1982

Eigentlich war 1982 kein besonders großes Weinjahr, mit einer Ausnahme: Bordeaux. Hier passte einfach alles. Die Natur schenkte den Winzern perfektes Rebmaterial in großer Menge. Diese arbeiteten nicht nur im Weinberg, sondern auch im Keller unter dem Einfluß des legendären Professor Peynaud deutlich verantwortungs- und qualitätsbewusster. So entstand ein Bordeaux-Jahrgang, der zu den ganz großen des letzten Jahrhunderts gehörte. Zu Anfang wurde die Qualität des Jahrgangs oft verkannt. Die Weine waren üppig, fruchtig, sehr extraktreich und besaßen eine gute Tanninstruktur. Ich erinnere mich noch gut an meine erste Zeit als Weintrinker Mitte der 80er, als mir viele sogenannte Experten weismachen wollten, 83 sei der deutlich größere Jahrgang. Den 82ern gab man damals aufgrund ihrer frühen Zugänglichkeit wenig Alterungspotential. Inzwischen hat sich gezeigt, was Robert Parker als einer der wenigen schon sehr frühzeitig erkannt und verkündet hatte. Die 1982er sind große Weine mit beachtlichem Alterungspotential. Kaufen kann man sie immer noch. Allerdings sind die 82er nicht mehr billig.

Ziemlich dünn mit viel Holz, sperrigem Resttannin und wenig Frucht 2009 aus der Magnum ein Le Bosqc – 85/100. Hatte 2012 eine schöne Nase, aber einfach strukturiert, herb und langweilig am Gaumen – 82/100. Calon Ségur, von dem ich in den 90ern mehrfach sehr enttäuscht war, hat mich zum ersten Mal 1999 überzeugt, dichte Farbe mit deutlichem Orangenrand, am Gaumen Kraft, etwas rustikal wirkend, aber auch erstaunlich generös, sehr schön - 92/100. Ein klassischer Bordeaux alter Machart. 2007 auf der großen St. Estephe-Probe auf dem Punkt, immer noch eine recht dichte Farbe, ein recht komplexer, gut strukturierter Wein mit viel Minze, dem ein Hauch von Eukalyptus eine leicht exotische Note verlieh – 94/100. 2012 war hier der Knoten geplatzt, immer noch jung mit dichter, altersfreier Farbe, viel offener, fruchtiger, süßer, aromatischer, großes Kino – 97/100. Weitere Flaschen 2013 und 2014 auf diesem Niveau. Faszinierend war Cos d´Estournel Ende der 80er in seiner Fruchtphase. Danach verschloss er sich und gab nur noch Rätsel auf, zumal er in der Farbe deutlich alterte und zunehmend Brauntöne zeigte. So war er auch eine der großen Enttäuschungen der 82er Probe 1999. Doch inzwischen öffnet er sich zunehmend wieder. Mehrere Flaschen 2003 und 2004 zeigten einen in der Farbe vollreifen, am Gaumen aber sehr kräftigen, überzeugenden Wein, der sicher wieder in der ersten Liga mitspielt und 96/10 wert ist. 2005 auf der Cos-Probe bei Mövenpick absoluter Traumstoff. Überreife, spanisch anmutende, rosinige Frucht und dabei so komplex mit irrer Länge. Durch die immer deutlicher werdenden Kaffee- und Espresso-Töne wirkte er wie ein großer, gereifter 28er – 98/100. Ganz klar der Wein des Abends, was da übrigens aus den Beständen des Chateau präsentiert wurde. Nur stellte sich angesichts der Reife des 82ers schon die Frage, ob die eventuell gar keinen Keller haben und die Weine auf dem Speicher lagern. Ganz anders zwei perfekte Magnum aus sehr gutem Keller im Januar und im März 2006. Die hatten nicht nur eine sehr junge Farbe, sogar noch mit violetten Reflexen. Die war auch insgesamt noch so jung, dicht, terroirbetont, sehr lang am Gaumen und wirkten noch verschlossen – 95+/100. Dann wieder im Herbst 2006 auf der großen Cos-Probe eine Flasche, die zu denken gab, die war so offen und üppig mit pflaumiger Frucht, wirkte auch verdammt weit und reif, dabei fehlte ihr die Komplexität und Struktur, die ich sonst bei diesem Wein kenne – 92/100. Da musste ich dann gleich nach der Probe in meinen Keller und nachverkosten, hier hatte ich dann wieder einen zwar reifen, aber sehr komplexen Bordeaux mit 96/100 im Glas. 2007 auf der großen St. Estephe-Probe in Linz wieder sehr verhalten und deutlich unter seinen Möglichkeiten – 93+/100. 2008, rustikal und mit etwas staubiger Anmutung kam er aus dieser bestens gelagerten Flasche ins Glas. Herbe Enttäuschung war die erste Reaktion. Wer diesen Wein nicht dekantiert, oder ihm nicht genügend Luft gibt, wird anschließend protestieren, bei seinem Händler reklamieren oder den Cos vielleicht auch gleich entsorgen. Wir ließen ihn einfach etwas stehen und warteten auf das Wunder, das sich nach einiger Zeit tatsächlich einstellte. Ein völlig anderer Wein war da plötzlich im Glas, baute gewaltig aus, wurde exotisch, kalifornisch, riesengroß – 96/100. Bestätigte sich 2010. 2012 dann erst eine sehr schöne, aber weich, reif und harmlos wirkende halbe Flasche - 93/100. Auf René Gabriels 82*82 eine fantastische, offene Nase, ledrig, mineralisch, aber auch mit Nougat und einem Touch Exotik, viel Druck am Gaumen und dezente Süße, der Cos ist wieder auf dem richtigen Weg, da kommt noch mehr – 96+/100. Und dann 2012 noch eine Flasche mit geradezu explosiver Aromatik – WT98. 2013 bei Elke Drescher ein dekadenter Riese, kräftig, lang mit explosiver, von Kaffee und Mokka geprägter Aromatik – WT97. Auch 2015 bei Jörg Müller 2mal auf diesem Niveau – WT97. 2016 enormer Druck und Power – WT97. Haut Marbuzet war 1994 in einer Raritätenprobe der Star eines großen 82er Flights. Auch1999 auf einer großen 82er Probe spielte der inzwischen perfekt gereifte Wein mit seiner feinen Süße vorne mit – 94/100. Recht gut gelungen ist auch Meyney, von dem ich Anfang der Neunziger etliche halbe Flaschen auf 88-89/100 Niveau genossen habe. Eine übriggebliebene Flasche hatte 1998 einen muffigen Fehlton, aber das war wohl ein Flaschenproblem. Meyney kann sehr langlebig sein, sollte also noch Potential haben. Erstaunlich schön trinkt sich derzeit Montrose, der in den ersten 15 Jahren wie so häufig tanninlastig, ruppig und unnahbar war. 2000 in der Schweiz weich, leicht animalisch, aber wunderschön – 95/100. Auch 2004 auf einer Best Bottle wieder sehr reif, weich und zugänglich mit einer schönen Aromatik - 94/100. 2007 wieder erstaunlich zugänglich und für das Gut geradezu zahm, ansprechende, aromatische Nase mit Lakritz und Jod, am Gaumen sehr fein, elegant und schmeichlerisch – 90/100. Auch 2010 offen mit staubiger Süße – 88/100. 2012 schlank, kompakt, gute Säure, aber sang nicht – 87/100. Aber 2014 bei Jörg Müller wieder offen und sehr schön – WT93. Mehrfach habe ich Mitte der Neunziger De Pez getrunken, einen recht angenehmen, fruchtigen, runden Wein – 84-86/100. Mit der wunderbar generösen, süßen Nase und dem ebenfalls süßen, gefälligen Gaumen machte Phélan Ségur 2012 einfach viel Trinkspaß – 91/100.

Erstaunlich schön 2012 der reife Batailley, samtige, weiche Eleganz, minzig, süß und sehr nachhaltig am Gaumen – 92/100. Clerc Milon hatte 2012 eine immer noch dichte, junge und vielversprechende Farbe, aber irgendwo sprang hier der Funke nicht rüber, wirkte etwas nichtssagend – 87/100. Sehr gelungen in 1982 ist Duhart Milon. Dieser kräftige, gut strukturierte Pauillac mit seinem strammen Tanningerüst hat lange bis zur richtigen Entfaltung gebraucht. Entsprechend enttäuscht war ich bei meinen ersten Begegnungen mit diesem Wein Ende der 80er/Anfang der Neunziger. Eine perfekt gereifte 1tel dann 1999 mit schöner Johannisbeer- und Kirschfrucht bei immer noch präsenten Tanninen – 92/100. Auf ähnlichem Niveau 2000 eine Magnum. Ein immer noch preiswert zu findender Wein mit sicher noch 10 Jahren Potential. Über sich hinaus wuchs 2012 der Grand Puy Ducasse, bei dem die Doppelmagnum aus einem Grenzanbieter einen immer noch wunderschön zu trinkenden Wein machte – 92/100. Würde ich mich in der 1tel nicht mehr dran trauen. Die große Klasse des Jahrgangs und das Alterungspotential der besseren Weine zeigt eindrucksvoll Grand Puy Lacoste. Gut zwei Dutzend Mal habe ich diesen wunderbaren Wein in den letzten 10 Jahren trinken dürfen und ihn dabei konstant mit 95-96/100 bewertet. Bei aller Offenheit und Zugänglichkeit besitzt der GPL, wie ihn seine Fans nennen, trotz geringer Säure ein strammes Gerüst sehr reifer Tannine, die ihn in vernünftiger Lagerung sicher noch gut 15 Jahre altern lassen. Das ist Cabernet und Pauillac vom Allerfeinsten mit wunderbarer Johannisbeer- und Blaubeerfrucht, unnachahmlicher Eleganz und toller Länge am Gaumen. Auch preislich ist der chronisch unterschätzte GPL immer noch interessant. Im Frühjahr 2005 wieder erstaunlich jung mit rauchiger, fruchtiger Nase, reifer Johannisbeere, am Gaumen der perfekte Spagat zwischen seidiger Eleganz und Kraft, ein Wein zum Kauen mit dezenter Süße und unendlichem Abgang – 96/100. Dann gleich mehrfach Ende 2005 und Anfang 2006, immer mindestens auf 95/100-Niveau. 2009 in Bremen dann eine hocherotische Magnum,zeitlos schön mit rauchiger, fruchtiger Nase, reifer Johannisbeere, sehr druckvolle, trüffelige Aromatik, am Gaumen der perfekte Spagat zwischen seidiger Eleganz und Kraft, ein Wein zum Kauen mit dezenter Süße und unendlichem Abgang – 96/100. 2007 auf einer Braui Best Bottle wieder reifer Pauillac in Vollendung mit schöner Frucht und druckvoller Aromatik – 95/100. 2009 und 2010 mehrfach einfach zeitlos schön mit rauchiger, fruchtiger Nase, reifer Johannisbeere, mit sehr druckvoller, trüffeliger Aromatik und unendlicher Eleganz, dabei immer noch so kraftvoll und jugendlich wirkend, einer dieser unglaublichen 82er, deren Trinkfenster früh auf ging, und zumindest in diesem Falle erst in ferner Zukunft zugehen wird – 96/100. 2012 aus der Magnum immer noch so jung, herrlicher, süße, rotbeerige Frucht, hohe Mineralität, Trüffel, Leder, Zedermholz, hoch elegant und doch so kraftvoll, so lang. Ein absolut stimmiger, harmonischer, großer Pauillac und einer der Preis-/Leistungssieger des Jahrgangs – 96/100. 2013 unglaublich jung mit tiefdunkler Farbe und viel Kraft und mit herrlicher Frucht, trüffeligen Noten, Zedernholz, Bitterschokolade, mit Eleganz und großartiger Länge - WT96. Und so auch 2015 wieder aus der 1tel und einer perfekten Magnum, und 2016 noch mal, will der nie altern? – WT96. Erstaunlich weich und generös 2012 der Haut Bages Averous aus der Magnum – 90/100. Simpel und uninspirierend 2012 der 1982 Haut Bages Libéral aus der Magnum – 86/100. Bald getrunken werden sollte Haut-Batailley, ein kräftiger, reifer, solider Pauillac mit viel Tiefgang, seit 1995 6mal getrunken und konstant mit 90-91/100 bewertet. Lafite Rothschild ist hoch bewertet und sehr gesucht. Ich kann mich mit diesem Wein trotzdem nicht anfreunden. Bei meiner ersten Flasche 1996 hatte ich bereits Zweifel, dass der mal richtig groß wird, dicker, massiver Stoff trotz nicht allzu dichter Farbe, unnahbar, Tannine kräftig aber nicht bissig – 90/100. Nach weiteren Enttäuschungen dann 1999 in der 82er Probe erstaunlich offen mit schöner Frucht, die die massiven Tannine maskiert, ein erfreuliches Zwischenhoch – 95/100. 2004 wieder dicht, kräftig aber Lafitig-sperrig bezweifle immer mehr, daß der jemals wirklich groß wird – 91/100. Völlig nichtssagend und praktisch geschmacksneutral zuletzt 2008 in Warendorf. Warten mag helfen, aber ein ernst zunehmender Konkurrent für Latour und Mouton wird das nie. Im Herbst 2008 in einer Best Bottle bei und mit René Gabriel ein feiner, klassischer Lafite alter Machart aus der Zeit, als dieses Gut noch keinen Konzentrator einsetzte. Kommt verschlossen ins Glas, öffnet sich aber rasch, elegant mit viel Zedernholz, aber auch trockenen Tanninen, delikat, finessig – 93/100. Die große Überraschung dann 2011 auf René Gabriels großer Lafite-Probe, jetzt stand da vor mir ein völlig anderer, geradezu erotischer Wein mit erstaunlich offener, süßer Nase und herrlicher Frucht. Klar, am Gaumen war da neben der großen Zedernholzoper noch ein mächtiges Tanningerüst, aber auch hier erste Zeichen von Öffnung und unter den Tanninen lugt immer stärker die Frucht hervor – 96/100. Grund zur Hoffnung also. Zeigte sich 2012 mit geradezu betörender, warm-würziger Nase mit süßer Frucht, selbst am immer noch von mächtigen Tanninen dominierten Gaumen wurden die Umrisse eines eleganten, absolut stimmigen, großen Lafites spürbar – 96+/100. So auch 2014 – WT96+. 2015 aus der Magnum Ein großer, klassischer Lafite, bei allem Druck eher auf der feinen, eleganten Seite mit perfekter Struktur und guter Mineralität, mit herrlicher Frucht und erster, feiner Süße. Ganz klar ein Wein auf dem Weg zur Perfektion und mit Potential für viele Jahrzehnte – WT98+. Zu den größten Weinen des Jahrgangs gehört Latour. Zum ersten Mal habe ich diesen Wein 1987 aus einer 24 Stunden vorher dekantierten Magnum getrunken. Für mich als damals noch ziemlich unerfahrenen Weintrinker war das eine völlig neue Dimension, die mich sprachlos machte. Klar, dass ich dieses großartige Erlebnis wiederholen wollte, doch bis Mitte der Neunziger zeigte sich der 82er Latour doch sehr verschlossen. 1997 in Hannover dann Powerfarbe, edelrustikal, Bitterschokolade, Röstaromen, dick, unglaubliche Kraft, habe blind auf Leo 82 getippt (wegen Farbe und Dicke), zeigte im Abgang viel Kraft und noch maskierte Süße -98/100. Danach mehrere Flaschen auf ähnlichem Niveau. 2001 auf einer CeBit Best Bottle rabenschwarz, ganz dichte Cabernetfrucht, öffnet sich schon ganz zögerlich, braucht aber zur vollen Entfaltung sicher noch 10+ Jahre, so schmecken 100 Punkte! 2001 riesengroß aber chancenlos gegen Mouton. 2003 in einer Probe erstaunlich trinkreif, aber mit irrem Druck am Gaumen, langer Abgang und immer noch massive Tannine - 98/100. 2004 dann erst eine noch verdammt junge halbe Flasche und anschließend im Sommer 2004 mein bisher faszinierendstes Latour-Erlebnis. Einen Abend lang 82 gegen 70 Latour getrunken. Das ging immer hin und her. Mal lag der etwas druckvollere 70er vorne, mal der etwas fruchtigere 82er. Zum Schluß gab es einen knappen Sieg auf der Ziellinie für 70 Latour, aber für beide Weine auf deutlichem 100 Punkte Niveau. Im Sommer 2005 konnte ich beide Weine noch einmal in einer Probe vergleichen. Da lag der 70er für mich deutlich vorne. 1982 ist je nach bisheriger Lagerung einfach noch zu jung, hat aber enormes Potential und kann sich bis über das Jahr 2050 hinaus entwickeln. 2009 irre Nase mit der kompletten Palette der Medoc –Aromen, von der reifen Johannisbeer- und Brombeerfrucht über Leder, Tabak, Zedernholz, Lakritz, Teer bis hin zur bei großen Latours immer sehr prägnanten, leicht bitteren Walnuss, sehr komplex, vielschichtig und einfach faszinierend. Am Gaumen immer noch mächtige Tannine, die guten Flaschen sicher noch 30+ Jahre Entwicklung garantieren. Dazu eine ungeheure, aromatische Dichte, da ist jetzt nicht der Gaumen als Aromen-sezierendes Messinstrument gefragt, hier sind angesichts eines solchen Monuments eher so etwas wie Andacht und Demut angesagt, oder einfach nur ein schieres Glücksgefühl, großartiger Wein mit endlosem Abgang – 100/100. Perfekt auch 2010. Auf René Gabriels 82*82 2012 aus der Magnum tiefe, undurchdringliche Farbe, Traumnase mit perfekter Frucht, mit Leder, Tabak, Teer, Trüffeln, Zedernholz, Lakritz und der für Latour so typischen, leicht bitteren Walnuss, sehr komplex, vielschichtig und immer neue Facetten zeigend, am Gaumen geradezu explosive, druckvolle Aromatik und ewige Länge, fraglos ein Jahrhundertwein – 100/100. Und 2014 noch 2mal auf diesem unglaublichen Niveau. Aber 2015 auch einen Flasche mit Kraft und Länge ohne Ende, aber auch noch sehr verschlossen – WT95+. 2016 aus der Magnum die jüngere Variante des 70ers. Ein blutjunges Monument, das mit dieser irren Dichte einen derartigen Druck erzeugte. Latour mag anders gehen, aber sicher nicht besser – WT100. Für Latour-Fans mit begrenztem Budget ist der Les Forts de Latour immer eine gute Wahl, insbesondere aus so einem Klasse-Jahr wie 1982. Von Machart und Aromatik her ist 82 Les Forts mit dem Grand Vin vergleichbar, nur nicht ganz so druckvoll und früher reifend. Und bei diesem Wein weiß ich sicher, wovon ich rede. Ich habe 1990 zum guten Kurs von unter € 30 insgesamt 60 Flaschen gekauft, die ich über die Jahre bis auf einen kümmerlichen Rest von 3 Flaschen geleert habe. Zu den 57 eigenen Trinkerlebnissen kommen noch mal ein gutes Dutzend Flaschen, die ich bei Freunden und in Proben trinken durften. Nur bei letzteren waren auch mal ein paar Ausreißer in Form sehr weit entwickelter Heizungskeller-Flaschen dabei, auch eine eigentümliche Flasche mit rotem Jahrgangsaufdruck. Ansonsten habe ich diesen bösen Stoff stets mit 93-96/100 bewertet. Die letzten 3, 2004 und 2005 getrunkenen Flaschen lagen auf einem Niveau, die perfekte Nase eines großen, reifen Latour, am Gaumen druckvoll, finessig, jetzt einfach perfekt - 96/100. Eine sehr schöne Flasche 2006 in einer Best Bottle, wieder mit den klassischen Aromen eines reifen Latour und toller Länge am Gaumen – 94/100. Präsentierte sich 2012 schlicht und einfach als großer, perfekt gereifter Latour, in der Aromatik ein perfekter Zwilling des Grand Vin – 95/100. Und in einer zweiten Flasche kurz danach auf WT-96 Niveau. Mitte der 90er hatte ich bei Lynch Bages das Gefühl, dass dieser sonst so leckere, hedonistische Tropfen sich langsam verabschiedete. Doch er durchlief nur eine schwierige Phase, aus der er noch grandioser auftauchte. Mit seiner üppigen, beerigen Frucht, der niedrigen Säure und den reifen Tanninen mach der Lynch Bages jetzt und sicher bis 2010 unglaublichen Spaß. Ich habe die letzten Flaschen alle konstant mit 95/100 bewertet. Irritiert hat mich nur 2mal 2003 die intensive Stinkernase, die wohl von Brettanomyces herrührt, mit der Zeit aber verflog. Manche Leute halten das ja für Terroir und finden diesen „Duft“ ganz toll. Ich kann das nicht nachvollziehen und mag es nicht, wenn der Wein so riecht, als ob mir jemand ins Glas gesch.... hat. 2008 zeigte er sich aus einer perfekten Magnum noch recht jugendlich und wirkte zu Anfang ziemlich kompakt und verhalten. Unglaublich aber, wie dieser dichte, komplexe, große Wein dann im Glas Gas ab und ausbaute. Was diesem Wein derzeit noch im Vergleich zu 53 und 55 an Generosität fehlte, machte er mit Power wett. Aus den anfänglichen 93+100 wurden bis zum letzten Tropfen dann 96/100. So auch mehrfach 2011, wie eine jugendliche Variante des 89ers – 96/100. In 2012 mehrfach reifer, weicher, schmelziger – WT96. Zeigte sich 2014 als hedonistischer, schmelziger Traum, aber auch immer noch mit gewaltiger Struktur und viel Kraft, hat noch eine lange Zukunft – WT96. 2017 so jung, so druckvoll, Pauillac vom Feinsten mit Leder, Tabak und Zedernholz, mit so wundervoller Frucht und vor allem mit einfach göttlichem Schmelz – WT98. Etwas anstrengend wirkte 2012 der Mouton Baronne Philippe, der wohl über den Zenit hinaus war – 88/100.

