1968

Ein mieser Sommer und eine verregnete Ernte bescherten Bordeaux ein schwieriges Jahr. Da dürfte nicht mehr allzuviel trinkbares übrig sein.

Umso überraschter war ich 2006 auf der großen Ducru-Probe über den Ducru Beaucaillou, eine faszinierende, reife Bordeaux-Nase mit Zedernholz pur, selbst am Gaumen noch akzeptabel mit erstaunlich guter Struktur. Zu Anfang sicher 87/100, baute im Glas allerdings rasch ab. Anstrengend 2014 die leicht modrige Nase des Gruaud Larose, am Gaumen eher auf der sauren Seite – WT76.

Ranzig und überlagert wirkte 2007 die Nase des Margaux, der am Gaumen ebenfalls weitestgehend ungenießbar war.

La Mission – eigentlich eine Bank - war 2012 auf René Gabriels großer La Mission Probe kaputt. Doch 2014 auf der Farnsburg war der aus der Halben(!) reif, aber immer noch vital mit der klassischen Cigarbox-Aromatik, ledrig, mineralisch und in der Qualität für das unterirdische Bordeaux-Jahr schier unglaublich – WT89.

Cheval Blanc war 2008 kräuterige, bittere Medizin und harte Kost – 76/100.

Petrus habe ich 1993 auf der Petrus II Probe in der Wachau als eine recht schöne Magnum getrunken, etwas kurz und austrocknend am Gaumen zwar, aber wohl immer noch einer der besten Bordeaux in 98. Erstaunlich gefällig 2012 die Nase des Vieux Certan, habe noch nie so schöne Mottenkugeln gerochen. Der Gaumen fiel eher säuerlich aus und machte wenig Spaß. Aber da war ja noch die sehr gute Farbe. Immerhin trinkbar und für das Jahr beachtlich – 81/100.

Grausame Weine auch in Sauternes, in Deutschland und fast allen Weinbaugebieten Europas. Um so erstaunlicher 2009 Y von Chateau d´Yquem. Dieser trockene Wein, der nur in Jahren mit schwach ausgeprägter Edelfäule erzeugt wird, bot in der fruchtigen, süß wirkenden Aprikosennase das volle Sauternes-Programm. Am Gaumen war er absolut trocken mit guter Säure, sehr kräftig, alkoholreich und lang im Abgang. Dürfte noch einiges an Alterungspotential haben und ist für in 1968 Geborene sicherlich ein Winner – 90/100.

Burgund war in 1968 so schlimm, dass selbst die Hospice de Beaune Auktion abgesagt wurde. Und doch: ein Le Montrachet von DRC, Flasche # 780, belehrte uns auf eines Best Bottle im April 2001 eines Besseren. Unglaublich, was da in diesem Schrottjahr entstanden ist, erst von Säure und Zitrusaromen geprägt, öffnete sich nur zögerlich. Doch große Montrachets brauchen eben Zeit, Luft und Temperatur. Nach gut 1 1/2 Stunden im Glas kamen erste Mandeltöne, nach über 2 Stunden dann eine tolle Süße mit betörender Nase, nach 3 Stunden stand er immer noch wie eine Eins im Glas, irre und sicher 95/100 wert.

Ausgerechnet in diesem Jahr wurde bei Sassicaia der offizielle Erstling produziert. Der war gar nicht mal schlecht. Ich habe ihn auf 2 Sassicaia-Proben getrunken, 1993 bei Willi Krähling und 1996 bei den Ungers. Beide Male zeigte er sich durchaus attraktiv, mit gesunder Farbe und noch wenig Brauntönen, sehr komplex und kräftig am Gaumen.

