1970

Wer 1970 geboren ist, oder für irgendwelche Jubiläumszwecke aus diesem Jahr einen Wein braucht, der dürfte leicht fündig werden. 1970 wurden nicht nur viele große, langlebige Weine erzeugt. Es gab auch eine große Ernte.

Was allerdings insbesondere in Bordeaux auffällt, sind die Flaschenvariationen. Ein Grund mag darin liegen, dass sich die Winzer aufgrund der sehr großen Ernte bei der Abfüllung Zeit ließen und die Weine „nach Bedarf“ abfüllten. Das war damals nicht unüblich und die Abfüllerei konnte sich schon mal bei einigen Gütern über ein halbes Jahr erstrecken.

Calon Ségur war 1989 in Chicago ein noch sehr verschlossener, tanninreicher Wein, dem es etwas an Frucht fehlte – 86/100. Deutlich schöner war er 2006 aus einer Imperiale. Ein feiner Wein mit Zedernholz pur. Klar ist da das sperrige der 70er, aber auch eine gewisse Finesse und natürlich der Impi-Bonus. In einer solchen 6 Liter Flasche reift ein Wein ganz anders aus. So hatte ich zum Schluss erstaunliche 91/100 im Glas. Da kam die ein Jahr später getrunkene, recht gefällige 1tel ebenso wenig mit (87/100) wie eine am Vorabend getrunkene Magnum – 88/100.. Nur eine der sechs Flaschen Cos d´Estournel, die ich zwischen 1989 und 1996 getrunken habe, war einigermaßen trinkbar, auch da scheint es die für 1970 typischen Flaschenvariationen zu geben. Bei den schlechteren Flaschen – leider deutlich die Überzahl – wünscht man sich, an diesem Abend alkoholfrei geblieben zu sein. Nicht anders war es 2006 auf der großen Cos-Probe. Was für ein saures, ungeneröses Gesöff. Es gibt Weine, die kann man nur riechen. Bei dem konnte man nicht mal das – 76/100. Das war sicher nicht die beste Flasche. Wir verkosteten ihn am nächsten Tag aus einer anderen Flasche noch mal nach. Da war er deutlich besser, aber immer noch keine Offenbarung – 84/100. Einigermaßen erträglich 2007 auf der großen St. Estephe-Probe – 81/100. Meine mit Abstand beste Flasche 2016. Mit seiner minzigen, kräuterigen Nase war das ein typischer, großer, leicht störrischer 70er, der mit modernerer Vinifikation noch deutlich besser geworden wäre – WT92. Viel Zukunft hat dagegen Montrose – und braucht sie auch. 1996 auf einer Koppe Gala ließ er sehr wenig raus, sehr bissig, kräftige Farbe, wird mit der Zeit nur unwesentlich gefälliger, wie ein zu junger Latour – 91/100. 1998 Powerfarbe, aber reife Nase, am Gaumen kräftige Tannine, wirkt noch sehr verschlossen, 10 Jahre weglegen, Riesenpotential für dann sicher - 95/100. Zuletzt 2005, sicher kein schlechter Wein, potentiell sogar ein sehr großer, nur zeigt er selbst nach nunmehr 35 Jahren immer noch nicht allzu viel davon. Sehr terroir-betont, immer noch etwas spröde und rustikal, aber mit toller Länge am Gaumen. Immer noch viel deutlich spürbares Tannin - 93/100. Sehr verschlossen, fruchtlos und spröde 2007 auf der großen St. Estephe-Probe – 82/100. 2010 ein typischer 70er, ein typischer Montrose, kantig, hohe Säure – 86/100. Hatte 2012 zwar Kork, aber auch eine Mörderfarbe, gewaltige Frucht und sehr viel Substanz, ein Montrose für mindestens 30 weitere Jahre. Allerdings auf dem Paris Tasting auch eine seltsame Flasche, Sehr reif die Farbe, in der oxidativen Nase Sherrynoten und etwas Süße, aber auch kalter, abgestandener Kräutertee, am Gaumen ein nur entfernt weinähnliches, trinkbares, zu altes Getränk – 85/100.

