1974

Was hätte das für ein schöner Bordeaux-Jahrgang werden können ohne den leider so häufig einsetzenden September-Regen. Der hielt sich verbunden mit kaltem Wetter bis über die Ernte im Oktober dran. Das Ergebnis sind Weine sehr mäßiger Qualität.

Latour kam 2014 mit einer anstrengenden, stinkigen Nase ins Glas. Das Stinkige ging weg, aber der ziemlich gezehrte Rest war auch nicht gerade berauschend – WT80. Ein Mouton Rothschild, 1988 in einem Sylter Bistro Offen-Ausschank, starb damals schon ganz schnell im Glas und hatte dann nicht nur die Farbe eines rostigen Fiat-Kotflügels, sondern auch dessen Geschmack - Bah!!

2006 auf der großen Ducru-Probe war Ducru Beaucaillou für den Jahrgang eine Sensation, noch erstaunlich jung und frisch wirkend, das kleine Jahr merkte man nur am kurzen Gaumen - 85/100. 2009 grüßte in der Nase der Erdal-Frosch, und am Gaumen spielte sich kaum noch etwas ab – 76/100.

Einzige positive Ausnahme und in Großflaschen vielleicht auch heute noch schön ist La Mission, der sich 1998 aus der Magnum mit seiner klassischen Cigarbox-Nase und viel Tabak am Gaumen als sehr guter Wein erwies. 2011 aus der 1tel immer noch ganz ok und passabel trinkbar, aber mit etwas unreifen und grünen Noten in der Nase, am Gaumen etwas kurz und leicht säuerlich – 85/100. 2012 auf René Gabriels La Mission Probe trinkbar zwar, aber ohne Freude, langweilig und monolithisch, wird sich auf diesem niedrigen Niveau noch länger halten, aber für wen? – 82/100.

So war denn auch beim sehr dünnen, muffigen Cheval Blanc 2008der Stinker in der Nase das einzige Highlight – 70/100.

Wie so oft standen die 74er Burgunder ihren Bordelaiser Kollegen in geringer Qualität und mangelndem Charme nicht nach. Ich kann mich noch gut an einen ungenerösen, ausgetrocknet und hohl wirkenden La Tâche von DRC in 1986 erinnern. Während alles vor dem großen Namen erstarrte, suchte und suchte ich vergeblich im Glas, mehr als 86/100 war da nicht drin. Um so erstaunlicher 2015 der gut trinkbare Clos des Lambrays, der zwar von deutlicher Säure dominiert wurde, aber auch eine feine, schmelzige Süße zeigte – WT88. Schier unglaublich gut 2016 im Schwarzen Adler der Gevrey Chambertin Clos St. Jacques von Rousseau. So vital mit feiner Frucht, einfach perfekt balanciert mit generöser Süße, dabei mit dieser unnachahmlichen Eleganz großer, gereifter Burgunder - WT96.

Schlechtes Rhone-Jahr, bei dem sich allenfalls in Chateauneuf noch etwas Trinkbares finden lässt.

Im Elsass kleine Ernte säurelastiger Weine.

Deutschland wurde 1974 zwar Fußball-Weltmeister, beim Wein reichte es allerdings nur zur Kreisklasse. Ein verregneter Herbst machte die Erzeugung langlebiger Spitzenerzeugnisse praktisch unmöglich. Trtzdem kam 2009 ein Rüdesheimer Bischofsberg Kiesling Kabinett von Franz Joseph Selbach. mit überraschend brilliantem, tiefem Goldgelb ins Glas, hatte eine feine Honignote in der Nase, immer noch eine gute Säure und stand wie eine Eins im Glas. Alles andere als – wie eigentlich erwartet – mausetot und immer noch gut trinkbar – 86/100.

