1979

Wer Weine aus 1979 sucht, muss dreimal hingucken. Zu heterogen war das, was in diesem Jahr erzeugt wurde.

In Bordeaux wurde die größte Ernte seit 1934 eingebracht. Bei den meisten Gütern ging Masse immer noch vor Klasse. Zu allem Überfluss entpuppten sich viele Weine auch noch als wahre Tanninmonster ohne die nötige, reife Frucht, um die harschen Tannine auszugleichen und abzupuffern. Ich habe sehr viele Bordeaux-Notizen aus den 80ern, als insbesondere die kleineren Weine, aber auch einige der großen Gewächse noch richtig Spaß machten. Diese Notizen habe ich hier weggelassen, denn sie sind nur noch von historischem Interesse. Bis auf wenige Ausnahmen drängen sich seit etlichen Weinen die Tannine in den Vordergrund, verbunden mit dem Empfinden einer aggressiven Säure. Natürlich kann man die Weine noch mal 10 oder 20 Jahre liegen lassen. Es wird nur nichts bringen.

Calon Ségur wirkte 2016 trotz animalischer Nase und Kraft recht zugänglich mit leicht malziger Süße – WT90. Ein Klassestoff wurde auf Cos d´Estournel erzeugt, wunderbare Frucht, fast üppig. Ein gutes Dutzend Mal verkostet und meist mit 90-93/100 bewertet. Meine letzte Magnum zeigte dann aber 2001, dass auch der nicht ewig lebt. Besaß aber 2007 in der großen Cos-Probe aus einer perfekten Magnum immer noch eine irre Farbe ohne Alter, viel Frucht, Feigen, Schokosüße und am Gaumen einen wunderbaren Schmelz – 92/100. 2011 eine müde Flasche, kräuterig, gezehrt, sehr anstrengend – 82/100. 2016 immer noch so lebhaft und schön zu trinken, in gut gelagerten Großflaschen sicher noch jede Suche wert – WT90. Montrose wirkte 2016 leicht und elegant in der Nase, war dafür aber deutlich kräftiger am Gaumen. Baute enorm im Glas aus und dürfte noch eine gute Zukunft haben – WT91.

Erstaunlich gut entwickelt hat sich Batailley, der 2013 mit pikanter Frucht, süßem Schmelz und erdiger Mineralität punktete, sicher noch eine Suche wert - 90/100. Sehr angetan war ich 1991 von Lafite Rothschild bei meiner ersten Begegnung mit diesem Wein. Sechs Jahre später auf dem Weinforum in Arosa zeigte die Farbe bereits deutliche Orangentöne, die Überhand gewinnende Säure ließ die bissigen Tannine deutlich stärker hervortreten, zeigte zwar noch etwas Eleganz, aber der Lack ist ab – 87/100. Aber das war wohl eine Übergangsphase, 2011 auf René Gabriels großer Lafiteprobe noch so jung, fleischig, dicht, kräftig und am Gaumen lang – 93/100. Nicht viel besser sieht es bei Latour aus. Dreimal probiert, nie gemocht. Kraft ohne Herrlichkeit – 85/100. Lynch Bages 1989 zum ersten Mal getrunken. Damals war er schon voll auf dem Punkt, ein beeriger, leckerer Wein zum schnellen Verzehr. Aus der 1tel inzwischen sicher hinüber. Aus der Jeroboam 2008 zwar kein großer Wein, aber ein recht interessanter, sehr gut trinkbarer mit dichter Farbe - 86/100. 2013 erstaunlicherweise voll da ohne jedes Alter mit fantastischer Frucht und wunderbarem Trinkfluss – WT93. Noch so ein Loser ist Mouton Rothschild. Eine gute Flasche habe ich davon getrunken, 1988 in Atlanta. Alles was danach kam, war mehr oder minder grausam, dünn, vegetabil, Säure – nein danke! 2009 eher wässrig, dünn, fruchtlos und tanninig, eigentlich beschämend für solch einen großen Namen – 80/100. 2014 erstaunlich vital – WT89. 2015 wieder etwas gezehrt – WT85. Was ich 1988 als Pichon Baron ins Glas bekam, war nicht sonderlich aufregend und bereits voll entwickelt. Ganz anders die Pichon Comtesse de Lalande. Gut, ich bin bekennender Comtesse-Fan. Aber die mindestens drei Dutzend Verkostungsnotizen zwischen 1988 und 2002 sprechen eine deutliche Sprache. Da gab es zwar auch Flaschenvariationen, aus einigen Flaschen wirkte der Wein schon vor Jahren erstaunlich reif, doch lagen meine Bewertungen in der Regel immer bei 91-94/100. Auch und gerade die „reifere“ Version macht immer noch unglaublichen Spaß. Und in der Magnum war die Comtesse – zuletzt Ende 2003 – ein noch fast jugendlicher Klasse-Cabernet auf 94/100 Niveau. Schon etwas gezehrt wirkte 2006 eine 1tel. Die Farbe zeigte noch wenig Reifetöne, doch es war die nur noch ansatzweise vorhandene Frucht, die zeigte, das der Wein seinen Zenit wohl deutlich überschritten hatte. Paprikanase, rauchige Barriquenoten, immer noch gutes Tannin- und Säuregerüst. Dadurch wird die einstmals so faszinierende Comtesse auf niedrigerem Niveau sicherlich noch etliche Jahre trinkbar bleiben – 88/100. So 2007, einfach lecker mit sehr schöner, offener Frucht, aber am Gaumen etwas kurz und praktisch tanninfrei – 88/100. 2009 bei Grashoff in Bremen aus perfekter Lagerung einfach wunderschön und Comtesse pur, seidig, elegant und sehr aromatisch mit feiner, trüffeliger Note – 93/100. 2010 wieder in bestechender Form. Praktisch altersfrei überzeugten hier die schokoladige, leicht trüffelige Nase und der sehr elegante Gaumen – 92/100. 2013 aus der Magnum noch keinerlei Alter, ein sehr eleganter, aber auch nachhaltiger Wein mit viel Zedernholz und leichter Trüffelnote – WT93. Pontet Canet hatte 2009 in der Nase wiederum viel Zedernholz, aber auch eine feine Süße, am Gaumen etwas austrocknend mit dem 79typischen Resttannin, doch auch weich und mild. Ließ sich sehr gut trinken und dürfte noch Potential für etliche Jahre haben – 85/100.

