1966

Kein einfaches Jahr, 1966. Zwar gibt es noch etliche trinkbare Weine, doch wer dazu auch noch echten Genuss sucht, muss zweimal hingucken.

In Bordeaux wurde zwar der nach 1961 zweitbeste Jahrgang der 60er eingebracht, doch sind viele gerade der kleineren Weine längst ausgetrocknet.

Calon Ségur war 1989 aus einer 1tel schon sehr weit und nicht besonders ausdrucksstark. Ein Erlebnis dagegen 1997 auf einer Drawert-Probe eine perfekte Magnum dieses Weines, helle Farbe, reif, weich, sehr schön, viel Kraft, in dieser Magnum besser als 61 und Spaß für die nächsten 10 Jahre - 94/100. 2004 eine weitere Magnum Calon Ségur, reife Farbe mit deutlichem Orangenrand, voll auf dem Punkt, großer Wein mit toller, reifer Nase und unendlicher Länge am Gaumen. Zuletzt 2007 eine sehr enttäuschende, ältliche Flasche. Cos d´Estournel hatte er eine absolut junge, dichte Farbe, die Nase war auch noch ganz o.k., aber dann kam Säure ohne Ende, kein Genuss mehr. Deutlich besser 2006 auf der großen Cos-Probe, sehr schön zu trinkender, aromatischer, gefälliger Wein, etwas rustikal und schlank am Gaumen, störend nur die Noten von altem Fass – 87/100. Zuletzt 2007 auf der großen St. Estephe-Probe alt, deutlich über den Punkt, ungenerös mit zu hoher Säure – 76/100.

Ein unterschätzter Langstreckenläufer ist oft Grand Puy Lacoste. 1997 und 1999 konnte er jeweils in Proben überzeugen, ein wunderbarer, perfekt gereifter, klassischer Bordeaux, der sicher noch eine Weile Spa? macht – 92/100. Zuletzt wieder auf ähnlichem Niveau 2006, immer noch Reserven für etliche Jahre. Ende 2006 dann aus der Magnum schon sehr reif, Feinfruchtig, elegant, eher etwas schlank und von subtilerer Aromatik – 89/100. Sehr reif zuletzt auch 2012 – WT88. Dringend abraten kann ich nur von Lafite Rothschild. 2005 hatte der in der Nase deutliche Paprikatöne, unreifer, grüner Wein aus unreifen Trauben, Säure statt Frucht, schlimmes Zeugs – 79/100. Zuletzt 2011 Sehr reif die Nase, der große Rundgang über mit Wochenmarkt mit viel grünen, unreifen Noten und Paprika, am Gaumen dürr, austrocknend, Apotheker-Lakritze ohne Süße – 83/100. Enttäuscht war ich in den Neunzigern oft von Latour, der zwar großes Potential andeutete, aber mit seinen massiven Tanninen wenig rausließ. Inzwischen hat sich das deutlich geändert. 2001 war Latour der Wein des Abends, Cabernet in Perfektion (2 Std. vorher dekantiert), immer noch kräftige Tannine, aber wunderschöner Schmelz, Latour in Perfektion – 96/100. Nicht rechtzeitig dekantiert war er 2003 erst chancenlos gegen die charmante 78er Comtesse, kam aber immer besser, Langstreckenläufer mit sehr viel Kraft, noch ganz am Anfang. 2010 wieder Latour in Perfektion, wunderbare Frucht, Perigord-Trüffel, Walnuss, perfektes Tanningerüst, Kraft ohne Ende, aber auch sehr noble Eleganz – 97/100. 2014 wieder ein großer, klassischer Latour, immer noch mit guter Frucht und perfekter Struktur, mit der leicht trüffeligen Walnussaromatik und intaktem Tanningerüst für eine längere Zukunft – WT96. Sehr gemischte Erfahrungen habe ich mit Lynch Bages gemacht, insbesondere mit 1teln in der Chateau-Abfüllung. Da waren ein paar gute(90/100) aber auch viele schlechte Flaschen darunter. Da war die Barriere-Abfüllung deutlich konstanter, zuletzt 1997 mit kräftiger Farbe und herrlicher Minznase – 93/100. Noch besser natürlich in Großflaschen. 1998 in Paris aus der Magnum sehr schöne, dichte und deutlich jüngere Farbe, wunderbare Nase mit Zedernholz und leichten Minztönen, auch am Gaumen top, Klassestoff – 94/100. 1999 in einer Best Bottle aus der Magnum, Minze und Eukalyptus eines schönen Moutons, nur die Konzentration eines großen Moutons ist nicht da, trotzdem großer Klassiker und mein wohl bisher bester 66 Lynch Bages – 95/100. Leider 2008 wieder eine unterirdische Chateau-Magnum, die Nase modrig und muffig, alter Pappkarton, der Gaumen mit etwas Minze und Süße nur marginal besser, schade. Hatte 2014 zur kräftigen Säure auch feinen Schmelz, wurde weicher und baute enorm im Glas aus – WT90. Sicherlich vergessen kann man inzwischen den Carruades von Lafite Rothschild. Der hatte schon 1989 eine helle, reife Farbe mit deutlichen Brauntönen, wirkte leicht und wässrig. Berg- und Talfahrt auch mit Mouton Rothschild. 1990 und 91 eine miese und eine riesige(95/100) halbe Flasche, beide aus derselben Quelle. Davor 1988 eine wunderbare 1tel. 1994 bei Willi Krälings Mouton-Probe aus der Magnum weniger schön mit etwas spitze Säure – 88/100. 1999 dann aufhellendes Rot, wunderschöne, etwas süße und weiche Nase, am Gaumen vollreifer, schöner Cabernet mit ganz dezenter Süße, einer der schönsten 66er Moutons, die ich je getrunken habe – 94/100. Und zuletzt 1999 in einer großen Mouton-Probe einfach nur eckig, säurelastig, flach – 82/100. 2005 einfach nur dürr, ungenerös und etwas grün, ein Wein, der seine beste Phase lange hinter sich hat und nur noch schlechter werden kann – 86/100. Zeigte 2014 auf Sylt eine traumhafte Farbe ohne Alter. Der anfängliche Kellermuffton verschwand schnell, stattdessen Sattelleder, Bleistift und Minze, immer noch recht präsente Tannine – WT94. Meine mit Abstand beste Flasche war 2016 eine perfekte Magnum. Wirkte so jung, so fröhlich, immer noch mit Röstaromen und mit der Mouton-typischen Aromenmischung aus Cassis, Minze, Sattelleder und Bleistift. Wunderbare, dekadent-süße Frucht – WT96. Hatte mir die Pichon Comtesse de Lalande 1989 noch recht gut gefallen, so war sie 2001 auf der großen Comtesse-Probe gezehrt, nicht sehr generös, muss nicht mehr sein, nur die Nase ist noch toll – 85/100. Zuletzt 2010 ein sehr kräftiger, aber auch etwas eindimensional wirkender Wein mit leicht bittrem Nachgeschmack – 86/100.

