Frucht, mit Süße, Druck, Fülle und toller Struktur – WT97. Schier unglaublich ein Mounlin-à-Vent von Morin. Ein fast 40 Jahre alter Beaujolais, so dicht, kräftig und komplex ohne störende Alterstöne, das ist schon ein Hammer. Das war einfach ein großer Burgunder – 93/100. Fruchtig, kräftig, fleischig und generös 2011 der Nuits St. Georges von Morin, baute enorm am Gaumen aus, sehr harmonisch mit feiner Süße – 94/100. Ein Chapelle Chambertin von Moroni hatte 2013 eine herrlich generöse Kaffeenase und immer noch gute Frucht, auch am Gaumen viel Kaffee mit hedonistischer Süße, enormer, aromatischer Druck, gute, tragende Säure - WT96.Traumhaft elegant und hocharomatisch 2009 der leicht minzige, sehr feine Echezeaux von Pierre Ponelle – 96/100. Sehr gut müsste auch noch der Latricieres Chambertin von Pierre Ponnelle mit seiner Superfarbe sein, war aber 2015 leider korkig. Der zwar kräftige, füllige Vosne-Romanée von Pierre Ponnelle wollte 2015 nicht richtig singen und wirkte recht eindimensional – WT88. Eindeutige Grand Cru Qualität hatte 2012 der Vosne Romanée von Protheau & Fils, ein kraftvoll auftretender Ausnahmeburgunder mit Kaffee, Schokolade und einfach geiler Frucht, enorme Fülle und passend zur gewaltigen Struktur die immer noch sehr dichte, junge Farbe – 97/100. Ein Gevrey Chamertin von Remy wirkte 1997 sehr reif mit feiner Süße – 91/100. Der Griottes Chambertin von Royé-Labaume war 2017 einfach überragende Süße, Süße und noch mal Süße, aber mit guter Struktur dahinter und prächtiger Fülle – WT98. Der Gevrey Chambertin Les Combottes von Thorin-Chambert war 2014 ein sehr guter, etwas rustikaler, aber immer noch voll intakter Gevrey – WT92.

Für die weißen Burgunder war der Sommer eigentlich zu warm.

Erstaunlich 1994 ein Puligny Montrachet Clos de la Mouchière von Boillot, helle Farbe, insgesamt noch sehr jung, massig Holz und Vanille, voll, lang, sensationell – 97/100. Etwas verhalten, reif in der Nase mit erster Firne startete 2013 ein Corton Charlemagne von P. Dubreuil-Fontaine Pére & Fils. Am Gaumen war er deutlich kräftiger, sehr mineralisch mit enormem Druck. Baute enorm im Glas aus und legte immer mehr zu. Beim letzten Schluck war ich dann bei 94/100. Ein Wein mit beeindruckendem Standvermögen und sicher noch mit 10 Jahren Zukunft. Der Meursault Charmes Cuvée Albert Grivault vom Hospice de Beaune war 2015 ein absolut stimmiger, reifer Burgunder mit tiefer, aber klarer Farbe, der mit leicht molliger, süßer Würze verwöhnte, gestützt von immer noch guter Säure – WT95. Eine tiefe, aber brilliante Farbe hatte 2012 bei Uwe Bende der Meursault von Pierre Léger, ein sehr würziger, immer noch wunderschön zu trinkender Wein mit markanter Bitternote am Gaumen, gute Länge, kein Alter – 92/100. Ziemlich müde wirkte im anderen Glas dagegen der Chateau de Meursault vom Comte de Moucheron, dem auch die Spannung fehlte – 87/100. Einfach in bestechender Form präsentierte sich 2009 ein Meursault 1er Cru von Leroy. Alt wirkten hier nur der Jahrgang und die tiefe Farbe. Faszinierend die frische Nase mit viel Mokka und einer großen Nussmischung, sehr würzig und mineralisch, Meursault in seiner besten Form, auch am Gaumen jung wirkend, sehr kräftig mit guter Säure und endlosem Abgang. Wie eine Eins stand dieser facettenreiche, unsterbliche Riese im Glas – 97/100.