Große Weine entstanden hingegen in Spanien. Der 68er ist für mich der beste bisher erzeugte Vega SiciliaUnico, über 12mal verkostet. Auf der Vega-Probe 2001 habe ich ihn als absoluten Höhepunkt der Probe mit 98/100 bewertet. Im November 2005 wieder ein Fest für die Sinne - 99/100. 2008 ein sehr präziser, geradliniger, perfekt strukturierter Wein mit toller Aromatik, aber diesmal nicht so komplett und reichhaltig, wie ich ihn aus zahlreichen, anderen Flaschen kenne – 96/100. 2011 an der Grenze zur absoluten Perfektion, ein sehr generöser, schmelziger Traum, der ewig am Gaumen bleibt und dabei sehr ausgewogen und balanciert ist. Spanien geht nicht besser – 99/100. Auch 2015 noch so jung, so brilliant, burgundisch aber auch enorm kraftvoll – WT99. Der Unico hat sicher noch 15-20 Jahre Potential. Frederico Paternina Reserva Especial war 2007 in der Nase ganz ok, am Gaumen aber erst etwas streng und kompakt, öffnete sich mit der Zeit etwas, aber groß ist anders – 88/100. Der Royal Tête de Cuvée war 2007 ein schöner, gefälliger 68er, aber auch kein Knaller, weich und aromatisch am Gaumen mit guter Länge – 89/100. Sehr schön gereift mit karamelliger Süße, aber noch längst nicht am Ende der YGAY von Marques de Murrieta. 2007 schon sehr reif, mit den leicht gemüsigen Noten alter Riojas, aber auch mit karamelliger Süße, sicher nicht ganz auf dem Niveau der großen YGAYS, wie 25, 34, 42 oder 59, aber ein sehr feiner, eleganter Tropfen, bei dem keine Eile besteht, ihn auszutrinken – 92/100. 2009 zweimal meine bisher besten Flaschen, noch voller Leben, feine, rotbeerige Frucht, auch etwas Rosine und Karamell, wunderbare, generöse Süße und feiner Schmelz, ein echter Gaumenschmeichler mit guter Länge. Die kräftige Säure ist tragend und gut eingebunden und mit Potential für ein bis zwei weitere Jahrzehnte – 94/100. Sehr jung 2012 mit präsenter, rotbeeriger Frucht, sehr süß und mit kräftiger, stützender Säure – 92/100. Wirkte 2016 so fein, so elegant mit Schwarzer Johannisbeere in der Nase, am Gaumen sehr balanciert mit weichen, seidigen Tanninen und sehr guter Länge. Geht auch als 30 Jahre jünger durch – WT96. Enttäuscht war ich dagegen im Herbst 2005 von einem Vina Real Gran Reserva, was aber wahrscheinlich an einer misshandelten Flasche lag. Deutlich besser 2006 ein CVNE Imperial Gran Reserva, reife, helle Farbe, sehr mild und weich mit betörender Aromatik, sehr fein und elegant mit toller Länge, ein Finessenmeister, da spielt keine Big Band, sondern ein Kammerorchester - 92/100.

Und nicht nur nach Roten aus Spanien lohnt in 68 die Suche. Ein Tondonia Blanco Gran Reserva war 2000 cognacfarben, oxidativ ausgebaut, mächtig, gewann mit Wärme und entwickelte sich sehr schön.