Eine Batailley Magnum hatte 1998 auf einer Drawert-Probe eine ziemlich helle Farbe, wirkte kompakt, jung, aber nicht sonderlich generös, Säure statt Schmelz – 87/100. Grand Puy Lacoste hatte 1998 eine helle, klare, aber noch junge Farbe, viel Tannin und gute tragende Säure, klassischer, schön strukturierter Pauillac, falls die Frucht mitmacht, noch 10-15 Jahre Potential – 90/100. 1999 dann eine reifere Flasche, reifere Farbe mit deutlichem Wasserrand, aber am Gaumen zwar reifer, aber keinesfalls alter Wein mit sogar noch spürbaren Tanninen, sehr lecker – 90/100. Zuletzt 2011 aus einer perfekt gelagerten Magnum einfach Klasse. Immer noch jung erscheinend und weitgehend altersfrei die Farbe, einfach geil die klassische, große Pauillacnase, pfeffrig, würzig mit pflaumger Frucht, Teer, Tabak, reife Paprika, portig, Unterholz. Das setzte sich am Gaumen fort, wo der GPL dicht und immer noch recht kräftig war. Überraschend schön und aus solchen Flaschen sicher noch mit Potential für 10+ Jahre – 94/100. Nicht überzeugen konnte 1992 Lafite Rotschild, der unharmonisch und tanninig wirkte und den Eindruck flüchtiger Säure hinterließ. Ich habe ihm damals, wohl in Ehrfurcht vor dem großen Namen, 85/100 gegeben. Sein Geld ist er sicher nicht wert. Zuletzt 2011 auf René Gabriels großer Lafite-Probe vermoderte Rosenblätter, dazu ein alter Pappkarton, am Gaumen viel Säure, ruppiges Resttannin und ein kurzer Abgang – 80/100. Der Wein des Jahrgangs könnte Latour sein, allerdings gibt es bei diesem Wein deutliche Flaschenvariationen. Meine ersten Begegnung mit diesem, sich nur im Schneckentempo entwickelnden Riesen, waren 1992, unglaublich dichter, konzentrierter Wein, lässt seine wahre Größe nur erahnen, wird einmal in 10-20 Jahren ein echtes Wein-Monument. So blieb es auch bei zahllosen Begegnungen in den Folgejahren. Auf der einen Seite immer unbändige Kraft und undurchdringliche Farbe, auf der anderen Seite unknackbar scheinende Verschlossenheit. Frustrierte Wertungen meist bei 95/100, immer mit Hinweis auf das gigantische Potential. Zuletzt dann im Sommer 2004 über einen ganzen Abend lang 1970 und 1982 miteinander verglichen. Das ging hin und her, denn beide Weine entwickelten sich. Doch am Ende lag dieser unglaubliche 70er für mich knapp vorne. Ein Weinmonument, das wohl in 5-10 Jahren in die Fußstapfen des legendären 61ers tritt und die meisten von uns überleben wird – 100/100. Wohl dem, der einen guten Keller, gute Gesundheit und Geduld hat und natürlich 70 Latour - oder aber gute Freunde. So konnte ich den 70er im Sommer 2005 noch einmal verkosten. Inzwischen wieder ein kleines Stück offener, ganz großer, typischer Latour mit der klassischen Walnussnote und unglaublicher Länge - 100/100. Und dann im Herbst 2005 der dritte 70er Latour in Folge, der voll und ganz 100/100 wert war. Ein Gigant von einem Wein. Noch so jung und so dicht mit sehr junger, kräftiger Farbe. In der Nase konzentrierte Frucht und die klassische Walnuss-Aromatik, am Gaumen eine unglaublich druckvolle Aromatik, hört gar nicht mehr auf. Ein faszinierender Wein mit immer noch riesigem Potential, der sicher ein 20-30 Jahre währendes Trinkfenster vor sich hat. Gleich zweimal hatte ich den 70er Latour im Sommer und im Herbst 2006 allerdings aus sehr enttäuschenden, suboptimalen Flaschen. Beide stammten über eine Auktion aus einem Schweizer Restaurantkeller. Beide Male zweifelsohne ein großer, dichter Wein, dem aber die Süße eines großen Jahrgangs und der Spaßfaktor fehlten. Für mich als 70 Latour kaum zu erkennen. Perfekt 2007, ein großer Klassiker, Latour und Pauillac in Bestform, ein Kraftbolzen mit druckvoller Aromatik, geprägt von der für Latour typischen, leicht bitteren Walnussnote mit irrem Abgang – 100/100. Dann Ende 2007 auf dem Unger-Weihnachtstasting wieder ein Weinbaby mit junger Superfarbe und massivem Tanningerüst. Kraft ohne Ende und eine recht zögerliche Entfaltung im Glas, doch das extreme Potential dieses Riesen war am Gaumen und im langen Abgang sehr deutlich spürbar. Locker 97/100 waren da im Glas und die 100/100 in Sichtweite. Leider wieder 2008 in der Schweiz so eine schlimme Flasche mit dieser unsäglichen Altfassnote. Und 2009 wieder einmal aus eigenen Beständen Latour in Perfektion – 100/100 und noch so eine seltsame Flasche in der Schweiz – 92/100. 2010 dreimal in Bestform mit sicher noch 30+ Jahren - 100/100, aber auch eine Flasche in der Schweiz, Kraft ohne Ende, Tannine, Astringenz, Spannung, noch längst nicht fertig wirkend – 94+/100. 2011 in Weggis ein großer, noch extrem junger Latour, ein unglaublich dichtes Kraftbündel mit der typischen Walnussnote, ein Wein gemacht wohl für noch ein weiteres, halbes Jahrhundert – 98+/100. Gigantisch und noch so irre jung 2011 auf Elke Dreschers Latourprobe – 99/100. Auch 2012 wieder auf diesem Niveau und zum Jahresende noch mal in Bestform mit klaren WT100. 2013 noch so jung, so dicht, mit solch gewaltiger Tanninstruktur. Latour pur auf höchstem Niveau, gemacht für mindestens 30, wenn nicht 50 weitere Jahre. Lange vorher dekantieren, schlückchenweise genießen, ein Meisterwerk – 100/100. Auch aus der Halben(!) 2013 auf diesem Wahnsinnsniveau. Aber leider 2014 auch zwei weniger gute Flaschen auf WT93 Niveau. In jedem Fall gehört dieser Wein lange dekantiert. Ende 2014 bei Elke Drescher gewaltiger Brocken, der Luft ohne Ende braucht, die wir ihm hier in dieser Probe leider nicht gegeben haben. Ich habe mein Glas lange stehen gelassen und hatte da nach einer Stunde einen völlig anderen Wein drin. Der explodierte förmlich und zeigte gewaltige Kraft und Länge, wie ein Riese, der sich aus viel zu engem Gefäß schält und dann erstmal zu sich kommen muss. Aber mein letzter Schluck, der war ganz großes Kino und lag gut 10 Punkte über dem ersten – WT98+. 2015 wieder ein sehr dichtes Kraftpaket mit der Latour-Typischen Walnussnote, das noch Jahrzehnte vor sich hat – WT97+. 2016 zweimal wieder eine geniale Flasche, sehr lange dekantiert, die Kraft und die Herrlichkeit – WT99. Ende 2016 aus der Magnum lange vorher dekantiert Latour in Perfektion – WT100. Und auch 2017 auf Sylt wieder ein großes, klassisches Latour-Monument – WT100. Les Forts de Latour war 1995 auf Willi Krählings Latourprobe aus der Magnum gut trinkbar, aber mit wenig Charme, etwas austrocknend am Gaumen, wohl noch zu jung – 85/100. 2011 war das eine perfekte, kleinere Kopie des Latour, ebenfalls noch sehr jung und mit viel Potential, die als Solitär sicher noch besser abschneidet – 91+/100. Ganz groß in Pauillac auch Lynch Bages. Meine erste Flasche dieses konzentrierten, immer noch sehr jung wirkenden Superstoffs versöhnte mich 1988 im Düsseldorfer Caveau nach einer Probe sehr enttäuschender älterer Lynchs wieder mit dem Abend – 95/100. Weihnachten 2000 dichte, junge Farbe, gute Frucht, kräftige Säure, toller Langstreckenläufer – 95/100. Dazwischen gut ein Dutzend Trinkerlebnisse über 1tel, Magnums und 1996 auch eine Impi immer auf ähnlichem Niveau. Immer noch unbedingte Kaufempfehlung, auch wenn ich diesen Wein 2008 2mal ziemlich unterirdisch aus anscheinend fehlerhaften Flaschen ins Glas bekam, und damit ein gewisses Risiko bleibt. 2010 jede Menge Kraft, Körper, Fülle und intensive Minze, ein großer Lynch – 95/100. 2014 einfach nur harmlos und uninspierend – WT85. Ähnlich 2017 in einer großen Lynch Bage-Probe. Doch eine sofort danach aus eigenem Keller geholte Flasche zeigte sich wieder als großer, sehr minziger, kräftiger und langer Lynch Bages in Bestform – WT95. Große Flaschen-Variationen bei Mouton Rothschild. 1992 auf einer Probe der dichteste und auch farblich dunkelste des 70er Flights - 92/100. 1993 auf unserer Jahrhundert-Probe bräunlich, enttäuschend, schlecht gelagert(?), untypisch – 84/100. 1994 auf Willi Krählings Mouton-Probe eine tolle Magnum mit feiner Zimtnase und viel Schmelz, die eher an Pomerol als an Pauillac denken ließ – 93/100. 1996 aus der Imperiale absolut belanglos wirkend. 1999 auf einer großen Mouton-Probe massive Säure, die schon fast ins Essig-stichige geht, überdeckt die dezente, leichte Süße, war´s nie - wird´s nie! – 85/100. 2004 auf der großen Mouton-Probe auf der Stromburg wieder ein ziemlich belangloser Wein, der zwischen zwei großen Flights völlig unterging. Dann 2006, mit dichter, junger Farbe versucht der Wein krampfhaft, von der hohen, flüchtigen Säure abzulenken. Hilft bloß nicht. Das ist und bleibt ein hoffnungslos überbezahlter, ungeneröser Säuerling – 83/100. Zuletzt 2009 stichig die Nase, Salmiakgeist, Essig, flüchtige Säure, am etwas gezehrten Gaumen viel trockenes, sperriges Tannin und in einer Ecke total verschüchtert ein Hauch von Minze – 84/100. Und Warten kann manchmal Wunder vollbringen. 2010 und 2011 war er mehrfach wie verwandelt. Dichte, junge Farbe, in der Nase Minze, Leder, Bleistift, am Gaumen wunderschöne Fülle mit feinem Schmelz, ein Zwilling des 85ers – 94/100. Da scheint es sehr unterschiedliche Flaschen zu geben. Die schlechtere Variante hatten wir dann wieder 2012 beim Paris Tasting, pilzig die Nase, Mottenkugeln, am Gaumen hohl, ziemlich nichtssagend, metallisch, die gute Zeit länger her - 83/100. Auch 2015 metallisch, muffig, nichtssagend – WT85. Sehr schön 1999 Pichon Comtesse de Lalande, reifes Dunkelrot mit deutlichem Orangenrand, warm-würzig, Zedernholz – 92/100. 2005 aus der Magnum traumhaft süße Burgundernase, am Gaumen reif, kompakt, baut wunderschön im Glas aus, wird reichhaltiger, kleidet schön den Gaumen aus, perfekt zum Essen - 93/100. Zuletzt 2010 ein ruppiges, von kräftiger Säure und sperrigem Tannin dominiertes Monster, das viel Luft brauchte. Dann wird dieser Wein durchaus passabel mit viel Zedernholz und warmer Cabernet-Würze – 88/100. Sehr einfach gestrickt ohne viel Zukunft war 1990 Pontet Canet.