Viel diskutiert wird Mouton Rothschild. Ist das wirklich ein 100-Punkte-Wein, ab wann ist er trinkbar, oder hat er eventuell seine Zukunft schon hinter sich? Raoul Blondin, Mouton´s legendärer Kellermeister, soll damals gesagt haben, dass der 82er Mouton aus dem Fass sehr ähnlich dem 45er war. Ich habe den 82er seit 1991 gut 20mal trinken dürfen. Fast immer überzeugte der Mouton trotz aller Verschlossenheit durch seine unglaubliche Kraft und Länge, die seine spätere Größe schon gut erahnen ließen, so bei meinen beiden ersten Flaschen 1991. In Willi Krählings großer Mouton-Probe 1994 verwechselte ich ihn aufgrund seiner dichten Farbe und Kraft mit 1986. Eine merkwürdige Flasche 1997 in Hannover in Stern ´s Restaurant, dichte Farbe mit ersten, dezenten Orangentönen, noch sehr verschlossene Nase, am Gaumen ist das erste Drittel enttäuschend, das 2. Toll, das 3. Grandios, der Abgang sensationell – 96/100. 1999 auf einer großen Mouton-Probe erst relativ kurz vorher aufgemacht und dementsprechend enttäuschend . Einen Tag später auf einer großen 82er Probe, fast 10 Stunden vorher dekantiert, entwickelte sich ganz toll im Glas mit den klassischen Aromen von Bleistift und Sattelleder, so toll hatte ich ihn noch nie getrunken - 98/100. Aber es ging noch besser. Zweimal konnte ich in 2001 die 100 Punkte vergeben. Beide Flaschen stammten aus relativ warmer, aber ansonsten perfekter Lagerung. Bei einer dieser Flaschen hatte ich dazu noch das Glück, das die Probe in einem kleinen Kreis stattfand, bei der sich zudem noch die Teilnehmer sehr zurückhielten, sodass für mich gut eine halbe Flasche überblieb. Und das von einem 82er Mouton, der sich nicht nur als superdichtes Konzentrat mit intensiver Frucht präsentierte, sondern auch immer mehr Richtung 45er ging, etwas Eukalyptus, exotisch, üppig, riesengroß – 100/100. Eine weitere Flasche in 2001 aus meinem kalten Keller wiederum zeigte viel Potential, aber noch nicht viel Vergnügen. Ähnlich ging es mir 2003 in Boston im Troquet. Eine mal gerade eine halbe Stunde geöffnete Flasche des Nachbartisches entpuppte sich als völlig zugenagelt. Viermal hatte ich dann in 2004 das Vergnügen. Eine sehr schöne 1tel zu Jahresanfang, die sich wieder nahe bei der Höchstnote bewegte, im März 2004 auf 2 Proben jeweils eine Magnum. Die erste grandios mit irrem Potential, aber sicher noch 10 Jahre zu jung. Die Zweite auf der großen Mouton-Probe auf der Stromburg zwar relativ offen, aber weniger überzeugend. Zum Jahresende noch mal eine großartige 1tel, die selbst nach einem 70er Lafleur noch zu überzeugen wusste. 2008 ein gewaltiges, verschlossenes Monstrum mit Tannin ohne Ende. Immerhin war da auch eine gewisse Fülle und viel Cassis, und dazu die wohl nicht ganz unberechtigte Hoffnung, dass hier noch deutlich mehr kommt – 92++/100. 2010 auf Sylt noch etwas verhalten und verschlossen wirkend – 96+/100. 2012 ein gewaltiges Konzentrat, Cassis pur, Minze, Bitterschokolade und ein erster Hauch Eukalyptus – WT97+. 2013 ein noch blujunger Wein aus meinem Eiskeller – WT96+. Etwas weiter auf der Mouton Vertikale im Balm, noch längst nicht alles zeigend, sehr dicht, kraftvoll mit viel Minze und Eukalyptus, aber auf extrem hohem Niveau leicht defensiv – WT98+. Perfektion im Sommer 2013 auf Sylt – WT100. Ende 2013 aus der Magnum ein zwar noch irre junges, aber überwältigendes Konzentrat – WT100. 2014 ein so überwältigendes, perfekt strukturiertes Konzentrat, dicht, kraftvoll, Cassis pur, aber auch viel Minze und ein erster Hauch Eukalyptus, da geht nur eine Wertung – WT100. 2015 noch so eine unglaubliche Kraft, so einen irren Druck am Gaumen, aber zur weiteren Entfaltung hätte ihm ein langes Bad in einer großen Karaffe gefehlt – WT96+. Eine weitere Flasche Ende 2015, rechtzeitig dekantiert, zeigte, natürlich dramatisch jünger, eine unglaubliche Verwandtschaft und Ähnlichkeit mit dem 45er. Ein perfekter, sehr minziger Traummouton, den unsere Nachfahren in 20-30 Jahren so zelebrieren werden wie wir heute den 45er. Das ist heute ein so überwältigendes, perfekt strukturiertes Konzentrat, dicht, kraftvoll, Cassis pur, aber auch viel Minze und ein erster Hauch Eukalyptus, da geht auch heute "schon" nur eine Wertung – WT100. Zeigte 2016 aus der Magnum immer noch jugendliche Röstaromen, viel Cassis, Minze, der ersten Hauch Eukalyptus, viel Sattelleder und die berühmte Bleistift-Mineralität – WT100.

Das Fazit: Mouton 82 ist ein Jahrhundertwein, der sich bei guter Lagerung jetzt so langsam offenbart. Kaufen würde ich ihn heute nur noch aus sehr seriöser Quelle mit nachgewiesener, vernünftiger Lagerung. Mouton 82 ist nicht nur inzwischen aufgrund des hohen Preises auf den Radarschirmen der Weinfälscher aufgetaucht. Er macht auch als echter, aber vielfach herumgereichter Trophäenwein keinen Spaß.