Aus Italien hatte ich bisher nur den Sassicaia getrunken. Auf Willi Krählings Sassicaia-Probe 1993 zeigte er aus der Magnum schon deutliche Brauntöne, war sicher schon über Höhepunkt hinaus, aber immer noch ein faszinierender, kräftiger, sehr langer Wein – 93/100. Drei Jahre später auf der Sassicaia-Probe der Ungers war dann der Lack entgültig ab. Sehr bräunlich, ungenerös und definitiv auf dem Weg ins Jenseits – 85/100. Da würde ich mich heute nicht mehr rantrauen. Nicht getrunken habe ich bisher 74er Barolos, aber da soll es noch die ein oder andere langlebige Entdeckung geben. Zuletzt dann 2009 ein Barolo von Borgogno, animalisch, rustikal, nicht uninteressant und noch lange nicht am Ende, aber auch mit sehr hoher Säure – 88/100.

Abenteuerlustigen empfehle ich einen Ausflug nach Österreich. 1994 durfte ich bei Hirtzberger mit Weinpfarrer Denk neben weiteren Wachauer Raritäten eine noch unglaublich frische Ried Hochrain Riesling Spätlese mit schöner Frucht und Säure probieren. Ein Langenloiser Gewürztraminer Kabinett von Jurtschitsch startete 2012 verhalten mit welken Rosen in der Nase, flach am Gaumen. Doch statt abzunippeln baute er dann plötzlich enorm aus, entwickelte eine schöne, dezent süße Gewürztraminer-Nase, am Gaumen dazu eine erstaunliche Fülle mit dezenter Süße und guter Säure. Da kamen plötzlich gut und gerne 86/100 ins Glas, aber nur für eine halbe Stunde, dann ging es rapide bergab.

In Spanien hat Vega Sicilia 1974 einen großen Unico produziert mit dichter, frischer Farbe, füllig und cremig am Gaumen mit schönem Abgang. War 2001 auf der Vega Sicilia Probe eine Wohltat nach den vielen säurelastigen alten Unicos und sicher 96/100 wert. Im September 2004 kam er aber trotz betörender Frucht in einem großen 74er Kalifornien-Flight völlig unter die Räder. 2006 betörende Nase, eine üppige Süße am Gaumen, aber auch eine mächtige, darunterliegende Säure - 93/100. 2014 war das ein enorm vielschichtiger, kräftiger, sehr würziger Wein mit schöner Fülle, bei dem nur die sich immer stärker in den Vordergrund drängende Säure eine höhere Bewertung verhindert – WT94. Bei einer weiteren Flasche 2014 war die prägnante Säure einer charmanten, süßen, schokoladigen Fülle mit viel Kaffee gewichen. Struktur und Kraft hat der Unico noch für lange Jahre – WT94. Groß war auch im April 2004 ein Scala Dei aus dem Priorat. Sehr dichte junge Farbe, in der Nase massive Porttöne, am Gaumen überreife Trauben, sehr reif, portig - 94/100. Ein Gran Sangre de Toro von Torres hatte 2007 zwar eine dichte Farbe, war aber sehr medizinal in der Nase und erinnerte eher an Hustensaft, am Gaumen säuerliches Naturyoghurt – 70/100.

Als sehr langlebig könnte sich der 74er Grange aus einem ansonsten als eher schlechter eingestuften Australien-Jahr erweisen. Auf der Grange-Probe 1999 zeigte er Tannin ohne Ende, massive Röstaromen, entwickelt sich im Glas mit wunderschöner Süße und wurde sehr schön – 95/100.

Und wo wir in der neuen Welt sind, die Europas Wetterkapriolen ja nicht mitmacht: 1994 hielten wir auf einer Blindprobe alle einen Uitkyk Cartonet Cabernet Sauvgnon aus Südafrika für einen großen, gereiften Bordeaux. Ein Shiraz Fleur du Cap von Bergkelder zeigte 2009 deutliche Brauntöne, sehr kräuterig, Kaffee, oxidativ, Liebstöckel, korinthige Süße, leicht gezehrt – 82/100.