Beychevelle hatte 1996 eine absolut junge und dichte Farbe, leicht kräuterige Nase, sehr schön ausbauend am Gaumen - 91/100. Zeigte auch 2015 trotz Kork eine enorme Kraft und viel Substanz. Dürfte noch eine längere Zukunft haben. Rauf und runter geht es bei meinem guten Dutzend Verkostungsnotizen von Ducru Beaucaillou aus den letzten 10 Jahren. Da waren überwiegend grandiose Flaschen darunter, aber leider auch 2 Ausfälle. Interessant war 1996 bei Drawert der Vergleich von 1tel und Magnum, in der 1/1 wunderschöner Wein mit viel Schmelz, Länge und Komplexität, in dieser Form 95/100, in der Magnum junge, dichte Farbe, kräftige Tannine, entwickelte sich auch im großen Glas nur im Schneckentempo, brauchte noch 10 Jahre. 1998 war Ducru Beaucaillou Absolut vergleichbar mit der Chateau-Abfüllung ist die Barrière-Version. Ende 1998 war sie im Vergleich mit 1978 und 70 für mich die schönste Flasche und noch lange nicht am Ende. Auf der großen Ducru-Probe 2006 noch soviel Kraft, soviel Frucht und eine so schöne, druckvolle Aromatik am Gaumen, da kommt sicher noch lange auf 94/100-Niveau Freude auf. Das zeigte im Herbst 2006 dann auch eine Magnum, ein sehr feiner, eleganter Wein mit viel frischer Frucht und wunderbarer Aromatik, in der Großflasche sicher noch gut 10-15 Jahre problemlos lagerfähig – 94/100. 2007 noch eine schöne 1tel, sehr jung und kraftvoll, ein Wein mit feiner Frucht und sehr guter Struktur, der sicher noch ein gewaltiges Alterungspotential hat. Ohne die etwas störenden, metallischen Noten wären bei diesem überzeugenden Ducru auch noch mehr als 93/100 drin gewesen. 2009 erst eine perfekte Flasche, gute Frucht, viel Zedernholz, Leder und Minze, großartige Struktur und Länge, ein Langstrecken-Ducru mit etwas rustikalem Charme für 20 weitere Jahre – 93/100. Und dann kurz danach auf der großen Ducru-Probe in Krems wieder eine eckige, monolithische – 88/100. 2013 bei Elke Drescher Sehr jung noch die Farbe, enorm kräftige, leicht medizinal in der Nase – 92/100. Lange nicht mehr getrunken hatte ich Gruaud Larose, der 1992 zwar gut zu trinken war, aber immer noch einen jungen, etwas unfertigen Eindruck machte. 2009 in der Gruaud-Vertikale war das dann ein sehr feiner, eleganter, sehr nachhaltiger Gruaud, sowohl in der Nase als auch am Gaumen mit faszinierender Aromatik - 93/100. 2013 ein guter, sehr solider, aber auf hohem Niveau trotz wunderschöner Süße auch etwas langweiliger Wein war – 90/100. War 2014 aus der Doppelmagnum rustikal, kräftig, kernig, aber auch mit schöner Frucht, nur dezent grüner Note und am Gaumen mit guter Länge - WT92. Ein Leoville Barton hatte 1996 bei Drawert schon eine reife Farbe mit deutlichem Orangenrand und für meinen Geschmack deutlich zuviel Säure – 87/100. Der parallel dazu getrunkene Leoville las Cases hatte hingegen noch eine dichte, junge Farbe. Am Gaumen ein konzentriertes, noch etwas verschlossenes Kraftpaket – 92/100. 2006 leicht exotisch die Nase mit viel Eukalytus und Minze, am Gaumen deutlich reifer mit Champignon-Tönen, gehört trotz insgesamt überzeugender Vorstellung sicher rasch getrunken – 93/100. Trank sich zuletzt 2012 gut mit viel Zedernholz, Tabak und erdigen Aromen – 91/100. Erstaunlich schön präsentierte sich 2017 der Leoville Poyferré. Schank, mineralisch mit pfeffriger Zimtnote und feiner Süße, sehr stimmig und ausgeglichen ohne Alter – WT94. Talbot war 1989 ein dünnes Weinchen mit unangenehmer Nase.