Immer im Schatten der großen Comtesse stand Pichon Baron de Longueville. Ich habe diesen Wein bisher nur zweimal getrunken. 2001 in einer Probe war ich überrascht von seiner Qualität. Er war zwar nur zweiter Sieger in einem Flight gegen 82 Gruaud, aber auf was für einem Niveau! Weniger gut zuletzt im Frühjahr 2005, wirkte eckig, rustikal mit Paprikanase, anstrengend am Gaumen mit immer noch massiven Tanninen – 91/100. Zuletzt 2007, klar, da sind immer noch die massiven, etwas staubigen Tannine, die mich etwas an 82 Lafite erinnern, aber da ist auch sehr viel Substanz und eine Superfarbe. Im Schneckentempo schält sich dieser unterbewertete Langstreckenläufer aus seiner harten Schale. Aber wir hatten an diesem Abend immerhin schon gute 92/100 im Glas. Mich würde es nicht wundern, wenn da in 10 Jahren 94-95/100 draus werden. Damit wären wir bei einem meiner Lieblingsweine, der Pichon Comtesse de Lalande. Dabei war ich ganz zu Anfang gar kein so euphorischer Comtesse-Fan. 1989 auf einer Comtesse-Blindprobe notierte ich: weich, zugänglich, kräftig und schön im Abgang, Säurearmut der 82er deutlich spürbar, sein Geld nicht wert – 89/100. Doch weitere Flaschen in den Jahren danach haben mich dann schnell eines Besseren belehrt. Sicherlich deutlich über 50mal habe ich die 82er Comtesse inzwischen getrunken. Dieser süchtig-machende Wein hat keine Ecken und Kanten. Eine perfekte Symmetrie, Eleganz pur, ist einfach ein geiler Stoff, bei dem die Flasche stets zu klein und das Glas immer zu leer ist. Natürlich gab es auch Ausfälle. Von meiner großen, frühzeitig erworbenen Batterie halber Flaschen zeigte nur gut die Hälfte das Niveau der 1tel. Auch bin ich leider häufiger in Proben und Restaurants über die Version mit der „dünnen Jahreszahl“ gestolpert. Von der kann man nur dringend abraten. Das ist nur ein Schatten der richtigen Comtesse. Mehr dazu und ein Vergleich im Artikel über die erste 2005er Best Bottle. Alle seit 2000 getrunkenen, „richtigen“ 1tel und Magnums – und das waren reichlich – habe ich durchgängig mit 99-100/100 bewertet, zuletzt im Juni 2005. Natürlich ist der seidige Stil der Comtesse nicht jedermanns Sache. Diese unendliche Eleganz, die mich an ganz große Weißweine von Wilhelm Haag erinnern, muß man natürlich mögen. Wer mehr auf alkoholreiche Neue Welt Hämmer steht, wird meine Bewertungen nicht nachvollziehen können. Aber der wird mit Bordeaux sowieso Probleme haben. Leider fängt die Comtesse plötzlich in manchen Flaschen an, etwas zu schwächeln. Mehrere Flaschen 2006, darunter auch 2 perfekte Magnums, haben mich nachdenklich gemacht. Das ist immer noch ein großer Wein, den ich stets mit 96/100 bewertete, aber das ist nicht mehr die Comtesse, wie ich sie kenne. Aus eigenem Keller habe ich im Frühjahr 2006 und dann noch mal im Sommer 2007 eine ½ und eine 1tel nachverkostet. Die zeigten noch die alte Form, aber wie lange noch? Wer hier kein Risiko eingehen möchte – und das Risiko ist hoch – steigt sofort mit dem Korkenzieher in den Keller. Zuletzt zeigte Ende 2007 auf Ungers Weihnachtstasting: aus diesem besten Pomerol, der in Pauillac je erzeugt wurde, ist ein echter Pauillac ohne den unwiderstehlichen Schmelz früherer Tage geworden. Dicht, kraftvoll, perfekt strukturiert und immer noch sicher auf 97/100 Niveau. Und 2008 dann noch mal aus eigenen Beständen eine perfekte Magnum, in der sich die Comtesse mit unglaublichem Schmelz von ihrer allerbesten Seite und wie in ihren früheren Tagen zeigte – 100/100. Zuletzt 2009 traumhaft schön mit allem Schmelz dieser Erde, ein süchtig machender Wein zum beidhändig trinken, ohne Ecken und Kanten, aber nicht simpel, sondern sehr komplex, kräftig und süß, so eine Art noble, distinguierte und trotzdem hemmungslose Opulenz, für die 100/100, die ich bei diesem Wein früher so regelmäßig im Glas hatte, fehlte inzwischen vielleicht der letzte Kick – 99/100. 2009 eine schöne halbe Flasche, kraftvoll und süß mit geradezu seidiger Eleganz – 97/100. Ende 2009 auf der großen Baron/Comtesse-Probe gute Struktur, viel Schmelz und verschwenderische Süße – 96/100. Mehrfach in 2010 deutlich verschlossener. Von den vielen Flaschen 2012 (durchweg auf WT96+ Niveau) die wohl schönste eine Magnum mit hedonistischer Süße, offen, schmelzig, zugänglich, wunderbar zu trinken – WT97. Ist die Glanzzeit dieser Comtesse mit ihren 99-100/100 jetzt endgültig vorbei? Ich glaube da eher an ein zweites Leben. Diese Comtesse, die nach so einer langen, offenen Phase jetzt wieder stückweit verschlossen wirkt, kommt noch mal. 2014 zeigte sie sich aus dieser Flasche (meiner letzten 1tel) endlich wieder wie in ihrer damaligen Hochphase, so fröhlich, solch eine dekadente Opulenz, aber hoch elegant rübergebracht, das war wieder Comtesse, wie sie besser nicht geht – WT100. Allerdings dann nicht 2015, ein sehr schöner, charmanter, betörender Wein mit feinem Schmelz, aber eben nicht mehr diese einfach geile Hedonismus Oper von früher – WT95. Aus einer weiteren Flasche 2015 nicht mehr so hedonistisch wie früher, aber doch offen, sehr charmant und gefällig, an einen großen, reifen Latour erinnernd – WT99. Aus der Magnum 2016 ein hedonistischer, großer Wein mit unwiderstehlichem Schmelz, erinnerte an die goldenen Zeiten dieses Weines zwischen 1985 und 2005 – WT98. Und war 2017 aus einer perfekten Doppelmagnum schlichtweg perfekt, „wie in alten Zeiten“ – WT100. Da war das Jung war an Pontet Canet im März 2007 nur noch die Farbe. Begann recht reif mit einer etwas medizinal wirkenden, kräuterigen Nase. Wurde mit der Zeit im Glas etwas besser, aber der Eindruck eines Weines, der den Zenit schon etwas überschritten hatte und zudem etwas uncharmant nach Kellermuff roch, blieb. In diesem Superjahr hätte da mehr drin sein müssen - 89/100. Wirkte 2009 aus der Magnum sehr ernst und über den Trinkhöhepunkt hinaus – 87/100. Besser 2012, ein kantiger, kerniger, rustikaler, kräuteriger Pauillac alter Schule, den ich noch nie so gut im Glas hatte – 91/100.

Branaire Ducru war 2012 völlig daneben und kein Genuss mehr, da half auch die Magnum nicht – 78/100. Über ein Dutzend mal habe ich Beychevelle getrunken. 1993 in der ersten Flasche süß und opulent, wie ein 82er sein sollte, wirkte aber durch die kräftigen Tannine gleichzeitig aber auch etwas rustikal und eckig – 90/100. Deutlich reifer mit schöner Frucht mehrere Flaschen 2000/1. 2004 Jörg Müllers perfektem Keller noch so dicht, so jung, so kompakt - 92/100. 2012 ein durchaus kräftiger Wein, der noch lange nicht am Ende ist. Wenn da bloß nicht diese dicke Staubschicht auf der rotbeerigen Frucht läge, auch am Gaumen die Anmutung eher rustikal – 90/100. Wirkte 2015 sehr verhalten und austrocknend am Gaumen – WT86. Zu meinen Lieblingsweinen für den täglichen Genuß gehörte in den 90ern Clos du Marquis, der damals noch längst nicht so teure Zweitwein von Leoville las Cases. Davon habe ich von der Halben bis zur Magnum reichlich Flaschen geleert. In seiner offenen, charmanten, aber trotzdem nachhaltigen Art gab er einen guten Ausblick auf das, was der Grand Vin eines Tages mal bieten könnte. Konstant mit 88-90/100 bewertet. Zuletzt 2015 aus der Magnum immer noch so druckvoll und ein guter Ausblick auf den Grand Vin – WT91. Unterschiedliche Flaschen scheint es bei Ducru Beaucaillou zu geben. Ich habe diesen eigentlich großen, überzeugenden Ducru in den letzten 15 Jahren sicher gut 20mal getrunken. Darunter waren etliche 94-95/100 Erlebnisse, zuletzt 2002 und 2003 mit einem wunderbar gereiften Ducru. Leider wies aber gut die Hälfte der Flaschen unangenehme Fehltöne auf. Da waren die Flaschen auf der Weinwisser-Gala 1997 noch der harmloseste Fall, fruchtlos mit Laub und Waldboden. Viele Flaschen wiesen den bei fast allen 80er Ducrus so störenden, dumpfen, korkähnlichen Ton auf, der praktisch jeden Genuß verhindert. Wer guten Freunden einen solchen Ducru kredenzt, sollte zur Sicherheit immer noch einen servierfähigen Reservewein in der Hinterhand haben. Glück hatten wir 2006 auf der großen Ducru-Probe, wo der 82er zu den besseren Weinen des Abends gehörte. Immer noch junge Farbe, schöne Frucht, sehr nachhaltig und dicht, macht sicher noch 10+ Jahre Freude – 94/100. 2007 wieder eine üble, fruchtlose Flasche und auch 2009 auf der großen Ducru-Probe in Krems konnte dieser Wein selbst aus der Magnum nicht voll überzeugen und wirkte auf hohem Niveau etwas rustikal und ausgetrocknet – 91/100. Ein paar Tage danach aus eigenen Beständen eine deutlich bessere Flasche – 94/100. 2012 mit seiner pflaumigen Frucht, mit immer noch junger Farbe, Zedernholz, Leder und erster Süße am schmelzigen Gaumen jetzt auf dem Punkt, dürfte sich aber noch länger halten – 94/100. Gruaud Larose war bis 1990 ein frühreifer, großer Genuss mit intensiver Fruchtsüße. Danach verschloss er sich wieder. Aus zu warmer Lagerung ist er inzwischen wieder gut trinkbar, leicht erkennbar am typischen Cordier-Stinker. Mehrfach hatte ich zwischen 2001 und 2003 dieses vorgezogene Vergnügen. Gut gelagerte Flaschen dürften noch eine Weile brauchen. So notierte ich 2004: tiefe, völlig undurchdringliche Farbe, Teer, Lakritz, unbändige Kraft, noch sehr verschlossen, kommt ganz zögerlich im Glas, da wird man in perfekt gelagerten Flaschen wie dieser sicher noch 5+ Jahre warten müssen, um dann 97+/100 für mindestens 20 Jahre im Glas zu erleben. Voraussetzung dafür ist natürlich Geduld. Ich habe inzwischen auf der Suche nach der ersten Reife schon 9 meiner ursprünglich 12 halben Flaschen geopfert, von denen erst die letzte 2003 nach gut 2-stündigem Dekantieren erste Genussreife zeigte. Die Ganzen liegen vorsichtshalber ganz hinten im Keller. Bei hoch bewerteten Weinen mit großem Potential ist die Gefahr leider immer groß, dass sie erst richtig reif sind, wenn nichts mehr da ist. Eine Flasche von der Sansibar-Karte war hingegen 2005 auf Sylt bereits gut (an)trinkbar, Gruaud vom Allerfeinsten, sicher auf 96/100 Niveau. Ende 2005 immer noch sehr jung, aber deutlich offener als meine, mit fantastischer Frucht, toller Aromatik und irrer Frische. Das ist St. Julien in Perfektion und auf dem besten Wege, eine moderne Weinlegende zu werden – 97/100. Anfang 2007 dicht, muskulös und tiefgründig, immer noch sehr jung, öffnet sich aber zunehmend mit fantastischer Frucht, toller Aromatik und irrer Frische, ein Langstreckenläufer mit grandiosem Potential, wird in 5-10 Jahren der legitime Nachfolger des 61ers - 96+/100. Ende 2008 auf ähnlichem Niveau noch zweimal aus der 1/2 und dann 2009 so dicht, so komplex, so kraftvoll, mit gewaltigem, aromatischem Druck am Gaumen, erstem dezentem Schmelz und gewaltiger Länge - 98/100. Eine weitere 1tel 2009 auf Sylt noch unglaublich jung – 97+/100. Auf diesem Niveau auch 2010 in unserer Top of the Pops Best Bottle und danach noch 7mal, unter anderem auf Sylt aus einer spektakulären Magnum. 2011 aus einer einmaligen Doppelmagnum, volle Gläser eines noch sehr jungen, unglaublich tiefgründigen Weines, der mit 98/100 eine meiner bisher besten Flaschen war. 2012 eine fantastische halbe Flasche zuhause(97) und eine sehr junge 1tel in Weggis auf dem Rosenfest – 95+/100. 2013 aus der Magnum ein unglaublich junger, dichter, konzentrierter Wein mit Mörderpotential, braucht aus solch optimal gelagerten Flaschen noch ewig und hat Potential für doppelewig – 95+/100. 2014 seidig, elegant, fast etwas feminin. Doch unter all dieser Schmusewolle lauern noch mächtige Tannine, die eine lange Zukunft garantieren – WT97. 2015 mehrfach sehr jung mit massiven Tanninen – WT96+. Aus einer Flasche in der Schweiz 2015 gab er einen guten Ausblick auf das, was da noch kommt, minzig und fein die Nase, am Gaumen enorme Kraft, Pferd plus Sattel, schöner Schmelz, aber auch noch deutliche Tannine – WT98. Lagrange zeigte 2012 bereits erste Todessüße – 80/100.Der von massiven Tanmninen geprägte Leoville Barton wirkte noch 2007 wie ein armseliger, dürftiger, reifer und gezehrter Stoff mit harscher Säure – 80/100. Doch eine halbe Flasche 2012 machte große Hoffnung. Sehr dichte Farbe, Kraft ohne Ende, aber er öffnete sich zunehmend und zeigte die Eleganz eines großen St. Juliens mit feinem, süßem Schmelz. Ein faszinierender Wein am Anfang einer sicher noch 20jährigen Karriere – 95/100. Sehr umstritten ist inzwischen Leoville-las-Cases. Ich kann den Frust vieler Weinfans gut nachvollziehen, will dieser Wein doch einfach nicht reifen. Da ist eben, sofern sie ihn nicht unter dem Sofa lagern, noch eine Portion Geduld angesagt. Aber die wird sich auszahlen. Ich gehöre zu den Glücklichen, die den 82er Las Cases mehrfach 1987 und 88 in seiner Fruchtphase trinken durften. Das war ein irre konzentrierter, geiler Stoff mit toller Fruchtsüße auf eindeutigem 100-Punkte-Niveau. Und genau da kommt dieser Wein in 5-10 Jahren auch wieder hin. Seit dem Anfang der 90er habe ich ihn sicher noch ein gutes Dutzend mal in diversen Proben erlebt, meist völlig zugenagelt und enttäuschend, in den letzten Jahren ab und an auch mal mit ersten Vorahnungen. Im Sommer 2005 wieder eine völlig abweisende Flasche. Die wirkte so grasig, grün und ungenerös, da könnte ich verstehen, wenn der Besitzer seinen Bestand verkauft. Hoffentlich preiswert, denn von diesem Stoff kaufe ich gerne zu. Doch noch ist weiter Warten angesagt. 2007 aus der Halben wie ein Biss ins Eichenfass, da half auch mehrstündiges Dekantieren nichts, Kraft und Länge am Gaumen, nur Spaß machte er nicht - 85/100. Eine hammerharte Gaumenprüfung ebenfalls 2007 aus der Doppelmagnum. Dunkler, dichter, voller und etwas weiter als aus der halben Flasche. Es gehörte nicht mehr ganz so viel Phantasie dazu, zu erahnen, was da in etlichen Jahren mal ganz großes auf uns zu kommt. Dieses sehr junge Frucht- und Mineralienkonzentrat mit dem spröden Charme massiver Eiche entwickelte sich recht gut im Glas und zeigte am Gaumen schon eine sehr druckvolle Aromatik – 95++/100. Auch Ende 2007 aus der 1tel wieder ein tanninbeladenes Monstrum mit superdichter Farbe, bei dem die 100/100 zwar in Sicht sind, aber nur für Leute mit Weitblick und bester Gesundheit. Zuletzt 2008 deutlich weiter, aber immer noch mindestens 5 Jahre zu jung – 95+/100. Dann Ende 2008 nach einer total verschlossenen ½ aus meinem Keller wenige Tage später eine reifere Flasche in einer Probe. Ein deutlich zugänglicherer Traum-St. Julien. Sicher noch nicht ganz im Trink-Optimum, aber nicht sehr weit davon entfernt, mit feiner Frucht, sehr guter Struktur und unglaublicher Länge, heute schon 97+/100, die 100/100 sind in Sicht. 2009 mit traumhaft präziser, glockenklarer Frucht, aber auch immer noch etwas bissig mit massiven Tanninen und prägnanter Säure, machte schon ungeheuren Trinkspaß, braucht aber auf dem sicheren Weg zur Perfektion noch ein paar Jahre – 96+/100. 2010 ein gewaltiges, immer noch sehr junges Konzentrat mit sehr präziser, glockenklarer Frucht, messerscharfer Struktur und irrer Dichte und Länge am Gaumen, bereitete bereits ungeheuren Trinkspaß, 97+/100. Im Sommer 2010 auf Sylt im Wiin Kööv endlich wieder eine atemberaubende 100/100 Flasche. 2012 ein Wein, der bis zur Perfektion noch mal 10 Jahre braucht – 95++/100. Und 2013 eine Traum-Magnum, in der der las Cases endlich wieder alles zeigte, was er drauf hat – WT100. 2015 dreimal aus wohl kühlerer Lagerung ein ungeheuer druckvoller Klassewein mit puristischer Frucht und präzisen Konturen, erst ganz am Anfang. Scheint sich mit 86 Mouton ein Wettrennen zu liefern, wer am längsten bis zur Trinkreife durchhält – WT96+. Selbst aus der Halben 2016 noch nicht voll da – WT96+. Deutlich weiter, aber auch noch sehr jung war 1999 in der 82er Probe Léoville Poyferré mit dichter, junger Farbe, Cassis und viel Kraft schien er jede Menge Potential anzudeuten – 93+/100. Doch 2008 in Warendorf sah das schon anders aus. Ein kräftiger Wein mit dichter Farbe, bei dem aber grüne Töne im Abgang störten – 88/100. 2012 reifer, aber mit wunderbarer Frucht und süßem Schmelz, dazu viel Zedernholz, einfach herrlich zu trinken – 94/100. 2013 so süß, so dicht, so komplex und lang mit reifer, süßer, dunkler Frucht – 96/100. Auch 2017 süße, dunkle Frucht, viel Zedernholz, immer noch so druckvoll und komplex mit guter Länge – WT96. Talbot produzierte 1982 einen derschönsten, je auf dem Gut produzierten Weine. Bis Mitte der 90er wirkte er durch das stramme Tanningerüst etwas ruppig und rustikal, hat sich aber inzwischen prächtig entwickelt. Ich habe diesen Wein seit 1989 in seiner Entwicklung verfolgt und sicher gut 30mal getrunken. Seit ein paar Jahren liege ich für diesen fleischigen Bilderbuch-St.Julien mit seiner pflaumigen Frucht und der immer noch kräftigen Astringenz, der erst ganz am Anfang einer sehr langen Genussphase steht, bei konstant 94-95/100. Ein unbedingter Kauftip. Ende 2005 deutlich geöffnet mit schönen Zedernholz-Tönen. Wirkt insgesamt etwas weiter und femininer als Gruaud, brauchte sich hinter diesem aber nicht zu verstecken. Sicher einer der schönsten Talbots überhaupt - 94/100. 2008 in einer Talbot Vertikale junge, sehr dichte Farbe, viel Zedernholzwürze, mit Leder, Brombeeren und Mineralität, generös am Gaumen, den er voll auskleidet, und sehr lang – 93/100. 2009 dann nach einer reiferen Flasche im Rössli in Stanstad(92/100) in Bremen eine grandiose Magnum, Reife Brombeere, Zedernholzwürze, Leder, Trüffel, viel Mineralität und wunderbare Länge am Gaumen, viel besser geht Talbot nicht – 95/100. Zuletzt 2011 aus der 1tel reif, weich mit betörender Aromatik – 94/100. Aber auch aus einer perfekten Magnum 2011 noch so jung, so hochklassig und spielte perfekt den Zwilling des 82 Gruaud – 96/100. Wirkte 2012 etwas brachial aus der Doppelmagnum, rustikal, Stall, viel Leder, pfeffrig, enorme Kraft, Cabernet pur, noch so blutjung. Ein im besten Sinne kerniger Wein, der schon enormen Trinkspaß bereitet und das noch sehr lange tun wird – 95/100. 2014  pflaumige Frucht, Leder, Trüffel, Zedernholz, mineralisch, kräftig, aber auch mit erstem, süßem Schmelz. Jetzt in perfektem Trinkstadium auf WT95 Niveau, aber noch mit reichlich Zukunft. Sensationell 2014 aus der Halben und im Vergleich zu Gruaud offener, etwas weiter und mit traumhafter Aromatik in diesem Duell der Sieger – WT97. Auch 2016 wieder 2mal Cabernet pur, so stimmig von der Nase bis zum sehr langem Abgang, dabei mit stabiler Tanninstruktur noch so jung – WT97.