Die besten 74er kommen aber eindeutig aus Kalifornien. Dort war 1974 ein Superjahr, in dem sehr reife, komplette, große Weine erzeugt wurden. Kein Wunder, dass diese Weine, als sie dann 77 und 78 in Vergleichsproben auf die dürren europäischen Gewächse trafen, für viel Aufsehen sorgten. Obwohl die meisten 74er aus Kalifornien bereits das Zeitliche gesegnet haben, gibt es immer noch ganz tolle Tropfen, aber natürlich inzwischen auch herbe Enttäuschungen. Aus dem Jenseits grüßte 2010 der Almaden Petite Sirah, bräunliche Farbe, senile, malzig-minzige Nase, am Gaumen ziemlich gruftig, schien im Glas zu sterben, stabilisierte sich dann aber noch auf niedrigem Niveau und zeigte sogar etwas Minze im sonst dünnen Abgang – 78/100. Ein großer Wein war mal Beaulieu Private Reserve George de Latour, doch inzwischen ist er deutlich in die Jahre gekommen. 2009 immer noch ein sehr feiner, eleganter Wein mit guter Kirschfrucht, sehr minzig, aber eben auch mit deutlichen Reifetönen, trotzdem noch gut zu trinken und die Faszination eines gut gereiften Kaliforniers ausstrahlend – 91/100. Hervorragend 2007 in der Coburg Caymus. So fein, fast filigran, unendlich elegant mit delikater Frucht, mit faszinierender, minziger Frische und dem obligatorischen Schuss Eukalyptus, entwickelt immer mehr lakritzige Töne – 97/100. Ein Christian Brothers Napa Valley Cabernet Sauvignon hatte 2001 in der Nase reifer Alpkäse, der mit Minze und Eukalyptus gewaschen worden war, am Gaumen und im Abgang viel Kräuter und Lakritz, wirkt jünger, entwickelt sich im Glas und legt immer mehr zu, aus anfänglichen 85 werden rasch 91/100. Sehr schön und noch lange nicht am Ende war 2002 ein Clos du Bois Cabernet Sauvignon Proprietor´s Reserve – 91/100. Den gab´s kürzlich noch mehrfach für kleines Geld bei Ebay.

In ihrer Art erinnern mich die Weine von Diamond Creek immer etwas an die von Randy Dunn. Sie halten ewig und man fragt sich, ob sie jemals richtig reif werden. So hatte 2013 dieser Diamond Creek Volcanic Hill immer noch so eine unglaublich junge, dichte, rubinrote Farbe. Cabernet Sauvignon pur, fast etwas roh, mit guter Frucht und pfeffriger Würze, viel Minze, sehr mineralisch, sehr kräftig mit immer noch voll intaktem Tanningerüst – 95/100. Kam deutlich besser zum Essen, wobei ich an Michael Broadbent denken musste. Der schrieb einmal zu 1975 La Mission Haut Brion, dass er sich diesen Wein allenfalls zu Wildschwein vorstellen könnte. Das passte auch hier. Der Diamond Creek Red Rock Terrace hatte in der gleichen Probe eine seltsam reife, rosinige Nase. Die wunderbar pikante, rotbeerige Frucht wurde erst am jungen, tannin- und säurebetonten Gaumen richtig spürbar – 93/100.