Beychevelle schon 1989 zweimal ein voll ausgereifter, etwas eindimensionaler, strenger Wein – 84/100. Zuletzt 2009 ganz brav, aber auch etwas eindimensional und langweilig – 85/100.Ein echter Klassiker und immer noch eine Suche wert ist Ducru Beaucaillou, für einen Ducru erstaunlich kräftig mit feinem Zedernholzbouquet und viel Druck am Gaumen. Da habe ich seit 1988 sicher 2 Dutzend von getrunken und von den Bewertungen nie unter 92/100 gelegen. 2006 auf der großen Ducru-Probe nicht nur sehr fein, elegant und nachhaltig, sondern auch noch recht jung, sicher der beste Ducru der 70er Jahre - 92/100. Deutlich reifer, aber sehr elegant und harmonisch 2009 auf der großen Ducru-Probe in Krems – 91/100. 2010 Eleganz pur – 93/100. 2013 erstaunlich kräftig, sehr elegant und nachhaltig, hat in guten Flaschen noch eine längere Zukunft – WT92. Unausgewogen und tanninig steht in meinen Notizen zu Gruaud Larose aus 1988 und 1970. Roch 2013 wie ein zu lang getragener Lederschuh, dazu am Gaumen viel Säure, aber wenig Charme – 85/100. Auch 2014 noch sehr kräftig, muskulös und ledrig, aber absolut charmefrei – WT87. Sehr unterschiedliche Flaschen soll es von Leoville las Cases geben. Beim ersten Mal, 1994 in Mautern aus der Magnum, habe ich da eine gute mit schöner Fruchtsüße erwischt – 92/100. Die andere Variante hatte ich 2006, eine unfreundliche Mischung aus harten Resttanninen und viel Säure. Und wieder eine gute Flasche 2007 in der Braui, üppig-schokoladig, soviel Nougat mit reifen Kirschen, Toblerone, Hedonismus pur, der deutlich verhaltenere kompaktere und kürzere Gaumen kam mit dieser Werbenase für beste Schweizer Schokolade nicht mit – 91/100. 2009 aus der Magnum eine animalische, lakritzige Nase, am Gaumen zwar schiere Kraft, wirkte aber eher monolithisch – 87/100. Zuletzt 2010 Ein rustikaler Kraftbolzen mit viel Tannin, aber auch Kaffee und etwas Süße – 88/100. Leoville Poyferré hatte 2011 ein tiefes, dunkles Braun, portige, süße Fülle mit einem Schuss Kaffee und Schokolade, geradezu verschwenderische Süße, statt des befürchteten 70er Knochen Hochgenuss pur – 93/100.Talbot war 2008 nur noch ein säuerlicher Mickerling, der allenfalls noch historisches Interesse erweckte – 76/100. Erstaunlich schön, von Tabak und Zedernholz geprägt 2015 im Schwarzen Adler – WT88.

Immer noch voll da und überraschend schön 2017 aus der Magnum der Chasse Spleen – WT91. Ein zweites, sehr feines Leben hat La Lagune. Bei Parker steht 87/100 und „past maturity“. Der hat den Wein zuletzt 1991 getrunken. Meine ersten Flaschen dieses Weines in der ersten Hälfte der Neunziger waren auch nicht gerade der Bringer. Dann aber ging es plötzlich los. 1997 Klassestoff mit dichtem, dunklem Kern und wunderschöner, reifer Cabernet-Würze und Süße 95/100. 1998 wieder unglaublich jung und fruchtig, Riesenstoff mit viel Zukunft – 94/100. Viele weitere Flaschen auf ähnlichem Niveau, z.B 2002, erstaunlich druckvoll, leckerer Wein, der auch im Vinum Extrem begeisterte, immer stärker wurde und erst nach 1 Stunde richtig da war – 94/100. 2007 in der Nase so feinduftig und elegant und dabei am Gaumen so kräftig mit präsenten, aber reifen Tanninen und sehr guter Länge. Ein großer, gut gelungener 70er mit sicher noch 20 Jahren Lebenserwartung – 93/100. Nicht optimal 2010, leicht schweißig die Nase mit oxidativen Noten, aber auch mit etwas Schoko und Karamell, am Gaumen sehr kräftig, aber auch etwas ungelenk – 90/100. 2014 zweimal aus DM und 1tel und 2014 noch mal schlichtweg ein Traum, ein kerniger, klassischer Old School Bordeaux mit unglaublicher Power, so ein richtiger Latour für Schlaue – WT95. 2015 kernig, kräftig mit immer noch präsenten Tannine, deutlicher Säure und schöner Cabernet-Würze – WT95. Ein unbedingter Kauftipp. Trinken muss ich unbedingt mal wieder Lanessan. Auch der war 1994 noch ziemlich verschlossen, mit dichter Farbe, kräftiger Säure, sehr lang am Gaumen – 88/100. Da könnte sich inzwischen was getan haben. Poujeaux machte schon 1990 und 91 einen sehr reifen Eindruck mit wenig Frucht. Da dürfte sich nicht mehr viel abspielen. Sehr erstaunlich 2012 ein Tour de By in einer Schroeder & Schyler Abfüllung, noch so jung und voll da mit guter Struktur und feinem Schmelz – 90/100.

Hinüber dürfte inzwischen Brane Cantenac sein, den ich zuletzt 1991 getrunken habe. Es war ohnehin kein großer Wein und in einigen Flaschen sogar ein ziemlich schlechter. Ein wunderschöner, fruchtiger Schmeichler, der sicher immer noch Spaß macht, war 1990 und 1996 Cantemerle – 88/100. Überragend ist Giscours. Meine erste Begegnung damit war 1994 aus der Imperiale, aus der auch noch nicht ansatzweise reif war, aber eine immense Power zeigte. Danach folgten sicher 2 Dutzend Einzelflaschen und auch ein paar Magnums. In Blindproben habe ich den Giscours mit seiner ungemeinen portigen Dichte häufig für einen großen Vandermeulen gehalten. Es lohnt sich, diesem großen Wein reichlich Luft zu geben. Wieder eine überragende Flasche im Dezember 2003 mit René Gabriel – 96/100. 2007 eine sehr schöne Magnum in Paris – 94/100. 2008 reife Farbe zwar, aber so irre dicht, lang und mit explosiver Aromatik - 96/100. 2011 trüffelig, portig, kräftig und lang mit schöner Süße und Kaffee - 94/100. Ging 2014 auf Sylt bei und mit Jörg Müller mit seiner jungen, dichten Farbe, seiner guten Frucht und seiner Kraft als 86er Pauillac durch – WT95. Auch 2015 wieder ein unsterblicher Riese – WT95. Zumindest in Großflaschen noch gut trinkbar und wahrscheinlich spottbillig müsste Lascombes sein. Dreimal getrunken, 1992, 95 und 96. Ein kräftiger, am Gaumen sehr langer Wein, etwas eckig, mehr Power als Eleganz – 90/100. Nur einmal hatte ich Margaux getrunken, das reichte aber auch. 1994 in Mautern auf der großen Margaux-Produkte eignete er sich allenfalls als Kontrastmittel zu den größeren Margaux, kurz, säurebetont, herb, wenig Frucht. Schon mal bei schlechtem Wetter an einem nassen Hund gerochen? Wenn Sie das mögen, ist das Ihr Wein, meiner nicht – 74/100. Freiwillig hätte ich den nicht noch mal getrunken, aber er stand nun mal 2007 in René Gabriels großer Margaux-Probe. Fürchterliches Zeug, das richtig weh am Gaumen tat. Zuletzt 2011 recht zwiespältig. Böse gesprochen war das trotz kräftiger Farbe nasser Hund aus der Blechdose mit immer noch etwas unreifen Tanninen, freundlich gesprochen hat sich das einstige, dünne Säuremonster etwas geglättet und zugelegt. Zulange gezogener Schwarztee mit ein paar Tabakblättern drin und einem Stück Bitterschokolade. Trinkbar ist er inzwischen, groß ist er immer noch nicht und viel zu teuer ist er ohnehin – 84/100. Sehr angetan war ich 1992 auf einer Drawert-Probe von Palmer, der damals eine wunderbare Kombination von Kraft und Eleganz zeigte und insgesamt gut trinkbar wirkte – 92/100. In den Jahren danach präsentierte er sich deutlich verschlossener und machte wenig Spaß. 2000 in einer Best Bottle, Rosmarin ohne Ende, dichte Farbe, kräftige Säure, 10 Jahre warten – 88/100 mit Potential für deutlich mehr. Am besten legen Sie ihn im Keller in die hinterste Ecke neben Montrose. 2005 durfte ich ihn in einer Probe noch einmal probieren, etwas offener, aber nach wie vor ein sehr kräftiger, rustikaler Palmer mit viel Kraft und wenig Schmelz - 93/100. Zuletzt 2011 ein feiner, gut gereifter, eleganter Palmer mit generöser Süße, aber auch gutem Rückrat, baute enorm im Glas aus und zeigte geradezu burgundische Pracht und Fülle – 95/100. Das Schönste an einer Magnum Prieuré Lichine war 1996 die dichte, kräftige Farbe ohne jedes Alter, am Gaumen war der Wein kompakt, kurz und hatte seinen Zenit lange hinter sich – 83/100. Drahtig, sehnig präsentierte sich 2009 aus der Magnum Rausan-Ségla, wie ein großes T-Bone Steak ohne Fleisch – 83/100. Erstaunlich fein, elegant und gut gereift zeigte sich 2010 ein du Terte - 87/100.