La Cardonne hatte 2012 eine muffig-modrige Nase und war einfach nur bitter und spaßfrei am Gaumen – 82/100. Am Ende seiner Genussphase dürfte inzwischen Chasse Spleen angekommen sein. Ende der 80er/Anfang der 90er war das in mehreren Restaurants ein bezahlbarer, sehr zugänglicher Genuss auf 87/100 Niveau. Der Fonréaud aus Listrac war 2012 ein unspannendes, dünnes Wässerchen – 80/100. Extrem langlebig dürfte La Lagune sein. In den ersten 20 Jahren ließ dieser Wein noch nicht viel raus. Ich habe ihn zwischen 1996 und 2001 sechsmal getrunken. Immer war er sperrig und verschlossen. Etwas weiter 2001 aus der Doppelmagnum, wo er nach einer 61er Probe doch etwas simpel wirkte – 90/100. 2010 öffnete er sich nur zögerlich, blieb dabei rustikal, stückweit verschlossen und auch etwas simpel, wir hoffen weiter - 89+/100. 2014 deutlich schöner, ein klassischer Medoc mit viel Potential, der sich über Stunden entwickelte – WT92. Meine bisher schönste Flasche 2015 immer noch kernig und kraftvoll, aber mit feiner Trüffelnote – WT93. Eine immer noch erstaunlich dichte Farbe hatte 2011 der sehr kraftvolle, fleischige, robust wirkende Lanessan, ein Langstreckenläufer mit noch viel Potential, der in 10 Jahren für eine Überraschung gut sein könnte – 88(+?)/100. Erstaunlich gefällig 2012 die Nase des Mouton Cadet, ein einfacher, immer noch gut trinkbarer Wein ohne Höhepunkte – 84/100. Ganz ok war 2012 der Poujeaux, ohne Fehler, aber sicher inzwischen deutlich über den Zenit – zumindest aus dieser Flasche – und einfach nur langweilig im Glas – 83/100. Leider schon lange kein Geheimtipp mehr ist Sociando Mallet, dieser Cru Bourgeois von Grand Cru Qualität, der 1982 ganz vorne mitspielt. Mehrfach getrunken, zuletzt 2001, kräftiges Dunkelrot, perfekt gereifter Cabernet mit viel Druck und Schmelz, sehr lang am Gaumen. Macht sicher noch 10 Jahre auf 93/100 Niveau Spaß. So im Dezember 2005, zwar inzwischen trinkreif, wirkt aber immer noch so jugendlich mit noch viel Potential. Ein kräftiger, dichter Wein mit schöner Mineralität, leicht erdig und etwas rustikal - 92/100. 2008 immer noch junge, dichte Farbe, kommt aromatisch wie ein kleiner Latour daher mit Trüffeln, Zedernholz und bitterer Walnuss – 91/100.

Deuxième Cru heißt nicht Zweite Wahl, aber genau so schmeckte Ende der 80er der für das Jahr sehr enttäuschende Brane Cantenac. Lust auf mehr machte zuletzt 2012 die fruchtige Nase aus der Magnum, doch am Gaumen baute dieser Wein rasch ab, von der Schokolade blieb nur noch das Staniolpapier – 87/100. Cantenac Brown aus der Magnum präsentierte der sich 2012 ausgesprochen charmant, gefällig, weich und aromatisch – 90/100. Ziemlich dünn in der Nase und am Gaumen war 2012 Ferrière – 84/100. Keine guten Erfahrungen habe ich mit Giscours gemacht. Dieser Wein aus der Schwächephase des Chateaus war zuletzt 1993 schon sehr reif und wirkte etwas sperrig und ungenerös, damals mit Wohlwollen 84/100. 2012 aus der Magnum präsentierte er sich mit sehr schöner, warm-würziger Nase und mit gefälligem, malzig-süßem Gaumen – 91/100. Auch der Großflaschenbonus wirkte 2011 bei Lascombes aus der Imperiale keine Wunder. 2012 aus der Magnum leicht süße Nase mit pflaumiger Frucht ganz vielversprechend, aber am Gaumen grün, grasig und monolithisch – 87/100. Ein kräftiger Wein mit leicht staubiger Nase, am Gaumen monolithisch, entwickelte mit der Zeit dezente Süße – 87/100. 1982 Margaux galt immer als der kleinere Bruder des 83ers. Auch soll es Flaschenvariationen bei diesem Wein geben. Ich kann das bei diesem großartigen Wein, den ich seit 1989 gut 15mal trinken durfte, nicht nachvollziehen. 1994 auf der Margaux-Probe in Mautern mit viel Power, feiner, süßer Frucht und traumhafter Balance und Eleganz einer der Stars der Probe – 97/100. 1995 im Caveau sehr dichte, kräftige Farbe, am Gaumen Power ohne Ende, lang andauernder, intensiver Abgang, ganz großer Stoff – 97/100. 1997 im Kleinwalsertal Cassis pur, irres Konzentrat, das erst ganz am Anfang steht, aber schon riesig Spaß macht – 96/100. 1999 auf der 82er Probe ein Ausreißer, erstaunlich hell, verschlossen, entwickelte sich im Glas, konnte aber mit Mouton und Latour nicht mithalten – 93/100. 2000 in einer Probe aus wohl etwas wärmerer Lagerung ein voll trinkbarer, reifer Margaux-Traum - 97/100. Blind 2001 in Hannover verkostet, irre dichte, junge Farbe, konzentrierter Cabernet in Reinkultur, Kraft ohne Ende, das konnte eigentlich nur Latour oder Lafite sein, war aber Margaux in Perfektion - 99/100. Im selben Jahr noch zweimal gegen 83 getrunken und in beiden Fällen auf 98/100 Niveau eindeutiger Sieger, einmal als superkonzentrierter, immer noch sehr junger Wein, einmal aus wärmerer Lagerung deutlich weiter und zivilisierter, dabei sehr feinduftig und elegant mit toller Länge am Gaumen. 2007 auf René Gabriels großer Margaux-Probe ein schlimmer Ausreißer. Grasig-grüne, anstrengende Nase mit viel nasser Pappe, auch am Gaumen machte dieser Wein nicht viel her. Da hatte ich mal gerade 87/100 im Glas. 2009 feinduftige, elegante Nase mit dezenter Trüffelnote, Waldboden nach einem Regenguss, feine Beerenfrüchte, erdige Noten, am Gaumen diese unnachahmliche Mischung aus Eleganz und Kraft, die klassische Eisenfaust im Samthandschuh, totale Harmonie, stimmig von vorne bis hinten – 98/100. Auch 2010 auf Sylt wieder auf diesem Niveau. 2014 immer noch so jung – WT97+. Nur zwei Notizen hatte ich von Palmer, der immer im Schatten des großen 83ers gestanden ist. Eine traumhaft schöne Flasche 1994 bei Willi Krähling auf 93/100 Niveau und eine sehr enttäuschende, etwas grün und abweisend wirkende Flasche Ende 2001 im Kleinwalsertal. Schlichtweg grandios dann 2009, immer noch jung, aber so komplex und mit druckvoller Aromatik am Gaumen, sehr fleischig und dicht, die eigentlich Palmer-typische Eleganz wird in den nächsten Jahren nachgeliefert. Ein Wein mit gewaltigem Potential – 94+/100. 2013 ein sehr feiner, eleganter Palmer, reifer als 83, mit schöner Süße, aber auch druckvoll mit viel Substanz für eine längere Zukunft, baute enorm im Glas aus – WT94. Eleganz pur 2017 aus einer perfekten Doppelmagnum und vom 83er nich weit weg – WT96. Aus und vorbei war es 1998 für Pavillon Rouge, den ich in den 90ern sehr gerne getrunken und konstant mit 90-91/100 bewertet hatte. Rausan Ségla hatte 2001 eine junge Farbe, viel Power, immer noch präsente Tannine, war aber kurz am Gaumen – 90/100. 2012 aus der Imperiale reifer, weicher, gefälliger Margaux, leicht trüffelig mit Waldboden und schöner Süße – 92/100. Eine echte Strafe für den Gaumen war 1998 ein Tour de Mons.

Carbonnieux war 2010 aus der Magnum ein unspektakulärer, perfekt gereifter Wein, immer noch mit guter Frucht – 88/100. Sehr enttäuschend war 2001 Les Carmes Haut Brion, ein zu Anfang leicht säuerlich, unangenehm wirkender Wein, der im Glas nur marginal besser wurde – 82/100. Fieuzal hatte 2007 eine feine, fruchtige Nase, rauchige Noten, etwas Tabak und eine dezente Süße, wirkte zu Anfang etwas harmlos. Er baute aber im Glas sehr schön aus, entwickelte mehr Tiefgang und Geschmacksdichte, ein kleiner, aber sehr feiner Wein – 87/100. Für sich getrunken ist Haut Brion ein schöner Wein, allerdings nicht auf der Höhe des Jahrgangs und der anderen Premier Grand Crus. Nur sollte man ihn nicht neben La Mission stellen, dem er hoffnungslos unterlegen ist. Haut-Bailly war 2012 aus der Jeroboam gab ein feiner, reifer Pessac, erdig, mineralisch, Tabak, schmelzig am Gaumen – 92/100. So bleibt Haut Brion ein völlig überteuerter Wein mit guter Frucht, Tabakwürze und zuwenig Struktur und Fett auf je nach Flaschenform 92-94/100 Niveau. Seit 1995 6mal getrunken, 2004 in einer großen Probe meine bisher schönste Flasche mit 94/100. Zuletzt auf René Gabriels großer Haut Brion Probe 2006 ein etwas diffuser Wein mit etwas Süße und viel zuwenig Struktur, um den man in dieser Form getrost einen Bogen machen kann. Natürlich kann man ihn gut trinken und muss ihn mit Sicherheit nicht wegschütten. Nur wenn man an das großartige Jahr und den ebenfalls großartigen Preis denkt, dann überlagert doch Nachdenklichkeit das ohnehin schon schwache Nasen- und Gaumenbild - 88/100. Und dann plötzlich 2007 eine Traumflasche. Reife rotbeerige Frucht, Teer, Tabak, schwarzer Tee, Zigarrenkiste, ein komplexer, dichter Wein mit immer noch gutem Tanningerüst, aber durch die opulente, schmelzige Art am Gaumen auch mit hohem Hedonismus-Faktor – 96/100. 2012 auf René Gabriels 82*82 ein solider Pessac mit Tabak, Cigarbox und feiner Süße, weich, zugänglich und reif, ja sogar etwas dünn wirkend, der aber deutlich unter den Möglichkeiten des Jahrgangs bleibt – 93/100. Zeigte sich 2016 wieder so zugänglich, weich und aromatisch – WT95. Um Längen besser und ein Langstreckenläufer mit ganz großem Potential ist La Mission Haut Brion. Deutlich unterschätzt habe ich diesen großartigen Wein, der Ende der 80er schon einen ersten Höhepunkt hatte und sich dann zunehmend verschloß. 1998 auf Willi Krählings großer La Mission Probe war das aus der Magnum ein noch unheimlich junger, dichter Powerstoff – 94/100. In der 82er Probe 1999 kam zögerlich etwas mehr – 95/100. 2003 in einer Probe dann erstaunlich trinkreif mit klassischer La Mission Nase, trotzdem viel Power, Riesenteil - 98/100. 2004 in einer Best Bottle sehr dichte, kräftige Farbe, Trüffelnase, Leder, leicht animalische Töne, ein Kraftbolzen, der lange am Gaumen bleibt. Heute schon ein Traum, aber da kommt in den nächsten Jahren noch mehr - 98/100. Parallel dazu habe ich über die Jahre von meinen 16 halben Flaschen 14 geleert, und erst in der letzten Ende 2003 zeigte der Wein seine wahre Größe. Mit meinen verbliebenen La Mission Beständen werde ich jetzt erheblich sparsamer umgehen, denn dieser sehr langlebige Spätzünder entwickelt sich in Richtung 100 Punkte. So war es zuletzt im Sommer 2005 bei Jörg Müller. Vor mir stand La Mission in Reinkultur mit der klassischen Cigarbox-Aromatik, unglaublich druckvoll am Gaumen, ein würdiger Nachfolger für die 100-Punkte Zwilling 59+61, wird in den nächsten 10 Jahren weiter zulegen und sicher auch die 100 Punkte erreichen – 98/100. Nachdenklich wurde ich allerdings 2006 bei Jörg Müller. Da kam er sehr zugänglich ins Glas mit burgundischer Eleganz. Klar, da war die typische Mission-Nase und am Gaumen war auch noch Tannin spürbar. Aber so schnell so reif, übrigens auch mit ersten Reifetönen in der ansonsten dichten Farbe? Wahrscheinlich nur ein Flaschenproblem – 96/100. Eine wenige Tage danach aus eigenem Keller verkostete halbe Flasche war immer noch sehr jung mit gewaltigen Tanninen. 2007 dann wieder eine perfekte Flasche aus Jörg Müllers Keller, so dicht, so jung, so komplex und lang. Wird sicher mal ein legitimer Nachfolger des 61ers, nur sollte man ihm aus guten Kellern wie diesem noch mindestens 10 Jahre gönnen – 96+/100. Etwas offener und zugänglicher Ende 2007 auf Ungers Weihnachtstasting – 98+/100. Anfang 2008 erstaunlich zahm – 96/100. 2010 im Schwarzen Adler in Oberbergen Pessac in Vollendung mit der legendären Cigarbox-Aromatik, dabei noch irre jung und konzentriert – 100/100. 2016 so ein irres, blutjunges Konzentrat – WT98+. Mehrfach habe ich mich in den letzten zehn Jahren an den von Parker hochbewerteten La Tour Haut Brion rangetraut. Potential hat dieses Tanninmonster mit seiner dichten Farbe dabei mächtig ausgestrahlt. Nur von Genuß war nie die Rede. Auch 2002 bei Michael Unger war das wieder ein noch etwas unfertiger Monolith. Geht 2011 in der superdichten, jungen Farbe, der gewaltigen Konsistenz, der immensen Kraft und natürlich auch der Aromatik als Zwilling des 1982 La Mission durch, noch etwas verschlossen, öffnet sich nur im Schneckentempo, auch der sehr erdig, rauchig, mineralisch mit Tabak, Teer, Holzkohle und Zedernholz, wird sich noch etliche Jahre weiterentwickeln und hat sicher noch drei Jahrzehnte vor sich, dies hier war für mich die bisher beste Vorstellung – 98/100. 2012 auf René Gabriel großer La Mission Probe hatte ich wieder das Gefühl, dass er noch 5-10 Jahre braucht – 98+/100. Auch 2013 im Schwarzen Adler aus der Halben, noch irre jung und konzentriert, keine Spur von Alter, eine Pessac-Legende für etliche Jahrzehnte – 97+/100.