Beychevelle hatte sich eigentlich schon Ende der 80er weitgehend verabschiedet. Doch 2014 präsentierte der sich zwar schlank, aber erstaunlich frisch und sehr mineralisch mit viel Tabak – WT91. Eine weitere Flasche 2015 rustikal, ohne Alter, aber auch ohne Frucht – WT84. Ducru Beaucaillou wirkte 2009 auf der großen Ducru-Probe ziemlich belanglos – 81/100. Allerbeste Erfahrungen habe ich mit gut 3 Dutzend Gruaud Larose gemacht, darunter alle Flaschengrößen bis hin zur Imperiale. Immer wieder tolle Farbe, fleischig, Superfrucht, konstant mit 91-93/100 bewertet, 1998 aus der DM auch mit euphorischen 96/100. Bis auf eine 2004 bei Ebay gekaufte Flasche. Die hatte einen störenden, grasigen Ton. Eine Weihnachten 2004 getrunkene Magnum hatte dann wieder die gewohnte Klasse, großer Wein mit betörender Aromatik, brauchte viel Luft und zeigte dann von einer anfänglichen Erdbeernote über Tabak bis hin zu einem Gewürzstrauß eine tolle Vielfalt an Aromen - 94/100. Ähnlich eine 1tel im Oktober 2005, das war wieder Gruaud in Perfektion, ein eleganter Parade-St. Julien mit feiner Frucht und beinahe zeitloser Eleganz - 92/100. 2006 feine Zedernholznoten, Trüffelnase, schwarze Johannisbeere, weiche, reife Tannine, durch die der Gruaud sehr rund und fast etwas mollig wirkte – 94/100. 2009 ein großer Wein mit betörender Aromatik, immer noch mit guter Frucht, mit Tabak, viel Leder und seidiger Fülle. Aus der Magnum praktisch altersfrei mit einer Superfarbe - 95/100. Setzte 2014 aus der Imperiale von Jugend und Frische her auf eine wenigen Wochen vorher mit Toni Askitis im D´Vine getrunkende DM noch leicht eins drauf und wirkte fast noch zu jung. Ein großer Gruaud mit betörender Frucht, mit viel Leder, Tabak und Zedernholz, dem eine dezent grüne Cabernetnote eine gewisse Kernigkeit verlieh. Sehr elegant mit druckvoller Aromatik , schöner Fülle am Gaumen und langem Abgang – WT94+. Wenn Gruaud demnächst irgendwo in Magnum oder größer auftaucht, bin ich sofort wieder dabei, zumal hier auch noch der Preis stimmt. Leoville las Cases gehörte Ende der 80er/Anfang der Neunziger zu meinen Lieblingsweinen. Inzwischen ist er deutlich gereift. 1998 klassischer, reifer Cabernet, wobei die gute Frucht die doch etwas spröden Tannine gut abpuffert – 89/100. 2009 bei Grashoff in Bremen aus perfekter Lagerung von erstaunlich bestechender Qualität, einfach klassischer, reifer Cabernet, weich am Gaumen ohne die früher so störenden, sperrigen Tannine – 93/100. 2010 sehr fein, fruchtig und elegant – 91/100. 2015 auf der D´Vine Küchenparty aus der DM in Bestform, noch so jugendlich und frisch – WT93. Talbot hatte 2009 eine Traumnase ohne Alter hatte, sogar noch etwas Röstaromen, Zedernholz, feiner Schmelz, deutlich jünger wirkend als die sehr reife Farbe. Weniger schön der Gaumen, immer noch sperriges, trockenes Resttannin, sehr metallisch, als ob der Wein aus der Dose käme – 82/100.

Ungläubiges Staunen 2010, als eine Chasse Spleen Magnum aufgedeckt wurde. Sehr dichte Farbe, so jung, soviel Kraft, reichlich Tabak, etwas Minze, lang am Gaumen, diese Ausnahme-Magnum ging blind als jüngerer, „besserer“ Wein durch – 92/100. Ziemlich rabiat kam 2016 der kernige, etwas ruppige und immer noch von deutlichen Tanninen und Säure geprägte, rustikale La Lagune daher. Aber das kennen wir von La Lagune, einem richtigen Old School Bordeaux. Der braucht einfach noch ein Jahrzehnt, oder zwei – WT88+.

Ein großer Erfolg in 1979 ist Margaux. Seit meiner ersten Begegnung 1988 in Hannover hat mich dieser seidige, elegante Wein mit seiner feinen, rotbeerigen Frucht immer wieder fasziniert. Meist mit 92-94/100 bewertet. Ausreißer nach oben war 2000 eine perfekte Flasche, traumhafte Nase, auch am Gaumen Margaux in Perfektion, seidig, sehr lang - 96/100. Zweimal 2007, sehr elegant, feinduftig, rotbeerig, ein eher ein schlanker, filigraner, aber sehr betörender Wein mit seidiger Struktur, der sich noch länger auf 93/100 Niveau halten wird. 2009 zweimal und 2010 immer noch sehr dichte Farbe ohne Alter, sehr feinduftige, eindrückliche Nase voller feiner Beerenfrucht, am Gaumen schlank, fast sehnig, aber auch mit jugendlicher, druckvoller Aromatik, seidiger Textur und beeindruckender Länge – 93/100. 2011 aus einer Magnum war er deutlich reifer, auf dem Punkt und zeigte sich als geiler Saufwein, schokoladig mit reifen Beerenfrüchten und schöner Fülle – 95/100. 2013 perfekte, betörende Frucht, Minze, etwas Vanille und Karamell in der feinduftigen Nase, kräftig und doch so hoch elegant am Gaumen mit beeindruckender Länge, die klassische Eisenfaust im Samthandschuh – WT97. 2016 und auch 2017 wieder war das Margaux pur, die klassische Eisenfaust im Samthandschuh mit betörender Frucht, so feinduftig und elegant, ein Margaux zum Knutschen – WT96. Dürfte noch eine große Zukunft haben. Palmer hatte mich 1992 nicht überzeugt, zuviel Säure und aggressive Tannine. Zuletzt 2009 eher bittere Kost mit leicht unsauberen Noten – 84/100. Prieuré Lichine war wie so viele 79er schon 1988 ein angenehm zu trinkender, leichter und voll ausgereifter Margaux ohne Höhepunkte – 83/100.