Als bester Wein des Jahrgangs gilt Heitz Martha´s Vineyard, inzwischen eine der großen Weinlegenden unserer Zeit. Dicht, kräftig, mit reichlich Eukalyptus und Minze, aber auch Leder und Tabak ähnelt er sehr dem 45er Mouton Rothschild. Ich erinnere mich noch gut, wie 1999 in einer Blindprobe ein französischer Weinfreund felsenfest überzeugt war, dass da 45 Mouton vor ihm stand. Den hatte er sich eine Woche vorher in Paris gegönnt und erkannte ihn natürlich sofort wieder. Meinte er zumindest, denn in unserer Magnum war Heitz! Sechsmal hatte ich danach bis 2004 das Martha-Vergnügen und habe diesen Ausnahmewein stets mit 97-100/100 bewertet. 2009 explosives Bouquet mit viel Eukalyptus und Minze, aber auch mit Leder, Tabak und immer noch viel Frucht, sehr kräftig und lang am Gaumen, dazu altersfrei und immer noch erstaunlich frisch. Eine Weinlegende, die sicher noch 20-30 Jahre vor sich hat - 98/100. 2011 auf der großen Heitzprobe der Ungers fein, balanciert, unglaublich harmonisch, ein Monument, das im Glas viel Zeit und Luft braucht, erinnert an die besten Flaschen von 45 Mouton Rothschild, baute enorm aus, so unglaublich lang, Potential für sicher noch 1-2 Jahrzehnte – 99/100. In gleicher Form 2012 auf dem Haefliger-Tasting – 99/100. 2013 bei den California Wine Legends eine auch vom Füllstand her nicht optimale Flasche, etwas weiter in der Farbe als der 68er und nicht mit dessen Dramatik, feiner, weicher, eleganter wirkend. Natürlich mit der klassischen Heitz-Aromatik, mit reichlich Minze und Eukalyptus. Sehr lang und nachhaltig am Gaumen mit feiner, kräuteriger Süße – 97/100. 2014 bei Uwe Bende zeigte er sich etwas ziviler und auf immer noch sehr hohem Niveau mit ersten grauen Schläfen. Da sind immer noch Minze und Eukalyptus satt, Kraft und Länge, dazu eine schöne, kräuterige Süße. Aber die Dramatik der besten, früheren Flaschen fehlt inzwischen auf zugegeben sehr hohem Niveau etwas – WT98. Und 2016 auf der Farnsburg noch so eine perfekte Magnum, noch so frisch, einfach stimmig in totaler Harmonie, mit reichlich Minze und Eukalyptus, mit schwarzpeffriger Würze und etwas Lakritz, blieb ewig am Gaumen – WT100. Kurz darauf 2016 auf der California Monuments noch eine perfekte 1tel mit soviel Frische – WT99. Auch 2017 wieder eine noch so frische, geniale Minz- und Eukalyptuslegende – WT98. Und aus perfekten Flasche 2017, der vielleicht besten, die ich je vor mir hatte, drehte der Champion noch mal richtig auf. Ein unglaublich stimmiger Wein mit viel Minze und Eukalyptus, sehr würzig, pfeffrig, sehr lang am Gaumen, einfach alles in der totalen Harmonie eines Weltklasseweines – WT100. In der Stilistik dem Martha´s ähnlich und sicher nicht schlechter ist der Mayacamas Cabernet Sauvignon. Der hatte 1996 eine gesunde, kräftige Farbe, Eukalyptus ohne Ende mit einem Schuß Minze, großer Wein – 97/100. In einem tollen Flight im September 2004 stellte er selbst Heitz in den Schatten. Kompletter, großer Wein, superdichte Farbe, irre Kraft. In der Nase frisch gemahlener schwarzer Pfeffer, feine Minze, erdige Töne, Lakritz. Sehr langer Abgang. Entwickelte mit der Zeit Tabaknoten und großen provencalischen Kräutergarten und war selbst nach 7 Stunden im Glas immer noch taufrisch - 99/100. Zuletzt 2009 aus der Magnum ein unsterblicher Wein, bei dem man immer noch das Gefühl hat, dass er erst am Anfang einer noch langen Entwicklung steht, in bester Bordeaux-Stilistik und dabei sehr fein, hochelegant mit viel Minze und Eukalyptus, aber auch erdig-pfeffriger Aromatik und einer wiederum sehr feinen, kräuterigen Note, baute im Glas unglaublich aus, wurde länger, dichter und komplexer. So wurden aus den anfänglichen 95 schnell 96 und 97, dann 98, bis bei 99/100 mein Glas leer war. 2011 schier unglaublich, dass der selbst aus der Halben noch so jung ist, dass er erst mal eine große Tüte Luft braucht. Erinnert an eine etwas feinere, elegantere Variante des 74 Heitz Martha´s mit viel Minze, Eukalyptus, Schwarzem Pfeffer, erdiger Aromatik, Lakritz, Leder, dekadente Süße, ein riesengroßer Wein, der aus der Magnum deutlich mehr Spaß macht – ist einfach mehr drin – 97/100. 