Angelus hatte 2011 mit den heutigen Angelus wenig gemeinsam, ein leichterer, feiner Wein mit betörender, sehr delikater, süßer Frucht und viel Schokolade, weich, samtig und sehr elegant am Gaumen – 93/100. Traumhaft schön ist l´Arrosée. Seit 93 gut 15mal getrunken und konstant mit 95/100 bewertet. Ende 2002 aus der Magnum, reife, ziemlich helle Farbe, feine Johannisbeere, kam im großen Glas sehr schön und entwickelte bei aller seidiger Eleganz viel Druck, perfekt gereifter Traum-Arrosée für die nächsten 10 Jahre und Zwilling des 61ers. 2006 schöne rotbeerige Frucht, immer noch deutliche Röstaromatik, feine Süße, wirkt sehr gefällig und offen, aber auch mit druckvoller Aromatik am Gaumen. 2010 aus einer perfekten, kraftvoll-eleganten Magnum ohne Alter – 95/100. Auch 2012 aus der 1tel immer noch voll, kraftvoll, elegant, diese faszinierende Mischung aus Comtesse und Grand Puy Lacoste mit unendlichem Schmelz, mit feinduftiger Eleganz und Länge, einfach Weinfreude pur – 95/100. 2014 aus der Magnum immer noch so kräftig und elegant, kein Zeichen von Alter - WT95. Und 2015 aus der Doppelmagnum auf diesem Niveau – WT95. Noch länger auf die Weide muss Ausone. 1993 sehr astringierende Tannine, 1999 auf einer 82er Probe exotisch, würzig, mineralisch, immer noch mit sehr präsenten Tanninen – 92/100, mit Potential für 2-3 mehr. 2012 viel Substanz, wirkt dabei rustikal und entwickelt sich enorm im Glas – 92+/100. Von Canon soll es unterschiedliche Flaschen geben, leider von außen nicht zu erkennen. 1999 die etwas frucht- und lustlose, schlechtere Variante getrunken – 87/100. Auch 2012 zwar dichte, junge Farbe, aber staubige Mottenkugel-Nase, alter, lange nicht gelüfteter Schrank, schmeckt leider wie er riecht, wenn der Kellermeister ein Fußballtrainer wäre, hätte man ihn nach der Leistung gefeuert – 86/100. Als einer der Superstars galt mal Cheval Blanc. Ich habe diesen Wein sicher gut 2 Dutzend mal trinken dürfen. Dabei habe ich ihn euphorisch auf klaren 100/100 ebenso erlebt, wie auch verschlossen. Leider mehrfach auch in eindeutig gefälschten Flaschen, in denen alles war, nur kein Cheval Blanc. Große Vorsicht ist deshalb beim Nachkauf angesagt! Groß war der Cheval Blanc Ende der 80er, Anfang der Neunziger. Dann begann er sich zu verschließen. 1993 auf der Gigantenprobe im Caveau Riesenenttäuschung, Nase weg, Kraft weg, Opulenz weg. Danach mehrere, weitere Enttäuschungen. 1999 auf Willi Krählings großer Cheval Blanc Probe eine feine, aber noch verdammt jung und verschlossen wirkende Doppelmagnum, an der man aber das gewaltige Potential erkennen konnte. – 95/100. Im selben Jahr in einer 82er Probe aus der 1/1 irre Süße und Extraktdichte, der Wein des Flights, ein Highlight des Abends – 100/100. Auch 2001 dreimal aus sehr rechtzeitig dekantierten Flaschen ein perfektes 100/100 Erlebnis. 2004 wieder etwas verschlossen wirkend. Ich würde(und werde!) dem Cheval Blanc noch ein paar Jahre im Keller gönnen. So kam er 2006 auf der großen Cheval Blanc Probe ganz langsam wieder aus seinem Schneckenhaus heraus. Dabei ist das ein gewaltiges Konzentrat mit süßem Extrakt, praller Frucht, mit einer unglaublichen Dichte, Fülle und Kraft, da waren an diesem Abend 96/100 im Glas. 2007 wieder eine seltsame Flasche, Cheval Blanc war wohl drin, aber sicher kein 82er. 2008 auf René Gabriels großer Cheval Probe nacheinander zwei Flaschen. Beide Flaschen etwas verhalten in der Nase und insgesamt sehr kräuterig, beide sehr lang am Gaumen. Die zweite Flasche süßer und generöser, sicher 96/100 wert. Der legendäre 100/100 Cheval Blanc aber beide Male nicht in Sicht. 2010 bei unserem Trüffeldinner traumhafte, süchtig machende Trüffelnase und dieses einmalige Terroir-Parfüm, das in dieser Form nur Cheval Blanc verströmt, am Gaumen so seidig, harmonisch, elegant und mit gewaltigem, aromatischem Druck, reif und jung zugleich, klar ist da seit Jahren der Orangenrand bei der nicht mehr so ganz dichten, jungen Farbe, aber da ist auch noch ein voll intaktes Tannin- und Säuregerüst. Der kommt wieder! 2011 schlichtweg einmalig die Nase mit diesem einmaligen Cheval Blanc Parfüm. Ungemein druckvoll am Gaumen, da ist diese faszinierende Mischung aus Kraft und Eleganz, gepaart mit einer gewaltigen Länge, 97+/100 kam da locker ins Glas, und mehr ist in Sicht. 2012 ein enorm kräftiger und dabei so hoch eleganter Wein, in der Nase dieses einmalige, leicht trüffelige Cheval Blanc Parfüm, am Gaumen seidig, harmonisch und elegant mit diesem gelungenen Spagat aus Kraft und Finesse, gewaltiger, aromatischer Druck und enorme Länge, immer noch voll intaktes Tannin- und Säuregerüst – 98/100. Auch 2013 wieder auf dem besten Weg zur einstmaligen Größe - 97+/100. 2014 wieder diese Traumnase mit dem einmaligen Cheval Blanc Parfüm, diese Eleganz, dieser gelungene Spagat am seidigen Gaumen aus Kraft und Finesse, dieser enorme, aromatische Druck, da kommt wohl noch mehr – WT97+. Aus einer perfekten ½ Flasche landeten wir 2014 sogar einhellig bei WT99. Da war sie 2015 aus der Magnum wieder, diese Traumnase mit dem unvergleichlichen Cheval-Parfüm, da ist dieser irre, aromatische Druck am Gaumen, aber auch diese Eleganz, dieser Charme – WT98+ und die WT100 wieder in Sicht. Sicher am Ende der Genussphase dürfte Clos des Jacobins sein, von dem ich Anfang der Neunziger etliche Halbe auf 89/100 Niveau genossen habe. Clos St. Martin war 2007 ein reifer, weicher, feiner Schmeichler mit nicht allzuviel Kraft, schöner Mokkanase und cremiger Textur, gute Länge am Gaumen, hielt sich gut und kam sogar mit einer Cili-Soße zurecht - 88/100. Als sehr schöner, sicher noch eine Weile haltbarer, eleganter Schmeichler erwies sich 2001 ein Domaine de la Gaffelière aus der Magnum – 90/100. La Gaffelière war 2006 auf Sylt ein noch erstaunlich kraftvoller, feinduftiger Wein mit einer subtilen Aromatik, die nicht nur etwas an Cheval Blanc erinnerte, sondern auch an die grandiosen Weine dieses Gutes, damals unter dem Namen Gaffelière-Naudes, in den 40ern und 50ern – 92/100. Zuletzt 2012 kräftig und dicht die Farbe, in der Nase Kaffee, Mokka und Schokolade, am Gaumen elegant und schmeichlerisch – 93/100. Zu den besten auf diesem Gut erzeugten Weinen gehört in diesem Jahrgang Figeac, mit guter Frucht, etwas Schmelz, nicht so anstrengend und austere wie andere Figeacs, mehrfach zwischen 1995 und 1999 getrunken und konstant mit 93-94/100 bewertet. 2007 und 2008 zwei sehr überzeugende Flaschen auf 94/100 Niveau. Im Sommer 2008 auf Sylt ein reifer Bordeaux klassischer Machart, eher St. Julien als St. Emilion mit viel Zedernholz, einfach stimmig von vorne bis hinten - 96/100. 2009 sehr jung, florale, kräuterige Nase mit Lakitz, am Gaumen rustikal und kräftig, aber auch schon mit feiner Süße – 94/100. 2011 auf der Figeac-Probe der Linzer Gang sehr dichte, noch junge Farbe, die Nase mit schwarzer Johannisbeere, leicht von Kräuter, schwarzen Oliven, Lakritz und Zedernholz unterlegt, kräftig mit noch deutlich spürbaren Tanninen am Gaumen – 90+/100. 2012 aus der 1/2 dichter, junger Traumstoff ohne Figeac-Stinker - 94/100. Aus der Imperiale 2012 auf René Gabriels 82*82 mit Figeac Stinker Alptraumstoff. 2013 in der Wiin Kööv soviel Kraft und Dichte am Gaumen, kräuterige Würze, Minze und immer noch frische, dunkle Frucht, dürfte noch enorm langlebig sein – 95/100. 2014 wieder eine eher anstrenge Flasche auf WT90 Niveau. Gut entwickelt hat sich La Magdelaine. 1998 wirkte er noch etwas sperrig und brauchte viel Luft. Inzwischen ist das ein sehr schöner, eleganter St. Emilion auf 91/100 Niveau mit sicher noch 10 Jahren Zukunft. La Mondotte, war 2012 ein kleiner, harmloser Wein, der längst das Zeitliche gesegnet hatte. Für das Jahr und das Chateau sehr enttäuschend war Pavie. Ein kleiner, fruchtiger, harmloser Wein. Wirkte 1988 (85/100) und 1994(86/100) schon trinkfertig ohne viel Potential. Zuletzt 2012 auf René Gabriels 82*82 absolut charmefrei, ein sehr kräftiger, dichter Wein mit viel grüner Paprika – 86/100. So groß die neueren(und auch die alten!) Troplong Mondots sind, der 82er aus der Schwächephase des Gutes befand sich schon 1990 deutlich auf dem Abstieg und kam bei mir nie über 84/100 hinaus.