Bei Carbonnieux drängte 1990 schon die Zeit. Sehr schön hingegen 1993 auf Rodenstocks Arlbergprobe Domaine de Chevalier, eher ein Leichtgewicht zwar, aber sehr charmant mit schöner Frucht – 87/100. 2015 zeigte der sich so jung, so kräftig, so dicht und lang mit dieser klassischen Pessac-Aromatik als Zwilling des 79 Haut Brion – WT94. Klasse in 1979 und immer noch für im Vergleich zu neueren Jahrgängen wenig Geld zu bekommen der Haut Brion. Zwischen 1986 und 2004 gut 2 Dutzend mal mit großer Begeisterung getrunken, 2004 in der Traube Grevenbroich eine perfekte Flasche, kräftige Farbe ohne viel Alter, perfekte Cigarbox-Nase, am Gaumen lang, komplex, mit guter Säure – 93/100. 2006 auf der großen Haut Brion Probe wieder klassischer, reifer Haut Brion auf hohem Niveau. Reif ohne Alterstöne mit sehr intakter Farbe, die klassische Cigarbox-Nase, dazu rauchige Töne, Leder und Trüffel, am Gaumen weich, komplex und lang – 93/100. 2007 wieder die schiere Wollust, immer noch dichte, sehr junge Farbe, in die klassische Cigarbox-Nase mischt sich unglaublich viel Valrhona, auch am Gaumen dominiert Schoko vom Feinsten, wird mit der Zeit am Gaumen immer feiner, weicher und geschmeidiger, wird sich in guten Flaschen sicher noch etliche Jahre auf diesem hohen Niveau halten - 94/100. 2008 herrlich reifer Haut Brion - 93/100. 2009 bei Grashoff in Bremen sehr fein, rauchig, Leder, Trüffel und Cigarbox – 92/100. 2010 auf einer Best Bottle in der Schweiz in toller Form – 95/100. Auch 2011 immer noch so jung, so fein mit dem klassischen Cigarbox Aroma – 94/100. 2013 ein großer Haut Brion mit deutlicher Minzfrische, mit Cigarbox, Teer, Trüffel, einfach zeitlos schön ohne Alterstöne und Schwächen – WT94. 2014 noch einen Tick drüber mit gewaltigem, mineralischem Druck, mit massig Tabak und Cigarbox – WT95. Keine guten Erfahrungen habe ich früher mit La Mission gemacht. 1997 eine Flasche mit schöner Farbe, aber das war´s auch. 1998 dann auf Willi Krählings La Mission Probe eine deutlich bessere Magnum, helle, reife Farbe, wirkte sehr gefällig und lecker – 91/100. Umso größer war die Überraschung 2011 auf einer Best Bottle in Luzern. Feine Frucht, pfeffrig, Paprika, viel ätherische Noten, Tabak, am Gaumen deutliche Säure, aber auch wunderschöne Süße, ein sehr aromatischer, einfach runder, wunderschön zu trinkender Wein, der sich noch etliche Jahre halten dürfte. Hatte ich noch nie auch nur annähernd so gut im Glas – 94/100. Auch bei René Gabriels großer La Mission Probe 2012 aus der Magnum noch so jung, kräftig und fruchtig mit ätherischer Nase, baute enorm im Glas aus – 94/100. Sehr stimmig und harmonisch zeigte sich 2016 der Pape Clement, ein feiner, eleganter Pessac, schlanker als die heutigen Boliden – WT92.Sehr verschlossen wirkte 2009 La Tour Haut Brion, monolithisch und ließ kaum etwas raus. Deutlich offener, aber auch schon sehr reif 2013 mit Toni im D´Vine, die klassische Cigarboxnase, viel Minze, alte Ledertasche, aber am Gaumen auch eine leichte Schärfe, die zeigt, das sich dieser Wein nicht mehr ewig lebt – WT90.

Kein Alter 2015 beim Ausone, der mit einer kräuterigen Nase, feinem, würzigem Schmelz und irrem Tiefgang und Länge überzeugte – WT94. Canon war 2002 aus der Magnum voll auf dem Punkt und sehr gut zu trinken – 91/100. Nie richtig beeindruckt hat mich Cheval Blanc. Von niedrigen Hektarerträgen haben die wohl damals nichts gehalten, und so entstand ein ziemlich dünner Simpel, den man zwar gut trinken konnte, aber für Cheval Blanc und den Preis eigentlich eine Frechheit. Mehrfach verkostet, zuletzt 1995 aus einer DM – max 85/100 und kaum Zukunft. So war das auch 2008 aus der DM ein simpler, eindimensionaler, stark abbauenden Wein mit seiner deutlichen Braunfärbung – 81/100. Hatte zuletzt 2009 zwar auf niedrigem Niveau noch eine feinduftige Nase, am metallischen, gezehrten, säuerlichen Gaumen war aber weitgehend tote Hose – 81/100. Bei Figeac 2014 fürchterlich diese Nase, fürchterlich dieser Gaumen, nein es war kein Kork, es war nur einer dieser ätzenden Figeacs, die mit einem richtigen Kork nur besser werden könnten. Pavie hatte 1996 auf einer Drawert-Probe zwar eine dichte Farbe, aber viel Säure, wirkte alkoholreich und sperrig – 84/100. Kam 2009 Sehr anstrengend ins Glas. Viel Tannin, hohe Säure, aber wo war die Frucht? Baute dann aber erstaunlich gut im Glas aus und ließ sich – 85/100.