Sehr gutes Weinjahr auch im Elsass.

Sehr gut trank sich 2009 ein Riesling Grande Reserve von Jules Muller. Brilliantes Goldgelb, sehr kraftvoll, etwas Petrol, schöne Fülle, sehr gute Struktur und Säure, furztrocken, aber keine Alterstöne, angenehme Bitternote im Abgang – 90/100.

Sehr gute, langlebige Weine wurden an der Rhone sowohl im Norden als auch im Süden erzeugt. Da lassen sich noch reichlich Entdeckungen machen, selbst bei den Weißweinen.

Noch so unglaublich frisch wirkte 2014 der Vouvray Le Haut Lieu Demi Sec von Huet, eher schon harmonisch trocken als halbtrocken wirkend, das Äquivalent zu einer großen, perfekt gereiften Mosel Auslese, sehr mineralisch, kräuterig mit feiner Frucht, absolut balanciert und stimmig mit noch langer Zukunft – WT95.

Ein einfacher Côtes du Rhone Grande Reserve von Cartier war 2011 ein wunderbarer Wein mit herrlicher Kaffeenase, Korinthen feiner Süße, am Gaumen noch so frisch, erdig mit viel Kraft und Länge – 94/100. Hat mit dem, was heute so unter dem Label Côtes du Rhone angeboten wird überhaupt nichts gemeinsam. Ein Hermitage La Sizeranne von Chapoutier trank sich 1998 wie ein großer, reifer Burgunder, weich, seidig mit schöner Süße, aber ohne Alterstöne – 93/100. Harte Kost war 2007 ein Cornas von Paul Etienne. Der hatte sich immerhin ohne Blessuren gut über die Zeit gerettet und war sicher in seiner Jugend auch kaum besser, Cornas muss man eben mögen. Klare Farbe ohne Alter, sehr deutliche Säure, aber auch noch frische Frucht, Himbeere, Brombeere, kompakt am Gaumen, aber gut zu trinken – 86/100. Der Hermitage von Paul Etienne war 2012 hell in der Farbe und mit einer unangenehmen Schärfe nur sehr schwierig zu verkosten. Ganz großes Kino war 2011 der Côte Rotie von Jaboulet Ainé, mit perfekt balanciertem Verhältnis aus Frucht, Säure und immer noch spürbaren Tanninen, animalisch, zupackend, aber auch mit schöner Süße, so komplex und dabei noch so jung wirkend, ein Monument, das ewig lang am Gaumen bleibt – 97/100. Der Hermitage la Chapelle von Jaboulet Ainé hatte 2009 so eine gewaltige, aromatische Dichte, soviel Kraft, soviel süße, dunkle Frucht und so eine unglaubliche Länge, da schreibe ich ganz vorsichtig mal 99/100 dran. Zuletzt 2014 ein großartiger Burgunder von der Rhone, sehr fein, sehr elegant, lakritzig mit irrer Länge am Gaumen – WT100. Der Côte Rotie Les Jumelles von Jaboulet-Ainé hatte 2014 eine würzig-süße, generöse Nase, am Gaumen sehr gefällig mit burgundischem Charme und feinem, süßem Schmelz – WT96.

Gewaltig 2011 der Grand Hermitage Blanc Cuvée du Boys von Chapoutier, sehr reife, aber brilliante Farbe, in der leicht oxidativen Nase viel Kräuter, Salmiak, erstaunlicherweise auch Schokolade und mit der Zeit immer mehr zarte Himbeere, gute Säure hielt diesen sehr spannenden, enorm vielschichtigen Wein frisch – 96/100.