Sehr gut hat mir Anfang der 90er mehrfach Beauregard gefallen. Sensationell schnitt Bon Pasteur 1999 auf einer 82er Probe ab, ein fleischiger, opulenter Riesenstoff mit ausladender Frucht und toller Süße – 97/100. Ein Jahr später in Chicago eine vielleicht nicht so gut gelagerte Flasche, deutlich reifer, die animalische Nase des 90ers, sehr überzeugend zu Anfang, baute dann aber etwas ab und die flüchtige Säure gewann etwas Oberhand – 92/100. Schon häufig habe ich Certan de May getrunken. Ende der 80er präsentierte er sich mehrfach in einer tollen Frühform. Danach wirkte er meist sehr verschlossen und tanninreich, ein muskulöser Langstreckenläufer mit einer gewissen Lafleur-Ähnlichkeit. Großer Stoff 1999 auf einer 82er Verkostung. 2005 schon verdammt reife, aber dichte Farbe mit deutlichem Orangenrand, brauchte Luft zur Entfaltung, druckvolle Aromatik, dabei aber auch etwas staubig und rustikal wirkend - 95/100. 2012 edel-rustikaler Wein, bei dem auch die leicht grünen Noten nicht störten – 94/100. Kein großer Wein ist Clinet aus der schwachen Phase des Gutes. Nur einmal getrunken, 1991 bei Jörg Müller, und beschlossen, das ich so was nicht wieder an meinen Gaumen lasse. Nach altem Pappkarton roch 2012 der Clos René, am Gaumen viel Säure, etwas Schokolade – 84/100. Große Flaschen-Variationen scheint es bei Conseillante zu geben. Ich habe diesen Wein schon 1997 als großen, reifen Merlot auf 95/100 Niveau erlebt, aber auch 1999 als kaum trinkbares Sauerkraut-Monstrum. La Croix war 2015 nett, gefällig, ohne Alter, aber auch etwas simpel – WT88. Weich, reif und einfach nur langweilig war 1995 ein l´Eglise Clinet – 84/100. Ausgerechnet die bisher letzte Flasche l´Evangile hatte einen unsauberen Altfaßton und wirkte leicht korkig. Sonst habe ich nur gute Erfahrungen mit diesem großartigen Pomerol gesammelt. Schon meine erste Flasche, eine ½ 1992 bei Amann in Hannover war ein offener, zugänglicher Traum. 1994 aus der 1/1 deutlich jünger, konzentrierter und verschlossener auf sehr hohem Niveau. Setzte im selben Jahr aus der Magnum auf Rodenstocks Arlbergprobe selbst auf die 82er Comtesse noch eins drauf. Auch 1996 aus der Magnum mit der Koppe-Crew im damaligen Anne Bell der Star des Abends – 98/100. 1998 wieder Merlot in Perfektion – 98/100. Brauchte 1999 auf der großen 82er Probe sehr viel Luft und wirkte zu Anfang verschlossen, fast Cabernet-betont, entwickelte dann aber mit der Zeit eine geile Süße – 97/100. 2001 während der Cebit in Hannover wieder eine sehr jung wirkende Flasche, dichter Power-Pomerol, leicht animalische Note, massig Teer, irre Länge am Gaumen, noch längst nicht auf Höhepunkt - 97/100. Kurz danach noch mal aus der Magnum, ebenfalls sehr jung und noch ganz am Anfang – 97/100. 2008 hedonistisch schön und offen, süchtig machende, irre Nase mit so viel feinem Schmelz, am Gaumen süß und irre lang – 98/100. Dann im Sommer 2008 zu Anfang bissig und verschlossen und ließ erst nach gut 2 Stunden seine wahre Größe erkennen – 95+/100. Fazit: da mag es immer wieder Ausreißer geben. Der l´Evangile gehört für mich aber auf dem rechten Ufer zu den Spitzen des Jahrgangs und hat sicher noch 10+ Jahre Potential. 2009 wieder eine Traumflasche auf 98/100 Niveau. 2011 noch so jung wirkend – 97+/100. 2014 eher maskulin, leicht herb und wirkte stückweit verschlossen – WT95+. La Fleur-de-Gay mit etwas diffuser, überreifer Süße dürfte 2012 seinen Höhepunkt inzwischen überschritten haben, immerhin ein sehr leckerer Abschiedsschluck – 90/100. Dichte Farbe mit ersten Brauntönen, am Gaumen jung, sehr kräftig, Maulbeeren, Pflaumen, gekochte Früchte, langer Abgang, so präsentierte sich La Fleur Petrus 1996 zweimal auf 93/100 Niveau. 1997,98,99 und 2000 noch mehrfach nachverkostet, inzwischen etwas reifer und bei allem Schmelz auch eine gewisse Rustikalität zeigend, weiter konstante Bewertung mit 92/100. 2006 sehr reif, weit und mild. Doch auf diesem Niveau scheint er bleiben zu wollen. Ein reifer, weicher Schmusepomerol – 93/100. 2012 aus der Magnum reif, reife, hedonistisch schön mit pflaumiger Frucht und schokoladiger Süße – 94/100. Positiv überrascht hat mich 2012 aus der Magnum der reife, süße, portige, dichte und schmelzige Gazin – 93/100. Kaum auffindbar und schon gar nicht bezahlbar ist Lafleur. Den habe ich 1988 zweimal im Düsseldorfer Caveau aus der halben Flasche getrunken, damals schon ein begeisternder Wein, dessen überreife Frucht über die massiven Tannine hinwegtäuschte. Auch viel mir damals die intensive Lakritznote auf. Getrunken habe ich ihn damals mit viel Erfurcht, denn so „versaut“ war ich damals noch nicht. 1999 auf der 82er Probe dann wieder irre Nase mit viel überreifer Frucht, Maulbeere, Lakritz, fast etwas portig oder likörig, immer noch strammes Tanningerüst – 97/100 mit Potential für mehr. Zweimal 2012, auf der großen Lafleurprobe am Attersee dicht, kräftig, lakritzig, teerig und maskulin der wie ein großer Pauillac wirkend, mit unglaublicher Länge, gegen den eine Comtesse im Vergleich als Pomerol durchginge – 98/100. Auf René Gabriels 82*82 ein enorm vielschichtiger, komplexer, strammer Brocken der enorm viel Zeit und Luft brauchte, mehr als mein kleiner Deguschluck zuließ – 96/100. Normalerweise bald getrunken gehört Latour-à-Pomerol. 2004 in einer Probe war er voll entwickelt und zeigte auch in der Farbe deutliche Reifetöne, dazu fast überreife, rotbeerige Frucht, Schokolade und einen schönen Schmelz – 94/100. Eine erstaunlich junge Flasche hatte ich im Herbst 2004 auf einer Krähling-Probe, Tabak, jede Menge Lakritz, erstaunlich jung und kräftig, langer Abgang, derzeit eher Medoc als Pomerol, in dieser Form noch 10+ Jahre von der Genussreife entfernt, der letzte große Latour-à-Pomerol im alten Stil – 94/100. 2009 in Bremen aus der Magnum weich, reif, gefällig und schokoladig – 92/100. 2011 reif, sehr schokoladig, schmelzig, nicht nur in der hedonistisch schönen Nase, auch am Gaumen weich, elegant mit burgundischen Konturen und wunderbarem Schmelz, gehört bald getrunken, notierte ich vor fünf Jahren, das werde ich wohl in 5 Jahren immer noch schreiben – 94/100. Da ist keine Eile geboten, den kann man aus guten Kellern immer noch kaufen. Nenin hat weder etwas mit den wieder recht gut gelungenen Nenins der neueren Zeit zu tun, noch mit den grandiosen, alten Nenins. 2007 war das ein weicher, reichlich dünner, schlabberiger Saft und die darin zweifelsohne vorhandene Schokolade stammte vom Discounter – 86/100. Petit Village war 2011 im Taillevent in Paris endlich reif mit Leder, Unterholz, Trüffeln und viel Schmelz, ein großartiger Pomerol auf dem Höhepunkt – 94/100. Zuletzt 2012 immer noch dicht und kräftig, Leder, Unterholz, Trüffel, kräuterige Würze, enorme Länge am Gaumen und noch Potential für lange Jahre – 93/100. Sehr viel Geduld verlangt Petrus. 1988 durfte ich ihn zum ersten Mal im Düsseldorfer Caveau probieren. Sehr beeindruckende, hocharomatische Nase, doch am Gaumen Holz und Tannine pur, absolut zugenagelt. 11 Jahre später war der Petrus dann einer der Stars einer großen 82er Probe, irre Geschmacksdichte mit toller Süße – 100/100. 2002 auf einer Raritätenprobe war er zu Anfang der schwächste eines großen 82er Pomerol Flights und machte sie zum Schluß alle nieder – 100/100. 2005 auf René Gabriels großer Petrus Probe sehr schöne Nase, kräuterig im besten Lafleur-Sinne, Eukalyptus und Minze, schöne Länge am Gaumen, toller, aber für das derzeit Gebotene hoffnungslos überteuerter Wein, der allerdings noch viel Potential hat, vielleicht hätte ich ihn nur länger im Glas lassen sollen - 96/100. Zuletzt 2008 bei den Ungers schon recht weit und reif mit deutlicher Süße, aber auch der kräuterigen Aromatik eines Lafleur – 96/100. Le Pin habe ich seinerzeit sicher unterschätzt, denn schon 1992 bei einer großen Le Pin Probe notierte ich: voll, opulent, viel von allem, jetzt toll, aber wohl leider wenig Zukunft – 94/100. Und so war Le Pin 1999 in der 82er Probe eine große Enttäuschung, ziemlich eindimensional, wenig Frucht, wenig Extrakt, wohl ein leichter, schleichender Kork – 91/100. 2010 aus der Magnum ein grandioser Wein auf dem absoluten Höhepunkt, für den es eine ganz simple Beschreibung gibt, die 1982 Pichon Comtesse in Bestform aus Pomerol. Wieder diese süchtig machende, schmelzige Nase mit der Exotik eines 59er Mouton, aber auch wie ein hypothetischer Blend aus Comtesse und Bryant Family, exotisch, erotisch, süße Fülle, sich ständig wandelnd und neue Facetten zeigend, dabei unglaublich elegant und harmonisch. Klare 100/100 für einen der ganz großen Weine unserer Zeit. La Pointe war 1995 ein etwas simpler, aber voll ausgereifter, gut trinkbarer Pomerol – 85/100. Taillefer aus der Magnum hatte 2007 in der etwas verhaltenen Nase leicht animalisch, Pferdestall, Heu. Am Gaumen ging dann die Post ab. Kräuterig im besten Lafleur-Sinne, Anis, Fenchel, sehr weich, reif, dabei trotzdem nachhaltig mit druckvoller Aromatik und schöner Länge am Gaumen, ein faszinierender Gaumenschmeichler, der von der großen Flasche und der perfekten Lagerung sichtlich profitiert hatte – 93/100. Sehr gut hat sich Trotanoy entwickelt, ein großer Pomerol mit viel Potential. 1995 war er weich, burgundisch, voll da mit erdigen und Terroir-Tönen – 95/100. Doch da kam in der Zeit danach noch mehr. Auf der 82er Probe 1999 unglaublich dichter Stoff mit schöner Länge, der im Kontext großer 82er voll überzeugen konnte – 96/100. 2001 reifer Pomerol vom Allerfeinsten – 98/100. 2002 feinduftig-eleganter, riesengroßer Stoff, nur knapp hinter Petrus – 97/100. Im April 2005 auf Sylt in einer Drawert-Probe wieder ein gut gelungener Pomerol mit sehr kräftiger Statur, Terroirnoten, ohne die überreife Frucht anderer Pomerols und immer noch mit viel Potential – 95/100. 2008 paarte sich schöne Süße mit der kräuterigen Dichte eines Lafleur. Ein großer Pomerol mit noch viel Potential und langer Zukunft – 97+/100. Als stolzer Besitzer einer perfekt gelagerten OHK halber Flascen konnte ich dieses Erlebnis 2008 noch mehrfach wiederholen. Und so hatte ich 2009 dann meine bisher beste Flasche im Glas, so dicht, so fruchtig und so kräftig war dieser vollmundige Wein, der am Gaumen schier explodierte, süß, opulent, aber auch samtig mit einer feinen Kräuternote. Eine geniale Kreuzung aus Petrus und Lafleur – 99/100. Mehrfach danach 2010, 2011, 2012 und auch zuletzt 2013 auf diesem Niveau. Flirtete auch 2015 auf Sylt wieder mit der Perfektion – WT99. 2016 dann schlichtweg perfekt, ein Wahnsinnswein mit unendlichem Schmelz, bei dem einfach alles stimmte - WT100. Seit 1992 habe ich Vieux Chateau Certan mehrfach getrunken. Das war damals schon ein vollreifer Wein, bei dem das pflaumige Bouquet etwas über den dünnen Gaumen hinwegtäuschte. Inzwischen ist der Wein zumindest in der 1tel deutlich auf dem Abstieg. 2005 auf der Vieux Certan Probe in der Stromburg ein nichtssagender, ziemlich dünner Wein, den man sich nicht merken muss und der seine Zukunft bereits hinter sich hat - 85/100. Ist das auch einer dieser langlebigen Spätstarter? Was für ein noch junges, kerniges, dichtes Geschoß 2012 mit enorm druckvoller Aromatik – 95/100.

1982 galt als sehr gutes Jahr für trockene, weiße Bordeaux.

1991 habe ich den raren Domaine de Chevalier zum ersten Mal getrunken. Der brauchte viel Luft, um sich einigermaßen zu entfalten. Klar, da waren dann gelbe Früchte und eine gute Säure, aber die große Freude kam nicht auf – 84/100. Zuletzt 2012 war noch feine, gelbe Frucht, erstaunliche Frische, hohe Säure, aber auch ein leicht metallischer Nachgeschmack im eher kurzen Abgang, wie frisch aus der Dose. Für € 7 wäre das ein toller, Pfälzer Newcomer, aber als großen, gereiften, weißen Bordeaux fand ich ihn eher enttäuschend – 86/100. Domaine de Chevaliers können riesengroß sein und fantastisch alter. Sie gehen aber durch so viele verschlossene Phasen, dass der richtige Trinkzeitpunkt fast Glücksache ist. Ich habe mit diesem Wein in den unterschiedlichsten Jahrgängen erheblich mehr Enttäuschungen als Höhepunkte erlebt. Probleme hatte ich auch 1999 auf einer Probe mit Laville Haut Brion. Der zeigte ein kräftiges Gelb, wirkte ölig, Petroleum, sehr kräftig und lang im Abgang, nur für Liebhaber, ich gehöre nicht dazu – 88/100. 2012 zeigte die Nase noch ganz dezente Wachsnoten, sogar einen Hauch Honig, war aber insgesamt ätherisch und ging stramm Richtung Möbelpolitur und Feuerzeugbenzin. Am Gaumen waren immer noch Kraft und eine gewisse Fülle, aber auch hier merkte man, dass es Zeit wurde – 87/100. Sehr gut gefallen hatte mir Ende der 80er der mehrfach getrunkene Pavillon Blanc.

Schlecht sah es bei Sauternes aus. Heftige Regenfälle machten die vielversprechenden Ansätze der zum Gelingen großer Sauternes nötigen Edelfäule, der pourriture noble, wieder zunichte. Muffig und schwierig 2012 die Nase des Le Caillou, wirkte auch am Gaumen eher wie frisch vom Entrümpler – 80/100. Filhot war 2012 von der Nase her ganz ok mit pikanter Frucht, Ananas, Zitrone und Bisquitrolle, am Gaumen war er simpel und enttäuschend – 86/100. Zum jetzt und hier trinken gefiel mir 2012 der tiefgüldene, sehr reife, fette, süße Rieussec aus der Magnum am besten. Der hatte zwar mangels Säure wenig Zukunft, dafür aber um so mehr Gegenwart – 93/100. Der Suduiraut Crème de Tête wirkte 2012 sehr ausgewogen mit schöner Süße, ein Sauternes-Klassiker mit viel Orangen-Bittermarmelade – 91/100. Der d´Yquem war 2012 weich, süß und wirkte etwas diffus, allerdings mit langem Abgang – 90/100. Aber das heißt nichts. Yquems entwickeln sich über Jahrzehnte im Schneckentempo. Lassen Sie ihn liegen. Ihre Enkel kriegen vielleicht einen sehr guten Yquem mit 95/100 ins Glas.

Eine riesige Ernte gab es in Burgund. Leider waren Burgunds Winzer aber noch längst nicht soweit in der Keller- und Weinbergsarbeit wie ihre Bordelaiser Kollegen. Die Konsequenz waren reife, früh trinkbare, aber auch recht dünne Weine mit wenig Zukunft. Bis auf ganz wenige Ausnahmen würde ich von diesem Jahrgang inzwischen die Finger lassen.

Einfach nur mausetot 2012 der Gevrey-Chambertin von Calvet mit sehr reifer, bräunlicher Farbe und säuerlichem Gaumen. Eher etwas einfach gestrickt, rund, samtig, voll trinkbar war Ende der 80er mehrfach ein Chassagne Montrachet Morgeot von Chandesais – 85/100. Schnell starb 2013 schon im ersten Glas ein Gevrey-Chambertin von Maurice Chenu. Bereits hinüber war 1994 der DRC Romanée St. Vivant, deutliche Reifetöne in der insgesamt alt wirkenden Farbe, am Gaumen Oxidationstöne und Überhand nehmende Säure – 76/100. Das muss eine misshandelte Flasche gewesen sein, denn 2008 in der Traube Trimbach hatte dieser Wein eine reife, ausladende Nase mit roten und blauen Beeren, mit Tabak, Edelhölzern, Trüffel und Lebkuchengewürz mit schöner Süße. Nur das Riechen alleine war schon ein Erlebnis. Und dann der Gaumen, so komplex und vielschichtig, so elegant, druckvoll und irre lang mit der Süße eines gut gereiften, großen Burgunders. Einfach ein perfektes Weinerlebnis, bei dem locker 97/100 fällig waren. 2009 dann an gleicher Stelle die etwas älter wirkende Zwillingsflasche – 95/100. 2008 hatte der Richebourg von DRC eine sehr pikante, erstaunlich frische rot- und blaubeerige Frucht, kein Hammer, aber für das im Burgund eher schwächere Jahr mit erstaunlicher Dichte und Konstitution. Baute unglaublich im Glas aus und gewann deutlich an Statur und Länge, ein gewaltiger Burgunder mit noch langer Zukunft – 96/100. Bereits 1991 auf dem Höhepunkt mit ersten, deutlichen Brauntönen ein Clos St. Denis von Dujac, damals konstant mit 87-88/100 bewertet. Komplett hin und untrinkbar 2013 ein Corton Clos des Cortons von Faiveley. Erstaunlich gut 2013 ein Nuits St. Georges Clos des Porrets von Henri Gouges, ein sehr feiner, eleganter Burgunder mit pikanter Frucht und generöser Süße, einfach stimmig und herrlich zu trinken - WT90. Ein Savigny-les-Beaunes von Louis Latour war 1988 schon ein harmloses, dünnes Wässerchen – 79/100. Sehr schön und kräftig war 1990 bei Jörg Müller aus der halben Flasche ein Grands Echezeaux von Ropiteau – 92/100.

