2009 Ramonet Ankunftsprobe

Einen Ruf wie Donnerhall hat die Domaine Ramonet. Sehr begehrt, sehr knapp und natürlich auch nicht billig sind die Weine des Anfang der 30er Jahre von Pierre Ramonet gegründeten Gutes, das heute von dessen Enkeln Noel und Jean-Claude Ramonet geleitet wird. Walter Nack, Urgestein der Düsseldorfer Weinszene und großer Kenner des Burgunds hatte zu einer Ankunftsprobe der 2009er Ramonets eingeladen. Wer sich so etwas entgehen lässt, dem ist nicht mehr zu helfen.

Nach dem Begrüßungschampagner gab es zunächst zum ersten Gang des Menüs zwei Magnums anderer Domainen. Ein perfekter, sauber gemachter Saufburgunder war der 2010 Bourgogne der Domaine Bzikot, mit guter Struktur, feiner Fucht, Zitrus, erstem, süßem Schmelz und guter, balancierender Säure – 88/100. Sehr schlank wirkte der 2002 Meursault Blagny von Matrot, ein feiner, sehr mineralischer, eleganter Wein mit guter Struktur, dem aber die Würze eines guten Meursaults fehlte – 87/100.

Und dann waren wir mit dem einfachen 2009 Bourgogne Blanc bei Ramonet. Sehr jung, sehr mineralisch, erstaunlicher Tiefgang, braucht Luft und Wärme, entwickelt sich enorm, viel Fleisch – 89/100. Ein sehr fruchtiger Charmeur mit Orangenmarzipan der am Gaumen etwas kurze St.Aubin 1er Cru Les Charmois – 89/100.

Nussige Mineralität und Fülle zeigte der 2009 Chassagne Montrachet Village – 89/100. Ein Wein für Eleganztrinker ist der 2010 Puligny Montrachet Village, der schlanker, mineralischer und ausdrucksstärker als der 2009 Chassagne wirkte, da kommt noch mehr – 89+/100. Die 2010er Einsprengsel in der Probe hatten übrigens einen ganz simplen Grund. Bei Ramonet hatte man sich beim Packen der Pakete vertan. Der 2010 Puligny Montrachet Les Enseigneres zeigte aus einer hervorragenden Dorflage faszinierende 1er C ru Qualität – 92/100.

Kraft und Fülle satt zeigte der 2009 Chassagne Montrachet 1er Cru Les Morgeots, aber wenig Finesse, wirkte ziemlich fett – 90/100. Klasse, Rasse, kalkige Mineralität und enormer Tiefgang beim sehr eleganten, komplexen 2009 Chassagne Montrachet 1er Cru Les Chaumées 93/100. Im direkten Vergleich war der 2009 Chassagne Montrachet 1er Cru Boudriotte fruchtbetonter, fülliger, aber nicht mit der Rasse des Chaumées und wirkte einfältiger – 91/100. Schlank, fruchtig und mit Kiesel-Mineralität der 2009 Chassagne Montrachet 1er Cru Les Caillerets – 91/100.

Eine feine, reife Frucht, Pfirsich, Aprikose und einen Hauch Exotik zeigte der 2009 Chassagne Montrachet 1er Cru Les Ruchottes, der sehr nussig wirkte mit cremiger Textur – 93/100. Unser Gastgeber hatte dagegen zum Vergleich einen sehr überzeugenden 2006 Chassagne Montrachet 1er Cru Les Ruchottes gestellt, zum Jetzt-Trinken mit der besseren Struktur und mehr Finesse eindeutig der bessere Wein, was wohl auch an der größeren reife lag – 94/100.

Eine florale Nase hatte der 2009 Puligny Montrachet 1er Cru Champs Canets. Wirkte zunächst etwas verhalten, stoffig, kräftig mit viel Potential, baute im Glas aber enorm aus und entwickelte eine cremige Textur, dürfte sich aber in ein paar Jahren deutlich besser präsentieren – 93+/100.

War jetzt der 2009 Bienvenues Batard Montrachet Grand Cru, von dem es mal gerade 2400 Flaschen gibt, ein Quantensprung? Wirkte etwas verhalten mit guter Substanz, aber nicht besser als die besseren 1ers aus Chassagne und Puligny. Für den Namen und das Preisniveau derzeit eher enttäuschend, also warten und hoffen – 92+/100. Um Welten darüber unser Exemplar der 3600 Flaschen 2009 Batard Montrachet Grand Cru. Mehr Frucht, mehr Druck, mehr Komplexität, mehr Länge, sehr würzig im langen Abgang, ein großer Wein mit gewaltigem Potential – 94+/100.

Mal gerade 600 Flaschen gibt es aus der kleinsten der Ramonet-Lagen. Der 2009 Chevalier Montrachet Grand Cru war ein sehr feiner, eleganter, tänzelnder Schmeichler mit enormer Substanz, der Zugänglichkeit nur vortäuschte. Derzeit verhaltener als der Batard. Ein großer Wein, der seine Klasse erst in 5-10 Jahren wirklich zeugen wird. Dann kommen statt der heutigen 93+/100 sicher 96 und mehr ins Glas.

Spannend wird in 10 Jahren für die wenigen Glücklichen, die dann noch Flaschen besitzen der Vergleich zwischen Chevalier und dem 2009 Montrachet Grand Cru. Der war an diesem Abend die absolute Spitze, stoffig, kräftig, geradezu opulent, aber mit toller Struktur. Enorme Länge und Dichte bei einem Weltklassewein, der aus den verbliebenen 1199 Flaschen in den nächsten Jahren sicher noch zulegen wird – 96+/100.

Eigentlich gehöre ich nicht zu denjenigen, die einen ganzen Abend voller Begeisterung nur Weißwein trinken, aber die Aber die Komplexität, Finesse und Vielschichtigkeit der Ramonet-Weine haben es mir an diesem Abend angetan. Das ist schon großes Weißweinkino. Gerne würde ich die Ramonets, sofern der gute Walter Nack auch Zwetflaschen der Großen besitzt, einmal als „10 years after“-Probe verkosten. Dann dürfte die mit dieser Probe verbundene Spende für das Herzens-Projekt der Nacks, das Kinderhospiz Regenbogenland, natürlich auch deutlich größer ausfallen.