Große, langlebige Weine wurden 1968 in Kalifornien erzeugt. Deutlich besser hätte 2010 der Beaulieu Reserve George de Latour sein müssen. Aber diese Flasche hatte wohl schon zuviel erlebt und zu viele Keller gesehen. Leider entsprach aber nur die immer noch sehr dichte Farbe der Papierform. Die Nase war verdammt reif mit oxidativen Noten, am Gaumen gärender Apfel und viel Säure. Der Wein wirkte wie kurz vor dem Abnippeln, hielt sich dann aber auf niedrigem Niveau mit malziger Süße im Glas – 78/100. Zuletzt 2011 auf dem Unger Weihnachtstasting morbide die Nase des mit Bohnerwachs und Möbelpolitur. Während die Nase mit der Zeit etwas besser wurde und sogar Anklänge von Minze zeigte, entwickelte sich der Gaumen um so fürchterlicher. Einen Trinkversuch habe ich schnell abgebrochen. Ein einfacher Fetzer Cabernet war 1994 süßlich, opulent, baute aber leider im Glas ab und wurde säurelastig. 1998 habe ich den überragenden Heitz Martha´s Vineyard zum ersten Mal getrunken. 2011 auf der großen Heitz-Probe der Ungers war das eine geniale Ikone kalifornischer Weinbaukunst. Was für eine perfekte, gewaltige Struktur hatte dieser praktisch altersfreie Wein, war für eine ungemein druckvolle Aromatik, immer noch reichlich reife Kirschfrucht, massig Minze und Eukalyptus, ein alter Ledersattel, so unglaublich lang am Gaumen mit reifen, aber immer noch präsenten Tanninen – 98/100. Eine Mörderfarbe hatte er 2012, in der gesamten Anmutung noch recht jung wirkend, die Nase Eukalyptus, Minze und Kräutern in ihrer jugendlichen Kraft fast etwas roh, auch am Gaumen ein sehr kraftbetonter Auftritt mit unglaublicher Länge, ein Tier von Wein, das sich noch über lange Jahre weiterentwickeln wird – 97/100. Meine bisher beste Flasche 2013 auf der California Wine Legends, mit sensationeller Nase voller Minze, Schoko und Eukalyptus, auch am Gaumen enorm minzig, immer noch mit fantastischer Frucht und Frische, sehr langer Abgang, ein Ausnahmewein – 100/100. 2016 auf der California Wine Monuments sehr minzig, wenig Eukalyptus, enormer, aromatischer Druck am Gaumen und gewaltige Länge, dabei so stimmig und einfach perfekt – WT99. Absolute Perfektion dann noch mal Ende 2016 – WT100. Schier unglaublichen 2011 auf der Unger Probe auch der normale Heitz Cabernet Sauvignon. „Stunning“ sagt der Amerikaner wenn der Mund offen stehen bleibt und man nicht fassen kann, was da ab geht. Ein großer, kompletter Wein ohne jedes Alter, bei dem von der dichten Farbe über die After Eight Nase mit reichlich Minze, aber auch Schokolade(!!, habe ich bei Heitz in der Form noch nie erlebt), den Gaumen mit Süße und viel aromatischem Druck und den langen Abgang einfach alles stimmte. Konservative 96/100 für einen Wein, bei dem ich mich in Zukunft auf Auktionen weit aus dem Fenster lehnen werde. Ich würde diese Weine ebenso wie Ridge Monte Bello oder Mayacamas aus guter Lagerung bedenkenlos nachkaufen. Ein Inglenook Cabernet hatte 2011 eine grenzwertige Altweinnase, säuerlich, viel Liebstöckel, wurde immer käsiger, auch am Gaumen alt und deutlich über den Zenit. Trinkbar war er noch, Genuss brachte er keinen - 76/100 gegeben. Eine andere Flasche 2013 auf der California Wine Legends hatte eine wilde, pfeffrige Nase mit Kräuterhonig, am Gaumen die rauchig-teerige, tabakige Mineralität eines 71 La Mission, machte enormen Spaß, kein Alter – 95/100. Und auf diesem hohen Niveau durfte ich diesen unsterblichemn Wein 2013 noch mal bei einem guten Weinfreund trinken. Am Louis M. Martini Cabernet Sauvignon, nagte 2007 deutlich der Zahn der Zeit. Mit seiner karamellig-süßen, gemüsigen Nase wirkte er zu Anfang wie ein älterer Rioja. Das Gemüsige ging mit der Zeit weg, der Wein wurde gefälliger, blieb aber fragil. Hätte ich gerne vor 20 Jahren getrunken – 88/100. Deutlich besser und frischer 2012 im Tantris – WT90. Die besten Zeiten schien ein Mondavi Cabernet Sauvignon Unfined 2008 schon länger hinter sich zu haben. Nicht uncharmant, aber doch recht medizinal, am Gaumen schon etwas gezehrt, kurz und eher leichtgewichtig – 85/100. Ein Martin Ray Cabernet Sauvignon war 2010zunächst leicht moosig-staubig in der Nase, doch darunter verbarg sich feine, rote Johannisbeere, die immer mehr nach vorne kam und an einen reifen Moraga erinnerte. Am Gaumen pikante Frucht, wiederum viel Johannisbeere mit nur einem dezenten Hauch Liebstöckel und umso mehr Minze. Ein wunderbar aromatischer, balancierter Wein aus diesem großen Kalifornien-Jahr, der sich im Glas gut entwickelte – 90/100. Noch einen Tick drüber eine weitere Flasche 2011 - 92/100. Ridge Monte Bello habe ich 2006 in einer kalifornischen Weinhandlung entdeckt und gleich an Ort und Stelle in einem dazugehörigen Restaurant getrunken. Monte Bello hieß dieser Cabernet damals noch nicht. Auf dem Etikett war nur vermerkt, dass er aus Monte Bello Fruit gewonnen war. Ein ganz, ganz großer Wein, etwas verhalten zwar in der reifen, ledrigen Nase, aber am Gaumen ging dann die Post ab, ein komplexer Wein mit unglaublicher Länge und druckvoller Aromatik, der fast sprachlos machte, sicher auf dem Höhepunkt, aber ich würde bei gut gelagerten Flaschen auch in den nächsten 5-10 Jahren noch bedenkenlos zugreifen - 97/100. Wie vom anderen Stern zuletzt 2012 auf dem Haefliger-Tasting, süchtig machend allein schon diese feine, weiche, gefällige Nase, minzig mit immer noch saftiger Kirsche, Leder, auch am Gaumen so frisch, so ausgewogen und harmonisch, bei aller Nachhaltigkeit mit so einer beschwingten Finesse und Leichtigkeit, tänzelt auf der Zunge, dazu am Gaumen noch eine wunderbare Süße – 99/100. Zuletzt 2013 auf der California Wine Legends sehr feine, elegante Nase, am Gaumen enormer Druck, wie ein perfekt gereifter, großer Pauillac mit feinem Minzton, am Gaumen kaum endend – 97/100. Ein einfacher Ridge Cabernet hatte 2011 eine belanglose, anstrengende Altweinnase, die eher schon Richtung Verwesungsgeruch ging. Keine Bewertung.