Domaine de Chevalier war 1996 ein reifer, eher leichter Wein mit feiner, fruchtiger Süße – 89/100. Zuletzt 2010 auf dem Punkt, Cigarbox, Zedernholz, immer noch gute Frucht, feine Süße, dabei sehr fein und elegant, wirkte in der Anmutung sehr burgundisch – 94/100. Einer der schönsten Pessacs aus 1970 und ein immer noch bezahlbarer Geheimtip ist Haut Bailly. Ich habe ihn Silvester 2004 aus der Weinkarte des Ifen-Hotels im Kleinwalsertal getrunken. Klassische Cigarbox-Nase, am Gaumen sehr weich, fast cremige Frucht, unendlich lang, das Alter sah man nur an der nicht allzu dichten, hellen Farbe - 93/100. Sehr schön, aber schon verdammt reif und mit deutlich weniger Power als La Mission war 1993 bei Jörg Müller ein Haut Brion – 92/100, allerdings gebe ich dem Wein keine Zukunft mehr. So war er denn auch 2006 auf der großen Haut Brion Probe völlig daneben, leicht animalisch, belanglos, unverbindlich, altes Faß. Positive Worte fielen mir zu diesem Wein nicht ein – 81/100. 2009 in Bremen aus der Magnum etwas gezehrt und säurelastig wirkend, aber immerhin noch gut trinkbar – 88/100. 2012 beim Paris Tasting nicht nur in der Farbe immer noch recht jung. Sehr schöne Minznase mit Leder und Tabak, am Gaumen eher schlank, zu Anfang etwas eindimensional, baute aber aus und wurde zugänglicher. Meine Note habe ich dreimal hoch gesetzt und landete dann bei 90/100. Dringend abraten kann ich nur von La Mission Haut Brion. Da muss damals im Keller irgendwas schief gelaufen sein, denn alle sechs Flaschen die ich bisher aus unterschiedlichsten Quellen getrunken habe, besaßen einen mehr oder weniger starken Essigstich. Die schönste Flasche war noch eine Magnum 1998 auf Willi Krählings La Mission Probe, relativ helle Farbe, wirkt leicht, elegant, fein, kompakt mit kräftiger Säure, etwas austrocknend, wird mit der Zeit im Glas noch säurelastiger und kriegt wieder diesen Essigstich – 86/100. Und dann 2016 dieser feine, elegante La Mission Haut Brion mit guter Frucht und schöner Süße, meine erste, fehlerfreie Flasche dieses Weines – WT93. Es gibt also noch Hoffnung. Pape Clement war schon 1989 ein einfaches, nettes Weinchen ohne Zukunft. 2006 präsentierte er sich eindimensional und monolithisch – 84/100. La Tour Haut Brion war 2009 ein Bordeaux alter Schule und ein klassischer 70er zugleich, sehr straff gewirkt, Massen an Teer, darunter Mokka und Kaffee, immer noch jung wirkend mit strammem Tanningerüst und deutlicher Strenge am Gaumen, in Flaschen wie dieser noch Potential für gut 2 Jahrzehnte – 90+/100. 2010 deutlich offener, Pessac pur mit der klassischen Cigarbox-Nase, Kaffee, Teer und immer noch gutem Tanningerüst – 94/100. In diesem Jahrgang gegenüber La Mission und Haut Brion die mit Abstand bessere Wahl.

Cheval Blanc wirkte 1999 auf Willi Krählings großer Cheval-Probe aus der Magnum (auf hohem Niveau) gezehrt und war es nicht mehr, zuviel Säure, nasses Laub statt Frucht, davonbleiben – 86/100. Auch 2006 auf der großen Cheval Blanc Probe gefiel er mir überhaupt nicht, unreifes Tannin, grasige, grüne Tannine, kaum Schmelz. Bestechen große Cheval Blanc sonst vor allem durch große Harmonie, so wirkte dieser hier unharmonisch. Da mag es etwas bessere Flaschen von geben, doch insgesamt ist das eher ein Cheval Blanc zum Vergessen - 89/100. Etwas besser zuletzt 2007. Ein etwas zwiespältiger Wein war dieser Cheval Blanc. Feine, rauchige Nase, in die sich auch etwas störende, grüne Töne mischten. Am Gaumen eine ungewöhnliche Mischung aus schwarzer Herrenschokolade, reifen Champignons und Unterholz. Klar war da auch diese pure Seide, diese unnachahmliche, Cheval Blanc-typische Eleganz. Hin und her gerissen waren wir bei diesem Wein, der mal richtig aufblitze, dann wieder in Mittelmäßigkeit verfiel und zum Schluss rasch abbaute. Macht in der Summe 93/100, die aber nur einen Mittelwert des dauernden Auf und Ab darstellen. 2008 gut trinkbar mit feiner malziger Süße, aber auch sehr kompakt, viel Knochen und wenig Fleisch – 88/100. 2009 aus der Magnum dicht und kraftvoll – 92/100. 2014 auf Sylt reif, weich, moosig, Waldboden, feine Süße, baut im Glas ab – WT88. 2016 dann aus der Magnum meine bisher mit Abstand beste Flasche, eher maskulin zwar mit viel Zedernholz, aber so kräftig, druckvoll und lang – WT96. 1992 war Figeac der Star des Abends, ein sehr kräftiger, langer Wein – 95/100. Sehr fein, elegant, würzig und lakritzig die Nase zweimal 2011, auch am Gaumen weich, balanciert und elegant mit erster Süße – 90/100. Zuletzt 2014 mit einem schönen Spagat zwischen Eleganz und Kraft, wiederum mit einer feinen, Fehlton-freien Nase – WT93. Ganz passabel war im Frühjahr 2005 auf einer Drawert-Probe ein La Gaffelière – 87/100. Schwierig 2008 ein La Magdelaine. In der Nase Lakritz ohne Ende, am Gaumen unglaubliche Säure und noch reichlich Tannin. Ein absolut charmefreier Wein, der sich noch Jahrzehnte halten wird, ohne dabei besser zu werden. Stattdessen dürfte er zunehmend austrocknen – 87/100 mit fallender Tendenz.