Vorbei dürfte es inzwischen mit Chasse Spleen sein. 1990 hatte ich in Margaux eine sensationell erhaltene halbe Flasche genießen dürfen.. Zwei 1tel kurz danach und Ende 1991 hatten immer noch eine Superfarbe und eine fruchtige Nase, am Gaumen war der Wein aber arg gezehrt und baute im Glas schnell ab. La Lagune hatte 1998 auf einer Drawert-Probe eine wunderschöne Nase, am Gaumen etwas gezehrt und kräuterig – 82/100. 2008 ziemlich dichte und deutlich jünger wirkende Farbe, erste Alterstöne in der nicht gerade animierenden Nase, am Gaumen Peperoni, bittere Tannine, absolut charmefrei – 85/100. 2012 trotz harscher Resttannine und hoher Säure deutlich schöner zu trinken mit feinem Schmelz – WT92. War 2014 aus der Magnum noch so irre jung, so konzentriert, aber auch stückweit zugenagelt. Da sind wohl noch 10 Jahre warten angesagt – WT88++. Zeigte sich 2015 (neben einer Magnum und einer Barrière-Abfüllung, die biede fehlerhaft waren) mit kühler Frucht und Cabernet Würze in der Nase, am Gaumen kernig, frisch, edel-rustikal mit schöner, durchaus angenehmer, grüner Pepperoninote, ein absolut stimmiger Wein mit präzisen Konturen, den ich noch nie so weit und so gut im Glas hatte – WT95. Recougne war in2010 etwas eckig und monolithisch, aber gut trinkbar – 88/100.

Giscours hatte 2008 eine sensationelle, voll intakte Farbe, feine Kirschfrucht, reichlich reife Paprika, feiner, fruchtiger Schmelz, auch am Gaumen, sehr gute, kräftige Struktur und Länge. Ein gelungener Pauillac aus Margaux – 93/100. Zuletzt 2012 eher harte Kost vor allem zu Anfang, bissig, ungenerös mit hoher Säure, baute im Glas etwas aus, blieb aber eher ein kantiger Wein für Gaumen-Masochisten – 87/100. Margaux war 1994 in Mautern aus der Magnum erstaunlich kräftig, aber mit zuwenig Frucht – 86/100. Zuletzt 2007 mit grasig-grüner Nase, eckig und sperrig ohne Genuss am Gaumen – 73/100. Große Probleme hatte ich früher mit dem oft getrunkenen Palmer. Schon 1990 bei Jörg Müller notierte ich: Erwartungshaltung zu hoch? Ohne Frage ein großer, voll ausgereifter Wein, der in seiner Dichte an Portwein erinnerte. Bereits sehr bräunliche Farbe deutet auf rasches Ende hin –92/100. 1993 trotz perfekter Füllmenge sehr weit entwickelt mit leichtem Rosinenton, der an alten Spanier erinnerte – 88/100. 1995 deutlicher, nicht unangenehmer Alterston, Leder, sehr reif, lecker - 90/100. 2000 helle reife Farbe, auch am Gaumen absolut reifer Cabernet, entwickelt mit der Zeit im Glas feine Süße, könnte sich auf diesem Niveau noch ein paar Jahre halten – 90/100. Besser gefiel mir 1994 und 95 die Berry Brothers Abfüllung, die zuletzt 2006 ein reifer, durchaus faszinierender Bordeaux auf dem Höhepunkt war und sicher in den nächsten Jahren getrunken gehört – 94/100. 2009 bei René Gabriels Palmer Vertikale eher enttäuschend mit viel Zedernholz und wenig Frucht – 89/100. Und dann, im Herbst 2009, endlich mal ein großer 66er Palmer. Perfektes Terroirparfüm, einfach großer, gereifter Wein mit süchtig machender Nase. Am Gaumen Seide pur, burgundisch im besten Sinne mit feiner Süße, ein Wein zum Träumen mit wunderbarer, unglaublicher Länge, so fein, elegant und trotzdem nachhaltig - 96/100. Auch 2012 ein großer, dem 61er sehr ähnlicher Wein mit seidiger Eleganz und gewaltiger Länge – WT95. Auf gleichem Niveau 2013 bei Elke Drescher und 2014 auf der Farnsburg.

