August 2020

Happy Birthday liebe Schweiz

In der Schweiz wird er groß gefeiert, der Nationalfeiertag am 1. August. Und da ich die Schweiz, in der ich viele liebe Freunde habe, sehr mag, feiere ich natürlich mit. Im letzten Jahr war das im Berens am Kai ein richtig großes Fest. In diesem Jahr fiel das Corona zum Opfer. Aber mit 2 formidablen Gantenbein-Magnums bin ich zu Franz Josef Schorn ins Marli gezogen, wor wir die Schweiz in kleinerem Kreise hochleben ließen. Als Apero vor den Ganti Magnums gab es eine 1971 Kanzemer Berg Auslese von Othegraven aus dem Jahrgang von (vermutlich) Günther Jauchs erstem Rausch. Noch so frisch und vibrierend war die, harmonisch trocken, mit leicht pikanter, exotischer Frucht, viel Ananas, immer noch rassiger Säure und guter Mineralität - WT94. Ich bin kein allzu großer Fan restsüßer Weine. Aber wenn sich eine solche, nach knapp 50 Jahren perfekt gereifte Auslese harmonisch trocken und immer noch so frisch präsentiert, dann ist das ein einmaliges Erlebnis. Übrigens auch ein perfekter Speisebegleiter. Wer so etwas nicht hat und auch in Opas Weinkeller nicht findet, dem empfehle ich eine Fahrt nach Trier ins Schloss Monaise zu Altmeister Hubi Scheid, der perfekt zu solchen Weinen kocht, was natürlich Franz Josef Schorn auch kann. Und dann kamen diese beiden, schlichtweg atemberaubenden Gantenbein Magnums. Der ultrarare 2016 Gantenbein Chardonnay ist mit das beste, was es auf diesem Planeten aus dieser Rebsorte gibt. Der muss sich auch hinter den größten Weißen Burgundern nicht verstecken. Noch sehr jung, aber so präzise, würzig und mit erstem, feinem Schmelz, da kommt in den nächsten 15-20 Jahren noch mehr – WT97+. Den in kleinem Kreise aus vollen Gläsern über längere Zeit verfolgen, erleben und genießen zu dürfen, das hatte was. Und das galt natürlich auch für den grandiosen 2016 Gantenbein Pinot Noir. Sehr elegant mit burgundischer Pracht und Fülle, aber vor allem mit dieser unnachahmlichen, sinnlichen, erotischen Note, einfach ein Traum – WT97. Franz Josef zauberte danach aus seinem Keller noch einen 1989 Willamette Valley Oregon Pinot Noir von Amity Vineyards. Der war bei aller Reife noch gut trinkbar, hatte es aber direkt nach Gantenbein verdammt schwer – WT88. Großartiger Abschluss dann der zwar noch sehr junge, aber geradezu opulente und hedonistische 2001 Ridge Monte Bello mit für Monte Bello auch untypisch hohem Alkohol (14,2%). Wird sicher gut altern und dabei deutlich an Struktur und Tiefgang gewinnen – WT96+.

Oldies but Goldies

Ausgesprochen frisch und jugendlich der Start unseres Weinlunches auf der hochsommerlichen Terrasse des Landhauses Mönchenwerth. Beim 2013 Ürziger Würzgarten Alte Reben Reserve von Dr. Loosen war der Name Programm. So würzig war dieser faszinierende Riesling mit schöner Fülle, der knackigen 13er Säure, dazu viel Grip und Spannung – WT95. Alt wirkte beim nächsten, einem Geburtstagsking gewidmeten Wein nur das Label. Einfach zeitlos schön und sehr elegant der 1966 l´Arrosée in einer Barrière-Abfüllung, ein wunderbarer Gaumenschmeichler mit reifer Frucht, Tabak, Leder und etwas Schokolade – WT95. Bedenken hatte ich erst beim 1951 Imperial Gran Reserva von CVNE ob der schon sehr reifen, aber dichten Farbe und dem brüchigen Korken. Doch dieser Rioja entwickelte sich prächtig im Glas und baute enorm aus. Mit leicht malzig-rosiniger Fülle und erstaunlicher Kraft und Länge war der verdammt gut zu trinken – WT95. Machte auch und gerade zu den fantastischen Australischen Wintertrüffeln in bester Perigord Qualität sehr viel Spaß und war eine gelungene Begleitung. Deutlich jünger natürlich aus einem eher mittelprächtigen Kalifornien-Jahrgang der 1983 Chateau Montelena. Ein kräftiger, ledriger, sehr minziger Old School Kalifornier mit viel Schwarzer Johannisbeere und guter Struktur für noch etliche Jahre – WT94. Und dann kam last not least noch ein Geburtstagswein für Restaurantchef Sascha Bürgel. Dieser 1972 Volnay in einer Calvet Abfüllung mit sehr gutem Füllstand und guter Farbe aus bester Lagerung war so fein und finessigem mit süßem Schmelz, dazu mit der dosiert rustikalen Eleganz und dem Charm eines Volnay, einfach wunderschön zu trinken – WT94. So ging Burgund früher, ein großes Handelshaus, eine einfache Dorflage, sicherlich seinerzeit sehr bezahlbar, aber in großartiger Qualität. Ich habe mit solchen Weinen, wenn sie aus guter Lagerung kamen, immer nur gute Erfahrungen gemacht. Und wer schöne, gereifte Burgunder sucht, muss nicht nach den teuren Namen von der Côte-de-Nuits greifen. An der Côte-d´Or, speziell in Pommard und Volnay lassen sich gute Entdeckungen machen.

Happy Hochzeitstag

Unverhofft kommt (nie zu) oft. Auf der Rückfahrt vom Office, wo ich Sonntagnachmittag immer den Wochenstart vorbereite, kam ich am geschlossenen Passion du Vin vorbei, diesem charmanten Weinladen in Niederkassel. Da saßen unerwartet draußen Tanja und Michael und winkten freundlich. Klar winkte ich freundlich zurück und erfuhr, dass die beiden Hochzeitstag hatten. Da gab es nur eines. Schnell die Gattin anrufen, per Telefon den Weinkühlschrank checken (meine Frau ist einfach Gold wert), um dann zu viert mit den beiden anzustoßen . Ein perfekt gereifter, hedonistischer Traum mit saftiger, süßer Frucht der 1989 Tertre Roteboeuf, portig-füllig mit eingelegten Pflaumen, kräftig, aber auch mit feinem Schmelz, traumhafte Länge. Wirkte reif, dürfte aber aus guter Lagerung (meine Flaschen habe ich 1990 für DM 36.- in der Subskrition gekauf) noch etliche Jahre auf diesem hohen Niveau bleiben – WT97. Eigentlich brauchen Monte Bellos bis zur Genussreife lange und sind in ihrer Jugend ziemlich tanninbetont. Nicht so dieser geniale 2012 Ridge Monte Bello, ein herrlicher, jugendlich frischer Bordeaux aus Kalifornien mit Traumfrucht, der bereits unglaublichen Trinkspaß bereitete – WT96. Dürfte trotzdem sehr gut altern und durchaus auch noch zulegen. Wir hatten am Tisch heftige Diskussionen, welcher der beiden Weine jetzt der schönere war. Die männliche Fraktion stimmte geschlossen für den Tertre Roteboeuf, die weibliche für den Ridge Monte Bello. Unverhofft kommt viel zu selten.