Lange nicht mehr getrunken habe ich Certan de May. Der hatte 1989 eine kräftige Merlotnase. Intensive Frucht. Ausladend und geradezu üppig. Noch kräftige Tannine. Ein bißchen kurz im Abgang. Großer Wein, der immer noch gut trinkbar sein dürfte – 92/100. Ganz erstaunlich auch 1994 ein Clinet aus der Magnum, in der damaligen Form sicher 94/100 wert. Gereift, weich, burgundisch war 1995 ein Croix St. Georges – 83/100. Domaine de l´Eglise hatte 1994 aus der Doppelmagnum eine schöne Kaffeenase, war aber etwas kurz im Abgang – 87/100. Bei einem L´Eglise Clinet notierte ich 2002: bei einem hundert Jahre alten Wein wäre dieser Zustand toll gewesen, so war er einfach schon ein bisschen zu alt, aber immerhin noch trinkbar – 83/100. Zuletzt 2010 war er immer noch trinkbar, aber doch eher etwas dünn und schokoladig-säuerlich - 83/100. l´Evangile war 2013 sehr metallisch, wie aus der Blechdose. Kurz nach dem Dekantieren blühte er auf, wurde zugänglicher, eleganter mit feinherber Schokolade und verkroch sich dann nach einer Stunde wieder in der Blechdose. Da kommen dann die Maße WT84-90-84 raus, also unbedingt in der Mitte trinken. La Fleur Petrus war 1994 aus der DM dürftig, kurz, mit viel Säure und wenig Nase – 77/100. 1994 war Lafleur ein superdichtes, konzentriertes Aromenbündel, das sich damals noch sehr jung und auch etwas verschlossen präsentierte. 2009 auf der Lafleur Best Bottle aus der Magnum erst mit etwas kühler Eleganz und mit reichlich Eukalyptus. Wirkte dabei noch so jung und so dicht, immer noch mit voll intaktem, kräftigem Tanningerüst. Öffnete sich, wurde süßer, generöser, wunderbarer Gaumenfluss und Freude ohne Ende, ein 79er mit Potential für sicher noch zwei Jahrzehnte – 97/100. Latour-à-Pomerol war schon 1988 voll ausgereift, charmant, lecker und eher auf der leichteren Seite – 88/100. Doch das bedeutete noch lange kein kurzes Leben. Meine beste Flasche trank ich 2001 mit Traumnase und fast burgundischer Fülle – 92/100. Das war es dann wohl aber auch. 2006 aus der Magnum ein ziemlich dünner, harmloser Wein - 85/100. Nur zwei schöne Petrus habe ich getrunken, 1990 bei Jörg Müller auf Sylt und im Düsseldorfer Caveau. Da muss der sonst arg enttäuschende Petrus kurz aufgeblüht sein. Danach kam dann nur noch eine sehr enttäuschende, kurze, astringierende Magnum auf der Petrus-Probe 1993 in Mautern, eine auch nicht gerade aufregende Jeroboam 1994 und zuletzt 1995 bei Rodenstock 1995 eine Imperial. In der war er immer noch der beste von drei sehr enttäuschenden Petrus, aber mehr als 89/100 waren da auch nicht drin. Und war ich wohl noch zu großzügig, denn Parker, der aus derselben Flasche trank, gab ganze 86/100. 2005 auf René Gabriels großer Petrus Probe roch er unangenehm nach Katzenklo. Am Gaumen war er deutlich schöner, entwickelte sich im Glas, aber ebenfalls auf ein deutliches Überschreiten des Zenits hindeutende Säure – 89/100. Präsentierte sich zuletzt 2008 als sehr reifer, weicher Wein, der seinen Zenit deutlich überschritten hat – 89/100. Le Pin war 2010 noch trinkbar, aber auch säuerlich – 82/100. Bei Vieux Certan war 2011 etwas anstrengend die Nase, abweisend der Gaumen mit sperrigem Resttannin, doch beides besserte sich mit Zeit und Luft. Wurde gefälliger, schokoladiger und wirkte durch die hohe Säure erstaunlich frisch, ein kleiner, aber sehr gefälliger Vieux Certan – 88/100.

Ein farbloses Jahr für Weiße Bordeaux. Ziemlich wässrige Weißweine und keine besonders aufregenden Süßweine.

Haut Brion Blanc hatte 2006 eine schöne Nase, war am Gaumen aber eher etwas schlank mit kräftiger, unharmonischer Säure – 86/100. Y, der trockene Wein von Yquem, konnte Anfang der 90er mehrfach überzeugen, keine Firne, schöne Frucht und leicht süßliches Bouquet, viel Kraft und beachtlicher Abgang – 90/100. Natürlich ist dieser Wein gewöhnungsbedürftig. Aber die Kombination aus der Nase eines Süßwein mit einem weitgehend trockenen Geschmackserlebnis am Gaumen ist schon faszinierend. 2007 noch mal eine Flasche, die Nase etwas verhaltener, dafür am Gaumen um so kraftvoller und komplexer, hat sicher noch Zukunft – 92/100. Wirkte allerdings 2011 mit süßer Nase und furztrockenem Gaumen etwas verstaubt und vergammelt – 88/100.

Wie Orange-Wein sah 2015 die Farbe des Rabaud-Promis aus, ein absolut stimmiger, perfekt balancierter Sauternes mit verhaltener Süße und Orangen-Bittermarmelade am Gaumen – WT94. Für das eigentlich schwache Sauternesjahr eine echte Überraschung. Ziemlich enttäuscht war ich 1995 von d´Yquem. Mit heller Farbe, viel Säure und wenig Tiefgang entspricht er nicht dem hohen Standard dieses Gutes, aber wohl eher dem Jahrgang – 87/100.

Trotz massiver Unwetter im Juni konnte auch im Burgund eine große Ernte eingefahren werden. Die Roten Burgunder waren früh trinkreif, die Qualität nicht aufregend. Der größte Teil dürfte inzwischen das Zeitliche gesegnet haben, aber es gibt immer noch spannende Ausnahmen.

Ein Aloxe Corton von Besancenot-Mathouillet wirkte 2014 zu Anfang etwas ältlich und moosig, machte sich aber mit Luft, wurde weicher und schmelziger - WT88. Der Latricières Chambertin von Bichot war 2016 ein großer, komplexer Burgunder mit superber Frucht, mit burgundischer Pracht und Fülle, elegant, finessig, mit viel Druck, aber auch feinem süßem Schmelz und sehr guter Länge – WT95. Gefällig und ganz nett, aber nicht sonderlich aufregend ohne viel Tiefgang 2016 der reife, schmeichelnde Pommard 1er Cru von Bouchard – WT90. Ein Chambertin Clos de Bèze von Drouhin-Laroze hatte 1989 eine intensive, leicht süßliche Nase von Waldbeeren, leicht Pilze und war insgesamt sehr harmonisch – 90/100. Ein Beaune 1er Cru von Vollot hatte 1988 wenig Frucht, kräftige Säure, kurzen Abgang – 82/100. Volnay Caillerets von Bouchard hatte 2009 eine offene, fruchtige, süße Nase, war am Gaumen saftig und rund mit guter Säure und trank sich einfach sehr schön – 90/100.