Ein Klasse-Pomerol mit schönem Schokoton war 1999 ein La Cabanne aus der Magnum – 92/100. Angenehm überrascht war ich 1999 auf einer Best Bottle von Clinet. Sicher nicht mit den heutigen Weinen vergleichbar, burgundisch-weich mit Kaffeenote, aber gut trinkbar – 85/100. Beeindruckend 2013 La Conseillante mit Süße, Fülle und Kraft – WT95. Sehr gut fand ich 1996 und 98 La Fleur Petrus, sicher auf 88/100 Niveau, das galt allerdings nicht für eine 1988 in der Wachau getrunkene säurelastige, uncharmante Flasche. Aber erst 2015 zeigte dieser Wein deutlich mehr. Sehr dicht und kräftig, auch in der altersfreien Farbe, dunkle Frucht, Kaffeebohnen in Bitterschokolade, großartige Struktur am Gaumen mit immer noch intaktem Tanningerüst, aber auch feinem Schmelz und einem ersten Schuss Opulenz, da spielt die Musik noch lange – WT95. Groß soll angeblich Lafleur sein. Ich hatte da 1998 eine wohl miese Flasche getrunken, dichte Farbe mit deutlichem Braun- und Wasserrand, in der Nase kräuterig, Liebstöckel, baute rasch ab und wurde säuerlich. Völlig anders das, was ich im Dezember 2004 im Glas hatte, ein Wein-Riese, der erst ganz am Anfang steht, viel Druck und Länge am Gaumen, Trüffel, Terroirnoten, immer noch etwas ungehobelt, aber auf dem besten Weg zur Legende - 98/100. 2009 in der Lafleur Best Bottle blieb für diesen Riesen nur die Maximalnote – 100/100. 2013 mit superdichter Farbe, Kraft ohne Ende, exotisch die Nase bis hin zu Banane, massives, dominierendes Tanningerüst, einfach noch zu jung, beißt förmlich am Gaumen – WT94+. Der hätte deutlich mehr Luft gebraucht, ein Weinriese für die Ewigkeit. 2015 so unglaublich kräftig, druckvoll und jung, dieser große Pauillac aus Pomerol – WT96+. Perfekt 2016 aus der Magnum, ein superkonzentriertes Tier von Wein mit der dazugehörigen, superdichten Farbe und Kraft ohne Ende. Wurde mit seiner genialen Struktur und dem massiven Tanningerüst seiner Rolle als großer Pauillac aus Pomerol voll gerecht - WT100.Deutliche Flaschenvariation auch bei Latour-à-Pomerol. Da habe ich schon 97/100-Flaschen von getrunken, z.B. 1998, ein Riesenteil mit kräftiger Farbe, ersten Brauntönen, deutlichen Portanklängen, Valrhona, Nougat und ein Schuss Portwein, viel Kraft, Schmelz und Länge, obergeiler Nektar. Aber auch 94/100 Varianten, z.B. 2000 in einer Best Bottle, wo er dem überraschenden 71er unterlegen war, und leider auch ein paar schlechte, bei denen flüchtige Säure den Gesamteindruck deutlich störte, so z.B. im Dezember 2003 mit René Gabriel. 2007 wirkte er noch sehr jung mit viel Potential – 92+/100. 2010deutlich reifer, weich, elegant, schokoladig – 93/100. Zuletzt 2011 sehr dichte, kräftige Farbe, ein maskuliner Wein mit immer noch präsentem Tanningerüst, erst ganz am Anfang einer langen Entwicklung, wird erst in 10+ Jahren richtig aufblühen, heute mit etwas rustikalem Charme und unbändiger Kraft – 93+/100. Sehr angetan war ich im Mai 2005 in der Kampener Vogelkoje von Nenin. Der wirkte erst etwas staubig, baute aber sehr schön im Glas aus und entwickelte eine feine Süße - 91/100. Da habe ich natürlich gleich zugeschlagen, als ich diesen Wein im Juli 2005 in optisch gutem Zustand in der Gourmet-Abteilung eine Schweizer Kaufhauses fand. Leider besaß diese Flasche nur eine gute Optik. Der Inhalt war sehr gezehrt und kein Genuss mehr. Zuletzt 2012 etwas rustikal-staubig die Eleganz der Nase, ein klassischer 70er halt. Am Gaumen Tannin-Schokolade, wie immer so etwas schmeckt, also noch mal 10 Jahre weglegen. Ich bin mir sicher, dass dann bei diesem wein noch mal mehr kommt – 90+/100. Groß der Petrus. 1994 sensationell dichte Farbe, riesiges Potential, zeigt schon sehr viel -98/100. 1996 in Chicago im Italian Village gegen den 75er getrunken, der ja auch nicht gerade von schlechten Eltern ist, optisch nicht optimal(ts), aber mit überzeugendem Inhalt. Kräftige Farbe ohne Alterstöne, am Beginn der Trinkreife und dem 75er überlegen – 99/100. Überragend 2005 auf René Gabriels großer Petrus Probe, so jung, so fruchtig, so eine explosive Aromatik. Das ist wieder Pomerol vom Allerfeinsten – 100/100. Leider völlig daneben 2008 auf der Petrus-Probe der Ungers aus gleich zwei Flaschen. Die superdichte Farbe stimmte, aber das war es auch schon. Massig flüchtige Säure verdarb den Genuss dieses sonst so zuverlässigen Riesen, schade – 85/100. Zuletzt 2010 ein Riese mit gewaltiger Kraft, sehr dichter Farbe und voll intaktem, mächtigem Tanningerüst, der aber nicht nur die Muskeln spielen lässt, hier kommt traumhafte Frucht, opulente, Süße und eine geradezu explosive Aromatik ins Glas. Ein Traum-Petrus für weitere Jahrzehnte – 100/100. Rouget war 2014 ein straffer, klassischer 70er mit immer noch deutlichen, ruppigen Resttanninen, mit dichter, junger Farbe, aber auch etwas altem Fass – WT88. Kontrovers wird Trotanoy beurteilt, 96/100 bei Parker, 14/20 bei Gabriel. Da scheint die Wahrheit nicht in der Mitte, sondern in unterschiedlichen Flaschen zu liegen. 1992 habe ich eine Flasche erwischt, die mit deutlichen Brauntöne und spürbarem Alter und wenig Frucht dem 67er klar unterlegen war – 87/100. 1994 dann um Klassen besser und eigentlich noch zu jung, für mich ein sehr medociger Pomerol – 94/100. 2009 ein hervorragender, zupackender Stoff mit perfektem Tanningerüst, mehr Medoc als Pomerol, so konzentriert und unglaublich lang am Gaumen, da ist eine Legende im Werden - 94+/100. 2014 schien er noch etwas unfertig mit massiven Tanninen und bissiger Säure. Ein enorm kräftiger Wein, der viel Zeit und Luft brauchte – WT90+. Vieux Certan kam 2005 auf der Vieux-Probe als unangenehmer, bissiger Säuerling ins Glas. Entwickelte sich mit der Zeit etwas, aber da ist keine Substanz dahinter. Hat wahrscheinlich auch kein Potential mehr. Schade, aus dem Jahr hätte man mehr machen können – 84/100.

Reife, alkoholreiche, mollige, nicht sehr langlebige Süßweine wurden in Sauternes erzeugt. Davon dürften die meisten inzwischen stumpf und farblos wirken.

Sehr harmonisch, ausgewogen, überhaupt nicht fett mit feiner Säure wirkte 1993 bei Jörg Müller ein Lafaurie Peraguey – 92/100. Ganz erstaunlich hat sich d´Yquem entwickelt. Zumindest galt das für die Flasche, die ich 2007 genießen durfte. Der wirkte so harmonisch und ausgeglichen, so elegant mit nicht übermäßiger Süße, gut abgepuffert durch die relativ hohe Säure. Kein großer Yquem, aber in diesem Stadium ein sehr leckerer mit viel Schmelz – 93/100.

War 1970 für Bordeaux ein großes Jahr, so war für Burgund das Gegenteil der Fall. Eine riesige Ernte, aber keine großen Weine. Da waren 1969 und 1971 die um Klassen besseren Jahre in Burgund. Ich habe mich stets an die beiden letzteren und von 1970 ferngehalten. Recht schön müssen zu Anfang die Weißen Burgunder gewesen sein. Da sie aber zuwenig Säure hatten, bauten sie schnell ab.