Beaucastel war 2014 reif, aber auch mit dichter Farbe, enormer Kraft und Länge, sehr würzig und druckvoll am Gaumen – WT94. Verband 2017 in perfekter Weise die Würze eines großen Chateauneuf mit der Pracht und Fülle eines großen Burgunders verband – WT97. Geradezu zart 2012 aus der halben Flasche ein Chateauneuf-du-Pape von Barrière mit feiner Erdbeernase, pflaumiger Frucht, sehr elegant, burgundisch mit generöser Süße – 91/100. Der Fines Roche aus der Magnum war 2013 reif, herrlich süß und gefällig, sehr fein, schmelzig mit viel Milchschokolade – 93/100. Ein perfekt gereifter, sehr überzeugender Chateauneuf mit klarer Farbe und Reserven für noch viele Jahre war 1997 und 98 ein Chateauneuf-du-Pape Les Grappes des Papes von Jaboulet-Ainé – 92/100. Zeigte sich zuletzt 2015 auf Sylt wieder in bestechender Form – WT94. Ein Chateauneuf-du-Pape Clos du Mont Olivet verwöhnte 2011 mit burgundischer Pracht und Fülle, kein Blockbuster, eher elegant und edel-rustikal mit feiner Würze und viel Schmelz – 94/100. Weniger gut 2006 ein Mont Redon. Bräunliche, reife Farbe wie Coca Cola, leicht oxidativ, muffige Nase, Mottenkugeln, wurde auch am Gaumen immer pilziger. Klar, man starb nicht dran, aber Genuss ist anders – 79/100. Riesengroß 2007 ein Chateauneuf-du-Pape Cuvée du Vieux Vigneron von David & Foillard, supergeile Nase, wie eine hypothetische Mischung aus Mouton und La Tâche, am Gaumen reichlich rote Früchte, Lakritz und eine kräftige, aber gut eingebundene Säure. Wirkte noch so jugendlich und wurde im Glas immer burgundischer – 97/100. Großer Stoff wäre 2013 ohne Kork der Chateauneuf von Morin gewesen. Man spürte (ich habe ihn getrunken) unterm Kork die gewqaltige Substanz dieses Weines, der sicher oberhalb von 93/100 gelegen hätte. Ein Chateauneuf-du-Pape von Ogier war 2009 einfach zu alt und gezehrt. 6 cm Schwund hatte 2008 der Chateauneuf-du-Pape der Domaine de la Solitude. Der wirkte trotzdem noch so jung, so süß, hatte so eine tolle Frucht und eine Fülle, bei der jeder Burgunder neidisch werden musste – 95/100.

Ein Clos de l´Olive aus Chinon von René Baudy hatte 1998 in Paris eine kräftige Farbe und noch kräftigere Säure, die Frucht war aber schon auf dem Rückzug, immer noch gut trinkbar, trocknet aber aus – 87/100.

Ein Quarts des Chaume Chateau de Surronde hatte 1995 eine leichte Anisnase, war sonst ausdruckslos, da fehlten sowohl Säure als auch Süße – 83/100.

Ein glorreiches Weinjahr in Deutschland, in dem zahllose Weinlegenden erzeugt wurden. Von der BA an aufwärts gibt es da noch viel zu entdecken. Von der Mosel lassen sich sogar noch viele Auslesen gut trinken, da hier meist die Säurewerte stimmten.