Etwas besser sah es bei Weißen Burgundern aus. Hier wurden einige sehr attraktive Weine erzeugt. Da wird aber inzwischen auch nicht mehr allzu viel trinkbares bei sein.

Ein Corton Charlemagne von Jadot war 1995 sehr kräftig und voll auf dem Punkt – 88/100. Uberhaut keinen Spaß macht dagegen im selben Jahr ein Corton Charlemagne von Louis Latour. Ein Puligny Montrachet Les Pucelles von Moroni entwickelte sich 1994 sehr gut, Fülle, dezente Süße, langer Abgang – 92/100. Voll auf dem Punkt war 1992 auf einer großen Ramonet-Probe der Le Montrachet. Weißwein kann kaum schöner sein – 98/100. Bei einem Bienvenue-Batard-Montrachet von Ramonet waren 2014 Farbe und sonstige Anmutung waren eigentlich noch jung. Und ohne diesen penetranten Fischöl-Geschmack wäre das auch ein toller Wein gewesen, aber Lebertran mochte ich schon früher nicht – WT86. Ein Corton Charlemagne von Leon Violland hatte 2013 eine reife Farbe, nur die intensive Säure verlieh ihm noch Frische – WT86.

Schöne Weine an der Rhone, sowohl im Norden, als auch im Süden. Da lohnt noch die Suche.

Animalisch mit Fleisch, Blut und Leder 2013 die perfekte, leicht gereifte Nase des Côte Rotie von Clusel, am Gaumen stimmig und harmonisch mit erster Süße, aber längst nicht auf dem Niveau der Nase – 90/100. Immer noch gut trinkbar ist La Mouline, nicht zuletzt aufgrund einer kräftigen, tragenden Säure. 1994 war er fein, nachhaltig, mit leicht animalische Note, entwickelte sich gut im Glas, sehr lang am Gaumen – 91/100. Zuletzt habe ich ihn im Dezember 2004 getrunken. Da überzeugte am meisten die klassische La Mouline-Nase, die einen Besuch in einem großen Gewürzladen vorgaukelt, am Gaumen reif, weich, aber auch mit kräftiger Säure 92/100. Keinerlei Alter zeigte 2010 der La Landonne von Guigal, immer noch kraftvoll, rustikal, bissig und pikant mit guter Säure, aber auch schöner Frucht und burgundischer Fülle mit feiner Süße – 93/100. Noch sehr langlebig dürfte Hermitage La Chapelle sein. 1998 auf einer Drawert-Probe zeigte dieser kräftige, gut strukturierte Wein mal gerade erste Zeichen von Trinkreife – 92/100. 2013 aus der Magnum immer noch jung wirkend mit guter, dunkler Frucht, sehr schlank und am Gaumen auf hohem Niveau etwas hohl, aber auch nachhaltig – 90/100. 2016 Ein traumhafter Charmeur und immer noch so frisch, lakritzig, kräuterig, sehr druckvoll mit guter Säure – WT93.

Beaucastel war 1997 zweimal mit heller Farbe burgundisch weich und reif mit wunderschöner Süße, ein sehr eleganter, leckerer Schmeichler – 90/100. Clos des Papes war 2013 reifer Chateauneuf vom Feinsten mit intensiver Erdbeere, kräuterig, viel Lakritz, sehr mineralisch, mit erstaunlicher Kraft und Fülle, sehr lang am Gaumen und Potential für lange Jahre – 94/100. Süß, reif, weich und gefällig 2013 der Marcoux – 90/100.

Grillet hatte 1994 einen Moderton, der sich am Gaumen fortsetzte, harmonisch, aber nicht groß, nicht mehr der Jüngste - 82/100. 1996 dann wirkte in der Nase leicht korkig und roch nach Schweißfüßen, aber das muss wohl so sein. Am Gaumen füllig, aber auch sperrig, nicht mein Wein! 83/100.

Gut gelungen präsentierte sich 2010 Coulée de Serrant, in der floralen Nase ein großer Heuschober, immer stärker Tabak, aber auch ein deutlicher Schwefelton, ein spannender und vielschichtiger Wein, der am Gaumen recht harmonisch wirkte – 90/100.

Ein gutes Jahr im Elsass mit einer sehr großen Ernte. Da müsste sich, insbesondere im edelsüßen Bereich, noch einiges finden lassen.

Schon leicht gezehrt und furztrocken, fast säuerlich, aber nicht ohne Charme 2002 ein Riesling Munchberg von Marcel Deiss – 78/100. Perfekt gereift 1988 ein sehr fülliger Riesling Cuvée St. Catherine von Trimbach – 90/100.

Sehr portig, schokoladig und (zu) alkoholisch 1997 ein Domaine du Mas Blanc Cuvée de la Saint Martin von Dr. Parcé. Solo getrunken mag ich diese Weine nicht besonders, doch gerade in Verbindung mit einem Schokoladendessert können sie eine Offenbarung sein.

Nach einem ziemlich mäßigen Frühjahr und Sommer rettete ein schöner Herbst das Weinjahr noch einigermaßen. Aufregendes wurde nicht erzeugt. Im edelsüßen Bereich sollten sich aber noch ein paar interessante Weine finden lassen.