Enttäuscht war ich 1994 am Arlberg von einem Corton Charlemagne Bonneau du Matray, der sehr flach wirkte. Ein ziemlich enttäuschender Le Montrachet von Baron Thénard reihte sich im Frühjahr 2005 nahtlos ein in die vielen anderen, enttäuschenden Montrachets dieses Erzeugers, helle Farbe, in der Nase Burgunderstinker, am Gaumen leichtgewichtig, plump, Bitterstoffe – 86/100.

An der Rhone gilt 1970 als gutes Jahr.

Ein kompletter Wein war Hermitage La Chapelle 1993 auf einer Drawert-Probe, mit toller Aromatik und viel Kraft am Gaumen – 95/100. Zwei Jahre später auf einer großen Hermitage-la-Chapelle Probe dann eine deutlich jüngere Flasche, hartes Zeug, braucht sicher noch viel Zeit, eckig, Säure, Tannine, Zukunft ohne Ende – 90/100 mit Potential für 95/100. 2012 öffnete er sich zunehmend im Glas, schwarze Oliven, Leder, Lakritz eine leicht animalische Note, wird immer minziger. Am Gaumen mit enormem Tiefgang, perfekter Struktur und gewaltiger Länge, hat noch gewaltige Zukunft, zumindest bei sehr guten Flaschen wie dieser, die mit dem Weg zu mir erst die zweite Reise in ihrem Leben machte – 96/100. Der Côte Rotie Les Jumelles von Jaboulet Ainé war 2012 eine unglaubliche Aromenbombe, die in ihrer Komplexität und Würze an einen großen, reifen La Mouline erinnerte, so offen, so süß, so dekadent lecker mit unglaublichem Schmelz – 98/100. Spielte auch 2017 wieder in der LaLa Liga mit – WT97. La Mouline von Guigal wirkte 2011 deutlich älter und sehr reif, aber mit einer unglaublich druckvollen Aromatik. Kam der wirklich von der Rhone und nicht aus Montelimar? Soviel Nougat, soviel süßer, schokoladiger Schmelz, einfach dekadent lecker – 94/100.

Das Beste, was ich je von Beaucastel getrunken habe, war 2009 ein Chateauneuf-du-Pape der Domaine de Beaucastel. Ein großartiger, fleischiger Wein, den man schier kauen konnte, blieb ewig am Gaumen und machte mit seiner aromatischen Dichte und Komplexität einfach sprachlos. Da blieb für uns alle in dieser feinen Runde nur eine mögliche Bewertung: 100/100. Voll auf der Eleganzschiene war 2016 der Chateau Fortia Chateauneuf-du-Pape Tête de Cuvée, der sich bestes als Pirat in jeder hochkarätigen Burgunderprobe gemacht hätte, so fein, so subtil, burgundisch im besten Sinne mit feiner Süße – WT96. Die erste Anmutung eines Nalys Chateauneuf-du-Pape war 2010 ein alter Keller voller Spinnweben. Viel Zeit und Luft brauchte dieser kräftige, rustikale Wein bis er sich stückweit öffnete und lakritziger und süßer wurde – 89/100.

Ein Dr. Parcé Domaine du Mas Blanc Vielles Vignes war 1997 auf einer Probe sehr portig, schokoladig, zu alkoholisch(17%), ideal für Liebhaber und alle, die zu Schokoladen-Variationen Wein brauchen, für mich am Ende einer großen Probe einfach zu heavy, zumal die Finesse eines großen Port fehlte.

Kein großes Weinjahr in Deutschland. Wer aber Geduld aufbrachte und den schönen Spätherbst voll nutzte, der konnte im edelsüßen Bereich schöne Weine erzeugen.

Viel Luft brauchte 2016 die Braunberger Juffer Sonnenuhr feinste Auslese von Fritz Haag und wurde dann sehr fein mit dezenter Honigsüße und Bienenwachs, am Gaumen mit cremiger Textur – WT92. Ein Maximin Grünhäuser Herrenberg feinste Auslese hatte 1996 noch eine helle Farbe, feine Süße, immer noch kräftige Säure, wunderschön zu trinken – 92/100. Ganz o.k. aber schon sehr reif 1993 eine Bernkasteler Badstube feine Spätlese von Pauly-Bergweiler – 84/100. Heiligabend 1997 musste er dran glauben, ein Wehlener Sonnenuhr Auslese Eiswein Christwein von SA Prüm. Kräftige Farbe, leichte Firne, Creme Brulée und selbstgemachte Butterkaramellen mit leichtem Honigton, im Stile einer guten BA, immer noch schöne Säure, sehr lang, sicher noch etliche Jahre haltbar – 93/100. Den Abend unterm Weihnachtsbaum hatten sich die Moselwinzer 1970 redlich verdient. Mussten sie doch am Heiligen Abend morgens früh raus, um hart gefrorene Trauben zu ernten. Massiver Frost in der Nacht zum 24.12.1970 brachte ihnen in einem Jahr, das nicht gerade als groß zu bezeichnen war, wenigstens noch ein paar ansehnliche Eisweine ein, die dazu noch den Namen Christwein tragen konnten. Die Prädikate dieser Weine waren durch die Bank nicht sehr hoch, da viele Trauben zum Ende des Jahres durch den sehr späten Sommer nicht voll ausgereift waren. Den Weinen hat es nicht geschadet. Davon übererzeugten wir uns 2011 auf der Braui meets Schorn II. Leider wurde der Bernkasteler Johannisbrünnchen Eiswein feinste Auslese Christwein von Licht-Bergweiler, der hellste des Flights, deutlich in der Nase und am Gaumen von Kork getrübt. Immerhin erkannte man darunter einen sehr feinen, fast filigranen, von Honignoten geprägten Wein. Noch so jung in der Anmutung 2016 die Graacher Himmelreich feinste Auslese von Freiherr von Schorlemer, schlank, gute Säure, verhaltene Süße, die feine Schiefer-Mineralität des Himmelreichs, dazu etwas Bienenwachs, absolut stimmig – WT94. Grandios der Bernkasteler Doctor und Graben Eiswein Auslese Christwein von Thanisch. Gülden die Farbe, in der prächtigen Nase Honignoten und Mango-Chutney, am Gaumen die Süße eher etwas verhalten und durch die kräftige Säure perfekt balanciert, ein absolut stimmiger, sehr harmonischer Wein, sehr lang am Gaumen – 96/100. Dürfte es noch länger machen. Die Zwillingsflasche habe ich mal gedanklich für Heiligabend 2020 reserviert. Deutlich reifer und dunkler in der Farbe der Brauneberger Juffer Sonnenuhr Eiswein feine Auslese von Fritz Haag, Honig ohne Ende, karamellige Süße, verhaltene Säure und trotzdem das Verspielte, die Leichtigkeit der Haag-Weine – 93/100.

Reif, weich mit großem Rosenbeet und Teernoten 2013 der Barbaresco von Gaja – 93/100.

Als gutes Jahr galt 1970 in der Toskana.

Auf zwei großen Proben durfte ich den Sassicaia trinken, der damals sehr schön war, inzwischen aber wohl seinen Zenit überschritten hat. Begeisternd war 1993 eine Magnum mit kräftiger Farbe, schöner Kaffeenase und toller Länge am Gaumen – 94/100. Drei Jahre später aus der 1tel schon deutlich reifer mit feinem Minzton – 91/100.

Ein Birmenstorfer Clevner von der WG Birmenstorf aus dem schweizerischen Kanton Aaargau überraschte 2011 auf der Braui meets Schorn II. Hell, klar und brilliant war die Farbe dieses Weines, der sich wie ein gereifter, älterer Spätburgunder trank mit feiner Süße und durchaus auch burgundischem Schmelz. Darf man einem solchen Wein, wenn man gesehen hat, was es ist, noch 90/100 geben? Na klar, das muss man sogar, denn die war er wert.

Gilt als sehr gutes Rioja-Jahr.