Eine Bernkasteler Badstube und Schwanen Spätlese von Bergweiler-Prüm Erben zeigte 2009 ein kräftiges Goldgelb, reife, füllige Nase mit nur wenig Petrol, am Gaumen immer noch gute Frucht und Säure, dezente Süße, sehr harmonisch wirkend und noch längst nicht alt, für eine 50jährige Spätlese höchst erstaunlich – 90/100. Furztrocken wirkte 2011 der schon etwas gezehrte Kueser Königstuhl Naturrein Fuder 3 von der Biologischen Bundesanstalt in der Nase und am Gaumen. Hatte wenig Mosel- oder Riesling-typisches und könnte auch aus Burgund stammen. Aber eigentlich ist egal, woher er stammt, solange er nicht wieder in meinem Glas landet – 79/100. Kräftig mit feiner Süße 1994 eine Canzemer Unterberg Auslese vom Bischöflichen Priesterseminar – 91/100. Harmonisch trocken präsentierte sich 2013 mit tiefem, aber brilliantem Goldgelb eine Dhronhofberger Auslese des Bischöflichen Priesterseminars mit Bienenwachs in der Nase und Orangenbitternote am Gaumen – WT91. Gülden die Ürziger Würzgarten feinste Auslese von Johann Christoffel jr., wunderbare, aromatische Fülle, Süße, Dichte, Struktur und gewaltige Länge – 96/100. Sehr schön 1994 eine Ockfener Geissberg Auslese vom Friedrich Wilhelm Gymnasium – 90/100. Korkig war 2012 leider die Ockfener Geisberg feinste Auslese vom Friedrich Wilhelm Gymnasium. Unter dem Kork verbarg sich ein dicht gewirkter, kräftiger Wein mit schöner Süße, sicher sonst mit Potential für 92/100. Deutlich reifer, aber auf ähnlichem Niveau 1993 mehrfach eine Mehringer Kellerberg feine Auslese. Schon mehrfach habe ich die Eitelsbacher Kronenberg Riesling feinste Auslese vom Karthäuserhof getrunken. 1990 bei Hubi Scheidt in Wasserliesch war das ein noch erstaunlich jugendlicher Wein mit leicht grünlichem Farbschimmer – 93/100. 1992 wieder erstaunlich helle, leicht ins grünliche gehende Farbe, perfekte Balance zwischen Süße und Säure – 95/100. 1998 auf einer Probe mit erstaunlich klarer, heller Farbe und wunderschöner Frische der Wein des Abends – 95/100. Sehr schlank und rassig mit heller Farbe und sehr guter Säure 2012 die Karthäuserhofberg TBA, die man heute wohl eher als Auslese GK oder LGK anbieten würde – 94/100.Faszinierend nicht nur die damaligen Weine, sondern auch die Fantasie in der Namensgebung, die erst durch das Weinrecht 1971 ein Ende fand. So von Kesselstatt eine Oberemmeler Karlsberg feinste Spätauslese, mehrfach zwischen 1992 und 1998 getrunken, ein zeitlos eleganter Wein, der sicher noch lange lebt – 92/100. Zuletzt 2009 reif aber sehr harmonisch und füllig – 91/100. Sehr kraftvoll 1995 eine Wiltinger Gottesfuß hochfeine Auslese von Apollinar Josef Koch – 90/100. Eine Scharzhofberger Auslese von Egon Müller hatte 2009 eine komplexe und immer noch recht frische Nase mit Honigtönen, etwas Petrol und unerhörter Mineralität, die sich nahtlos am Gaumen fortsetzte. Dort ist die Mineralität so dicht und prägnant, dass sie bei diesem eher säurearmen Wein den Eindruck deutlicher Säure erweckt – 95/100. Zeitlos schön auch 1993 und 98 eine Graacher Himmelreich Auslese von Otto Pauly – 88/100. Die Kanzemer Altenberg feinste Auslese von Othegraven hatte 2012 eine tief güldene, aber brilliante Farbe, faszinierende Nase mit Honig, Schoko und Nougat, am Gaumen malzig-karamellige Süße, perfekt balanciert durch eine erstaunlich präsente Säure, unglaubliche Länge - 95/100. Ein Traum war 1997 eine Bernkasteler Badstube TBA vom Pfarrweingut St. Michael, dunkelbraun, keine Spur von Alter, Karamellen, Crême Brulée, Walnüsse und dazu immer noch eine sehr gute, balancierende Säure – 100/100. Dunkel und dicht 2012 die Farbe der Kanzemer Altenberg TBA des Priesterseminars, rauchig die Nase, Mokka, Kraft, Fülle, enorme Würze, etwas flüchtige Säure, sehr dicht und eigenständig, rosinig, erinnert an einen Late Harvest Zinfandel von Mayacamas – 96/100. Schlichtweg ein Traum 2016 die perfekt balancierte, so unglaublich stimmige, hoch elegante Maximin Grünhäuser Herrenberg hochfeinste Auslese mit tiefem, schon leicht ins Güldene gehendem Goldgelb, mit verschwenderischer Aromatik, feinem Süße-/Säurspiel und famoser Länge – WT98. Immer wieder begeisternd war die Wehlener Sonnenuhr feine Auslese JJ Prüm, ein Wein mit erstaunlicher Frische und noch viel Alterungspotential , mehrfach zwischen 95 und 98 getrunken und eine aufbewahrt für 2009 – 92/100. Noch eine Stufe drüber die feinste Auslese, zum ersten Mal 2000 in der Insel in Hannover getrunken – 94/100. Als großartigen Einstieg in eine Best Bottle dann 2008, ein zeitlos eleganter Wein – 96/100. Zuletzt 2012 ine tiefe, fast ins Güldene gehende Farbe ,nur ganz dezente Reife zeigte dieser immer noch enorm frische Wein, in der Nase frisch gepresster Orangensaft, Honig, Bienenwachs etwas Toffee, auch am Gaumen erstaunlich frische Frucht, dezente Süße und hohe Säure, sehr lang im Abgang mit enormer Finesse. Einfach ein zeitlos schöner, sehr balancierter Wein, der noch eine lange Zukunft vor sich haben dürfte – 96/100.Auch die einfache Wehlener Sonnenuhr Auslese von SA Prüm war 1993 wunderschön mit leichter Firne, immer noch spürbare Säure - 91/100. Sehr jung 2009 immer noch die Wehlener Sonnenuhr feinste Auslese von SA Prüm. So ein filigraner, finessiger Wein mit dezenter Süße, reifer Mosel vom Allerfeinsten und Faszination pur – 96/100. Erstaunliche Frische zeigte 2012 zu Anfang noch der Serriger Schloss Saarfeilser Riesling QbA von den Vereinigten Hospitien, kräftige Farbe, leicht speckig, baute aber mit der Zeit ab und wurde harzig – 85/100. Halbtrocken in der Anmutung wirkte 2012 die Van Volxem Scharzhofberg Spätlese Fuder 36, Bienenwachs in der Nase, enormer Druck und Kraft am Gaumen, noch so jung wirkend – 92/100. Sehr cremig, süß, aber auch mit Frische und Finesse 2012 die Wiltinger Braune Kupp und Hölle TBA Cabinet der Vereinigten Hospitien, ein gigantisches Konzentrat mit hoher Säure, gemacht für die Ewigkeit – 97/100. Ganz groß war auch 1998 eine Brauneberger Juffer TBA von Zacharias Bergweiler-Prüm Erben, mit kräftiger Farbe, toller Frucht, schöner Süße und immer noch kräftiger Säure – 97/100.