Ein großer Wein war 2002 der DRC Le Montrachet, noch so frisch wirkend, mit Zitrusaromen, reifer Frucht, frischen Kräutern. Zeigte tolle Länge am Gaumen und baute sehr schön im Glas aus – 96/100. Sehr druckvoll und kräftig war 1997 bei Jörg Müller ein Corton Charlemagne von Dubreuil-Fontaine. Ein Wein mit noch hoher Lebenserwartung, der ohne weiteres dekantiert werden konnte – 93/100. Groß 1993 in einer Ramonet-Probe Le Montrachet von Ramonet und nur Nuancen hinter dem 86er – 97/100.

An der Rhone gab es eine riesige Ernte nicht sonderlich konzentrierter Weine, mit einer großen Ausnahme: Guigal. Absolut reif und auf dem Punkt mit wunderbarer Süße, sehr feinen Gewürznoten und unendlicher Eleganz, der La Mouline im Januar 2007. Die Cashmere-Version von Guigal, ein Monument, das mit leisen Tönen unglaubliche Aufmerksamkeit erzielte, so unglaublich komplex und vielschichtig, hörte im Abgang überhaut nicht mehr auf. Mit seinem beeindruckenden Pfauenrad an Gewürznoten wäre das die ideale Werbung für Ingo Hollands Restaurant und Gewürzladen. Sicher wird sich dieser La Mouline, der eindrucksvoll zeigt, warum es lohnt, Guigal-Weine reifen zu lassen, auf diesem unbestreitbaren 100/100 Niveau noch ein paar Jahre halten. 2013 wieder die verschwenderische Generösität eines perfekten La Moulines, wunderbare Süße, Eleganz und ein ewiger Abgang – 100/100. Auch 2014 schlichtweg atemberaubend 2014l mit einem Pfauenrad an Aromen – WT100. La Landonne war 2011 noch sehr dicht mit dunkler Frucht, aber auch weich, reif mit feinem, süßem Schmelz – 96/100. Rhone pur 2012 in der Nase des Hermitage la Chapelle von Jaboulet Ainé, animalisch, Blut, Leder, Eisengeländer, aber auch burgundische Süße, der Gaumen kam da nicht mit und passte eher zur reifen Farbe – 93/100.

Sehr schön war 1995 und 1997 ein schmeichlerisch-reifer, sehr burgundisch wirkender

Beaucastel – 88/100. Recht gut gefiel mir auch 1988 ein Chateauneuf-du-Pape von

Mont Redon, der mit einem stabilen Tanningerüst ausgestattet war – 87/100.

2006 öffnete ich auf einer Best Bottle eine Magnum Vacqueyras, abgefüllt von der dortigen Kooperative. Das war zwar kein Riesenwein, hatte aber eine schöne Nase, faszinierende, vielschichtige Aromatik, relativ helle Farbe, zart, elegant, burgundisch, würzig 87/100.

Durchaus noch eine Suche wert könnte Chateau de Chambert sein, einer der besten Weine aus Cahors. Ich habe diesen alkoholreichen, rabenschwarzen Wein mit seiner betörenden Brombeerfrucht zuletzt 1990 getrunken – 85/100.

Gutes Weinjahr auch im Elsass, allerdings mit (zu) hohen Erträgen. Da ist es mit der Alterungsfähigkeit mit Ausnahme einiger edelsüßer Weine nicht so gut bestellt.

Ein tiefes Goldgelb und eine von Zitrusaromen und dezentem Petrol geprägte Nase hatte 2008 der Clos St. Hune, am Gaumen durch die kräftige Säure erstaunliche Frische - 90/100. Auch 2013 tiefes, brilliantes Goldgelb, sehr gute, knackige Säure, reife Zitrusfrüchte, nur ein Hauch von Petrol, hohe kalkige Mineralität und messerscharfe Struktur. Immer noch so jung wirkend - WT96.

Schwierig 2008 von der Loire ein Clos de la Coulée de Serrant aus der Magnum. Kräftiges Goldgelb, in der Nase Menthol und Petrol, aber auch etwas nussige Süße, Amaretti und eine Portion Schafstall. Am Gaumen furztrocken mit massiver Säure. Eine etwas gewöhnungsbedürftige Mischung aus Sherry und trockenem Kräuterlikör, die erst zum Essen etwas aufblühte – 85/100. Kann sicher noch gut 30 Jahre altern, aber ich bezweifle doch sehr, dass dieser Wein irgendwann mal richtig Spaß macht.

Auch in Deutschland gab es eine sehr große Weinernte. Kräftiger Regen zur Erntezeit hatte die Trauben aufquellen lassen. So gab es deutlich mehr Masse als Klasse. Die Weine waren in der Mehrzahl frühreif ohne viel Potential.

Trotz aller Wucht sehr gelungen 1992 ein Ihringer Winklerberg Grauburgunder Spätlese trocken Dr. Heger – 92/100.

Der schönste Wein in 14 Tagen Kleinwalsertal war 1989 ein Scharzhoferger Riesling Kabinett von Egon Müller, sensationelles Bouquet weißer Früchte, sehr lang, intensiv, wirkte fast trocken – 92/100. Eine Kaseler Nieschen Auslese von Kesselstatt hatte 2012 auf Sylt eine güldene Farbe, Bienenwachs und Honig in der feinen Nase, schöne Fülle und gute Säure am Gaumen – WT92.

Ein Steinberger Riesling QbA von den Staatsweingütern wirkte schon 1992 etwas muffig und ausgezehrt – 75/100.

1982 galt sowohl im Piemont als auch in der Toskana als sehr gutes Weinjahr. Meine bescheidenen Erfahrungen sind da eher etwas gemischt. Ich fand viele Weine doch verdammt schnell reifend. Nach guten 82ern würde ich heute lieber in Bordeaux suchen.

Weich, reif, aber noch mit Potential für etliche Jahre 2010 ein sehr gut gelungener Barolo Brunate von Marchese di Barolo – 92/100. Gar nicht mein Ding war im Herbst 2004 ein Brunello Soldera Riserva Case Basse. Dichte Farbe, wenig Nase, am Gaumen unglaubliche Astringenz, da zieht sich alles zusammen, der war nie was und wird auch nichts mehr. Perfekter Hauswein für ein Domina-Studio, besser kann man nicht quälen – 78/100. Sehr gefällig, rund und einfach lecker war Cetinaia, von dem ich Ende der 80er auf Sylt in Hardy´s Weinstuben etliche Flaschen geleert habe – 88/100. Eleganz pur 2014 der Barbaresco Sori Tildin von Gaja, Rosenblätter, Veilchen, ein Hauch Lakritz, gute Mineralität, entwickelte sich wunderbar im Glas, immer noch so frisch und finessig, mit sehr präziser Struktur und guter Länge – WT95. Überraschend fruchtig und jung 2012 der Darmagi von Gaja, die Nase baut rasch ab, der Gaumen bleibt, die gute Farbe deutet noch längeres Leben an, ein Wein, der besser zu begleitendem Essen passt – 90/100.Ganz gefällig, aber nicht aufregend waren Anfang der Neunziger auch diverse Barolos, u.a. von Pio Cesare und Michele Chiarlo. Mit dem hochgelobten Barbaresco St. Stefano Riserva Speciale von Giacosa konnte ich nie viel anfangen. Zuletzt wieder 2002 reife Farbe mit deutlichen Orange- und Brauntönen, zu Anfang wunderbar malzig-süße, reife Nase die dann schnell und immer mehr medizinisch mit deutlichem Jod-Ton wird, am Gaumen störrisch-piemontesisch, wirkte gut 20 Jahre älter und gehört dringend getrunken – 88/100.

Le Pergole Torte hatte eine reife, helle Farbe, auch eine sehr reife Nase mit Waldpilzen, Eisengitter und Trüffeln. Am Gaumen wirkte er doch arg gezehrt und austrocknend - 84/100. Schon lange nicht mehr getrunken habe ich Sammarco vom Castello di Rampolla. In der ersten Hälfte zählte dieser elegante, fleischige Schmeichler, eine Art toskanische Comtess, zu meinen Lieblingsweinen mit konstant 92-93/100. Sammarcos aus dieser Zeit altern recht gut, könnte also noch einen Versuch wert sein. Unterschiedliche Flaschen soll es beim inzwischen sehr teuren Sassicaia geben. Ich habe diesen Wein 6mal getrunken. Vom Hocker gerissen hat er mich nie. Die beste Performance zeigte er noch 1993 bei Willi Krählings großer Sassicaia-Probe aus der Magnum, wunderbare, generöse Nase, am Gaumen verschlossen, viel Potential ausstrahlend. 1995 dichte, junge Farbe, Rhone-Nase, allerdings sehr viel Säure, wirkt etwas jung und unreif, astringierend, zuviel Säure macht einen potentiell sonst großen Wein zunichte - 88/100. 1996 auf der Sassicaia-Probe der Unger-Brothers wieder tolle, kräftige Farbe, wenig Nase, schön am Gaumen, aber mit etwas störender Säure - 89/100. Auch auf der 82er Probe 1999 konnte er mit den 82er Bordeaux nicht mit. Doch 10 Jahre später, Ende 2009 im Villino war die Farbe immer noch recht jung, die Nase etwas älter und reifer, schlank der Gaumen, aber sehr aromatisch und mineralisch mit pikanter Frucht, ging mit seiner präzisen Struktur als gut gereifter Pauillac durch – 92/100. Auch Solaia zeigt deutlich, dass 1982 nicht zu den stärksten Toskana-Jahren gehörte. Schon 1988 fand ich ihn eher auf der leichten Seite mit schöner Frucht, ein Spaßwein ohne viel Tiefgang, was für ein solches Gut eindeutig zuwenig ist. 2002 präsentierte er sich deutlich gereifter, ernster. Die Frucht trat in den Hintergrund, prägnanter waren erdige Töne und Trüffel – 90/100. In einer Solaia-Vergleichsprobe 2004 mit Montepelos Winzer Fabio Chiarelotto zeigte er ein ständiges Wechselbad, meist nahm die zu hohe flüchtige Säure Überhand und gab den Eindruck eines Fehltones, zwischendurch blitze er dann auch mal kurz etwas auf - 85/100. 2016 war er In klassischer Bordeaux-Stilistik ledrig, erdig-mineralisch, würzig, mit feiner Minznote, sehr elegant und stimmig, in der Farbe sehr viel jünger als am reiferen Gaumen wirkend – WT93. Auch Tignanello dürfte sich inzwischen weitgehend verabschiedet haben. 1990 war das noch ein sehr schöner Wein mit guter Frucht und klassischer Bordeaux-Stilistik auf 91/100 Niveau. Schon 1994 war er mit deutlichen Brauntönen in der Farbe und ersten Alterstönen am Gaumen auf dem Abstieg. 2014 im Saittavini ziemlich platt, altes Leder, Steinpilze, überlagerte Schokolade – WT80. Immer noch recht gut trank sich 1995 ein Brunello di Montalcino Val di Suga, ein schmeichlerischer, fruchtiger, weicher Wein, dem es aber etwas an Struktur mangelte – 85/100.

Ende der 80er/Anfang der 90er habe ich in meinem damaligen Wiener Stammlokal häufig eine Neuburger Aperitif Auslese von Kollwentz getrunken. Was mit tiefer Farbe wie ein superrassiger, trockener Sherry roch und schmeckte, war tatsächlich in Sherry-Fässern ausgebaut worden, ungewöhnlich, reizvoll und interessant – 91/100. Ein Kremser Wachtberg Traminer vom Weingut Undhof war 2016 noch voll da mit Orangenschale, Cointreau, Tarte Tatin, sehr würzig und am Gaumen absolut trocken – WT93.

Ein Barreida Garrafeira aus Portugal war 1995 kräftig, rustikal, etwas ungehobelt – 85/100. Anstrengend 2012 die Nase Barca Velha aus Portugal, ein kantiger, kerniger Wein mit heller Farbe, kräuteriger Nase und hoher Säure, der nach begleitendem Essen schreit – 92/100. Deutlich besser 2016, punktete mit schöner, rotbeeriger Frucht, Kräutern und Würze, am Gaumen trotz erdiger Mineralität überraschend fein mit generösem Schmelz – WT94.

Kein besonderes Weinjahr in Spanien.

Weich, reif, aber auch etwas simpel 2002 ein Vina Pomal Gran Reserva der Bodegas Bilbaianas – 83/100. Mit dem Pesquera Janus begann die internationale Erfolgsgeschichte dieses Gutes. Ich habe den 82er Janus nur einmal getrunken, 1989 im Caveau, und fand ihn damals hoffnungslos überbewertet und überteuert. Sehr rasch gealtert ist die La Rioja Alta Gran Reserva 890. War das in den 90ern noch ein überzeugenderer Wein, der in viele Proben für Aufmerksamkeit sorgte und durchaus Bewertungen 93-95/100 rechtfertigte, so zeigten zwei Flaschen 2000 und 2001 schon eine sehr reife Farbe mit deutlichem Orangenrand, auch am Gaumen sehr reif mit der malzigen Süße deutlich älterer Riojas, dabei etwas diffus wirkend – 90/100. Zuletzt 2005 ein reifer Rioja nach klassischer Machart - 91/100, der sich auf diesem niedrigeren Niveau noch eine Weile halten dürfte. Eine Crianza von Marques de Caceres hatte 2007 Kaffeenoten, korinthige Süße, Kraft ohne viel Schmelz, etwas bitter im Abgang, aber gut zu trinken – 87/100. Gran Reserva Fausino I war zwar 2007 am Gaumen nicht sehr komplex und auch etwas kurz im Abgang, zeigte aber die Nase eines feinen, gereiften Riojas mit der typischen Süße – 88/100. Wohl deutlich über den Höhepunkt hinaus inzwischen auch der Gran Coronas Black Label von Torres. Anfang der Neunziger habe ich davon eine Kiste auf 90/100 Niveau weggenossen, doch die letzten Flaschen 1994 zeigten schon deutliche Schwächen. Zuletzt 2007 ein gefälliger, weicher, runder, schokoladiger Wein, der aber seine besten Zeiten auch schon hinter sich hatte – 87/100. Sehr gewöhnungsbedürftig 2007 ein Vina Arcadia Cabernet Sauvignon, ein monolithisch wirkender, eindimensionaler, langweiliger Cabernet, der noch nicht richtig reif ist und wohl auch niemals reif sein wird – 78/100. 2012 reife Farbe, gemüsig die Nase, am Gaumen schon recht gezehrt, deutlich über den Punkt – 82/100. Mehr versprochen hatte ich mir auch im Oktober 2005 von einem Vega Sicilia Unico. Der war schon verdammt reif mit klassischer, "spanischer" Aromatik - 91/100.

Chateau Musar aus dem Libanon hatte Ende 2004 eine sehr reife, bräunliche Farbe, überreifes Traubengut, wirkt leicht „verbrannt“, am Gaumen druckvoll mit schöner Aromatik, etwas rosinig mit feiner Süße - 90/100. Deutlich besser 2012, auch hier die Hitze spürbar, schöne Kräuternote, viel Lakritz, komplex und lang - 94/100. 2013 erst eine schwächere Flasche mit viel flüchtiger Säure – WT90. Dann Ende 2013 ein Riese mit Fülle und Dichte, mit großartiger Länge, der einfach nur sprachlos machte – WT97. Wirkte 2016 mehrfach weiter, reifer, cremiger mit feiner Würze – WT93.

Kalifornien hatte 1982 ein klassisches Bordeaux-Problem. Es regnete zur Erntezeit. So gab es zwar eine große Ernte, aber auch viel dünne Weine, die sich zwar zu Anfang recht schön präsentierten, aber nicht gut alterten. Vorsicht ist also geboten. Trotzdem lassen sich aus 1982 immer noch einige gute Kalifornier finden.