Bemerkenswert frisch 2012 im D´Vine eine eher schlanke Eitelsbacher Sang Auslese mit feinen Honigtönen und guter Säure – 90/100. Topfrisch 2013 eine Scharzhofberger Spätlese von Egon Müller mit knackiger Säure und viel Zitrusfrucht, baut enorm im Glas aus und wird immer cremiger, die zu Anfang aggressive Säure wird weicher - 90/100. Das Graacher Himmelreich Kabinett JJ Prüm brillierte 2016 mit heller Farbe, frischer Frucht, geradezu unglaublicher Fülle und guter, balancierender Säure – WT93.Eine Wehlener Sonnenuhr Riesling Spätlese von JJ Prüm zeigte 2006 auf der Prüm-Probe ein reifes Goldgelb, wieder deutliche Boytritis, wirkte etwas unsauber in der Nase, muffig, Spuren von Zimt, aber auch pilzig, etwas Gummi. Am Gaumen noch schöne Säure, aber auch etwas hohl mit einem Loch in der Mitte. Die kräftige Säure macht die fehlende Substanz des Weines platt – 85/100. Die Wehlener Sonnenuhr Auslese Goldkapsel von JJ Prüm war 2014 sehr fein, elegant, filigran, in der Anmutung eher halbtrocken, dabei sehr balanciert, eigentlich jetzt ein guter Speisenbegleiter – WT92. Wirkte 2015 noch so frisch, so stimmig und perfekt balanciert mit sehr guter Säure und nur verhaltener Süße, blieb ewig am Gaumen – WT95. 2016 leider auch eine ziemlich müde Flasche. Gute Lagerung ist halt alles.

Die Niederhäuser Hermannshöhle Spätlese halbtrocken von Dönnhoff hatte 2013 eine tiefe, fast güldene Farbe. In der Nase war sie leicht oxidativ und mit Sherrynoten, am Gaumen absolut trocken mit massiver Säure, die sich im Abgang richtig in den Gaumen krallte – 85/100.

Ein Hochheimer Domdechaney Riesling TBA Versteigerungswein Kloster Eberbach von den Staatsweingütern war 1998 ein sehr interessanter, dunkelbrauner Rosinenturbo - 92/100. Ein sehr schöner Aperitif war 2007 eine Erbacher Marcobrunn Spätlese von den Staatsweingütern. Was sicherlich mal vor 20 Jahren ein (zu) süßer Wein war, präsentierte sich jetzt fast völlig trocken. Weitgehend aufgezehrt war die Restsüße dieses in Ehren gereiften Weines, der mit kräftigem Goldgelb ins Glas floss. Durch die markante Säure wirkte er immer noch frisch und kräftig mit leichtem Bitterton im Abgang – 86/100.

Gülden, sehr karamellig, wenig Säure, aber wunderschön, 1997 eine Dalsheimer Hubacker Silvaner TBA von Klaus Keller – 92/100.

Bei einer Forster Ungeheuer BA des Reichsrat von Buhl dominierte 1995 die aggressive, am Gaumen astringierende Säure- 89/100.

Ein Achaia Clauss Mavrodaphne Grande Reserve aus Griechenland war 2009 ziemlich süß mit Toffee und Karamell, rosinig, aber auch oxidativ. Diesen Stil muss man lieben – 89/100.

Etwas schwierig 2015 zu Anfang der Barolo Borgogno Riserva mit einer leicht brettigen, animalischen Nase, am Gaumen Kraft und schöne Süße. Doch der brauchte einfach viel Zeit und Luft. Immer mehr wurde daraus ein sehr feiner, klassischer, lakritziger Barolo mit burgundischen Anklängen – WT91. Costa Russi von Gaja hatte 2008 eine recht helle, aber weitgehend altersfreie Farbe, von der Nase her waren wir da eher auf einer Landwirtschafts-Ausstellung, denn es roch nach Ställen der unterschiedlichsten Gattung. Am Gaumen sehr kräftig und lang, aber auch recht rustikal und mit doch ziemlich prägnanter Säure - 90/100. 2015 trotz heller Farbe kräftig und rustikal im Auftritt mit animalischen Noten und kräftiger Säure – WT90. Der normale Barbaresco von Gaja war 2010 nur noch stichig und anstrengend – 78/100.

Sehr überzeugend 2009 ein Brunello di Montalcino Riserva von Argiano. Animalisch und mit etwas Brett die ausdrucksstarke Nase, immer noch rotbeerige Frucht, Zedernholz und etwas Tabak, am Gaumen kernig und druckvoll, recht komplex mit guter Struktur, noch lange nicht am Ende – 92/100. Immer wieder für Überraschungen ist Sassicaia gut. 1993 auf Willi Krählings Sassicaia-Probe hatte er aus der Magnum eine helle Farbe und hatte den Höhepunkt deutlich überschritten. Drei Jahre später bei den Ungers war dann auch die letzte Freude verschwunden. Doch 2013 wirkte er aus der Magnum zwar gereift, aber immer noch recht vital und erinnerte mit viel Zedernholz an den Gruaud Larose des gleichen Jahres – WT93.

Aus Österreich habe ich 1994 und 1996 eine perfekte, fette Welschriesling TBA (192°) von Triebaumer getrunken, sowohl solo als auch zu Schorns Schokoladenkuchen ein süßer Traum – 97/100. Zuletzt 2012 ein zwar recht fetter, aber dabei auch sehr finessiger, perfekter Aprikosenlikör mit intensiver, durch gute Säure balancierter Süße, mit Fülle, Kraft und Länge, absolut altersfrei - 97/100.

Eigentlich war 1979 kein gutes Spanien-Jahr. Trotzdem gelang ein sehr guter Vega Sicilia Unico. 1995 kräftige, junge Farbe, intensive würzige Nase, dicht, viel Power, spürbare Tannine, Kraft auch im Abgang, aber auch altes Faß, viel Zukunft - 93/100. 2001 auf der großen Unico-Probe aus der Magnum würzig-animalische Nase, dichte, junge Farbe, am Gaumen cremig, aromatisch, viel Kraft, fast in der 74er Liga - 95/100.

Exotisch mutete 2013 der Chateau Musar aus dem Libanon an, wie ein Pinot aus dem vorderen Orient, aufgepeppt mit einer großen Gewürzmischung und reichlich Minze, sehr elegant und finessig mit wunderbarer Länge und Potential für lange Jahre – WT95. 2014 und 2015 burgundisch, weich, hoch aromatisch und mit viel Erdbeere – WT94. 2016 sehr burgundisch, würzig, samtig-elegant, ein feiner Pinot mit der reifen Erdbeere aus Chateauneuf, dabei noch so jung mit gewaltigem Potential – WT96+.

Sehr heterogen auch der Jahrgang in Kalifornien. Da gab es Riesen wie Heitz Martha´s Vineyard ebenso wie Überraschungen und natürlich auch jede Menge Schrott.