Die Schloss Johannisberg Blaulack Spätlese war 2017 im Kronenschlösschen ein schöner Bratapfelsaft mit verhaltener Süße und feiner Bitternote – WT93. Wie eine „1“ stand im Herbst 2005 eine Rauenthaler Gehrn Spätlese Cabinet der Staatsweingüter noch im Glas. Klassische Rheingau-Nase, keinerlei Firne, eher leichtgewichtig, nur noch dezente, kaum spürbare Restsüße, immer noch mit viel Genuß zu trinken – 89/100. Überraschend frisch auch 2006 eine Schloß Reichartshausener Riesling Spätlese von Jakob Horz. Ein Dessert für sich 2014 der dunkle Oestrich Räuscherberg Beerenauslese vom Weingut Johannes Ohlig, dunkles Toffee, Bitterschokolade, Espresso, wunderbarer, süßer Schmelz balanciert durch gute Säure – WT96. War mir (schlechte Flasche?) 2015 zu reif, süß und dick – WT87. Überraschend frisch auch 2006 eine Schloß Reichartshausener Riesling Spätlese von Jakob Horz. Kräftiges Goldgelb, gutes Säuregerüst, keinerlei Petrol- oder sonstige Alterstöne, baute zunehmend im Glas aus und entwickelte immer mehr reife Quitte, einfach wunderschön zu trinken und wirkte deutlich jünger – 90/100. Recht malzig und süß wirkte 2007 die Steinberger Versteigerungs-TBA der Staatsweingüter Eltville, mit Crême Brulée und in der Pfanne selbst mit viel Butter gemachten Karamellen. Bei aller Süße war dieser Wein recht leichtfüßig mit subtiler Eleganz – 97/100. Die Steinberger Auslese von den Staatsweingütern hatte 2011 eine tefe, güldene Farbe, sehr reif und weich mit wenig Säure, karamellige Süße und feiner Bitterton im Abgang, jetzt noch 90/100. Gülden war 2012 die Steinberger BA Cabinet der Staatsweingüter, sehr weich, reif, schöne Süße, karamellig, Hustensaft, seidige Textur, Schmelz, Länge, reife Säure – 95/100. Eine Schloß Vollrads Riesling BA wirkte 1994 schwabbelig, strukturlos, säurearm – 87/100. 2015 das krasse Gegenteil, ein sehr balancierter Traum mit sehr guter Säure, Frische und feinem Süße-/Säurespiel – WT95. Zu meinen größten Süßweinerlebnissen gehörte auch eine 1995 getrunkene Rüdesheimer Bischofsberg TBA von Scholl&Hillebrand. Dieser damals mit 192 Öchsle und 10,4%o Säure geerntete Wein aus einer heute zum Weingut Breuer gehörenden Lage hatte eine tiefdunkle Farbe und eine fantastische Rosinensüße gepaart mit kräftiger Säure – 100/100.