Sicherlich noch einige Jahre Potential hat Beaulieu Private Reserve George de Latour. Mehrfach getrunken, 2004 auf dem Punkt, schöne Frucht und feine Zedernholznote – 90/100. Zuletzt 2012 rief, nicht nur in der Farbe, in der Nase Minze, Sattelleder, Schwarztee, am hedonistischen Gaumen pflaumige Frucht und feine, minzige, schokoladige Süße – 94/100. 2002 habe ich den letzten von Randy Dunn gemachten Caymus getrunken, ein sehr kräftig strukturierter Wein in klassischer Dunn-Machart und für die Ewigkeit gebaut – 91/100. Immer noch weit von der Reife entfernt war auch 2002 ein Dunn Howell Mountain. Dieser erdige Wein mit schöner Cassis-Frucht war immer noch geprägt von massiven Tanninen – 91/100. Enttäuscht war ich im Frühjahr 2005 vom sündhaft teuren Grace Family Vineyard. Den hatte ich 1992 schon einmal als zwar nicht preis-werten, aber doch recht überzeugenden Wein in San Francisco erlebt. Diesmal waren da zu Anfang störende Aromen wie Gemüse, Kartoffeln und Sauerkraut, flüchtige Säure ohne Ende, wurde im Glas etwas besser. Hoffentlich nur ein Flaschenfehler. Heitz Martha´s Vineyard erschloss sich 2009 nicht sofort. Da war erst mal die an Figeac und an den 85 Martha´s erinnernde, kork-ähnliche, anstrengende Nase. Nur verschwand sie hier halt schnell und machte Platz für reichlich Minze und Eukalyptus. Was für ein irres Konzentrat mit immer noch sehr dichter Farbe, Heitz Martha´s pur, ein kerniger, traumhafter Charakterstoff – 97/100. Auf diesem Niveau auch noch mal Anfang 2011. Erstaunlich reif, weich und beinahe harmlos 2011 auf der großen Heitzprobe der Ungers – 92/100. 2015 aus der Magnum eine geile Nasenorgie aus Minze, Eukalyptus, Cola und irrer Beerenfrucht. Am Gaumen setzte sich das fort, Hedonismus pur, aber auch Substanz, eine sehr gute Struktur und gewaltige Länge – WT98. Ein Inglenook Cabernet Sauvignon erinnerte 2008 mit seiner leicht trüffeligen Aromatik und dem guten Tanningerüst erinnerte an 78 Latour– 90/100. Sehr fein und animierend 2012 Kalin Cabernet Sauvignon mit seiner fruchtigen Nase, die sich am Gaumen mit viel roter Johannisbeere fortsetzte – 91/100. Zu meinen Favoriten in 1982 gehört Chateau Montelena. Hier werden bzw. wurden große Klassiker erzeugt, spät reifend, langlebig und mit der Stilistik eines großen Pauillac. So wie die großen Bordeaux hatte er eine relativ lange Fruchtphase bis Anfang der Neunziger, in der ich ihn häufig mit großer Begeisterung getrunken habe, und verschloß sich dann für eine Weile. Inzwischen ist er wieder voll da und hat sicher noch Potential für 20 Jahre. Ende 2001 Eukalyptus, Länge, Kraft, Tannine, Struktur, immer noch ein junger Wein mit massig Zukunft, ein Riese, der am Gaumen eine feine Süße entwickelt - 96/100. 2012 auf der Montelena-Vertikale erstaunlich reif mit leicht oxidativen Noten und reifer Farbe, ging mit feiner, generöser, malziger Süße eher als Bordeaux aus den 50ern – 92/100. Das war aber eher typisch für Flaschen, wie man sie auf Winebid findet. Aus eigenen, best gelagerten Beständen war der 82er 2013 immer noch voll da und erstaunlich frisch, minzig-ledrig, leicht jodig, als Kalifornier zwar mit reifer Frucht, aber in bester Bordeaux-Stilistik, locker WT95. Für eine Überraschung sorgte im Herbst 2005 auch der von Parker&Co ziemlich abgewatschte Mondavi Cabernet Sauvignon Reserve. Ein feinduftiger, eleganter Kalifornier aus der Zeit, als hier noch große Weine unter 15% Alkohol gemacht wurden, schwarze Johannisbeere, getrocknete Kräuter, keinerlei Zeichen von Alter und sicher noch 10+ Jahre haltbar - 91/100. 2010 immer noch ein fast noch unfertig wirkender, gewaltiger Brocken, dicht undurchdringlich und völlig altersfrei die Farbe, in der Nase zu Anfang ein leichter Fehlton, alter Pappkarton, der aber mit der Zeit verschwand. Mächtig Gas gab der Montelena im Glas, wurde fülliger, minziger, süßer mit viel Kraft am Gaumen und im langen Abgang, ein großer Wein für locker noch zwei weitere Jahrzehnte – 95/100. Eine sehr dichte, junge Farbe hatte 2010 der Pine Ridge. Irritierend zu Anfang die überreif wirkende Nase, doch das ging rasch vorbei. Der Pine Ridge entfaltete sich enorm im Glas und baute immer mehr aus, die Nase zeigte immer mehr frische Cabernet-Würze und viel Minze, der Gaumen war generös und kraftvoll zugleich. Da sind sicher noch gute 10 Jahre Musik drin – 96/100. Der Rubicon von Niebaum Copolla hatte 1997 eine dichte, junge Farbe, sehr kräftig mit deutlichen Tanninen, öffnet sich nur zögerlich mit schönem Cassis-Ton, Langstreckenläufer – 92/100. Sehr angetan war ich im Frühjahr 1998 von einer Doppelmagnum Silver Oak Alexander Valley, die voll überzeugen konnte, da war zwar nicht mehr so sehr die süße Frucht jüngerer Alexanders, dafür ein perfekt "angereifter" am Gaumen sehr langer Cabernet – 92/100. Auf ähnlichem Niveau, aber noch etwas jünger wirkend ein paar Monate später aus der Imperiale. Da konnte dann 2000 eine 1tel nicht mit, immer noch sehr lecker, aber nur noch ein Schatten der früheren Form, baute nach 2 Stunden massiv ab – 90/100. Begeistert war ich 2001 von Silver Oak Napa Valley. Das war ein reifer Spitzen-Kalifornier auf dem absoluten Höhepunkt, herrlich reife Eukalyptus-Töne, erinnert mich an 74 Mondavi-Reserve - 97/100. Diese Bewertung mag sich hoch anhören, doch wer das große Glück hat, einen großen, richtig gelagerten Wein genau im richtigen Moment zu trinken, der erlebt eine echte Sternstunde. Und zuletzt 2011 war dieser Wein schon deutlich auf dem Abstieg, Kaffee statt Frucht, wie ein reifer, älterer Bordeaux, aber immer noch gut zu trinken - 90/100. Silver Oak Bonny´s Vineyard aus der DM war 2011 ein ganz großer, kalifornischer Wein, erste Reifetöne in der Farbe zwar, aber sonst kein spürbares Alter, da war noch soviel Kraft, so eine tolle Statur, wunderbare Aromatik in der Nase und am Gaumen, Leder, Minze, Eukalyptus, so komplex, so lang, ging als großer Pauillac aus diesem Jahrgang durch – 96/100. Eher furchterregend 2012 der Storybook Zinfandel mit seiner medizinalen Penicillin-Nase, am Gaumen nur noch sauer, nicht trinkbar – 78/100. William Hill Cabernet Sauvignon war 2012 auf René Gabriels 82*82 nicht nur eine Riesenflasche(Jeroboam), sondern auch ein großartiger Wein. Wunderbare, reife, pflaumige Frucht, pfeffrige Würze, Minze, die jodig-ätherischen Noten eines La Mission, gute Säure, auch am Gaumen reif, aber jetzt einfach ein spannender Hochgenuss – 92/100.

Reif ohne Alter und sehr elegant mit wunderbarer Struktur war 2012 ein Uitkyk Carlonet Cabernet Sauvignon aus Stellenbosch in Südafrika. Gefällt mir stilistisch besser als die heutigen, südafrikanischen Weine und ist jede Suche wert - 92/100.

Großes Australien-Jahr und der Jahrgang, mit dem der Penfolds Grange in Europa für Furore sorgte. Ich ließ mir den Grange 1990 mehrfach aus London mitbringen, wo er damals für umgerechnet € 40 in fast beliebigen Mengen erhältlich war. So verging dann Anfang der Neunziger kaum eine Probe, ohne dass der nicht auch dieser sehr zugängliche, üppige Grange auftauchte. Mitte der Neunziger schien sich der Grange etwas zu verschließen. Enttäuscht hat er mich auf der Grange-Probe in Lehrbach. Doch das zweite Leben dieses Weines ist viel spannender. Der inzwischen wieder sehr gut trinkbare Grange wirkt inzwischen völlig anders als in seiner ungestümen, marmeladig-üppigen Jugend. Immer noch ein intensives Fruchtkonzentrat, sehr würzig mit gewisser Rhone-Affinität und der Struktur eines guten Pauillac. Wie eine hypothetische Mischung aus La Mouline und Latour, dabei sehr zugänglich mit geringer Säure und sehr reifen Tanninen. Die letzten drei Flaschen 2000, 2001 und 2004 konstant mit 98/100 bewertet. Hat sicher noch 10+ Jahre vor sich. Einer der ganz großen Granges. Hat mit den heutigen, überladenen Australiern ebenso wenig zu tun wie mit den modernen Granges und gehört zumindest einmal an den Gaumen jedes engagierten Weintrinkers. Zweimal 2007 bei aller Kraft und Größe sehr, sehr fein mit fantastischer Länge am Gaumen. Ein unsterblicher Grange, der weder in der superdichten Farbe noch am Gaumen irgendwelche Zeichen von Alter zeigte – 97/100. 2012 bei René Gabriels 82*82 voll da mit viel Sex Appeal, allerdings mit Potential für noch lange Jahre. Süße Cassis-Frucht, Minze, Eukalyptus, dabei nicht überladen, sondern sehr fein und elegant, ein anderer Stil als die heutigen Aussie-Boliden - 99/100. 2013 auf der großen Grange-Probe eher der Pomerol unter den Granges mit dekadenter Süße, mit Opulenz und einfach geilem Trinkfluss - WT99. In perfektem Zustand 2016 mit süßer Cassisfrucht, Minze, viel Eukalyptus, bei aller Opulenz erstaunlich elegant und fein, zu Recht eine Legende – WT99.Wo der Grange zu seinen heutigen Preisen das Budget sprengt, tun es durchaus auch die preiswerteren Alternativen aus dem Hause Penfolds. Stilistisch dem Grange nicht unähnlich trotz der anderen Rebsorte ist der Cabernet Sauvignon Bin 707. Diesen dekadent leckeren, sehr fruchtigen, leicht exotischen Wein habe ich in den letzten Jahren mehrfach getrunken und immer mit 94-96/100 bewertet. Täuschen darf man sich beim 707 nicht von seiner frühen Zugänglichkeit lassen. Das Zeugs kann verdammt gut altern. Auch der noch preiswertere Cabernet Shiraz Bin 389 konnte 2000 überzeugen, reif, süß, opulent, lecker, sättigend, wenn man ihm überhaupt etwas vorwerfen kann, dann eine gewisse Vordergründigkeit - 92/100. Zweimal getrunken habe ich auch den nur in diesem Jahr erzeugten Cabernet Shiraz Bin 820. 1996 in einer Probe hatte er eine fantastische Kirschsüße, war sehr lang, zugänglich, einfach toll, dem Grange zuerst überlegen, nach einiger Zeit keine Chance - 96/100. Auf der Grange-Probe 1999 war er bei sehr schöner Nase am Gaumen leider etwas spitz und säurelastig – 87/100.

1982 galt als großes Champagnerjahr, in dem fast alle Häuser Jahrgangschampagner machten. Billcart-Salmon Blanc de Blancs hatte 2014 und 2015 bei Jörg Müller aus der Magnum immer noch frisches Mousseux, sehr mineralisch, kraftvoll auftretend, aber auch sehr elegant mit enormem Tiefgang, feiner Brioche-Note und hoher Mineralität - konservative WT95. Reif, sehr cremig mit karamellisiertem Brioche 2015 der traumhaft schön zu trinkende Dom Perignon – WT95. Gleich dreimal 2016, tiefe Farbe, immer noch gutes Mousseux, karamellisiertes Brioche, so unglaublich cremig am Gaumen. Das war wirklich reifer Dom Perignon vom Allerfeinsten mit perfektem Trinkfluss – WT96. Ich fand Krug 1999 sehr gewöhnungsbedürftig und nicht auf der Höhe anderer Jahre, wie z.B. 85 – 90/100. Aber da war er wohl noch zu jung. 2007 auf Sylt aus der Magnum war das ein Riese. Ein Traum-Champagner mit gewaltigem Potential. Kraft ohne Ende, aber alles sehr distinguiert. Perfekte Textur und Struktur, cremige Frucht, so vielschichtig und komplex, irre Länge, noch ganz am Anfang, wurde von Glas zu Glas immer besser und zum Schluss waren da locker 97/100. Kam 2015 meinem Idealbild eines perfekt gereiften Jahrgangschampagner extrem nahe. Da war Kraft und Fülle, immer noch sehr gutes Mousseux, gutes Säuregerüst, Tiefgang und Länge. Ein reifer Montrachet von DRC mit Bubbles - WT99. Sehr fein, elegant und schmeichlerisch war 2014 Krug Clos du Mesnil – WT95. Einfach irre, wie dieses Zeugs 2015 ausbaute. Toffee ohne Ende in allen Schattierungen und dazu bretonische Salzkaramellen in der immer expansiveren Nase, wurde auch am Gaumen immer jünger und druckvoller mit endlosem Abgang. WT97 und Potential für noch lange Jahre. Moet&Chandon war 2009 bei Jörg Müller auf Sylt perfekt gereifter Traumstoff ohne Schwächen, immer noch so jung mit gutem Mousseux – 93/100. 2016 deutlich reifer, Apfelmost, aber stimmig – WT90. Fantastisch 1990 ein Perriet Jouet Belle Epoque Rosé. Allerdings ziemlich platt 2012 ein weißer Perriet Jouet Belle Epoque. Pol Roger Rosé hatte 1995 bei Schorn ein kräftiges Rosa, gutes, aber nicht aufdringliches Mousseux, sehr frisch mit schöner Frucht, dem Dom Perignon Rosé deutlich überlegen – 96/100. Ein grandioser Salon S Le Mesnil Blanc de Blancs hatte 2008 eine brilliante, goldgelbe Farbe, sehr gutes, feinperliges Mousseux, in der Nase die Kuste eines großen Bauernbrotes und etwas Biskuitteig, dazu Haselnüsse und etwas Aprikose und Physalis, sehr frisch mit guter Säure und von leichter, angenehmer Bitternote geprägter, langer Abgang – 96/100. Noch so unglaublich jung 2013 bei Jörg Müller der kräftige Taittinger Collection, der mit seinem intensiven Mousseux auch als 2002er durchging - WT95.

Zu den überragenden Portweinjahren gehörte 1982 nicht. So wirkte denn auch der Gilbert 1998 deutlich älter, spritig, kaum Frucht – 82/100. Ein Graham Malvedos war 1993 an Bord eines American Airline Fluges sehr zugänglich, reif und gefällig mit pflaumiger Frucht, süßlich rosinig und sicher nicht sehr langlebig – 87/100. Quinta de Terra Feita Vintage Port von Taylor war 2007 ein sehr kraftvoller, jugendlicher Port mit wunderbarer, süßer Frucht und Marzipan ohne Ende – 94/100. Auch 2008 auf Sylt wieder Hedonismus pur – 94/100.