Sehr ungenerös mit kräftiger Säure und kurzem Abgang wirkte 1994 ein Beaulieu Reserve George de Latour aus der Magnum – 84/100. 15 Jahre später, 2009 und ebenfalls aus der Magnum immer noch satte, rotbeerige Frucht, Cranberrys, frische Wiesenchampignons, sehr minzig, After Eight, Eukalyptus, ein ungemein charmanter, einfach sexy wirkender Wein, ein klassischer Medoc mit einem Hauch von Exotik, eben ein Kalifornier, wie sie früher gemacht wurden, noch lange nicht am Ende – 93/100. Sehr gut gehalten hat sich der Buena Vista Zinfandel, der sich 2010 noch voll intakt mit guter Struktur präsentierte. Leicht exotisch die frische Frucht, gute Säure, feine Süße, sehr würzig und pfeffrig in der Anmutung und wie die rote Version eines Grünen Veltliners wirkend – 90/100. Sehr überzeugend gleich zweimal 2015 der noch so jugendliche Volcanic Hill von Diamond Creek mit sehr frischer Frucht, einfach sexy wirkend, dabei mit grandioser Struktur, minzig, immer mehr Eukalyptus, sehr mineralisch, genug Rückgrat für Jahrzehnte, ein großer, kalifornischer Klassiker mit viel Zukunft – WT96. Dunn Howell Mountain hatte 2012 eine geradezu verführerische Nase mit Zimt, Nelke und gerösteten Haselnüssen, wirkte am Gaumen aber noch so jung, dicht, zupackend mit immer noch stabilem Tanningerüst, kernig im besten Sinne – 97/100. Heitz Martha´s Vineyard war 2010 nicht der übliche Heitz-Hammer, eher etwas femininer und sehr balanciert, geradezu fein und elegant mit viel Frucht und natürlich Minze satt. Am Gaumen zeigte er sich trotzdem enorm druckvoll und nachhaltig, ohne jedes Zeichen von Alter oder Schwäche, sicher ein Heitz mit noch langer Lebenserwartung – 95/100. 2014 Noch sehr jung mit Power ohne Ende, sehr druckvoll und nachhaltig am Gaumen, Minze und Eukalyptus satt, dazu immer mehr Lakritz in der ausdrucksstarken Nase – WT95. 2015 und auch 2016 wieder aus der Magnum noch so jung, so stramm, dicht und minzig mit Potential ohne Ende – WT96+. Ich bin mir ziemlich sicher, der legt noch weiter zu. Mayacamas war 2002 in Boston wie ein Zwilling des spröden 78ers – 83/100. Chateau Montelena war zuletzt 2012 ein immer noch jung wirkender Wein mit viel Druck am Gaumen und langem Abgang – 94/100. Opus One hatte 2011 eine kräftige, deutlich jünger wirkende Farbe, ledrige Nase, viel Minze, immer noch feine Cassisfrucht, am Gaumen eher etwas schlank mit deutlicher Säure, aber auch mit schöner Süße, keinerlei Zeichen von Alter, dürfte sich in guten Flasche wie dieser noch einige Jahre halten – 91/100. Phelps EiseleVineyard hatte 2009 auf Sylt eine sehr dichte und immer noch jung wirkende Farbe. Dunkle Früchte, viel Minze, sehr kraftvoll und lang am Gaumen, sehr präsent und dabei harmonisch und balanciert – 93/100. Begeistert war ich 1994 von einem Rubicon. Der hatte immer noch eine sehr dichte, junge Farbe, war aromatisch und druckvoll am Gaumen und sehr lang – 94/100. Sehr positiv überrascht hat mich 1994 ein ZD Cabernet Sauvignon, großer Gewürzstrauß und viel Süße, voll auf dem Punkt – 92/100. Ältere ZD´s sind immer eine Suche wert.

Und dann gibt es natürlich auch einige wenige amerikanische Süßweine. Nicht uninteressant 1993 ein Chateau St. Jean Riesling Late Harvest, tiefe, goldbraune Farbe wie alte TBA, dickflüssig, kräftige Säure, schmeckte und roch wie englische Orangenmarmelade – 92/100.

So, wie die klassischen Kalifornischen Rotweine aus der Zeit vor 1990 häufig bessere Bordeaux waren, ähnelten die Chardonnays in der Stilistik Weißen Burgundern und waren recht langlebig. Schon am Limit war 2014 der Almaden Chardonnay, sehr reif, güldene Farbe, feine Minze, Kräuter, am Gaumen etwas Sherry mit karamellisierter Frucht – WT84. Eindrucksvoll demonstrierte das aber 2010 ein Buena Vista Chardonnay. Immer noch frisch war dieser altersfreie Wein mit seiner klaren Frucht, das gut eingebundene Holz noch deutlich spürbar, sehr nussig, schmelzig, wunderbare Fülle, aber mit klaren Konturen, klassische, burgundische Eleganz und Harmonie, keine Spur von Alter, baute mit der Zeit enorm im Glas aus, hat sicher noch Potential für etliche Jahre – 91/100. Ein Bell Canyon Santa Barbara Chardonnay war 2009 ein wunderbar gereifter Wein, immer noch nussig, Karamell, Honigtöne, Wachs, Aprikose, gute Säure und Srutur, hielt sich über Stunden im Glas – 89/100.

Ein gereifter Riesling aus Kalifornien? Eine reife, petrolige Nase bot sich mir 2011, gute Säure, hohe Mineralität, viel Rasse, das konnte nur ein gut gereifter Clos St. Hune aus dem Elsass sein. War es aber nicht, sondern ein 1979 Stony Hill Napa Valley White Riesling. Absolutly stunning! Ein großer Riesling in bester, europäischer Stilistik mit gewaltigem Alterungspotential mit angenehm bescheidenen 12% Alkohol – 94/100.

Und natürlich geht es in Kalifornien noch exotischer. Körper, Kraft und Komplexität hatte das, was da vor mir immer noch schön im Glas perlte, gut gereift aber noch längst nicht alt und mit einer faszinierenden Bitternote im langen Abgang. Für mich eindeutig ein hochklassiger, nicht mehr ganz taufrischer Champagner – nur stammte er halt aus einer Gegend, in der man diese Bezeichnung nicht mehr verwenden darf. Ein Schramsberg Reserve aus der Magnum war dieses köstliche Elixier – 94/100. Alte Schramsbergs sind zurecht sehr gesucht. Ich suche ab sofort mit.