Haut Bailly war 1997 ein kleiner, gut gereifter Wein mit relativ junger Farbe und pfeffrig-würziger Nase – 85/100. Sehr überzeugend war 2001 auf einer Best Bottle Haut Brion, kräftige, dichte Farbe, frisch gemahlener Kaffee, toller Stoff, Längen besser als La Mission, suchen lohnt! – 96/100. Bot auch 2005 am Schluß einer anstrengenden Probe eine überzeugende Vorstellung, dichte, junge Farbe, feine Frucht, Kaffeetöne, etwas rustikal, aber sehr schön zu trinken – 92/100. 2006 in der großen Haut Brion Probe Immer noch so wunderbar fruchtig mit toller Aromatik, frisch gemahlenem Kaffee, am Gaumen sehr fleischig, baut sehr schön im Glas aus. Ein klassisches Lehrbeispiel für einen perfekt gereiften Bordeaux aus gutem Keller, der sich sicher noch einige Jahre auf diesem Niveau hält – 95/100. Im Herbst 2006 dann eine Flasche, die völlig daneben war, grüne Töne, Paprika, altes Faß, seltsame – 83/100. Nicht viel besser 2008 in der Braui. Da war nur noch die Farbe dicht und gesund, ansonsten viel Liebstöckel, Oxidation und noch etwas frisch gedeckter Apfelkuchen, am Gaumen eher kurz und etwas säuerlich, schade – 86/100. 2014 Sehr muffig die Nase. Dahinter verbarg sich ein anständiger, aber nicht überragender, kräftiger Haut Brion mit junger Farbe und hoher Mineralität, der aber insgesamt etwas schlank und kompakt wirkte – WT90. 2016 erstaunlich kräftig und präsent – WT94. La Mission ist im Vergleich zu Haut Brion ein fast burgundischer, weicher, eleganter Schmeichler, chancenlos im direkten Vergleich(guter Flaschen), baut aber im Glas nicht ab und dürfte sich auf knapp 90-92/100 Niveau noch eine Weile halten. 2011 meine bisher beste Flasche, ein großer, klassischer La Mission, viel Cigarbox, aber auch Süße, weich und kraftvoll zugleich mit toller Struktur und gewaltiger Länge – 96/100. Und 2012 auf René Gabriels großer La Mission Probe eine schlechte Flasche. In der Nase ein deutlicher, fast korkig wirkender Kellerton, aber auch delikater Zedernduft, unharmonisch am Gaumen, fragil mit deutlicher Säure und grünen Noten, gehört eher auf den Salat als dazu – 85/100. 2016 immer noch so jung wirkend, enorm kräftig mit viel Cigarbox, aber auch feinem Schmelz – WT95.

