Riesling Raritäten an der Algarve 2026

Tradition hat sie inzwischen, meine Riesling Raritäten Probe im Vila Vita Parc an der Algarve. Nicht etwa, dass es Portugal keinen Wein gäbe. Portugal ist eine spannende Fundgrube für erstklassige Weine. Und gerade deshalb lasse ich mir es nicht nehmen, meine dortigen Freunde einmal im Jahr mit gereiften Riesling Raritäten zu überraschen.

Als Apero gab es eine Überraschung meiner portugiesischen Freunde, einen 2014 Tavora Varosa Riesling Spumante Bruto einer Familie Hehn. Der war 2014 geerntet worden und wurde nach 10 Jahren auf der Hefe 2024, degorgiert. Ganze 1700 Flaschen gab es von diesem Unikat, das sich sehr frisch mit guter Säure und Zitrusfrucht, dabei etwas leichtgewichtig, zeigte – WT88.

Der Vila Vita Chefsommelier Augusto Brumati brachte die Rieslinge in einer ungewöhnlichen, aber spannenden Reihenfolge meist als Zweierflights ins Glas. Enormes Potential zeigte der trockene (Weiße Kapsel) 2017 Ockfener Bockstein Auslese*** von Molitor. Noch so frisch und vibrierend mit viel Spannung zeigte er rassige Säure, Zitrusfrucht, wohldosierte Kraft und Fülle, intensive Mineralität und gewaltige Länge. Dürfte über die nächsten 20+ Jahre noch deutlich zulegen – WT96+. Mit rassiger Brillanz, so delikater, immer noch frischer Frucht, mineralischer Präzision traumhafter Eleganz und sehr guter Länge überzeugte die immer noch altersfreie 2005 Hermannshöhle GG von Dönnhoff – WT97.

Zu einem großen Wein gehört natürlich auch eine perfekt gelagerte Flasche, das, was man halt Flaschenglück nennt. Und das hatten wir heute durchgängig. So auch mit diesem grandiosen 2001 Forster Pechstein GC von Bürklin Wolf. Den hatten wir hier in der Algarve 2020 schon mal in geradezu jugendlicher Perfektion, aber auch vor zwei Jahren aus einer viel zu reifen, schlechten Flasche. Jetzt brillierte dieser grandiose Wein wieder mit immer noch so jugendlicher Frische, mit toller Frucht und mit enormer Kraft und Tiefe – WT98. Im anderen Glas der atemberaubende, fast noch zu junge, packende 2014 Erdener Prälat Reserve von Dr. Loosen mit rassiger Frucht, intensiver Säure, traumhafter Fülle, Komplexität und Länge. Da ist Perfektion in Sicht, irgendwann in den nächsten 5-10 Jahren – WT97+.

Immer noch erstaunlich frisch mit gelbfruchtiger Fülle, feinem Schmelz und dezenter Petrolnote mit guter, reifer Säure zeigte sich der 2004 Niersteiner Orbel von St. Antony - WT94. Der 2002 Riesling Unendlich von F.X. Pichler wurde seinem Namen voll gerecht. Diese Undendlichs von Pichler brauchen einfach Zeit. Jetzt hier nach über 20 Jahren wirkte dieser noch so jung, kräftig und druckvoll mit unglaublicher Pracht und Fülle, so komplex mit viel Tiefgang und irrer Länge, einfach unendlich – WT99.

Geradezu jugendlich zeigte sich auch das 2005 Kirchspiel GG von Keller. Mit dieser typischen, spielerischen Kirchspiel Eleganz, betörender Frucht, immer noch rassiger Säure, feinem Schmelz und mineralischer Präzision war das trockener Riesling vom Feinsten – WT97. Unser Freund Luis hatte da noch ein 2015 Hubacker GG von Keller zugestellt. Edelrustikal im (damals) klassischen Hubacker Stil, zeigte der sich zwar mit der prächtigen, cremigen 2015er Fruchtfülle, aber erstaunlich schlank, präzise und kraftvoll mit noch viel Entwicklungspotential – WT95+.

Schlichtweg grandios und immer noch so blutjung zeigte sich der 2016 La Borne Versteigerungswein von Wittmann. Mit messerscharfer Präzision, mit Rasse und Klasse, dazu mit intensiver Mineralität war das so eine Art Morstein mit Turbolader – WT97+. Reife ist bei großen Rieslingen einfach alles. Das zeigte deutlich der rare 2012 Rothenberg Wurzelecht GG von Kühling Gillot. In der Jugend war dieser Gigant im Werden noch sehr verschlossen. Inzwischen öffnet er sich zunehmend. Das war hier jetzt ein sehr komplexer, druckvoller Wein mit enormer Kraft, Tiefe und Fülle, der noch eine gute, spannende, längere Zukunft bis 2040+ haben dürfte – WT96+.

Immer noch große Zukunft dürfte auch der 2012 Riesling 1896 1. Lage von Carl Loewen haben. Dieser Wein von 1896 (!) gepflanzten Reben präsentierte sich mit tiefer, aber klarer Farbe als ein gewaltiges Konzentrat mit dichter, präziser Frucht, guter Säure und intensiver Schiefer-Mineralität, kräftig, komplex und lang, entwickelt am Gaumen aber auch cremige Fülle - WT96+. Sehr vital und ohne Alter zeigte sich auch der 1994 Riesling Clos Saint Urbain Rangen de Thann von Zind-Humbrecht aus dem Elsass. Glockenklar und puristisch schön mit fast noch jugendlicher Frische und zitrischer Frucht zeigte dieses Unikat enorme, würzige Kraft und Fülle, balanciert mit guter Säure und intensive Mineralität. Parkers 98 Punkte konnte ich damals 1996 nicht nachvollziehen. Jetzt, 20 Jahre später, standen sie in meinem Notizbuch. Solang hat diese „vergessene“ Flasche unbewegt in meinem sehr kalten Keller gelegen. Irgendwo müsste sich noch eine weitere Flasche versteckt haben. Egal, wenn ich si erst in 5 oder 10 Jahren finde. Die Weine von Zind Humbrecht können und müssen altern, um alles zu zeigen – WT98. Krönender Abschluss unserer Probe war dann ein 1947 Cröver Engelberg Riesling von der Dreigiebelhaus Kellerei aus Traben Trarbach. Unfassbar, wie sich dieser 79jährige Senior mit noch soviel Frische und ohne den kleinsten Hauch von Oxidation präsentierte. Mit feiner, reifer Frucht, guter Säure und erstaunlich schöner Länge war das Trinkspaß pur und ein grandioses Erlebnis – WT96.