2012 auf dem Haefliger-Tasting noch so blutjung, kein Hammerteil, eher der große Finessenmeister. In der Nase Minze, frisch gemahlener, schwarzer Pfeffer, erdige Aromen, Lakritz, Leder, sehr komplex und vielschichtig am Gaumen, dabei so fein, einfach Eleganz pur – 98/100. Die beste Flasche 2013 eine absolut perfekte Magnum – 100/100. 2016 aus der Magnum absolute Perfektion, ein unsterblicher, immer noch so dichter Riese, würzig mit viel Leder und Minze – WT100. Mayacamas hat in den 70ern fantastische, sehr langlebige Weine erzeugt. Ich erinnere mich noch gut an einen 74er Mayacamas Chardonnay(!), Ende 2001 im Bostoner Troquet getrunken, traumhaft gereift mit wunderbarem Aroma kandierter Früchte – 92/100. Da kam 2007, ebenfalls im Troquet, ein Heitz Pinot Chardonnay Lot Z-41 nicht mit. Güldene Farbe, in der Nase eine Mischung aus Karamell, nussigen Tönen und Sherry. Auch am Gaumen eher ein guter, trockener Sherry, baute sogar noch aus und gab zumindest noch einen sehr interessanten Drink ab – 83/100. Inglenook Limited Cask D-7 hatte 2007 in der Coburg eine reife Farbe und wirkte spontan 20 Jahre älter als der Caymus. Mit Liebstöckel, malziger Süße und der großen Gemüseplatte ging er spontan als großer, alter Rioja durch. Doch das war nur der erste Teil der Geschichte. Der Inglenook baute im Glas nicht ab, sondern wunderschön aus, wurde kräftiger, minziger, aber auch mit Paprikanoten und kräftiger Säure. Ein durchaus spannender und komplexer Wein. Wer davon nur einen Probeschluck bekommt, sieht vom Film nur den Vorspann – 95/100. Groß in 74 ist auch der Mondavi Cabernet Reserve, den ich inzwischen sicherlich über 20mal getrunken habe, so z.B. im Sommer 2004. Geiler Wein mit Schmelz ohne Ende. Stellte zu Anfang Heitz und Mayacamas in den Schatten, feine Süße, endlos lang am Gaumen, mit Minze und etwas Eukalyptus. Wurde nach längerer Zeit im Glas etwas breiter und langweiliger - 97/100. 2006 irre Nase, Minzfrische, Eukalyptus, noch so jung, dicht und lang. Klar, da ist nicht das Üppige, Ausladende der heutigen Kalifornier. Aber von denen schafft sowieso keiner die 32 Jahre, die der Mondavi auf dem Buckel hat. Und wahrscheinlich überlebt dieser feine, eher schlanke, aber perfekt strukturierte, sehr nachhaltige Wein noch einige der modernen Kreationen – 97/100. 2009 mehrfach sehr finessig und elegant, viel Minze und Eukalyptus, sehr nachhaltig und lang am Gaumen, reif zwar, aber trotzdem altersfrei – 97/100. Und zwischendrin eine wohl erheblich wärmer gelagerte Flasche, in der der Wein deutlich weiter war – 93/100. In absoluter Bestform 2011 auf dem Unger Weihnachtstasting. Herrliche Nase mit Minze, Eukalyptus, Zedernholz, Leder und ätherischen Noten, gewaltiger Druck und Länge am Gaumen, dabei sehr balanciert und elegant in totaler Harmonie - 97/100. Auch 2012 auf dem Haefliger-Tasting und mehrfach danach auch 2013 konstant wieder auf diesem Niveau. Der einfache Cabernet Sauvignon von Mondavi war 2009 sehr fein und wirkte durch die hohe Säure auch noch erstaunlich frisch, doch fehlte ihm die aromatische Dichte des Reserve – 87/100. Der Mondavi Pinot Noir wirkte 2014 in der Nase kernig und kräftig mit dezent animalischem Stinker, am Gaumen aber sehr gefällig und fein mit schöner Süße – WT82.Sicher auch noch kaufens- und trinkenswert ist Chateau Montelena. Den habe ich 2000 im Pariser Tan Dinh mit absolut junger Farbe ohne jeden Alterston erlebt, in der Nase Eukalyptus und schwarze Trüffel, sehr überzeugender Wein, der wohl ewig lebt, falls er nicht irgendwann austrocknet. 