Penfolds Grange war auf Grund des untypisch feuchtwarmen Wetters ein Schnellentwickler, dem die klassische Grange-Struktur fehlte. Auf der Grange-Probe in Lehrbach brachte er erst Schoko ohne Ende, baut dann ab und wurde eher etwas medizinal – 92/100. Zuletzt 2007 passte dann die Farbeperfekt zur Aromatik, Teer ohne Ende. Dazu animalische und medizinale Töne und auch noch etwas Brombeere. Sehr schwierig dieser Wein, nicht nur wegen der mit Teer panierten Brombeeren. Trotz der dichten Farbe meine ich, dass das ein Grange ist, der seine besten Tage lange hinter sich hat und droht, langsam zu zerfallen – 87/100. „this wine has bottle ageing capabilities until early 1984“ stand auf dem Rückenetikett des Hunter Valley Riesling der Wyndham Estates aus Australien. Sehr gewöhnungsbedürftig erst die Nase, medizinale Töne, Phenol. Erstaunlich fruchtig der Gaumen mit guter Säure und etwas Honig. Mit der Zeit besserte sich auch die Nase, bekam den Petrolton reiferer Rieslinge, wurde floral und zeigte auch reife Aprikose. Am Gaumen kam ein sehr deutlicher Litschi-Ton, dazu etwas Schwarztee, als Riesling wurde der Wein immer stärker erkennbar und trank sich durchaus noch gut – 85/100.

Südafrika? Oude Libertas Cabernet Sauvignon von der Stellenbosch Farmers Winery. „Sturdy“ soll dieser Wein laut Etikett damals gewesen sein, was man mit robust und kräftig übersetzen kann. Jetzt, 2010, nach immerhin gut 30 Jahren, präsentierte er sich perfekt gereift ohne jeden Anflug von Senilität. Blind hätte ich diesen Wein nach Bordeaux ans Linke Ufer gesteckt, also nach Medoc oder ins Pessac. Reif, weich, aber sehr aromatisch, rauchig, mineralisch, immer noch mit pikanter, rotbeeriger Frucht und mit feinem Schmelz – 87/100. Leider komplett hin mit schon deutlich ausgefällter Farbe war 2013 ein Nederburg Paarl Cabernet Sauvignon Superior aus Südafrika.

Gutes Champagner-Jahr.

Was für eine Nase 2015 bei der Legende Clos du Mesnil, was für eine Frische! Der wirkt noch so jung mit wunderbarer Frucht mit unglaublichem Tiefgang und gewaltiger Substanz für eine noch deutliche Entwicklung. Ja, da besteht nicht nur keine Eile. Wer den hat, lässt ihn noch einige Jahre liegen. Da kommt noch deutlich mehr – WT97+. Dom Ruinart Blanc des Blancs hatte 1996 auf einer Drawert-Probe eine helle Farbe, noch intensives Mousseux, war cremig und jung – 88/100. Ein Henriot Reserve de Philippe Rothschild wirkte 2009 bei Jörg Müller auf Sylt immer noch erstaunlich jung mit jugendlichem Mousseux, pikanter Frucht und hoher Säure, aber auch nachhaltig mit satter Brotkruste – 91/100. Viermal durfte ich bisher zwischen Silvester 89 und Weihnachten 2001 Krug trinken, ein sehr aromatischer, kräftiger Champagner, dem ich noch etliche Jahre gab – 94/100. 2013 noch so unglaublich jung 1979 mit geradezu jugendlichem Mouseux, Krug pur, sehr komplex, traumhafter Schmelz, Länge, locker WT96. Großartig Ostern 2012 bei Jörg Müller eine Magnum Legras Blanc de Blancs, noch so jung, so komplex, Champagne vom Feinsten - 95/100. Enttäuschend Weihnachten 1993 eine Perriet Jouet Belle Epoque Rosé Magnum mit unangenehmen Lack- und Petroltönen. Das kann allerdings auch, da es sich um ein Geschenk handelte, ein Flaschenfehler gewesen sein. Champagner reagiert viel rascher und heftiger als alle anderen Weine auf nicht optimale Lagerung. Größte Vorsicht ist deshalb beim Kauf älterer Champagner geboten. Wenn es z.B. bei Ebay heißt „altersbedingt guter Zustand“, bedeutet das gar nichts. Ich kaufe alte Champagner nur, wenn ich sicher bin, dass sie nur in einem einzigen, kalten Keller gelegen haben. Auch ein Perriet Jouet Belle Epoque hätte 2015 eigentlich deutlich besser sein müssen. Da war diese tiefe Orangenfarbe und leichte, oxidative Noten. Nur dieses deutliche Kribbeln am Gaumen, das von früherem Mousseux erzählte, machte deutlich, dass es sich hier eher um einen älteren Champagner handeln musste. Orangenzesten in der Nase, Kramell und etwas überlagertes Brioche, am Gaumen unspannend und säuerlich. Mit Luft bäumte er sich noch mal etwas auf, meine Noten stiegen von WT83 auf WT87, aber die Enttäuschung blieb. Der Pommery Brut Millesimé zeigte 2016 nur in der tief goldenen Farbe Reife und war ansonsten noch so vital mit gutem Mousseux, spannender Nase und sehr aromatischem Gaumen, reife Aprikose, Nougat, Toffee, Walnuss, Brioche und eine feine Bitternote im Abgang, wirkte mit guter Säure noch so frisch und animierend – WT93. Nicht die allerbeste Flasche war 2016 leider der sonst so großartige Roederer Cristal, der hier sehr reif und auf hohem Niveau schon etwas müde wirkte – WT92.

Vintage Ports wurden in diesem Jahr nicht erzeugt, wohl aber ein paar ganz brauchbare LBV´s.

Eine lohnende Alternative war 2010 der Pedro Ximenez Gran Reserva, schokoladig, viel Karamell, feiner, süßer Schmelz, geschmacklich eher Port als Sherry – 92/100.

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