Eine Wachenheimer Rechbächel Riesling BA von Bürklin-Wolf war wie flüssiges, dunkles Gold, Farbe wie alter Yquem, intakte, kräftige Säurestruktur, voll, füllt den Mund und ist unglaublich lang, ein Wahnsinnswein! – 98/100. Eine Kreuznacher Brückes feinste Auslese von Johann Baptist Eckel hatte 1996 güldene Farbe, war vollreif, wenig Firne – 90/100.

Reif und weich am Gaumen mit immer noch guter, aber nicht aufdringlicher Restsüße 2009 ein Niersteiner Oelberg feine Auslese von Gustav Essert, kaum noch Säure, in der Nase ein dezenter Petrolton, dazu reichlich Bienenwachs und der dazugehörige Bienenhonig – 89/100.

Selbst an einen guten Frankenwein aus 1959 kann ich mich erinnern. Ein Iphöfer Kalb Mainriesling feinste Spätlese von Wirsching, 1993 als vermeintliche Risikoflasche geöffnet, erwies sich als sehr gut trinkbarer Wein, kräftig, gut strukturiert mit nicht störender, dezenter Firne – 90/100.

In solch großen Jahren wie 1959 lassen sich oft auch Überraschungen abseits der eingefahrenen Gleise finden. Mit einer verdammt alten Sherrynase präsentierte sich eine Schwarzriesling feinste Auslese des Grafen Neipperg aus Württemberg, erst eher wie eine Mischung aus Port und Madeira. Da konnte man kaum auf die Rebsorte kommen, geschweige denn auf die Herkunft. Am Gaumen war der Wein sehr viel schöner als in der Nase. Mit einer guten Süße und reifen Säure war er sehr gut trinkbar und deutlich besser als nur „interessant“ – 88/100.

Helles Altrosa war 2014 die Farbe des Barolo Pio Cesare, etwas muffig die Nase, auch am Gaumen trotz dezenter Süße wenig Vergnügen – WT80.

Aus Portugal habe ich 2004 einen Garrafeira Particular Caves Alianca getrunken, kräftige Farbe, in der Nase Leder, rustikaler Wein mit viel Charme und durchaus noch Zukunft - 90/100. 2007 noch mal eine Flasche, die aber nicht auf diesem Niveau war. Wenig Frucht in der Nase, dafür um so mehr Schafstall, ein Stinker, der mit der Zeit verschwand. Gesunde, brilliante Farbe, am Gaumen schlank mit kräftiger Säure, entwickelte sich im Glas, wurde in der Nase ledriger, am Gaumen kam eine feine Süße hinzu – 87/100. Leider zuletzt 2009 völlig daneben.

Ein Schweizer Wein und dann noch so alt? 2004 zur Prowein habe ich einen Malanser Beerli Bündner Herrschafts Wein aufgemacht, Typ alter deutscher Pinot, aber immerhin noch voll trinkbar und das ist für einen 45 Jahre alten Schweizer Wein schon eine Leistung - 84/100.