2007 in der Coburg aus der Magnum undurchdringliche, dichte Farbe. Bei der satten Blaubeere kam mir spontan Fat´s Dominos Blueberry Hill in den Sinn, sehr mineralisch, viel Minze, kräftige Säure und bewundernswerte Statur, steht wie eine Eins im Glas und wirkt aber auch eine Spur zu monolithisch. Ich würde diesen Wein, der in dieser Form sicher noch lange lebt, gerne mal im Stadium absoluter Reife trinken – 93+/100. Etwas über den Zenit wirkte 2016 zu Anfang der Mount Eden Vineyards Estate Bottled Cabernet Sauvignon, Minze mit Liebstöckel, aber auch etwas Süße. Entwickelte sich im Glas, wurde gefälliger und die Minze verdrängte Liebstöckel – WT92. Auch kleinere kalifornische Weine können noch für Überraschungen gut sein. Ein einfacher Phelps Cabernet Sauvignon hatte ebenfalls 2000 im Pariser Tan Dinh eine reife Farbe mit deutlichem Orangenrand, war perfekt gereift und voll auf dem Punkt mit Minze ohne Ende. Phelps Insignia war 2017 schon sehr reif, aber mit viel Substanz noch gut trinkbar – WT88. Ridge Monte Bello war 2012 auf dem Haefliger-Tasting noch so taufrisch, sehr elegant, minzig in der Nase und am Gaumen, dazu feinstes Handschuhleder, herrlich beerige, junge Frucht, Präzision, Struktur, Länge, Harmonie, ein Wein, bei dem einfach alles stimmte – 100/100. Immer noch so jung in der dichten Farbe und der gesamten Anmutung 2013 mit wunderbar beeriger, pflaumiger Frucht, viel Minze, am Gaumen enormer, aromatischer Druck und feine Süße, ein absolut stimmiger, harmonischer wein aus einem Guss mit sehr langem Abgang und guten Chancen auf noch 1-2 weitere Jahrzehnte – 96/100. Und auch 2017 wieder schier unsterblich und zeitlos elegant – WT97. „Sturdy and deep flavoured“ stand auf dem Etikett eines erst 79 abgefüllten Sebastiani Founder´s Reserve. Auf einer Koppe-Auktion hatte sich (außer mir) kaum jemand an die Flaschen herangetraut, gilt doch Sebastiani heute als Massenweingut minderer Qualität. Doch dieser Wein hatte im Juli 2004 eine dichte Farbe mit ersten Brauntönen, in der Nase intensiv Karamell, aber auch etwas Möbelpolitur, dazu Minze und Eukalyptus, wirkte zu Anfang „spanisch“ und wurde im Glas immer Bordeaux-affiner – 90/100. Deutlich besser 2007 die Zwillingsflasche. Immer noch superdichte Farbe mit ersten Orangentönen am Rand. Minznase, massig Eukalyptus, aber auch Lakritz. Am Gaumen bei aller Fülle so unglaublich fein. Kein überalkoholischer Hammer, wie die heutigen Kalifornier, da war totale Harmonie angesagt, ein großer Wein, der am Gaumen gar nicht mehr aufhörte – 95/100. Sehr überzeugend auch 2005 ein Simi Alexander Valley Cabernet Sauvignon Reserve junge Farbe, die klassische Kalifornien-Stilistik mit Eukalyptus und Minze, spicy, am Gaumen lang und nachhaltig mit Fisherman´s Friends, wirkt insgesamt noch so frisch, da sind noch 10+ Jahre drin - 92/100. 2006 und 2007 klassische Bordeaux-Aromen, Zedernholz, feine Frucht, dazu etwas Minze und ein Hauch von Eukalyptus, und das alles mit einer wunderbaren Frische. Zeigt die überragende Qualität nicht nur des Jahrgangs, sondern auch der alten Simis - 94/100. 2010 nicht ganz diese Klasse – 91/100. Nicht minder interessant 2005 ein Simi Alexander Valley Pinot Noir. Erstaunlich, welche junge Farbe, Frische und Ausdruckskraft dieser recht nachhaltige, gut gelungene Pinot Noir zeigte, ebenfalls noch gut für 10+ Jahre – 90/100. 2015 als Heitz Martha´s verkleidet, Minze ohne Ende, Eukalyptus, altes Sattelleder, Kraft und Länge, dezente, erste Süße, da ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht – WT96. Reif, fein, 2007 ein Alexanders Crown von den Sonoma Vineyards,mit Eukalyptus und viel Minze, auf dem Punkt, kraftvoll, füllig und auch etwas ungelenk, sonst wären noch mehr als die 93/100 drin gewesen. Ungewöhnlich 2007 die Nase des Spring Mountain Cabernet Sauvignon. Kandierter Liebstöckel, Gummi und Eukalyptus, wobei der alte Fahrradschlauch, das Gummi, in der Nase erst immer stärker hervortritt, dann kommt aber stärker pflaumige, portige Frucht, allerdings auch mit einem Hauch flüchtiger Säure. Am Gaumen viel Eukalyptus und Minzfrische. Ein eigenständiger, spannender Wein, der sich auf 92/100 Niveau sicher noch eine Weile halten wird. Erstaunlich frisch und vital 2016 noch der Sterling Reserve Cabernet Sauvignon, beste Bordeaux Stilistik mit Minze, Mineralität und Sattelleder, sehr finessig und lang – WT95.