Eine kräftige, ins dunkel-güldene gehende Farbe hatte ein Tokaij 6 Puttonyos von Kincem, leider aber auch unsauber wirkend mit Altfaßtönen und insgesamt etwas ordinär – 86/100.

Ein sehr feiner, eleganter Wein in bester Bordeaux-Stilistik war

Chateau Libertas aus Südafrika. Leider verdarb ein immer stärker werdender Kork den sonst sicher auf 90/100 Niveau gelegenen Genusses eines erstaunlichen Weines, der noch voll im Saft stand.

Der ChateauVieuxVino Gran Reserva Tinto von den Bodegas y Vinedos Lopez aus Maipu-Mendoza in Argentinien war 2012 ein großer, reifer Malbec mit nur einem Hauch flüchtiger Säure, der kaum Alter zeigte. Ging am Tisch als großer Bordeaux aus 55 oder 59 durch – 94/100.

Aus Australien empfiehlt sich der Penfolds Grange, 1999 auf der Grange-Probe reif und wunderbar zu trinken – WT95. Achtung: Penfolds hatte in den 60ern und 70ern enorme Kork-Probleme. Wenn Sie ein Ereignis aus dieser Zeit mit einem Grange feiern wollen, empfiehlt sich zur Sicherheit eine Reserveflasche.