Ich kann mich gut an einen meiner ersten, schönen Spanier erinnern, einen CVNE Imperial, der 1988 in Barcelona in der ersten Flasche ein perfekt gereifter Rioja-Traum auf 92/100-Niveau war und sich in der zweiten Flasche bereits auf dem Weg ins Jenseits befand. Sehr gut aus gleichem Hause auch der Vina Real, den ich bei zwölf Gelegenheiten in den Neunzigern meist mit 88/100 bewertet habe, als Gran Reserva auch noch deutlich höher. Selbst der einfache Vina Real war zuletzt 2010 Hedonismus pur, würzige Frucht, Karamell, Korinthen, traumhafte Fülle und reichlich süßer Schmelz, hatte ich noch nie so gut im Glas – 92/100. Weich, elegant und voll da 2013 ein Berberana Gran Reserva - 90/100. Ein großer, klassischer, gut gereifter Rioja war 2004 ein Martinez Lacuesta Gran Reserva Especial – 93/100. Als gut gereifter Tempranillo mit noch reichlich Zukunft entpuppte sich 2011 der Marques de Murrieta Reserva mit feiner, süßer, himbeeriger Frucht, viel altem Leder und guter, tragender Säure – 92/100. Ein Palacio de Arganza Gran Reserva hatte 2000 auf Sylt eine reife, helle Farbe, entwickelt feine Süße – 87/100. Ein Pagos de San Torcolato wirkte 1997 in Farbe, Nase und Gaumen wie gut gereifter, 20 Jahre alter Bordeaux mit deutlichem, reifem Cabernetton, Zedernholz und viel Würze. Wunderschöner Stoff, den es zu suchen lohnt – 93/100. Gut ein Dutzend Verkostungsnotizen habe ich vom Vega Sicilia Unico. Erstmals getrunken 1996 in Chicago, sehr kräftige, junge Farbe, viel Kraft am Gaumen, Würze, nur leichter "Spanien-Ton", ein Riese in der Klasse des 68ers – 96/100. Mehrfach noch in 96 und dann 1997, kräftiges Rubinrot ohne jedes Alter, druckvoller, beeriger Stoff, der im Glas ausbaut und erst ganz am Anfang steht, fantastisch - 96/100. 1998 bei Jörg Müller erstaunlich junge Farbe, auch am Gaumen zwar ohne bissige Tannine, aber immer noch fruchtig-jung mit Vanille-Tönen und viel Cassis, dabei trotz aller Kraft sehr seidig wirkend – 95/100, bei Horst Wittgen sensationeller Stoff, da ist Vanille, Karamell und Cassis drin, die Nase ist "spanisch" – 96/100. 1999 3 Stunden vorher dekantiert, perfekt reif, spanische Nase, toll, Maulbeeren, korinthische Süße, Gewürzaromen, Rösttöne, ein Klassiker, entwickelte mit der Zeit im Glas wunderbare Johannisbeertöne wie 85 l´Arrosée – 97/100. 2000 einen Abend lang in Barcelona im Viridiana mit dem 68er verglichen, ein Traumpaar, bei dem der etwas jüngere, druckvollere 70er zum Schluss knapp vorne lag. Mehrfach danach noch auf diversen Proben, immer mit 95-96/100 bewertet. 2003 aus der Magnum mit kräftiger, dunkelroter Farbe, warm-würzig, da spürt man die spanische Sonne, ein toller Wein, um am Kamin vom Sommer zu träumen - 96/100. Faszinierend auch wieder im Sommer 2005 mit toller Aromatik und irrer Länge am Gaumen. Hat sicher noch lange Zukunft - 96/100. Zuletzt 2006 mit einer derartigen Frische, mit pikanter, rotbeeriger Frucht, mit unendlicher, seidiger Eleganz, mit feiner Säure und einer unglaublichen Länge. Totale Harmonie und Frische, ein Meisterwerk und für mich zusammen mit 1968 der größte Unico – 97/100. 2007 geradezu spektakulär, noch nie so gut getrunken, explosive Aromatik mit fantastischer Frucht, Brombeere und Schwarzkirsche, komplex, vielschichtig mit traumhafter Länge - 100/100. Als Ausgleich 2008 eine sehr seltsame Flasche, in der der Unico erst beim letzten Schluck einigermaßen als solcher zu erkennen war. 2011 jung, dicht, kräftig, teerig, heftig, mineralisch, lebt sicher noch ewig – 98/100. 2015 noch so jung, so elegant mit feinem Schmelz, aber auch unglaublich druckvoll am Gaumen, ging Richtung Bordeaux – WT99.

Sechs weitere Riojas hatte ich 2007 bei René Gabriels großer Spanien-Probe im Glas. Cerro Anon Reserva. war zwar noch trinkbar, aber doch schon verdammt alt und müde – 76/100. Enttäuschend auch Tondonia, der in diesem Jahrgang eigentlich deutlich mehr hätte bringen müssen. Helle, dünne Farbe, ein kleiner Wein ohne Fehler und Höhepunkte, der schon etwas auf dem Abstieg war – 83/100. Marques de Caceres war einfach kaputt und entzieht sich jeder Bewertung, in der Nase Farbverdünner, am Gaumen noch ein paar Fruchtreste und sehr spritig. Ausgezehrt, mager und deutlich auf dem Abstieg auch Rioja Alta Reserva 904 – 82/100. Ein Knaller dann Marques de Murrieta Castillo YGAY. Dichte Farbe, reichlich Frucht, Kraft, Spannung, Konturen und reichlich Zukunft – 95/100. Zweimal zuvor war ich an diesem Wein fast verzweifelt. 2004 kräftige Farbe, aber sehr deutlicher Alterstouch und flüchtige Säure ohne Ende. 2005 Kräftiges Dunkelrot ohne Alterstöne, Säure ohne Ende. Wird im Glas mit der Zeit etwas weicher, milder und entwickelt eine feine Süße. Die massive Säure aber bleibt und macht mich etwas ratlos. Anscheinen brauchte der YGAY wirklich nur etwas Zeit und dürfte für sehr lange Lagerung gut sein. Groß wäre bei der Gabriel-Probe sicher auch die kraftvolle Gran Coronas Reserva von Torres gewesen, hätte sie in der Nase nicht diese irritierende Mottenkugel-Aromatik gehabt – 90/100. Verdammt alt und kaum noch mit Genuss trinkbar war 2010 ein Tinto Franja Roja von Ferrer aus Mallorca - 77/100.

Gewöhnungsbedürftig 1996 Marques de Murrietta YGAY Blanco Reserva, kräftige, gereifte Farbe, dezente Süße, Säure ohne Ende, baute - wie immer - nach 2 Std. im Glas aus und wird gefälliger, toller Stoff, wer dem nicht die entsprechende Zeit gibt, schüttet ihn vorher enttäuscht weg – 92/100. Elf Jahre später, 2007, erstaunlich fruchtig und knackig mit viel Säure und spontan bereits mit viel Genuss trinkbar, zeigte seine wahre Klasse aber erst Stunden später mit entsprechender Temperatur und Luft – 94/100. Ein Weißwein gemacht für die Ewigkeit.

Eine echte Alternative in 1970 auch wieder der Musar aus dem Libanon. opulent, sehr würzig und gut strukturiert 1993 auf einer Drawert-Probe – 93/100. 1997 wirkte er auf einer anderen Probe wie ein reifer Cabernet aus Kalifornien mit feiner Minznase – 91/100. 2002 eine sensationelle würzig-dichte Granate mit dichter Farbe, in der Nase Gewürze, Kräuter, Tabak und Kaffeearomen, immer noch spürbare Tannine und langer Abgang – 93/100. War 2013 leider korkig, aber man spürte das gewaltige Potential dieses Weines. 2016 immer noch jung und kraftvoll mit enormer Substanz, sehr würzig. Ich das Gefühl hatte, dass er demnächst mal wieder seine Identität ändern und noch zulegen dürfte – WT94+. Deutlich offener Ende 2016 aus einer weiteren Flasche, stilistisch noch Rhone, aber Burgund in Sicht – WT96.

Sehr gute Weine wurden nicht nur zur damaligen Zeit, sondern speziell auch 1970 in Kalifornien erzeugt, wovon man damals in Europa noch kaum Notiz nahm. So kamen auch nicht viele dieser Weine nach Europa. Die besten unter ihnen sind aber – so sie jemals auftauchen – die Suche wert.