Ungemein weich und lecker mit feiner Süße, aber auch sehr reif war 2003 bei Jörg Müller aus seiner grandiosen Karte ein CVNE Vina Real Cosecha Especial – 91/100. 2006 ein noch recht jung wirkender Wein mit typischer Rioja-Aromatik, recht kraftvoll und konzentriert mit guter Säure und feiner Süße – 91/100. Zuletzt 2007 auf René Gabriels großer Spanien-Probe als Reserva Especial Zeit und Luft brauchend, in der Nase kalter Rauch, am Gaumen pflaumige Frucht und schöne Süße, entwickelte sich sehr schön im Glas – 91/100. Altersfrei 2014 die brilliante Farbe des Imperial von CVNE, in der gesamten Anmutung mit schöner Frucht immer noch so jung und aromatisch – WT94.Sicher ein gutes Dutzend Mal habe ich seit 1995 den Marques de Murrietta Castillo YGAY getrunken, einen ganz großen, klassischen Rioja mit sicher noch 20+ Jahren Lebenserwartung, immer mit 95+/100 bewertet, 2004 reife Farbe, karamellige Süße mit einem kräftigen Schuß Mokka, sehr kräftige Säure, wird im Glas weicher und opulenter - 96/100. Zuletzt 2005 ein zeitloser Wein ohne größere Altersspuren. Wirkt immer noch so jung, so dicht, so süß und bleibt sehr lang am Gaumen – 96/100. Sehr fein, elegant, weich, cremig und burgundisch in der Anmutung 2011 ein Glorioso Gran Reserva von den Bodegas Palacio – 92/100. Ein feiner, kleiner sehr leichter Wein war 2007 der Siglo Bodegas Unidas – 87/100. Sehr schön präsentierte sich 2007 eine Fuenmayor Gran Reserva. Helle, reife Farbe, in der Nase frischer Orangensaft, Gummitöne, am Gaumen schlank, sehr elegant mit feiner Süße, brachte mit der Zeit Minze und Kaugumminoten – 91/100. Die besten Zeiten länger hinter sich hatte 2012 definitiv Torres Gran Coronas Reserva. Nur die immer noch rabenschwarze, sehr dichte Farbe erzählt da noch von alten Zeiten. In der teerigen Nase dominiert Liebstöckel, am Gaumen kommt noch eine schöne Süße dazu – 83/100.

Was für ein kraftvoller, gewaltiger, hoch aromatischer Wein mit Kaffee, Mokka, Kräutern, dunklem Tabak und auch Röstaromen war 2012 die Ferrer Riserva aus Mallorca, enorm dicht und lang, zeitlos schön und mit diesem aromatischen Druck und dieser Fülle nahe an der Perfektion – 98/100.

Hellauf begeistert war ich 1996 auf einer Drawert-Probe von Chateau Musar, ein wunderschön Wein mit der feinen Nase eines großen Bordeaux, am Gaumen dicht, sehr kräftig und dabei trotzdem mit geradezu seidiger Finesse, langer Abgang, einfach ein kompletter, großer Wein, der sicher noch 10-20 Jahre Spaß macht – 98/100. Im Sommer 2005 eine weitere Flasche mit Champignons ohne Ende, Süße, viel Alkohol, brandig wirkend und wenig überzeugend – 88/100. 2013 zu Anfang in der gefälligen Nase eine feine Süße, wirkte aber am Gaumen etwas streng und alkoholisch mit portigen Noten, baute rasch ab, was auch zur reifen, braunen Farbe passte, die Nase wurde erst immer laktischer, dann kam immer mehr Bratensoße – WT87.

Eine immer noch tiefe Farbe hatte 2012 ein Inglenook. Der wirkte noch so jung, mit guter Kirschfrucht, so teerig, erdig, viel Tabak, kräftig, der La Mission aus Kalifornien? Ich hatte an diesem Abend das Gefühl, dass der noch zulegen kann – 94+/100. Alte Inglenooks gelten als legendär und unsterblich. Schon etwasgezehrt mit hoher Säure kam allerdings 2016 der Inglenook Cabernet Sauvignon Cask F9 ins Glas. Baute gut im Glas aus, entwickelte feine Süße und wurde komplexer und länger. Klar galt hier „Gaumen schlägt Nase“ – WT90.