In der Nase war Angelus 2014 die große Schoko-Toffee-Praline. Am Gaumen war er weich, gefällig und mit viel Verwöhnaromatik – WT94. Ein sicherer und noch dazu sehr bezahlbarer Wert in 1966 ist l´Arrosée. Als Chateauabfüllung habe ich ihn nur 2mal getrunken, 2000, ein toller St. Emilion mit schönem Schokoton – 93/100. Zuletzt 2007 weniger überzeugend, speckige, rauchige Nase, am Gaumen teerig, viel trockenes Tannin, wirkt anstrengend und schon leicht gezehrt – 88/100. Sicher über 20mal habe ich in den letzten 12 Jahren die mindestens gleichwertige Barrière-Abfüllung getrunken. 2002 wieder kräftige Farbe, schöne Frucht, Schokoton, Milchkaffee, insgesamt sehr harmonisch und immer noch jugendlich wirkend – 93/100. 2006 auf gleichem Niveau Sieger einer kleinen 66er Verkostung und kurz danach in einer Probe dichte, junge Farbe, schokoladig, schöne Frucht, lang am Gaumen – 93/100. Im Herbst 2006 eine perfekte Magnum auf 95/100 Niveau, da lohnt die Suche in jeder Flaschengröße. Zuletzt 2008 in der Chateauabfüllung. Klare, junge Farbe, sehr mineralisch, Tabak, Leder, feine, rotbeerige Frucht, insgesamt noch recht jung wirkend, schlanker als die Barrière-Abfüllung und dieser auf hohem Niveau nicht gewachsen, sicher noch bis zu 20 Jahre haltbar – 91/100. Die Barrière-Abfüllung 2009 auf Sylt immer noch mit sehr dichter Farbe und einer Supernase mit reifer Frucht und viel Schokolade, am Gaumen kraftvoll und ohne Alter – 93/100. Zuletzt 2013 meine bisher beste Flasche - 96/100. Canon hatte 1998 eine reife, helle Farbe, war eher auf der leichteren Seite mit wenig Carme, rustikal,dürfte auf diesem Niveau noch länger halten – 85/100. Dankbar muss ich Robert Parker für die ebenfalls mickrigen 85/100 sein, die er Cheval Blanc gibt. So konnte ich diesen großen Wein, der zu den besten 66ern gehört, noch mehrfach zu günstigen Konditionen nachkaufen. Spaß macht der Cheval Blanc nämlich. Zuletzt Weihnachten 1998, toller Stoff mit dunkler Farbe, zeigt dieselben portigen Anklänge wie der 55er, perfekt gereift mit süßem Extrakt, aber noch lange nicht am Ende - 95/100. 2005 in einer englischen Händlerabfüllung Cheval Blanc in Reinkultur mit betörender Aromatik und dazu ein Schuss 66er Rustikalität. Reif, feine Süße, sehr schön am Gaumen, aber mit etwas wenig Länge, jetzt voll auf dem Punkt – 94/100. Zweimal 2006, auf der großen Cheval Blanc Probe absolut auf dem Punkt mit leicht malziger Süße, viel süßem Extrakt und einer Nase, die spontan an Coca Cola erinnerte. Aber da ist nichts plump oder aufdringlich. Einfach ein unglaublich aromatisches Prachtstück – 95/100. Kurz darauf dann noch mal eine nicht ganz so gute Flasche – 92/100. Nur eine leichte Pepperoni-Note deutete 2007 auf die schwierige Periode im Bordelais und das nicht ganz optimale Jahr hin. Ansonsten war das ein obergeiler Trinkspaß, Cheval Blanc vom Feinsten, mit druckvoller, üppig-schmelziger Aromatik, feiner Würze und seidiger, ewig langer Struktur – 95/100. 2008 auf René Gabriels großer Cheval Probe sehr nachhaltig und würzig - 93/100. Nur ein paar Wochen später in der Braui wieder diese betörende, unnachahmliche Cheval-Nase, sehr fein und minzig, wurde mit der Zeit immer süßer, Schwarztee mit 7 Stück Zucker – 94/100. Zuletzt 2012 aus 2 halben Flaschen altersfrei in bestechender Form – 94/100. Traumhaft schön zu trinken 2012 bei Elke Drescher mit süßer Frucht und feinem Schmelz, sehr elegant – 95/100. 2013 auf Sylt reif mit immer noch viel Kraft, tabakige Nase, portig am Gaumen mit guter Länge – WT93. 2015 wieder eine betörende Magnum – WT95. Ein Corbin aus Montagne St. Emilion hatte 2009 immer noch eine gute Farbe mit leichtem Orangenrand, zeigte in der Nase einen großen, herbstlichen Waldspaziergang und war auch am Gaumen noch erstaunlich lebendig, ließ sich insgesamt noch gut trinken – 84/100. Sehr gut gefallen hat mir 1998 auch Figeac, sehr kräftige Farbe, wenig Frucht, aber sehr druckvoll und lang am Gaumen, toller Figeac und einer der schönsten 66er - 93/100. Sehr generös und einladend 2011 die leicht karamellige, süße Nase, am Gaumen kräuterig, lakritzig, erdig – 91/100. Aus einer nicht gerade perfekten Magnum(mid shoulder) zeigte er 2011 noch eine sehr dichte Farbe, bittere Tannine und reichlich Paprika. Entwickelte sich im Glas, wurde besser und zeigte sogar noch eine generöse Malaga-Süße – 88/100. 2014 dann in Bestform, noch dichter und kräftiger als der 61er – WT95. Mehrfach habe ich La Magdelaine getrunken, da ein Weinfreund sukzessive seinen Bestand bei Best Bottles anschleppte. Zuletzt 2001 kein Alter, dicht, aber irgendwo auch ein klassischer, etwas ungeneröser, austrocknender 66er, notierte damals, es wäre schön, wenn er die restlichen Flaschen woanders entsorgt – 86/100. Nicht viel hatte ich mir 2006 von einem im Rahmen eines Mixed Lots preiswert erworbenen Yon-Figeac versprochen, doch der Wein war noch erstaunlich schön zu trinken, ein kompakter, reifer Wein mit einer leicht erdigen Rustikalität - 84/100.

L´Eglise Clinet in der Barrière-Abfüllung war 1994 und 96 eher Pauillac als Pomerol, mit viel Kraft und Länge, aber wenig Schmelz – 88/100. Ein Langstreckenläufer mit noch viel Potential eben. Das zeigte 2006 eine Magnum, brauchte lange im Glas und öffnete sich nur zögerlich, entwickelte dann feine Schokotöne – 91/100. Lafleur war 2012 aus der Magnum ein kräftiger, etwas rustikaler Wein ohne Charme mit staubigem Resttannin, der seine besten Tage schon gesehen hatte, allerdings war das natürlich immer noch Jammern auf hohem Niveau – 90/100. Petit Village hatte 1997 eine kräftige Farbe mit wenig Alter, aber etwas staubige Nase und war einfach/rustikal strukturiert - 86/100. Petrus war 2005 auf René Gabriels großer Petrus Probe zwar ein klassischer 66er und zeigte die Strenge des Jahrgangs, aber auf was für einem Niveau! Ein toller Wein, irre dicht mit sehr langem Abgang. Sicher nicht die große Spaßnummer, aber ein authentischer, überzeugender 66er – 94/100. Vieux Certan war 2005 ein klassischer 66er, mehr Pauillac als Pomerol, kompakte Frucht, eckig, hart und kantig wirkend. Wurde im großen Glas mit viel Luft deutlich besser – 89/100. Zuletzt 2012 wirkte die Nase etwas anstrengend, und auch am Gaumen hatte man das Gefühl einer angezogenen Handbremse. Aber dieser Vieux war auch erstaunlich dicht und kräftig, mehr Medoc als Pomerol, wurde dann mit der Zeit im Glas generöser. Süßer und schokoladiger – 93/100.

Ein eher durchschnittliches Jahr für die Süßweine aus Sauternes mit viel Säure, aber wenig Fett. So werden diese Weine zwar recht gut alter, aber dabei immer uninteressanter werden.

Yquem gefiel mir 1993 auf einer großen Probe recht gut mit feiner Süße – 91/100, 1994 hingegen fand ich ihn Ziemlich enttäuschend und etwas eindimensional – 87/100. Sehr gut 1996 bei Drawert der Suduiraut – 90/100.