Mindestens 10 Jahre zu alt war 1998 in Zürich ein Beaulieu Cabernet Sauvignon, helles Rostbraun, blühte im Glas kurz auf mit Kakao - und Schokotönen, ging dann schnell in Madeira über. Der Beaulieu Cabernet Sauvignon Private Reserve George de Latour hingegen war 2003 in Boston ein traumhaft gereifter Top-Kalifornier, noch lange nicht am Ende - 94/100. Zeitlos schön präsentierte er sich zuletzt 2010 Beaulieu Reserve George de Latour. Weich, reif, sehr fein und aromatisch mit schmeichlerischer Süße und dezenter Minze, ein perfekt gereifter, großer Kalifornier, der es in dieser Form noch etliche Jahre macht – 94/100. Wie gut Heitz sein kann, zeigte dann 2005 der überragende Heitz Martha´s Vineyard, so dicht, so jung, so kräftig, ein noch ganz junges Riesenteil, das in dieser Form sicher noch 20+ Jahre lebt, in der Nase feine Minze, etwas Eukalyptus, am Gaumen sehr kompakt und muskulös - 98/100. 2008 ein altersfreier Gigant, muskulös, dicht, komplex, der ewig lang am Gaumen bleibt. Erinnert mit seiner faszinierenden, druckvollen Aromatik, mit seiner feinen Mischung aus Minze, Eukalyptus, altem Sattelleder und Zedernholz nicht nur an den hochgelobten 74er aus dem eigenen Stall, sondern auch an 45 Mouton Rothschild – 99/100. 2010 noch sehr jung wirkend – 95+/100. Kräftig, dicht mit viel Minze und Eukalyptus auch 2011 auf der großen Heitzprobe der Ungers – 94/100. 2015 Etwas offener mit Minze ohne Ende, ein großer Bordeaux aus Kalifornien, leicht jodig mit erster, feiner Süße – WT97. Schlichtweg perfekt 2016, dabei noch so jung und druckvoll – WT100. Altersfrei mit sensationeller Farbe 2011 der Heitz Cabernet Sauvignon, ein gewaltiger, sehr präsenter Wein, erstaunlich frisch mit viel Minze, am Gaumen kräftig, aber auch schlank, ging als großer Bordeaux vom linken Ufer durch – 95/100. Sehr schön 2005 ein Louis Martini Cabernet Sauvignon.. Die Farbe war reif mit deutlichem Orangenrand. In der Nase erst leichter Medizinalton, der schnell verschwand, dann kam immer stärker Minze, später kräftige Teernoten. Der Wein wandelte sich kontinuierlich und baute, ohne abzusaufen, sehr schön im Glas aus. Am Gaumen feine Süße, deutliche Reifetöne, faszinierende Aromatik, wird immer schöner. So einen Wein mit all seinen Facetten verfolgen zu dürfen, das hat schon was – 92/100. Gegen Heitz hatte es der hoch gelobte Mayacamas Cabernet Sauvignon im direkten Vergleich 2004 richtig schwer. Sicher ein großer Wein, der aber von 70 Heitz schier erdrückt wurde, weicher, gefälliger, zugänglicher mit mehr Schmelz und schöner Minznase, kam aber von der Kraft her mit Heitz nicht mit - 95/100. 2009 sehr ätherisch, intensive Minzfrische, einfach puristisch schön mit totaler Harmonie und Eleganz, dabei noch so unglaublich frisch – 97/100. 2015 noch so jung und kräftig, druckvoll mit viel Minze – WT96. Zeitlos schön war 2012 immer noch der Mondavi Cabernet Sauvignon Unfiltered, der immer noch gute Frucht zeigte, altes Sattelleder und getrocknete Kräuter. Ein harmonischer, ausgewogener Wein mit nur 12% Alkohol und guter Länge am Gaumen. 2014 aus einer bauchigen Burgunderflasche mit der Inhaltsangabe 2/5 Gallonen, was einer Magnum näher kommt. Ein starker Auftritt, mineralisch. Präzise mit schöner, kirschiger Frucht, baut mit der Zeit im Glas etwas ab und hätte sonst mehr verdient als WT93. Ridge Monte Bello zeigte 2008 auf der Ungerschen Kalifornien-Probe erst viel Liebstöckel, dann etwas verhaltene Minze, immer mehr Malaga und auch etwas Lakritze, am Gaumen hohl und säurelastig. Da gab es nichts schönzureden, der war einfach hin – 76/100. 2016 auf der California Wine Monuments ein unsterblicher, riesengroßer Ridge mit wunderbarer Frucht, die sich auch am Gaumen fortsetzte, enorm kräftig und dabei wiederum so elegant und stimmig – WT97.

Immer für Überraschungen ist Australien gut, wo schon damals hochklassige Weine erzeugt wurden.

Überraschungssieger einer Probe in der Wachau war 1998 ein Lindemans Hunter Valley Shiraz Bin 4110, ein sehr dichter, langer Klassewein. Während unter dem Namen Lindemans heute hauptsächlich Massenplörre vertrieben wird, sind alte Lindemans ein leider schwer zu findender Glücksgriff. Hervorragend auch 2007 ein Eileen Hardy Bin 80 McLaren Vale Shiraz. Wenn man diesen ersten Jahrgang von Eileen Hardy im Glas hat, fragt man sich, warum Australien heute bevorzugt süße Suppe produziert. Dieser Riesenstoff hier wirkte immer noch so jung und frisch mit feiner, würzig-pfeffriger Frucht, so ausgewogen, voller Finesse und mit überzeugender Länge am Gaumen. Macht nicht satt, sondern mit jedem Schluck neugierig auf den nächsten – 96/100. Zwei unterschiedliche Flaschen 1999 auf der Penfolds Grange Probe in Lehrbach. In der besseren Flasche(die andere fiel deutlich ab) eine sensationelle, fast überreife, malzige, burgundisch-reife Nase – 95/100.

Gutes Champagnerjahr mit kräftigen Weinen. Da lohnt die Suche noch.

Dom Perignon war 1993 als RD auf einer Dom-Probe im Hummerstübchen, ein sehr kräftiger Champagner, starkes Mousseux, sehr frisch, Honigtöne, Brotkruste, Muskeln und Charme zugleich, sicher immer noch ein Genuß – 95/100. 2013 war das aus der Magnum ein riesengroßer, kompletter, noch fast taufrischer Champagner – WT97. Sehr schön 1996 bei Drawert auch ein frisch degorgierter Laurent Perrier. Eine Veuve Clicquot Carte d´Or Magnum, 1980 degorgiert, hatte 1996 eine helle Farbe, wirkte noch geradezu jugendlich mit kräftigem Mousseux, sehr lang am Gaumen – 95/100.

Sehr guter, klassischer Portwein-Jahrgang mit Weinen, die sich erst spät öffneten, jetzt meist auf dem Punkt sind, aber genügend Substanz für längere Alterung haben.

Ein klassischer, gut gereifter Port, sehr stimmig mit feiner Süße und Rumtopfkirschen 2015 auf Sylt der Graham – WT94. Unausgewogen 2013 der Hutcheson, einer feinen, generösen Marzipan-Süße stand eine spritige Nase gegenüber – WT86. Erste Reife zeigend war der hocharomatische, komplexe Taylor Vintage Port 2008 ein komplettes Dessert für sich – 95/100. Auch zuletzt 2013 aus der halben Flasche war das ein reifer, aber altersfreier Port mit immer noch feiner Kirschfrucht und wunderschöner Marzipansüße, weich und samtig ohne Ecken und Kanten, aber auch ohne irgendwelche spritigen Noten, blieb ewig am Gaumen, einfach ein Traum – WT95. Deutlich jugendlicher 2014 und 2016 – WT96+. Und sehr jung, aber mit grandioser Zukunft, Ende 2016 beim Paulson Raritäten Dinner – WT94+. Der Warres war 2015 mit gekchten Früchten und wenig Freude eher durchschnittlich – WT88.