Enttäuschend war 1999 auf der Grange Probe in Lehrbach der Penfolds Grange, tolle Farbe, aber das war´s dann auch, trinkbar mit noch schönem Abgang, aber am Gaumen doch schon sehr gezehrt.

Eine große Überraschung war 2003 auf einer Probe während der Prowein ein Broquel der Bodega Trapiche aus Argentinien. Für uns war es ein wunderbar gereifter, sehr schön trinkbarer Rioja mit feiner Süße, die anwesenden Winzer hielten ihn unisono für einen sehr schönen, ca. 30 Jahre alten Bordeaux, toller Stoff, noch längst nicht am Ende - 92/100.

Ähnlich gut aus dem Nachbarland Chile 2006 ein Vina San Pedro Gran Vino Cabernet Sauvignon. Immer noch frisch mit kräftigen, etwas austrocknenden Tanninen, ledrig, im Stil eines gut gereiften, aber immer noch lebendigen Bordeaux vom linken Ufer – 91/100.

Grosses Champagnerjahr mit sehr reichhaltigen, relativ üppigen Weinen hoher Qualität. Aus bester Lagerung oder als RD sicher noch interessant.

Ein Aubry&Fils Rosé Brut R.D. roch 1998 auf einer Drawert-Probe nach Fahrradschlauch und war oxidativ, am Gaumen deutlich frischer mit kräftigem Mousseux, deutlicher Brotton – 86/100. Braungülden und schon sehr firnig war Weihnachten 1999 ein Dom Perignon. Ich mag zwar alte Champagner, aber das war selbst mir zu alt. Deutlich besser 2009 die Zwillingsflasche, noch erstaunlich lebhaft wirkend mit deutlichem Mousseux, am Gaumen sehr fein, elegant und seidig – 93/100. Kaum noch Mousseux hatte er 2014, wirkte alt und staubig und erinnerte in der Aromatik an Urgroßmutters Kleiderschrank – WT80. Schwierig 2014 der Ernest Irroy, Säure, Oxidation, aber auch immer noch spürbare Restsüße, zeigte sich am Gaumen deutlich besser als in der Nase und muss in seiner Jugend ein „süßer“ Champagner gewesen sein – WT84. Charles Heidsieck besaß 2014 kein Mousseux mehr, war aber ein durchaus noch feiner Stillwein mit weicher Säure – WT86. Ein Legras St. Vincent Blanc de Blancs Grand Cru war 2010 im Schwarzen Adler in Obergergen trotz miserablen Füllstandes mit nussiger Süße ein wunderbarer Essensbegleiter zu unseren Vorspeisen und ein faszinierendes Altweinerlebnis, für das ich in meiner Tochter allerdings eine begeisterte Mitstreiterin fand – 92/100. Ein fetter, üppiger Champagner mit deutlicher Firne war 1993 bei Drawert ein Pol Roger Blanc de Chardonnay – 87/100. Noch frisch wirkte hingegen ein Pommery & Greno 1997 aus der Magnum, schönes Mousseux, Kakaotöne, hielt sich sehr lange im Glas - 92/100. Ein Ruinart Brut Reserve Baron Philippe de Rothschild hatte 1994 kaum noch Mousseux und schon viel Firne, war dabei sehr weich und immer noch ein Genuss – 88/100. Zuletzt 2009 sehr weich, reif mit nur noch ganz verhaltenem Mousseux, deutlicher Firne, aber immer noch sehr gut trinkbar – 90/100.

Als Traum-Apero und perfekte Champagner-Alternative ging 2012 ein Bouzy Rouge von Pierre Paillard durch. Feine himbeerige Frucht, tolle Säure und Frische, sehr elegant, schlank, erfreulich leicht, animierend – 92/100.

Ein Cremant de Bourgogne extra dry von Paul Robin war 2010 bei Uwe Bende leicht animalisch mit deutlichen Mufftönen, aber noch gut trinkbar – 80/100.