Ein solides, aber nicht aufregendes Burgunder-Jahr.

Ein Musigny von Bouchard war 1998 in Paris reif, entwickelte sich im Glas, zeigte eine kräftige Säure, aber auch dezente Süße – 86/100. Sehr angetan hatte es mir im Sommer 1988 ein Clos de Vougeot von Chandesais, ein Spitzen-Burgunder mit intensiver Frucht und dichter Struktur und (damals) noch Zukunft. Im Verlaufe des Sommers noch 6mal(mehr Flaschen hatte Hardy auf Sylt leider nicht) mit gleichbleibendem Resultat verkostet. Ein wunderschöner, reifer Burgunder war 1996 Corton Grancey von Louis Latour, helle Farbe, feine Süße, weich, elegant und sehr lang am Gaumen – 93/100. Ein Echezeaux von Doudet-Naudin hatte 1996 eine brilliante, kräftige Farbe, komplexes Bouquet, viel Kraft und Länge, etwas stahlig Frucht, wirkte noch (zu) jung – 91/100. Fast noch zu jung fand ich auch 2002 einen La Tâche von DRC, einen sehr finessigen, fruchtigen Wein, eher von der etwas leichteren Sorte, aber noch mit deutlichen Tanninen – 93/100. Deutlich mehr hatte ich mir 2002 von Romanée Conti versprochen, beileibe kein schlechter Wein, aber etwas eckig und sicher kein Highlight der Probe – 93/100. Ein Pommard 1er Cru Les Rugiens von Pierre Ponnelle kam 1997 mit reifer Farbe und deutlichem Muffton ins Glas, entwickelte sich dann aber recht schön – 89/100. Sehr schön 2005 ein Richebourg von Noellat aus der Magnum. Helle Farbe, in der Nase Zitronenrolle, feine Aromatik, etwas spitze Säure, schöne Länge am Gaumen – 93/100. Ein Mercurey der Domaine des Surmains war sehr reif und hatte sicher schon deutlich bessere Zeiten gesehen – 82/100.

Sehr gute Weiße Burgunder, die dazu gut lagerfähig waren.

Ein Le Montrachet von Bichon hielt sich 1992 als Pirat in einer großen Ramonet-Probe sehr achtbar, kaum Firne, sehr nachhaltig, Citrus-Ton – 90/100. Auch die Zwillingsflasche vier Jahre später war sehr gut und entwickelte sich prächtig im Glas. Ein

Puligny Montrachet Clos de la Mouchière von Boillot hingegen, der 1995 und 1996 noch trotz deutlichem Altweinton recht gut zu trinken war, zeigte 1998 in der letzten Flasche noch eine sehr schöne, reife Burgundernase mit typischem, dezentem Stinker, brachte aber am Gaumen garnichts mehr. Ein Meursault Charmes von Drouhin hatte 1996 eine kräftige Farbe, in der Nase Sherry-Ton, am Gaumen kräftig, erdig, mit schönem Abgang, blühte zwischendrin etwas auf und fiel dann in sich zusammen – 82/100. Ein Le Montrachet von Nicolas hatte 1993 bei Drawert eine kräftige Farbe, wuchtige Nase, hielt sich im Glas und entwickelte sich im Glas – 88/100. Ein Corton Charlemagne der Domaine Papet hatte 1998 bei Drawert eine reife, schöne Burgundernase, sehr intensiv, erst etwas austrocknend am Gaumen, baut aus, sehr kräftig, noch mit massig Reserven – 92/100. Zuletzt 2006 ein wunderschön gereifter, klassischer Burgunder mit reifer, schon fast ins Güldene gehenden Farbe und schöner Süße - 90/100.

Gute, recht kräftige Weine wurden 1966 im Rhonetal erzeugt, vor allem im Norden. Ein Hermitage La Chapelle von Jaboulet Ainé war 2006auf dem absoluten Höhepunkt mit einer tollen, trüffeligen Nase, am Gaumen druckvoll und aromatisch mit reichlich Lakritz und feiner Süße, irre Länge und dabei einfach perfekt balanciert – 97/100. Sehr ansprechend vom gleichen Erzeuger 2007 ein Côte Rotie les Jumelles. Leicht animalische, reife Nase, Unterholz, ein großer Korb frisch gesammelte Pilze, Veilchen, Lakritz, etwas Trüffel, einfach hoch spannend, auch am Gaumen sehr vielschichtig mit guter Länge – 94/100.

Ein Chateauneuf-du-Pape der Union Viticole startete 2011 der leicht grenzwertig mit deutlicher Klebstoffnase. Doch die wurde mit der Zeit immer kräuteriger, dann kam zunehmend feine Himbeerfrucht, am Gaumen dezente Süße, feiner Schmelz. Klar war dieser Wein mit seiner reifen, hellen Farbe sicher schon etwas über den Punkt und gehörte getrunken, derzeit aber noch mit viel Freude – 89/100.

Sehr hohes Alterungspotential hat Coulée de Serrant. Ich habe den 66er in den letzten 10 Jahren 6mal getrunken. Ein faszinierender Wein, sehr mineralisch, kräftige Säure, facettenreich, wandelt sich stets im Glas. Man muß ihm nur genug Zeit und Luft geben. Unbedingt rechtzeitig dekantieren, dann kamen da interessante 90/100 ins Glas. Zuletzt 2006 helle Farbe, Anistöne, aber auch etwas medizinal, dazu, auch am Gaumen, Zitrusnoten und Apfelessig. Wirkte sehr bissig – 87/100.