Und dann war da noch 2008 eine typisch kalifornische Spezialität, ein Mayacamas Late Harvest Zinfandel. Das war 2008 die passende Wahl zum schokoladigen Dessert, der hohe Alkohol gut verpackt, dezente Restsüße, exotische Aromatik, der perfekte Dessertwein für Rotweinfreaks – 94/100. Zuletzt 2011 auf dem Unger Weihnachtstasting ein gewaltiges, explosives Teil, ein süßer, generöser, sehr gut zu trinkender, kräuteriger, portiger Hustensaft mit wunderbarer Länge am Gaumen, der heftige Alkohol gut verpackt – 97/100. Aus der Mission-Traube, die damals mit den spanischen Missionaren nach Kalifornien gelangt war, produzierte Heitz in den 70ern einen Wein namens Angelica. 17 Jahre verbrachte der Heitz Angelica im Holzfass, war 2011 und 2012 spritig, süß, mit dichter Farbe und nicht uninteressant – 88/100.

Ich erinnere mich noch gut an einen 74er Mayacamas Chardonnay(!), Ende 2001 im Bostoner Troquet getrunken, traumhaft gereift mit wunderbarem Aroma kandierter Früchte – 92/100. Da kam 2007, ebenfalls im Troquet, ein Heitz Pinot Chardonnay Lot Z-41 nicht mit. Güldene Farbe, in der Nase eine Mischung aus Karamell, nussigen Tönen und Sherry. Auch am Gaumen eher ein guter, trockener Sherry, baute sogar noch aus und gab zumindest noch einen sehr interessanten Drink ab – 83/100.

Erstaunlich fein und immer noch so frisch zeigte sich 2013 der Penfolds Grange. Mit generöser, feiner Süße, viel Minze und einem deutlichen Hauch Eukalyptus bietet sich dieser Wein als Pirat für Proben reifer Kalifornier an - WT93. Eine sehr tiefe, noch junge Farbe hatte 2016 der Tyrell´s Hunter River Dry Red aus Australien. „from Hermitage grapes grown on red volcanic soil“ hieß es auf dem Etikett dieses 1976 in Canberra als Best Commercial Red Wine prämierten Weines. Hatte zu Anfang das torfige eines älteren Whiskys. Immer mehr kam Asphalt, Graphit, Minze, dann auch Eukalyptus und Lakritz und zeigte eine gute Mineralität. Spannend, kräftig und noch längst nicht am Ende – WT95.

Unbedeutendes Champagnerjahr.