2021

Oops, so dünn? Nein, das war der Jahrgang 2021 nicht. Da gab/gibt es schon eine Menge Weine zu entdecken. Aber ich mache nicht aus jedem Probeschluck, den ich irgendwo erhasche, gleich eine Story. Das überlasse ich den professionellen Verkostungsknechten, die Euch für Euer gutes Geld entsprechende (Web)seiten mit Jahrgangsberichten in epischer Breite füllen. Ich beschränke mich auf die Weine, die ich irgendwo aus Liebe zum Wein genießen durfte, was natürlich bevorzugt reifere und auch größere Gewächse sind. Und so wächst und reift dann bei mir so ein Jahrgangsreport wie ein guter Wein. Meine Erfahrungen teile ich hier dann gerne, natürlich rein privat ohne jedes kommerzielle Interesse. Werbung, Promotions oder Abomodelle gibt es beim Wineterminator nicht.

Sehr gut gefielen mir 2024 die Weißen Bordeaux. Carbonnieux Blanc war frisch, würzig, floral mit Zitrus und guter Säure, voll trinkbar – WT92. Domaine de Chevalier Blanc hatte eine traumhafte, florale Nase mit weißen Früchten und Mandeln, war sehr elegant und balanciert, aber auch komplex mit enormem, aromatischem Druck und toller Länge – WT97+. Der frische Fieuzal Blanc wirkte etwas kerniger, aber mit großer Zukunft – WT93+. Pape Clement Blanc wirkte erstaunlich füllig mit Fruchtsüße, aber auch mit Spannung – WT93+.

Sehr kräftig und druckvoll mit rassiger Säure, Grip, Präzision und kalkiger Mineralität war 2024 der brillante Puligny Montrachet Les Tremblots von Hubert Lamy – WT94+. Kräftig, würzig, mineralisch und sehr ausdrucksstark war 2024 der Chablis Montée de Tonnerre von Lucien le Moine – WT93+. Frisch, präzise, aber auch sehr nachhaltig zeigte sich 2024 der St. Aubin 1er Cru "Les Pitangerets" von Paul Pillot – WT92.

Fruchtig, würzig und leicht rauchig 2023 der Sauvignon Blanc Fumé von Landerer – WT87.

Hin und weg war ich 2022 auf Sylt und auch 2023 mehrfach wieder vom rassigen Ohligsberg Kabinett von Kilburg. Grapefruit Limonade für Erwachsene vom Feinsten, harmonisch trocken wirkend mit genialer Struktur, feiner, steiniger Mineralität und tollem Zug - WT94. 

Das noch so jugendliche Felsenberg GG von Dönnhoff war 2023 erfrischend und charmant mit Zitrus, Apfel, rassiger Säure, felsiger Mineralität und Jod – WT95+.

2021 galt ja nicht als einfaches Jahr. Aber das was die Kellers da mit ihrem unermüdlichen Streben nach Perfektion auf die Flasche brachten, das war schlicht und einfach genial. Das zeigte eine Verkostung im Dezember 2022, auf der die Weine schon deutlich mehr zeigten, als noch im Sommer. Sehr elegant und vibrierend mit viel Energie und sehr guter Säure das Kirchspiel GG. Kräftiger und druckvoller der fantastische Obere Hubacker GG, beide sicher in der WT97+ Liga. Da liegt auch das Morstein GG mit kühler Eleganz, tiefer Mineralität, schöner Fülle und großartiger Länge. Traumhaft und auf dem besten Wege zur Perfektion wieder die Abtserde, mein Lieblings-Keller, Eleganz und Finesse pur, so nobel und geradezu aristokratisch, so dicht und trotzdem so fein mit perfekter Balance und toller Länge. Irre gut gefiel mir auch vom Roten Hang der sehr würzige Hipping mit einer geradezu unglaublichen Trinkigkeit. Und „Tante Pettie“, der Pettenthal, von dem es nur 550 Flaschen gibt, zeigte sich als Abtserde vom Roten Hang mit traumhafter, spielerischer Eleganz und mineralischer Präzision. Und natürlich kam ich beim + ins schwärmen, absolute Perfektion, fruchtige Fülle, Präzision und gewaltiger, aromatischer Druck, der Chambertin unter den Rieslingen. Machen Punkte in diesem Stadium Sinn? Wenn ich jetzt Punkten müsste, wäre ich bei WT97 für Kirchspiel und Hubacker, WT98 für Morstein, WT99 für Hipping und WT100 für Abtserde, Pettenthal und GMax. Man merkt diesen großartigen Weinen an, dass die Kellers ganz konsequent auf besser statt mehr setzen. Der Riesling vom Brummelochsenboden, Dalsheimer Sauloch vom Weingut Müller-Dr. Becker war 2024 frisch, kräuterig, würzig, mineralisch mit guter Säure – WT90. Im Frühjahr 2023 der erste Morstein von Wittmann zum ersten Spargel, was für eine tolle Kombination, knackig frisch, elegant, verführerisch mit Zitrus und Pfirsich, salzige, kalkige Mineralität, rassige Säure und erste, fruchtige Fülle mit cremiger Textur, großes Potential - WT96+.

Sehr elegant und offener als noch vor zwei Jahren zeigte sich 2024 der mineralische Idig GG von Christmann mit präziser Zitusfrucht, kräftig und mit enormer Substanz am Gaumen mit noch viel Potential – WT94+.

Großartig 2024 der Sauvignon Quartz von Terlan, so knackig und frisch mit Cassis, Zitrus und Hollunder, mit enormer Kraft, Tiefgang und Länge – WT96.

Dicht, kräftig mit fruchtiger Fülle 2024 der vitale und extraktreiche Ornellaia, der gut altern und sich dabei noch entwickeln dürfte – WT96+.

Kräftig und vollmundig 2023 der Chardonnay Passion von Donatsch – WT93. Gewaltiges Potential, aber auch schon erstaunlich viel Charme und Rasse mit guter Säure zeigte 2023 aus geringer Ernte der konzentrierte Gantenbein Chardonnay – WT96+. Atemberaubend schön 2023 mehrfach der Gantenbein Riesling. Natürlich noch sehr jung, aber mit dieser rassigen Säure, der feinen Frucht, Zitrus und Limette, den schönsten Alpenkräutern und intensiver Mineralität machte der schon unglaublich viel Spaß - WT97+. Animierend und fröhliche 2023 der Chardonnay von Christian Hermann, würzig, mineralisch mit feiner Zitrusfrucht - WT93.

Frisch, schmelzig und voll trinkreif 2024 der Beringer Chardonnay Private Reserve – WT93. Fein und süß 2021 ein Inniskillin Icewine von den Niagra Estates, der aber auch gute Säure zeigte – WT92.

Beeindruckend war 2024 ein rarer Célèbre Haut Plateau de l´Himalaya aus China. Dieser Chardonnay war frisch und elegant, floral und mit feiner Steinfrucht, dazu wunderbarer, cremiger Textur – WT93.