Ein Maler Königslay & Adler Eiswein von Friedrich Altenkirch hatte 1996 bei Drawert ein kräftiges Gelb, Honigton, schönes Süße/Säurespiel, aber weit von "groß" entfernt – 86/100. Sehr schön und noch erstaunlich frisch ohne Firne und mit erstaunlich wenig Süße 1993 und 95 eine Wehlener Zeltinger Sonnenuhr feinste Auslese vom JJ Prüm – 89/100. Zeitlos schön waren zwischen 1993 und 96 mehrere Flaschen Ürziger Würzgarten feinste Auslese vom Bischöflichen Priesterseminar, zuletzt 2008 leicht rauchige, verschwenderische Nase mit nur ganz feinem Petrol, am Gaumen immer noch viel Frucht und eine feine, von der ebenfalls noch reichlich vorhandenen Säure perfekt balancierte Süße. Blieb mit seiner cremigen Textur und dem hohen Extrakt ewig lang am Gaumen - 94/100. Zuletzt 2012 ein sehr balancierter, harmonischer Wein, gereift, aber ohne Alterstöne, feine Honigsüße und Fülle, Bienenwachs, gute stützende Säure, perfekter Trinkfluss – 95/100. Die Wehlener Sonnenuhr feine Auslese von SA Prüm war der Lieblingswein von Vater Prüm und hieß im Haus der "Wassermesser" da er neben selbigem lag. Ich habe davon ein gutes Dutzend geleert, 2001 und 2006 wieder zeitlos elegant und schön mit leichter, unaufdringlicher Süße – 89/100. Zuletzt 2009 immer noch zeitlos elegant mit etwas Petrol und dezenter, sehr harmonisch am Gaumen, gewinnt zum Essen – 90/100.

Ungewöhnlich 2012 die Johannisberger Klaus feinste Auslese vom Johanneshof Eser, in der Nase Cassis pur, auch am Gaumen Cassis, immer mehr Kaffee und auch Vanillenoten – 90/100. Gülden in der Farbe 2009 Schloss Johannisberg Rosalack Allerheiligen Eiswein Auslese Braut des Jahrgangs. Malzig-rosinig die Nase mit reifem Apfel und etwas Karamell, Bratapfel wäre wohl die passende Beschreibung, am Gaumen harmonisch und rund mit guter Säure, wiederum karamellig und dezenten, ersten Alterstönen, wird sich auf diesem Niveau sicher noch eine Weile halten – 90/100.

Kein großes Weinjahr in Spanien.

Goldgelb 2013 die Mettenheimer Goldberg Riesling TBA von Philipp Wissmann, weich, etwas diffuse Süße, war nie groß und wird es auch nicht mehr – 84/100.

Berberana Gran Reserva war 2009 ein faszinierender, sehr eleganter, perfekt gereifter Wein mit schöner Süße, der die volle Ladung roter Beerenfrüchte paradoxerweise erst im Abgang lieferte. In der Nase Tabak, Leder und eher subtile, feine Frucht, Reife ja, aber keinerlei Anzeichen von Müdigkeit – 94/100. Deutlich besser im Herbst 2005 ein Vina Real Reserva Especial von CVNE, dicht, kräftig, lang mit feiner Süße und Potential für sicher noch 1-2 Jahrzehnte – 94/100. Genuss pur 2006 ein ImperialGran Reserva von CVNE aus der halben Flasche. Faszinierende Mischung aus Kraft und Eleganz, wie ein Burgunder mit Turbolader, leicht animalische, aber sehr angenehme Nase, altes Sattelleder, erdig mit Trüffeln, sehr fein, am Gaumen ausgewogen und harmonisch, auch in der ½ keinerlei Zeichen von Schwäche – 94/100. Aus der 1tel 2008 reife Farbe mit deutlichen Brauntönen zwar, aber absolut runzelfrei am Gaumen. Sehr süße Nase, dunkles Toffee, Kaffee, Schmelz ohne Ende, jetzt auf dem Punkt, aber sicher noch mit Reserven für lange Jahre – 95/100. 2014 eine faszinierende Schokopraline mit viel Kaffee, sehr schmelzig und lang am Gaumen – WT94. Sehr fein und richtiggehend lecker 2007 ein Selecto Bodegas Unidad mit Lebkuchen und frischem Backwerk in der Nase, am Gaumen burgundisch weich und sehr aromatisch – 90/100. Vega Sicilia Unico hatte 2001 eine überreif-süße malzige Nase, entwickelte Liebstöckel-Töne – 85/100.

Sehr überzeugend war 2005 ein Musar aus dem Libanon. Ich hielt diesen Wein blind für einen großen Hermitage la Chapelle des gleichen Jahres, dem er in der Aromatik sehr ähnelte. Trotz heller Farbe immer noch viel Kraft, ein riesengroßer Stoff mit irrer Länge am Gaumen – 96/100. Ging 2013 auf René Wagners Musar Vertikale als riesengroßer Pinot durch und war einer der Stars der Probe – WT98. Auch 2014 wieder Suchstoff pur – WT98.

Sehr guter Jahrgang in Kalifornien. Vor allem Beaulieu, Heitz und Mondavi sind immer noch eine Suche wert.

Sensationell 2012 auf dem Haefliger-Tasting der betörende Beaulieu Private Reserve Georges de Latour mit wunderbar süßer Minznase, mit burgundischen Konturen, auch am Gaumen sehr minzig mit pikanter Frucht und guter Säure, noch so Frisch mit enormem, aromatischem Druck und toller Länge – 98/100. Sehr angetan war ich im Herbst 2004 von Mondavis Erstlingswerk, einem Cabernet Sauvignon. Der hatte immer noch eine kräftige Farbe mit Brauntönen, in der Nase und am Gaumen Minzfrische ohne Ende. Klassische Bordeaux-Stilistik. Ein Wein, für den sich keines der namhaften Bordeaux-Weingüter schämen müsste. Noch lange nicht am Ende. Und das alles mit nur 12.5% Alkohol - 94/100. Und dann waren da 2011 auf der großen Heitz-Probe der Ungers ein paar spannende Weine. Zu alt und gezehrt inzwischen der Heitz Pinot Noir, bei dem die störenden Nebentöne Oberhand gewannen – 81/100. Beim Bei Heitz Cabernet Sauvignon musste ich spontan an meine besten Flaschen des 66er Lynch Bages denken. Das hier war der amerikanische Zwilling, perfekt gereift, minzig, wunderbare Struktur, eigentlich waren auch hier 92/100 viel zu geizig. Und dann war da noch der erste Martha´s, der Heitz Martha´s Vineyard, wirkte wie ein großartiger Bordeaux mit klassischer Pauillac-Stilistik und toller Struktur – 96/100. Auch 2012 auf dem Haefliger-Tasting sensationell immer noch die dichte, jung wirkende Farbe, die Nase etwas anstrengend mit Minze, Eukalyptus und Zedernholz, auch am Gaumen noch voll da mit reifen Tanninen und guter Säure – 95/100.

Sehr interessant war 1998 bei Drawert ein Mount Pleasant Philip von Mc Williams mit intensiver Kaffeenase und einem Schuss Lakritz – 90/100. Traumhaft schön war 1994 ein Penfolds Bin 28 Kalimna Dry Red Table Wine, helle Farbe, opulent, Marzipan, wirkte wie großer, reifer Pomerol – 94/100. Penfolds Grange startet 1999 in Lehrbach mit einer ekligen Kloakennase, die aber wegging, am Gaumen herrliche Schokolade – 93/100. 2013 auf der großen Grange-Vertikale in Weggis sehr dichte, junge Farbe, in der Nase dunkle Früchte, Schokolade, Kaffee, Mokka und viel Lakritz, was sich auch am Gaumen mit enormer, fast unbändiger Kraft fortsetzte. Solch hoher aromatischer Druck und diese gewaltige Länge bei nur 12% Alkohol, das war bewundernswert. Ein großer Grange, der noch lange nicht am Ende ist - WT97.

Cap Coronel Gran Vino aus Chile in einer Ludwig von Kapff Abfüllung reihte sich 2011 nahtlos ein in die guten Erfahrungen, die ich bisher mit älteren, chilenischen Weinen gemacht habe. Stilistisch war das Bordeaux pur mit immer noch junger Farbe, viel Leder, Kaffee und guter Struktur, baute enorm im Glas aus und zeigte eine wunderbare Länge, konservative 92/100.

In der Champagne kein einfaches Jahr, doch wurden eine Reihe guter Champagner mit kräftiger Statur erzeugt. Einer davon ist Dom Perignon. Viermal durfte ich ihn 1993, 94 und 95 trinken, allerdings alles kurz vorher degorgierte RD´s. Ein komplexer, kräftiger Champagner, noch geradezu jugendlich wirkend, nussig und sehr lang am Gaumen – 95/100.

Krug war 1997 bei Drawert noch sehr frisch, viel Frucht und Säure, muss noch altern(!), der schwächste des Flights 90/100. 2014 reif, aber noch sehr kräftig mit spürbarem Mousseux – WT95. Sehr schön 1997 ein MoetChandon aus der Magnum, kräftiges Mousseux, deutliche Brottöne – 91/100. Der Piper-Heidsieck Florens-Louis war 1998 und 99 ein fantastisch frischer Top-Champagner mit intensivem Mousseux, eher schlank und kompakt mit wunderschöner Brotnase – 92/100. Alt bitter und eigentlich ungenießbar 1995 bei Drawert ein Pommery&Greno. Ein Ruinart Brut Reserve Baron Philippe de Rotschild hatte 1998 in der Silvesternacht eine kräftige Farbe, noch intensives, feinperliges Mousseux, sehr angenehme Edelfirne, reifer Champagner, wie er sein sollte – 93/100.

Taittinger Comtes de Champagne hatte 1996 bei Drawert eine kräftige Farbe, war füllig, deutlicher Alterston, leicht faulig, kräftiger Abgang, aber der faulige Alterston störte – 82/100.

Warre´s war 1995 noch einen Tick besser und intensiver als der im Vergleich dazu getrunkene 77 Graham, toller Stoff – 95/100. Sehr gut hatte mir 1992 auch Taylor gefallen.